Abenteuer Zelten in Kuba (Januar 31 – Februar 5)

März 5, 2007  
Themen: Kuba

Von Baracoa machten wir uns nach drei Tagen Ausruhen auf nach Moa, 80km noerdlich von Baracoa. Wir mussten sehr frueh am LKW Bushof sein, um sicher zu gehen, dass wir mitfahren konnten. Einmal bestand naemlich das Risiko der Ueberfuellung, dass heisst wir muessten auf einen eventuell folgenden LKW warten (der unter Umstaenden nicht kommt), oder aber wuerden wir nicht mitgenommen, da es offiziell nicht erlaubt ist als Auslaender den lokalen Transport zu nutzen (letzteres um den Kontakt mit Einheimischen einzuschraenken und die Touristen dazu zu zwingen, Geld in Kuba auszugeben).

mean of transport between other towns/cities

mean of transport between other towns/cities

Wir erreichten den LKW Bushof gegen 6 Uhr morgens. Dort warteten bereits eine Menge Schueler und Studenten, als auch andere Fahrgaeste. Zudem befanden sich vier weitere Auslaender (Spanier) am Bushof. Wir kamen mit ihnen ins Gespraech und erfuhren, dass sie bereits einige Male problemlos mit LKWs gereist sind und sich nun auf dem Weg nach Moa befanden. Wir hatten vor, kurz zuvor in Punta Gorda auszusteigen. Da die Morgendaemmerung noch auf sich warten liess, blieb uns nicht anderes uebrig als uns hinzusetzen und  abzuwarten.

Die Uhr zeigte bereits neun Uhr und ploetzlich verschwanden die Spanier. Wir dachten, dass sie sich vielleicht anders entschieden haben, da sie uns zuvor ausfragten, was wir machen wuerden, wenn der LKW uns nicht mitnimmt. Das brachte uns zum Gruebeln und keine 10 Minuten spaeter machten wir uns gen Stadtende auf um zu trampen. Den Busbahnhof ueberquerend sahen wir die Spanier ploetzlich an der Bushaltestelle sitzen. Sie waren also noch da. Sollten wir wirklich riskieren den LKW ohne uns davonbrausen zu lassen? Wir gingen ein Stueck weiter und sprachen kurz darauf eine Kubanerin an. Die meinte, dass der LKW in Kuerze kommen wird und so kehrten wir um und warteten noch weitere 20 Minuten.

Der LKW kam und ohne Zutun unsererseits verhandelte bereits einer der Spanier den Fahrpreis. Erst wollte uns der Fahrer nicht mitnehmen, da er im Falle einer Polizeikontrolle eine Strafe in Hoehe von 1500 Pesos (56 Euro) wuerde bezahlen muessen. Dieser Strafe wuerde er nur entkommen, wenn er es schaffte die Polizisten zu ueberzeugen, dass wir Studenten in Cuba seien. Doch mit einer gewissen Hartnaeckigkeit erreichte es der Spanier, dass wir alle sechs je fuer 1 CUC (0,90 Euro) mitgenommen werden. Wir quetschten uns in den LKW und los gings.

Die Fahrt war unangenehm. Ich sass nahe des Ausgangs auf einer Bank, die aus drei Metallstreben bestand. Darauf lag ein Stueck Karton. Die Strasse hatte fuerchterlich viele Loecher, so dass es mich jede zwei Sekunden aus meinem Sitz hob und mit dreifacher Wucht wieder hineinpresste. Mein Steiss und meine Wirbelsaeule bedankten sich bereits. Hinzu kam, dass ein Anlehnen unmoeglich war, da sich horizontal auf mittlerer Rueckenhoehe eine hervorstehende Metallstange befand. Die schlug mir staendig gegen die Wirbel, was mich zu einer unmoeglichen Sitzposition zwang. Hinzu kam so viel Staub, dass es schon in der Nase weh tat. Gut das wenigstens meine Sonnenbrille die Augen schuetzte. Bei dem Versuch sie einmal abzunehmen flogen sofort Staubkoerner hinein.

Waehrend einer Polizeikontrolle mussten alle Fahrgaeste aussteigen. Das kam mir zu Gute, da ich so mit Augustas den Sitzplatz tauschen konnte. Es war der Himmel auf der erhoehten Sitzbank in der Mitte zu sitzen.

Waehrend der Kontrolle kamen wir mit einer Dame ins Gespraech, die nach Punta Gorda unterwegs war. Wir erklaerten, dass wir genau dort hin wollten. Als sie allerdings aeusserte, “Was wollt ihr denn dort? Da gibt es nichts weiter als Felder.”, waren wir ueber unsere Reisezielwahl nicht mehr so sicher. Auf der Weiterfahrt stimmten dann Augustas und ich mittels Zeichensprache ab, dass wir lieber bis Moa weiterreisen. Das fuehrte dann zu einiger Verwirrung fuer die Dame aus Punta Gorda und auch fuer die Spanier. Wir erklaerten, dass wir kurzfristig unsere Plaene geaendert haben. Die Spanier sahen uns mit grossen Augen an und brachen auf unser Schulterzucken hin in ein herzhaftes Gelaechter aus.

fruit sellers with special trash bin (see bottom right)

fruit sellers with special trash bin (see bottom right)

In Moa wussten wir nicht so recht wohin. Wir erkundeten die Stadt ein wenig, fanden ausreichend Obst und gingen dann zu Fuss aus der Stadt hinaus. Das kostete viel Kraft und fuehrte zu vielen verwunderten Blicken der Kubaner. Wir kaempften uns voran, bis wir endlich aus den Wohngebieten heraus waren. Wir schleppten uns noch an einem Elektrizitaetswerk vorbei und verschwanden bald ungesehen im Gebuesch.

2nd camping - waiting for sun set

2nd camping - waiting for sun set

Da hockten wir nun. Es war noch zu hell um das Zelt aufzubauen, also bereiteten wir uns still und leise etwas zu essen zu. Dabei wurden wir kraeftig von einer Horde hungriger Muecken belaestigt. Wir sehnten uns nach der Abenddaemmerung, in dessem letzten Tageslicht wir unser Zelt aufstellten und uns alsbald erschoepft schlafen legten.

Kurz bevor wir in unsere Traeume sanken hoerten wir ein Auto nahebei anhalten. Wir dachten schon, dass man uns erwischt hat. Angespannt spitzten wir die Ohren, fluesterten fast unhoerbar und bewegten uns langsam, um Geraeusche zu vermeiden. Nichts passierte. Wir hoerten Musik aus dem Auto und irgendwann das genussvolle Stoehnen einer Frauenstimme. Wir atmeten auf. Uns war klar, wofuer das Auto nahe unserer Nachtstaette angehalten hatte. Wir schmunzelten und eine Stunde spaeter verschwand das Auto auch wieder und wir konnten seelig einschlafen.

Am Morgen ueberraschte uns der Regen und so blieben wir vorerst im Zelt. Als aber die Bauern der naheliegenden Felder mit ihren Oxen auftauchten, empfanden wir es hoechste Zeit unser Nachtlager abzubrechen. Wir packten zusammen und wurden dabei pitschnass. Wir befestigten noch schnell behelfsmaessig unsere zwei Plastikplanen an einigen Aesten und verstauten zumindest unsere Rucksaecke darunter.

Endlich hoerte es auf zu regnen und wir gingen zu Fuss zum naechsten Dorf. Nach dem Auffuellen unserer Wasserflaschen postierten wir uns an der Strasse, bis wir einen Transport bis Sagua bekommen wuerden. Die Menschen auf der anderen Strassenseite starrten uns regelrecht an. Fuer sie waren wir wohl vom Himmel gefallen. Zwei Auslaender mit schmutzig-nassen Sachen, die zu Fuss an ihrem Dorf vorbeimarschierten. Das kommt wohl nicht alle Tage vor…

Ein Bus war weit und breit nicht zu sehen. Autos oder andere Transportformen hielten nicht fuer uns an. Nur ein Fahrer, der nach Moa, die entgegengesetzte Richtung, unterwegs war versprach uns gegen 15:30 Uhr in Richtung Sagua aufzulesen. Wir stimmten den Preis ab, hofften aber innigst schon vorher Sagua zu erreichen.

Wir liessen uns auf unseren Rucksaecken nieder, als ploetzlich ein gelber Lada im Schneckentempo an uns vorbeizog. Zwei Maenner stiegen aus. Einer rannte zum Wasserholen zu einem entfernt liegendem Haus und der zweite sprach uns an. Fragen wie “wo wollt ihr hin? was macht ihr hier? woher seid ihr?” kamen aus seinem Munde. Augustas fragte nun natuerlich auch, mit wem wir das Vergnuegen hatten. Es war der Polizeichef der laendlichen Region in der wir uns gerade befanden. Ups. Bloss keine Details ueber die letzte Nacht erwaehnen. “Wir wollen nach Sagua (35km westlich von Moa).” Der Polizeichef erklaerte, dass er uns eine Mitfahrgelegenheit fuer 10 kubanische Pesos (0,30 Euro) pro Person organisieren kann. Kurz darauf hielt er eines der Autos mit Regierungskennzeichen an und wir stiegen auf die Ladeflaeche. Mit einem Laecheln fuhren wir davon. Ach, wie herrlich! Der Wind, wie er an uns vorbeibliess, die Landschaft wie sie an uns vorbeizog, die Freiheit, die wir beim Trampen spueren. Wir fuehlten uns so leicht, so frei!

In Sagua angekommen, lehnten die Fahrer unsere Bezahlung ab. Wir hatten also den ersten richtigen Lift in Kuba bekommen. Hurra!

Wir liefen durch Sagua, wo gerade ein Fest vorbereitet wurde. Es sollte gegen 17 Uhr beginnen und meiner Nachfrage nach ein Tanzfest mit erwuenschtem Alkoholgenuss werden. Am Mercado (Markt) angekommen, beobachten wir das Treiben in den Strassen ein wenig. Ueberall standen Erwachsene und Kinder Schlange, um Kuchen und Kekse zu ergattern. Kinder – vor allem die Maedchen – tanzten feingekleidet die Strassen entlang. Es war koestlich ihren Tanzschritten und ihren in der Bewegung fliegenden Roecken zuzusehen.

Augustas erledigte die Einkaeufe und irgendwann baten wir Umherstehende um Trinkwasser. Eine Gruppe von Personen kam in Bewegung und im Nullkommanichts rief uns eine vorbeilaufende Dame zu, “Kommt mit mir mit!”. Augustas schnappte die leeren Wasserflaschen und weg war er.

cooking in front of central market

cooking in front of central market

Ich huetete derweil unser Essen, dass auf dem Campingkocher vor sich hinbrodelte. Viele neugierige Nasen reckten sich mir entgegen und bestaunten den Kocher. “Was fuer eine geniale Erfindung!”, rief eine Dame aus dem Markt heraus. Ich schmunzelte und auf ihre Nachfrage erklaerte ich mehr darueber, wie der Kocher funktioniert. Ploetzlich tauchte ein Herr vor mir auf und reichte mir mit einem Laecheln eine Zwiebel. Ich war geruehrt. Die mich bereits beobachtenden Personen freuten sich wie Streuselkuchen ueber die Geste des Herrn. Zehn Minuten spaeter tauchte Augustas mit vollen Wasserflaschen am Horizont wieder auf. Wir teilten unsere Erlebnisse und verzehrten daraufhin laechelnd unser Mittagsmahl.

Es hiess wieder unendlich viel laufen. Insgesamt zaehlten wir bis Einbruch der Dunkelheit um die 12-15 Kilometer. Es war erstaunlich, dass es auf diesem Stueck kein Fleckchen Land gab, was nicht irgend jemandem gehoerte. Kaum war ein Haus am Verschwinden und wir hielten Ausschau fuer ein nettes Nachtlager, tauchte auch schon das naechste Gebaeude auf. Wir waren etwas am Zweifeln, ob wir je eine ruhige Ecke finden wuerden. Doch wie bisher immer fanden wir dies Fleckchen Erde auch diesmal. Die Strasse war wohlbefahren und es schien keine Moeglichkeit ungesehen zu verschwinden. Als es dann so dunkel war, dass wir die Fahrraeder und Pferdekarren nur noch schwer in der Ferne erkennen konnten, nahmen wir das Risiko auf uns und rannten ins Gebuesch. Hockend bauten wir das Zelt auf, denn noch konnten wir gesehen werden, da die Buesche nicht zu dicht gewachsen waren.

Wie jeden Morgen beim Zelten in Kuba hiess es um 5 Uhr aufstehen, still und leise packen und spaetestens bei Sonnenaufgang das Nachtlager verlassen. Obwohl dabei sonst nichts abhanden kommt musste ich diesmal feststellen, dass sich meine Kette mit einem Drachen und einem Glueckstein meiner Mutter als Anhaenger verloren gegangen war. Das stimmte mich traurig, war aber nicht mehr zu aendern, denn ich fand das erst spaeter heraus.

graceful

graceful

Wir liefen zur nicht weit entfernten Bushaltestelle und assen genuesslich Fruehstueck. Mehr und mehr Leute kamen und fragten, wo wir hinwollten. “Nach Mayari (55km westlich von Sagua).” Es war bereits 9 Uhr bis endlich ein Transporter vorfuhr. Wir lauschten dem Reiseziel, was aber nicht unserem entsprach. Es ruehrte sich auch sonst niemand, der in unsere Richtung wollte. Augustas lief also zu einer Bar um Trinkwasser zu besorgen. Er war fast bei der Bar, da sprach mich eine Frau an, “Wolltet ihr nicht nach Mayari?” Ja, wollten wir. “Das ist der LKW, mit dem muesst ihr mitfahren!” Ich reagierte erstaunlich gelassen, zuckte die Schultern und zeigte auf den sich immer weiter entfernenden Augustas. Trinkwasser brauchten wir dringend. Ein weiterer LKW in unsere Richtung wird schon noch kommen – dachte ich. Als Augustas zurueckkam bereute ich, ihn nicht zurueckgepfiffen zu haben. Wir realisierten, dass es Sonntag war und wir wohl grosses Glueck haben mussten, damit ein weiterer LKW in unsere Richtung vorbeikommt.

Wir warteten also. Wir aergerten uns noch ein wenig, nicht reagiert zu haben. Wir nutzten die Wartezeit um einige Dehnuebungen zu machen, zu essen, meine Buddhismus-Lektuere zu lesen, vereinzelte Gespraeche zu fuehren und hegten die Hoffnung, heute noch weiterziehen zu koennen.

Auf der anderen Strassenseite stand ein “Amarillo” (ein Gelber), ein Verkehrsinspektor, dessen Aufgabe es ist Regierungsfahrzeuge anzuhalten und Wartende ordnungsgemaess hineinzuverteilen. Dazu hielt er eine Blechbuechse in der Hand, in die die Fahrgaeste bei organisierter Mitfahrgelegenheit ein paar Peso Cents oder auch Pesos einwarfen. Je nach Fahrziel gab es dafuer feste Preise.

Die Menschen auf unserer Strassenseite fingen an zu schimpfen, da der Inspektor keinen vorbeikommenden Transport fuer uns anhielt. “Halt den LKW an!” “Da kommt ein Bus, stopp ihn!” Doch der Inspektor hatte scheinbar wichtige Konversationen zu fuehren und reagierte nicht. Das brachte die Menge der Wartenden in Rage. Als der Inspektor sich endlich erhob und einen LKW anhielt, sprang die Haelfte der Wartenden hinein. Wir wurden davon abgehalten aufzuspringen, da es nach Meinung der Einheimischen besser ist, auf einen Direkttransport nach Mayari bzw. Marcane (28km westlich von Mayari; Kreuzung fuer die Weiterfahrt nach Santiago de Cuba) zu warten.

Dann hielt der Inspektor ein Auto an. Viele Menschen hatten sich bereits weit vor der Haltestelle postiert und draengten in das Auto hinein. Es war nur die Rueckbank frei und warum auch immer wurden nur zwei – statt drei oder vier – Personen fuer die Mitfahrt zugelassen. Eigentlich waren wir jetzt an der Reihe, da uns aber andere zuvorkamen, schienen wir hierbleiben zu muessen. Da setzte sich ein Ehepaar fuer uns ein, dass uns zuvor auf den LKW in Richtung Mayari aufmerksam gemacht hatte. Sie regten sich auf wie die Wilden und winkten uns heran. Sie versuchten verbal alles so hinzurichten, dass wir in dem Auto mitfahren konnten. Leider stieg eine der schnelleren Personen, die bereits auf dem Ruecksitz sass, nicht wieder aus. Es war also nur ein Platz frei und wir konnten nicht beide mitfahren, blieben also weiterhin an der Bushaltestelle.

Zwanzig Minuten spaeter passierte das Unglaubliche. Ein weiterer Transport tauchte auf und diesmal direkt bis Holguin. Wir wuerden also problemlos bis Marcane mitfahren koennen, wo wir einen Transport bis Santiago de Cuba (100km suedlich von Mercane, direkt an der zentralen Suedkueste Kubas) bekommen konnten. Obwohl der Fahrer bei unserem Anblick bereits Dollarzeichen in seinen Augen blitzen hatte, bezahlten wir wie alle anderen nur 10 Pesos (0,40 Euro), denn der Verkehrsinspektor kontrollierte die Einnahmen. Diesmal sassen wir bequem nebeneinander und genossen die an uns vorbeiziehende Landschaft.

In jedem folgenden Ort stiegen Leute hinzu. Ein Mann transportierte ein Ferkel in einem Einkaufsbeutel, dass mit der Schnauze am Henkel festgebunden war. Er legte es unter die Bank

with those trucks we usually travelled

with those trucks we usually travelled

vor uns und wir litten nun mit dem Ferkel mit. Eine Frau hatte ein Vogelvieh in ihrer Tasche, dass wir aber nur hoeren konnten. Sie sprach ab und zu mit ihm. Ihre Banknachbarin schlief waehrend der Fahrt ein und zwar so tief, dass ihr Koerper staendig vor und zurueckschwang. Das junge Maedchen, das auf der Bank vor ihr sass, spuerte regelmaessig den Kopf der Dame in ihrem Ruecken. Die Klagen des Maedchens weckten andere Passagiere im LKW auf. Wir alle amuesierten uns nun jedes Mal koestlich, wenn der Kopf der Dame wieder nach vorne fiel. Das fuellte den LKW mit heiterer Stimmung.

An der Kreuzung Marcane angekommen mussten wir erneut Trinkwasser besorgen. An all den vorhandenen, aber leeren Imbissen, konnten wir kein Wasser auftreiben. Eine Dame, die mit uns auf eine Transportmoeglichkeit wartete, brachte uns dann zu einem naheliegenden Haus. Dort fuellte man unsere 3 Flaschen (4 Liter) fuer 2,50 Pesos (0,10 Euro) mit selbstabgekochten Wasser auf.

Wir waren auch hungrig, es gab aber nichts zu kaufen. Kochen wollten wir, dass war aber zu riskant, da wir sonst wahrscheinlich den einzigen LKW nach Santiago verpasst haetten. Wir kauten also auf ein paar Erdnuessen herum und tranken je ein Glas Zuckerrohrsaft. Das stopfte unsere Maegen gewaltig.

rare view of busy street

rare view of busy street

Da auch hier ein Verkehrsinspektor vorhanden war, schafften wir es problemlos in einen der Transporter bis Palma Soriano (42km nord-westlich von Santiago de Cuba). Der Fahrpreis betrug 5 Pesos (0,20 Euro) pro Person.

Die Fahrt traten wir stehend an. Ein Ehepaar griff nach meinem Arm und versuchte mir einen Sitzplatz zu organisieren. Den lehnte ich dankend ab, da er einfach nicht genuegend Platz fuer meinen Hintern bot. Mein Rucksack wurde derweil von einem jungen Herrn gehuetet. Ich hatte den Tagesrucksack und die Rucksacktrage zwischen den Beinen, die mir fleissig in den Hacken schlug. Irgendwann konnte ich mich niederlassen, wobei mir eine Menge von Haenden entgegengestreckt wurden. Jeder sorgte sich darum, dass ich nicht durch den LKW kullerte. Das ist eine Manier, die mir hier in Kuba besonders auffaellt. Wenn Frauen, Kinder oder aeltere Maenner einsteigen, stehen die jungen Maenner auf und jeder hilft die Personen zu einem sicheren Sitzplatz zu befoerdern. Gibt es keine Sitzplaetze mehr, nehmen sich fremde Frauen den zugestiegenden Kindern an, setzen sie auf ihren Schoss und behandeln sie als waeren es die Eigenen. Bei Sitzplatzmangel greifen sofort Haende nach den Stehenden, um sie wenigstens so vor Schaeden zu bewahren. Das ist eine wundervolle Eigenschaft der Kubaner.

In Palmira angekommen zeigte uns ein mitreisender Fahrgast wo wir eine Mitfahrgelegenheit nach Santiago bekommen koennen. Da es bereits 17 Uhr war, eine Stunde vor dem Einbruch der Dunkelheit, blieben wir absichtlich hinter unserer Reisetruppe zurueck. Da wir nahe der Autobahn ausgestiegen waren und sich vor uns mehr als genug Natur befand, wollten wir gleich vor Ort zelten. Ich nahm die Gegend naeher unter die Lupe und fand einen passenden Platz fuer unser Nachtlager. Wir verschwanden wie immer im Eilzugtempo von der Strasse.

Wieder hiess es warten bis die Dunkelheit einbricht, um nicht doch noch gesehen zu werden. Waehrenddessen wollten wir kochen. Das uns umgebende, hohe Grass war strohtrocken und waere wohl beim kleinsten Funken Feuer in Flammen aufgegangen. Wir legten also unsere noch vom Morgen nasse Plastikplane auf das Grass, schleppten ein paar Steine heran, platzierten darauf unseren Campingkocher und zuendeten das Feuer an. Alles ging gut und mit gewisser Vorsicht wuerden wir die Gegend schon nicht lichterloh brennen lassen.

Es wurde so dunkel, dass wir kaum noch die naheliegende Strasse sahen und so bauten wir das Zelt auf. Wir waren in den letzten Zuegen, da meinte Augustas, “da kommen zwei Menschen auf uns zu”. Ich ging sofort in die Hocke, da ich dachte, die laufen weiter entfernt die Strasse entlang. “Benimm dich normal, versteck dich bloss nicht!”, kam es aus Augustas Mund. Ich stand schnell wieder auf. Da sah ich eine der beiden Personen, beladen mit einem weissen Sack. Wir versuchten uns so normal wie moeglich zu verhalten und als sie verschwunden waren, krochen wir ins Zelt. Mh, ob das noch Folgen haben wird?

on the truck towards Santiago de Cuba

on the truck towards Santiago de Cuba

Die Nacht verstrich und nichts passierte. Ohne Fruehstueck liefen wir zur Autobahn, an der ein “Amarillo” (Verkehrsinspektor) darauf aus war Fahrzeuge anzuhalten. Wir waren insgesamt nur vier Personen, drei von uns warteten auf einen Lift nach Santiago. Und der kam in nur 15 Minuten. Bingo!

driver makes coffee break, people in truck are waiting

driver makes coffee break, people in truck are waiting

Unterwegs wurden weitere Passagiere eingeladen und eine Kaffeepause eingelegt. Der Fahrer hielt flux an einem Privathaus an, hinter dessen Zaun sich aufgestapelt ein paar Tassen befanden. Am Zaun angekommen erstand er eine Mini-Tasse Kaffee und brachte auf Anfrage vereinzelt Kaffee zu den Fahrgaesten. Was fuer eine witzige Aktion!

In Santiago angekommen genossen wir zwei Broetchen mit einer Art Guave-Marmelade (die so fest ist, dass sie geschnitten werden muss). Dann nahmen wir ein Motorrad-Taxi fuer 20 Pesos (0,70 Euro) bis ins Zentrum der Stadt. Kaum ausgestiegen wurde uns eine Unterkunft etwas ausserhalb des Zentrums angeboten. Wir folgten dem Herrn zu Fuss und fanden ein fuer uns perfektes Zimmer mit Terasse (fuer 13 Euro).

Kommentare

  1. Jens sagt:

    Hi liebe Leute,

    euer Reisebericht klingt wirklich großartig.
    Ich möchte nächstes Jahr zu Fuß mit Begleitung von Freunden von Havanna nach Santiago wandern. Nun stellt sich mir auch die Frage der Unterkunft. aus dem Text erschließe ich das es wohl verboten ist zu zelten (offiziell). Kann man es trotzdem machen? Was passiert wenn man erwischt wird? Kann man nicht bei Familien normalerweise günstig unterkommen und “mitwohnen”?
    Ich möchte nicht wie ein Tourist durch die Insel laufen sondern mit den Menschen leben und viel über die Kultur erfahren. Gibt es in Mittelkuba nicht mehr Wildnis, in der man einfach so zelten könnte?
    Ich will natürlich nichts kaputt machen und respektiere auch die Natur sehr. Das Problem ist nur das Geld, denn für Pensionen habe ich sicher nicht genug.

    Vielen Dank für eine Antwort.

    hasta luego!

    Jens

    • Offiziell war es zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes in Kuba tatsächlich verboten, unser Zelt nach Belieben irgendwo aufzustellen. Wir mussten, wohl oder übel, die meisten Übernachtungen bezahlen. Dennoch haben wir es ab und an geschafft, dieses Verbot zu Umgehen. Wenn wir es taten, dann ausschließlich heimlich und ohne die Einheimischen da mit hineinzuziehen. Ihr müsst dahingehend euren eigenen Weg herausfinden. Die Touristen werden aus Geldgründen in Schranken verwiesen, denn Kuba lebt nun einmal weitgehend vom Tourismus. Wir erfuhren von vielen Einheimischen über die starke Kontrolle, die auf die Kubaner von der Regierung ausgeübt wird. Es stellt ein hohes Risiko für sie dar, die Regeln zu mißachten. Keinem Kubaner ist es erlaubt, jemanden ohne offizielle Erlaubnis und vorherige Anmeldung bei sich übernachten zu lassen. Euch als Touristen wird am Ende höchstwahrscheinlich nichts passieren, aber die Folgen für die Kubaner, die euch in eurer Not aushelfen (mit Zeltplatz oder gar Essen) sind nicht kalkulierbar.

      Über ein spezifisches Zelterlebnis in der “Wildnis” Kubas kannst du gern in meinem Buch nachlesen.