{"id":465,"date":"2007-09-30T00:00:00","date_gmt":"2007-09-29T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/unbestraft-davongekommen\/"},"modified":"2007-09-30T00:00:00","modified_gmt":"2007-09-29T22:00:00","slug":"unbestraft-davongekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/unbestraft-davongekommen\/","title":{"rendered":"Unbestraft davongekommen (October 10 &#8211; 12)"},"content":{"rendered":"<p>Beim Verlassen von Tejutla positionierten wir uns am Ende der Stadt. Der dort anwesende Polizist hatte viele Fragen an uns. Er wollte uns keinen \u00c4rger bereiten, war jedoch \u00fcberneugierig, denn scheinbar war seine T\u00e4tigkeit sehr langweilig. F\u00fcr uns war das zwar nett zu sehen, aber wir wollten trampen und mit einem Polizisten an der Seite w\u00fcrde sicher keiner anhalten. Wir stellten uns also redefaul, damit er uns von allein in Ruhe l\u00e4\u00dft. Bald fanden wir einen kleinen LKW, der uns zur n\u00e4chsten Kleinstadt brachte. Ohne gro\u00dfe Probleme erreichten wir San Marcos, von wo aus wir eine Woche zuvor den Bus Richtung Tejutla genommen hatten. <\/p>\n<p>Wir liefen zum Ende von San Marcos und erledigten unterwegs einige Eink\u00e4ufe. Danach ging es weiter in Richtung mexikanischer Grenze. Heute sollte der gro\u00dfe Tag sein, an dem wir entweder auf Schwierigkeiten wegen unserer nicht existierenden Aufenthaltsgenehmigung f\u00fcr Guatemala sto\u00dfen w\u00fcrden oder aber ein Wunder uns unversehrt durch die Grenze bringen w\u00fcrde. Das Trampen war nicht einfach, vor allem auch wegen dem immer hei\u00dfer werdenden Wetterbedingungen. Einmal gab uns ein Lehrer einen Lift, der uns erkl\u00e4rte, warum sich das Leben so in Guatemala City konzentriert. Wir hatten uns n\u00e4mlich gefragt, wie es in einem so gro\u00dfen Land sein kann, dass nur in Guatemala City eine Aufenthaltsgenehmigung, ein F\u00fchrerschein, ein Personalausweis oder sonstige, wichtige Dokumente beantragt und ausgestellt wurden. Auch ist Guatemala City so v\u00f6llig anders von all den anderen Orten, die wir in Guatemala kennengelernt hatten. Modern und gesch\u00e4ftig. Hier steckt das Geld des Landes. Hier gibt es Arbeit. Unser Fahrer meinte, dass das mit der Geschichte Guatemalas zusammenh\u00e4ngt, denn in der Gegend um Guatemala City haben sich die K\u00f6nige, F\u00fchrer in der Zeit der Pyramiden, niedergelassen. All die Details, die er uns schilderte erkl\u00e4rten klar und deutlich, warum sich alles auf Guatemala City konzentriert.<\/p>\n<p>Wir standen nun kurz vor der Grenze, was uns so einige Probleme beim Weiterkommen bereitete. Irgendwann erbarmte sich ein Pick-Up, uns die restlichen 20km bis zur guatemalisch-mexikanischen Grenze zu bringen. In Tuxtla Chico an der Grenze angekommen pochte uns das Herz bis zum Hals. Sollten uns die guatemalischen Grenzbeamten Probleme bereiten, hie\u00df das f\u00fcr uns entweder eine saftige Strafe f\u00fcr den illegalen Aufenthalt im Land hinzubl\u00e4ttern oder aber, als Alternative, zwei bis drei Tage im Gef\u00e4ngnis abzusitzen. Wir waren angespannt und gingen noch einmal unsere Reden durch, die wir f\u00fcr die schlechteste aller Geschehnisse vorbereitet hatten. Die Situation an der Grenze war reichlich un\u00fcbersichtlich. \u00dcberall liefen Stra\u00dfenverk\u00e4ufer herum und an den Stra\u00dfenseiten befanden sich reichlich viele Gesch\u00e4fte. Pl\u00f6tzlich riefen uns zwei Herren von der Ferne zu, dass dort das Emmigrationsb\u00fcro sei. Sie winkten uns zu, hin\u00fcber zu kommen. Ich war noch dabei herauszufinden, was sie eigentlich wollten, da reagierte Augustas schnell, &#8220;Schau einfach nur geradeaus. Geh einfach nur geradeaus! Reagiere auf keinen Fall auf die Typen. Geh einfach nur geradeaus, geradeaus.&#8221; Mir schwante langsam, was Augustas vorhatte und ich spielte nat\u00fcrlich mit. Da sich die Migrationsb\u00fcros so zwischen den Gesch\u00e4ften befanden, dass sie einem ohne Ansto\u00df wirklich nicht auffallen w\u00fcrden, hatten wir sie eben einfach nicht gesehen. Sollte man uns an der mexikanischen Grenze wieder zur\u00fcckschicken, w\u00fcrde das nur eine Entschuldigung kosten. Sollten sie uns allerdings einfach so nach Mexiko hineinlassen&#8230; Besser noch nicht dar\u00fcber nachdenken. Wir gingen schnurstracks zur mexikanischen Immigration. In Gedanken unschuldig vor uns hinpfeifend, gaben wir unsere Reisep\u00e4sse dem Migrationsbeamten. Nur nicht tief in die Augen schauen lassen. Der lie\u00df uns den Immigrationszettel ausf\u00fcllen, entnahm unsere Daten, tippte sie in den Computer ein und schon hatte ich meinen Stempel im Pass. Nun war noch Augustas dran, doch auch er bekam seinen Stempel problemlos. Er hatte mit keiner Andeutung nach unseren Ausreisestempeln f\u00fcr Guatemala gesucht. Wir machten z\u00fcgig kehrt und liefen nach Mexiko hinein. Wir liefen solange, bis wir hinter einer Kurve verschwunden waren. Dort wollten wir unseren Siegeszug noch nicht aussprechen, trampten also mit unterschwelligen Gl\u00fccksgef\u00fchlen weiter. Wir bekamen bald eine Mitfahrgelegenheit zur n\u00e4chsten Stadt. Dort ausgestiegen brach es aus uns heraus: HURRRAAAAA!!! Wir hatten es geschafft! Wir hatten die sechs Wochen illegalen Aufenthaltes in Guatemala ohne Konsequenzen hinter uns gebracht. Uns fiel ein Stein vom Herzen.<\/p>\n<p>Wir schafften es in kurzer Zeit bis nach Tapachula. Dort trieb es uns schnurstracks in den ersten Lebensmittelladen, denn wir knurrten bereits mehr als unsere M\u00e4gen. Wir waren gerade fertig mit st\u00e4rken, da ging ein wahres Unwetter los. Kaum hatten wir es unter eine \u00dcberdachung geschafft, da st\u00fcrzte die gesamte Wolkendecke auf Tapachula nieder. Egal was die Menschen anstellten, damit sie nicht nass wurden, sie weichten trotzdem komplett durch. Die Autos schwammen nach kurzer Zeit eher \u00fcber die Strassen, als das sie fuhren. Das Regenwasser schwappte von den Strassen auf die B\u00fcrgersteige, so dass den sich unterstellenden Passanten, und nat\u00fcrlich auch uns, nur noch winzige Fleckchen blieben, die uns \u00fcber Wasser hielten. Da wir der \u00dcberschwemmung wegen bei einer kleinen Bar Unterschlupf suchen mussten und der Besitzer ein Programm \u00fcber Tiere laufen lie\u00df, vertrieben wir uns die Zeit eben mit Fernsehen. Auch wenn es irgendwann nur noch normal regnete, die \u00dcberschwemmung ging nur langsam zur\u00fcck. Einige Passanten zogen sich Schuhe und Str\u00fcmpfe aus, um die Strasse zu \u00fcberqueren und ihren Weg nach Hause zu finden. Auch wenn uns dieser Regengu\u00df f\u00fcr zwei oder mehr Stunden aufhielt, war es so beeindruckend, dass wir es auch irgendwie genossen, bei solch einem Spektakel dabei zu sein.<\/p>\n<p>Wir liefen also dem Ende der Stadt entgegen, was in Tapachula keine einfache Aufgabe war. Es war n\u00e4mlich auch nach etlichen Kilometern kein Ende in Sicht. Stattdessen kamen wir immer wieder an menschen- und fahrzeug\u00fcberf\u00fcllten Auflaufstellen an, wo wir erst recht keine M\u00f6glichkeit zum Trampen hatten. Wir versuchten es hier, doch wir scheiterten kl\u00e4glich. Unsere Beine brachten uns noch bis zu einem Industriegebiet, in dem es die verschiedensten Autoh\u00e4user gab. Es regnete fast st\u00e4ndig an diesem Nachmittag, so dass wir zwischen dem Auftauchen der Autoschw\u00e4rme unter einem Baum Zuflucht suchten. Hinter dem Baum befand sich ein altes, verwahrlostes Geb\u00e4ude. Die Mauer war problemlos \u00fcbersteigbar und schien zuvor bereits von anderen Leuten als Nachtlager genutzt worden zu sein. Darauf deuteten zumindest die vielen Pappkartons hin. Sollten wir hier einfach unser Zelt aufstellen? Sch\u00e4biger Platz, nicht sicher, direkt an der Strasse&#8230;aber wenigstens h\u00e4tten wir ein Dach \u00fcber dem Kopf gehabt. Wo sonst h\u00e4tten wir in dem Industriegebiet die Nacht verbringen k\u00f6nnen? Wir wussten es nicht, nicht zu diesem Zeitpunkt. Wir versuchten es bis in die Dunkelheit weiter mit dem Trampen. Es war Zeit aufzugeben und so gingen wir zu einer naheliegenden Tankstelle. Dort schauten wir uns ein wenig um und befanden, dass wir gut und gerne eine Nacht dort verbringen k\u00f6nnten. Wir suchten uns eine sch\u00f6ne Ecke heraus und ruhten uns erst einmal aus. Optimal war dieser Zeltplatz nicht, da er sich unter der Treppe befand, die zu dem Verwaltungsb\u00fcro der Tankstelle hinauff\u00fchrte. Wir warteten auf einen B\u00fcroangestellten, vielleicht k\u00f6nnte der uns ja weiterhelfen. Kaum kam jemand die Treppe herunter, traten wir mit unseren Anliegen an ihn heran. Er bat uns um Geduld und w\u00e4hrend wir warteten, kam irgendwann ein Wachmann auf uns zu und verscheuchte uns h\u00f6flich von diesem Ort. Es war Niemanden au\u00dfer Betriebsangeh\u00f6rigen erlaubt, sich in dieser Region der Tankstelle aufzuhalten. Wir sahen das ein und stellten uns nun wartend vor den Tankstellenladen. Lange Zeit passierte gar nichts, so dass wir erneut den Wachmann ansprachen. Wir wurden aufs Weiterwa<br \/>\nrten vertr\u00f6stet. Nachdem wir ihn zum dritten Mal ansprochen hatten, ging er zu einem anderen Geb\u00e4ude und kam nach einiger Zeit mit der niederschmetternden Nachricht: &#8220;Wir k\u00f6nnen euch nicht helfen. Hier d\u00fcrft ihr auf keinen Fall euer Zelt aufstellen.&#8221; Das sa\u00df.<\/p>\n<p>Mittlerweile war es stockdunkel und unser \u00dcberlebensinstinkt erwachte. Wir klapperten die Autoh\u00e4user ab, in der Hoffnung irgendwo in einer Ecke schlafen zu k\u00f6nnen. Doch die ersten drei Autoh\u00e4user dachten gar nicht daran. Obwohl die Wachm\u00e4nner scheinbar nichts dagegen hatten, erhielten wir bei der Nachfrage in der Verwaltungsabteilung und skeptischen Blicken aus dem Fenster auf uns &#8220;streunende Hunde&#8221; jedes Mal eine Ablehnung. Da blieb nur noch VW, der gute alte Volkswagen, \u00fcbrig. Wir sahen eine Art Parkplatz, der sich neben dem VW Geb\u00e4ude befand. Wir tasteten uns langsam heran, w\u00e4hrend die Wachm\u00e4nner uns verwundert beobachteten. Bei unserer Nachfrage waren sie nicht sehr erfreut. Wir schafften es aber irgendwie, Mitleid in den Wachm\u00e4nnern wachzurufen, so dass sie uns zum Verwaltungsgeb\u00e4ude f\u00fchrten. Dort trafen wir bald auf eine Frau, die sich unser Anliegen anh\u00f6rte und f\u00fcr eine Absprache mit ihren Kollegen wieder im B\u00fcro verschwand. Sie kam mit erfreulichen Nachrichten zur\u00fcck. Wir wurden unter dem Geleit eines der Wachm\u00e4nner bis zu der Art Parkplatz gef\u00fchrt und wurden gebeten, morgens fr\u00fchzeitig wieder zusammenzupacken. Da sich auf dem Parkplatz neben einem Kleinwagen nur zwei LKWs befanden, konnten wir es uns unter der \u00dcberdachung der Privatparkpl\u00e4tze gem\u00fctlich machen. Wir waren seelig.<\/p>\n<p>Morgens ging es dann erst einmal wieder zur\u00fcck zur Tankstelle. Wir nutzten die Toiletten f\u00fcr eine Katzenw\u00e4sche und fr\u00fchst\u00fcckten gleich nebenan auf der Stra\u00dfe. Dort stank es m\u00e4chtig nach Benzin, aber das war nun auch egal. Um die Tankstelle versammelten sich am Morgen viele Polizisten, so dass wir die Gelegenheit nutzten herauszufinden, wie weit es noch bis zum Stadtende ist. Wir baten die Polizisten gar, uns bis zum Stadtende zu bringen, doch damit hatten wir kein Gl\u00fcck. Wir liefen also zur Strasse zur\u00fcck und hofften auf Gl\u00fcck. Das hatten wir auch bald.<\/p>\n<p>Der Weg f\u00fchrte noch eine Weile geradeaus, bis sich die Strassen entzwei teilten. Wir berieten uns mit unserem Fahrer, welche Stra\u00dfe besser w\u00e4re, um nach San Cristobal zu kommen. Wir hatten den k\u00fcrzeren Weg zur Auswahl, der allerdings extram kurvenreich und direkt durch die Berge f\u00fchrte. Die Stra\u00dfe befand sich in keinen gutem Zustand. Der andere Weg f\u00fchrte \u00fcber Escuintla, Arriaga und Tuxtla Guiterrez nach San Cristobal. Die Strecke war ungef\u00e4hr drei Mal so lang wie die direkt durch die Berge. Ich war f\u00fcr die Berge, da es sicher viel interessanter sein w\u00fcrde. Augustas bestand auf dem langen Weg. Nach langem Hick-Hack entschieden wir uns also f\u00fcr den langen Weg. <\/p>\n<p>Tapachula&nbsp; &#8211; Puerto Madero, Huehuetan, Huixtla, Escuintla, Mapastepec, Pijijiapan, El Porvenir, Espiritu Santo, Tres Picos (route 200), Tonala, Arriaga (here found woman to Tuxtla Guiterrez), North to San Rafael (road 190), Cintalapa, Ocoyocoautla, Tuxtla Gutierrez, San Cristobal<\/p>\n<p>Wir kamen nur langsam vorw\u00e4rts und stellten fest, dass wir mit unserem inoffizielem Aufenthalt in Guatemala wahres Gl\u00fcck gehabt hatten. Kaum waren wir n\u00e4mlich auf dem Weg durch Mexiko, da warteten auf den ersten einhundert Kilometern hinter Tapachula insgesamt drei Polizeikontrollen auf uns. Jedesmal mussten wir unseren Pass sowie das Immigrationszettelchen vorzeigen. Wir schienen Verdacht zu erwecken, da wir ausschlie\u00dflich auf der Ladefl\u00e4che von Pick-Ups durch die Gegend gefahren wurden. Einer der Fahrer lud uns in die Fahrerkabine ein und erz\u00e4hlte uns viel \u00fcber die Unterschiede der Mexikaner an der Pazifikk\u00fcste, die ausgesprochen gerne zu tief ins Glas schauten und Frauen als Lebenselixier ben\u00f6tigten, und den v\u00f6llig anders, weit ernsteren und gesitteteren Zeitgenossen, die sich vorwiegend in den Bergen aufhielten. Das Gespr\u00e4ch war \u00e4u\u00dferst unterhaltsam, denn auch der Fahrer bekannte auf eine seri\u00f6se Art und Weise seine Schw\u00e4che f\u00fcr ausgiebiges Feiern und nat\u00fcrliche das weibliche Geschlecht. Wir konnten dazu nur herzlich auflachen. <\/p>\n<p>Da standen wir nun, irgendwo in der N\u00e4he einer Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke, hinter uns ein paar H\u00e4user, auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite mehr Felder als alles andere und eine vierspurige Stra\u00dfe vor uns, die uns mit g\u00e4hnender Leere aufwartete. Sonne und sonst nichts, war alles was wir bekamen. Ich begann ungeduldig zu werden und bereute, der Entscheidung, den langen Weg zu nehmen, zugestimmt zu haben. So ein Mist aber auch. Da steckten wir also mal wieder fest und ich wollte doch so gerne noch heute in San Cristobal ankommen. Das schminkte ich mir mittlerweile ab. Ich war irgendwann gar so genervt, dass ich auf der anderen Stra\u00dfenseite, in Richtung Tapachula, versuchte &#8220;zur\u00fcck&#8221;zutrampen. Leider f\u00fchrte das zu gar nichts und so gab ich auf und ergab mich unserem Schicksal des niemals endenden Wartens.<\/p>\n<p>Doch wie immer, f\u00fchrte uns auch dieses Warten am Ende zu einem Wagen, der uns ein ganzes St\u00fcck weiter mitnahm. Wie viele Autos wir brauchten, bis wir in Arriaga landeten, weiss ich nicht mehr. Ist aber auch egal. Dort angekommen, hielten wir nach Essen Ausschau. Die Preise, selbst in den sch\u00e4bigen Restaurants, waren nicht gerade niedrig. Wir entschieden uns also dieses Mal f\u00fcr ein etwas teureres Restaurant, dass uns die M\u00e4gen hoffentlich mit vern\u00fcnftigen Essen stopfen w\u00fcrde. Das gelang vorz\u00fcglich und danach ging es wieder zur\u00fcck auf die staubige Stra\u00dfe. <\/p>\n<p>Nach relativ kurzer Zeit kam ein Auto von der entgegengesetzten Richtung, blinkte, wendete an unserem Anhaltepunkt und eine Frau stieg aus. &#8220;Wo wollt ihr denn hin?&#8221; San Cristobal. &#8220;Ich fahre bis Tuxtla Guiterrez, wenn ihr wollt&#8230;&#8221; Keine Frage, auf jeden Fall. Um unser Einsteigen zu erm\u00f6glichen, mussten wir erst einmal ihr Auto neu packen. Sie war reichlich beladen, unter anderem mit einem Fahrrad f\u00fcr ihren Neffen, und hatte ihren Vater auf dem Beifahrersitz. Doch auch wir und unser Gep\u00e4ck fanden noch Platz und nun ging es in einem klimatisierten, hochgem\u00fctlichen Fahrzeug bis nach Tuxtla Guiterrez, das nicht weit von unserem Ziel entfernt lag. Wir schienen wohl den ganzen Tag nur auf sie gewartet zu haben. <\/p>\n<p>Da wir sp\u00e4t in Tuxtla Guiterrez ankommen w\u00fcrden, versuchten wir wie immer bereits zuvor Ideen f\u00fcr einen Zeltplatz bei der Fahrerin zu generieren, damit wir sp\u00e4ter nicht selbst danach suchen mussten. Die ganze Sinnerei \u00fcber m\u00f6gliche Pl\u00e4tze f\u00fchrte schlie\u00dflich zu einer Einladung ins Haus ihrer Schwester. Die staunte nicht schlecht, als wir pl\u00f6tzlich als Mitbringsel ins Haus hineingebracht wurden. Doch es schien wahrlich kein Problem. Wir stellten auf dem winzigen Hof unser Zelt auf, f\u00fctterten den hauseigenen Papagei mit unseren Bananenschalen und gingen dann f\u00fcr einen Einkauf mit unserer Fahrerin durch die Wohngegend. Das Essen war billig und kaum zur\u00fcck, bereiteten wir f\u00fcr alle eine leckere Pasta zu. Das Abwaschen des Geschirrs war eine heikle Angelegenheit, denn das wurde drau\u00dfen am Waschbecken neben unserem Zelt gemacht. Das Waschbecken hatte aber kein Abflu\u00dfrohr, sondern einfach nur ein Loch. Das Wasser spritzte also beim Durchlauf mit voller Wucht auf den Steinboden und sprenkelte unser Zelt im Nu nass. Daraufhin fingen wir an, das Geschirr in Eimern zu waschen, damit wir trocken \u00fcber die Nacht kamen. Die Dusche war eine Wohltat, obwohl es nichts weiter als ein Strahl kaltes Wasser aus der Wand war. Aber immerhin, Wasser. Und wir hatten es schrecklich n\u00f6tig, wir verstaubten, stinkig-klebrigen Herumstreuner.<\/p>\n<p>Die Kinder des Hauses waren neugierig, doch hielten sich die ganze Zeit in ihren Zimmern versteckt. So richtig geheuer waren ihnen die beiden Fremden nicht. Da half auch die Dusche nichts. Allerdings kosteten auch sie von der Pasta und schienen selbst die letzte Nudeln aufgegessen zu haben. Die Eltern hingegen waren wohl andere Speisen f\u00fcr die Nacht gew\u00f6hnt und a\u00dfen nur die H\u00e4lfe von dem was wir ihnen aufgetischt hatten. <\/p>\n<p>Unsere Fahrerin brachte<br \/>\nuns nach einem gem\u00fctlichen Fr\u00fchst\u00fcck bis zur Autobahn, damit wir direkt bis San Cristobal durchstarten konnten. Der starke Verkehr an der Autobahn lie\u00df uns die Nasen r\u00fcmpfen. Doch entgegen unseres ersten Eindrucks, brauchten wir keine Viertelstunde und schon sa\u00dfen wir in einem Auto direkt bis nach San Cristobal. Der Pick-Up hatte eine \u00fcberdachte Ladefl\u00e4che, auf der sich bereits zwei junge M\u00e4nner t\u00fcmmelten. Wir stopften uns samt Gep\u00e4ck auch noch hinein. Die Fahrt war einzigartig. Aus dem hei\u00dfen Tuxtla Guiterrez stiegen wir St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck immer h\u00f6her in die Berge. Die Temperaturen k\u00fchlten sich merklich ab, so dass wir froh waren, als die Fenster endlich geschlossen wurden. Im T-Shirt war es dort oben doch ein wenig zu kalt. Teilweise fuhren wir durch Nebelschwaden, die leicht an Wolken erinnerten, wenn sie es nicht gar waren. Als die Sicht aufklarte, konnten wir die spektakul\u00e4re Berglandschaft und die T\u00e4ler, die sich entlang der Autobahn zogen, staunend an uns vorbeiziehen sehen. Die Gegend war wundersch\u00f6n und eigentlich viel zu schade, um einfach mit dem Auto durchzubrausen. Sp\u00e4ter erfuhren wir gar noch, dass die alte Autobahn (wir hatten die neue genommen) noch weitaus sch\u00f6ner und definitiv ihre langwierige Reise wert sei.<\/p>\n<p>In einem Au\u00dfenbezirk von San Cristobal wurden wir wieder aus der Kiste hinausgelassen. Dort riefen wir Kjell an. Er ist ein deutsches www.HospitalityClub.org Mitglied, genauer gesagt der Bruder des Klubgr\u00fcnders, und lebte zusammen mit seiner mexikanischen Freundin in San Cristobal. Kjell gab uns Anweisungen, wie wir sein Haus erreichen konnten. Bevor wir uns aber zu ihm aufmachten, nutzten wir die einmalige Gelegenheit einer Frischeb\u00e4ckerei in einem \u00fcberdimensionalen Supermarkt, das genau vor unserer Nase lag. Nachdem wir kr\u00e4ftig in die frischen Brote gebissen hatten, nahmen wir den Bus bis ins Zentrum von San Cristobal. Trotz der Erkl\u00e4rungen verliefen wir uns, denn wir hatten die Stadt scheinbar von einer anderen Seite aus erreicht. Gut, dass sich auf dem Marktplatz ein Stadtplan befand, mittels dem wir letztlich die gew\u00fcnschte Ecke fanden. Wir mussten nur noch die Stufen hinaufsteigen und Kjells Klingel bet\u00e4tigen. Und da waren wir.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Verlassen von Tejutla positionierten wir uns am Ende der Stadt. Der dort anwesende Polizist hatte viele Fragen an uns. Er wollte uns keinen \u00c4rger bereiten, war jedoch \u00fcberneugierig, denn scheinbar war seine T\u00e4tigkeit sehr langweilig. 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