Das wirkliche Kuba (Februar 4 – 20)

März 19, 2007  
Themen: Kuba

It's raining, thus let's party!

It's raining, thus let's party!

In Cienfuegos kamen wir zuerst bei Mary und Elias unter, einem jungen Paar, das wir ueber den www.HospitalityClub.org kontaktiert hatten. Da wir Mitglieder des Clubs sind kamen wir bei ihnen fuer einen Freundschaftspreis von 10 Dollar (8,30 Euro) unter. Die Beiden leben vom Tourismus und vermieten so oft wie moeglich ihr zweites Zimmer. Wir fuehlten uns wohl, doch irgendwie war es nicht wie sonst, wenn wir im HospitalityClub bei anderen Mitgliedern uebernachteten. Uns wurde Essen angeboten, doch wussten wir nicht, ob wir es bezahlen mussten. Mary forderte kein Geld, doch wussten wir, dass sie fuer die Erlaubnis Touristen Essen anzubieten einen monatlichen Betrag Steuern an den Staat abgeben musste – und dieser Betrag musste erst einmal verdient werden. Unsicher akzeptierten wir am ersten Tag das Abendmahl und gaben was wir noch an Essen hatten als Geste der Beteiligung. Als Mary erfuhr, dass wir unsere Sachen waschen wollten, bot sie uns an dies selbst zu tun. Das war ungewoehnlich fuer uns. Warum sollte Mary unsere Sachen waschen wollen? Wir vermuteten hinter dieser Hilfsbereitschaft die Erwartung, fuer diesen “Service” bezahlen zu muessen. Wir lehnten dankend ab, aber Mary bestand darauf, unsere Waesche zu waschen. Um doch noch aus dieser Zwickmuehle herauszukommen, ohne Mary vor den Kopf zu stossen, erklaerten wir die Waesche ueber Nacht einzuweichen und morgens selbst zu waschen. Es war eine eigenartige Situation, da direkt fragen, ob wir bezahlen muessen oder die Hilfsbereitschaft als nette Geste einfach annehmen koennen, nicht zur Debatte stand.

interesting passenger...

interesting passenger...

In Cienfuegos besteht ein Transportproblem. Es gibt zahlreiche Taxis, Pferdetaxis und Fahrradtaxis, aber keines moechte Touristen fuer unter 1 Dollar pro Person mitnehmen. Da wir oft zur Marina mussten, um nach einer Mitsegelgelegenheit Ausschau zu halten, haette uns das jedes mal 4 Dollar gekostet. Das war des Guten zuviel und so liefen wir uns nahezu taeglich die Fuesse wund.

our lovely honey seller - the only one we found in Cienfuegos

our lovely honey seller - the only one we found in Cienfuegos

Recht zu Beginn unseres Aufenthaltes in Cienfuegos fanden wir am Strassenrand einen Mann, der super leckeren Honig verkaufte. Den Honig brachte er in einer grossen Coca-Cola Flasche mit und fuellte ihn am Strassenrand in kleine 340ml Plastikflaschen, die zuvor Erfrischungsgetraenke enthielten, um. Das war eine klebrige Angelegenheit, doch das stoerte unseren Honigmann wenig. Der konzentrierte sich darauf, dass ja nichts daneben laeuft. Er sass meist neben einem anderem Herrn, der ihm bei seinem Honiggeschaeft ein wenig half. Der Honigmann sah schlecht und hatte nicht mehr ganz so frische Ohren. Deshalb half ihm sein Freund bei der Entgegennahme des Geldes und bei der Rueckgabe des Wechselgeldes, denn der Honigmann steckte den Schein einfach ein, egal welche Hoehe der hatte. Es war ein niedliches Bild, den winzigen Honigmann beim Warten und Verkaufen zuzusehen. Am schoensten war, dass er bei jeglicher Aktion zu lachen anfing und dabei seine Mundwinkel fast beide Ohren erreichten. Welch eine Wohltat von Mensch, denn wir konnten und wollten uns seiner Froehlichkeit nicht entziehen.

Einen Abend hatte Augustas Hummeln im Hintern. Er konnte einfach nicht still sitzen und draengte immer wieder auf einen weiteren Spaziergang. Dabei waren wir bereits den ganzen Tag durch die Stadt gelaufen. Ein kleiner Seufzer, ein Laecheln und schon raffte ich mich zu einer weiteren Tour auf. Ich war natuerlich neugierig, warum Augustas so nach draussen draengte. Wahrscheinlich wartete dort wohl eine neue, interessante Erfahrung auf uns. Wir liefen also los und das Erste was wir in Angriff nahmen, war der Aufstieg auf das einzige Hochhaus, das wir in Cienfuegos gesehen haben. Wir schlichen uns ins Haus und ab ging der klapprige Ostfahrstuhl. Die letzten Stockwerke liefen wir zu Fuss, was manches Mal ein wenig unheimlich war, da es keine Gelaender, dafuer aber einen guten Blick in die Tiefe des Treppenhauses gab. Die Dachterasse konnten wir wegen verschlossener Tuer leider nicht betreten, dafuer lugten wir aber auf verschiedenen Seiten des Gebaeudes durch die mit Zierloechern versehenen Treppenhauswaende. Ueberall blitzten Lichter. Den Blick ueber das naechtliche Cienfuegos gleiten zu lassen fuehlte sich zauberhaft an. Dazu der Wind, die Sterne…wir fuehlten uns wie kleine Kinder, die die Welt entdecken. Und irgendwie sind wir das ja auch…

advertising in Cuba

advertising in Cuba

Wir stiegen wieder hinab und schlenderten die Strassen entlang. An einem marktaehnlichem Gebauede, dass mit einem Drahtzaun versehen war, blieben wir haengen. Wir konnten einfach nicht klar herausfinden, ob es ein noch funktionstuechtiges Markthaeuschen (Agropecuario genannt) war oder ein den Kommunismus anpreisender Werbemarkt – wenn es so etwas ueberhaupt gab. Waehrend wir ueberlegten naeherte sich ein aelterer Herr. Wir fragten ihn und er fing an zu Lachen.

Alter Mann (AM): “Ja, eigentlich ist das ein Markthaus, aber wirklich etwas zu kaufen gibt es hier nicht.”
Wir: Ah. Mhm. “Schade. Warum denn nicht?”
AM: “Wisst ihr, vor 50 Jahren, da war das hier noch ein Markt, voll gefuellt mit Fruechten und Gemuese, aber heute gibt es so gut wie gar nichts zu kaufen. Und das liegt daran, dass die Landwirtschaft den Bach herunter gegangen ist.”
Wir: “Warum hat sich die Landwirtschaft so veraendert?”
AM: “Ach, das fing ja alles schon vor vielen Jahren an. Als ich noch jung war, habe ich in einer Schlachterei gearbeitet und von frueh bis abends geschuftet. Ich hatte meinen eigenen Laden und verdiente mein eigenes Geld. Dann kam die Revolution und mir wurde mein Geschaeft weggenommen. Die steckten mich doch tatsaechlich in eine Schuhfabrik, obwohl ich noch NIE in meinem Leben einen Schuh angefertigt hatte! Ich war frustriert, aber in der eingefuehrten Planwirtschaft konnte ich nichts anderes machen als die Lage zu akzeptieren. Ich eignete mir besondere Fingerfertigkeiten in der Schuhproduktion an und lieferte jahrelang hervorragende Ergebnisse. Doch wo denkt ihr hin, in all den Jahren haben sie mir nicht ein einziges Mal eine Lohnerhoehung gegeben. Nicht ein einziges Mal! Das wurde mir irgendwann zu bunt und ich fing Geschaefte mit Benzinhandel an. Von da an ging es ein wenig bergauf und davon lebe ich auch noch heute.”
Wir: Schweigen.
AM: “74 Jahre habe ich schon auf dem Buckel und schaut mich an. Was hat mir die Revolution denn gebracht? Was hat sie aus mir gemacht? Und wie steht es mit meinen Nachfahren? Meine Kinder und Kindeskinder, Herrgott!, die haben ja gar keine Motivation mehr zum Arbeiten. Es lohnt sich ja auch nicht bei einer derarten Unterbezahlung! Warum gibt es wohl kein Gemuese im Markt? Weil keiner in der Landwirtschaft arbeiten will. Und warum nicht? Weil sie dort nichts verdienen und schon gar nicht davon leben koennen. Blicken wir der Realitaet mal ins Auge: Kuba ist eine Falle. Auch wenn wir uns geehrt fuehlen, dass die Welt auf uns schaut und sagt ‘Kuba, die Perle der Karibe!’. Schoen und gut, wir kriegen kostenlos die beste Ausbildung und medizinische Versorgung, aber wir sitzen hier fest und werden bis aufs Letzte kontrolliert. Wir sind in einem Paradies gefangen.”

Dieser letzte Satz erinnerte mich an ein Gemaelde, dass ich in einer Kunstgalerie in Havanna gesehen hatte. Das Bild zeigte eine Mauer mit Fenster. Das Fenster war mit Gitterstaeben versehen. Dahinter stand ein traurig blickender Mann mit gesengtem Kopf, in dessem Hintergrund sich eine paradiesische Landschaft befand. Das Gemaelde, unsere Erfahrungen in Kuba und die Aeusserungen des alten Mannes fuegten sich wie ein Puzzel zusammen.

...to be a Cuban

...to be a Cuban

Wir waren wohl an den richtigen Mann bezueglich unserer Frage geraten. Ohne unser Zutun sprudelte aus ihm seine Verzweiflung ueber die Revolution und ihre Folgen heraus. Sein Leben wurde zwanghaft veraendert und auch wenn er gute Seiten dem heutigen Kuba zugestand, war er ueber den Lauf seines durch Planwirtschaft zerstoerten Lebens verbittert. Waehrend er uns all diese und viele Details mehr ueber sein Leben schilderte, erwaehnte er immer wieder, dass in jeder Ecke jemand stand und lauschte was man spraeche. Er meinte, “Es wuerde mich wirklich nicht wundern, wenn ich nach dem Gespraech an der naechsten Strassenecke angehalten werde und irgendsoein Regierungsspitzel mir altkluge Fragen stellt.” Dieser Herr beklagte sich ueber die genommene Freiheit, die Kontrolle ueber jeden und alles, die Tatsache, dass es keine Meinungsfreiheit in Kuba gaebe. Wir lauschten und hofften, dass es dem Mann zumindest etwas Erleichterung bescherte, seiner Wut in unserer Gegenwart freien Lauf zu lassen. Nach dem Gespraech waren wir etwas benommen, doch laechelte ich und meinte zu Augustas, “jetzt weiss ich, warum du unbedingt einen Abendspaziergang machen wolltest”.

An einem der folgenden Tage, bei einem Spaziergang durch die Stadt, fiel mir ein sehr alter Herr auf, der uns anfing hinterherzutrotten. Als Augustas zum obligatorischen Eiscremekauf ging, bot mir der Herr eine Zeitung zum Erwerb an. Dies machte er mit dem Wedeln der Zeitung nahe meiner Nase und einigen, fast unhoerbaren Worten deutlich. Ich zoegerte erst ein wenig, kaufte dann aber die Zeitung. Der Herr war zufrieden und lief davon. Ich hatte das Gefuehl, dass dies nicht unsere letzte Begegnung war. Ich hatte die Zeitung nur zum Wohle des alten Herrn gekauft, wirkliches Interesse an dessen Inhalt hatte ich nicht. Wir liefen gerade die Hauptstrasse, El Prado, entlang, als ich den alten Herrn auf einer Bank sitzen sah. Wir gruessten uns freundlich und schon waren wir an ihm vorbeigelaufen. Da kam mir die Idee ihm die Zeitung wieder zurueckzugeben, damit er sie ein zweites Mal verkaufen kann. Das herzhafte Laecheln, mit dem er mich daraufhin anstrahlte als ich ihm die Zeitung uebergab, werde ich nicht so schnell wieder vergessen. Er hob zusaetzlich seinen Arm und ich hatte das Gefuehl, dass ich ihn seelig gestimmt hatte. Ich liebe solche Taten.

Nach drei Naechten wechselten wir unsere Bleibe zu Mary’s Tante Yvonne, da sich bei Mary bereits andere Gaeste angekuendigt hatten. Ivonne wusste, dass wir nicht mehr als bei Mary bezahlen konnten, und lud uns trotzdem in ihr Haus ein. Bei Ivonne angekommen fuehlten wir uns wie Paradiesvoegel. Die Wohnung war riesig. Ein Raum mit Tisch, drei Stuehlen und einem

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Schrank, ein weiterer mit zwei grossen, gemuetlichen Betten und einem riesigen Spiegel, ein Bad mit Dusche direkt daneben, eine Kueche, wo wir bequem unseren Campingkocher platzieren konnten und eine grosse Terrasse. Dazu verwoehnte uns Yvonne zur Begruessung mit einer 1,5 Liter Flasche frischgepressten Guave-Saftes und einer Vielzahl an Bananen. Wir konnten unser Glueck kaum glauben.

Eigentlich wollten wir nur zwei Tage bleiben, da wir aber noch immer kein Boot gefunden hatten, entschieden wir bis zum erfolgreichen Finden dieses in Cienfuegos zu verharren. Wir vereinbarten deshalb mit Yvonne, dass wir jeden Morgen unsere Sachen zusammenpacken werden, so dass sie im Falle sich ankuendigender Gaeste unser Gepaeck nur aus dem Zimmer nehmen musste. Wenn sich bis nachmittags gegen 15 Uhr niemand fuer das Zimmer anmeldete durften wir bleiben. Immer noch fuer 10 Dollar pro Tag. Als wir dann endlich Glueck hatten und ein franzoesisches Boot fanden, dass uns bis Panama bringen wuerde, vereinbarten wir die verbleibenden Tage je einen Preis von 15 Dollar. Jetzt mussten wir endlich nicht mehr jeden Morgen unsere Rucksaecke packen! Das wurde naemlich mit der Zeit echt anstrengend. Vor allem die Tatsache nicht zu wissen, ob oder ob wir nicht am spaeten Nachmittag losziehen mussten, um eine Bleibe fuer die Nacht ausserhalb der Stadt zu suchen, stresste uns ein wenig.

Waehrend der eineinhalb Wochen in Yvonne’s Haus lernten wir sie selbst, ihre Mutter und ihren aeltesten Sohn Alain besser kennen. Wir erfuhren so mancherlei ueber die fuer Kubaner teils schwierigen Umstaende, die besonders durch die eingeschraenkte Freiheit verursacht wurden. Hier ein kleiner Auszug aus Yvonne’s Leben und Erfahrungen.

Yvonne studierte Englisch im Lehramt. Nach sieben Jahren Studium und dem nebenbei abgeleisteten, obligatorischen Sozialdienst (im Gegenzug ist das Studium kostenlos), arbeitete sie bis zur Wendezeit (um 1990) in der Universitaet. Die sich veraendernde Situation in Europa (vereintes Deutschland, Befreiung der osteuropaeischen Laender von der Besatzung Russlands) fuehrte zu enormen Veraenderungen in Kuba. War Kuba vor dem Fall der Mauer in 1989 noch ein richtiges Paradies, gab es ploetzlich nicht mehr genug zu essen. Das resultierte aus dem Wegfall der automatisch geleisteten Hilfe der sozialistischen Laender Europas. In dieser Periode musste Yvonne ihre Lehramtsstelle aufgeben und in ein Hotel wechseln. Dort konnte sie zumindest ein ausreichendes Zubrot mittels Drinkgelder verdienen, denn der Lohn reichte nicht zum Ueberleben aus. Nach vielen Jahren im Hotelgewerbe initiierte sie zusammen mit ihrem Bruder eine Art Privatunterricht. Dort unterrichtete sie Erwachsene, die aus Kuba ausreisen wollten, in englischer Sprache.

Vor drei Jahren wechelte Yvonne zum Vermietungsgeschaeft. Das geschah besonders aus dem Wunsch heraus, ihre ueber die Jahre im Hotel gefundenen, internationalen Freunde in ihr Haus einladen zu duerfen. Denn auch wenn man sich noch so gut kennt, die kubanische Regierung verbietet es jeder Privatperson einen Auslaender bei sich unterzubringen. Diese Regelung kann nur umgangen werden, indem man fuer den Besuch eine bis zu 3-monatige Aufenthaltsgenehmigung beantragt (kostet um die 45 Dollar), die nur einmal im Jahr erteilt wird. Oder aber man wir Vermieter und bietet als Arrendedor Divisa Touristen, und somit auch seinen Freunden, eine Moeglichkeit gegen Bezahlung im eigenen Hause zu uebernachten. Als Arrendedor Divisa muss Yvonne monatlich 130 Dollar bezahlen, inklusive der Erlaubnis, ihren Gaesten gegen Bezahlung Essen zubereiten zu duerfen. Dessen aber nicht genug, verbietet es der Staat, dass sich die Auslaender, die sich bei einem Arrendedor Divisa eingemietet haben, ausserhalb des registrierten und mit Steuern belasteten Raumes aufhalten. Yvonne warnte uns einmal, dass wir uns tagsueber moeglichst nicht bei ihr im Wohnzimmer aufhalten sollten, da – im Falle einer unangekuendigten Kontrolle – die Folge eine Erhoehung des monatlich zu leistenden Steuerbetrages fuer ihr Vermietungsgeschaeft sein kann.

Yvonne’s Sohn Alain, der als Programmierer taetig ist, spuert die Einschraenkungen verstaerkt. Da er Zugang zum Internet hat und die Welt der elektronischen Information riesig und – im Normalfall einfach – zu betreten ist, hat die kubanische Regierung wie ueberall Restriktionen eingefuehrt. Unerwartet kommen sogenannte Pruefer an seinen Arbeitsplatz und durchforsten die Seiten, die Alain besucht hat. Sind einige der Webseiten gefaehrlich, da sie den Kontakt mit der Aussenwelt (alles was ausserhalb Kubas liegt) zulassen und durch dessen Nutzung der Kubaner mit der Realitaet “da draussen” zu sehr in Beruehrung kommen koennte, blocken sie den Zugang auf diese Webseiten. Das hat unguenstige Auswirkungen auf Alain’s Arbeit, der natuerlich – wie jeder andere Kubaner – von einem Zuverdienst ausserhalb der offiziellen Arbeit lebt. Er programmiert hier und da Webseiten fuer Auslaender, um sein Einkommen zu sichern. Werden aber Server oder Internetdienste, die er fuer diese Arbeit nutzt, von den Pruefern geblockt, kann er seine Arbeit nicht beenden und verdient damit auch nicht das noetige Kleingeld. Das Schwierigste ist natuerlich, dieses nebenbei programmieren zu verheimlichen, da er es waehrend seiner Arbeitszeit erledigen muss. Zu Hause besitzt Alain keinen Computer. Gerade fuer jemanden, der in der Computerwelt zu Hause ist, sind derartige Einschraenkungen zum Haare raufen.

Yvonne’s Schwaegerin arbeitet seit zwei Jahren in Mexiko, da sie dort von einer Universitaet direkt von Kuba aus angeheuert wurde. Dort verdient sie um die 1.500 Dollar pro Monat, von dem sie 75 Prozent! an den Staat abfuehren muss. Das Geld, was ihr uebrig bleibt spart sie, um es nach Kuba mitzubringen. Das Geld will sie in ein Auto investieren. Dieser Prozess ist aufwendig und bedarf vieler buerokratischer Huerden. Glaubt unsereins, dass wenn man sein eigens Geld verdient hat, er auch kaufen kann was er will, hat er sich in Kuba damit gewaltig geirrt.

Wir mussten unsere Visa verlaengern lassen, da wir uns laenger als vier Wochen in Kuba aufhielten. Dazu mussten wir zuerst eine Art Briefmarke in der Bank kaufen, die pro Person 25 Dollar kostet. Mit der Briefmarke, und sehr wichtig mit der Quittung des Briefmarkenkaufs, heisst es sich in die Warteschlange setzen und auf den Aufruf warten. Morgens ist eine ganz schlechte Zeit, um schnell bearbeitet zu werden. Das kostet Stunden. Dagegen ist am spaeten Nachmittag der Wartesaal leer und der ganze Prozess dauert nur eine halbe Stunde. Wir waren so clever, statt uns morgens den Hintern wund zu sitzen, am spaeten Nachmittag zurueckzukommen.

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"Las Naranjas" (The Oranges) - a band like Buena Vista Social Club, met personally in Cienfuegos

Eine Ueberraschung hielt Yvonne noch fuer uns bereit. Am letzten Abend unseres Aufenthaltes in Yvonne’s Wohnung lud sie uns ein mit ihr auszugehen. Sie erzaehlte uns von einer Band namens “Las Naranjas” (Die Apfelsinen), dessen Musik der des Buena Vista Social Club gleicht. Wir hatten jahrelang der Musik von Buena Vista gelauscht, waren aber waehrend unseres Aufenthaltes in Kuba bisher nicht ueber derartige Musik gestolpert. Mit Yvonne’s Einladung konnten wir diese Erfahrung nun auch auf unsere Liste setzen.

Yvonne with Las Naranjas singer

Yvonne with Las Naranjas singer

Wir waren schon eine Stunde vor dem Konzert da, weil Yvonne uns die Bandmitglieder persoenlich vorstellen wollte. Sie kannte die Band seit vielen Jahren, da sie diese waehrend ihrer Arbeit im Hotel fuer viele Veranstaltungen eingeladen hatte. Wir wurden alle herzlich begruesst und erfuhren, dass der Saenger bereits 92 Jahre auf dem Buckel hat. Hinzu kommt ein Gitarrist mit 84 Jahren. Das Alter des Restes der Band liegt zwischen 35 und 60 Jahren. Die Band existiert – mit wechselnden Musikern – bereits seit 60 Jahren.

great party we had

great party we had

Als Las Naranjas zu spielen und singen begannen, hatte ich das Gefuehl, ich waere direkt in das Bild des Buena Vista Social Clubs gesprungen. Was fuer eine Energie die Band doch ausstrahlte! Die kraeftige Stimme des 92jaehrigen Saengers hob uns regelrecht aus den Sitzen. Die Beine tanzten von ganz alleine und mit der Zeit fanden sich fast alle Konzertgaeste auf der Tanzflaeche. Ich war begeistert von der Atmosphaere. Paare, an dessen Fidelitaet man etwas zweifelt, sprangen auf, liessen ihre Jacken gekonnt fallen und schwangen ihre Koerper in einer Grazie zu der Musik, dass mir der Mund offen stehen blieb. Ich war restlos begeistert und da das Konzert einen Tag vor meinem Geburtstag stattfand, nahm ich es als diesjaehriges Geschenk mit herzhaften Seufzern entgegen. Mir fehlen die richtigen Worte fuer

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diese Erfahrung, ich kann nur sagen, sollte sich jemand finden, der Las Naranjas in unsere Lande zum Konzert einladen wuerde, ihr wuerdet mich auf Anhieb verstehen. Sie wuenschen sich sehnlichst nach Deutschland zu kommen. Ohne aber von aussen her vertraglich angeheuert zu werden, erlaubt es die kubanische Regierung ihnen nicht, sich ins Ausland zu bewegen. Zudem koennten sie es sich unter keinen Umstaenden leisten.

Wie arm Las Naranjas in finanzieller Hinsicht sind wurde deutlich, als wir nach dem Konzert ueber die gemachten Fotos redeten. Diese benoetigen sie, um fuer sich zu werben sowie ein CD-Cover zu erstellen. Ein grosses Foto kostet im Laden 1 Dollar. Das klingt nicht viel, dass die Bandmitglieder von Las Naranjas aber den Betrag von 1 Dollar (24 kubanische Peso) durch 8 Bandmitglieder teilten, um zumindest erst einmal ein Foto erstehen zu koennen, machte ihre Lage deutlich.

Kommentare

  1. gaby sagt:

    Mensch, was ist denn das wieder für ein Foren da, es sind doch immer die Deutschen, die mit dem Geld überall kneifen, selbst im armen Land Kuba. Natürlich gibt man was, wenn man Essen bekommt und auch wenn sie waschen will, die leben ja von der Hand in den Mund und was ist denn schon 10 cuk oder 8.30 zum übernachten. Ich muss ehrlich sagen, es kommt mir so zum kotzen mit diesen Deutschen- es ist eckelhaft.
    Wir haben euch jetzt zu Unmengen in der Schweiz und hoffen dass ein Vrus Euch wegfegt, dieser Geiz, diese Grosskotzigkeit und warum- weil euer Land pleite ist. Bleibt doch einfach bei Euch.

  2. Felix Sinniger sagt:

    Liebe Augustas und Katia
    Ich finde Eure Geschichten sehr interessant und typisch für Kuba. Ich war auch in Cienfuegos bei einem Arzt am Malecon auf Besuch. Insgesamt lebte ich viele Monate auf Kuba.
    Nochmals vielen Dank für den Bericht !!
    Mit lieben Grüssen
    Felix

    • andy becker sagt:

      Hoi Felix, ich habe Deinen Namen auch hier gefunden…

      Vielleicht meldest du Dich mal?

      herzliche Grüsse,

      Andy & Marianne