Havanna Transport und bemerkenswerte Segelgeschichten (Januar 18 – 21)

März 5, 2007  
Themen: Kuba

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Wir wechselten unseren Anlegesteg von der Immigration zur eigentlichen Marina. Dort kam sogleich ein Elektriker angeradelt, der uns an das Stromnetz anschloss. Der Zaehler wurde abgelesen und alles fein saeuberlich,

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handschriftlich in einem Buch festgehalten. Gleich darauf kam der Muellmann und fragte uns erfreut, “Haben Sie Muell?”. Wir schmunzelten, gaben ihm die Muellsaecke und er brachte sie zu den naheliegenden Abfallbehaeltern. Alle Mitarbeiter der Marina sorgten sich um unser Wohl. Es war himmlisch.

Nach einer kurzen Aufraeum- und Saubermachaktion machten wir es uns in der Marina Hemmingway gemuetlich. Die Dusche hatte wohl getan und danach hiess es nur noch faulenzen. Wir gestalteten unseren Nachmittag mit dem Ausbreiten unserer Koerper auf der Wiese im Schatten eines Baumes und dem gleichzeitigem Genuss einer Folge der US-Serie LOST auf Stuart’s DVD player.

Wir haetten uns zwar auch in der Bar niederlassen und CNN schauen koennen, danach stand uns aber nicht der Sinn. Verwunderlich war allerdings, dass den Kubanern erlaubt ist CNN zu empfangen. Die Bar hatte auch einen Zeitungsstaender, der einzig Magazine ueber Zigarren enthielt. Ich als Nichtraucher fand es absurd, Zigarren so gesellschaftsfaehig und besonders herauszustellen. Letztlich nehmen sie einem nur den Atem, vor allem wenn sie in einem geschlossenem Raum verzehrt werden. Aber gut, das ist Geschmackssache.

Am Abend machten wir uns auf die Gegend ein wenig naeher zu erkunden. Wir liefen bis Jaimanitas, einer Siedlung in der Naehe der Marina Hemmingway. Dort sprach uns Rey an, erklaerte dass er als Schwimmmeister in der Marina arbeitet (saisonbedingt gerade arbeitslos) und lud uns zu sich nach Hause ein. Rey ist 26 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und der zehnjaehrigen Tochter in einem kleinen, gemuetlichen Haus.

Wir waren erstaunt dort einen nagelneuen Kuehlschrank und eine Stereoanlage vorzufinden. Dieser Lebensstandard war Rey moeglich, da er durch die Arbeit in der Marina genuegend Trinkgeld erhielt. Das Einkommen eines Kubaners liegt um die 13 Euro im Monat, was aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist. Zusaetzlich besitzt jeder Kubaner ein kleines Buch, Libretta genannt. Mit diesem kann er monatliche Rationen von Zucker, Mehl, Bohnen, Salz, Brot, Fleisch, Gefluegel und Eiern beziehen. Insgesamt reicht das aber nicht aus, um die Familie zu ernaehren. Um dennoch zu ueberleben verdienen sich die Kubaner Zugeld auf dem Schwarzmarkt. Die Kubaner nennen diese Form des Zubrotes “Inventos” (Schoepfung, Erfindung). Sie stehlen Waren aus den Fabriken und verkaufen sie fuer weniger Geld in der Nachbarschaft. Der Privatverkauf von Waren ist in Kuba verboten, wird aber notwendigerweise trotz des Risikos erwischt zu werden durchgefuehrt, weil ohne Inventos kaum jemand ueberleben kann.

Die folgenden Tage testeten wir das Transportsystem aus, da sich die Marina Hemmingway 10km von Havanna entfernt befand und wir dringend einige Dinge erledigen mussten. An der Bushaltestelle angekommen sahen wir neben den Wartenden eine Dame in Uniform, die mittels dem Winken eines Ordners verschiedene Autos anhielt. Wir erfuhren, dass die Fahrt in den Autos kostenlos sei. Spaeter fanden wir heraus, dass die uniformierte Dame nur Regierungsautos (mit blauem Nummernschild) anhielt, deren Fahrer gezwungen sind anzuhalten und ihre Mitmenschen kostenlos mitzunehmen.

Das Warten auf den Bus kann Stunden dauern. Wenn der Bus kommt muss erst einmal herausgefunden werden wo er hinfaehrt. Oft ist das bei Ankunft des Buses noch unklar. Es gibt auch keine geregelten Abfahrtszeiten. Der Bus ist meist uebervoll und kostet nur 1 Peso Kubano (0,03 Euro). Wenn man zur Bushaltestelle kommt, fragt man “El Ultimo a …?” (“Wer ist der Letzte nach …?”). Man stellt sich hinten an, die Reihenfolge wird aber den Umstaenden entsprechend nicht immer eingehalten. Jeder will nach einer mindestens einstuendigen Wartezeit endlich mit dem Bus fahren. Das fuehrt zu Gezeter, Geschrei, Handgemaenge und dem Schieben und Druecken, damit man noch irgendwie in den Bus hineinkommt. Jeweils an der Starthaltestelle werden dann aber nur so viele Menschen hineingelassen, bis alle Sitzplaetze besetzt sind. Dann faehrt der Bus unter dem Schimpfen der Zurueckgebliebenen ab. Diese Beschraenkung ist notwendig, da an den folgenden Haltestellen auch Mengen von Menschen warten, die eine Chance zum mitfahren erhalten sollen.

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Oeffentlicher Transport ist nicht nur mit stundenlangem Warten, sondern auch mit viel Laufen verbunden. Zwar kann man aus den Bussen an beliebigen Orten aussteigen, einsteigen kann man aber nur an festen Haltestellen. Die liegen meist sehr weit auseinander. Wer keine Lust hat zu warten, der laeuft eben. Das haben auch wir getan, denn Taxis sind fuer Auslaender unverschaemt teuer. Einmal haben wir wie die Kubaner einfach so ein Auto angehalten, was uns 0,90 Euro gekostet hat. Da es kein Taxi war, hielt sich der Preis hier in Grenzen.

In der Nahe von Havanna trafen wir das Hospitality Mitglied (www.hospitalityclub.org) Olfert, ein Deutscher, der seit zwei Jahren mit Frau und Kind in Kuba lebt. Er lud uns ein mit seiner Familie und Freunden ins Aquarium zu gehen. Da der Eintritt fuer Touristen aber 7 CUC (6 Euro) kostete, blieben wir vor den Toren zurueck.

Olfert gesellte sich eine Weile zu uns und wir hoerten gespannt seinen Erfahrungen in Kuba zu. Bevor Olfert eine Arbeit fand, musste er alle 3 Monate Kuba verlassen, trotz das er bereits verheiratet war und sie ein gemeinsames Kind haben. Vor kurzem fand er endlich eine Arbeitsstelle in einer kanadischen Firma in Havanna, was ihm ein Arbeitsvisum bescherte mit dem er sich nun 1 Jahr durchgaengig in Kuba aufhalten kann. Er zog nach Havanna, was aber hiess, dass er und seine Frau getrennt leben mussten. Seine Frau ist Zahnaerztin in Baracoa und da dort ein Mangel an Zahnaerzten besteht, wurde es ihr vom Staat nicht erlaubt nach Havanna zu ziehen. Mit viel Ueberzeugungsarbeit und einigen nuetzlichen Verbindungen zu hoeheren Stellen scheint eine Umsetzung nach Havanna aber bald zu klappen.

Olfert lebt und arbeitet zwar in Kuba, wird aber trotzdem als Tourist behandelt. Er muss Touristenpreise fuer den Transport bezahlen, sowie bei Eintritten in Museen, Theater oder den Zoo wie Auslaender tief in die Geldboerse greifen. Die Wohnung, in der er mit seiner Familie lebt koennte er nicht bewohnen, wenn nicht seine Frau auch in Havanna leben wuerde. Wie soll er das aber anstellen, wenn seine Frau von offizieller Seite noch nicht nach Havanna ziehen und dort arbeiten darf? Er muesste eigentlich eine Wohnung fuer einen unverschaemt hohen Preis beziehen. Wiederum durch die Hintertuer ist es ihnen aber gelungen, in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen.

In Havanna gibt es auch ein spezielles Krankenhaus fuer Auslaender, denen es nicht erlaubt ist, in einem staatlichen Krankenhaus um Behandlung zu bitten. Dort werden Sozialversicherungsausweise verlangt, die man als Auslaender nicht erhaelt. Die aerztlichen Behandlungen sind natuerlich auch hier sehr teuer. Kubaner dagegen beziehen aerztliche Behandlungen in staatlichen Einrichtungen kostenlos.

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Neben unseren Erkundungstouren in die naehere Umgebung lernten wir interessante Leute in der Marina kennen. Mike Pobor segelt zusammen mit seiner Frau Irine bereits seit 15 Jahren um die Welt. Das Boot was sie besitzen ist selbstgebaut. Es ist ein originalgetreuer Nachbau des russischen Segelschiffes “Saint Paul”. Mit diesem hoelzernem Segelschiff entdeckten russische
Abenteurer 1741 Alaska und das nord-westliche Territorium. Die Route fuehrte von Kamtschatka ueber den pazifischen Ozean. Ein wilder Strom brachte eines der zwei Entdeckerboote zum sinken und 31 Seemaenner verloren dabei ihr Leben. Vitus Bering war der Kommandant dieses Schiffes. M
ike und seine Frau initiierten die erste Expedition, die der Route Berings folgen sollte. Was mit dieser Expedition begann, endete mit einem Leben auf dem Boot und dem durchsegeln der Weltmeere seit 15 Jahren. Mehr ueber die Pobors gibt es unter www.saltysail.com und pobor.us.

Da waere auch Colin, ein Englaender, den es auf einer Weltreise ueber Land vor 40 Jahren nach Australien verschlug. Dort arbeitete und lebte er, bis seine Firma bankrott ging und er eine Abfindung erhielt. Davon kaufte er Polly, ein 8 Meter langes Segelboot. Er hat bereits einmal die Welt mit seinem Boot umrundet und befindet sich gerade auf seiner zweiten Weltreise. Colin segelt immer allein.

Und da sind Inge und Hans, die erst kuerzlich einen Catamaran in Florida erstanden haben. Nachdem sie ihn ueber zwei Monate instand gesetzt hatten, hiess es fuer sie ‘Auf nach Kuba!’. Wanderlust – der Name des Catamarans – ist ihr erstes eigenes Segelgefaehrt. Die Beiden wollen die naechsten zwei Monate gemaechlich von Havanna runter zur Suedkueste Kubas reisen und dann entlang dieser bis zum oestlichsten Zipfel. Von dort aus planen die Beiden eine Reise zu den Bahamas und wollen dann den Catamaran ueber den Atlantischen Ozean bis nach Spanien bringen.

Es ist immer wieder spanned, auf welche Menschen wir in den Marinas treffen. Wir haben dieses Kennenlernen bereits in der Isla Mujeres sehr genossen und freuen uns auf weitere interessante Segler!

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