Mitten im Wald ohne zentralen Wasseranschluß (November 15 – 24)

März 13, 2007  
Themen: Mexiko

Sylvia war so lieb, uns bis zu einer günstigen Tramperstelle außerhalb von Cuernavaca zu bringen. Dort versuchten wir zu trampen, da uns aber der Regen mächtig erwischte, mußten wir uns eine Weile in einem Blumenladen unterstellen. Die Leute ringsumher schauten uns komisch an. Wir gaben wohl ein außergewöhnliches Bild ab. Irgendwie schafften wir es bis Huitzilac, wo auch schon William im Auto auf uns wartete. Wir stiegen ein und er fuhr die paar Meter steilster, mit runden Steinen gepflasterten Straße hinauf zu seinem Haus. Gut, dass wir nicht mit den Rucksäcken da hochlaufen mussten.

Huitzilac liegt mitten im Wald und ist doch nur zwanzig Minuten von Cuernavaca entfernt. Die ganze Gegend strahlte mit grünen Nadelbäumen und Einfamilienhäusern, die alle einen weitläufigen Garten haben. In diesen Gärten blühten die Blumen gerade auf, deren Düfte die Luft erfüllten.

Am Haus angekommen begrüssten uns die zwei Hunde von William und Isabel mit grimmigen Gebell. Erst nachdem William uns vorsichtig an die Hunde herangeführt hatte, ihnen erklärte, dass wir völlig in Ordnung seien und von nun an unter die Sparte Freunde zählten, beruhigten sie sich wieder. Obwohl uns Alfie, eine deutsche Schäferhündin, niemals komplett über den Weg traute. Das lag leider daran, dass sie als Baby schrecklich misshandelt worden war.

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Williams und Isabels Haus war großartig. Einstöckig und reichlich groß, mit einer gelben Fassade, strahlte es in der Gesellschaft der vielen Nadelbäume. Dazu war das Haus von einem herrlichen Garten umgeben, der nicht nur für die Hunde ein Platz zum Tummeln war. Der Garten war so groß, dass Isabel gar eine Gartenhilfe angestellt hatte, die einmal die Woche zur Pflege kam. Es gab sogar einen Springbrungen, der allerdings noch nicht wieder in Betrieb genommen wurde. Stattdessen rekelte sich Phoebe (sprich: Fibi), der schwarze Dobermanmischling Williams mit Genuß in dem orangefarbenen Becken. Im Inneren des Hauses, dass durch zwei verschiedene Türen begehbar war, erwartete uns zu allererst ein schöner Eßsaal. Gemütlich und einladend standen Tisch und Stühle direkt neben uns, als wir die ersten Schritte ins Haus wagten. Zur Linken des Eßsaals fand sich eine attraktive Küche, die es mir in Bezug auf Kochen gleich in den Fingern kribbeln ließ. Die Küche hatte alles, was sich ein Koch nur wünschen kann. Zusätzlich hatte die Küche einen Abstellraum, der mittels einer Wand von dem Küchenabteil getrennt war. Dahinter stappelten sich die leckersten Lebensmittel. An die Küche schloss sich ein Gästezimmer an, das wir fortan besetzten. Danach kam die hauseigene Bibliothek, eine fein sortierte Sammlung von Isabels und Williams literarischen Werken. Den Schluß auf unserer Seite des Hauses bildete ein Bad mit Dusche. Alles in allem hatten wir also eine kleine Wohnung zur Verfügung gestellt bekommen. Im Gästezimmer befanden sich zudem zwei Computer mit Internetanschluß, die wir ungehindert nutzen konnten. Auf der anderen Seite des Eßzimmers lag das Wohnzimmer, das über einen herrlichen, funktionstüchtigen Kamin verfügte. Dem Wohnzimmer schloss sich das Schlafzimmer der Hausbesitzer an, indem sich ein weiteres Bad befand. Ein an das Schlafzimmer angeschlossener Abstellraum diente Isabel und William ihre Anziehsachen und Gerümpel zu stapeln. Um in den angrenzenden Waschmaschinenraum zu gelangen, musste man allerdings erst aus dem Haus hinaus. Im Garten befand sich eine Art Werkstätte, die William belegt hatte. Da es sein Hobby war, den Zustand des Hauses zu verbessern oder zu verändern, und er auch sonst liebend gern an Neuerfindungen bastelte, gehörte dieser Raum, der vollgestopft mit den verschiedensten Baumaterialien und Elektronikzubehör glänzte, einzig und allein ihm. Im Gegenzug dazu erhielt Isabel die Küche, denn sie kochte für ihr Leben gern, was sie uns während unserer Anwesenheit ausreichend bewieß.

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Isabel und William lebten sehr umweltbewußt. Wasser wurde nicht verschwendet. Das Haus war an kein bestehendes Wassernetz angeschlossen. Sie hatten eine Vorrichtung auf dem Dach, die das Regenwasser sammelte und in großen Wassercontainern aufbewahrte. Zum Wäsche waschen wurde nur ökologisch abbaubares Waschpulver verwendet. Nach dem Waschen der Anziehsachen, wurde das Schmutzwasser vor dem Waschmaschinenraum in großen Plastikbehältern aufgefangen. Dieses Wasser wurde vor allem für die Toiletten benutzt. In den Bädern standen immer zwei bis drei Eimer herum, die draußen vor dem Waschmaschinenraum aufgefüllt werden mussten. Es gab bezüglich der Toiletten auch eine eiserne Regel: “Is it yellow, let it mellow. Is it brown, flush it down!” (Ist es gelb, lass es reifen (stehen). Ist es braun, spüle es hinunter.) Und daran hielten wir uns. Wir verstanden gut, dass es wirklich nahezu unnütz war, bei kleinen Geschäften Wasser hinterher zu kippen. Um zum Beispiel Gäste nicht zum Ekel zu treiben, wurde während Feiern in die Toiletten eine blaue Flüssigkeit gegossen. So nahm der WC-Benutzer an, dass sich kein Urin in der Toilette befand und vergaß jegliche Ekelgedanken. Auch beim Duschen galt es das Wasser aufzufangen. Geduscht wurde mit Regenwasser, dass einmal täglich, früh morgens, mittels eines Gasofens aufgeheizt wurde. Beim Abwaschen wurde das Wasser nicht laufen gelassen, sondern das Geschirr nur nass gespritzt, dann mit dem Schwamm gereinigt und schließlich unter einem geringen Wasserstrahl abgewaschen. Der Sauberkeit tat diese wassersparende Anwendung nichts an.

Nach dem warmen Klima in Cuernavaca waren wir nicht auf die Kälte vorbereitet, mit der uns Huitzilac begrüßte. Die Räume waren eiskalt, so dass selbst William und Isabel, die an das Klima gewohnt waren, mit Mütze und Handschuhen herumliefen. Wir packten uns in alle Sachen ein, die wir besaßen, und wollten nach einer Nacht im warmen Federbett nicht gern wieder hinauskriechen. Dieser Klimaumschwung haute uns im wahrsten Sinne des Wortes um. Ich bekam eine heftige Erkältung und auch Augustas fühlte sich wie vor den Kopf gestoßen. Isabel kam uns sofort zur Hilfe und holte ihr Erste-Hilfe-Homeopathiekästchen heraus. Sie versorgte mich mit ein paar Tropfen, worauf ich mich nur noch ein wenig gedulden musste und schon wäre der Schnupfen wieder weg. Nach drei Tagen war ich auch wieder auf den Beinen. Hatte also gar nicht so lange gedauert. Halber Beinbruch, sozusagen. Doch die Kälte wich nicht aus dem Haus, so dass William zusammen mit Augustas und Isabels Neffen den größeren Heizofen ins Haus hieften, damit wir die Temperaturen zumindest ein wenig über die Nullgrenze bringen konnten. Einige Male, zumindest in den ersten Tagen des “An-die-Kälte-Gewöhnens”, weigerte ich mich des Öfteren eine Dusche zu nehmen, da das Entkleiden wirklich zur Qual wurde.

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William, gebürtiger Amerikaner aus den USA, liebt die Natur und harte Arbeit und verbringt deswegen die meiste Zeit des Tages an der frischen Luft. Er war ein Mann der Tat, nicht des Wortes und so fielen die Gespräche mit ihm zwar interessant, aber durch ihre Kürze etwas karg aus. William bastelt viel am Haus herum, führt Verbesserungen im Garten aus und widmet einige Zeit seinem Radio. Er besaß die Lizenz ein Funkradio in Betrieb zu nehmen. Dies hatte er bereits in den USA auf seinem anderen Grundstück mit Vorliebe ausgeübt. Da er bis dato noch keine ordentliche Antenne dafür hatte, bat er Augustas beim Installieren der Neuen auf dem Dach. Das war ein ganz schöner Apparat und wenig mit einer Fernsehantenne zu vergleichen. Im Schlafzimmer wie auch in der Garage hatte er also ein Funkgerät stehen, mit dem er vor allem Morsezeichen aussendete und empfing. Das Morsealphabet kannte er aus dem “FF”. William meinte, dass er durch das Funken schon viele Menschen kennengelernt hat, vor allem Leute, die sich auf ihrem Segelboot durch die Welt bewegten. Und gerade diese Kontakte suchte er
auch, denn es war einer seiner Träume, die Welt mit einem Segelboot zu umrunden.

Isabel war ein wahrer Wirbelwind, aber mit einer inneren Ruhe ausgestattet, dass sich trotz der vielen Wuseleien Entspannung über den Anwesenden ausbreitete. Isabel war mit Leib und Seele Mexikanerin. Sie hatte William vor einigen Jahren in Cuernavaca kennengelernt. William wollte die Stadt damals kennenlernen und durch irgendeine Freundin traf er Isabel, die ihn durch Cuernavaca führte. Isabel, wie auch William, befanden sich bereits im Ruhestand. Sie hatte etliche Jahre als Kundenberater im Flugbüro der Mexicana, einer mexikanischen Fluglinie, gearbeitet. Sie liebte es durch die Welt zu reisen, was ihr die Arbeit bei Mexicana ausreichend ermöglicht hatte. Dadurch kannte Isabel mittlerweile nicht nur fast die ganze Welt, sondern hatte auch in jeder Ecke dieser Erdkugel Freunde. Isabel war ein wahres Organisationstalent, die für die Mexicana Mitarbeiter über Jahre hinweg Wettläufe in den verschiedensten Erdteilen arrangiert hat. Und sie war noch immer bei der Sache, denn sie bat Augustas inständig, ihr eine Website für die Wettläufe zu erstellen. Das tat Augustas selbstverständlich gern. Isabel war eines von glaube ich acht Kindern und war mittlerweile mehrfache Tante und sogar bereits Großtante. Sie liebte Kinder über alles und kümmerte sich rührend um ihre Neffen und Nichten, die sich gerne bei ihr zu Hause verkrochen. Sie gab ihnen die Aufmerksamkeit, die sie dringend brauchten, aber aufgrund der berufstätigen Eltern nicht bekamen. Isabel war also auch eine Art Seelsorgerin und Ersatzmutter. Da sie vor dem Aufeinandertreffen mit William noch nie verheiratet war, geschweige denn in einer festen Beziehung gelebt hatte, ermahnte ihre Mutter sie immer wieder, dass ihr im Leben noch eine reiche Erfahrung fehlte. Isabel empfand das nicht so und gurkte weiterhin allein durch die Welt. Irgendwann berherzigte Isabel den Rat ihrer Mutter, denn sie fühlte sich an einem Punkt in ihrem Leben angekommen, wo sie bereit für eine feste Partnerschaft war. Und wer hätte es gedacht, gerade in diesem Moment trat William in ihr Leben und so wendete sich das Blatt. Die Beiden lebten bereits seit einigen Jahren zusammen, bis sie sich ein Jahr zuvor entschieden hatten, endlich den Bund der Ehe einzugehen. Isabel kostete diese neue Erfahrung zur Genüge aus. Sie liebte es für William zu kochen und schwirrte ständig fröhlich vor sich hinträllernd mit den extravagantesten Kochideen durch die Küchenlandschaft.

Alfie und Phoebe waren wundervolle Hunde. Alfie war allerdings extrem scheu. Sie traute sich nur näher an uns heran, wenn wir sie nicht beachteten. Phoebe war das ganze Gegenteil. Ob ich gerade meine Gymnastikübungen im Garten ausübte, Wäsche aufhing oder einfach nur auf der Terrasse saß, Phoebe kam immer angeschlichen, legte sich auf meine Füße und beherrschte die Situation. Entwischen hatte gar keinen Zweck, denn Phoebe kam immer hinter mir hergelaufen und fiel auf meinen Füßen ruckartig in sich zusammen, sobald ich zum Stillstand kam. Und das innerhalb von einer Sekunde.

Mittwochs war Isabels und Williams besonderer Tag. An diesem Tag legten beide ihre Arbeit im und am Haus nieder, putzten sich heraus und gingen ins Kino. Nach dem Kino speisten sie immer in einem Restaurant und entspannten sich mit Spaziergängen durch Cuernavaca. Ich fand es toll, dass sie sich dafür einen bestimmten Tag festgelegt hatten und ihre gemeinsamen Vergnügungsstunden nicht dem Zufall überließen.

Da die Beiden wegen ihrer regelmäßigen Kinobesuche bezüglich der Veranstaltungen auf dem Laufenden waren, erfuhren wir von einem internationalem Filmfest, was zur Zeit unseres Aufenthaltes in Cuernavaca stattfand. Da lief unter anderem ein litauischer Film und das Mitten in Mexiko. Wer hätte das gedacht! Wir gingen natürlich hin und da ich vorwiegend nur Bahnhof verstand, übersetzte mir Augustas leise flüsternd den ganzen Film.

Da Isabel von unseren Afrikareisen und unserer Liebe zu diesem Kontinent erfahren hatte, lud sie uns eines Sonntag vormittags zu einem Kirchgang ein. Dort würden wir auf Susan treffen, die ursprünglich aus Kenia stammt. Die Kirche wurde fast ausschließlich von Ausländern besucht; die meisten davon lebten in und um Cuernavaca. Die Gemeinde war klein und jeder kannte jeden. Während Isabel und William sich in der ersten Reihe postierten, verkrochen wir uns lieber in die hinterste. Wir waren Kirchgänge nicht gewohnt und zogen es vor, die ganze Messe von hinten zu beobachten. Als Susan dann, verspätet, in die Kirche eintrat, hellten sich unsere Gesichter auf. Afrika! Das war es, was Susan mit ihrer Graziösität verkörperte. Unsere Augen blitzten auf. Wir konnten das Ende der Messe kaum abwarten. Dann war es endlich soweit. Alle Anwesenden wurden für Kaffee und Kuchen in einen Gemeinderaum geführt und konnten sich dort ausgiebig miteinander unterhalten. Dabei wurden wir von einem Herrn in Beschlag genommen. Das passte uns gar nicht so recht, denn wir wollten viel lieber mit Susan die Zeit verbringen. Leider war dieser Kaffeeklatsch viel zu schnell um. Wir erfuhren nur soviel, dass Susan eine Blumenfarm hatte und mit einem Deutschen verheiratet ist, den sie in Kenia kennengelernt hatte. Ihr Ehemann war nämlich leidenschaftlicher Voluntär und trieb sich mit Hilfeprojekten in der ganzen Welt herum. Susan erwähnte auch die Anfangsschwierigkeiten, die ihr das Leben in Mexiko bereitet hatte. Mittlerweile hatte sie sich aber an Mexiko gewöhnt und wartete sehnsüchtig auf ihren baldigen Urlaub in Kenia. Für diesen Tag sollte es das gewesen sein, doch Susan versprach, uns allesamt zu einem Essen auf ihrer Farm einzuladen. Leider kam es nie dazu.

Meine Verdauung machte mir trotz der bereits lange überwundenen Parasiten einige Probleme. Ich vertraute mich Isabel an, die mir mit ihrem homeopatischem Wissen und der Hilfe ihrer Mutter halfen, die Probleme in den Griff zu kriegen. Selbst später, als wir bereits auf dem Weg nach Cancun, und somit Kuba, waren, half Isabel mir über Telefon und Internet mit Tipps rund um die Homeopathie weiter.

Für einen Tag statteten wir Mexiko Stadt einen erneuten Besuch ab. Rigel, eine Künstlerin, hatte uns zu ihrer Galerieeröffnung eingeladen. Da die Eröffnung abends stattfand, hatte Isabel sogleich eine Freundin im Kopf, die uns in Mexiko Stadt für die Nacht beherbergen konnte. Wir trafen uns also zuerst mit Laura, einer Physiotherapistin und Naturkosmetikerin. Mit ihr zusammen gabelten wir Laura´s Freundin auf und gingen dann zu Viert zu Rigels Galerieeröffnung. Dort fielen uns vor Erstaunen fast die Augen heraus. Die Gemälde erinnerten an Schwarz-Weiss-Fotografien, die an bestimmten Punkten mit Farbe versehen waren. Nur als wir so nah an den Bildern waren, dass wir sie fast mit unserer Nase berührten, erkannten wir, dass es sich um Gemälde handelte. Rigel war ein wirkliches Talent, die mit harter Arbeit erotische Kunstwerke in Szene setzte. Rigel sagte einmal, “Malen ist für mich vor allem Arbeit, denn nur mit Fleiß und Schweiss werde ich es auf diese Weise zu etwas bringen.”

Nach der Galerieeröffnung liefen wir zu Laura nach Hause. Dort wartete ihre Schwester, bereits in ihrem Nachthemd gekleidet, auf unsere Einkehr. Da wir Hunger und uns vorher gemeinsam für Nudeln mit Gemüse-Tomaten-Soße entschieden hatten, fingen wir um die späte Abendzeit noch an, in der Küche herumzuwerken. Nun gut, nicht gerade in der Küche, denn die war viel zu klein für mehr als eine Person. Wir nutzten also den Stubentisch, der erst einmal freigeräumt werden musste, da Laura dort ihre ganzen Bastelutensilien und Cremes stehen hatte. Das Wohnzimmer glich ein wenig mehr einer Rumpelkammer, in der es an allen Ecken und Enden etwas Neues zu entdecken gab. Lauras Schwester fand die Unordnung gar nicht toll. Sie war eher die Ordnungsbewußte, hatte es aber mittlerweile aufgegeben, ihrer Schwester die Dinge hinterherzuräumen. Man muss dazu sagen, dass Lauras Schwester einen eigenen Raum hatte, wo sie ihre Basteleien unterbrachte. Die bestanden aus alten
Radios und den dafür notwendigen Werkzeugen und Ersatzteilen. Lauras Schwester war ausgebildete Elektroingenieurin, da sie aber keine Arbeit fand, schlug sie sich mit dem unoffiziellem Geschäft von Radioreparaturen durch. Wir genossen nach einer Stunde Zubereitungszeit endlich das Abendessen und saßen noch lange schwatzend am Tisch zusammen. Der Gang zum Bad vor dem Zubettgehen eröffnete uns eine karge, lückenhaft gefließte Zelle, die nur provisorisch zusammengehalten wurde. Wir schliefen in dem Zimmer, in dem Lauras Schwester ihre Radiowerkstatt hatte. Dort befand sich ein viel zu kleines Bett, in dass wir uns nahezu zusammenklebend hineinzwängen mussten.

Auf dem Weg zurück nach Huitzilac liefen wir morgens eine knappe Stunde mit Laura durch die Gegend. Sie meinte zuvor, dass die U-Bahn, die wir benötigten, nicht weit wäre. Wir schmunzelten später über diese Einschätzung, aber gut, Mexiko Stadt war im Vergleich zu anderen Orten auch immens groß. Alles ist schließlich relativ. Kaum waren wir an der Autobahngebührstelle angekommen und trampten los, da entdeckten wir einen Kameramann auf der Fußgängerbrücke, die sich über die Autobahn zog. Wir würden wohl bald im mexikanischen Fernsehen landen, denn unsere Daumen schienen hochinteressant zu sein. Wir lachten über diese ulkige Filmerei.

Uns nahmen zwei junge Herren mit, die ein Stück weiter als Cuernavaca wollten. Sie waren in der Fotografiebranche tätig und mussten Poster, die sie für etliche Leute angefertigt hatten, zu ihren Käufern bringen. Es war eine lustige Fahrt und lehrreich für unsere Fahrer. Wir teilten mit ihnen alle Geheimnisse über die Minimierung von Reisekosten, was die Beiden erstaunte, ihnen aber gleichzeitig neue Wege eröffnete. Denn sie wollten bereits seit langer Zeit Europa erkunden, was sie bis dato nicht konnten, denn eine zweiwöchige Reise kostete mal locker 3000 Euro. Als Dank für die vielen Tipps brachten sie uns letztlich noch bis Cuernavaca hinein und spendierten uns was auch immer wir begehrten in einer naheliegenden Tankstelle. Danach nahmen wir einen Bus ins Zentrum von Cuernavaca und kehrten erst am späten Abend nach Huitzilac zurück.

Uns gefiel das Haus und die Gesellschaft von William und Isabel so sehr, dass wir weit länger als gedacht blieben. Wir halfen daher im Haushalt aus, kochten einige Male für unsere Gastgeber, legten die Wäsche zusammen und halfen auch sonst im und vor dem Haus mit. Augustas verbrachte einige Tage mit dem Erstellen von Isabels Website. Das Internet nutzten wir nur für kurze Momente, denn wir fühlten, dass William das nicht so recht passte. Wir gingen dafür also lieber nach Cuernavaca, wo es nur 0,40 Cent kostete. Wir genossen die entspannte Zeit, die wir in Huitzilac lebten. Irgendwann fühlten wir uns unwohl, dass wir uns für so lange eingenistet hatten, obwohl uns Isabel immer wieder versicherte, dass sie sich glücklich schätzt uns da zu haben. Sie versorgte uns wie ihre eigenen Kinder. William schien dagegen ein Problem damit zu haben, dass wir ständig um ihn herumschwirrten. Da wir noch immer auf die Digitalkamera warteten, entschieden wir uns also für eine fünftägige Reise zur pazifischen Küste. Ich wollte schließlich die Riesenschildkröten sehen.

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