{"id":437,"date":"2006-02-14T19:00:00","date_gmt":"2006-02-14T17:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/mennonites-ein-treffen-mit-menschen-aus-einem-vergangenen-jahrhundert\/"},"modified":"2006-02-14T19:00:00","modified_gmt":"2006-02-14T17:00:00","slug":"mennonites-ein-treffen-mit-menschen-aus-einem-vergangenen-jahrhundert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/mennonites-ein-treffen-mit-menschen-aus-einem-vergangenen-jahrhundert\/","title":{"rendered":"Mennonites &#8211; ein Treffen mit Menschen aus einem vergangenen Jahrhundert  (Februar, 4-5)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/followtheroad.com\">followtheroad.com<\/a><\/p>\n<p>Hallo,<\/p>\n<p>wie bereits angk\u00fcndigt, kommen hier nun unsere Erfahrungen mit den Mennonites, einer religi\u00f6sen Gemeinschaft, die wie Jahrhunderte zuvor gekleidet sind und teilweise auch noch so leben.<\/p>\n<p>Wir machen uns heut wieder auf die Socken, da wir hier in Palenque einfach keinen Kontakt mit den Einwohnern herstellen k\u00f6nnen. Wir haben hier die meiste Zeit die Stadt erkundet, essen gekauft und unsere Erlebnisse aufgeschrieben.<\/p>\n<p>Ich habe keinen Zeifel daran. dass wenn ihr gegen Ende er Woche auf unsere Mexikokarte schaut, dass ihr Staunen werdet wo wir sind. Aber dazu spater mehr ;D <\/p>\n<p>Wir w\u00fcnschen euch viel Spass beim Lesen!<\/p>\n<p>Alles Liebe,<\/p>\n<p>Katja &amp; Augustas<br \/><a href=\"http:\/\/followtheroad.com\">followtheroad.com<\/a><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Mennonites &#8211; ein Treffen mit Menschen aus einem vergangenen Jahrhundert&nbsp; (Februar, 4-5)<\/p>\n<p>Am Morgen kamen wir mit dem ersten Auto direkt vor der Ruine Kabah an. Es handelte sich um dir Ruine, die die Mayas f\u00fcr das Zelten vorschlugen. H\u00e4tten wir gewu\u00dft wie toll diese Ruine aussieht, h\u00e4tten wir lieber dort \u00fcbernachtet. Oder zumindest ich, da mich solche Bauten faszinierten. Kabah sah fantastisch aus. Ich w\u00e4re am Liebstenn gleich hineinspaziert, um mich durch die Ruinen zu schl\u00e4ngeln. Leider machte ein Schild am Eingang, dass einen Eintritt von 30 Pesos (3 $) auswies, diesem Traum ein j\u00e4hes Ende. Gut, ich h\u00e4tte hineingehen k\u00f6nnen, aber ich h\u00e4tte dann schon am Morgen mein Tagesbudget ausgegeben. Ich nahm also von dieser Idee Abstand und wir setzen unsere Reise bis Hopelch\u00e9n fort.<\/p>\n<p>Dort angekommen sahen wir auf dem Marktplatz zwei M\u00e4nner mit drei Kindern sitzen. Alle f\u00fcnf hatten eine weisse Hautfarbe und weiss-blondes Haar, trugen einheitliche blaue Tr\u00e4gerhosen, weiss-gestreifte Hemden und einen baischen Cowboyhut. Da wir diese Tracht bereits in Merida bei einer Familie sahen, konnten wir es uns nicht verkneifen hinzugehen und zu fragen woher sie kommen. Ich fragte dann, ob sie englisch sprechen, worauf sie erwiderten &#8220;No, alem\u012fn. (Nein, deutsch.)&#8221; Ich war aufgeregt. Deutsch? Ich versuchte mein Deutsch zu aktivieren, bis die Herren meinten &#8220;Alem\u012fn bajo.&#8221; Ich verstand, dass sie wenig deutsch sprachen, was sich sp\u00e4ter aber als ein Fehler herausstellte. Sie sprachen einfach nur eine andere Form von deutsch. Wir sprachen also in spanisch, wurden zwecks Intention unserer Reise, Reiseziel, Reisedauer, Finanzen etc. befragt. Sehr direkt und mit gro\u00dfer Skepsis. Der eine Herr schien uns kaum zu glauben, wobei der Andere uns recht freundlich gesonnen war. Wir verabschiedeten uns und waren begeistert, dass wir endlich herausgefunden hatten, dass sie hier Leben, vorwiegend auf Farmen arbeiteten und urspr\u00fcnglich aus Zacatecas, einer Region im Norden Mexikos kamen.<\/p>\n<p>Wir gingen dann erstmal fix ins Internetcaf\u00e9, wo mir ein Spruch an der Wand besonders auffiel:<\/p>\n<p>&#8220;No es rico el que tiene mucho, si no el que da mucho amor.&#8221;<br \/>[Derjenige, der viel besitzt, ist nicht reich, wenn er keine Liebe zu geben hat.]<\/p>\n<p>Dem stimmte ich voll und ganz zu.<\/p>\n<p>Am Ende von Hopfelch\u00e9n gabelte uns dann ein M\u00f6beltransporter auf. Ich wurde ins Fahrerh\u00e4uschen eingeladen und Augustas sa\u00df mit dem Beifahrer hinten auf den M\u00f6beln. W\u00e4hrend der Fahrt nach Dzibalch\u00e9n (25km), fragte ich den Fahrer bez\u00fcglich der &#8220;Alem\u012fnes&#8221; aus, die wir in Hopelch\u00e9n getroffen hatten. Als er dann verstand wen ich meinte, erkl\u00e4rte er, dass sie in Mexiko &#8220;Menonas&#8221; hei\u00dfen und \u00fcberall in dieser Gegend lebten. Sie w\u00e4ren sehr freundlich, k\u00e4men auch in die Stadt, lebten aber ihr Leben sonst recht abgeschottet von den Mexikanern. Die Frauen und M\u00e4dchen der Menonas seien &#8211; entgegen den m\u00e4nnlichen Menonas- kaum im Dorf zu sehen, sie scheinen vom mexikanischen Leben abgeschirmt zu werden.<\/p>\n<p>Was mich auch brennend interessierte waren die essbaren Pflanzen und Fr\u00fcchte in Mexiko. Wir haben zwar schon die ber\u00fchmte Chaya gesehen und probiert, aber das ist ja bei weitem nicht alles. Bei unserem Fahrer war ich damit an der richtigen Adresse. Er erkl\u00e4rte mir z.B., dass es zwei verschiedene Arten von Chaya gibt und dass nur die Berg-Chaya die wahre Chaya ist. Chaya ist \u00fcbrigens ein Baum, dessen Form wie die kanadische Flagge aussieht, gr\u00fcn ist und sich in unvorstellbar vielf\u00e4ltiger Form verwenden l\u00e4sst. Zudem ist sie ungeheuer reich an Vitaminen und Mineralstoffen und wird auch als Heilpflanze eingesetzt. Ich wusste auch nicht, dass t\u00e4glich ein halbes Glas frisch gemachter Zwiebelsaft Asthma beseitigt. Neben diesen, nannte mir der Fahrer viele andere schmackhafte, reichhaltige und medizinisch wertvolle Pflanzenarten. Leider weiss ich bis heute nicht wie sie aussehen, aber ich bleibe dran. Der Fahrer erz\u00e4hlte mir so viele gute Eigenschaften dieser Pflanzen und Fr\u00fcchte, dass ich nur so darauf brenne, alles auszuprobieren. Und das gute daran ist, man kann sie einfach so in der Natur finden! Pfl\u00fccken, waschen und fertig &#8211; es wird wirklich Zeit, dass ich mich diese Naturprodukte lehren lasse \ud83d\ude09<\/p>\n<p>In Dzibalch\u00e9n angekommen, bestand Augustas darauf, uns auf die Suche nach den Menonas zu begeben. Auch er hatte sich mit seinem Kumpanen \u00fcber die Menonas verst\u00e4ndigt und wollte sie nun unbedingt ausfindig machen. Ich war erst ein wenig zaghaft, was mit dem Gespr\u00e4ch in Hopelch\u00e9n zusammenhing. Schlie\u00dflich war ich es ja noch immer, die sich um die gesamte Kommunikation k\u00fcmmern musste und ich wollte nicht noch einmal so ausgefragt werden. Dann aber stimmte ich in dem Plan zu.<\/p>\n<p>Da es bereits sp\u00e4t war, wollten wir erstmal einen Schlafplatz finden. Nach ausgiebigen Gespr\u00e4chen mit den Einwohnern des Dorfes, wurde uns dann das Fussballfeld vorgeschlagen, das ab sp\u00e4testens 6 Uhr abends menschenleer ist. Wir gingen also Richtung Fussballfeld, statt aber weiterzugehen, machten wir schon an der n\u00e4chsten Kreuzung halt. Wir wussten mittlerweile, dass diese Strasse zu den Menonas f\u00fchrt, allerdings zum Laufen mit ihren 7-8km zu weit war. Da es Samstag war und die Menonas, die tags\u00fcber in die Stadt eingekehrt waren gegen 7-8 Uhr wieder nach Hause fuhren, noch dazu Sonntags keiner ins Dorf kommen w\u00fcrde, da es ein Ruhetag war, konnten wir die Chance die Menonas noch an jenem Tage zu treffen nicht an uns vorbeiziehen lassen. Wir setzten uns also an die Kreuzung, um bei Erscheinen der Menonas direkten Kontakt miteinander aufnehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Irgendwie war uns aber mulmig zumute bei diesem Gedanken. Vielleicht weil die Menonas wirklich abgeschotten und wie in einer vergangenen Zeit lebten. Wir f\u00fchlten uns einem Zeitsprung nahe und nicht nur das, wir bef\u00fcrchteten auch, dass wir bei den Menonas nicht willkommen sein w\u00fcrden, eben weil sie offensichtlich seit Jahrhunderten versuchen, ihren Lebensstil und ihre Lebensfilosofie nicht zu \u00e4ndern. Als dann pl\u00f6tzlich ein Traktor mit Anh\u00e4nger einem Mann und drei Kindern, die alle eindeutig zu den Menonas geh\u00f6rten, an uns vorbeirollte, stand ich zwar auf, wusste aber vor bis zum Hals pochendem Herz nicht was ich sagen sollte. Sie zogen also an mir vorbei, ohne dass ich auch nur einen Mucks von mir gab. Hinterhergerollt kam gleich noch ein anderer Traktor, bei dem ich es zumindest schaffte meinen Arm zum Grusse zu erheben. Allerdings versagte ich dabei auch kl\u00e4glich. Was die Situation wohl so schwierig machte, war nicht nur der noch nicht vorhandene Mut, den ich zusammennehmen musste, um die Menonas anzusprechen, sondern die Tatsache, dass wir nicht genau an der Kreuzung gesessen hatten und ich, um einen verbalen, nicht schreienden Kontakt herzustellen bis an die Kreuzung h\u00e4tte rennen m\u00fcssen. Wie h\u00e4tte das wohl ausgesehen, wenn ich auf die Menonas zugest\u00fcrmt w\u00e4re und gefragt h\u00e4tte, ob wir uns mal anschauen d\u00fcrften wie sie leben? Mh?<\/p>\n<p>Sie zogen also an uns vorbei und noch immer war kein Kontakt zustandegekommen. Um unsere Strategie zu verbessern, lie\u00dfen wir uns nun direkt an der Kreuzung nieder. Wir diskutierten intensiv dar\u00fcber, wie ich die Menonas ansprechen sollte, dass ich nicht aufgeregt sein d\u00fcrfe, was ich sagen solle und was nicht. Ich stand dann einfach auf und versuchte das Gespr\u00e4ch schon einmal vorzubereiten. F\u00fcr mich war es leichter aus dem Stand heraus jemanden anzusprechen, als bei Auftauchen eines Menonas von meinem Rucksack aufzuspringen und noch dazu zu reden. Das war schon im stehendem Zustand kaum m\u00f6glich, aber beim Aufspringen w\u00fcrde es wohl das gleiche Ende nehmen wie zuvor. Ich atmete also tief ein und aus, versuchte mich zu entspannen, zu l\u00e4cheln und mir das Gespr\u00e4ch zu verinnerlichen. Und pl\u00f6tzlich bog ein Menonas um die Ecke, zu Fuss unterwegs und mit einer herrlichen Gelassenheit. Ich nahm also eine aufrechte, aber doch zur\u00fcckhaltende Stellung ein und atmete noch einige Male ruhig ein und aus. Als der Menonas n\u00e4her kam, fing das Herz dann trotzdem wieder an wie wild zu pochen, aber diesmal begegnete ich diesem inneren Aufruhr mit der direkten Kontaktaufnahme. Ich f\u00fchlte mich wie in der Universit\u00e4t, wenn bei einer wichtigen Pr\u00e4sentation jedes Wort ruhig und klar an das Auditorium weitergegeben werden muss. Und es funktionierte! Ich erkl\u00e4rte dem Menonas, dass wir an diesem Tage bereits einige &#8220;von ihm&#8221; in Hopelch\u00e9n gesehen und mit ihnen gesprochen hatten. Da ich Deutsche bin, interessierte mich brennend, warum es hier in Mexiko auch Menschen gibt, die sich &#8220;Alem\u012fnes&#8221; (Deutsche) nennen. Wir wollten sie gern n\u00e4her kennenlernen, wie sie leben, was sie arbeiten, wie sie sprechen, einfach weil sie ja auch irgendwie Teil der deutschen Geschichte sind. Wir wollten sie andererseits mit unserer Neugier nicht bel\u00e4stigen. All dies erz\u00e4hlte ich auch dem Menonas, worauf er nur entgegnete, &#8220;Nat\u00fcrlich k\u00f6nnt ihr uns kennenlernen. Die Menschen sind zwar nicht so recht an G\u00e4ste gew\u00f6hnt, ihr seid aber herzlich willkommen.&#8221; Wir strahlten wie zwei Mondkuchen, aber doch eher innerlich. Nach au\u00dfen versuchten wir es mit einem verhaltenem L\u00e4cheln. Wir wollten den Menonas, der sich als Jacob vorstellte, ja nicht mit unserem Gegrinse unsicher machen. Sehr zaghaft und auf Fragen wartend setzten wir das Gespr\u00e4ch also fort. Dabei erw\u00e4hnte ich auch, dass Augustas aus Litauen sei, was Jacob aber eher stirnrunzelnd aufnahm. <\/p>\n<p>Er lud uns dann ein, auf der gegen\u00fcberliegenden Strassenseite gemeinsam auf einen Bekannten zu warten, der uns bis nach Nueva Trinidad, die Gemeinde von den Menonas mitnimmt. Jacob erkl\u00e4rte, dass er sonst immer selbst mit dem Traktor zur Stadt und zur\u00fcck f\u00e4hrt, dieses Mal hatte er aber vorher mit anderen Menonas telefoniert und herausgefunden, dass er mitgenommen werden kann. Wir warteten also zusammen, tauschten uns \u00fcber Gemeinsamkeiten und Unterschiede der deutschen Sprache der er m\u00e4chtig war und der Meinigen aus. Es gab viele Gemeinsamkeiten und mein Interesse mehr zu erfahren stieg mit jeder Sekunde. Irgendwann fuhr ein anderer Menonas Richtung Dorf an uns vorbei und Jacob erkl\u00e4rte uns, dass dieser Herr erst vor Kurzem seine Frau verloren hatte. Sie ist an Alkoholismus gestorben, unter der auch dieser Herr litt. Wir sprachen daher \u00fcber Alkoholprobleme in der meinigen Gesellschaft und landeten im Gespr\u00e4ch alsbald bei seinem Haus. Jacob hatte durch den Hurrikan im Oktober 2005 den Gro\u00dfteil seiner Bohnenernte verloren und konnte deswegen sein Haus noch nicht fertig bauen. Er meinte, dass jedes Jahr etwas unheilvolles \u00fcber der Familie hereinbrach und deswegen das Haus bis heute nicht fertiggestellt ist. Er sicherte uns aber zu, dass wir problemlos bei ihm unterkommen k\u00f6nnen. Jacob fragte, ob es in Deutschland auch dunkelhaarige Menschen mit kaffeebraunen Augen gibt. Ich best\u00e4tigte das und er freute sich dar\u00fcber, denn bei den Menonas galt er als Exot. Normalerweise h\u00e4tten sie blonde Haare und blaue Augen. <\/p>\n<p>Nach circa einer halben Stunde hielt ein Traktor f\u00fcr uns an. Leider konnte er nur eine Person mitnehmen und da Jacob nach Hause musste, fuhr er eben als erster mit. Er meinte noch, dass wir uns dann sp\u00e4ter in Nueva Trinidad sehen w\u00fcrden. Da wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht seinen Namen wussten, er aber schon weg war als uns das bewu\u00dft wurde, sahen wir wenig Aussicht, in Nueva Trinidad eine Bleibe zu finden, also ein St\u00fcck Gras f\u00fcrs Zelt. Trotzdem verhaarten wir weiterhin an der Kreuzung und irgendwann, als es schon began dunkel zu werden, kam dann ein gro\u00dfer Pick-Up mit Dach auf uns zugebraust. Wir waren etwas verdutzt, hatten wir doch erfahren, dass die Menonas keine Autos h\u00e4tten und nur per Traktor unterwegs waren. Wir hielten dennoch schnell unseren Daumen heraus und bedeuteten dem Fahrer anzuhalten. Das tat er auch und ich began zu erkl\u00e4ren, was geschehen war und das wir in Nueva Trinidad willkommen gehie\u00dfen wurden. Ich sprach in spanisch, ging ich doch davon aus, dass die Herren spanisch sprechen k\u00f6nnen. Der Fahrer, Peter, unterbrach mich dann aber bald und meinte, er verstehe besser englisch. Jetzt war ich so durcheinander, dass ich mit holpernden Worten versuchte, die Situation in englisch zu beschreiben. Letztlich stimmte er zu, uns bis nach Nueva Trinidad zu bringen. Auf dem Weg dahin sprach Peter dar\u00fcber, dass das Leben in Nueva Trinidad auch neu f\u00fcr ihn sein. Er kommt urspr\u00fcnglich aus Ontario, Kanada, und ist erst seit zwei Monaten hier. Peter meinte, er besuche nur einen Teil seiner Familie hier und half die Felder seines Vaters zu bestellen, der vorhatte von Kanada zur\u00fcck nach Mexiko zu ziehen. Dazu pflanzten sie Wassermelonen und Chilli an, was bei guter Ernte ein sicheres Einkommen in Mexiko bedeuten und den Umzug garantieren w\u00fcrde. Wir erfuhren, dass die sogenannten Menonas in englisch &#8220;MENNONITES&#8221; (sprich: Mennoneits) hei\u00dfen. Peter war ein Mennonite, schien f\u00fcr uns aber v\u00f6llig anders als die Mennonites, die wir zuvor kennengelernt und gesehen hatten.<\/p>\n<p>Als wir in Nueva Trinidad ankamen, half uns Peter einen Zeltplatz f\u00fcr die Nacht zu finden. Dazu holte er vorher die Erlaubnis seines Onkels ein und wir konnten alsbald unser Zelt hinter deren Haus aufstellen. Beim Zeltbau, wie bereits beim Aussteigen aus dem Wagen, beobachteten wir die M\u00e4dchen im Haus, die sich gerade ihre Haare herrichteten.<\/p>\n<p>Wir hatten gerade aufgebaut, da kam Peter mit seiner Tante Helene zu uns hinaus. Helene war gerade erst nach Hause gekommen, hatte von uns geh\u00f6rt und schlug uns besonders wegen der l\u00e4stigen Ameisen vor, f\u00fcr die Nacht ins Haus umzuziehen. Wir packten also alles wieder zusammen und wurden dann ins Haus gef\u00fchrt. Vom Korridor gingen vier Eing\u00e4nge ab die statt T\u00fcren Vorh\u00e4nge hatten, welche nur bis zu den Knien und nicht ganz bis auf den Boden reichten. Unser Zimmer enthielt ein grosses Bett, dass noch schnell von Helene hergerichtet wurde. Dazu brachte sie zwei Kissen und eine Kuscheldecke. Das Fenster hatte selbstgen\u00e4hte Vorh\u00e4nge, die denen an der T\u00fcr glichen, nur entsprechend k\u00fcrzer waren. Das Zimmer war ausserdem mit einer Kommode, einem Tisch, einem Mini-Sofa (f\u00fcr Kinder) und zwei St\u00fchlen ausgestattet. Der Boden war geflie\u00dft und alles blitzte als w\u00fcrde keiner darin leben. Das Zimmer erschien uns etwas karg, aber wir freuten uns, dass wir drinnen schlafen konnten und damit endlich das Leben der Mennonites unmittelbar erleben konnten ;D<\/p>\n<p>Wir wurden kurz darauf zum Abendbrot gebeten. Wir gingen dazu ins gegen\u00fcberliegende Haus, dass aus einem gro\u00dfen Essraum, einer kleinen K\u00fcche, einem Badezimmer, einem Vorratsraum und einem Schlafzimmer bestand. Als wir hereintraten, sass Peter bereits auf einen der vier Plastikst\u00fchle, die an der Eingangst\u00fcr standen. Wir setzten uns hinzu und redeten noch ein wenig mit ihm, w\u00e4hrend Helena noch dabei war den Tisch zu decken. Ihre beiden T\u00f6chter, die ca. 13 und 17 Jahre alt waren, k\u00fcmmerten sich um die Zubereitung des Essens in der K\u00fcche. Wann auch immer sie an der T\u00fcr vorbei mussten, schauten sie uns neugierig an, sagten aber keinen Ton. Dann kam der Herr des Hauses, Herr Neufeld, in den Essraum. Wir stellten uns vor und er setzte sich kurz darauf auf einen Stuhl ca. 3 m entfernt von uns. Wir sprachen auf spanisch und ich erkl\u00e4rte ihm, warum wir nach Nueva Trinidad gekommen waren. Es war ein stockendes Gespr\u00e4ch, aber nett. Als wir dann alle an den Tisch gebeten wurden, warteten wir darauf, dass Herr Neufeld uns die Pl\u00e4tze zuwies. Diesr Prozess des Wartens bis der Hausherr uns die Pl\u00e4tze zuwie\u00df, war bei jedem Essen der Gleiche. Wir sassen dann zusammen mit Peter auf einer Bank und auf der anderen Seite des Tisches sassen Herr Neufeld und seine Frau Helene. Die beiden T\u00f6chter in der K\u00fcche wurden nicht an den Tisch gebeten (was auch in der Tradition verankert scheint), beobachteten uns aber weiterhin mit neugierigen Blicken und versuchten jedes Wort zu verstehen. Auf dem Tisch standen Eierkuchen mit Bananen, Br\u00f6tchen und Marmelade. Ausserdem gab es Wasser und Kaffee zu trinken. Bevor wir allerdings mit dem Essen begannen, falteten Herr Neufeld, Helena und Peter ihre H\u00e4nde f\u00fcr ein Gebet. Obwohl wir nicht religi\u00f6s sind, taten wir das aus Respekt auch und senkten unsere Blicke. Wir warteten bis sich alle drei wieder r\u00fchrten und kamen dann erst aus unserer Betposition heraus. Da die Eierkuchen mit Milch zubereitet waren, konnte ich nicht am Verzehr dieser lecker riechenden Speise teilhaben. Aber immerhin gab es selbstgebackene Br\u00f6tchen mit Marmelade, die ich auch schon ewig nicht mehr gegessen hatte. Es war ein Schmaus, vor allem weil wir w\u00e4hrend des Tages ausser trockener Tortillas, die nicht sehr schmackhaft sind, nichts weiter gegessen hatten. <\/p>\n<p>Herr Neufeld stellte so einige Fragen, unter anderem ob es in Deutschland auch Messen in der Kirche g\u00e4be. Ich antwortete mit &#8220;JA&#8221;, wobei mir klar war, dass Herr Neufeld nun annahm, dass ich katholisch sei. Noch dazu fragte Herr Neufeld, ob die Bibel in Deutschland den gleichen Inhalt h\u00e4tte wie die ihrige. Ich meinte darauf nur, &#8220;Ich denke schon. Wer sollte denn den Inhalt der Bibel \u00e4ndern?&#8221; Ojeh! Ich bef\u00fcrchtete, dass noch weitere solcher Fragen kommen w\u00fcrden, die am Ende dazu gef\u00fchrt h\u00e4tten, dass wir als Atheisten in dieser so stark religi\u00f6s gepr\u00e4gten Gemeinschaft blo\u00dfgestellt worden w\u00e4ren. Ob das gut oder schlecht gewesen w\u00e4re wussten wir nicht, aber es bereitete uns einige Kopfzerbrechen. Zum Abschluss des Abendessens beteten wir wieder und \u00fcberliessen dann das Abr\u00e4umen des Tisches den beiden T\u00f6chtern.<\/p>\n<p>Wir wurden anschlie\u00dfend direkt vom Esszimmer zum Schlafzimmer der Neufelds gebracht. Dort wurden wir auf die zwei sch\u00f6nsten St\u00fchle zitiert, die direkt gegen\u00fcber dem Eingang des Zimmers an der Wand in einer Reihe standen. Neben uns stand ein Tisch, auf dem die Bibel lag. Herr Neufeld nahm auf einem an der Wand lehnenden Stuhl schr\u00e4g gegen\u00fcber von uns Platz. Helene r\u00fcckte sich einen Stuhl zu uns heran, wobei ich nun zwischen Augustas und Helene sa\u00df. Direkt neben dem Zimmereingang stand ein weiterer Stuhl, auf dem Peter Platz nahm. Ansonsten war auch dieses Zimmer sehr karg eingerichtet und nicht viel von dem Unseren zu unterscheiden. Mir schlug das Herz nun wieder bis zum Hals, da sich meine Bef\u00fcrchtung, dass wir uns aus dem Deckmantel einer Religion begeben mussten, der wir nicht angeh\u00f6rten, zu bewahrheiten schien. Noch in Gedanken versunken, schlug Herr Neufeld auch schon die Bibel auf. Ich dachte schon, jetzt ist es aus, da ich wohl einen Psalm ausw\u00e4hlen sollte, der besonders auf den heutigen Tag passte. In diesem Moment \u00fcbergab mir Herr Neufeld die ge\u00f6ffnete Bibel und fragte, ob sie in deutsch geschrieben w\u00e4re. Ich bejahte das, obwohl die Bibel in altdeutscher Schrift verfasst war. Ich dankte in diesem Moment meiner wundervollen Mutter, die mir als Kind das Lesen der altdeutschen Schrift beigebracht hatte! Danke Mutti!!! Somit konnte ich fast problemlos die aufgeschlagenen Seiten vorlesen und das Gespr\u00e4ch wendete sich dahin, dass wir \u00fcber die Unterschiede unserer Aussprache diskutierten. Immerhin sprachen wir ja alle deutsch, nur dass die Mennonites eine Art Nieder- und nicht Hochdeutsch sprachen. Sp\u00e4ter la\u00df Herr Neufeld den gleichen Text in seiner Sprache vor und ich war erstaunt, dass ich eigentlich nichts davon verstand. <\/p>\n<p>Kurz danach zeigte sich dann unsere M\u00fcdigkeit deutlich und wir wurden gen Schlafzimmer entlassen. Obwohl wir gern noch eine Dusche genommen h\u00e4tten, ich dies auch so \u00e4u\u00dferte, Herr Neufeld mich aber falsch verstanden hatte, gingen wir Dreckspatze dann schmutzig und mit stinkenden F\u00fc\u00dfen zu Bett. Um das weisse Laken nicht am Morgen mit Schmutzspuren vorzufinden, zogen wir dann einfach frische Socken \u00fcber unsere F\u00fc\u00dfe und schliefen daraufhin etwas unruhig ein. Es war schlie\u00dflich ein sehr aufregender Tag gewesen, den wir erstmal verdauen mussten.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen gab es dann die ersehnte, eiskalte! Dusche und Br\u00f6tchen mit Marmelade zum Fr\u00fchst\u00fcck. Wir beteten wieder zweimal und dann ging es auf nach Hopfelch\u00e9n, um den Vater und Cousin von Peter abzuholen. Die waren n\u00e4mlich in der Nacht in Cancun angekommen und von da aus \u00fcber Merida mit dem Bus bis nach Hopelch\u00e9n gereist. <\/p>\n<p>Wir fuhren zuvor noch durch einige L\u00e4ndereien, um etwas mehr von dem Leben der Mennonites zu sehen. Die Mennonites in Nueva Trinidad leben haupts\u00e4chlich von der Farmarbeit. Die H\u00e4user sind mit grossem Abstand zur n\u00e4chsten Familie angelegt und grenzen meist unmittelbar an die zu bestellenden Felder. In dieser Region wurden vorwiegend Mais, Chilli, Tomaten, Wassermelonen und Bohnen angebaut. Wir fuhren auch an der Kirche vorbei, wo sich f\u00fcr uns ein Spektakel besonderer Klasse bot. Der ganze Fuhrpark vor der Kirche bestand einzig und allein aus etlichen, jahrhundertealten Pferdewagengespannen. Es ist eine Tradition, dass man Sonntags mit dem Pferdewagen vor der Kirche vorf\u00e4hrt oder zu Fuss kommt. Leider sahen wir keine Menschenseele, da alle in der Kirche f\u00fcr die Messe versammelt waren.<\/p>\n<p>In Hopelch\u00e9n angekommen, trafen wir bald auf Isaak, den Bruder von Helene und Vater von Peter, sowie Jonas, Peters Cousin. Die beiden kamen frisch aus Kanada an, wo sie lebten. Isaak ist in Mexiko aufgewachsen und pflanzt deswegen Wassermelonen und Chilli in Nueva Trinidad an, damit er mitsamt seiner Familie wieder zur\u00fcckkehren kann. Isaak und Jonas waren wie Peter recht locker in ihrer Art, doch anfangs noch etwas zur\u00fcckhaltend. Als wir dann besser ins Gespr\u00e4ch kamen und Isaak die Fahrerrolle \u00fcbernahm, wandelte sich die Atmosph\u00e4re dieser anderen Welt, die wir den Tag zuvor mit den Mennonites in Nueva Trinidad erlebt hatten, ein wenig hin zu der Welt, die wir kennen. Dadurch konnten wir uns ein wenig entspannen und sahen das Leben der Mennonites von einer anderen Perspektive. Uns wurde klar, dass die Mennonites nicht \u00fcberall ihr Leben abgeschottet von der heutigen Zivilisation leben. Auch lernten wir Helene besser kennen, die total unternehmungslustig und unkompliziert war. Trotz das sie die \u00fcbliche, traditionelle Kleidung, ein dunkelfarbiges Kleid und dunkles Kopftuch, trug, wirkte sie ansonsten sehr weltoffen. Wir fuhren dann noch ein wenig in Hopelch\u00e9n herum, weil Helene meinte, wir m\u00fcssten etwas essen, da wir erst sp\u00e4t zu Hause sein w\u00fcrden. Wir lehnten das ab, da wir ihnen keine Umst\u00e4nde machen wollten, sie bestand aber darauf etwas zu essen zu suchen. Da die Restaurants gegen 11Uhr noch geschlossen waren, liefen wir dann irgendwann einen \u00fcberdachten Marktplatz an. Da Helene sich Sorgen machte, was sie uns zu Essen anbieten k\u00f6nnte, gingen Augustas und ich zum Obst- und Gem\u00fcseh\u00e4ndler. Ich hatte n\u00e4mlich gestanden, dass ich weder Fleisch, H\u00fchnchen, Fisch noch Milchprodukte esse. Da wusste Helene nicht mehr weiter. Im Obst- und Gem\u00fcseladen angekommen, vereinbarten Augustas und ich, dass wir an jenem Tage f\u00fcr die Familie etwas kochen w\u00fcrden. Das wollten wir einerseits, um uns etwas dankbar zu zeigen, andererseits um ihnen ein Mahl aufzutischen, was wir so gew\u00f6hnlich essen. Wir er\u00f6ffneten diese Absicht dann, als wir zur\u00fcck am Auto waren und blickten in hellauf begeisterte Gesichter.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg nach Nueva Trinidad fuhren wir diesmal auf den Feldern von Isaak vorbei. Wir sahen dabei, wie aus einem halben Dschungel Nutzfl\u00e4chen gezaubert werden, wie Melonen- und Chillipflanzen aussahen und das es in jenem Bezirk eine spezielle Erlaubnis f\u00fcr Pick-Ups gab. Die standen n\u00e4mlich bei fast allen H\u00e4usern dieses Bezirkes draussen vor der T\u00fcr. An sich ist das ja nichts ungew\u00f6hnliches, wenn man aber die Welt der Mennonites in Nueva Trinidad gesehen hat und weiss, dass ausser Traktoren keine Fahrzeuge erlaubt sind, ist das schon aufregend. <\/p>\n<p>Die Pflanzen von Isaak wuchsen pr\u00e4chtig und er erkl\u00e4rte uns, dass diese in zwei bis drei Monaten erntereif w\u00e4ren. Wir konnten das uns kaum vorstellen, da ja gerade mal Mini-Ans\u00e4tze von Fr\u00fcchten zu sehen waren. Gerade bei den Wassermelonen, die hier locker sechs Kilo auf die Wage bringen, war es irgendwie unvorstellbar.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck bei Neufelds im Haus, gab es dann etwas Schnelles zu Essen. Der Tisch war reich gedeckt mit H\u00e4hnchenkeulen, Sahne-Kartoffeln, Br\u00f6tchen, Tortillas, Salat und Tomaten. Wir beteten alle gemeinsam, was aber diesmal deutlich k\u00fcrzer ausfiel als zuvor mit den Neufelds allein. Helene war mal wieder um mich besorgt, was sie mir denn Essbares anbieten k\u00f6nnte. Ich hatte schon eine Idee, was ich mit den f\u00fcr mich in Frage kommenden Speisen machen konnte und fragte daraufhin nach Salz und Pfeffer. Helene fing sofort an zu flitzen und brachte auch noch Mayonnaise mit. Ich machte mir dann Br\u00f6tchen mit Salat, Tomaten, Mayonnaise, Pfeffer und Salz und fand es einfach k\u00f6stlich! Sp\u00e4ter ersetzte ich das Br\u00f6tchen durch Tortilla, was auch schmeckte, aber an den Geschmack des Br\u00f6tchens einfach nicht heranreichte.<\/p>\n<p>Nach dem Essen gingen Augustas und ich ein wenig an die frische Luft. Da Isaak draussen am Auto stand, fragte Augustas ihn ob wir am kommenden Tag mit ihm Richtung Dzibalch\u00e9n mitfahren k\u00f6nnten, um unsere Reise fortzusetzen. Er stimmte zu und bald entwickelte sich ein reges Gespr\u00e4ch mit ihm. Wir konnten endlich all unsere Fragen loswerden, die Isaak mit einer Engelsgeduld und einer gesunden Kritikf\u00e4higkeit beantwortete. <\/p>\n<p>Die Mennonites, die wir kennenlernten, hatten ihren Ursprung in Chihuahua und Zacatecas, zwei Staaten im Norden Mexicos. Isaak ist vor vielen Jahren, als er nur zwei Kinder hatte, mit seiner Frau nach Kanada gegangen. Mittlerweile hat er vierzehn Kinder, von denen das J\u00fcngste gerade zwei Jahre alt ist. Isaak selbst ist gerade mal 41 Jahre alt, was bez\u00fcglich der Nachwuchsrate wirklich eine Leistung ist. Da die Mennonites aber sehr religi\u00f6s aufwachsen, eine Religion die am Christentum orientiert ist, und Gott sie lehrt &#8220;fruchtbar&#8221; zu sein, ist eine Anzahl von 14 Kindern keine Seltenheit. Isaak meinte, dass er vielleicht etwas dumm war, dieser Regel zu folgen, aber andererseits fand er es wiederum auch gut. Nur das er halt nicht wie wir einfach so herumreisen konnte, dass machte ihm zu schaffen. Die Kinder gehen nur 6 Jahre (meist) in die gemeindeeigene Schule. Zumindest ist das in Nueva Trinidad so. In Kanada dagegen besuchen Isaaks Kinder die normale staatliche Schule, sind also in das Leben dort besser integriert. Auch gehen sie l\u00e4nger zur Schule und lernen mehr als die Mennonites in Nueva Trinidad. Den Nachteil in einer derartig kurzen Schulzeit sah Isaak darin, dass die Erwachsenen meist keine B\u00fccher lesen w\u00fcrden, kaum schreiben k\u00f6nnten und besonders Schwierigkeiten beim Ausf\u00fcllen von Formularen, z.B. wenn jemand nach Kanada zieht, haben. Andererseits vertritt er die Einstellung, dass es besser ist einfach gestrickte Leute zu haben, die sich f\u00fcr die Farmarbeit nicht zu schade sind. Sobald die Kinder einen h\u00f6heren Schulabschluss haben und vielleicht sogar studieren, empfinden sie die Farmarbeit als minderwertig. Isaak, obwohl er den traditionsreichen Regeln der Gemeinde bei einer erfolgreichen Ernte und einem baldigen Umzug nach Nueva Trinidad folgen m\u00fcsste, war ein recht moderner Mann. Das konnte man auch an seinem G\u00fcrtel sehen, der von Calvin Klein war. Trotz dieser modernen Kleidung h\u00e4tte Isaak keine Probleme in die blauen Tr\u00e4gerhosen und weiss-gestreiften Shirts zu wechseln. Auch m\u00fcsste er seinen Pick-Up verkaufen, da er sonst nicht die Erlaubnis erhalten w\u00fcrde, in der Gemeinde ein Haus zu bauen. Mittlerweile beginnen die Mennonites in Nueva Trinidad aber, Neuheiten in ihren Haushalt Einzug zu gew\u00e4hren. Nat\u00fcrlich muss so etwas immer mit dem Pastor und den Gemeindevorstehern besprochen werden. Wenn die Erlaubnis erteilt wird, kann wie bei den Neufelds ein moderner Gasherd, eine Waschmaschine, ein K\u00fchlschrank und sogar eine Mikrowelle ihren Platz finden. \u00dcbrigens finden die Mennonites Fernsehen faszinierend, aber es ist halt nicht erlaubt. Sollte jemand gegen diese Regel versto\u00dfen muss er damit rechnen, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, was einen Umzug gleichkam. Radios hatten die Mennonites auch nicht und Zeitung la\u00dfen sie aus dem Grund nicht, da sie Schwierigkeiten beim Lesen haben. Was Isaak noch immer \u00e4rgerte war, dass er als Kind Sehprobleme hatte, aber keiner mit ihm zum Optiker ging. Das scheint also auch sehr un\u00fcblich zu sein. Sp\u00e4ter, als Isaak dann seine Fahrerlaubnis in Kanada machen wollte, wurde ein Sehtest verlangt, der erforderte, dass Isaak eine Brille trug. Das tat er aber nur kurze Zeit, da er sich einfach nicht an dieses Nasengestell gew\u00f6hnen konnte. Irgendwann lie\u00df er dann mittels Laser seine Augen korrigieren und konnte von da an &#8211; bis heute &#8211; problemlos sehen. Der Preis f\u00fcr diese OP lag bei 3.500 $, was seiner Meinung nach besser war, als alle Jahre wieder 500 $ f\u00fcr eine neue Brille auszugeben.<\/p>\n<p>Die Sprache der Mennonites ist stark an das heutige Niederl\u00e4ndisch angelehnt. Isaak best\u00e4tigte das, da er in Kanada des \u00d6fteren auf Niederl\u00e4nder traf.<\/p>\n<p>Irgendwann kam dann auch die Tochter von Helene mit ihrer ganzen Familie vorbei. Wir sahen sie schon von Weitem, die Tochter im gleichen Kleid und mit Kopftuch wie Helene, die drei gr\u00f6sseren Jungs mit den typisch blauen Tr\u00e4gerhosen, weiss-gestreiften Shirts und Cowboyh\u00fcten und das M\u00e4dchen mit einem r\u00f6tllichen Kleid. \u00dcbrigens sind alle Kleider, die von den Erwachsenen und Kinder immer einheitlich gen\u00e4ht. Die Falten werden gleich gelegt, die gleichen Kn\u00f6pfe verwendet und selbst auf der Tr\u00e4gerhose prangte ein kleines weisses Schild, was ein fr\u00fcher existierendes Logo ersetzte. Die Kleidung des Mannes war an die von Isaak angelehnt und der Kleinste der Familie f\u00fcgte sich auch nicht in die Reihe der Einheitskleidung ein, da er noch nicht laufen konnte. Der Kinderwagen des J\u00fcngsten war ein sehr moderner Kindersportwagen. Ich wunderte mich dar\u00fcber ein wenig, als uns David, der Mann von Helenes Tochter, sp\u00e4ter aber erz\u00e4hlte, dass sie gerade erst aus Kanada zur\u00fcckk\u00e4men, ging mir ein Licht auf. <\/p>\n<p>Als wir uns dann draussen niederliessen, verspeiste die ganze Familie gen\u00fcsslich schmatzend Sonnenblumenkerne. Die waren noch nicht gesch\u00e4lt und obwohl die Mennonites sonst alles &#8211; im und vor dem Haus &#8211; 1A in Ordnung halten, spuckten sie beim Essen der Sonnenblumenkerne die Schalen auf der ganzen Veranda herum. Sp\u00e4ter wurde dann alles einfach weggekehrt. Dabei musste Susi, dass einzige M\u00e4dchen der f\u00fcnf Kinder, mit Besen und Schaufel hantieren. Sie brachte alles ohne zu Murren und half sauber zu machen. Susi war 5 Jahre alt und k\u00fcmmerte sich auch viel um den J\u00fcngsten. Wann immer der Kleine die Veranda krabbelnd erkundete und nahe dran war ins Grass herunterzufallen, nahm sie ihn an beiden Armen hoch und lief mit ihm \u00fcberall herum. Sie war eine richtige Frohnatur, wie eigentlich alle Kinder von David.<\/p>\n<p>Wir sprachen so lange miteinander, dass es bereits 16:30 Uhr war und wir uns langsam ans Kochen machen mussten. Zum ersten Mal in der K\u00fcche mussten wir feststellen, dass es weder einen Wasserhahn, noch ein Abwaschbecken gab. Es wurde also mit Sch\u00fcsseln und T\u00f6pfen hantiert, um das Gem\u00fcse zu waschen, schneiden und letztlich auf dem Herd gar werden zu lassen. In einem Topf kochten wir Reis mit Erdn\u00fcssen und Salz, in einem anderen M\u00f6hren, Chayote, Oregano und Kartoffeln, und in der Pfanne bereiteten wir eine Mischung aus Zwiebeln, Tomaten, Gurken, Pfeffer, Salz und Salsa Casera zu. Das alles reicherten wir noch mit einer kleingeschnittenen Apfelsine an und sch\u00fctteten alles zusammen in einen Topf. Dann w\u00fcrzten wir noch ein wenig mit Salz, Pfeffer, Basilikum und Petersilie nach und fertig war das Mahl. Hatten wir zuvor gedacht, dass dieses Mahl nicht einmal f\u00fcr 5 Leute ausreichend w\u00e4re, stellte sich heraus, dass es selbst f\u00fcr 15 Personen reichte und am Morgen zum Fr\u00fchst\u00fcck sogar noch zwei volle Sch\u00fcsseln da waren. Es war eine neue Erfahrung f\u00fcr die Mennonites und sie genossen es. Isaak und David a\u00dfen dazu jeder noch eine ganze Chillischote. Danach kochten die Beiden innerlich auf 200\u00b0C. Sie zogen die Luft ein, als w\u00fcrden sie eine zu hei\u00dfe Suppe essen und hatten purpurrote Gesichter. Ich glaube so nach 3 Stunden ging es ihnen dann wieder besser. Soviel zu der St\u00e4rke, die hier in Chillischoten zum Tragen kommt.<\/p>\n<p>Wir sassen dann noch bis sp\u00e4t in die Nacht draussen und redeten \u00fcber alles m\u00f6gliche. David erz\u00e4hlte uns zwei Streiche, die er seiner Frau gespielt hatte. Einmal bat ihm seine Frau den Boden zu wischen, worauf er meinte, dass er dass nicht machen kann, weil er dazu einen Wischmob f\u00fcr Linksh\u00e4nder ben\u00f6tigte. Ansonsten w\u00fcrde er den Boden nicht richtig sauber machen k\u00f6nnen. Seine Frau \u00fcbernahm die Arbeit also selbst, da sie nicht wusste, wo sie einen Wischmob f\u00fcr Linksh\u00e4nder herbekommen sollte. Als sie dann fertig war meinte er, &#8220;ich h\u00e4tte das ebensogut mit diesem Wischmob gemacht; es gibt n\u00e4mlich gar keinen Wischmob f\u00fcr Linksh\u00e4nder&#8221;. Der andere war, dass er und seine Frau mit dem Auto im Nebel unterwegs waren und er sie bat auf der Landkarte nachzuschauen, wie lange der Nebel noch anhalten w\u00fcrde. Sie schaute in die Karte, stutzte und fragte &#8220;was soll ich gleich nochmal nachschauen?&#8221;. Er wiederholte sich, worauf seine Frau kurze Zeit sp\u00e4ter meinte &#8220;aber wie bitte sch\u00f6n kann ich das in der Landkarte finden?&#8221; Wir konnten uns vor Lachen kaum halten. Als seine Frau dann meinte, es w\u00e4re an der Zeit solche Anekdoten auch \u00fcber ihn zu erz\u00e4hlen, wurde David ganz ruhig und versuchte vom Thema abzulenken ;D<\/p>\n<p>Wir verabschiedeten uns irgendwann und versprachen, am n\u00e4chsten Morgen, bevor wir weiterziehen, noch bei David vorbeizukommen. Er wollte uns sein Haus zeigen, dass er allein mit Hilfe des Sohnes von Jacob (den wir zu Beginn unseres Mennonite Abenteuers trafen) baute. Am Morgen stand Davids gesamte Familie wieder vor dem Haus und noch vor dem Fr\u00fchst\u00fcck wurden die verschiedensten Sachen erledigt. Wir fuhren dann mit Isaak, Peter und Jonas zu Davids Haus, waren erstaunt \u00fcber die Bauweise und bewunderten, wie schnell der Hausbau hier voranschritt. Das lag vor allem daran, dass sie nicht einzelne Ziegel \u00fcbereinandersetzten, sondern mit Hilfe von eisernen Formen, Stahl und Zement die W\u00e4nde formten. Augustas fand noch heraus, dass Jacobs Sohn f\u00fcr seine Arbeit so um die 15-20$(Pesos) pro Tag verdient. <\/p>\n<p>Zur\u00fcck bei der Familie machten wir noch ein Foto, diesmal auch mit der Frau von Jakob (s.o.) und zogen dann unserer Wege.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>followtheroad.com Hallo, wie bereits angk\u00fcndigt, kommen hier nun unsere Erfahrungen mit den Mennonites, einer religi\u00f6sen Gemeinschaft, die wie Jahrhunderte zuvor gekleidet sind und teilweise auch noch so leben. Wir machen uns heut wieder auf die Socken, da wir hier in Palenque einfach keinen Kontakt mit den Einwohnern herstellen k\u00f6nnen. 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