{"id":463,"date":"2006-03-26T19:00:00","date_gmt":"2006-03-26T17:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/zuruck-zum-start-warum-und-wie-wir-in-der-nahe-von-cancun-landeten\/"},"modified":"2006-03-26T19:00:00","modified_gmt":"2006-03-26T17:00:00","slug":"zuruck-zum-start-warum-und-wie-wir-in-der-nahe-von-cancun-landeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/zuruck-zum-start-warum-und-wie-wir-in-der-nahe-von-cancun-landeten\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcck zum Start &#8211; warum und wie wir in der N\u00e4he von Cancun landeten (Februar 15-16)"},"content":{"rendered":"<p>Von Palenque hie\u00df es nun zur\u00fcck zum Start. Obwohl wir es nicht im Entferntesten vorhatten, trieb uns die Gelegenheit ein wenig Gep\u00e4ck abzugeben und damit unsere Rucks\u00e4cke zu erleichtern nun in die N\u00e4he von Cancun, von wo aus wir unsere Reise begonnen hatten. Wir erfuhren n\u00e4mlich durch Zufall, w\u00e4hrend eines Telefonats mit Augustas Gro\u00dfeltern, dass seine Tante und Cousine eine Kurzreise nach Playa del Carmen gebucht hatten. Wir setzten also alles daran die beiden zu erreichen und nach Gelingen dessen hie\u00df es nunmehr: Auf nach Playa del Carmen!<\/p>\n<p>Unser erster Tag war wenig erfolgreich. Es war hei\u00df und es gab kaum Autos. Wir landeten am Ende des Tages nicht weit von Palenque in einem Dorf. Dort versuchten wir den Polizisten des Dorfes zu erreichen, was damit endete, dass wir eine Stunde auf der Bank vor dem Polizei-B\u00fcro sa\u00dfen. Wir vertrieben uns die Zeit mit dem Essen von supers\u00fc\u00dfen Birnen, roten knackigen \u00c4pfeln und dem F\u00fcllen unserer Wasserflaschen mittels eines Schlauches, der neben der Regentonne deponiert war. Irgendwann gaben wir auf und machten uns auf die Suche nach ihm.<\/p>\n<p>Wir erfuhren, dass der Dorfpolizist auf der anderen Seite der Hauptstra\u00dfe lebt, so dass wir ihn versuchten dort ausfindig zu machen. Gleichzeitig sahen wir uns aber selbst nach einem geeigneten Schlafplatz um, da es mit grossen Schritten auf die Dunkelheit zuging. Unsere Suche endete damit, dass wir von der Besitzerin einer Papeleria (Schreibwarenladen) eingeladen wurden, im Garten (zur Stra\u00dfe offen) zu zelten. Sie warnte uns nur, dass gegen sechs Uhr abends in der nebenan stehenden Kirche, die eher an ein kleines Haus als an eine Kirche erinnerte, ein Kirchenchor seine Proben durchf\u00fchren w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Wir warteten neugierig auf den Chorauftakt. W\u00e4hrend wir uns nach dem Zeltaufbau etwas ausruhten, gingen pl\u00f6tzlich die T\u00fcren auf und die Fensterl\u00e4den lie\u00dfen uns einen Blick in das ganze Geschehen werfen. Drinnen versammelte sich eine kleine evangelische Glaubensgruppe. Das Mitgliedsalter reichte von Baby bis Gro\u00dfmutter. Eigenartig erschien uns neben dem sch\u00f6nen Gesang, dass an jenem Tag ein Junge im Alter von 10 Jahren die Messe hielt. Er stand vorne am Pult und la\u00df aus der Bibel vor.<\/p>\n<p>Als die Zusammenkunft beendet war, kam der kleine Pastor &#8211; der Junge, der die Messe hielt &#8211; in Begleitung zwei j\u00fcngerer M\u00e4dchen neugierig auf uns zu. Wir kochten gerade Reis, N\u00fcsse, Sesamsamen, Anchoyte (Gew\u00fcrz, um den Reis rot zu f\u00e4rben und eine Portion Geschmack hinzuzuf\u00fcgen) und erg\u00e4nzten das Ganze mit Salsa Casera (einer leichten Chilli-so\u00dfe) &#8211; unser Abendbrot. Das Pastorchen schubste die beiden M\u00e4dels vor sich her, ohne die er wohl nicht den Mut gehabt h\u00e4tte uns \u00fcber unseren Mini-Campingkocher auszufragen. Sowas hatten sie alle noch nicht gesehen. Die Neugier siegte aber bald \u00fcber die Sch\u00fcchternheit und wir fingen an unseren Kocher zu erkl\u00e4ren. Seine Frage, was wir denn kochten, beantworteten wir ausf\u00fchrlich, was zu einem herrlichen Kommentar, gerichtet an die ihm begleitenden M\u00e4dels, f\u00fchrte: &#8220;Seht ihr, die wissen wie man kocht. Ihr k\u00f6nnt ja noch nicht einmal Reis zubereiten&#8230;!&#8221; Wir konnten uns ein Schmunzeln nicht verkneifen, da die beiden M\u00e4dels gerade mal sieben oder acht Jahre alt waren.<\/p>\n<p>Nun waren auch wir neugierig. Es passiert ja nicht alle Tage, dass man einen 10j\u00e4hrigen Jungen die Messe halten sieht. Er erkl\u00e4rte uns daraufhin, dass jeweils einer der Gemeindemitglieder nach Plan eine Messe lie\u00dft. Das bedeutet, derjenige, der f\u00fcr diesen Tag eingeteilt wurde, muss ein bestimmtes Thema aufarbeiten und seine Arbeit dann vor den anderen Mitgliedern pr\u00e4sentieren. Wir waren begeistert, wie intensiv die Religionsarbeit doch in so einem kleinen Dorf sein kann. Und dabei ist nur ein kleiner Teil des Dorfes evangelisch.<\/p>\n<p>Es kamen weitere Neugierige aus der Kirche auf uns zu. Alle bestaunten die M\u00f6glichkeit, mit so einem kleinen Ding zu kochen. Nach einem kleinen Plausch traten dann alle ihren Heimweg an. Kurze Zeit sp\u00e4ter, noch w\u00e4hrend wir kochten, kam dann ein Herr auf uns zu und stellte sich als der Dorfpolizist vor. Na endlich! Wir haben &#8211; bzw. er selbst hat &#8211; uns gefunden. Wir erfuhren nun auch, dass die Papeleria-Besitzerin seine Frau war. Er war sichtlich erfreut uns helfen zu k\u00f6nnen und lud uns sogleich ein, im Religionsunterrichtsraum der Kirche zu \u00fcbernachten. Wir nahmen freudestrahlend an und genossen alsbald unser Abendessen ohne eine blutgierige Schar von M\u00fccken um uns herum. Der einzige der uns nicht von den Fersen r\u00fcckte war der Pastorjunge. Wir boten ihm mehrmalig an von unserem Abendessen zu kosten, was er aber immer wieder ablehnte. Wir blieben hartn\u00e4ckig und als wir ihm dann einen kleinen L\u00f6ffel in die Hand dr\u00fcckten probierte er endlich. Er fand Gefallen an unserem Abendmahl und alsbald sassen wir zu dritt &#8211; Augustas und ich auf der Bank, er gegen\u00fcber auf dem Stuhl &#8211; um den Kochtopf und assen mit Genuss. Vielleicht wirkten wir ja sehr hungrig auf den Jungen, da er sich bald in seinem Stuhl zur\u00fccklehnte, seine Hand an den Bauch hielt und uns gestenreich erkl\u00e4rte, dass da kein Platz mehr f\u00fcr mehr ist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Essens kl\u00e4rte uns der Junge auch \u00fcber die kriminellen Energien im Dorf sowie in der n\u00e4heren (7 km entfernten) Umgebung auf. Es kamen Randale, Gewaltaten und sogar Morde in jener Gegend vor. Unvorstellbar f\u00fcr uns schien es dem Jungen wohl bekannt zu sein. Wir wurden zuvor bereits gewarnt, dass man nach Anbruch der Dunkelheit nicht mehr unterwegs sein sollte, somit passte die ganze Aufkl\u00e4rung gut ins Bild. Andererseits erz\u00e4hlte er uns mit belehrender Miene auch, dass einst ein Engl\u00e4nder im Dorf vorbei kam und es ihm in der Gegend so gut gefiel, dass er dort f\u00fcr ein paar Jahre blieb. Mh. Wie auch immer. Wir genossen die Zeit mit den sehr hilfsbereiten und freundlichen Dorfbewohnern.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen hie\u00df es dann wieder die Pferde zu satteln und loszureiten. Wir packten also unser Haus (Zelt), Bett (Matratzen) und Kochzeugs zusammen, sattelten die Rucks\u00e4cke auf unseren statt auf Pferder\u00fccken und los gings zur Stra\u00dfe, an der wir dann f\u00fcr einige Zeit in der Sonne brutzeln (braten) mussten, bis wir endlich losreiten konnten, oder &#8211; pr\u00e4ziser ausgedr\u00fcckt &#8211; bis uns endlich ein Auto mitnahm.<\/p>\n<p>Nachdem wir uns die Wartezeit mit dem Beobachten eines florierenden Fleischerstandes, der einzig aus ein paar Holzlatten und einem sch\u00e4bigen Dach bestand und dessen Verkaufsgegenst\u00e4nde wohl erst am Morgen frisch zubereitet wurden, vertrieben, unsere Blicke mit Interesse den Jugendlichen folgten, die zwischen Schule und Dorfzentrum st\u00e4ndig hin- und herspazierten und unsere Aufmerksamkeit den jungen M\u00e4nnern, die stolz mit ihren Macheten (Buschmessern) an uns vorbeimarschierten, f\u00fcr einige Zeit galt, hielt endlich ein Auto an. Es war ein weisser Pick-up, mit mehr als genug Platz auf der Ladefl\u00e4che. Wir vereinbarten bis kurz vor Escarcega (sprich: Eskarsega) mitzukommen, machten es uns bequem und los ging die rasante Fahrt. Die Geschwindigkeit lag so um die 150km\/h oder mehr. Augustas schielte ab und zu ins Fahrerh\u00e4uschen, um mich \u00fcber die Geschwindigkeit auf dem Laufenden zu halten. Wir hielten immer mal kurz an, da Freddie, der Fahrer, beauftragt war einigen Papierkram zu erledigen. Deshalb war er auch unterwegs und wie wir sp\u00e4ter bei einem leckeren Fruchtwassereis erfuhren, trieb ihm diese Arbeit bis nach Merida. Bingo!, dachten wir und bem\u00fchten uns sofort darum bis nach Merida mitzukommen. Immerhin gab es ja zwei Wege nach Rom bzw. nach Playa del Carmen: \u00fcber Xpujil (Uschpuchiel &#8211; &#8220;ch&#8221; wie in Buch) und Campeche (Kampetsche) oder \u00fcber Merida und Valladolid. Wir \u00e4nderten also kurzfristig unseren nichtvorhandenen Plan. <\/p>\n<p>Bevor es auf die Stra\u00dfe nach Merida ging, hielten Freddie und Laura (seine Freundin) an einem Restaurant an, um zu fr\u00fchst\u00fccken. Es war bereit nach 12 Uhr und da wir zwar schon gefr\u00fchst\u00fcckt hatten, unsere M\u00e4gen aber schon wieder reichlich knurrten, nahmen wir mit Wohlwollen die Einladung zum &#8220;Fr\u00fchst\u00fcck&#8221; an. Wir erkl\u00e4rten unsere Essgewohnheiten und bekamen daraufhin eine Nudelsuppe mit Tomatengeschmack. Dazu gab es leckere, selbstgebackene Tortillas und ein gro\u00dfes Glas frischgepressten Orangensaft. K\u00f6stlich, kann ich da nur sagen, einfach k\u00f6stlich! Augustas probierte nebenbei noch die Salsa, was er vielleicht lieber h\u00e4tte bleiben lassen sollen, ist diese doch f\u00fcr europ\u00e4ische M\u00fcnder einfach nicht vorgesehen. Er k\u00e4mpfte dann mit Hitzewallungen und einem dringlichen Brennen im Mund. Gl\u00fccklicherweise schaffte ich es noch ihn zu warnen, auf dieses scharfe Zeug nicht literweise Fl\u00fcssigkeit zu kippen, sondern lieber Tortillas zu essen. Am Ende gab es f\u00fcr die anderen drei noch einen Flan, eine Art Pudding aus Eiern, `Karamel, Zucker, Milch u.a., auf die ich aber &#8211; meiner Lactoseintoleranz bewu\u00dft &#8211; lieber verzichtete.<\/p>\n<p>Mit vollen M\u00e4gen ging es dann weiter Richtung Merida und da mein R\u00fccken aufgrund der ung\u00fcnstigen Sitzposition ein wenig meckerte, es au\u00dferdem superhei\u00df war und ich mich immer unter meiner Jacke als Sonnenschutz verkriechen musste, entschied ich mich das erneute Angebot, vorne im Fahrerhaus zu sitzen, anzunehmen. Die Temperaturen \u00e4nderten sich von hei\u00df zu kalt und lie\u00dfen mich irgendwann die Jacke \u00fcberziehen, obwohl drau\u00dfen so um die 30 Grad Celsius waren.<\/p>\n<p>Irgendwann fuhren wir an einem Dorf vorbei, was eingemachtes Obst verkaufte. Ich dachte, WOW!, so weit weg und die machen das Gleiche mit dem Obst wie wir. Auf mein Nachfragen, ob es sich wie vermutet um eingekochtes Obst handelte, erfuhr ich, dass es sich zwar um dergleichen aber mit Alkoholversatz handelte. Es waren also hochprozentige Fr\u00fcchte, die mich in ihren Gl\u00e4sern unschuldig anschauten. Die Idee so ein Glas mit Inhalt zu erwerben wischte ich somit aus meinen Gedanken.<\/p>\n<p>Vier oder f\u00fcnf Stunden sp\u00e4ter kamen wir dann endlich in Merida an. Freddie war so lieb uns bis zu der Kreuzung des Autobahnrings zu bringen, die nach Valladolid f\u00fchrt, so dass direkt weitertrampen konnten. H\u00e4tte er dies nicht getan, w\u00e4ren wir wohl erst einen Tag sp\u00e4ter an der Kreuzung angekommen, oder aber gar nicht. <\/p>\n<p>Gl\u00fccklich \u00fcber unsere Position, ging es dann eine halbe Stunde sp\u00e4ter weiter bis nach Piste. Wir waren ein wenig besorgt, dass wir erst bei Einbruch der Dunkelheit ankommen werden, aber unser Fahrer beruhigte uns mit der M\u00f6glichkeit, auf dem Fu\u00dfballfeld des Dorfes zu \u00fcbernachten. Er meinte, dort w\u00fcrden st\u00e4ndig die Amerikaner und Kanadier ihre Zelte aufschlagen, so dass wir uns gut vorstellen konnten sp\u00e4t anzukommen und uns wohlzu f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Als wir jedoch ankamen, wurden wir nicht zu einem fussballstadium\u00e4hnlichen Platz gebracht, sondern zu einem Ort, der mit festgetretenem Sand ausgestattet, von Abfall und &#8211; zur H\u00e4lfte &#8211; von B\u00e4umen umgeben war und dessen andere H\u00e4lfte im vollen Blickfeld der Anwohner und der diesen geh\u00f6renden st\u00e4ndig bellenden Hunde lag. Wir waren bedient, hatten wir es unseren K\u00f6pfen doch ausnahmsweise mal erlaubt Erwartungen zu hegen. Wie immer erf\u00fcllten sich diese nicht und wir machten uns nach Verabschiedung unseres Fahrers daran im in der Dunkelheit weniger sichtbaren m\u00fcllbedeckten Boden unser Nachtlager aufzuschlagen. Wir f\u00fchlten uns trotz alledem wohl. Einzig die Hunde wollten uns nicht in Ruhe lassen, aber da sie dies nur mit Bellen und nicht k\u00f6rperlicher Anwesenheit taten, lehnten wir uns zur\u00fcck und entspannten.<\/p>\n<p>Augustas schaffte es w\u00e4hrend jenem Abends noch seine Tante und Cousine f\u00fcr einen Besuch der Ruine Chitzen Itz\u012f zu interessieren, so dass wir den n\u00e4chsten Tag nicht zum Trampen, sondern zum Ausruhen nutzen w\u00fcrden. Nachdem ich dann noch fix M\u00fcsli in Wasser aufgeweicht a\u00df, schliefen wir gl\u00fccklich und zufrieden ein.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen hie\u00df es dann auf die ersten Sonnenstrahlen warten, uns mit Matratzen, Zelt und Handt\u00fcchern zu beh\u00e4ngen und auf das Trocknen dieser zu warten, da es die Nacht \u00fcber zwar leichten, aber andauernden Regen gab. Da standen wir nun, ich mit zwei Matratzen, auf jeder Schulter eine, und Augustas abwechselnd besch\u00e4ftigt mit dem Halten des Zelts und dem Wiederaufh\u00e4ngen der Regenplanen, die st\u00e4ndig von den B\u00fcschen fielen.<\/p>\n<p>Was ich nach der zweit\u00e4gigen Reise in Hitze und Regen nun unbedingt n\u00f6tig hatte, war eine Dusche. Doch wo eine hernehmen, wenn nicht stehlen? Augustas versuchte mich auf den Abend zu vertr\u00f6sten, wogegen ich mich aber mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen str\u00e4ubte. Ich wollte eine Dusche und da wir ja bereits einmal in Piste waren, wusste ich auch, wo ich die &#8211; unter Umst\u00e4nden kostenlos &#8211; geniessen konnte. Wir gingen also zu dem Campingplatz, in dem wir Wochen vorher gezeltet hatten. Augustas postierte sich am Eingang mit den Rucks\u00e4cken. Ich suchte schnell all mein Duschzeug und frische Kleidung zusammen und machte mich auf leisen Sohlen, fast an der Wand entlang, um nicht gesehen zu werden, und mit der Aufmerksamkeit einer F\u00fcchsin in Richtung Dusche auf. Ungesehen und gl\u00fccklich schlupfte ich in die T\u00fcr hinein, schloss sie und began meinen ersehnten Reinigungsprozess. War das eine Wonne! Und dann auch noch warmes Wasser! Ich f\u00fchlte mich wie ein Paradiesvogel. Nach Beendigung dieser ganzen Erneuerungsprozedur f\u00fcllte ich noch unsere Wasserflaschen und machte mich so leise und ungesehen vom Acker, wie ich gekommen war. Aus dem Blickfeld entschwunden, kam pure Freude in mir hoch und ich versuchte Augustas nun dazu zu bewegen, auch eine Dusche zu nehmen. Obwohl er eine Chance witterte, waren seine Zweifel entdeckt zu werden so gross, dass in dem Moment, als er endlich Richtung Dusche entschwinden wollte, ein Herr mit Transportfahrrad vom Campingplatz kommend an uns vorbeifuhr und nach dessen Entschwinden die Dame des Hauses um die Ecke schielte. Die Chance war also vertan und Augustas musste bis zum Abend auf seine K\u00f6rperreinigung warten.<\/p>\n<p>Nun war es an der Zeit unsere M\u00e4gen zu f\u00fcllen, ein Internetcafe ausfindig zu machen und Doktor Hildo, den wir damals in Panaba kennengelernt hatten, anzurufen. Letzteres war dringlich, da mein R\u00fccken am Ende seiner Kr\u00e4fte war. Wir gingen deshalb zur Stadtverwaltung in Piste und fragten nach der Telefonnummer der Stadtverwaltung in Panaba. Wir hatten n\u00e4mlich nur eine Adresse und keine Telefonnummer von Doktor Hildo. Es kostete einige Zeit die Gelben Seiten zu finden. Nachdem wir so einige Telefonnummern ausprobierten, unter anderem eine der Familie von Doktor Hildo, wir aber niemanden erreichen konnten, entschieden wir es sp\u00e4ter wieder zu probieren. Da unsere M\u00e4gen jetzt so richtig laut knurrten, lie\u00dfen wir uns auf einer Bank im zentralen Park (Zocalo) von Piste nieder und fingen an Reis mit Salsa Casera (scharfe Tomatensosse) zu kochen. Das fanden zwei der Kinder, dessen Eltern am Zocalo Tacos und Fr\u00fcchte verkauften, wahnsinning interessant. Sie gesellten sich zu uns und schauten mit gro\u00dfen Augen zu, was wir da auf unserem Mini-Kocher &#8211; der wohl die Hauptattraktion war &#8211; zusammenbrauten. Die beiden waren 10 und 6 Jahre alt, wirken auf uns aber wie 3 und 6. Sie hatten ihren Ursprung in der Maya-Kultur, dessen K\u00f6rperstatur im Vergleich zu unserer ein ganzes St\u00fcck geringer ist. Wir genossen die Gesellschaft dieser beiden Frechdachse. Irgendwann brachten sie auch ihre Eltern mit, die uns fragten, ob wir das Alles aufessen w\u00fcrden. Uns erschien ein gef\u00fcllter 1,5 Liter Topf nicht zu viel, aber in seinen Augen schien es f\u00fcr mindestens sechs Personen zu reichen. Der Vater fragte uns, ob wir das ganze mit Tortillas essen w\u00fcrden, was wir verneinten. Uns wurde damit auch klar, warum die Portion in seinen Augen zu gro\u00df war. I\u00dft man n\u00e4mlich eine handvoll Tortillas dazu, braucht man nur wenig von diesem Reis-Salsa-Brei, den wir letztlich hatten. Er schenkte uns einen kleinen Beutel voller Tacos, die wir erg\u00e4nzend zum Reis essen konnten. Obwohl wir auch unser Essen anboten, wurde dies dankend abgelehnt. Auch die Kinder waren schwer davon zu \u00fcberzeugen, ein wenig von unserem Mahl zu probieren. Letzten Endes kostete zumindest der Junge.<\/p>\n<p>Nach dem Essen hie\u00df es Z\u00e4hne putzen und beim Centro de Salud, dem Gesundheitzentrum, vorbeizuschauen. Ich hielt die Idee, Doktor Hildo anzurufen und per Telefon zu erfahren, was ich mit meinem R\u00fccken machen kann bzw. welchen Arzt ich dazu konsultieren k\u00f6nnte, f\u00fcr zu abwegig und entschied mich daher im Centro de Salud vorbeizuschauen. Dort musste ich mich f\u00fcr eine Weile gedulden bis ich dran kam. Ich wurde w\u00e4hrend des Wartens noch gemessen und gewogen, wobei ich nach deren Ma\u00dfeinteilung pl\u00f6tzlich 1,88m gro\u00df war und nicht 1,68m. Ich frage mich wirklich wie es dazu kommen konnte, haben die Mexikaner doch das gleiche Ma\u00dfsystem wie wir Europ\u00e4er. Wir schmunzelten eine Weile dar\u00fcber und bald darauf kam ich dann dran. <\/p>\n<p>Der Doktor h\u00f6rte sich meine Krankheitsgeschichte an, \u00fcberpr\u00fcfte den R\u00fccken und verschrieb mir daraufhin Paracetamol gegen die Schmerzen und ein Medikament gegen die Muskelentz\u00fcndung, unter der ich seiner Meinung nach litt. Ich war froh, endlich einen Arzt konsultiert zu haben und noch dazu nicht wirklich etwas daf\u00fcr bezahlen zu m\u00fcssen. Die Behandlung im Centro de Salud ist n\u00e4mlich kostenlos und das Geld, was man vielleicht doch gibt, flie\u00dft dann in die Kaffeekasse. Ich nahm also die Medikamente und mir ging es bald etwas besser. Zumindest dachte ich so, da die Schmerzen nachlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Wir mussten noch einige Eink\u00e4ufe machen und dann &#8220;nur noch&#8221; auf Augustas&#8217; Tante und Cousine warten. Wir liefen bis zum Beginn der Stra\u00dfe, die nach Chitchen Itz\u012f f\u00fchrt. Nicht das ich das in meinem Zustand wollte, aber irgendwie wussten wir nicht wann und wo seine Verwandten ankommen w\u00fcrden, so dass wir dies als den g\u00fcnstigsten Ort eines Aufeinandertreffens ausw\u00e4hlten.<\/p>\n<p>Dort angekommen machten wir es uns bequem. Ich spielte ein wenig auf der Fl\u00f6te und wir bl\u00f6delten etwas herum. Wir hatten Zeit und Durst, so dass wir uns entschieden Jamaica, einen Tee aus einer Sorte Baumbl\u00fcten, zu kochen. Da mein Magen wieder knurrte, ging ich zum nahegelegenen Restaurant und fragte, ob sie Tortilla oder Brot verkauften. Tortillas hatten sie und obwohl es sicher reichlich ungew\u00f6hnlich war, dass ein Tourist statt eines ganzen Mahles nur Tortillas wollte, folgte ich bald eine der Anwesenden bis zur K\u00fcche. Ich wartete zwei Minuten und schwups ging die T\u00fcr auf und mir wurde ein Paket hei\u00dfe Tortillas in die Hand gedr\u00fcckt. Auf meine Frage, wieviel das kostete, schmunzelte die Dame nur und meinte, &#8220;Nichts.&#8221; Juchuuu! Mit strahlenden Augen und einem verschmitztenL\u00e4cheln auf meinem Lippen kam ich dann auf Augustas zu, der seinen Ohren nicht glauben mochte. Kurze Zeit sp\u00e4ter sassen wir also am Stra\u00dfenrand, tranken hei\u00dfen Jamaika-Tee und genossen Tortillas gef\u00fcllt mit Rosinen.<\/p>\n<p>So verstrich die Zeit. Augustas machte sich schon Sorgen, wo seine Verwandten blieben, bis irgendwann eine Nachricht kam: &#8220;Wir sind am Eingang von Chitchen Itz\u012f. Wo seid ihr?&#8221; ??? Wir standen vor vielen Fragezeichen. Wie bitte hatten die beiden uns passiert, ohne uns zu sehen, geschweige denn, ohne dass wir sie gesehen hatten? Wir packten also zusammen und liefen noch die letzte Strecke bis zum Eingang von Chitchen Itz\u012f. Dort angekommen konnten wir die beiden nicht ausfindig machen. Es hie\u00df dann eine weitere halbe Stunde warten und endlich waren sie da. Die beiden hatten n\u00e4mlich den Treffpunkt verwechselt.<\/p>\n<p>Augustas war \u00fcbergl\u00fccklich, endlich mal wieder ausgedehnt zu schwatzen und da ich mich eh lieber ausruhen wollte, setzte ich mich erleichtert irgendwo abseits von ihnen auf unsere Rucks\u00e4cke und lehnte mich gegen einen Pfeiler. Die beiden entschieden die Ruinen noch zu sehen, obwohl es bereits 6 Uhr war. Statt allerdings gleich hineinzugehen, warteten sie noch eine Weile und kauften uns letztlich eine Eintrittskarte mit. Diese war f\u00fcr die Lightshow (Lichtauff\u00fchrung) und wir freuten uns, nun doch legal Chitchen Itz\u012f zu sehen.<\/p>\n<p>Als wir eintraten wurden alle zu einem gro\u00dfen Platz gef\u00fchrt, wo die gr\u00f6\u00dfte der Pyramiden stand. Wir alle h\u00e4tten lieber eine Nachttour durch die Ruinen gemacht, da es aber stockdunkel war und wir nicht einmal eine kleine Taschenlampe mithatten entschieden wir uns zu den anderen G\u00e4sten zu gesellen. Diese nahmen auf den bereitgestellten Plastikst\u00fchlen Platz, die letztlich nicht ausreichten. Es mussten weitere St\u00fchle herangefahren werden. Dann ging die Lightshow endlich los. Es gab etwas Hintergrundmusik, bis zu zwei Stimmen die in Spanish redeten und ab und zu ein paar Figuren, die als Lichtschein auf den Ruinen erschienen. Ich verstand ein wenig, die anderen dagegen gar nichts. Ich fragte mich nur, was der Zweck einer Lightshow ist, wenn niemand etwas versteht und ausser den Lichtern auch nichts passierte. Ich dachte, da kommen vielleicht ein paar T\u00e4nzer oder Schauspieler, um die Geschichte und das Leben rund um die Pyramiden etwas zu verbildlichen, aber es passierte nichts. Irgendwann wurde es uns zu bunt und wir entschieden uns diesen Ort zu verlassen. Wir &#8211; Augustas und ich &#8211; waren froh, damals keinen Eintritt f\u00fcr die Ruinen bezahlt zu haben und das Thema Chitchen Itz\u012f hatte sich f\u00fcr uns endg\u00fcltig erledigt.<\/p>\n<p>Dann gings im Auto mit Augustas&#8217; Verwandten nach Playa del Carmen. Auf dem Weg, genauer gesagt in Cancun, verfuhren wir uns m\u00e4chtig und brauchten eine geraume Zeit bis wir endlich wieder auf der richtigen Stra\u00dfe waren. W\u00e4hrend wir einen kurzen Halt machten, um Eis oder andere Leckereien zu kaufen, hie\u00df es f\u00fcr mich: Auf zum Klo! Ich schaffte es gerade noch, bevor eine Explosion meines Darmes mich dann f\u00fcr eine Weile auf der Toilette verharren lie\u00df. Noch wage und mit dem Verdacht, eine zweite, kleinere Explosion w\u00fcrde folgen, schlich ich mich dann Richtung Auto. W\u00e4hrend die anderen drei mit ihren Zungen an leckerem Eis schleckten, hielt ich mir nur den Bauch. Ich musste nicht lange nach der Erkl\u00e4rung suchen: die Medikamente! <\/p>\n<p>Gegen 22 Uhr in Playa del Carmen endlich angekommen, mussten wir erst einmal unseren <a href=\"http:\/\/www.HospitalityClub.org\">www.HospitalityClub.org<\/a> host suchen. Seine Beschreibung war ausf\u00fchrlich, der Ort war klein und wir fanden es trotzdem nicht. Wir hielten darauf einen Polizeiwagen an, besser gesagt stoppte die Polizeitruppe von allein, der uns zu unserem ersehnten Ziel brachte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Palenque hie\u00df es nun zur\u00fcck zum Start. Obwohl wir es nicht im Entferntesten vorhatten, trieb uns die Gelegenheit ein wenig Gep\u00e4ck abzugeben und damit unsere Rucks\u00e4cke zu erleichtern nun in die N\u00e4he von Cancun, von wo aus wir unsere Reise begonnen hatten. Wir erfuhren n\u00e4mlich durch Zufall, w\u00e4hrend eines Telefonats mit Augustas Gro\u00dfeltern, dass [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"enabled":false},"version":2}},"categories":[46],"tags":[],"class_list":["post-463","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mexiko"],"aioseo_notices":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/463","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=463"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/463\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=463"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=463"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=463"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}