{"id":467,"date":"2006-05-18T20:00:00","date_gmt":"2006-05-18T18:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/gebrechlichkeiten-lebensgeschichten-und-geburtstag-in-paradiesischer-umgebung\/"},"modified":"2006-05-18T20:00:00","modified_gmt":"2006-05-18T18:00:00","slug":"gebrechlichkeiten-lebensgeschichten-und-geburtstag-in-paradiesischer-umgebung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/gebrechlichkeiten-lebensgeschichten-und-geburtstag-in-paradiesischer-umgebung\/","title":{"rendered":"Gebrechlichkeiten, Lebensgeschichten und Geburtstag in paradiesischer Umgebung (Februar 17 &#8211; M\u00e4rz 5)"},"content":{"rendered":"<p>In Playa del Carmen blieben wir nicht nur drei Tage, sondern ganze<br \/>\nzwei Wochen, oder gar zweieinhalb Wochen. Der Grund lag in meiner<br \/>\nR\u00fcckengeschichte, die mir keine Ruhe lie\u00df. <\/p>\n<p>Da mir die Medikamente nicht bekamen, ging ich gleich den ersten Tag<br \/>\nin Playa del Carmen erneut zum Arzt. Ich meldete mich beim Roten Kreuz<br \/>\n(Cruz Roja) und kam gleich dran. Dort erhielt ich die gleiche Diagnose<br \/>\n(Muskelentz\u00fcndung) und eine neue Reihe von Medikamenten. Auch die<br \/>\nvertrug ich nicht wirklich, kriegte Bl\u00e4hungen davon und wartete<br \/>\nsehns\u00fcchtig auf das Absetzen dieser nach zehn Tagen. Leider brachte<br \/>\ndiese Leidenszeit auch nichts und so wurde mir am elften Tag eine<br \/>\nSuperhammerspritze, gef\u00fcllt mit irgendeinem Prednisolon, in den Hintern<br \/>\ngejagt. Die Folge war nicht nur eine Stunde nicht aufstehen zu k\u00f6nnen,<br \/>\ndrei oder vier Stunden unter Schmerzen humpelnd durch die Stra\u00dfen zu<br \/>\nziehen, sondern auch zwei Tage lang Herzrasen, dadurch hervorgerufene<br \/>\nMuskelverkrampfungen, zwei N\u00e4chte keinen Schlaf, \u00dcbelkeit und<br \/>\nDurchfall. Es kostete mich alles in allem eine ganze Woche, bis ich<br \/>\nmich von dieser Chemiekeule und den bis dahin anhaltenden M\u00fcdigkeits-<br \/>\nund Schlappheitssymptomen erholt hatte.<\/p>\n<p>Ich hatte die Nase gestrichen voll und schwor noch am Tage der mir<br \/>\ngesetzten Injektion, dass ich der Schulmedizin abschw\u00f6re. Ich hatte<br \/>\neinfach genug erlebt mit all diesen Chemikalien und entschied: ich<br \/>\nbrauche das alles nicht! Ein Freund vor Ort hat mich bei dieser<br \/>\nErkenntnis bzw. Entscheidung unterst\u00fctzt und mir so eindringlich ins<br \/>\nGewissen geredet, also bez\u00fcglich Selbstheilung durch Meditieren, gutes<br \/>\nEssen und so, dass ich nicht nur entschied es sollte nur noch<br \/>\nnat\u00fcrliche Wege der Heilung geben, sondern dass ich davon \u00fcberzeugt<br \/>\nwar. Ich bin es noch immer, aber dazu ein andermal. Ich fing also an<br \/>\nmorgendliche Meditationssonnenb\u00e4der zu nehmen oder gleich nach dem<br \/>\nAufwachen Augustas aus dem Zimmer zu scheuchen, um meine halbe Stunde<br \/>\ninnerer Besinnung zu geniessen. Au\u00dferdem besorgte ich mir von der<br \/>\ntraditionellen Medizin der alten Mayas eine auf Kr\u00e4utern basiertes<br \/>\nHeilmittel, genauer gesagt eine Muskelentspannungscreme. Von nun an<br \/>\nlie\u00df mich Augustas t\u00e4glich in den Genuss einer ausgedehnten Massage<br \/>\nkommen. Ich fing an, das Leben wieder zu geniessen, wie ich es auch vor<br \/>\ndem Chemikalienschock getan hatte. Ich hatte doch gewusst, dass all die<br \/>\nMedikamente nichts bringen.<\/p>\n<p>Doch was haben wir die ganze Zeit in Playa del Carmen gemacht? Es<br \/>\nklingt zwar, als h\u00e4tten \u00c4rzte, Medikamente und Nebenwirkungen die<br \/>\nzweieinhalb Wochen bestimmt, dem ist aber gewiss nicht so. Durch<br \/>\nDonovan haben wir viele interessante Menschen kennengelernt, inklusive<br \/>\nihn selbst nat\u00fcrlich, und sind dadurch vor allem zwecks Unterkunft<br \/>\nleicht f\u00fcndig geworden. <\/p>\n<p>Donovan hatten wir \u00fcber den Hospitalityclub (<a href=\"http:\/\/www.hospitalityclub.org\/\">www.hospitalityclub.org<\/a>)<br \/>\nals unseren Gastgeber ausfindig gemacht. Seine Wohnung war ein Traum.<br \/>\nEin Bad, das an ein Museumsst\u00fcck k\u00f6niglicher Badezimmer erinnerte,<br \/>\neinem herrlichen, gro\u00dfen Balkon, der einen unmittelbaren Blick aufs<br \/>\nMeer erlaubte, den mit Leckereien gef\u00fcllten K\u00fcchenschr\u00e4nken, auf die<br \/>\nwir uneingeschr\u00e4nkt zugreifen durften und einer Wohnungst\u00fcr, die f\u00fcr<br \/>\nalle Freunde nahezu ununterbrochen offen stand. <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2006\/2006_mexico\/R137B001_small\/d_all.jpg\" title=\"Together with our host Donovan in Playa del Carmen\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2006\/2006_mexico\/R137B001_small\/cache\/d_all.jpg-nggid03197-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.jpg\" alt=\"Together with our host Donovan in Playa del Carmen\" title=\"Together with our host Donovan in Playa del Carmen\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">Together with our host Donovan in Playa del Carmen<\/p><\/div>\n\n<p>Nicht nur Donovans Wohnung, auch er selbst ist eine sehr<br \/>\ninteressante Pers\u00f6nlichkeit. Kaum hatte er die Schule abgeschlossen,<br \/>\nwurde er gesellschaftlich gewissermassen gezwungen eine bereits<br \/>\nvergangene Liebe zu heiraten, da sie sich irgendwann wie aus dem Nichts<br \/>\nschwanger meldete. Weder er noch sie wollten &#8211; trotz des sich<br \/>\nangek\u00fcndigten Kindes &#8211; heiraten, geschweige denn zusammenleben. Doch<br \/>\nzur damaligen Zeit war das einfach unm\u00f6glich. Er musste sich den<br \/>\nZw\u00e4ngen der Anstandsgesellschaft f\u00fcgen und heiraten. Somit lebte er 25<br \/>\noder mehr Jahre seines Lebens ungl\u00fccklich mit dieser Frau zusammen,<br \/>\ngestaltete sein Leben wie man es von ihm erwartete, verdiente sich mit<br \/>\nallen m\u00f6glichen Arbeiten seinen Lebensunterhalt und hatte weitere<br \/>\nKinder. Als die Kinder aus dem Haus waren, liess er sich scheiden. <\/p>\n<p>Einige Jahre sp\u00e4ter heiratete er seine zweite, aus Vietnam<br \/>\nstammende, in den USA aufgewachsene Frau. Sie war damals einundzwanzig<br \/>\nJahre alt. Donovan&#8217;s zweite Frau war ein wirklicher Gl\u00fccksgriff. Sie<br \/>\nwar sehr aufgeschlossen gegen\u00fcber allem Neuen und wann immer Donovan<br \/>\neine gute Idee hatte, ermunterte sie ihn diese umzusetzen. Seine damals<br \/>\nzugestandene Faulheit liess ihn leider viele Ideen wieder vergessen<br \/>\nbzw. nicht realisieren. Ihr Leitspruch, &#8220;That is a good idea, let&#8217;s do<br \/>\nit!&#8221; (Das ist eine gute Idee, lass uns das machen!), f\u00fchrte aber dazu,<br \/>\ndass die beiden irgendwann die Idee Donovans von einer einzigartigen<br \/>\nAuktion umsetzten. Die Idee war es, mittels der Bewerbung der<br \/>\nAuktionsgegenst\u00e4nde als &#8220;beschlagnahmte Waren&#8221; die Auktionsverk\u00e4ufe<br \/>\nanzukurbeln. Die beiden hatten auch tats\u00e4chlich drei beschlagnahmte<br \/>\nAutos in ihrem Bestand, die sie allerdings nie verkauften. Damit gingen<br \/>\nsie sicher, dass sie ihre Waren weiterhin als beschlagnahmte<br \/>\nGegenst\u00e4nde bewerben konnten. Es stand allerdings immer ein kleiner<br \/>\nZusatz, welche denn eigentlich zu den beschlagnahmten Waren z\u00e4hlten und<br \/>\nwelche nicht. Das sicherte den Beiden Schutz vor dem Gesetz. Ausserdem<br \/>\nbewarben sie die Auktionen auch als nicht-staatliche, was ein weiterer<br \/>\nPluspunkt war. Im Generellen verkauften die beiden in den Auktionen<br \/>\nvorwiegend teure Gegenst\u00e4nde, so wie eleganten Schmuck und Autos. Nach<br \/>\nVeranstaltung der ersten Auktion zeigte sich der Wert dieser Idee. Die<br \/>\nbeiden verdienten auf einen Schlag 10.000 US$. Sie setzen die Auktionen<br \/>\nf\u00fcnf Jahre lang fort und veranstalteten insgesamt 55 davon. <\/p>\n<p>Die Auktionen endeten mit dem Tage, an dem seine Frau ums Leben kam.<br \/>\nSie starb nur sechs Jahre nach ihrer Hochzeit mit Donovan bei einem<br \/>\nFlugzeugabsturz. Ihr Leitspruch lebt aber noch heute und f\u00fchrt Donovan<br \/>\nzur schnelleren und gezielteren Umsetzung seiner glorreichen Ideen. <\/p>\n<p>Einmal hatte er zum Beispiel die Idee eine Reise durch die<br \/>\nkaribischen Inseln zu unternehmen. Diese sollte sich so gestalten, dass<br \/>\ner keinen einzigen Cent f\u00fcr den Transport ausgibt, ansonsten aber in<br \/>\nHotels n\u00e4chtigt und in Restaurants speist. Er trampte die ganze Zeit<br \/>\nund beim Wechsel der Inseln konzentrierte er sich auf die Besitzer von<br \/>\nprivaten Flugzeugen. Dazu ging er in die Privatsektion (englisch: FBO,<br \/>\nfixed based operator) von Flugh\u00e4fen. Da er selbst einen Flugschein<br \/>\nbesass, kannte er sich mit Flugzeugen und dem FBO gut aus. Er ging also<br \/>\ndorthin und fing mit den privaten Piloten an zu schwatzen, w\u00e4hrend<br \/>\ndiese ihr Flugzeug registierten. Er fragte wo der Pilot hinfliegt,<br \/>\nwelchen Typ Flugzeug er besitzt, wieviele Sitze das Flugzeug hat und<br \/>\nletztlich wieviele Personen mitfliegen. Dadurch filterte er heraus, ob<br \/>\nund wieviele Pl\u00e4tze im Flugzeug noch frei waren. Hatte das Flugzeug<br \/>\nfreie Pl\u00e4tze und flog es zu seinem Reiseziel, bat er um einen Lift,<br \/>\nalso um eine Mit&#8221;flieg&#8221;gelegenheit. Obwohl es nicht einfach war und er<br \/>\nviel Geduld brauchte, schaffte er es w\u00e4hrend dieser Reise kostenlos mit<br \/>\nneun Flugzeugen zwischen den Inseln zu wechseln. Dabei sei erw\u00e4hnt,<br \/>\ndass er sich in Geduld \u00fcben musste. Teils lag die Sache so, dass er<br \/>\neinhundert oder gar mehr Piloten befragen musste, um letztlich<br \/>\nmitgenommen zu werden. <\/p>\n<p>Erst zwei Tage bevor wir ihn kennenlernten klebte er \u00fcberall in der<br \/>\nWohnung Zettel hin, auf denen geschrieben stand, &#8220;That&#8217;s a good idea,<br \/>\nlet&#8217;s do it!&#8221;. Der Spruch lebt also weiter, und wie! Und damit auch<br \/>\nirgendwie seine Frau&#8230;<\/p>\n<p>In Donovan&#8217;s Bad konnten wir eine weitere interessante Sammlung von<br \/>\nZetteln ausfindig machen. Auf einem, der genau in Kopfh\u00f6he hing sobald<br \/>\nman auf der Toilette sass, stand zu Beginn in Kurzform seine<br \/>\nLebensgeschichte geschrieben. Dann folgte eine lange Erkl\u00e4rung, dass er<br \/>\nnicht nur alt genug ist, sondern auch die finanziellen Mittel h\u00e4tte,<br \/>\ndass zu machen, von dem er tr\u00e4umt. Auch m\u00fcsste er sich gar keinen<br \/>\ngesellschaftlichen Erwartungen f\u00fcgen, da es hier um sein Leben ging. Es<br \/>\nw\u00e4re nicht der Sinn zu leiden, sondern zu leben und jede Sekunde so zu<br \/>\ngestalten und zu geniessen wie er es m\u00f6chte. Er w\u00fcrde sagen was er<br \/>\nwill, w\u00fcrde immer daf\u00fcr sorgen verstanden zu werden und so oft<br \/>\nnachfragen, bis er das verstand, was man an ihn herantrug. Einfach der<br \/>\nKlarheit wegen, um Missverst\u00e4ndnissen vorzubeugen und gleich reagieren<br \/>\nzu k\u00f6nnen, wenn man nicht mit einer vorgetragenen Meinung oder Idee in<br \/>\nEinklang stand.<\/p>\n<p>Zudem fand sich links neben dem Spiegel \u00fcber dem Waschbecken eine<br \/>\nListe mit Nummern. Diese waren absteigend und jeden Tag strich Donovan<br \/>\neine dieser Zahlen durch. Der Hintergrund war folgender. Er ist bereits<br \/>\n58 Jahre alt und rechnete dies plus zwei Jahre (die ihm noch bis zum<br \/>\nvollendeten 60. fehlten) plus 60 Jahre zusammen. Das ergibt 120 Jahre<br \/>\nund die 62 Jahre die noch zu diesem erstaunlichen Alter fehlten,<br \/>\nrechnete er in Tage und somit Zahlen um.<a href=\"http:\/\/followtheroad.com\/photos\/2006\/2006_mexico\/R137B001_small\/R001-008.JPG\" target=\"_blank\"><img><\/a>Jeden Tag den er weiterlebte,<br \/>\nstrich er eine dieser Zahlen weg. Sein Ziel ist es 120 Jahre alt zu<br \/>\nwerden, begr\u00fcndet darin, dass er knapp 60 Jahre seines Lebens Dinge<br \/>\ngemacht hat, die von ihm erwartet wurden, die er aber nicht von sich<br \/>\naus wollte. Nun war es an der Zeit, die gleiche Zeit nocheinmal zu<br \/>\nleben, aber diesmal ausgerichtet an seinen W\u00fcnschen. Er liebt das Leben<br \/>\nund dr\u00fcckt dies unter anderem mit einem kleinen Holzk\u00e4rtchen auf seinem<br \/>\nStubentisch aus. Auf dem steht geschrieben, &#8220;Life is a wonderful gift&#8221;<br \/>\n(Das Leben ist ein wunderbares Geschenk).<\/p>\n<p>Um dieses hohe Alter zu erreichen durchl\u00e4uft Donovan ein t\u00e4gliches<br \/>\nFitnessprogramm. Er steht gegen 7:00 Uhr auf, geht mit seinem Hund<br \/>\nHorizon (deutsch: Horizont) spazieren, f\u00e4hrt dann 30 Minuten auf seinem<br \/>\nHometrainer und schliesst mit Liegest\u00fctzen und anderen fithaltenden<br \/>\n\u00dcbungen ab. Auch hat er seine Ern\u00e4hrung umgestellt. Zwar nicht<br \/>\nunbedingt im Sinne einer wirklich gesunden, aber einer f\u00fcr ihn<br \/>\neffektiven. Seine Schr\u00e4nke sind gef\u00fcllt mit Thunfisch- und<br \/>\nPilzsuppendosen, sein K\u00fchlschrank ist mindestens halbvoll mit Slim Fast<br \/>\nGetr\u00e4nken und halbvoll mit Schokoladenprodukten. Auf seiner<br \/>\nK\u00fcchenschrankwand stehen immer drei grosse Plastikboxen gef\u00fcllt mit<br \/>\nMandeln, Cashewn\u00fcssen und Smarties. Er trinkt den ganzen Tag nur Wasser<br \/>\nund isst nach 3:00 Uhr nachmittags nichts mehr. Er gesteht, dass er<br \/>\nst\u00e4ndig hungrig ist, da er aber seine Lust auf Schokolade nicht stillen<br \/>\nkann, sieht er keinen anderen Weg als diesen. Mittags geht er meistens<br \/>\nin ein Restaurant. Seine M\u00fcsliprodukte, die er uns zum Essen anbot,<br \/>\nwaren bereits nahe dem Verfallsdatum oder schon von W\u00fcrmern befallen.<br \/>\nWer weiss ob er die Thunfisch- und Pilzsuppendosen nicht bereits ebenso<br \/>\nlange in seinem Vorratsschrank hatte. Wir haben nicht nachgeschaut. <\/p>\n<p>Essen gehen wird ihm leichtgemacht, da er nur aus der Haust\u00fcr fallen<br \/>\nmuss, wo sich an der Ecke ein tolles italienisches Restaurant befindet.<br \/>\nDa er sich dort bereits mehrmalig als Grillmeister zur Verf\u00fcgung<br \/>\ngestellt hatte, kannte er auch jeden und war bereits Teil der Familie.<br \/>\nDas er sich als Grillmeister anbot hatte den Grund, den Kontakt zu<br \/>\nMenschen in Playa del Carmen, wo er seit drei Jahren lebt, aufzubauen<br \/>\nund zu pflegen. Nichts geht \u00fcber die richtigen Kontakte im Leben&#8230;<\/p>\n<p>Sein aktuelles Projekt w\u00e4hrend unseres Aufenthaltes war sein Condo.<br \/>\nCondo ist die Abk\u00fcrzung f\u00fcr Condominium, in deutsch Eigentumswohnung.<br \/>\nEr hatte eine gekauft und war mitten drin in den Umbauten. Er hatte<br \/>\nvor, sein Condominium an zw\u00f6lf verschiedene Leute, ein Monat f\u00fcr jeden<br \/>\nBesitzer, als Urlaubsdomizil zu verkaufen. Dazu legte er sich m\u00e4chtig<br \/>\nins Zeug zwecks der Ausstattung und Gestaltung des Condos. Er bezog uns<br \/>\nin die Beratung mit ein, kaufte neben hochwertigen M\u00f6beln und<br \/>\nAccessoires auch einen Flachbildfernseher f\u00fcr die Wand, einen Computer<br \/>\nf\u00fcrs Schlafzimmer und zwei Schnurlostelefone mit kostenlosen Anrufen<br \/>\nnach Kanada und den USA. Die K\u00fcche war komplett neu und sein Freund<br \/>\nRichie \u00fcbernahm die kunstvolle Bemalung der W\u00e4nde. Die Bemalung wurde<br \/>\nin vier angedeuteten Fenstern vorgenommen und bot letztlich den Blick<br \/>\naufs Meer zu vier verschiedenen Tageszeiten: Sonnenaufgang,<br \/>\nMittagssonne, Sonnenuntergang und Mondschein. Auf der<br \/>\ngegen\u00fcberliegenden Seite befand sich ein weiteres angedeutetes Fenster,<br \/>\nwas Richie mit dem Blick aufs Meer und dahinter mit Natur und einer der<br \/>\nso bekannten Mayaruinen versah.<\/p>\n<p>Das Condo war sein ein und alles und er malte sich aus, welchen<br \/>\nGewinn er beim kompletten Verkauf erzielen konnte. Er sprach viel und<br \/>\nsehr offen \u00fcber Geld und den Preis des Inventars. Trotz seiner<br \/>\nAmbitionen und Einstellungen zum Leben, die ich zu Beginn auff\u00fchrte,<br \/>\nstand der finanzielle Faktor immer im Vordergrund. F\u00fcr uns war das sehr<br \/>\nkontr\u00e4r, aber scheinbar eine \u00fcbliche Weise der Kommunikation in den<br \/>\nUSA. Das jedenfalls war unsere Schlussfolgerung, da uns das auch bei<br \/>\nanderen aus den USA stammenden Amerikaner auffiel. Ob es tats\u00e4chlich an<br \/>\nder Tagesordnung ist, in den USA \u00fcber Geld und die finanziellen Werte<br \/>\nvon Dingen zu reden, m\u00fcssen wir erst noch herausfinden. Und dazu m\u00fcssen<br \/>\nwir uns wohl erst in dieses Land begeben. Die Verifizierung steht also<br \/>\nnoch aus&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/followtheroad.com\/photos\/2006\/2006_mexico\/R137B001_small\/R001-005.JPG\" target=\"_blank\"><img><\/a>Einmal lud uns Donovan ein seinen Freund Richie kennenzulernen. Dazu<br \/>\nfuhren wir am dritten Abend nach Tulum. Richie fanden wir im Restaurant<br \/>\neiner Hotelanlage. Das Restaurant war sehr gem\u00fctlich, hatte eine warme<br \/>\nAtmosph\u00e4re. Als wir hereinkamen, sass Richie auf einem Hocker, die<br \/>\nGitarre auf sein Bein gest\u00fctzt und sang mit einer belebenden Stimme.<br \/>\nHinter ihm war direkt die Bar, die bezaubernd dekoriert war. Zudem<br \/>\nstanden drei riesige Muscheln aufgereiht hinter ihm aus denen<br \/>\nGeldscheine herauslugten. Das waren seine Trinkgeldkassen. Wir setzten<br \/>\nuns nahe zu ihm hin und beobachteten sein Unterhaltungstalent. Das er<br \/>\nsingen kann, ist keine Frage. Besonders wenn er seine eigenen Lieder<br \/>\nsingt und nicht andere popul\u00e4re Lieder zum Besten gibt, f\u00fcllt sich der<br \/>\nRaum mit einer besonderen, ja ber\u00fchrenden Stimmung. Die Gitarre scheint<br \/>\nihm in die Wiege gelegt worden zu sein und der Kontakt zu den<br \/>\nRestaurantbesuchern fiel ihm nicht wirklich schwer. Da war unter<br \/>\nanderem eine Familie, die ihn an ihren Tisch bat. Kurz darauf sangen<br \/>\nalle lautstark mit, da Richie den Text nicht zur Gen\u00fcge, aber die<br \/>\nMelodie spielen konnte. Er bat bei seinem Abschied von dem Tisch den<br \/>\nungef\u00e4hr neunj\u00e4hrigen Jungen der Familie, den Text aufzuschreiben.<br \/>\nDaf\u00fcr versprach er ihm auch eine geldliche Entlohnung. Der Junge zog es<br \/>\naber erst einmal vor, sich mit einem Stuhl direkt vor ihn zu setzen.<br \/>\nDas war so am\u00fcsant! Dieser kleine blonde Junge, wie er sich einen Stuhl<br \/>\nheranschob und sich dann beinebaumelnd direkt vor Richie postierte.<br \/>\nRichie konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und bezog den Jungen<br \/>\nimmer tiefer in seine &#8220;Show&#8221; mit ein. Sie sprachen ab, welche Lieder<br \/>\nmiteinander gesungen werden sollten, sangen diese zusammen und<br \/>\nheischten letztlich einen grossen Applaus damit ein. Irgendwann<br \/>\nverabschiedete sich der Junge wieder und ging zu seiner Familie zur\u00fcck.<br \/>\nEine halbe Stunde sp\u00e4ter kam er dann mit einem beschriebenen Zettel<br \/>\nzur\u00fcck. Darauf war das gew\u00fcnschte Lied vollst\u00e4ndig niedergeschrieben.<br \/>\nRichie gab dem Jungen eine Geldnote, die dieser aber kategorisch<br \/>\nablehnte. Stattdessen holte er wieder den Stuhl heran und setzte sich<br \/>\nvor Richie hin. Eine Sondervorstellung f\u00fcr ihn ist halt viel besser als<br \/>\nGeld.<\/p>\n<p>Das Besondere an Richie war nicht nur sein musikalisches Talent, was<br \/>\ner uns ja bereits unter Beweis gestellt hatte. Richie war bekannt f\u00fcr<br \/>\nseine riesige, kreative Idee einer selbstversorgenden Insel, gebaut aus<br \/>\nPlastikflaschen und sonstigen Abf\u00e4llen. Die Insel nannte sich &#8220;Sprial<br \/>\nIsland&#8221;. Diese Insel war eine schwimmende, k\u00fcnstliche Insel, die sich<br \/>\nin einer Lagune nahe Puerto Aventuras, an der karibischen K\u00fcste von<br \/>\nMexiko, s\u00fcdlich von Cancun, befand. Richie hat diese Insel allein<br \/>\ngebaut und begann mit dieser verr\u00fcckt klingenden, aber fantastischen<br \/>\nIdee im Jahr 1998. Er f\u00fcllte Netze mit leeren, weggeworfenen<br \/>\nPlastikflaschen, um die Grundstruktur aus Sperrholz und Bamboo zu<br \/>\nunterst\u00fctzen. Auf diese Konstruktion sch\u00fcttete er Sand und pflanzte<br \/>\nzahlreiche Pflanzen. Die Insel beherbergte ein zweist\u00f6ckiges Haus,<br \/>\neinen Solarofen, eine selbst-kompostierende Toilette und drei Str\u00e4nde.<br \/>\nEr verwendete insgesamt 250.000 Wegwerfflaschen f\u00fcr seine 20 x 16,5 m<br \/>\nInselstruktur. Das alles hat er getan, obwohl er von den mexikanischen<br \/>\nBeh\u00f6rden unerw\u00fcnscht war und diese ihm \u00fcber all die Jahre hinweg nur<br \/>\nSteine in den Weg gelegt haben. Trotzdem hatte er es geschafft, doch<br \/>\nleider wurde diese Insel durch einen Hurrikan dann im Oktober 2005<br \/>\nzerst\u00f6rt. <\/p>\n<p>Obwohl er bereits plant, eine gr\u00f6ssere und stabilere Insel in einer<br \/>\nst\u00e4rker gesch\u00fctzten Zone zu bauen, ist er \u00fcber den Verlust seiner \u00fcber<br \/>\nviele Jahre hinweg aufgebauten Insel nicht hinweg. Er hat mit der<br \/>\nZerst\u00f6rung der Insel alles verloren, absolut alles. Geliebte<br \/>\nInstrumente, all seine k\u00fcnstlerischen Utensilien und seine Katzen. Er<br \/>\nlebte n\u00e4mlich mit einem Hund und letzten Endes glaube ich acht Katzen<br \/>\nauf der Insel. Geblieben ist ihm aber das Wichtigste: sein Leben und<br \/>\nseine Talente als Musiker, K\u00fcnstler und Zimmermann. Daneben ist er ein<br \/>\nausgesprochener Umweltsch\u00fctzer, der an das Recycling und ein einfaches<br \/>\nLeben glaubt. Er ist dabei sein Leben wieder aufzubauen und schl\u00e4gt<br \/>\nsich nun mittels seiner k\u00fcnstlerischen F\u00e4higkeiten durchs Leben. Da er<br \/>\ndurch seine Popularit\u00e4t bereits gute Kontakte hat, glaubt er fest<br \/>\ndaran, dass der Traum von einer neuen Insel in Erf\u00fcllung geht.<\/p>\n<p>Richie bat die Restaurantchefin irgendwann um eine Pause und setzte<br \/>\nsich zu uns an den Tisch. Obwohl wir nicht viel miteinander sprachen,<br \/>\nschon gar nicht \u00fcber seine Insel, konnten wir so intensiv sp\u00fcren,<br \/>\nwelche Kraft, Energie und welcher Glauben in ihm steckt. Wir witzelten<br \/>\nein wenig herum, schrieben ihm eine unserer Erinnerungskarten, und<br \/>\nbedankten uns bei Donovan und ihm f\u00fcr den tollen Abend. W\u00e4hrend seiner<br \/>\nPause bekam Richie ein warmes Mahl vorgesetzt. Obwohl er seit vielen<br \/>\nJahren Vegetarier ist und dies ausr\u00fccklich gesagt hatte, setzten sie<br \/>\nihm Fisch vor. Naja, er wollte mal nicht so sein und gab sich dem<br \/>\nVerzehr dessen hin. Eine H\u00e4lfte verspeiste er, die andere spielte er<br \/>\nseinem Hund, der im Auto auf ihn wartete, zu. Der war sichtlich<br \/>\ngl\u00fccklicher dar\u00fcber als Richie selbst. Sp\u00e4ter beichtete Richie uns,<br \/>\ndass er wegen dem Fischverzehr nicht nur von Magenproblemen, sondern<br \/>\nauch von Alptr\u00e4umen in jener Nacht geplagt wurde. Das mit dem Fisch<br \/>\nhatte sich also f\u00fcr ihn erledigt. <\/p>\n<p>Um Donovan ein wenig Tribut zu zollen, dass wir so herzlich und<br \/>\nvertrauensvoll von ihm aufgenommen wurden, nahmen wir uns Horizon an,<br \/>\nseinem Teddypudel. Ich habe zwar wenig Ahnung von Hunden, aber ich<br \/>\nglaube es muss einer gewesen sein. Er hatte n\u00e4mlich trotz seiner<br \/>\nbereits acht Jahre immer noch die Angewohnheit mit einem Teddy zu<br \/>\nspielen, bzw. zu k\u00e4mpfen. Das war echt zum quieken. Stellt euch einen<br \/>\n30 cm hohen, 50 cm (die Abmessungen bitte nicht auf die Goldwage<br \/>\nlegen&#8230;;) langen Pudel vor, der mit einem etwas gr\u00f6\u00dferem Teddy im Maul<br \/>\nknurrend durch die Wohnung h\u00fcpft. Wir haben uns vor Lachen gekr\u00fcmmt.<\/p>\n<p>Bei Donovan war ein reges Kommen und Gehen und so trafen wir schon<br \/>\nam ersten Tag auf Kathy und Michael aus den USA. Die beiden hatten ein<br \/>\nHaus in Playa del Carmen gekauft und sind schon seit einem Jahr mit dem<br \/>\nUm- und Ausbau besch\u00e4ftigt. Allerdings sind die beiden nur so ca. f\u00fcnf<br \/>\nMal pro Jahr f\u00fcr ein bis zwei Wochen in Playa del Carmen. Die restliche<br \/>\nZeit leben sie in den USA. Michael arbeitet seit 25 Jahren als Steward<br \/>\nf\u00fcr eine amerikanische Fluggesellschaft. Deswegen k\u00f6nnen die beiden<br \/>\nauch immer kostenlos fliegen, m\u00fcssen allerdings auf freie Pl\u00e4tze<br \/>\nwarten. Kathy verdient ihren Lebensunterhalt mit einer Webseite. Sie<br \/>\nhat mit einigen Freunden die Internetseite <a href=\"http:\/\/www.coolworks.com\/\">www.coolworks.com<\/a><br \/>\nins Leben gerufen. Dar\u00fcber k\u00f6nnen vor allem junge Leute Jobs (Arbeit)<br \/>\nfinden, die nicht so allt\u00e4glich sind. Ob es um die Arbeit in einem<br \/>\nNaturschutzgebiet, das Leiten eines Jugendcamps (Ferienlager), der<br \/>\nArbeit eines Surflehrers oder sonstigen nicht standardm\u00e4\u00dfigen<br \/>\nT\u00e4tigkeiten geht, man kann dort so manche Herausforderung finden.<\/p>\n<p>Da dieser erste Tag in Playa del Carmen auch gleichzeitig mein<br \/>\ndrei\u00dfigster Geburtstag war, durfte ich einen Wunsch \u00e4u\u00dfern. Ich hatte<br \/>\ndrei W\u00fcnsche f\u00fcr diesen Tag: einen Rolli f\u00fcr meinen Rucksack zu kaufen,<br \/>\neine Gesichtspflegebehandlung und den Abend am Meer zu verbringen. Der<br \/>\nletzte Wunsch erf\u00fcllte sich zuerst und wir landeten am Abend in einem<br \/>\nRestaurant am Meer. Eigentlich wollt ich nur am Strand am Meer sitzen<br \/>\nund das Rauschen der Wellen und die Dunkelheit und Stille in<br \/>\nGesellschaft geniessen. Ich wurde aber etwas missverstanden und so<br \/>\nsassen wir jetzt also in einem Restaurant. Wir bestellten Bohnensuppe,<br \/>\ndie sich als Bohnen-Wurstsuppe herausstellte und ein Geniessen dieser<br \/>\nf\u00fcr mich als Vegetarier nur mit dem einzelnen Herauslesen von Bohnen<br \/>\nm\u00f6glich war. Was die Stimmung ein wenig tr\u00fcbte war die r\u00fcde Art von<br \/>\nDonovan, Kathy und Michael, als der Kellner mir statt Wasser aus dem<br \/>\nGarafon (einem 20 Liter Beh\u00e4lter), was kostenlos w\u00e4re, eine 1 Liter<br \/>\nFlasche brachte. Ich wollte gerade ansetzen und um einen Tausch bitten,<br \/>\nals Donovan bereits sein Wort erhob. \u00dcberheblich und in einem<br \/>\nabwertenden Ton machte er ihm klar, dass ich Wasser aus dem Garafon<br \/>\nm\u00f6chte. Es war schrecklich zuzuh\u00f6ren, wie er sich aufspielte. Der<br \/>\nKellner hatte mich nur falsch verstanden. Kathy und Michael gaben auch<br \/>\nihren Senf dazu, so dass ich am liebsten gefl\u00fcchtet w\u00e4re. Mir wurde das<br \/>\nGlas Wasser dann gebracht und Donovan spielte sich kurz darauf erneut<br \/>\nauf, aber in einer anderen Weise. Er stellte sich dem Kellner pl\u00f6tzlich<br \/>\nvor, fragte nach seinem Namen und lobte das Essen. Augustas und ich<br \/>\nkamen sp\u00e4ter \u00fcberein, dass dieses Verhalten wohl auf kulturellen<br \/>\nUnterschieden beruht. In Amerika, das haben wir schon oft geh\u00f6rt, ist<br \/>\nder Kunde K\u00f6nig und da der Kellner in Mexiko das nicht so hielt (er<br \/>\nhatte auch ein wenig schlechte Laune, wahrscheinlich weil der Tag so<br \/>\nlang war, viel Arbeit usw.), gaben die drei derartige Kommentare ab,<br \/>\nohne dies aber b\u00f6se zu meinen. Allerdings sind wir der Meinung, dass<br \/>\nman sich in anderen L\u00e4nder der vorherrschenden Kultur anpassen sollte.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter kam ein Rosenverk\u00e4ufer vorbei und Donovan kaufte eine<br \/>\nwundersch\u00f6ne rote Rose f\u00fcr mich. Kurz darauf kam ein S\u00e4nger mit Gitarre<br \/>\nvorbei und spielte und sang ein mexikanisches Geburtstagslied f\u00fcr mich.<br \/>\nDem hinzu gesellte sich eine junge Kellnerin und am Ende sangen der<br \/>\nS\u00e4nger, die Kellnerin und Jaime, ein mexikaninscher Freund von Donovan,<br \/>\nim Trio das Lied f\u00fcr mich. Da war wirklich belebend und die Misslage zu<br \/>\nBeginn des Abends im Restaurant war damit vergessen. Als wir aufbrechen<br \/>\nwollten, erreichten dann auch Augustas Tante und Cousine, wegen denen<br \/>\nwir ja urspr\u00fcnglich nach Playa del Carmen gekommen waren, das<br \/>\nRestaurant und \u00fcberreichten mir ein Geburtstagsgeschenk. Nicht lange<br \/>\ndarauf brachen wir alle in schallendes Gel\u00e4chter aus, da Kathy dachte,<br \/>\ndass Augustas Verwandte irgendwelche fremden Damen w\u00e4ren, die &#8211; weil<br \/>\nsie im Restaurant von meinem Geburtstag mitbekommen h\u00e4tten &#8211; mir ein<br \/>\n\u00dcberraschungsgeschenk machten. Uns kamen vor lauter Lachen so richtig<br \/>\ndie Tr\u00e4nen!<\/p>\n<p>Am selben Abend noch baten wir Donovan um eine Verl\u00e4ngerung unseres<br \/>\nAufenthaltes von drei bis vier Tagen in seiner Wohnung. Er wollte<br \/>\ndar\u00fcber nachdenken. Am n\u00e4chsten Morgen teilte er uns mit, dass wir<br \/>\nstatt weiterhin bei ihm auf Sofa und Luftmatratze verweilen zu m\u00fcssen,<br \/>\nvon Kathy und Michael in deren Haus eingeladen wurden. Da sie an diesem<br \/>\nTag wieder zur\u00fcck in die USA fliegen m\u00fcssen, \u00f6ffneten sie uns die<br \/>\nT\u00fcren, da genug Platz vorhanden war. Jaime, der bereits seit einiger<br \/>\nZeit in deren Haus lebt und es in Ordnung h\u00e4lt wenn die beiden nicht da<br \/>\nsind, stimmte auch unserem Aufenthalt zu und somit zogen wir am dritten<br \/>\nTag in unsere neue Bleibe.<\/p>\n<p>Wir zogen in den Raum, in dem sonst Jaime wohnt, da Kathy und<br \/>\nMichael ihm anboten in ihrem riesigen Zimmer zu wohnen. Ach war das<br \/>\nsch\u00f6n! Ein grosses, gem\u00fctliches Bett, ein kleiner Abstellschrank, das<br \/>\nBad gleich nebenan und unten im Erdgeschoss eine sch\u00f6ne Essecke, eine<br \/>\nK\u00fcche und ein gem\u00fctlicher Aufenthaltsraum. Wir genossen unsere Tage<br \/>\ndort und da ich auch nach drei weiteren Tagen noch nicht reisef\u00e4hig<br \/>\nwar, baten wir uns eine l\u00e4ngere Zeit aus. Wie schon eingangs erw\u00e4hnt,<br \/>\nwurde ich ja mit allen m\u00f6glichen Chemikalien zugepumpt, so dass sich<br \/>\nunser Aufenthalt bez\u00fcglich der durch sie hervorgerufenen heftigen<br \/>\nNebenwirkungen verl\u00e4ngerte. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/followtheroad.com\/photos\/2006\/2006_mexico\/R137B001_small\/R001-004.JPG\" target=\"_blank\"><img><\/a> Jamie war auch eine h\u00f6chstinteressante Pers\u00f6nlichkeit. Aufgewachsen<br \/>\nin den Chiapas, einer Bergregion in der Mitte Mexikos, hatte er keine<br \/>\nbestimmte Ausbildung genossen. Er wuchs in einem 50-Seelen-Dorf auf und<br \/>\nschlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Die Zeit vertrieb er sich<br \/>\nam Liebsten mit dem Besuchen von Freunden.&nbsp; Eines Tages zog er nach<br \/>\nPlaya del Carmen und fing an in einem Restaurant zu arbeiten. Trotz des<br \/>\nOrtswechsels \u00e4nderte sich zun\u00e4chst nicht viel in seinem Leben. Er<br \/>\ngenoss weiterhin in seiner Freizeit mit seinen Freunden herumzuh\u00e4ngen<br \/>\nund das wars. Irgendwann machte es aber knack in seinem Kopf. Er<br \/>\nverstand, dass wenn er jetzt nichts macht, wird wohl nie etwas aus ihm<br \/>\nwerden. Er wollte dieses langweilige, auf Gelegenheitsarbeiten<br \/>\nbasierende Leben einfach nicht mehr. Er hatte einen Traum. Er wollte<br \/>\nstudieren, aber was? Es sollte nicht irgendetwas sein, sondern ein Fach<br \/>\ndas ihn ausgesprochen interessiert und Spass macht. Da er es schon<br \/>\nimmer liebte Filme zu sehen und diese zu analysieren, au\u00dferdem gerne<br \/>\nKurzgeschichten schrieb, kam ihm die Idee irgendetwas in der<br \/>\nFilmbranche zu studieren. Um diesen Traum zu realisieren, musste er<br \/>\nsein Leben geh\u00f6rig umkrempeln. Er h\u00f6rte auf im Restaurant zu arbeiten,<br \/>\nwo sie f\u00fcr zw\u00f6lf Stunden Arbeit einen Hungerlohn zahlten. Er begann<br \/>\nsich mit seiner Sprache n\u00e4her auseinanderzusetzen und gab alsbald<br \/>\nSpanischunterricht. Mittlerweile studiert er die Sprache richtig, um<br \/>\nauch auf alle Fragen seiner Sch\u00fctzlinge eine Antwort zu haben. Nebenbei<br \/>\nstudiert er die englische Sprache. Sein Traum f\u00fchrt n\u00e4mlich soweit,<br \/>\ndass er in New York studieren m\u00f6chte. Dazu braucht er aber sehr gute<br \/>\nEnglischkenntnisse und daf\u00fcr muss er eben b\u00fcffeln. Und das tut er, Tag<br \/>\nund Nacht. Ausserdem hat er begonnen, Gitarrenstunden zu nehmen. Als<br \/>\nwir ihn kennenlernten, hatte er gerade mal eine Stunde genommen. So<br \/>\nehrgeizig und energievoll wie Jaimie war, hatte er aber bereits die<br \/>\nmeisten Grundgriffe gelernt und sang uns schon seine selbstkreierten<br \/>\nLieder vor. <\/p>\n<p>Jaimie ist von fr\u00fch bis sp\u00e4t unterwegs und liebt es. Momentan wartet<br \/>\ner auf sein Visa f\u00fcr die USA. Sobald er das erh\u00e4lt, wird er f\u00fcr einige<br \/>\nZeit in einer Baufirma in Virginia arbeiten. Das hat er bereits zweimal<br \/>\ngetan. Da man als Mexikaner bei der dritten Bewerbung f\u00fcr das Arbeiten<br \/>\nin den USA eine Verl\u00e4ngerung nach den abgelaufenen sechs Monaten<br \/>\nbeantragen kann, hofft er inst\u00e4ndig, dass er diesmal im Land bleiben<br \/>\nkann. Er w\u00fcrde dann sofort nach New York ziehen und mittels<br \/>\nverschiedener Arbeiten sein teures Studium finanzieren. Aber was sind<br \/>\nschon Stress und diese finanzielle Belastung, wenn man damit einen so<br \/>\ntiefen, langgehegten Traum erf\u00fcllen kann? Tr\u00e4ume sind zum Leben da und<br \/>\ndas hat Jaime verstanden. Wir waren \u00fcbergl\u00fccklich ihn in dieser Phase<br \/>\nkennengelernt zu haben und fiebern fleissig mit.<\/p>\n<p>Neben dem Kennenerlernen interessanter Pers\u00f6nlichkeiten, vertrieben<br \/>\nwir uns die Zeit vor allem damit einkaufen zu gehen. Dabei stand vor<br \/>\nallem Essen auf dem Plan, da wir ja die M\u00f6glichkeit unseres<br \/>\nAufenthaltes nutzen wollten, um mal leckeres Brot zu backen und auch<br \/>\nsonst so alle m\u00f6glichen Leckereien zuzubereiten. Da uns Donovan recht<br \/>\nzu Beginn unseres Aufenthaltes Richie vorstellte und wir ihn auf Anhieb<br \/>\nmochten (und ich mehr \u00fcber sein k\u00fcnstlerisches K\u00f6nnen h\u00f6ren wollte ;),<br \/>\nluden wir ihn, Jaime und Donovan eines Tages zum Eierkuchen essen ein.<br \/>\nWar das ein (Augen-)Schmaus! Ein Tisch voll gedeckt mit Augustas<br \/>\nsuperd\u00fcnnen Spezialeierkuchen, Bananen, Mameys (eine sehr eigenartige,<br \/>\naber irgendwie leckere Frucht), Marmelade und Zucker. Dazu sassen wir<br \/>\nauf dem wundersch\u00f6nen Balkon von Donovan mit Blick auf das Meer. So was<br \/>\nvon tropisch und fantastisch, da kann man vor visuellen und<br \/>\ngeschmacklichen Reizen gar nicht anders als vor guter Laune<br \/>\n\u00fcberzusch\u00e4umen!<\/p>\n<p>Au\u00dfer lecker einzukaufen, f\u00fcrstlich unsere selbstgekochten<br \/>\nK\u00f6stlichkeiten zu verspeisen, spazieren zu gehen, zu lesen, die<br \/>\nNebenwirkungen von Medikamenten versuchen loszuwerden, Filme anschauen,<br \/>\nJaime\u00b4s Gitarrenspiel und Gesang zuzuh\u00f6ren, mit Meditieren anzufangen,<br \/>\nschwimmen zu gehen (leider nur einmal) taten wir eigentlich nichts. So<br \/>\nvergingen die Tage und als ich dann soweit von den Nebenwirkungen<br \/>\nbefreit war, allerdings nicht von meinem Muskelproblem, entschieden wir<br \/>\nuns weiterzureisen. Wir hatten zwischendurch Freunde um Hilfe gebeten,<br \/>\nob sie uns nicht vielleicht f\u00fcr die Zeit von einem Monat unterbringen<br \/>\nk\u00f6nnen, damit ich mich auskurieren k\u00f6nnte. Das ging leider nicht,<br \/>\nobwohl sie wirklich gewollt hatten, was aber am Ende gut war. Ich<br \/>\nf\u00fchlte irgendwie, dass wir weiterreisen sollten und das taten wir dann<br \/>\nauch. Und zwar Direktion Belize! Mein Gef\u00fchl sollte&nbsp;uns nicht t\u00e4uschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Playa del Carmen blieben wir nicht nur drei Tage, sondern ganze zwei Wochen, oder gar zweieinhalb Wochen. Der Grund lag in meiner R\u00fcckengeschichte, die mir keine Ruhe lie\u00df. 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