Wen man so in der Marina trifft (Dezember 18 – Januar 13)

März 5, 2007  
Themen: Mexiko

13. Januar 2007. Genau ein Jahr ist vergangen seid wir hier in Mexiko gelandet sind und erstaunlicherweise befinden wir uns genau dort, wo unsere Reise begonnen hat: in Cancun (jetzt auf der Isla de Mujeres nahe Cancun). Nun stehen wir kurz davor eine Reise auf einem Segelboat anzutreten, dass uns zu einigen der karibischen Inseln bringt. Oder besser gesagt, wir bringen uns mit dem Boat selbst bis dahin, unter Anleitung unseres Kapitaens Stuart. Leider spielt das Wetter nicht so ganz mit. Der Wind blaest mit voller Kraft aus nord-oestlicher Richtung, und genau da wollen wir hin. Hinzu kommt der Golfstrom, der zwischen Mexiko und Kuba mit hoher Geschwindigkeit durchbrecht. So wie es aussieht, werden wir also einen nicht ganz sanften Start ins Leben auf dem Meer haben.

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Vier Wochen haben wir hier auf der Insel Isla Mujeres verbracht. Wir haben bis auf einen freien Tag durchgearbeitet, ohne Wochenende und Erholung. Fast jeden Morgen um Punkt 7 Uhr stand Stuart im Boat, was zwar den Vorteil hatte die kuehlen Morgenstunden zum Arbeiten zu nutzen, was uns bei unserer Angewohnheit spaet zu Bett zu gehen aber weniger zugute kam. Stuart hatte eine tolle Art Dinge zu erledigen. Wenn er verlauten liess “wir muessen dies und jenes machen”, wussten wir, dass Stuart verschwinden wird und die Arbeit an uns haengen bleibt. Organisation war ein Fremdwort waehrend dieser vier Wochen, wenn nicht wir die Sache ab und zu in die Hand nahmen. Stuart genoss derweil das Leben, die Frauen, den Besuch seiner Kinder, gutes Essen, das Schwimmbad im Freien und das endlose Schnattern und Besuchen anderer Boatsbesitzer. Wir werden mit der Zeit ein wenig ungeduldig, und hoffen bald den Hammer fallen lassen zu koennen und endlich loszuziehen. Auch wenn die Zeit, die wir dafuer haben immer weniger wird, da das Wetter uns nicht losziehen laesst. Wir hoffen aber innigst, dass wir wenigstens ein

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paar Tage in Kuba verbringen koennen und Stuart uns bis zu der Dominikanischen Republik mitnimmt.

Ein riesiges Bonbon als Belohnung gab es von Stuart zu Weihnachten. Wir bekamen zwei Naechte in einem Hotel geschenkt. Obwohl wir uns dort zwar fast nur nachts aufhielten, war es eine willkommene Abwechselung. Zwei grosse Betten, ein grosses Bad und einen gemuetlichen Balkon, von dem aus wir direkt aufs Meer schauen konnten. Auch lud uns Stuart des Oefteren zum Essen ein und uebernahm fuer die Zeit der vor uns liegenden Segeltour die gesamten Unterhaltungskosten (Essen, Gas, einfach alles). Zwar ist Stuart ein richtiger Lebemann und Sorgenichts, er vergisst darueber aber nicht seine Schuetzlinge.

Waehrend wir in der Marina wohnten, trafen wir viele Bootsbesitzer. Wir hatten vor allem mit den Reichen und Schoenen das Vergnuegen. Wenn man nicht in diesen Kreisen verkehrt, macht man sich schon ab und an einmal ein voellig falsches Bild von diesen Menschen. Ich war freudig ueberrascht herauszufinden, wie normal doch auch diese Leute sind.

Besonders sind mir da Hakim und Camilla in Erinnerung geblieben. Sie leben jeweils zwei Wochen auf ihrer prachtvollen Yacht, die seit Monaten bereits in der Isla Mujeres in der Marina liegt, und fliegen dann fuer zwei Wochen nach Hause, nach Kanada. Hakim kommt aus Israel und ist scheinbar gut im Geschaeft mit der Produktion und dem Verkauf von luxurioesen Sonnenbrillen –  www.hakimoptical.ca. Er spricht unzaehlige Sprachen, da er als junger Mann Matrose war und so in der ganzen Welt herumkam. Camilla ist Rumaenin und hat sich vor langer Zeit Kanada als zweite Heimat ausgesucht. Camilla hat ihren Ingenieur in Maschinenbau in der Tasche, was ihr besonders auf dem Boot zugute kommt. Hakim und Camilla haben sich in Kanada kennengelernt und gehen ihren Weg seit 15 Jahren gemeinsam. In dieser Zeit hat Camilla auch ihre Kapitaenslizenz gemacht, da sie so offiziell die Bootsyacht steuern kann. Waehrend ihres Aufenthaltes ausserhalb des Bootes, treibt es Hakim und Camilla fuer Sonnenbrillen-Modenschauen um die Welt.

Hakim und Camilla besitzen eine grosse Motoryacht, die wirklich mit den tollsten Dingen versehen ist. Luxus schlaegt dem Auge nicht nur von aussen entgegen. Im sogenannten “Wohnzimmer”, was bestimmt 15mx8m gross ist, gibt es neben super bequemen Mobiliar auch einen Flachbildschirm auf jeder Seite des Raumes, so dass Fernsehen fuer jeden Gast eine bequeme Angelegenheit ist. Die Kueche ist ein Traum im Vergleich zum Trimaran. Sie glich einer modernen, nahezu in jedem grossen Haus installierten Kueche. Dazu gab es riesige Kuehl- und Gefrierschraenke, die an ein Restaurant erinnerten. Die Schlafgemaecher haben wir nicht einsehen koennen, dafuer aber das riesige “Cockpit” und die Dachterasse mit ausladenden, weissen Ledersofas, von der aus das Boot fast ausschliesslich gesteuert wird.

Augustas und ich waren freudig ueberrascht, wie normal die Beiden sich trotz ihres Lebensstils verhielten. Sie wirkten in keinster Weise abgehoben. Sie waren uns ebenbuerdig und wir fuehlten uns auf Anhieb wohl in ihrer Gesellschaft. Wir lernten die Beiden naeher kennen, da Augustas ihnen half, wichtige Navigationssoftware auf ihren Computern zu installieren und modifizieren. Hakim’s Dankeschoen dafuer war je eine Sonnenbrille fuer mich und fuer Augustas. Unser zweites Weihnachtsgeschenk 😉

Ein weitere, sehr bemerkenswerte Person in der Marina war James. Er legte mit seinem riesigen Catamaran an. Mit grossen Augen betrachteten wir sein Boot und unser Wunsch einmal hineinzuschauen erfuellte sich kurze Zeit spaeter. Stuart hatte erfahren, dass James eine interessante Navigationssoftware besass und wollte eine Kopie davon haben. Den Wunsch konnte er sich mit Hilfe Augustas erfuellen. Dafuer musste sich Augustas auf James’ Boot begeben und ich nutzte die Gelegenheit auch mit aufzuspringen. Wow, wie geraeumig war doch dieser Catamaran! Ich kam mir vor wie ein Zwerg im Land der Riesen.

James ist Australier und hat einen bemerkenswerten Lebenslauf aufzuweisen. Er wuchs in einem Waisenhaus auf und interessierte sich frueh fuer Rugby. Um Rugby spielen zu koennen, trat er der Armee bei, denn nur so konnte er diesen Traum finanzieren. Das brachte allerdings auch viele Einsaetze in Kriegen mit sich, die James in schlechter Erinnerung blieben. Als er eines Tages einen 15jaehrigen ausser Gefecht setzen musste, der wahllos unschuldige Menschen auf der Strasse erschoss, warf er das Handtuch und kehrte dem Militaer den Ruecken zu. Mittlerweile fuehrt James Vergnuegungslustige auf Bootstouren hinaus aufs Meer. Dazu ist er in verschiedenen Teilen der Welt unterwegs. Zudem beschaeftigt ihn seit einiger Zeit der Aufbau eines eigens angefertigten Holzhauses, dass er auf seinem Grundstueck in Australien erstellen will. 

Es war immer interessant mit James, vor allem weil er auf Nachfrage zu einem Thema alle Einzelheiten ausfuehrlich und mit einer Engelsgeduld erklaerte. Er war es schliesslich auch, der uns vor unserer Abfahrt nach Kuba beibrachte, die Navigationsprogramme lesen zu koennen und das dazugehoerige GPS mit den geplanten Daten aus dem Computer zu speisen. Zudem lehrte er mich neue Dehn- und Kraeftigungsuebungen fuer meinen Ruecken und Augustas neue Massagetechniken.

Megan und Tom waren auch etwas ganz Besonderes. Sie hatten sich in Kanada kennengelernt, wo Megan als Chefkoch in einem Restaurant arbeitete. Tom, aus den USA, kam vorbeigesegelt und keine 1,5 Monate spaeter waren sie verheiratet. Darauf folgte eine Hochzeitssreise, die unter anderem auf die Isla de Mujeres fuehrte. Dort brach sich Megan bei einer Fahrradtour das Schluesselbein und so verbrachten sie die gesamten Flitterwochen auf der Insel. In dieser Zeit lernten sie die Besitzer eines Hotels naeher kennen und uebernahmen die Regie fuer die Zeit derer Abwesenheit. Ohne es zu wollen, fingen Megan und Tom an auf der Insel zu leben und eines Tages begannen sie an ihrem groessten Traum zu arbeiten: ein selbstgebautes Segelschiff. Obwohl erst halb fertig, erinnert es an jene, majestetischen Schiffe der Vikinger, mit denen Segeln wohl noch ein mystisches Abenteuer war. Wen das Aussehen des Schiffes interessiert, hier die Website: www.wharram.com. Dort einfach das Modell PAHI 63 suchen.

An diesem Schiff arbeiten die Beiden bereits seit 4 Jahren. Ein Ende ist nicht in Sicht. Eigentlich sollte das Boot bereits fertig sein, nur hat der schlimme Hurrikan im Oktober 2005 einen grossen Teil ihrer Arbeit zerstoert. Megan und Tom liessen sich nicht entmutigen und arbeiten weiterhin an dem Boot. Da ihre finanziellen Mittel dem Ende zugehen, planen sie fuer einige Zeit in die USA zurueckzukehren, um dort zu arbeiten.

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Da es nun einmal Dezember war, stand auch Weihnachten irgendwann vor der Tuer. Da sassen wir Zwei nun allein im Boot, nachdem wir bis zum spaeten Abend gerackert hatten. Weihnachtsstimmung wollte nicht aufkommen und wir hingen etwas traurig den Festen mit Familie und Freunden nach, an die wir in unseren Heimatlaendern gewoehnt waren. Es kullerte auch so manche Traene, bis die Stimmung ploetzlich umschlug und kreativ wurde. Augustas hatte die Idee kleine Weihnachtsgeschenke fuer Stuart und Cynthia anzufertigen. Ich wollte unbedingt einen Weihnachtsbaum und so fing ich gleich an einen zu zeichnen. Nach einer halben Stunde war alles fertig und wir waren gluecklich wie kleine Kinder. Der Weihnachtsbaum wurde aufgehaengt und daneben die Weihnachtswichtel gehangen. Darunter platzierten wir kleine

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Leckereien, Nuesse und Cornflakes, in selbstgebastelten Paeckchen. Fertig war der Weihnachtsabend und nun genossen wir es ein leckeres Mahl zuzubereiten. Danach folgte noch ein kleiner Film und schon war der Weihnachtsabend zu Ende. Am Morgen klatschten wir vor Freude in die Haende, als Stuart und Cynthia ihre Wichtel mit grossem Erstaunen im Boot vorfanden. Wir waren seelig.

Silvester waren wir auch nur zu Zweit. Wir lehnten eine Einladung in die Stadt ab, wo ein grosses Fest stattfinden sollte. Nicht das wir nicht gerne hingegangen waeren, wir waren aber so muede und kaputt vom arbeiten, dass wir uns vorerst fuer einen ruhigen Abend entschieden. Auch an diesem Abend bereiteten wir eine leckere Abendspeise vor und genossen einen stundenlangen Filmabend. Kurz vor Mitternacht setzten wir uns draussen aufs Boot. Wir wollten Feuerwerke von der ganzen Isla Mujeres beobachten. Um Null Uhr blieb es still. Nichts ruehrte sich. Wir schauten erneut auf die Uhr, die zeigte aber schon einige Minuten nach Mitternacht an. Wo blieb bloss die grosse Jahreswechselfeier? Da, eine Rakete ging los! Wir hoerten sie nur sehr leise, da sie weit

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entfernt entzuendet wurde. Wieder Stille. Eine halbe Stunde spaeter hoerten wir Musik aus dem Dorf und ein paar weitere Raketen erschienen am Himmel. Aha, es wurde also doch gefeiert! Im Gegensatz zu unseren Laender war der Jahreswechsel aber ausgesprochen ruhig, nahezu idyllisch. Wir fanden das gar nicht mal so Uebel, vor allem der Knaller wegen, denen wir in diesem Jahr gluecklicherweise entgangen waren.

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