Kein Schritt zurück (Mai 11-22, 2008)

Juni 14, 2008  
Themen: Chile

Am LKW-Hof in San Pedro entledigten wir uns umgehend unserer angestauten Urinansammlung. Für mich resultierte das beim dem Versuch, ein unbeobachtetes Fleckchen zum Hose herunterziehen zu finden, darin, dass mir letztlich sehr wohl ein LKW-Genosse dabei zuschaute und ich ausgerechnet auf einen bereits eingetrockneten, verstaubten, menschlichen Scheißhaufen pinkelte, der in Verbindung mit meinem Urin geruchstechnisch neu auflebte. Mir ging der Ekel durch Mark und Bein. Scham habe ich mittlerweile beim Pinkeln kaum noch, denn wir alle müssen nun einmal. Das das bei Frauen so kompliziert von statten geht, dafür kann ich weiß Gott nichts.

Wir liefen auf San Pedro zu. Obwohl nicht weit, fühlten wir uns bereits nach der Hälfte des Weges schlaff. Das ausgelassene Frühstück und der Aufenthalt in höheren Gefilden trug zu ungewollten Schwächlichkeitssympthomen bei. Wir machten im Schatten einer Mauer halt, die sich bei näherer Betrachtung als Hundeklo herausstellte. Da es sich mit einigen Hundehaufen vor der Nase nicht wirklich erholen läßt, zogen wir bis zum Explorer Hostel weiter, wo wir auf Stephanie und Juan treffen sollten. Für die waren wir hauptsächlich gekommen, den Augustas sollte eine Webseite für ihre Reitausflüge erstellen.

Im Büro trafen wir niemanden an. Ein Hostelmitarbeiter informierte die Beiden über unser Auftauchen per Telefon. Da es ungewiss war, wann genau sie eintreffen würden, begannen wir direkt auf der Straße, neben dem Hostel, unser Frühstück zuzubereiten. Es gab Tee und Haferflockenbrei.

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Der Hostelmitarbeiter musterte uns skeptisch. Mit unserer Aktion schienen wir nicht so ganz in das gewohnte Bild von San Pedro hineinzupassen. Jeder Vorbeiziehende warf uns erstaunte Blicke zu. Wir störten uns nicht daran, erkannten nur das Ausmaß, das der Tourismus in San Pedro angenommen hatte. Von Freunden und aus anderen Quellen hörten wir zuvor, dass es in San Pedro keine Einheimischen gäbe. Wer mit dem Bus nach San Pedro kommt, in einem Hotel schläft, tagsüber auf Ausflügen durch die Atacama-Wüste unterwegs ist und die restliche Zeit mit Cafe-, Restaurant- und Internetbesuchen verbringt, der erhält sicherlich den Eindruck, das San Pedro ein reines Touristenstädtchen ist. Dem ist aber bei Weitem nicht so. Wer hält denn San Pedro und seine Serviceleistungen in Schach? Wer verkauft das Essen in den Läden? Wer kümmert sich um das Wohlsein der Besucher in den Hotels? Wer sorgt dafür, dass in der trockensten Wüste der Welt genügend Wasser zum Duschen vorhanden ist? Wer bäckt die frischen Brötchen? Es sind die Einheimischen. Wir haben uns ernsthaft gefragt, wie man selbst diese Versorgungsengel übersehen kann. Als wir per Anhalter in San Pedro eintrafen, sahen wir eine Menge Einheimische, sogar bis hin zu traditionell gekleideten Andenmenschen, die mit Ziegen und Schafen auf Weideflächen unterwegs waren. Es ist für uns traurig zu sehen, dass Tourismus nur noch mit Abenteuer und Vergnügen gleichgesetzt wird, ohne dabei die Kultur der Region kennenzulernen. Diese traurige Realität spiegelt sich in den Erzählungen vieler Touristen über San Pedro wieder. Pferdeausritte, Sandboarding, Sternenbeobachtung usw. sind das Einzige, was uns von ihnen zu Ohren kam.

Stephanie und Juan platzten aus Versehen direkt in unsere Frühstückszeremonie. Wir vereinbarten, sie eine Stunde später wiederzutreffen, an gleichem Ort und Stelle.

Wegen der Emails, die wir zuvor mit Stephanie ausgetauscht hatten, hatten wir den Eindruck, dass Stephanie der Kopf des Unternehmens war. Als Schweizerin, die mit uns die Modalitäten für eine Webseite abstimmt, schien sie uns als Besitzerin des Unternehmens, die mit lokaler Unterstützung ihres Managers Juan ihr Geschäft erfolgreich führte. Bei unserem Aufeinandertreffen mußten wir diese Vorstellung revidieren. Stephanie, eine hübsche, zierliche junge Frau, befand sich erst seit 1,5 Monaten in San Pedro. Sie hatte bei Juan eine zweijährige Anstellung als Reiseführer bekommen. Ihre Aufgabe war es, die 40 Pferde zu versorgen und Ausritte in verschiedene Regionen mit Touristen zu unternehmen. Trotz ihrer Position als Angestellte, war es Stephanie, mit der wir am meisten verkehrten. Juan war nach eigener Aussage und laut Stephanie einfach nicht für die Kommunikation mit Mitmenschen geeignet. Das spiegelte sich in seinem Verhalten wieder, was wir mit der Zeit deutlich zu spüren bekamen.

Das Gespräch mit Juan verlief erfolgreich. Augustas erklärte sein Vorhaben für die Firmenwebseite und Juan wieß schließlich Stephanie an, die notwendigen Informationen bereitzustellen.

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Da wir keine Unterkunft hatten, fragten wir Juan, ob er eine Lösung für uns weiß. Zögernd bot er seine Ranch an, denn auf der “hätte er Platz”. Da uns die Entfernung von 20 Minuten Fußweg bis zum Zentrum von San Pedro nicht störte, bot er uns an, dort unterzukommen. Die Art und Weise, wie er sich über diese Unterkunft ausdrückte, erweckte in mir die Vorstellung, dass es sich bei der Ranch um ein verlassenes Erbstück handelte und normalerweise niemand dort hauste. Ich stellte mir vor, dass wir in einem kargen Raum mit Stuhl und Tisch untergebracht werden würden und während der Zeit unseres Aufenthaltes auf unserem Campingkocher vertrauen müßten. Die Information, dass es dort kein Trinkwasser gebe, rief das Bild eines 20-Liter-Kanisters hervor, den wir mittels meiner Rucksacktrage selbst dorthin schleppen würden.

Bevor Augustas sich an die Erstellung der Webseite machte, brachte Juan uns zur Ranch. Statt wie in meiner bizarren Vorstellung im Inneren eines Hauses zu verweilen, wurde uns eine Koppel als Zeltplatz angeboten. Die lag 200m vom Farmhaus entfernt. Den Hof des Farmhauses durften wir zum Wasserholen betreten. Juan zeigte uns den dort befindlichen Wasserhahn, der 40cm über dem Boden angebracht ist. Kurz darauf zeigte er uns einen Eimer und meinte, den könnten wir zum Waschen verwenden. Die Körperreinigung würde also mit eiskaltem Wasser auf herkömmliche Schöpfweise erfolgen. Nun gut. Eine Toilette wurde uns nicht angeboten. Wir mußten unsere Notdurft also im Freien verrichten. Tische und Stühle würden uns wohl auch nicht zur Verfügung stehen, so dass wir unser Essen wohl mit Koppelstaub verfeinern würden. Für die notwendige Dusche hofften wir allerdings inständig auf Stephanies Hilfe.

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Wir ruhten nach dem Zeltaufbau ein wenig aus und sogen die neue Atmosphäre in uns auf. So schlecht fühlte sich das Zelten auf einer Koppel gar nicht an. Kopfschutz bat uns ein herrlich großer Algarrobo (Prosopis chilensis) Baum, der mächtig über den Koppelzaun gewachsen war. Die Früchte dieses Baumes kringelten sich Bohnenförmig an den Zweigen. Sie wurden in der Vergangenheit als Süßigkeit von den Einheimischen genossen und häufig als Mehl zu einem Brot weiterverarbeitet. Heutzutage stellen sie einen Hochgenuß für Pferde in der Region dar.

Auf der anderen Seite der Koppel befand sich ein künstlicher Wassergraben, der die Ranch zu bewässern half. Rund um die Uhr sprudelte das Wasser in den Graben und erweckte den Eindruck, wir zelteten direkt neben einem Wasserfall. Keine zwanzig Meter von unserem Zelt, bot sich ein faszinierender Blick zur Atacamawüste hinaus. Besonders bei Sonnenauf- und -untergang spiegelte sich die trockene Gegend in den schönsten Farbtönen. Es bot sich uns eine Kulisse (sozusagen) vor der Haustür, die wenigen vergönnt ist. Ein Grund, diesen Luxus ausgiebig zu genießen.

Zurück im Zentrum, schauten wir bei Stephanie vorbei. Wir besprachen mit ihr die Gestaltung der Webseite und durften anschließend eine warme Dusche nehmen. Das ich mir dabei fast den Hintern verbrannte, war letztendlich das genaue Gegenteil von dem, was uns auf der Ranch als Duschgelegenheit erwarten würde. Aber bei der nächtlichen Kälte in San Pedro lieber für einen Moment
Krebsrot anlaufen, als blaugefroren durch die Nacht zu zittern.

Spät abends stolperten wir die 30 Minuten Fußweg im Mondlicht zurück zum Zelt. Lampen gab es auf dem ganzen Weg keine und der Mond war gerade erst im Aufblühen, also weit enfernt von einer prächtig, scheinenden Planetenkugel. Völlig eingestaubt erreichten wir die Koppel. Eigentlich wollten wir kochen, doch die Müdigkeit übermannte uns und somit hoben wir dies für den nächsten Tag auf.

Stephanie war unser Retter in San Pedro. Mit ihrer bedingungslosen Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit ermöglichte sie uns vor Ort ein Leben ohne Komplikationen. Neben der täglichen Dusche, konnten wir all unsere Esswaren und Kochutensilien bei ihr lassen, auf ihrem Hof kochen und den ganzen Tag bei ihr verbringen. Wir deponierten unser Trinkwasser bei ihr und bekamen bald ihre persönliche Erlaubnis, all unser Hab und Gut in einem anderen Gästezimmer unterzubringen. Stephanie lebte während ihrer Tätigkeit als Reitführer in einen von Juans drei Gästezimmern, die direkt im Zentrum lagen. Da sie es für selbstverständlich hielt, das wir im Falle von dessen Nichtnutzung unsere Sachen dort aufbewahren konnten, gab sie uns gar die Erlaubnis, den Schlüssel in Gewahrsam zu nehmen, damit unser Kommen und Gehen nicht zu einem Organisationsproblem würde. Glücklich über diese Unabhängigkeit freuten wir uns täglich, zu Stephanie aufzubrechen.

Die Nächte waren hundekalt. Die Temperaturen lagen weit unter dem Nullpunkt. Nach der ersten, zitternd überstandenen Nacht, lieh Stephanie uns eine Pferdedecke. Die stopften wir aus Allergiebefürchtungen unter statt ins Zelt. Zumindest wurden auf diese Weise unsere Füße warm gehalten, was bei unseren 2/3-Matrazen nicht gegeben ist. Da wir trotz alledem wie für den Wintersport gekleidet zu Bett gehen mußten, um die niedrigen Temperaturen zu tolerieren, bot uns Stephanie eine warme Überdecke ihres Zweitbetts an. Bei dem Transport dieser Decke, die Augustas unter seinen Arm geklemmt hatte, hielten wir für ein paar Kekse an einem Laden an. Gerade am Gehen, tauchte ein Herr auf, der gewitzt meinte, “Braucht ihr eine Unterkunft? Ich habe genüged Platz.” Wir brachen in schallendes Gelächter aus, denn wir mußten urkomisch mit unserer Bettausstattung im Arm aussehen. Auch der Herr lachte sich eins ins Fäustchen, wiederholte aber sein Angebot scherzend. Wir setzten unseren Weg fort und begriffen erst 10 Minuten später, dass wir gerade unsere Chance auf eine warme Unterkunft haben sausen lassen. Wir konnten es nicht glauben, gaben jedoch dem Schicksal die Schuld. Wären wir dafür bestimmt gewesen, in San Pedro drinnen zu schlafen, hätten wir dieses Angebot sicher ernst genommen.

Die dritte Nacht war ein Traum. Es wurde sogar richtig heiß unter der Decke, so dass wir zur Basisbekleidung für die Nacht zurückkehrten. Nur die Mützen nahmen wir während dieser Wonnetage nicht ab, denn die Ohren froren viel zu schnell ab und wir waren es leidig, sie immer wieder zum Leben zu erwecken.

Wasser ist kein unbekanntes Problem in einer Wüste, obwohl wir erstaunlicherweise festellen mußten, dass es davon mehr gibt als vermutet. Das Wasser in San Pedro kommt aus der Andenregion von Bolivien. Es fließt unter der Erde bis hin zu den Oasen, den einzigen Gegenden der Wüste, wo sich Leben herausbilden kann. Das Wasser ist allerdings extrem mineralhaltig. Die Nitratwerte übersteigen das Zulässige für das Wohlsein der menschlichen Ernährung. Da halfen auch keine Desinfektionstropfen, die das Wasser nur von Keimen und möglichen Parasiten befreien. Wir besorgten uns also alle zwei Tage einen 20-Liter-Kanister für 2000 Chilenische Pesos (€ 3,30). Für den Kaninster mußten wir für die Leihzeit eine Kaution von 5000 Chilenischen Pesos (€ 8 ) hinterlassen. Da Juan meinte, die Einheimischen würden das Wasser abkochen und tränken es ständig, hielten wir es mit der Zubereitung von Tee genauso. Auch kochten wir jegliche Lebensmittel in Leitungswasser. Als wir San Pedro verließen, erfuhren wir von Biochemie-Experten Lisandro, dass sich die Nitratkonzentration beim Kochen sogar noch verstärkt und auf Dauer (mehrjähriger Gebrauch) Leberschäden hervorruft. Wir waren erleichtert, das Ganze nur zwei Wochen praktiziert zu haben. Für jemanden, der in San Pedro lebt, wird Trinkwasser damit ernsthaft zu einer finanziellen Belastung. Den Einheimischen scheint eventuell von der Natur aus ein innerer Schutz vor den schädigenden Auswirkungen dieser Minerale gegeben zu sein, doch gut kann der Genuß von Leitungswasser auf Dauer auch für sie nicht sein.

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Wie bereits erwähnt, gab es unserer Erfahrung nach ganz schön viel Wasser in San Pedro. Nicht nur, dass vor unserem Zelt ein künstlicher Fluß verlief, auch die Felder der Einheimischen wurden regelmäßig für den Ackerbau geflutet. Dazu wurde das Wasser aus den Flüße geschickt umgeleitet und überschwemmte die Felder knöcheltief. Einmal passierte es gar, dass wir frühmorgens vor der Überschwemmung unseres Gehweges standen. Das Wasser raste auf uns zu und wir hatten Mühe, uns entlang der Mauern, die mit holprigen Steinen gesät sind, fortzubewegen. Irgendwie schien es uns in dem Moment absurd, in der trockensten Wüste der Welt zu sein.

Das Klima in San Pedro ist furchtbar. Tagsüber steigt das Thermometer auf 30 Grad Celsius. In der Sonne hält man es nicht lange aus, egal ob mit Hut und Sonnenbrille oder ohne. Zudem verbrennt man sich im Handumdrehen. Unsere Nasen brauchten weniger als 5 Minuten Sonneneinstrahlung, um kräftig rot anzulaufen. Sonnenschutzfaktor 15 ist in dieser Gegend ein Witz. Kommt man allerdings in den Schatten, erfriert man regelrecht. Es ist so kalt, dass einem gleich die Nase anfängt zu triefen. Das Arbeiten am Computer war für Augustas daher alles andere als leicht. Der Laptop durfte nicht der Sonne ausgesetzt werden, doch er selbst benötigte die Sonnenstrahlen, um bei seiner Arbeit nicht einzufrieren. Augustas saß oft tagsüber, bei 30 Grad Außentemperaturen, mit einer rot-gefrorenen Nase, drei Pullovern, Handschuhen und ab und häufig sogar einer Mütze am Tisch und programmierte. Drinnen sitzen brachte noch weniger, denn im Inneren von Stephanies Zimmer waren die Tagestemperaturen um einiges tiefer als im Schatten. Sobald die Uhr Sechs schlägt, geht die Sonne schlagartig unter und innerhalb kürzester Zeit fängt man an zu frieren. Hat man sich am Morgen noch wie eine Zwiebel aus der Schale gepellt, mußte man jetzt mühsam die ganze Kleidung wieder an seinem Körper befestigen. Diese Temperaturunterschiede zwangen uns, täglich mit einem großem Rucksack loszuziehen, da wir für Wärme und Kälte vorsorgen mußten. Unangenehme Nebeneffekte dieser Wetterextreme äßerten sich in unkontrollierbar aufgesprungenen Lippen, austrocknender, alternder, regelrecht schrumpelnder Haut und Nasenproblemen. Der Staub der Wüste kombiniert mit den Temperaturschwankungen sorgte für ein Nasenklima, dass wir noch nie zuvor erlebt hatten. Unsere Nasen trockneten extrem aus, neigten zu bluten und führten in meinem Fall gar zu brennenden Kopfschmerzen. Ich war froh meine Nasendusche am Mann zu haben, denn die half mir mit einer Salzwasser-Speiseöl-Mischung, die Symptome weitgehend unter Kontrolle zu bekommen.

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San Pedro hat trotz alledem einen besonderen Reiz. Die Lehmhäuser strahlen eine besondere Wärme aus und kombiniert mit den sandigen Straßen und den Wüstenbergen, die das Städtchen umgeben, fühlte man sich teilweise wie in einem Westernfilm. Dieser Eindruck verstärkte sich noch, wenn die Einheimischen mit Cowboyhut und -stiefeln die Staubbedeckten Wege entlang ritten. Sieht man über den Tourismus hinweg, entdeckt man ein interessantes Dorfleben. Hier kennt jeder jeden. Den Ausländer begegnen die Einheimischen höflich, aber distanziert. Der Weg in ihre Herzen muß erkämpft werden und das ist bei Menschen, die in einer derart extremen Gegend ihr
Leben meistern müssen, nicht einfach. Dennoch macht es Freude, die Charaktere der Wüste kennenzulernen, was sich in unserem Fall auf die Menschen beschränkte, auf die wir wegen dem Kauf von Lebensmitteln angewiesen waren.

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Wer in San Pedro nicht arm werden will, der ist auf die Hilfe der Einheimischen angewiesen. Juan erwähnte einen Obsthändler, der jeden Dienstag von Calama kommt und Waren für die Einheimischen und Restaurants liefert. Wir lebten die ersten zwei Tag von unseren Resten, bis wir am Dienstag einen Großeinkauf starteten. Der Obsthändler stand in einer Einfahrt, die links neben dem Eingang des Restaurants Chiloe in der Straße Domingo Atienza zwischen Caracoles und Antofagasta lag. Vollbeladen und glücklich kehrten wir zurück, denn wir dachten, der Obsthändler käme nur einmal die Woche. Vier Tage später erfuhren wir, dass der Obsthändler dreimal pro Woche vorbeikam, immer in der Zeit zwischen 12 und 18 Uhr. Das hieß, wir konnten uns ausgiebig an den restlichen Obststücken laben, denn die waren von unserem Großeinkauf als erste alle. Durch Zufall entdeckten wir einen weiteren Obsthändler, der in einer Einfahrt in Caracoles nahe der Querstraße Toconao stationiert war. Einige Waren schienen frischer als bei dem Händler in Domingo Atienza. Auch die Auswahl war hier größer. Die Preise lagen bei einigen Waren niedriger, bei anderen jedoch höher als bei unserem Obsthändler. Welch Freude, so wählerisch sein zu können! Zwei Obsthändler in einem Ort, in dessen Läden Wucherpreise an der Tagesordnung sind, ließen uns verstehen, wie die Einheimischen vor Ort trotz des Tourismus ein normales Leben führen konnten. Waren für den täglichen Gebrauch trugen unterschiedliche Preiskategorien, lagen jedoch generell über den üblichen Preisen. Gut, dass wir uns bereits in Pica mit Reis und Linsen eingedeckt hatten. Es sparte uns eine Menge Mehrausgaben. Unverständlich blieb uns der hohe Preis für Toilettenpapier, für den selbst die Einheimischen von einem zum nächsten Laden liefen, um das günstigste Angebot auszumachen.

Stephanie lud uns eines Abends auf einen heißen Kakao ein. Diesen zu finden war weniger einfach und sorgte dafür, dass wir innerhalb von einer Stunde vier Lokalitäten in einer Straße kennen lernten. Eines der Restaurants mußten wir nach fünf Minuten wieder verlassen, da alle Plätze besetzt waren und nur die Mitte, wo ein Feuer unter offenem Dach loderte, als Sitzgelegenheit zur Verfügung stand. Anheimelnd kuschelten wir uns vors Feuer, bis uns kurz darauf die Gesichter nahezu verbrannten. Im einem weiteren Restaurant gab es angenehmere Feuerstellen zwischen den Tischen und ausreichend Platz. Hier hakte es aber daran, dass erstens keine heiße Schokolade in der Karte angepriesen wurde und der Kellner uns nicht gerade willkommen hieß, als wir unseren Wunsch äußerten. Genauer gesagt wandte er uns sofort den Rücken zu und kommentierte im Fortgehen, “Hierher kommt man zum Essen, für einen Aperitief, Wein, eine Torte, jedoch nicht für eine Tasse Schokolade! Pah!” Das reichte uns und wir zogen von Dannen. Scheinbar waren die Restaurants mit gut zahlenden Gästen verwöhnt und verkannten die Wünsche der kleineren Leute. Schließlich und letztendlich fanden wir ein winziges Eckcafe, dass mich ungemein an Berlin erinnerte. Wir fühlten uns sofort pudelwohl und obwohl sich die Preise für die heiße Schokolade (1800 Pesos = 3 Euro) gewaschen hatten, blieben wir und genossen ihren Verzehr. Ich fühlte mich unwohl, Stephanies Einladung mir nichts dir nichts bei diesen Preisen anzunehmen. Leider konnte ich Augustas nicht dazu umstimmen, die Seiten zu tauschen und stattdessen Stephanie einzuladen. Verstehen konnte ich ihn natürlich, denn für die Kosten der drei heißen Kakaogetränke konnten wir unsere Reise um einen Tag verlängern.

Das Internet, das für uns die einzige Möglichkeit zur Kommunikation mit Freunden und Familien geworden ist, war alles andere als für unsere Geldbörse gemacht. Die Preise reichten von 800-1000 Pesos pro Stunde, was unsere Verbindungszeit gezwungenermaßen auf ein Minimum beschränkte.

Vor unserer Ankunft in San Pedro hatte ich mir vorgenommen, in den Hostels, Restaurants und Reisebüros nach einer Arbeit zu suchen. Allerdings verließ mich der Mut dazu bereits am ersten Tag, als wir im Büro von Juan saßen und Augustas mit ihm die Konditionen abklärte. Ich konnte das einfach nicht, das war nicht ich. Es fühlte sich an, als würde ich in meinem Leben einen Schritt zurück gehen, anstatt vorwärts zu schreiten. Ich fühlte mich in die Enge getrieben, denn die Atmosphäre in San Pedro entsprach nicht dem, was ich intuitiv suchte.

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Ich vertiefte mich also ins Schreiben und in meine Handwerklichkeiten, die ich ursprünglich vorhatte, in San Pedro zu verkaufen. Es stellte sich allerdings heraus, dass San Pedro voller Kunsthändler war. Fast in jedem Laden wurden Arm- und Halsbänder angeboten. Einmal machte ich den Versuch, die Preise für ein einfaches Armband herauszufinden. In einem Laden wurde mir ein Kunstwerk für 2000 Chilenische Pesos (€ 3,60) angeboten, während es im fünf Meter entfernten Laden für 500 Pesos (€ 0,85) verkauft wurde. Jeder, der Artesania (der spanische Begriff für Handwerkskunst) anbot, tat dies in seinem eigenen Laden. Wo waren nur die alternativen Kunsthändler geblieben, die ihre Ware auf der Straße anboten? Ab und zu begegnete uns ein Kunstwarenhändler, der allerdings von einem zum nächsten Laden lief, um seine Ware zu verkaufen und nicht versuchte, sie auf der Straße anzubieten. Auch hier fühlte ich mich völlig fehl am Platz und brachte es nicht übers Herz, zumindest einen Versuch zum Artesania-Verkauf auf der Straße zu starten.

Ich fühlte mich miserabel. Keines meiner ausgesprochenen Vorhaben hatte ich realisiert. Stattdessen verstrickte ich mich innerlich in Zweifel, die Augustas mit seinem Verhalten nur noch verstärkte. Einmal sprach ich in einem Hotel vor, da ich eine Anzeige für die Suche nach einer englischsprachigen Person gesehen habe. Da ich in dem Fach ausgebildet bin, steckte ich meine Nase zur Tür hinein und stellte ein paar Fragen zur Tätigkeit.

“Sie suchen eine Englischsprachige Person? Für welche Tätigkeit?”
“Für unser Büro hier.”
“Was genau wären denn meine Aufgaben?”
“Haben Sie denn eine Arbeitserlaubnis?”
“Nein, selbstverständlich nicht. Die erhalte ich erst, wenn ich eine Arbeit gefunden habe.”
“Ach ja, da haben Sie recht. Wie lange bleiben sie denn in San Pedro?”

Diese Frage war schwierig zu beantworten. Einerseits hätte ich sagen können, “solange sie mich benötigen”. Wollte ich aber für eine lange Zeit in San Pedro bleiben? Wie lange würde sie mich wohl benötigen?

“Für drei Monate oder auch länger”, antwortete ich schließlich.
“Gut. Sehen Sie, wir haben bereits eine englischsprachige Bürohilfe, die hier auf Vollzeit eingestellt ist. Wir bitten alle Bewerber um einen Lebenslauf, damit wir Sie im Falle, diese Dame fällt für ein paar Tage aus, hier kurzfristig einsetzen können.”
“Ah. Sie suchen also nur einen eventuellen Ersatz. Gut, dann vielen Dank und auf Wiedersehen!”

Was war das denn? Sollte ich mich hier für drei Monate auf Abruf bereit halten, um im günstigsten Fall nie zum Einsatz zu kommen? Büroarbeit entspricht bereits nicht meiner Vorstellung, aber dann auch noch auf gut Glück und eventuell irgendwann auf Abruf zu sitzen, das war weiß Gott nichts für mich. Sobald wir draußen waren, ging mich Augustas an.

“Wie kannst du es dir erlauben zu fragen, was du in der Tätigkeit machen wirst? Das war völlig daneben!”
“Wie bitte? Ich habe ja wohl ein Recht zu fragen, was genau meine Aufgaben sein werden! Es ist das normalste auf der Welt, das im Detail zu hinterfragen!”

Mit seiner Ablehnung traf er mich direkt in meinen wunden Punkt. Mir standen die Tränen in den Augen für so wenig Respekt und Unterstützung. Ich wußte, dass ich im Recht
war und verstand überhaupt nicht, was ihn zu solch einer Reaktion brachte. Das Gespräch ging weiter und statt mir Mut zu machen, schämte er sich für mein Verhalten ohne jeglichen Grund. Was war nur los mit ihm?

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Die Sache mit dem Kochen kam hinzu. Da Augustas eine Arbeit gefunden hatte, erwartete er, dass ich ihm während dieser Periode bekoche. Normalerweise macht mir das Kochen Freude, wird es aber vorausgesetzt, sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Durch meine Unsicherheit in Bezug auf meine nicht erfüllten Vorhaben, akzeptierte ich die Situation für die ersten Tage. Dies allerdings nur äußerlich. Die Mißlage legte sich auf meine Stimmung und sorgte dafür, dass ich regelmäßig rebellierte. Ich spürte eindeutig, dass nicht nur mir die Zurückhaltung von meinen Versprechen zu schaffen machte, sondern mein Verhalten auch bei Augustas auf Unverständnis traf.

Irgendwann eskalierte die Situation. Ich brach während einer Diskussion in Tränen aus, da ich mich unfähig fühlte, unsere Reise mit gewöhnlichen Tätigkeiten zu unterstützen. Ich wurde von meiner mir bis dato unverständlichen Emotionswelt kräftig durchgeschüttelt. War ich zu schüchtern, um die Sachen in Angriff zu nehmen? War es die Gewißheit, damit nicht glücklich sein zu können, trotz dass uns die Arbeit Geld einbringen würde? Ich kam mir völlig verloren vor und war Augustas Angriffen komplett ausgeliefert.

Die Tränen brachten letztendlich Erleichterung der aufgestauten Emotionen. Sie halfen uns beiden außerdem zu erkennen, dass es so nicht funktionierte. Augustas hatte mit dem Programmieren von Webseiten eine Tätigkeit in seinem Leben gefunden, die ihm Spaß machte. Er konnte stundenlang für ein Projekt vor dem Computer sitzen, ohne sich vor dem nächsten zu scheuen. Mir war es bisher nicht vergönnt, eine Tätigkeit zum Geldverdienen zu finden, die ich mit voller Hingabe ausübte. Eins jedoch weiß ich: ich liebe es zu schreiben. Abgesehen davon, dass ich bereits ein Buch geschrieben habe und mir viele Ideen für weitere Schriftstücke im Kopf herumschwirren, habe ich es kürzlich geschafft, meinen ersten Artikel an ein Schweizer Gesundheitsmagazin zu verkaufen. Das hat uns auf einen Schlag einen weiteren Reisemonat finanziert. Vielleicht bin ich dazu bestimmt, mich ins Schreiben zu vertiefen, denn das ist wirklich etwas, was mich erfüllt. Nur muß ich dafür noch viel Lernen. Augustas steht seit unserem Gespräch vollkommen hinter mir, was mir Kraft und neue Hoffnung gibt. Auf diese Weise läßt sich natürlich nicht auf einen Schlag viel Geld zum Weiterreisen verdienen, insofern es aber zumindest hilft, ein wenig dazu beizutragen, sind wir beide glücklich.

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Stephanie beeindruckte mich mit ihrer Hingabe für ihre Arbeit mit Pferden. Zuvor hatte sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau in der Schweiz gemacht und dort für drei Jahre gearbeitet. Irgendwann konnte sie dieses Leben nicht mehr ertragen und entschied sich, ihrer Pferdeleidenschaft zu folgen. Sie arbeitete für einige Zeit in Andalusien, Spanien, bis sie das Angebot in San Pedro erhielt. Seit ihrer Ankunft hier fährt sie jeden Morgen und Abend mit dem Fahrrad zur Ranch hinaus, um die 40 Pferde in Juans Stall zu versorgen. Zwischendurch findet sie viel Zeit für Juans tollpatschigen Hund Jack und seine unzähligen, knuddeligen Katzen. Ich beneide sie darum, so engen Kontakt mit Tieren zu haben, ohne auch nur mit den geringsten Allergiebeschwerden kämpfen zu müssen. Selbst wenn ich im Freien war und Katzen um mich herumschwirrten, geriet ich unweigerlich in intensive Niesanfälle.

Den Anmut, den Stephanie zu Pferd ausstrahlt, berührte mich und einen Traum, den ich seit langen hege: einmal wie ein Cowgirl oder eine Squaw gekleidet zu sein und im Einklang mit meinem Ross durch die Prärie zu reiten. Stephanie verkörperte genau das.

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Die Arbeit mit den Pferden füllt Stephanie aus, doch war es nicht leicht, Juan als Chef zu haben. Er war ein sehr schwieriger Charakter, vom Typ einsamer Cowboy. Er durchlebte unerklärliche Stimmungswandel und es war unmöglich nachzuvollziehen, welches Pferd ihn wieder geritten hatte. Stephanies Geduld bezüglich seiner Unberechenbarkeit ist einzigartig. Natürlich stößt auch sie manchmal an ihre Grenzen der Akzeptanz, aber mit Geschick und ihrer offenen, direkten Art, kriegt sie die Situation und damit Juan schnell wieder in den Griff.

Juan hatte etwas gegen Fremde und trug Stephanie bei ihrer Ankunft in San Pedro auf, keinen Unbekannten in ihr Zimmer zu lassen. Stephanies Zimmer reihte sich in die zwei anderen Gästezimmer ein, in denen normalerweise seine Kunden einquartiert werden. Die meiste Zeit blieben sie jedoch leer, besonders im Mai. Stephanie stellte mit Juan sofort klar, dass er sich solch eine Bitte schenken kann. Sie würde sich in dieser Hinsicht auf keinen Fall einschränken lassen. Damit müßte er leben. Das er das wohl Zähne knirschend hingenommen haben muß, konnten wir uns gut vorstellen. Mit uns vollzog er nämlich ein Beispiel seiner Reaktion auf Fremde in seinem Territorium. Da wir vom zweiten Tag an, besonders meiner Katzenallergie wegen, bei Stephanie verweilten, hatten wir kaum Kontakt mit Juan. Wir hörten von ihm, trafen ihn ab und zu flüchtig an, aber das war auch schon alles. Nachdem wir bereits seit vielen Tagen das zweite der drei Gästezimmer als Abstell- und in den kalten Abendstunden als Aufenthaltsraum nutzten, kam Stephanie mit der Nachricht von der Ranch zurück, dass Juan plötzlich unser Zimmer reinigen lassen wollte.

“Sind Gäste im Anmarsch?”, fragten wir Stephanie. “Nein. Ich weiß auch nicht, warum er gerade jetzt die Zimmer reinigen will. Ich habe ihm gesagt, dass ihr die Schlüssel für den Hof und das Zimmer habt. Er denkt immer, dass ihn jemand ausrauben will.”
“Das scheint aber auf der Ranch völlig anders. Da steht den ganzen Tag die Tür zum Hof und zum Stall offen.”
“Ja, genau. Ich meinte auch zu ihm, dass es absurd wäre zu denken, ihr würdet ihm um seine Zimmereinrichtung bringen. ‘Sie werden wohl schlecht das Doppelbett in ihre Rucksäcke kriegen’, fügte ich scherzend hinzu.”

Wir lachten. Was für ein komischer Kauz. Wir räumten also all unsere Sachen hinüber in Stephanies Zimmer. Zudem reinigten wir den Boden ein wenig von unseren Spuren. Am nächsten Tag kam niemand, um das Zimmer zu reinigen. Erst am folgenden Tag traf Alvaro für den Reinigungsprozess ein.

Wir hatten uns mittlerweile überlegt, warum Juan uns nicht über den Weg traute. An unserem Verhalten konnte es schlecht liegen. Auch sprach dagegen, dass Stephanie so viel für und mit uns tat. Nach einigem Grübeln erinnerten wir uns an den ersten Tag in San Pedro. Abgesehen davon, dass Juan uns auf der Straße Essen kochen sah, reagierten wir auf sein Angebot, in einem seiner Gästezimmer schlafen zu können (wofür der Preis für Augustas Arbeit sinken würde), folgendermaßen. “Geld ist uns momentan wichtiger als eine kostenlose Unterkunft. Wir bevorzugen die Ranch.” Wenn uns Geld so wichtig war, wie konnten wir uns die Chance, Juan auszurauben und seine Möbel für einen guten Preis zu vertreiben, entgehen lassen? So oder ähnlich müssen wohl seine Hirngespinste ihm mitgespielt haben. Hinzu kam, dass uns Stephanie einfach eine der Pferdedecken und eine Bettdecke gegeben hatte. Außerdem erklärte sie uns einmal, wo wir die Zange finden konnten, um den Reisverschluß unseres Zeltes zu reparieren. Die holte Augustas eines Morgens vom Schuppen und legte sie wieder zurück. Juan schien uns nicht bemerkt zu haben, denn nicht einmal Jack tauchte auf. Was verdächtig blieb, waren Augustas Schuhabdrücke. Summiert man dies alles mit dem Wissen, dass Juan äußerst misstrauisch ist, kommt man eventuell auf den von Juan gehegten Gedanken, dass wir uns in Diebe verwandeln könnten. Gut, dass wir drei wußten, dass dies nur negative Fantasien von einem einsamen Cowboy waren, der stundenlang vor
der Klotze (dem Fernseher) hängt und deswegen wohl kommunikationsunfähig war.

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Leidwesen des Ganzen war allerdings Stephanie, auf deren Rücken Juans innerer Twist ausgetragen wurde. Er benahm sich unmöglich. Er überwarf die Regeln, die er Stephanie gelehrt hatte, änderte innerhalb von Sekunden zehnmal seine Meinung, sprach plötzlich nicht mehr mit ihr oder ärgerte sich offensichtlich über sie, obwohl Stephanie nichts dazu getan hatte. Stephanies Geduld und Verständnis waren nahezu aufgebraucht. Ihr Temperament am Überkochen. Sie wollte ihn bei günstiger Gelegenheit zur Seite nehmen und ihre Meinung sagen, denn aufgeben würde sie so schnell nicht.

Um dem Ganzen eine Krönung aufzusetzen, baten wir Juan, unsere Wäsche in seiner Maschine waschen zu können. Zuvor hatte ich jedoch einen Teil meiner warmen Kleidung bereits morgens in die Maschine zusammen mit Stephanies Sachen gepackt. Als wir zur Ranch zurückkehrten und Pfannkuchen (Eierkuchen) zubereiteten, ging ich schnell zur Leine, um meine trockenen Sachen abzunehmen. Juan saß währenddessen in der Küche und sah mich, die Sachen abnehmen. Wieso fragen sie mich, ob sie ihre Wäsche waschen können, wenn sie es klammheimlich schon am Morgen getan haben? Ähnliche Worte müssen ihm wohl im Kopf herumgeschwirrt sein, als er mich beim Wäsche abnehmen beobachtete. Das war sicher das i-Tüpfelchen für sein Misstrauen uns gegenüber und sorgte für ein paar Stunden unerklärlichen Verhaltens.

In den folgenden zwei Tagen beruhigte sich Juan wieder. Trotzdem verließen wir kurze Zeit später San Pedro, denn das gespannte Verhältnis zu ihm nahm dem Ort und unseren geplanten Vorhaben ihren Zauber.

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