Sternenregen (Dezember 9 – 14)

Dezember 13, 2006  
Themen: Mexiko

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Von Cuernavaca (70 km suedlich von Mexiko Stadt) ging es an einem Tag bis nach Veracruz (nord-oestlich von Mexiko Stadt, direkt am karibischen Meer). In Puebla steckten wir 4 Stunden fest. Eine Mutter mit ihren drei Kindern nahm

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uns schliesslich bis Veracruz (450 km) mit, da auch sie erst kuerzlich trampen war und mitgenommen wurde. Diese Geste wollte sie weitergeben. In der Hauptstadt von Veracruz (Veracruz) uebernachteten wir in den hohen Grassduenen nahe des Strandes, inmitten von Hotelketten und umgeben von riesigen Werbeplakaten.

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In Veracruz fanden wir keine Jacht zu den karibischen Inseln, so dass wir uns auf nach Celestun, eine Hafenstadt 70 km westlich von Merida machten. Das liegt auf der Yucatan-Halbinsel, durch die wir bereits im Januar-Februar diesen Jahres gereist sind.

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Auf dem Weg dorthin mussten wir eine Nacht in Villahermosa (400 km oestlich von Veracruz) Station machen. Wir schliefen in einem oeffentlichen, fuer junge, verliebte Paare sehr begehrten Stadtpark. Die Nacht war ein wenig schlaflos, besonders wegen der laut droehnenden Musik, die aus dem Vergnuegungspark herueberschallte und den Kindern, den es nachts um 1 Uhr einfiel auf dem Spielplatz herumzutoben.

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Den folgenden Abend landeten wir in einem Dorf kurz nach Campeche Stadt (350 km noerdlich von Villahermosa). Dort gab es neben einer riesigen Gefaengnisanlage auch eine psychiatrische Klinik, in der wir um Zelterlaubnis baten. Diese verwiesen uns an das Buero fuer oeffentliche Sicherheit, in gut Deutsch gesagt: Polizei. Dort wurden wir herzlich aufgenommen und konnten unser Zelt auf dem Parkplatz der oertlichen Polizeistation, direkt neben dem Auto des Polizeioberhauptes, aufstellen. Zudem bekamen wir endlich mal wieder eine Koerperreinigung zu spueren. Da wir uns direkt neben der Strasse niederliessen und die Polizei ein willkommener Anlaufpunkt fuer alle Truckfahrer ist, verlief die Nacht sehr geraeuschvoll. Doch wir liessen uns kaum stoeren, wir waren einfach zu muede.

Dienstag nachmittag waren wir endlich in Celestun (70 km westlich von Merida). Dort angekommen fanden wir nicht eine der versprochenen Jachten vor. Wir machten uns also gleich wieder gen Merida auf, um zum zweiten Mal in diesem Jahr in Progresso (50 km noerdlich von Merida) vorbeizuschauen. Als wir gegen 18 Uhr in Merida ankamen, riefen wir Patricia und Jorge an, die wir im Januar in Chicxulub (7 km oestlich von Progresso) kennengelernt hatten. Da sie nicht weit von Progresso entfernt leben, wollten wir sie besuchen. In nicht einmal einer Minute telefonieren wurden wir prompt eingeladen, noch am gleichen Abend zu ihnen nach Chicxulub (60

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km noerdlich von Merida) zu kommen. Das taten wir und es war ein sehr herzliches Wiedersehen. Mittlerweile leben die Beiden nicht mehr in einem Zwei-Zimmer-Apartment, sondern sind in ein Haus eingezogen, was bald ueber einen funktionsfaehigen Pool verfuegt, zwei wunderschoene Balkone und eine fantastische Terrasse hat sowie einem traumhaften Blick auf das karibische Meer freigibt.

Ganze 1500 Kilometer legten wir waehrend unserer viertaegigen Reise bis Chicxulub zurueck. Entlang des gesamten Weges begegneten uns Pilger, die sich auf dem Weg zu oder von der Villa der Guadalupe befanden. Die Guadalupe ist die Jungfrau Maria, die eines Tages auf dem Tshirt eines indianischen Jungen erschien, der Opfergaben in Form von Rosen darbrachte. An diesem Ort entstand die Villa de Guadalupe, die noerdlich von Mexiko Stadt liegt. Das ist der Ort, wo die Guadalupe auf des Jungen’s Tshirt erschien. Das Ereignis liegt 475 Jahre zurueck und seitdem ziehen jedes Jahr im Dezember Pilger durch ganz Mexiko bis zu Villa de Guadalupe. Der Tag der Guadalupe (der Jungfrau Maria, wie sie hier genannt wird) ist der 12. Dezember. 

Die Pilger ziehen von den verschiedensten Ecken Mexikos zur Villa de Guadalupe. Ist es fuer einige zu weit, machen sie zu einem naehliegenden Ort mit einer Kirche der Guadalupe auf. Die Pilger rennen (mit einer Fackel in der Hand) oder legen den Weg auf Fahrraedern zurueck. Meist

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werden die Laeufer oder Fahrradfahrer von einem oder mehreren Busen oder LKWs begleitet. Die Laeufer wechseln sich alle 3-4 Kilometer ab. Manchmal passieren sie die Strecke auch, indem jede 100 Meter ein neuer Laeufer postiert wird. Es laufen Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ab und zu begegnet einem auch ein aelterer Herr, was aber eher selten ist. Die Fahrradfahrer fahren in einer Anzahl von 1 – 3 Personen den Busen voraus. Wenn keine Begleitung von LKW oder Bussen besteht, werden Gruppen von 10 – 15 Personen gebildet, die die Strecke gemeinsam zuruecklegen. Die Fahrradfahrer tragen nicht nur wie die Laeufer ein Tshirt mit dem Bild der Guadalupe, sondern meist auch ein auf dem Ruecken befestigten Bilderrahmen, auf dem die Guadalupe gemalt ist.

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Die Pilger sind Tag und Nacht unterwegs und wechseln sich staendig ab. Sie erhalten waehrend der vieltaegigen Reise kostenloses Essen und Trinken in den Doerfern, in denen sie Halt machen. Einige von ihnen nehmen an dieser strapazioesen Reise teil, weil eines ihrer Familienmitglieder schwer erkrankt ist. Sie laufen oder fahren in dem festen Glauben, dass die Teilnahme an der Pilgerreise zu Kraft und Gesundheit fuehrt.

Diesen Monat wurde die Kirche in Villa de Guadalupe von 7 Millionen (!) Pilgern besucht, was zeigt, wie stark diese Tradition bei den Mexikanern verwurzelt ist und welch grosse Bedeutung dieses Ereignis fuer sie hat.

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Jetzt aber zurueck zu unserer Reise. Die letzten zwei Tage haben wir in Chicxulub verbracht. Gestern forschten wir in Progresso nach einer Moeglichkeit, per Fracht- oder Passagierschiff zu den karibischen Inseln ueberzusetzen. Wir versuchten bis zur Administration des Progresso Hafens vorzudringen, was aber unmoeglich scheint. Da der Hafen nur ueber eine kilometerlange Bruecke erreichbar ist und wir ohne Gefaehrt und entsprechende Erlaubnis die Bruecke nicht betreten duerfen, versuchten wir die Frachtschiff-Firmen ausfindig zu machen. Wir liefen zu verschiedenen Firmen und fragten uns durch. Wir schafften es zumindest einige Telefonnummern zu bekommen, unter anderem von einem Frachtschiffunternehmen in Havanna, Kuba. Es war dabei zu daemmern, so dass wir die Suche abbrachen. Unsere Vorstellung eine Jacht zu finden sieht eben doch anders aus, als der hier in Progresso vorliegende buerokratische Weg. Wir wollen persoenlich mit den Jachtbesitzern reden, was aber nur moeglich ist, wenn wir zumindest den Hafen betreten koennen. Da der Hafen in Progresso ein Privathafen ist, werden wir hier wohl nicht weiterkommen.

In der gestrigen Nacht gab es dann noch etwas Besonderes. Patricia und Jorge erzaehlten uns von dem ab Mitternacht erwarteten Sternenregen. Einen solchen Sternenregen gibt es zwar hier und da, dieser aber sollte mit seiner Vielzahl von fallenden Sternschnuppen der intensivste seit 10 Jahren sein. Wir stellten uns also den Wecker und standen kurz nach Mitternacht auf dem Balkon und reckten unsere Koepfe gen Himmel. Und es regnete Sterne! Links, rechts, hinter uns, ueber uns und vor uns. Ich kann mich nicht erinnern jemals solch einen Sternenregen gesehen zu haben. Ich fuehlte mich wie ein kleines Kind und wuenschte was das Zeug haelt, da man ja sagt, dass sich die Traeume erfuellen, die man beim Fallen einer Sternschnuppe aeussert. Augustas stimmte ins Wuenschen ein. Da standen wir, uns gegenseitig festhaltend, fasziniert von diesem Wunder der Natur, mit grossen Augen den Himmel bestaunend und mit dem tiefen Glauben, dass der Zauber der Sternschnuppen unsere Traeume wahr werden laesst.

Am Freitag machen wir uns auf nach Cancun. Nahebei liegt auch die Insel Cozumel, auf der unseren Informationen nach etliche Jachten, Schiffe und Frachter anlegen. Mal sehen wie es uns dort ergeht.

Drueckt uns bitte weiterhin die Daumen!

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