{"id":445,"date":"2006-03-01T19:00:00","date_gmt":"2006-03-01T17:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/biologische-toiletten\/"},"modified":"2006-03-01T19:00:00","modified_gmt":"2006-03-01T17:00:00","slug":"biologische-toiletten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/biologische-toiletten\/","title":{"rendered":"Biologische Toiletten (Februar, 5-7)"},"content":{"rendered":"<p>Der Weg von Dzibalch\u00e9n nach Xpujil war mit vielen Wartestunden verbunden. Es war hei\u00df und es gab keine Autos. Letztlich kamen wir aber noch rechtzeitig in Xpujil an, um die nahegelegene Ruine &#8220;Becan&#8221; zu sehen. Wir hatten geh\u00f6rt, dass der Eintritt dort 25 Pesos (2,50 \u00a7) kostet und das es sich um eine interessante Ruine handeln sollte. Das hatten uns damals in Piste, dort wo Chitch\u00e9n Itza liegt, zwei Dortmunder gesagt, die schon seit ca. einem Jahr in Nord- und Zentralamerika unterwegs waren. Wir hatten es also endlich bis dahin geschafft, doch als wir ankamen erwartete uns ein Eintrittspreis von 33 Pesos (3,30 $). Wir entschieden eine Nacht dar\u00fcber zu schlafen und fanden gleich neben dem Eingang zu Becan einen Stellplatz f\u00fcr unser Zelt. <\/p>\n<p>Dieser Stellplatz war gleich neben dem Grundst\u00fcck einer Familie, die scheinbar an Besucher gew\u00f6hnt war. Der Sohn stand uns sofort mit einem Rechen zur Seite, um die Bl\u00e4tter wegzufegen, was wir letztlich aber selbst machten, weil wir bei diesem Serviceangebot bef\u00fcrchteten, dass wir ihn am Ende daf\u00fcr bezahlen m\u00fcssten. Da es eh besser war das Laub als Zeltuntergrund dazulassen, nutzten wir den Rechen daf\u00fcr, neues Laub heranzuholen. Da blieb unser Zeltboden zumindest sauber. <\/p>\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter kam der Junge mit einem Tisch an und meinte, wenn wir St\u00fchle br\u00e4uchten, k\u00f6nnte er die uns auch bringen. Mir war es richtig peinlich zu fragen, ob das alles kostenlos w\u00e4re oder ob er daf\u00fcr einen Obulus verlangte. Er meinte dann &#8220;wie ihr m\u00f6chtet&#8221;. Da war uns klar, dass die Familie wahrscheinlich immer deswegen so hilfreich ist, weil die Touristen am Ende daf\u00fcr bezahlten. Als wir bereits kochten, bot uns der Junge an, den im Freien stehenden, mit Holz betriebenen Herd zu benutzen. Wir lehnten dankend ab, da wir bereits mit unserem Campingkocher dabei waren das Abendessen zuzubereiten. Von da an sprachen wir gar nicht mehr miteinander. Wir f\u00fchlten uns unwohl so abweisend zu sein, was sonst absolut nicht unsere Art war, aber diese Art von Freundlichkeit war uns nicht geheuer.<\/p>\n<p>Am Morgen gingen wir dann zum Eingang der Ruine. Ich fragte, ob ich das Bad nutzen k\u00f6nnte und sie lie\u00dfen mich hinein. Dort f\u00fchlte ich erstmal unseren Wasservorrat auf und ging auf die Toilette. Das ist an sich nichts besonderes, diese Toiletten waren aber eine interessante Konstruktion! Es waren \u00f6kologische Toiletten, speziell angefertigt f\u00fcr Gegenden mit Wassermangel. Es gab f\u00fcr den Urin eine Schale die mit einem Plastikschlauch verbunden war. Den Urin konnte man mit dem Wasser, dass neben der Toilette in einem Eimer stand und mit einem kleinen Topf zum Sch\u00f6pfen versehen war, wegsp\u00fclen. Die zweite, doppelt so gro\u00dfe Schale war f\u00fcr Exkremente bestimmt. Das Unglaubliche war, dass ich hineinschauen konnte und ca. 1,5 Meter tiefer nackten Beton sah und zwar sauberen! Es sah so aus, als w\u00e4re noch nie jemand auf dieser Toilette gewesen. Es stand in den Instruktionen der Toilette auch geschrieben, dass das benutzte Toilettenpapier dort hinein geworfen werden soll. Normalerweise steht in den Toiletten hier in Mexiko immer ein extra Eimer, wo das Papier hineinkommt. Es wird nicht, wie in Deutschland \u00fcblich, mit hinuntergesp\u00fclt. Ich kam mir richtig komisch vor als ich das Papier hineinwarf. Es war einfach zu sauber!!! <\/p>\n<p>Auf der rechten Seite der Toilette stand ein weiterer Eimer, der mit irgendeiner erd-pflanzen\u00e4hnlichen Schuttmasse gef\u00fcllt war. Dieses Gemisch sollte nach dem Erledigen des Gesch\u00e4ftes \u00fcber die Exkremente gestreut werden, um den Zersetzungsprozess voranzutreiben. Was f\u00fcr eine Toilette! ;D<\/p>\n<p>Wir verlie\u00dfen Becan dann ohne es gesehen zu haben. Immerhin hatte ich eine neue Art von Toilette kennengelernt und war noch immer voller Hoffnung, dass wir irgendwann eine interessante Ruine finden, bei der wir den Eintrittspreis problemlos von unserem Budget abkn\u00f6pfen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Einmal an der Strasse gestanden hielten binnen kurzer Zeit zwei Israelis an, die uns bis nach Palenque mitnahmen. Wir redeten kaum mit Ihnen. Wir erfuhren nur, dass sie auf einer zweiw\u00f6chigen Reise durch Mexiko waren, in San Francisco und Las Vegas lebten und gerade vom Strand in Chethumal kamen.&nbsp; Irgendwann rauchten sie dann Mariuhana und fingen grundlos an zu lachen. Uns sollte es recht sein, da sie uns trotz alledem heil nach Palenque brachten.<\/p>\n<p>Die Einladung der Israelis auf ein Bier lehnten wir mit Bedauern ab, da es schon reichlich sp\u00e4t war, wir uns mitten in einer Stadt befanden und uns schleunigst um einen Schlafplatz k\u00fcmmern mussten. Wir liefen zuerst Richtung Zocolo, dem zentralen Stadtpark, der in der Regel vorwiegend mit Steinen gepflastert statt mit Gr\u00fcnanlagen versehen ist. Dabei trafen wir auf einen Schmuckverk\u00e4ufer, der uns sehr an die Rainbow-Menschen erinnerte. Wir fragten ihn, wo es einen billigen Zeltplatz gibt. Er schlug uns einen Zeltplatz vor, der ausserhalb von Palenque, in der arch\u00e4ologischen Zone der Ruinen, lag. <\/p>\n<p>Uns interessierte ausserdem, ob derzeit in Palenque ein Rainbow Gathering stattfindet, da wir so viele Menschen in einer recht alternativen Kleidung gesehen hatten.&nbsp; Ein Rainbow Gathering fand nach seiner Schilderung jeden Tag statt, hatte aber bereits &#8220;geschlossen&#8221;. Das klang sehr merkw\u00fcrdig f\u00fcr uns, kannten wir Rainbow Gatherings doch als f\u00fcr jeden und zu jeder Zeit offene Orte, an denen jeder willkommen ist. Als wir den Verk\u00e4ufer fragten, wo er denn schlafe, meinte er im dem genannten Campingplatz. Wir verstanden das alles irgendwie nicht. Warum mussten Reainbow-Leute denn f\u00fcr einen Campingplatz bezahlen?<\/p>\n<p>[Was Rainbow Menschen sind und was ein Rainbow Gathering ist, k\u00f6nnt ihr hier herausfinden: <a href=\"http:\/\/www.RainbowInfo.de\/\">http:\/\/www.RainbowInfo.de\/<\/a>&nbsp;und <a href=\"http:\/\/www.WelcomeHome.org\/\">http:\/\/www.WelcomeHome.org\/<\/a>]<\/p>\n<p>Wir fuhren also mit einem Transport f\u00fcr 10 Pesos (1 $) bis zu dem genannten Zeltplatz. Es sch\u00fcttete wie aus Gie\u00dfkannen als wir ausstiegen. Wir waren deshalb froh, gleich am Eingang des Zeltplatz aussteigen zu k\u00f6nnen. Statt den 15 Pesos (1,50 $) kostete die \u00dcbernachtung pro Person im Zelt f\u00fcr eine Nacht 30 Pesos (3 $). Das war uns entschieden zuviel. Noch dazu zeigte die Rezeptioninstin nicht das geringste Interesse an uns, sondern bastelte an irgendetwas vor sich hin. Wir verliessen den Campingplatz wieder und machten ratlos an der Bushaltestelle halt. Kurz darauf gingen wir zum gegen\u00fcberliegenden Gel\u00e4nde und vereinbarten einen \u00dcbernachtungspreis von 20 Pesos (2 $) pro Person und Nacht im Zelt. Da es noch immer f\u00fcrchterlich regnete waren wir froh, dass wir unser Zelt unters Dach, direkt vor einer der Ferienh\u00e4user stellen konnten.<\/p>\n<p>Nach dem Aufbau beobachteten wir die Bewohner des Ferienhauses. Sie kochten ein Gebr\u00e4u aus Wasser und Pilzen. Ich dachte noch an Pilzsuppe, da sie aber bereits flei\u00dfig am Mariuhanarauchen waren, vermutete ich bald eine weitere Droge dahinter. Ich hatte letztlich recht. Sie warfen die Pilze weg, tranken das Gebr\u00e4u und begannen sich mehr als merkw\u00fcrdig zu verhalten. Wir blieben dieser Truppe lieber fern, kochten unser Abendbrot und verschwanden bald in unserem Zelt.<\/p>\n<p>Am Morgen zog bereits wieder ein Mariuhanageruch an uns vorbei. Als noch alle in ihrem Zimmer waren, kam ein Mann hinter dem Haus vor und wisperte Augustas zu. Ich kam gerade von der Toilette zur\u00fcck und dann sprach der Herr auch mit mir. Ich verstand seine Zurufe nicht, woraufhin er mir seinen Beutel von Weitem entgegenstreckte und einen Pilz aus diesem zog. Mir war klar was Sache ist. Ich lehnte dankend ab. <\/p>\n<p>Der Mann schwirrte dann noch ein wenig in der Gegend herum. Er ging dann irgendwann eiligen Schrittes Richtung Wald, aus dem er scheinbar gekommen war. Hinterher stiefelten zwei Drogenfahnder und die Eigent\u00fcmerin der Anlage. Wir dachten schon, jetzt wird der Herr geschnappt. Dem war aber nicht so. Als diese beiden Fahnder verschwanden, tauchten zwei neue auf. Die gingen auch wieder und das Ende der Geschichte war, dass die Eigent\u00fcmerin, der Drogenh\u00e4ndler und die in den Ferienh\u00e4usern untergekommenen Personen alle unter einer Decke steckten.<\/p>\n<p>Wir versuchten uns aus allen herauszuhalten, was uns auch gelang, aber nicht lange f\u00fcr Wohlsein sorgte. Statt eine weitere Nacht zu bleiben, fuhren wir dann lieber Richtung Berge weiter. Zuvor gingen wir aber noch den Palenque-Ruinen entgegen, da wir auf einen freien Eintritt hofften. Wir waren ja schon in der arch\u00e4ologischen Zone, aber am Eingang der Ruinen angekommen, wurde ein Eintritt von 45 Pesos (4,50 $) verlangt. Wir kehrten also wieder um. Auf dem R\u00fcckweg stolperten wir fast \u00fcber eine Ameisenhighway. Der fiel uns nur auf, weil da laufende Bl\u00e4tter unseren Weg kreutzten. Ich dachte erst es w\u00e4r eine neue Art Insekt was da herumkroch, aber nein, es war ein riesen Ameisenhighway. Wir beobachteten deren Treiben gen\u00fcsslich, kehrten dann zum Zeltplatz zur\u00fcck und trampten kurze Zeit sp\u00e4ter Richtung Berge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Weg von Dzibalch\u00e9n nach Xpujil war mit vielen Wartestunden verbunden. Es war hei\u00df und es gab keine Autos. 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