{"id":461,"date":"2007-09-30T00:00:00","date_gmt":"2007-09-29T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/zahnpasta-ist-schadlich-fur-die-zahne\/"},"modified":"2009-05-24T00:26:26","modified_gmt":"2009-05-23T22:26:26","slug":"zahnpasta-ist-schadlich-fur-die-zahne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/zahnpasta-ist-schadlich-fur-die-zahne\/","title":{"rendered":"Zahnpasta ist sch\u00e4dlich f\u00fcr die Z\u00e4hne (October 4 &#8211; 10)"},"content":{"rendered":"<p>Der Abschied von unserem Chaffeur war herzlich. Wir versprachen, bei Ankunft in Tejutla, wo der Naturmediziner Patrizio auf uns wartete, bei Gloria\u00b4s Familie anzurufen, damit sich niemand Sorgen macht. <\/p>\n<p>Nun standen wir trampbereit in Mixco an einem guten St\u00fcck Strasse, doch erst mussten wir unsere Notd\u00fcrfte verrichten. Daf\u00fcr gab es keinen ung\u00fcnstigeren Ort als diesen, jedenfalls f\u00fcr mich nicht. Nach langem Ziemen und Hin- und Her\u00fcberlegen war mir aber alles egal. Schlie\u00dflich stellen sich die M\u00e4nner auch an jeden Baum, da kann ich mich auch ungl\u00fccklich hinter einen Baum hocken, auch wenn dabei mein Allerwertester f\u00fcr Sekunden einem Vorbeifahrendem pr\u00e4sentiert wird. Frauen m\u00fcssen halt auch. Punkt.<\/p>\n<p>Danach klappte es auch recht schnell mit einem Lift. Leider waren wir etwas langsam unterwegs, da scheinbar \u00fcberall gleichzeitig defekte Strassenabschnitte erneuert wurden. Das f\u00fchrte teils zum totalen Stillstand. Unser Fahrer vertrieb uns die Zeit mit dem Verw\u00f6hnen von verschiedenen S\u00fcssigkeiten, die uns die Stra\u00dfenverk\u00e4ufer direkt vor die Autoscheibe hielten. Einige waren wirklich lecker, andere hingegen quietschs\u00fcss. Letztere habe ich Augustas zugeschoben, der sie ausgiebig genoss. Nach dieser langwierigen Mitfahrgelegenheit brauchten wir wieder eine ganze Weile, bis sich jemand unserer erbarmte. Der Tramperplatz war nicht der idealste, da er mitten in der Stadt lag und letztlich st\u00e4ndig Busse an uns vorbeifuhren. Irgendwann endeten wir am Ende einer Kleinstadt, an die sich aber ohne offensichtliche Unterbrechung weitere D\u00f6rfer anschlossen. Wir standen nun in einer Kurve, die wahrlich ungl\u00fccklich f\u00fcr unser Weiterkommen war. Nach einer St\u00e4rkung und der nervt\u00f6tenden Kommentare von zwei Jugendlichen auf der anderen Stra\u00dfenseite gingen wir ein ganzes St\u00fcck weiter. Es tat sich nach geraumer Zeit ein annehmbarer Anhaltepunkt auf, doch das erste Auto, wenn auch nach langem Warten, lehnten wir lieber ab. Die Insassen waren reichlich betrunken und schienen etwas agressiv. Dann endlich hielt ein Herr f\u00fcr uns an, der uns bis nach San Marcos, einer Stadt nicht weit von Tejutla, mitnahm. Wir mussten also nur noch den Bus nehmen. <\/p>\n<p>Die Fahrt nach Tejutla war steinig, holprig und von unkontrollierten Hin- und Herspringen auf unseren Sitzen gepr\u00e4gt. Die Stra\u00dfe, wenn man sie als solche bezeichnen kann, bestand aus reinem Sand und Ger\u00f6ll, unz\u00e4hligen L\u00f6chern und ohne jegliche Beleuchtung. Im Stockdunkeln zogen wir also einen Berg hinauf, der zus\u00e4tzlich kurvenreich war. Beachtlich erschien uns der Ausblick, der in der stockdunklen Gegend die Abendlichter all der H\u00e4user freigab, die sich entlang der Berge zogen. Obwohl uns R\u00fccken und Hintern bei dieser Fahrt geh\u00f6rig zu schaffen machten, entsch\u00e4digte diese Abendstimmung mit Blick \u00fcber die Berge allemal.<\/p>\n<p>In Tejutla am Gymnasium angekommen stiegen wir aus und wurden bereits von zwei jungen Burschen empfangen. Sie nahmen uns einen Teil des Gep\u00e4cks ab und nun stolperten wir zu Viert \u00fcber die mit runden Steinen geplasterte Stra\u00dfe. <\/p>\n<p>Wir traten in Patrizios Haus ein und wurden mit wahrlich offenen Armen und vor Freude springenden Herzen begr\u00fc\u00dft. Es gab Tee und Essen, w\u00e4hrenddessen wir uns einen kleinen Eindruck von Patrizio\u00b4s Familie und seinem H\u00e4uschen machen konnten. <\/p>\n<p>Gleich hinter der Wohnungst\u00fcr befand sich die K\u00fcche, in der auf dem mit Holz betriebenen Ofen so einiges vor sich hink\u00f6chelte. Es war herrlich warm im Haus. Die K\u00fcche war in zwei geteilt, so dass es auch einen Raum mit Tisch und sechs St\u00fchlen gab. Beim Hinsetzen musste m\u00e4chtig ger\u00fcckt werden, damit auch jeder an seinen Platz kam. Die Tischgr\u00f6\u00dfe war bez\u00fcglich der Breite des Raumes nicht wirklich f\u00fcr diesen Ort bestimmt. Aber bei so vielen Kindern brauchte man wenigstens einen gro\u00dfen Tisch. Dahinter zw\u00e4ngte sich noch der K\u00fchlschrank, in den man, sobald jemand in der Ecke sa\u00df, nicht mehr herankam. Um den K\u00fcchentisch gab es also immer Bewegung. W\u00e4hrend eines der Kinder noch Hausaufgaben am Tisch erledigte, kamen andere mit ein paar Bastelarbeiten und wir sassen mit unserem Tee und gef\u00fcllten Tellern mitten drin. Es war etwas chaotisch in dem Haus, vor allem im Schlafzimmer. Es gab im Erdgeschoss neben der K\u00fcche nur zwei R\u00e4ume. Einer war mit zwei Sofas ausgestattet und beherbergte eine Menge B\u00fccher. Der zweite Raum war wenig gr\u00f6\u00dfer. In diesem stand neben einem \u00fcberdimensionalem Bett (gut zwei Ehebetten nebeneinander) eine Komode, auf dem ein Fernseher stationiert war. Hinter der T\u00fcr stappelten sich auf einem Sessel unz\u00e4hlige Sachen, w\u00e4hrend die Kommode bunt geschm\u00fcckt mit verschiedenen Naturmedizinchen strahlte. W\u00e4hrend unseres Aufenthaltes in Tejutla erfuhren wir, dass die halbe Familie darin schl\u00e4ft. In einem kleinen Nebenraum des Schlafzimmers befand sich das Bad. Dort war eine kleine Kabine mit einer Toilette. Wenige Zentimeter neben der Toilette befand sich die Dusche. Jedesmal wenn jemand eine Dusche nahm, endete das also damit, dass die Toilette komplett nass wurde. Das bereitete besonders Freude beim Hinsetzen. Meistens war das Toilettenpapier auch vollst\u00e4ndig in Wasser getr\u00e4nkt. Im Keller lag eine weitere Matraze, die sich zwei S\u00f6hne miteinander teilten. Die beengten Verh\u00e4ltnisse in dem winzigen Haus sollten auch nur vor\u00fcbergehend sein, bis ihr neues Haus in Tejutla erbaut worden ist. Einige der Kinder waren bereits \u00e4lter und wohnten entweder in ihren eigenen vier W\u00e4nden in Tejutla oder waren in Guatemala City zur\u00fcckgeblieben. Aus dem Keller f\u00fchrte eine T\u00fcr zum Garten heraus, in dem wir neben Zitronenb\u00e4umen auch einige Kr\u00e4uteranpflanzungen und ein paar H\u00fchner fanden. Die zwei Hunde, die den winzigen Hof bewachten, waren uns anfangs gar nicht freundlich gestimmt. Eigentlich argw\u00f6hnten sie uns durchweg, da wir uns einfach zu selten in dem Garten aufhielten. Hinter dem Gartenzaun er\u00f6ffnete sich ein wundersch\u00f6ner Blick \u00fcber das Tal und den gegen\u00fcberliegenden Berg. Diese Aussicht lie\u00df uns wahrlich aufatmen, besonders nach so vielen Wochen in Guatemala City.<\/p>\n<p>Da f\u00fcr uns nun wahrlich kein Platz mehr im Haus war und Patrizio\u00b4s Familie noch dazu eine Katze hatte, wurden wir in einem der R\u00e4ume untergebracht, in denen sonst Patienten, die von weit her kommen, die Nacht verbringen. Der Raum lag hinter Patrizios Praxis. Die Praxis lag ungef\u00e4hr 100 Meter weit vom Haus entfernt. Unser Zimmer hatte kein Fenster, so dass, wenn wir die T\u00fcr schlossen, wir die Hand vor unseren Augen nicht mehr sehen konnten. Wir mussten uns also immer zum Bett vortasten, denn der Lichtschalter befand sich direkt neben der T\u00fcr, am anderen Ende des Raumes. Aufgrund der Dunkelheit in unserem Zimmer mussten wir uns den Wecker stellen, weil wir sonst wahrscheinlich nicht vor Mittag aus den Betten gekrochen w\u00e4ren. Wir hatten eine Dusche nebenan, die wir aber aufgrund des eiskalten Wassers, was sie uns anbot, nicht benutzten. Wir bevorzugten dagegen die Dusche in Patrizios Haus, die zwar auch manchmal kaltes Wasser hergab, aber bei vorherigem Aufheizen des Boilers mittels des Holzofens herrlich warme B\u00e4der lieferte. Die Toilette funktionierte nur mit selbstgesch\u00f6pften Wasser, das wir aus dem im Hof gelegenem Becken entnahmen. Vor unserem Raum lag ein kleiner Hof auf dem auch ein uraltes Sofa stand. Davor standen zahlreiche Blument\u00f6pfe, in denen verschiedene Kr\u00e4uter gez\u00fcchtet wurden. Auf diesem alten, verrotteten Sofa verbrachten wir so einige Zeit. Leider handelte ich mir dabei Fl\u00f6he ein, die mich und in seltenen F\u00e4llen auch Augustas sp\u00e4ter f\u00fcrchterlich in den Hintern zwackten. <\/p>\n<p>Obwohl wir uns h\u00e4ufig zum Kochen anboten kamen wir nur selten zum Zug. Die Familie hatte meist schon etwas f\u00fcr uns hergezaubert, auf unseren Wunsch nat\u00fcrlich vegetarisch. Besonders die Morgen liebten wir, denn in Patrizios Haus lernten wir eine Art Haferflockengetr\u00e4nk kennen, dass mit Zimt und etwas Zucker versetzt hei\u00df serviert wurde. Dazu gab es ein paar Kornflakes, die wir hineinmischen konnten, oder s\u00fcsses Brot. Ich konnte nicht genug davon bekommen, so schmackhaft war es. Wir ha<br \/>\nben uns das Rezept nat\u00fcrlich gleich abgeschaut. Traditionelle Gerichte, die f\u00fcr den Rest der Familie gekocht wurden, verwandelten die K\u00f6chinnen im Handumdrehen in vegetarische Delikatessen. Da waren wirklich Zauberk\u00fcnste am Werk, so gut war das Resultat. Wenn wir schon nicht zum Kochen kamen, boten wir zumindest unsere Hilfe beim Abwaschen an. Das wurde viel zu oft abgelehnt, denn G\u00e4ste sollten wohl weniger Zeit an der Sp\u00fcle verbringen, als der Abwasch einer so gro\u00dfen Familie erforderte. Doch ab und zu gaben wir unsere Sp\u00fclk\u00fcnste zum Besten, was die Familie, vor allem die mit Abwasch beauftragten Kinder, ausgesprochen freute.<\/p>\n<p>Patrizio (71) hatten wir in Guatemala City kennengelernt. Er stammt urspr\u00fcnglich aus den USA und hat als Zahnarzt ein wohlhabendes Leben gef\u00fchrt. Sein Erfolg in der Zahnmedizin baute auf die Zahnprobleme der heutigen Gesellschaft. Durch sein Wissen rund um die Zahnmedizin, das Entstehen von Zahnkrankheiten, den negative Einflu\u00df von Zahnpasta und Zahnsp\u00fclungen auf die Mundhygiene und die Verursachung von Sch\u00e4den im ganzen K\u00f6rper, wegen der verschiedensten Metalle und Materialien, die bei einer Zahnbehandlung zum Einsatz kommen, lehnte er sich irgendwann gegen diese aus purer Geldgier geborenen &#8220;Scheinwelt&#8221; auf. Er versuchte durchzusetzen, dass die Menschen \u00fcber die Gefahren bei der Verwendung von Zahnpasta informiert werden. Da stie\u00df er aber auf einen harten Stein, denn sollte der Verbraucher \u00fcber die Risiken, die unsere chemisch zusammengew\u00fcrfelten Zahnpasten enthalten, erfahren, w\u00fcrde die gesamte Industrie zusammenbrechen und die mittlerweile steinreichen Zahnpastagro\u00dfverdiener auf der Stra\u00dfe enden. Er kam damit nicht an die \u00d6ffentlichkeit, da die Zahn-Kommerze seine Bem\u00fchungen gekonnt unterdr\u00fcckten. <\/p>\n<p>Statt sich aber dieser Situation hinzugeben und einfach mit seiner Zahnarztt\u00e4tigkeit weiterzumachen, entschied er sich gegen diese gesamte Branche und damit gegen den Kommerz und f\u00fcr die Gesundheit der Menschen. Dies geschah, indem er seine Praxis aufgab, sein Haus verkaufte und sich f\u00fcr wohlt\u00e4tige Zwecke auf die Reise nach Lateinamerika begab, um notd\u00fcrftigen Menschen zu helfen. Seine Kinder in den USA nahmen ihm das sehr \u00fcbel und brachen jeglichen Kontakt zu ihm ab. Selbst heute, nach 15 Jahren, h\u00f6rt er nichts von seinen Kindern. Das trifft ihn sehr, aber gl\u00fccklicherweise hat er mittlerweile eine wunderbare Frau gefunden, mit der er sein Leben und seine Ansichten teilt. <\/p>\n<p>Auf seiner Reise durch Lateinamerika ist Patrizio irgendwann in der Sparte der nat\u00fcrlichen Medizin gelandet. Er hatte zuvor schon viel dar\u00fcber studiert, doch erst durch den Abstand zu seinem Heimatland wagte er den Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit als praktizierender Arzt auf Basis von nat\u00fcrlichen Heilmitteln und -methoden. Auf dem Weg dorthin traf er auf seine jetztige Frau (aus Guatemala), die bereits Menschen mittels Kr\u00e4utern und traditionellen Hausmittelchen heilte. Sie taten sich privat und beruflich zusammen und haben neben zwei gemeinsamen Kindern (5 und 7 Jahre alt) bereits seit einigen Jahren eine Naturheilpraxis. Zuerst lebten sie in Guatemala City, sind aber vor ungef\u00e4hr einem halben Jahr nach Tejutla gezogen, da ihr gemeinsamer Sohn diesen innigen Wunsch hatte. Er wollte nicht in einer Gro\u00dfstadt aufwachsen, sondern seine Kindheit in der Natur verbringen. Das klang logisch und somit zog die ganze Familie auf seinen Wunsch hin um. Da Patrizio und seine Frau bereits zuvor, w\u00e4hrend ihrer Urlaubsaufenthalte in Tejutla, Menschen zu Gesundheit verholfen hatten, besassen sie bereits einen guten Kundenstamm. Oft passierte es auch, dass Menschen von sehr weit her kamen. Die Praxis war schlie\u00dflich rund um die Uhr ge\u00f6ffnet, auch wenn die T\u00fcr ab und an verschlossen war, wussten die Patienten an seiner Haust\u00fcr zu klopfen. In der Praxis gibt es einen separaten Raum, in dem alle getrockneten Kr\u00e4uter aufbewahrt, zerkleinert und in vielen F\u00e4llen in Kapseln gef\u00fcllt werden. Das alles passiert in Handbetrieb. Hinzu kommen nat\u00fcrliche Heilmittel, die Patrizio aus anderen L\u00e4ndern importiert. Dieses Zimmer war wirklich eine Fundgrube der Heilkr\u00e4uterkunst.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend unseres Aufenthaltes erkl\u00e4rte uns Patrizio noch einmal intensiv, unter anderem anhand von Bildern, wie der Mund und damit die Wurzeln unserer Z\u00e4hne mit dem gesamten K\u00f6rpersystem verbunden sind. Viele Probleme beginnen im Mund, ob bei falschen Reinigungsmitteln oder F\u00fcllungen, die das Gleichgewicht im K\u00f6rper durcheinanderbringen, wenn nicht gar zerst\u00f6ren. Das f\u00fchrt dann h\u00e4ufig zu Krankheitsursachen, besonders Schmerzen im K\u00f6rper, die nie wirklich gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen, da der Zusammenhang mit den Z\u00e4hnen den meisten \u00c4rzten gar nicht in den Sinn kommt. Zahnpasta und Zahnsp\u00fclungen sind das Schlimmste, was jemand der Natur im Munde zuf\u00fcgen kann. Neben den vielen Chemikalien, mit denen unsere Z\u00e4hne eingeschmiert werden, f\u00fchrt Mundwasser zur Zerst\u00f6rung selbst gesunder, f\u00fcr die Z\u00e4hne und Zahnfleisch notwendigen Bakterien. Das Resultat \u00e4u\u00dfert sich dann h\u00e4ufig in Zahnfleischr\u00fcckgang, oder auch Parodontitis, f\u00fcr die es keine Heilung, maximal eine Linderung gibt. Patrizio empfahl uns also bereits in Guatemala City, dass wir ab sofort nur noch Wasser, Kamillentee oder Magnesiummilch an unsere Z\u00e4hne heranlassen sollten. Dies tat auch er seit Jahren und seine kleinen Kinder hatten bisher noch nie Zahnpasta f\u00fcr die Zahnreinigung verwendet. Dazu m\u00fcssten wir unbedingt die weicheste aller Zahnb\u00fcrsten verwenden, weil wir sonst beim Putzen unser Zahnfleisch verletzen und zerst\u00f6ren w\u00fcrden. Auf keinen Fall d\u00fcrften wir Mundwasser verwenden, was wir sowieso nicht taten. Nach zwei Wochen mit der Magnesiummilch probierte ich eines Tages mal wieder Zahnpasta aus. Dabei hatte ich das Gef\u00fchl, dass es mir das Zahnfleisch weg\u00e4zt, denn mir brannte durch die Verwendung der Zahnpasta regelrecht der Mund. Ich blieb also bei Magnesiummilch, auf die Augustas auch irgendwann umstieg. Mittlerweile verwenden wir meist nur Wasser oder Kamillentee, denn wir f\u00fchlen, dass das genau das gleiche Ergebnis bringt. Am Ende kommt es schlie\u00dflich auf die Putztechnik an. Obwohl ich w\u00e4hrend meiner dreimonatigen Arbeitszeit als Zahnarzthelferin bereits die Zahnputzmethode eines Zahnarztes erlernt hatte, f\u00fcgte Patrizio noch eine weitere Technik hinzu.<\/p>\n<p>Religion ist ein gro\u00dfes Thema in der Familie. Patrizio schw\u00f6rt auf den positiven Einflu\u00df von Gott in seinem Leben. Nach seinen Aussagen hatte Gott ihn auf einen neuen Weg gef\u00fchrt, der ihm nicht nur ein Leben als Heilmediziner, sondern auch eine wundervolle Ehefrau, viele neue Kinder (die der Ehefrau aus vorheriger Ehe geblieben waren) und in seinem stolzen Alter gar noch zwei eigene, gemeinsame Kinder beschert hatte. Er versuchte uns einige Male zum katholischen Glauben zu bekehren, da wir sonst verloren w\u00e4ren und eine komplette Heilung unseres K\u00f6rpers nie erreicht werden k\u00f6nnte. Der Katholizismus w\u00e4re die einzige Religion, die Heilung \u00fcber uns bringen w\u00fcrde. Er hatte die Zusammenh\u00e4nge zwischen nat\u00fcrlicher Medizin, Glauben und Gesundheit lange untersucht und erforscht und hatte mittlerweile ein Buch dar\u00fcber geschrieben. Dieses versuchte er zum Zeitpunkt unseres Besuches in die Endversion zu setzen, damit er es ver\u00f6ffentlichen konnte. Wie es schien, gab es sogar schon einen Verleger daf\u00fcr.<\/p>\n<p>In Patrizios Familie wurde regelm\u00e4\u00dfig gebetet. Vor dem Essen wurde Gott f\u00fcr das Mahl gedankt und auch sonst war der Glaube ein st\u00e4ndiger Begleiter der Familienmitglieder. Patrizios Frau war neben ihrer T\u00e4tigkeit als Naturheilmedizinerin in der katholischen Gemeinde von Tejutla aktiv. In den Tagen unseres Besuches fand ein religi\u00f6ses Fest statt, w\u00e4hrend dem einer der biblischen Figuren gehuldigt wurde. Dazu gab es verschiedene Veranstaltungen, Lesungen, Vortr\u00e4ge, Kinderfeste und auch Zusammenk\u00fcnfte in der Kirche, in der gemeinsam gesungen wurde. Wir f\u00fchlten uns nicht wirklich zu einer Teilnahme bewegt, liefen aber zuf\u00e4llig an der Kirche vorbei, in der Patrizios Frau alle Anwesenden organisierte. Wir sahen, wie die Kirche innen wundersch\u00f6n mit frischen Blumengestecken, Ba<br \/>\nllons, fruchtigen Festtafeln und Girlanden geschm\u00fcckt war. Das war unter anderem das Werk von Patrizios Frau der letzten Woche. Es schien wirklich ein gelungenes Fest zu sein, w\u00e4hrend dem sich sogar die Jugendlichen freudig um die Kirche versammelten. Gerade in dem Moment, als wir die Kirche begutachteten, kam eine Schar von Kindern die Strasse entlang, die ihre religi\u00f6sen Huldigungen mit Musik, T\u00e4nzen und Rufen ausdr\u00fcckte. Es war ein wahres Stadtfest, in dass wir ohne es zu wollen auch mit hineingezogen wurden. Nachts gab es dann noch eine Menge Feuerwerk, dass den Himmel in den buntesten Farben erstrahlen lie\u00df. Einzig die Aktion, das Feuerwerk um 5 Uhr morgens zu wiederholen, hinterlie\u00df geh\u00f6rige Kopfschmerzen bei uns.<\/p>\n<p>In Patrizios Familie hatte seine Frau das letzte Wort. Sie war es, die neben der Organisation der Kindern den Haushalt im Griff hatte und sich mit einer Nachbarin zusammen um das Essen f\u00fcr die Familie k\u00fcmmerte. Daneben arbeitete sie in Patrizios Praxis, sorge sich um \u00fcber Nacht dagebliebene Patienten und war mit der Z\u00fcchtung und Weiterverarbeitung der Kr\u00e4uter besch\u00e4ftigt. Ohne sie h\u00e4tte Patrizio h\u00e4ufig vergessen seine nat\u00fcrliche Medizin einzunehmen. Er schluckte t\u00e4glich zwei Dutzend Kapseln, die aus irgendwelchen Heilpflanzen zusammengesetzt waren. Dazu erkl\u00e4rte er uns, dass er zuvor Jahrzehntelang Tabletten verordnet bekommen hatte, die er zum Weiterleben hatte einnehmen m\u00fcssen. Irgendwann tat er den Schritt, ganz von den ihm verschriebenen Chemikalien loszulassen und sich einzig auf die Naturheilmittel zu verlassen. Ihm ging es zunehmend besser und solange er seine Medizin regelm\u00e4\u00dfig nahm, w\u00fcrde sein K\u00f6rper ihm gut dienen. Wir fanden es zwar trotzdem enorm, welche Menge an Naturmittelchen er zu sich nahm, aber wir wussten schlie\u00dflich nicht, was er bereits durchgestanden hatte. Allerdings f\u00fchlten wir, dass es wohl besser w\u00e4re die Nahrung entsprechend anzupassen, anstatt t\u00e4glich tausende kleiner Pillen, wenn auch nat\u00fcrliche Heilkr\u00e4uter, zu schlucken. Soviel hatten wir zumindest in Belize gelernt.<\/p>\n<p>Patrizios Frau war sehr optimistisch in allen Angelegenheiten. W\u00e4hrend Patrizio ab und zu in seine alten Sorgen \u00fcber Finanzen zur\u00fcckfiel, denn dies war w\u00e4hrend des gr\u00f6\u00dften Teiles seines Lebens die Frage Nummer Eins, dann meinte seine Frau nur schnippisch: &#8220;Was willst du eigentlich? Du brauchst dir um Finanzen nun wirklich keine Sorgen zu machen. Gott hat uns bisher nicht im Stich gelassen. Schlie\u00dflich sind wir bis heute immer satt geworden, da kriegen wir dich auch noch mit durch.&#8221; Das brachte mich zum Schmunzeln und lie\u00df Patrizio mit einem L\u00e4cheln wieder aufatmen.<\/p>\n<p>Wir genossen die Tage in dem idyllischen Ort Tejutla. Wenn die Kleinsten der Kinder nicht in der Schule waren, unternahmen wir gemeinsam Ausfl\u00fcge in die nahe Berglandschaft. Der siebenj\u00e4hrige Sohn Patrizios hatte immer sein Fahrrad mit und seine j\u00fcngere Schwester rannte mit Vorliebe hinter ihm her. Einmal f\u00fchrten sie uns gar bis zum Haus ihrer Gro\u00dfmutter, dass eingebettet in die Natur direkt an einem Abhang gebaut war. Die Gro\u00dfmutter wie auch ihre vereinzelten Nachbarn lebten im totalen Einklang mit der Natur. Jeder hatte einen winzigen Stall, in dem er seine Pferde unterbrachte. Die H\u00fchner liefen neugierig durch die nahe Umgebung, einige hatten gar ein paar Schweine im Stall grunzen und eine Kuh. Gem\u00fcse wuchs im hauseigenen Garten und an jedem Haus fand sich ein immenser Stapel von Holz, dass vor allem die Frauen mit der Axt auf Brennholzgr\u00f6\u00dfe verarbeiteten.<\/p>\n<p>Bei den meisten unserer Ausfl\u00fcge mussten wir eine unsch\u00f6ne Stelle im Wald passieren, in dem der gesamte Abfall von Tejutla angesammelt war. Dieser wurde von den Einwohner einfach herbeigetragen und einen Abhang hinuntergekippt. Wir fragten uns, wie viele Jahre das schon so sei, denn der M\u00fcllberg war immens. Es war wie eine Skiabfahrtsbahn, die ungef\u00e4hr 20 Meter in der Breite ma\u00df und vollgestopft mit M\u00fcll war. Der Abfall landete mittlerweile bereits im Flu\u00df, was f\u00fcr die Gesundheit der Bewohner, der Tiere und nat\u00fcrlich f\u00fcr die Umwelt selbst von gro\u00dfem Nachteil war. Am Gipfel dieses Abfallberges t\u00fcmmelten sich um die zwanzig Aasgeier und etliche Hunde, die mit ihren Nasen durch die Abfalls\u00e4cke st\u00f6berten. <\/p>\n<p>Wir liebten auch die kleinen Streifz\u00fcge durch Tejutla. Dabei stie\u00dfen wir einmal auf einen jungen Mann, der uns einfach so ansprach. Er rannte uns gar hinterher, denn als wir ihn zum ersten Mal sahen sprach er gerade mit einigen Leuten auf der Stra\u00dfe. Wir wunderten uns ein wenig, was er wollte, bis wir erfuhren, dass Angel aus den USA stammt und in Tejutla seine Zeit als Peace Corp Volunt\u00e4r (Freiwilligendienst der USA) verbrachte. Angel half in der Stadtverwaltung als Entwicklungshelfer mit, wo er Projekte initiierte und die lokalen Menschen in verschiedenen Arbeitstechniken unterrichtete. <\/p>\n<p>Angel lud uns f\u00fcr den Abend zu sich nach Hause ein. Dort trafen wir auf einen Peace Corp Freund von Angel, der gerade auf einen Besuch da war. Normalerweise verbrachte dieser Freund seine Zeit in Los Santos, einer Kleinstadt in den Bergen Guatemalas. Los Santos ist als Touristenziel bekannt, denn die Einwohner tragen nach wie vor alle ihre traditionelle Kleidung, selbst die M\u00e4nner und Kinder. Er war ein ausgesprochen guter Gitarrenspieler, dessen Lieder wir bereits von der Stra\u00dfe aus h\u00f6ren konnten. Angel hatte sich selbst Gitarre spielen beigebracht und hatte vor ein paar Tagen sein erstes Lied komponiert. Jetzt sass er gerade mit seinem Freund an der \u00dcberarbeitung des Textes und der Anpassung der Melodie. Kurz nach unserer Ankunft gingen wir zu einer anderen Wohnung, in der eine weitere Peace Corp Freundin lebte. Da auch sie Besuch hatte, versammelten sich alle Volunt\u00e4re f\u00fcr ein gemeinsames Abendessen und wir wurden herzlich eingeladen. Als Abendmahl stand Pizza auf dem Plan, die ich wegen des K\u00e4ses leider nicht genie\u00dfen konnte. Das Allheilgetr\u00e4nk f\u00fcr den Abend war Bier. Da mir nicht der Sinn nach Trinken stand, begn\u00fcgten ich mich lieber mit einem Tee. Die Stimmung war ausgesprochen entspannt und lustig. Wir tauschten uns \u00fcber die guatemalische Kultur und sonstige Reiseerfahrungen aus und lernten wie das Peace Corp System funktionierte und welche Regeln die Volunt\u00e4re einhalten mussten. Tiefergehende Gespr\u00e4che folgten mit einigen der Anwesenden, w\u00e4hrend Angel mit seinem Freund durch seinen Marihuanakonsum nur noch zum Lachen kam. Er kicherte vor sich hin und machte akrobatische Kunstst\u00fccke f\u00fcr die Kamera zusammen mit seinem Gitarrenfreund. Es war herrlich den Beiden zuzusehen. Es war ein ausgesprochen fr\u00f6hlicher Abend, der uns nach langer Zeit nur mit Einheimischen mal wieder etwas internationale Luft schnuppern lie\u00df. <\/p>\n<p>Angel war wirklich der Oberclown des gesamten Peace Corp Freundeskreises. Er lud uns ein weiteres Mal zu sich ein, an dessen Tag wir uns an den Herd stellten. W\u00e4hrend des Essens erz\u00e4hlte uns Angel von seiner Mormon Religion. Endlich redeten wir einmal mit jemanden, der gl\u00fccklich mit seiner Religion war, uns aber keineswegs auf seinen Weg zu f\u00fchren versuchte. Wir bedauerten ein wenig, dass wir bald weiterziehen w\u00fcrden, aber f\u00fcr den Moment kosteten wir die Treffen mit Angel voll aus.<\/p>\n<p>Nachdem wir die Stadt bereits in allen Winkeln erkundet hatten, machten wir auch einen gro\u00dfen Ausflug in Tejutlas Bergen. Wir folgten einfach unserem Gef\u00fchl und trafen neben einer Schlange, die sich \u00fcber den Gehweg schl\u00e4ngelte, auch eine Schule mitten im Wald an. Die Kinder stupsten sich gegenseitig an, nachdem sie uns gesehen hatten. Alle waren neugierig, doch trauten sie uns nicht so recht \u00fcber den Weg. Mal kamen sie auf uns zugelaufen, wenn wir ihnen dann aber n\u00e4her kamen, rannten sie im Eilzug kreischend zur\u00fcck. Wir liefen weiter, \u00fcberquerten verschiedene Fl\u00fcsse, genossen die Einblicke in das Bergleben, fragten uns, wieviele Kilometer einige von den Bergbewohnern wohl am Tag zur\u00fccklegen mussten, trafen gar auf kleine D\u00f6rfer und genossen die vielen neuen Pflanzen, B\u00e4ume und Tiere, die wir zuvor noch nicht gesehen hatten. Es war ein herrlicher Spaziergang, denn die meiste Zeit<br \/>\n gab es nur uns zwei Menschenseelen und sonst nur reine Natur. Einige Male trafen wir auf sandige Strassen, doch es war fast unm\u00f6glich f\u00fcr Fahrzeuge bis dorthin vorzustossen. Obwohl es ein sonniger Tag war, zogen bald schwarze Wolken auf, die uns am Ende unter B\u00e4umen Schutz suchen lie\u00dfen. Gut, dass es w\u00e4hrend des vierst\u00fcndigen Ausfluges nicht zu stark regnete, denn sonst h\u00e4tten wir so manche schmalen Wege, die steil den Hang hinauff\u00fchrten, nicht begehen k\u00f6nnen. Gut auch, dass wir in einigen Situationen doch nicht allein waren, denn es war nicht einfach den Weg zum Haus zu finden, da wir auf einem anderen Weg zur\u00fcckkamen. Nach diesem Ausflug wollte uns die Familie kaum glauben, dass wir vier Stunden gelaufen waren. Das war in Guatemala nicht \u00fcblich, jedenfalls nicht zum reinen Vergn\u00fcgen. Wir allerdings waren gl\u00fccklich und ausgef\u00fcllt an diesem Tag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Abschied von unserem Chaffeur war herzlich. Wir versprachen, bei Ankunft in Tejutla, wo der Naturmediziner Patrizio auf uns wartete, bei Gloria\u00b4s Familie anzurufen, damit sich niemand Sorgen macht. Nun standen wir trampbereit in Mixco an einem guten St\u00fcck Strasse, doch erst mussten wir unsere Notd\u00fcrfte verrichten. 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