{"id":482,"date":"2008-03-03T00:00:00","date_gmt":"2008-03-02T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/unerwunschte-uberraschungen-am-letzten-tag-in-quito\/"},"modified":"2008-03-03T00:00:00","modified_gmt":"2008-03-02T22:00:00","slug":"unerwunschte-uberraschungen-am-letzten-tag-in-quito","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/unerwunschte-uberraschungen-am-letzten-tag-in-quito\/","title":{"rendered":"Unerw\u00fcnschte \u00dcberraschungen am letzten Tag in Quito"},"content":{"rendered":"<p>Wir waren gerade auf dem Weg zur Region La Mariscal, wo wir ein neues und letztes vegetarisches Restaurant ausprobieren wollten.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_ecuador\/quito\/IMG_8062.JPG\" title=\" \" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_ecuador\/quito\/cache\/IMG_8062.JPG-nggid042402-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"IMG_8062\" title=\"IMG_8062\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\"> <\/p><\/div>\n\n<p>Der Eingangsbereich des Busses war unwahrscheinlich voll. Ich schlug Augustas deshalb vor, ein wenig in das Businnere hineinzur\u00fccken. Da es nur wenige Haltestellen waren, gab ich mich mit Augustas Unwillen meiner Bitte zu folgen zufrieden.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich schoben sich drei Damen in unsere Richtung. Es schien als wollten sie aussteigen, doch taten dies eigenartiger Weise nicht. Stattdessen bewegten sie sich erneut in Richtung Businneres. Ich schaute auf unsere Rucks\u00e4cke, um abzusichern, dass dort nicht ungewollt hineingegriffen wurde. Alles schien in Ordnung. Das Gedr\u00e4nge nahm um weiteres zu.<\/p>\n<p>Unsere Haltestelle sollte die n\u00e4chste sein. Erneut dr\u00e4ngten sich die Damen zwischen uns Beiden hindurch. Als der Bus hielt, die T\u00fcren sich oeffneten und Augustas versuchte auszusteigen, ersp\u00e4hte ich, wie eine der Damen, die st\u00e4ndig um uns herumger\u00fcckt war, halb in die Hocke ging, um Augustas an den Beinen abzutasten. Das kam mir sehr merk\u00fcrdig vor. Gleichzeitig ersp\u00e4hte ich, dass Augustas Hosentasche aufgeschlitzt war. Mir war sofort klar was Sache ist. Da war eine Diebin am Werk. Ich schnappte mir die Dame also, griff sie mit beiden Armen und schob sie kraftvoll aus dem Bus heraus. So leicht sollte sie mir nicht davon kommen! Sie wehrte sich nat\u00fcrlich, doch meine emp\u00f6rung \u00fcber den Diebstahlversuch lie\u00df ihr keine Moeglichkeit, aus meinen Armen zu entkommen. Augustas wunderte sich, was hinter ihm los ist. Kaum trat ich aus der Bust\u00fcr, die Dame vor mir festhaltend, rief ich, &#8220;Sie hat versucht dich zu bestehlen! Schau deine Hosentaschen an, die sind aufgeschlitzt!&#8221; Hastig sah Augustas nach. Er begriff was Sache war und half mir sofort die Dame (D) Dingfest zu machen.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_ecuador\/quito\/IMG_8063.JPG\" title=\" \" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_ecuador\/quito\/cache\/IMG_8063.JPG-nggid042403-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"IMG_8063\" title=\"IMG_8063\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\"> <\/p><\/div>\n\n<p>D: Was wollen Sie von mir? Fassen sie mich gef\u00e4lligst nicht so an! Sie vergessen wohl in welchem Land sie sich befinden? Lassen sie mich los!<br \/>K: Ich habe genau gesehen, wie sie ihn (ich zeigte auf Augustas) abgetastet haben! Spielen Sie nicht die Unschuldige! Sie haben uns beraubt und die Hosen zerschnitten!<br \/>D: Gar nichts habe ich getan! Sie reimen sich da was zusammen. Lassen Sie mich gef\u00e4lligst in Ruhe!<\/p>\n<p>Ich bat die Kassiererin in der Haltestelle, die Polzei zu informieren. Bis die endlich eintraf, mu\u00dften wir die Dame vorm Entwichen abhalten. Das Wortgezeter ging weiter. Die Dame rief zwischendurch bei verschiedenen Leuten an und erw\u00e4hnte wiederholt, &#8220;Me bajaron. Si, ven rapido! Estoy aqui en la estacion&#8230;&#8221; (Die haben mich aus dem Bus gedr\u00e4ngt. Ja, kommm schnell! Ich bin hier in der &#8230; Bushaltestelle.)<\/p>\n<p>Die Diskussion ging weiter.<\/p>\n<p>K: Sie haben ihm mit ihren Kumpaninnen seine neue Hose aufgeschnitten und mir US $10 (\u20ac 6,70) aus der Tasche gestohlen. Ich habe genau gesehen wie sie grundlos hin- und herger\u00fcckt sind. Sie gaben vor aussteigen zu wollen, dr\u00e4ngten sich bis zu uns vor und gingen dann wieder ein St\u00fcck zur\u00fcck. Die Mitte des Buses war nahezu leer, es bestand also keinerlei Grund so herumzudr\u00e4ngeln. Sie haben uns beraubt, das ist eindeutig!<br \/>D: Die alte Hose ist doch eh nichts mehr wert.<br \/>K: Wie bitte? Alte Hose? Diese Hose ist neu und hat stolze US $55 (\u20ac 36,70) gekostet!<br \/>D: Die sieht v\u00f6llig sch\u00e4big aus.<\/p>\n<p>Das dies ein bestimmter Modestil war, begriff die Dame nicht. Wir warteten noch immer auf die Polizei, w\u00e4hrend die Dame erneut telefonierte. Dann er\u00f6ffnete sie uns auf einmal, &#8220;Die Hose werden wir bezahlen, die US $10 gibt es nicht.&#8221; Entr\u00fcstet platzte mir der Kragen. &#8220;Ach so ist das! Sie haben uns nicht bestohlen, wollen aber die Hose bezahlen. Wie kommt das denn? Sie haben sich soeben verraten und ihre Tat eingestanden. Ist Ihnen das klar?&#8221;<\/p>\n<p>Weitere Wortgefechte folgten, bis endlich nach 20 Minuten der Wachdienst der Trolleybusgesellschaft eintraf. Sie wirkten auf den ersten Blick eher wie Freunde der Dame. Dieser Eindruck verst\u00e4rkte sich noch, als ich ins Auto stieg. Dort roch es n\u00e4mlich gewaltig nach Marihuana. Als wir jedoch f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter bei der Policia Judicial (Gerichtspolizei) eintrafen, vertraute ich den Herren, nicht mit der Diebin unter einer Decke zu stecken.<\/p>\n<p>Kaum traten wir auf das Polizeigel\u00e4nde, ert\u00f6nte aus den M\u00fcndern der Polizeibeamten &#8220;otra vez&#8221; (schon wieder). Wir hatten offensichtlich einen altbekannten Fisch an die Angel gekriegt. Die Diebin sprach im Fl\u00fcsterton mit einem der Beamten und ich fragte mich sofort, ob die Beiden eventuell zusammenarbeiteten. Irgendwie wirkten die Polizisten alle so locker, es war schwer zu verstehen, dass es bei unserer Diebstahlsanzeige ernsthaft zuging. <\/p>\n<p>Wir gingen zu verschiedenen B\u00fcros und Verantwortlichen, bis wir endlich beim Kommissar landeten. Zwischendurch mu\u00dften wir ein scharfes Auge auf die Diebin werfen, denn einer der Polizisten schien ihr gut gesinnt. Besonders dann, als der Polizist mit der Durchsuchung ihrer Tasche fertig war. &#8220;No hay evidencia&#8221; (Es gibt keinen Beweis f\u00fcr die Tat), waren seine altklugen Worte. Nat\u00fcrlich nicht! Welcher professionelle Dieb, der in einer Gruppe arbeitet, w\u00fcrde wohl das Diebesgut bei sich behalten. Dumm waren wir nicht. Bevor wir schlie\u00dflich dem Kommissar vorgef\u00fchrt wurden, meinte der Polizist im Fl\u00fcsterton zu uns, &#8220;H\u00f6rt zu. Ihr k\u00f6nnt hier und jetzt US $65 f\u00fcr die Hose und das fehlende Geld erhalten und die Dame mu\u00df nicht ins Gef\u00e4ngnis, wo sie verpr\u00fcgelt wird.&#8221; &#8220;Das h\u00e4tte sie sich halt vorher \u00fcberlegen m\u00fcssen&#8221;, konterte ich. &#8220;Das sie uns jetzt auch noch gemeinsam anbieten, lieber das Geld zu nehmen spricht doch klar und deutlich f\u00fcr die Schuld dieser Person.&#8221; Augustas beruhigte mich und verwies auf den Kommissar, bei dem es mehr Sinn machte, seine Worte zu vergeuden.<\/p>\n<p>Die Vorsprache beim Kommissar brachte laut dem Polizisten, der scheinbar auf der Seite der Diebin stand, erneut hervor, dass es &#8220;keinen Beweis&#8221; f\u00fcr die Tat gebe. Ich h\u00e4ngte mich nat\u00fcrlich gleich hinein und dramatisierte die Auswirkungen dieses Diebstahls auf unser Leben. Nach langem Hin und Her wurden wir schlie\u00dflich vor die Wahl gestellt. &#8220;Entweder nehmen sie das Geld an oder die Dame kommt ins Gef\u00e4ngnis.&#8221; Wir verstanden nicht ganz, warum wir den Schaden nicht ersetzt bekommen,wenn die Dame ins Gefaengni mu\u00df. &#8220;Wenn sie ins Gef\u00e4ngnis geht, kann sie sieben Tage nicht arbeiten und daher kein Geld verdienen&#8221;, erkl\u00e4rte der Kommissar. &#8220;Sie scheint doch aber jetzt bereits das Geld zu haben, also mu\u00df sie ja wohl \u00fcber ein gewisses Einkommen verf\u00fcgen.&#8221; Nun wandte sich der Kommissar in Deutsch mit einem vielsagenden Blick an mich. &#8220;Leute wie diese Dame haben keine Arbeit.&#8221; Der Kommissar schien ein vertrauensvoller, ehrlicher Mann. Ich verstand sofort, was er damit meinte. Wer auf solch profesionelle Weise lebt, der hat es gar nicht n\u00f6tig, eine normale Arbeit anzutreten. Ein Blick auf die Dame gen\u00fcgte, um das zu best\u00e4tigen. Wer auf St\u00f6ckelschuhen, mit moderner Kleidung ausgestattet, mit Make-Up zugekleistert und einer hochwertigen Sonnenbrille auf der Nase Leute bestiehlt, der macht es aus purer Geldgier. Selbstverst\u00e4ndlich h\u00e4tte die Dame den Schaden problemlos bezahlen k\u00f6nnen, doch das Gesetz in Ecuador lie\u00df entweder die eine (Geld) oder andere (Gef\u00e4ngnis) Strafe f\u00fcr den Beschuldigten zu. &#8220;Was wollen Sie also?&#8221;, fragte mich der Kommissar erneut auf Deutsch. &#8220;Strafe&#8221;, kam es klar aus meinem Mund. Dazu nickte er mit einem best\u00e4tigenden Gesichtausdruck. Die Dame sollte den Schaden, den sie anderen Menschen mit ihrer T\u00e4tigkeit zuf\u00fcgt, zu sp\u00fcren bekommen. Augustas und ich waren uns einig dar\u00fcber. So konnte sie zumindest f\u00fcr eine Woche keiner Person schaden.<\/p>\n<p>Das Urteil war gesprochen und dies ohne gro\u00dfe Papierkriege zu veranstalten. Wir fuhren anschlie\u00dfend gemeinsam mit zwei Polizisten und der Dame zur Vigilancia de Mariscal (Polizeikontrolle des Mariscal-Distrikts). Auf der Fahrt versuchte uns einer der Polizisten erneut zu \u00fcberreden, lieber das<br \/>\n Geld anzunehmen. Nach dem dritten Versuch wurde Augustas ungem\u00fctlich. Kaum hatte er seinem Frust verbalen Lauf gelassen, fielen wir ins Schweigen. Das Urteil war schlie\u00dflich bereits gesprochen.<\/p>\n<p>In der Vigilancia lie\u00df man uns nach Aufnahme unserer Namen allein zur\u00fcck, da die Dame vor Eintritt ins Gef\u00e4ngnis eine \u00e4rztliche Untersuchung \u00fcber sich ergehen lassen mu\u00dfte. &#8216;Jetzt&#8217;, dachten wir, &#8216;haben wir verloren. Sie werden sie nun wohl laufen lassen.&#8217; Wir gaben uns schon mal damit ab, denn Korruption ist in Ecuador nach Aussagen der Ecuadorianer das gr\u00f6\u00dfte Problem des Landes.<\/p>\n<p>Nach einer halben Stunde waren die Polizisten mit der Dame zur\u00fcck. Wir hatten uns gl\u00fccklicherweise get\u00e4uscht. Danach ging es zur\u00fcck zum Kommissar, das Vollzugsdokument wurde unterschrieben und wir konnten endlich gehen. <\/p>\n<p>Selbst die Kopien erledigten sie selbst. Zuvor hatte man uns n\u00e4mlich angek\u00fcndigt, dass es unsere Aufgabe w\u00e4re, die Dokumente des Vorfalls in einem Kopierladen 8-fach zu vervielf\u00e4ltigen. Zust\u00e4nde sind das&#8230;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Dame hie\u00df es nun, f\u00fcr eine Woche ins Gef\u00e4ngnis zu gehen. Wer wei\u00df, vielleicht bedeuteten die mit Pflaster behelfsm\u00e4\u00dfig geflickten Gesichtwunden und das permanente Tragen einer Sonnenbrille, dass sie noch die Wunden des letzten Vollzugsanstaltes auskurierte.<\/p>\n<p>Gegen 18 Uhr waren wir endlich wieder zu Hause. Wir hatten weder gegessen noch die Dinge erledigen k\u00f6nnen, die noch immer auf unserer Liste standen. Jedoch fanden wir kurzerhand noch eine private Schneiderin, die das gr\u00f6\u00dfte Unheil wieder zusammenflickte. Bis auf die US $10 aus meiner Hosentasche, viel Stre\u00df und die US $1,50 (\u20ac 1) f\u00fcrs N\u00e4hen, hat uns der Diebstahl also keinen Schaden verursacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir waren gerade auf dem Weg zur Region La Mariscal, wo wir ein neues und letztes vegetarisches Restaurant ausprobieren wollten. Der Eingangsbereich des Busses war unwahrscheinlich voll. Ich schlug Augustas deshalb vor, ein wenig in das Businnere hineinzur\u00fccken. Da es nur wenige Haltestellen waren, gab ich mich mit Augustas Unwillen meiner Bitte zu folgen zufrieden. 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