Erste Gehversuche in Kuba (Januar 21 – 31)

März 5, 2007  
Themen: Kuba

Um vom touristischen und teuren Havanna zu entfliehen, entschieden wir uns mit dem Zug nach Guantanamo, im Sueden Kubas, zu fahren. Die Zugtickets kosteten uns je 32 Convertible Pesos (CUC, entspricht 28 Euro). Das sind Sonderpreise fuer Touristen. Trotz des hohen Preises reisen Touristen genauso wie Kubaner.

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Da wir bereits morgens am Bahnhof waren, der Zug aber erst am Abend fuhr, nutzten wir die Gelegenheit um uns Havanna ein wenig anzuschauen. Wir steuerten direkt auf Havana Vieja (die Altstadt Havannas) zu und genossen das lebhafte Treiben in dessen Gassen. Diese Altstadt hat wirklich etwas bezauberndes, obwohl die Haeuser fast zusammenfallen. Ich liebe es durch diese alten, bruechigen Gebaude zu laufen, stelle mir das Treiben vor vielen Jahrzehnten vor und vergleiche es mit dem, was ich vor mir sehe. Es ist wie eine Kombination aus Historie und Moderne, einfach unbeschreiblich schoen, wie ein Zeitsprung. Die Strassen Havana Viejas sind nicht die saubersten, dafuer bringen sie aber besondere Informationen hervor. Einmal fanden wir

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eine alte, dreckige Milchtuete, auf der geschrieben stand “Yogurth de Soya” (Sojajogurth). Meine Augen leuchteten auf und wir machten uns auf die Suche nach Sojajogurth. Diesen fanden wir in einem winzigen Laden, der eigentlich nur fuer die Kubaner bestimmt ist. Dort erstanden wir 1 Liter Sojajogurth mit Fruchtgeschmack fuer sage und schreibe 1 kubanischen Peso (0,03 Euro)!!!

Wir warteten insgesamt 6 Stunden auf den Zug, der mit drei Stunden Verspaetung eintraf. Die Abteile enthielten 84 Sitzplaetze, jeweils zwei links und zwei rechts. Das Gepaeck wird ueber den Koepfen verstaut. Es gibt 1 bis 2 Toiletten im Abteil, die eher an Plumpsklos erinnern. Es gibt kein Wasser und keinen Eimer fuer das Toilettenpapier. Jeder Toilettenbenutzer hinterlaesst also seine Absonderungen sowie das zur Selbstreinigung benoetigte Papier direkt auf den Eisenbahngleisen. Letzteres aber auch einfach auf dem Boden neben der Toilette. Nach keinen zwei Stunden stank es erbaermlich aus der Toilette, bei deren Benutzung ein kurzer Blick genuegte um das gesundheitliche Warnsystem zu alarmieren “bloss nicht hinsetzen!”. Es war eine Qual, aber wie so vieles andere ueberlebt man letztlich doch.

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Nach 24 Stunden Zugfahrt stiegen wir am Bahnhof in Guantanamo aus. Dort nahmen wir ein Pferdetaxi, dass bis zu 8 Personen transportieren kann. Statt 3 kubanische Pesos normaler Fahrpreis mussten wir 10 bezahlen. Wieder Touristenpreise, aber alles in allem besser als der Fahrradtransport, der uns das Doppelte gekostet haette.

Da der Bus (Astro) von Guantanamo bis Baracoa 8 CUC (6 Euro) fuer 170km kostet, entschieden wir uns den Preis fuer den LKW-Transport herauszufinden. Der betrug noch immer 5 CUC (4 Euro), so dass wir darauf verzichteten und uns zu Fuss aus Guantanamo herausbewegten.

Wir benahmen uns wie Wanderer, die der Mission folgten Kuba zu Fuss zu entdecken. Wir kamen an einem Lebensmittelumschlagplatz vorbei und wurden auf unsere gierigen Blicke hin mit einem Haufen Bananen beschenkt. Weiter ging es, um einen Schlafplatz fuer die Nacht zu finden. Als die recht gut befahrene Strasse nach Baracoa endlich einmal leer war, rannten wir schnell in ein paar Felder hinein und versteckten uns hinter den 3 Meter hohen Graesern. Als es bereits dunkel war radelte ein Feldarbeiter an uns vorbei, was aber keine Folgen nach sich zog. Er sah uns, schien aber nichts an die oertliche Polizei gemeldet zu haben. Haben wir sonst Sorgen, dass uns jemand findet und eventuell zu sehr an unserem Hab und Gut interessiert ist, machen wir uns hier in Kuba eher Sorgen um die Ordnungshueter. Denn wir haben das unangenehme Gefuehl, dass zelten in diesem Kontrollstaat nicht so wirklich erlaubt ist…

Nach einer erholsamen Nachtruhe hiess es 5 Uhr morgens unsere Sachen packen, so dass wir noch vor Sonnenaufgang unseren Zeltplatz verlassen konnten. Wir versuchten es an diesem Morgen mit Trampen. Das funktionierte auch super, bis wir auf halber Strecke von unseren Fahrern um einen Fahrpreis von 30 CUC (26 Euro) gebeten wurden. Wir protestieren hoeflich und schafften es den Preis auf 18 CUC (16 Euro) zu senken. Zaehneknirschend bezahlten wir, denn wir wollten keine Probleme. Da das Auto ein Regierungskennzeichen hatte und wir bereits ausgefragt worden waren, wo wir die vergangene Nacht verbrachten, und wir das kubanische

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“Was kann man machen und was nicht – System” noch nicht durchschaut hatten, gaben wir lieber kleinlaut bei. Am Ende waren wir zumindest innerhalb von zwei Stunden in Baracoa (der Bus braucht 4 Stunden), erhielten kostenlos Bananen und Cocorutschu, eine Mischung aus geraspelter Kokosnuss, kandierten Orangen und Zucker. Auch frisches Quellwasser gab es, mit dem wir all unsere Wasserflaschen auffuellten.

In Baracoa angekommen klopften wir bei den Schwiegereltern Olferts an. Olfert hatten wir in Havanna bereits kennengelernt. Nalvis und Efer seien sehr liebenswerte Menschen und wuerden uns helfen, wo auch immer wir Hilfe brauchten. Das traf es auf den Punkt. Zwar konnten wir nicht bei ihnen wohnen, da sie bereits Gaeste hatten, aber sie verwiesen uns an ihre nette Verwandte Estella. Dort verbrachten wir drei Tage und besuchten ab und an auch Olferts Schwiegereltern.

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Baracoa ist ein schoenes Fleckchen Erde. Es ist eine Kleinstadt, die man zu Fuss erobern kann. Baracoa liegt direkt am Meer. Es umschliesst eine grosse Bucht, in der ein altes, rostiges Frachtschiff stolz hervorragt. Entlang der Bucht befinden sich viele ein- bis zweistoeckige Haeuser. All dies ist umgeben von

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einer Unmenge Natur. Das Gruen spriesst aus allen Ecken. Der Anblick der Felsen, die zwischen dem Land und dem Meer liegen, und die Vielfalt an Fauna versetzt einen in Staunen. Stundenlang koennte man an der Mauer in der Naehe der ASTRO Busstation sitzen und einfach nur den Blick ueber die Bucht, die bergige Region und die Natur schweifen lassen.

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In Baracoa lernten wir uns Essen auf kubanische Art zu besorgen. In der Baeckerei lernten wir nachfragen, um welche Zeit wir an Brot herankommen konnten, denn offiziell durften die Baeckersleute uns dies nicht waehrend des Tages verkaufen. Wir schlichen also abends um die Baeckerstube herum und uns wurde das Brot fast hinterhergeworfen. Fruechte und Gemuese hiess es in den Seitenstrassen aufzutreiben. Wann immer jemand einen Sack auf den Boden stellte hiess es neugierig die Nase recken und zugreifen, sollte es unserem Geschmack entsprechen. Da gab es an einer Ecke Apfelsinen, an der naechsten Bananen, an der dritten Zwiebeln und Tomaten, Wurzelgemuese oder eben Weisskohl. Viel Auswahl gab es nicht, aber letztlich fuellte es unsere Maegen zur Genuege. Einmal fanden wir sogar jungen Spinat! Auch erstanden wir ab und an fuer Augustas solche Leckereien wie Sojajogurth (1 Liter fuer 0,10 Euro), cremierte Kuchen, Eiscreme und Pizza. Fuer mich gab es als Trost dann auch mal eine leckere Bitterschokolade aus Baracoa…koestlich! Gemeinsam genossen wir das Zuckerrohrgetraenk Guarapo. In den sogenannten Dollarlaeden (Chopi) gab es einige Delikatessen, die wir aber besser stehen liessen, da die Preise recht hoch erschienen. Auch fand sich des Oefteren eine Person, die Plastikbeutel illegal auf der Strasse verkaufte. Alles in allem hatten wir keine grossen Probleme das einkaufen zu gehen was wir brauchten. Nur eines fand sich nicht: Toilettenpapier. Gut das wir mit Vorrat angereist waren.

Nachts scheint Baracoa voll der Musik. Die Menschen singen und die Musik – oft handgespielt – ertoent aus jedem Winkel. Hinzu kommen oft Stimmen aus abendlichen Fernsehserien, die scheinbar jeder Nachbar gierig konsumiert. Zudem passiert nahezu taeglich etwas im Kulturzentrum (Casa de Cultura) im Zentrum von Baracoa, vor dessen offenen Tueren wir einige Male das aktuelle Treiben beobachten konnten.

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