{"id":435,"date":"2007-08-22T00:00:00","date_gmt":"2007-08-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/gottliche-begegnungen-und-aufraumarbeiten-der-robocops\/"},"modified":"2007-08-22T00:00:00","modified_gmt":"2007-08-21T22:00:00","slug":"gottliche-begegnungen-und-aufraumarbeiten-der-robocops","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/gottliche-begegnungen-und-aufraumarbeiten-der-robocops\/","title":{"rendered":"G\u00f6ttliche Begegnungen und Aufr\u00e4umarbeiten der Robocops (Juli 2 &#8211; 4)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/IMG_5219.JPG\" title=\"dreaming while eating\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/cache\/IMG_5219.JPG-nggid041813-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"dreaming while eating\" title=\"dreaming while eating\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">dreaming while eating<\/p><\/div>\n\n<p>Unsere Abreise von La Mucuy gestaltete sich etwas schwierig. Dort oben bestand n\u00e4mlich morgens um 7 Uhr keinerlei Transportm\u00f6glichkeit. Das hie\u00df also f\u00fcr uns hinunterlaufen, zumindest bis zu dem Dorf La Mucuy. Eine Hoffnung hatten wir noch. Wir sahen ein junges P\u00e4\u00e4rchen, das am sp\u00e4ten Abend unbemerkt sein Zelt nahe dem unseren aufgebaut hatte. Nun packten sie, wie auch wir, ihr Hab und Gut zusammen und brachten alles zu ihrem Auto. Das war die perfekte Gelegenheit bis nach Tabay zu kommen. Wir versuchten also schnell zu sein, um die Beiden an der Strasse abzufangen. Wir h\u00e4tten auch nachfragen k\u00f6nnen, wollten aber nicht aufdringlich wirken. Wir liefen die ersten Meter in Richtung La Mucuy, da tauchten sie mit ihrem roten Ford auf. Wir hielten l\u00e4chelnd unsere Daumen hoch und h\u00e4tten wirklich erwartet, dass&#8230; Sie nahmen uns nicht mit. Sie fuhren, auch l\u00e4chelnd, an uns vorbei und obwohl sie in unserem Alter waren, kamen sie nicht im Entferntesten auf die Idee f\u00fcr uns anzuhalten. Etwas frustriert zogen wir weiter. Wie konnte das nur sein? Wir hatten fast Kopf an Kopf die Nacht im Park verbracht und nun lie\u00dfen sie uns einfach stehen. Naja, weiter. Das n\u00e4chste Auto kam. Darin sassen zwei der Waldarbeiter, die uns die vorherigen Tage bereits \u00fcber den Weg gelaufen waren. Sie hatten sehr viel Platz in ihrem Wagen, doch fuhren auch sie einfach an uns vorbei. Und auch das dritte, unverhofft auftauchende Gef\u00e4hrt, in dem ein einzelner Herr sa\u00df, hielt nicht f\u00fcr uns an. Oh, war ich vielleicht frustriert! Ich kriegte es einfach nicht in meinen Kopf hinein, wie Leute, die um die Situation dort oben im Nationalpark wissen, uns einfach stehen lassen k\u00f6nnen, noch dazu da sie unendlich viel Platz in ihren Autos hatten. Verdammt nochmal! Das kann es doch gar nicht geben! Ich kochte vor Wut. Ich nahm mir vor, wenn wir an den Eingang zum Nationalpark La Mucuy kommen, werde ich den Waldarbeitern geh\u00f6rig meine Meinung sagen. Und zwar ironisch-sarkastisch, damit sie ein f\u00fcr allemal verstehen, dass man sich dort oben gegenseitig helfen sollte! Als wir dann endlich den Eingang des Nationalparks zu Fu\u00df erreichten, fanden wir niemanden vor, gar niemanden. Ich musste meinen \u00c4rger also verrauchen lassen, ich konnte ihn ja eh nicht adressieren.<\/p>\n<p>Wir kamen nach ca. 1 Stunde, das Gep\u00e4ck auf die Schultern und in den R\u00fccken dr\u00fcckend, die Beine heiss und schwach, endlich im Dorf La Mucuy an. Dort warf gerade einer dieser Safari-Transporter-Fahrer seine Maschine an. Wir baten ihn, uns kostenlos mitzunehmen, was er uns nicht erlaubte. &#8220;Ich befinde mich bereits auf Arbeit, ich bin nicht privat unterwegs.&#8221; Wir akzeptierten also den von ihm vern\u00fcnftig angebotenen Preis von 2.000 Bolivar (0,80\u20ac) f\u00fcr uns beide und fuhren mit all den anderen, sp\u00e4ter am Stra\u00dfenrand Wartenden bis hinunter nach Tabay.<\/p>\n<p>In Tabay schien unser Ausgangspunkt etwas ungl\u00fccklich, doch schafften wir es nach einer halben Stunde einen Lift zu bekommen. Der Herr war auf dem Weg nach Merida und hatte eine Flasche mit einem Vodka-Mixgetr\u00e4nk neben sich stehen. Er erkl\u00e4rte uns, dass er vom An- und Verkauf von Autos lebe und zudem einen Lebensmittelladen unterhielt, f\u00fcr den er in Merida etwas besorgen m\u00fcsste. In seinem Auto lagen viele Aprikosen herum, von denen er uns gro\u00dfz\u00fcgig naschen liess. Ich steckte meine Aprikose in die Tasche, da sie so dreckig war, dass sie erst einmal in die Reinigung musste.<\/p>\n<p>In Merida wurden wir an einer grossen Strasse herausgelassen, die uns hoffentlich in Richtung Ejido, San Cristobal und letztlich zur venezuelanisch-kolumbianischen Grenze bringen w\u00fcrde. Wir mussten ein ganzes St\u00fcck laufen. Da sich wegen eines Staus eine lange Schlange voller Autos gebildet hatte, an denen wir zu Fuss vorbeizogen, schauten wir uns die Nummernschilder genau an. Da waren einige dabei, die uns n\u00e4her nach Kolumbien bringen konnten. Wir fragten dann einfach drei junge M\u00e4nner, die in einem Pick-Up unterwegs waren. Sie liessen uns einsteigen und nahmen uns bis in die N\u00e4he von Ejido mit. Dort hie\u00df es wieder lange Laufen und Kl\u00e4ren, wo genau wir unsen Weg fortsetzen konnten. Leider gab es zwei Wege, die in unsere Richtung f\u00fchrten. Einen, der mitten durch der Kleinstadt Ejido ging, der andere, der Ejido nahezu umfuhr. Uns wurde angeraten, den zweiten Weg zu w\u00e4hlen, obwohl die meisten Fahrzeuge den ersten bevorzugten. Aber vielleicht wollten sie ja alle nur nach Ejido&#8230;<\/p>\n<p>Da standen wir nun an einer Br\u00fccke in Ejido, die Sonne auf unserer Haut brennend. Endlich hielt jemand an, der nur ein kleines St\u00fcck weiter wollte. Wir erkl\u00e4rten ihm, wo wir hinwollten und er war bereit, uns bis zu einem sicheren Platz zu f\u00fchren, an dem wir unseren Weg getrost per Anhalter fortsetzen konnten. &#8220;Hier&#8221;, meinte er, &#8220;wird euch sonst niemand mitnehmen.&#8221; Nun gut, wir stiegen ein und bald an einer grossen Strasse wieder aus. Die Strasse war auf beiden Seiten dreispurig und in der Mitte verkehrte ein niegelnagerneuer Trolleybus. Alles sah wie geleckt aus und erinnerte eher an eine europ\u00e4ische, als eine venezuelanische Erschaffung. <\/p>\n<p>Da standen wir nun, mal wieder voll der Sonne ausgesetzt, an einer Ampel, an der der Verkehr derma\u00dfen hoch war, dass wir au\u00dfer Armkr\u00e4mpfen mit dem Trampen nichts bewirkten. Noch dazu befand sich hinter uns eine Baustelle, in die st\u00e4ndig Baufahrzeuge hinein- und herausgelassen wurden. Und wir mussten daf\u00fcr jedesmal unsere Position aufgeben. Da wir eh noch nicht am Ende von Ejido angekommen schienen (wir standen in einer Kurve, konnten also nicht sehen, was noch vor uns lag), sattelten wir eben wieder unser Gep\u00e4ck auf und liefen ein paar weitere Kilometer. An einer Bushaltestelle vor einem Einkaufszentrum angekommen machten wir eine kurze Verschnaufspause. Wir st\u00e4rkten uns und da sich auch dort keine Erfolge beim Trampen verzeichnen lie\u00dfen gingen wir noch ein St\u00fcck weiter. Dann entschieden wir uns endlich f\u00fcr den Bus, denn Ejido schien nie zu enden. Mit dem Bus erreichten wir nahezu das Ende der Kleinstadt und watschelten den letzten Kilometer bis zu einer g\u00fcnstigen Anhalterstelle.<\/p>\n<p>Dann endlich wurden wir belohnt. Ein Herr war auf dem Weg nach La Vigia. Wir konnten diesen Ort nicht in unserer Landkarte finden, lie\u00dfen uns also erkl\u00e4ren, wo mehr oder weniger die Kleinstadt lag. Mit dem sicheren Gef\u00fchl, dass wir uns auf dem richtigen Weg befanden, lehnten wir uns entspannt in unseren Sitzen zur\u00fcck. Wir h\u00f6rten des Fahrers Geschichte \u00fcber die Paramilit\u00e4re zu, die er vor knapp 3 Jahren kurz hinter der Grenze von Kolumbien, in der N\u00e4he von Puerto Santander, erlebt hatte. Die Paramilit\u00e4re nahmen ihm sein Auto ab und wollten seine Frau behalten, da sie einen sehr europ\u00e4ischen Einschlag hatte und sich damit gut als Gelddruckmittel gegen die Politiker einsetzen lassen w\u00fcrde. Ich weiss nicht mehr genau wie, aber am Ende lie\u00dfen sie seine Frau in Ruhe. Unser Fahrer hatte auch ein unausgesprochen gutes Wissen \u00fcber die Geschichte Venezuelas sowie Gran Colombia, das einst die Region von Venezuela, Kolombien, Panama und Ecuador umfasste und zu Simon Bolivar&#8217;s Zeiten existierte. Sein historisches Wissen wusste er immer Gedichten, Philosophien und Ansprachen von bekannten Pers\u00f6nlichkeiten zu untermalen. Er lie\u00df uns auch das Versprechen abgeben, dass, sobald wir in Ekuador w\u00e4ren, wir auf jeden Fall am Grab von Sucre vorbeischauen w\u00fcrden. Pl\u00f6tzlich sahen wir eine Weggabelung. F\u00fcr uns, die wir auf dem Weg nach San Cristobal waren, hie\u00df es nach rechts abbiegen. Unser Fahrer aber fuhr weiter geradeaus, dessen Strasse uns bis La Vigia und sp\u00e4ter La Fria bringen sollte. Das war ein grosser Umweg, den wir nicht gerne in Kauf nehmen wollten. Wir baten ihn also anzuhalten, doch mit seiner Art Reden zu Halten kamen wir mit keinem Argument gegen ihn an. &#8220;Die meisten Autos fahren \u00fcber La Vigia, es ist also besser wenn ihr dort aussteigt&#8230;&#8221; Jaja. Wir gaben auf. In La Vigia angekommen, lie\u00df er uns an einer f\u00fcrchterlichen Kreuzung heraus. Die gesamte Kreuzung war voller Autos, d<br \/>\nie sich im Millimetertakt vorw\u00e4rtsbewegten. Unser Fahrer deutete uns noch die Richtung an und weg war er.<\/p>\n<p>Wir entfernten uns ein wenig von der Kreuzung und nahmen einen Bus bis zum Ende von La Vigia. Wieder mussten wir eine ganze Weile laufen, bis wir endlich eine gute Tramperstelle gefunden hatten. Es war heiss, die Strasse staubig, eine Menge Verkehr, die Luft verpestet mit Abgasen, wir hatten kaum noch einen Schluck Wasser, die Gegend wirkte sehr ausladend und wir waren mittlerweile nicht mehr sehr energievoll. Da wechselten wir die Strategie, wie wir es nennen, wenn wir beim Trampen etwas ver\u00e4ndern. Mir stand schon das Wasser in meinen Bergschuhen, so dass ich mich deren entledigte. Ich atmete gemeinsam mit meinen F\u00fcssen auf. Endlich wieder an der frischen Luft. Augustas ver\u00e4nderte dazu seine Tramp-Strategie und ohne das wir uns versahen, hielt auch schon ein Pick-Up an, der uns bis zu einem Dorf brachte. Dort wurden unsere ausgetrockneten Wasserflaschen wieder aufgef\u00fcllt und wir konnten im Schatten eines riesigen Mangobaumes auf ein weiteres Fahrzeug warten.<\/p>\n<p>Wir hatten wenig Lust weiterzutrampen und lieb\u00e4ugelten bereits mit der M\u00f6glichkeit, die Nacht auf dem Hofe unserer Fahrer zu verbringen. Hier f\u00fchlten wir uns sicher und entspannt. Doch da hielten pl\u00f6tzlich zwei Herren f\u00fcr uns an. &#8220;Wir fahren nach Cucutta (Kolumbien).&#8221; Was? Wahnsinn! Das war der perfekte Lift f\u00fcr den Tag. Die M\u00e4nner stellten sich als ehemalige Rekruten des kolumbianischen Milit\u00e4rs heraus. F\u00fcnfzehn Jahre hatten sie gedient und befanden sich jetzt im Ruhestand. Wir befragten sie ein wenig \u00fcber die Guerillas und Paramillit\u00e4rs. Sie entgegneten darauf, &#8220;die gibt es \u00fcberhaupt nicht.&#8221; Das machte uns nachdenklich. Entweder waren es wirklich Hirngespinste, die durch die Presse ihre Runden machten, oder wir waren direkt an Leute von einer dieser Gruppen geraten. Wir hofften, dass es nicht so war&#8230; <\/p>\n<p>Wir hielten kurz an, um das Auto mit \u00d6l zu versorgen. Ein weiterer Halt fand an einer Tankstelle statt, wo das Gef\u00e4hrt mit neuer Energie versorgt wurde. Nachdem das Auto ges\u00e4ttigt war, drehten die beiden Herren um und fuhren pl\u00f6tzlich an einem Kreisverkehr entgegen unserer eigentlichen Richtung nach rechts ab. Was war das? Zuvor hatten wir diese Abzweigung passiert und wir erinnerten uns, dass die Beiden in diese Richtung gezeigt hatten und sich dazu etwas sagten. Wir dachten, dass sie nur etwas einkaufen wollten, doch sie passierten die Strassenverk\u00e4ufer wortlos. Nun befanden wir uns auf einer Strasse, die rein von Feldern und Tierzucht umgeben war. Augustas beruhigte mich zu Beginn noch, doch meine Intuition wusste genau, dass da irgend etwas faul dran war. Ich f\u00fchlte mich immer schrecklicher, um so l\u00e4nger wir diese Strasse entlangfuhren. Und schliesslich fing ich an zu fragen.<\/p>\n<p>Ich: &#8220;Wo fahren Sie bitte sch\u00f6n hin? Das ist nicht der Weg nach Cucutta.&#8221; <br \/>Sie: &#8220;Doch, das ist er. Der Weg f\u00fchrt geradewegs nach Cucutta.&#8221;<br \/>Wir: &#8220;Unsere Landkarte sagt da aber etwas anderes.&#8221;<br \/>Sie: &#8220;Wir fahren \u00fcber Puerto Santander und dann direkt nach Cucutta. Das ist der k\u00fcrzeste Weg.&#8221;<\/p>\n<p>Nach Puerto Santander? Wir dachten uns verh\u00f6rt zu haben, doch die Beiden meinten es ernst. Wir, da wir dar\u00fcber Bescheid wussten, dass zwischen Puerto Santander und Cucutta das Gebiet der Paramillit\u00e4rs lag und wir ihre Vorliebe f\u00fcr &#8220;Weisse&#8221; kannten, wollten da auf gar keinen Fall entlang. <\/p>\n<p>Ich: &#8220;Das ist doch aber das Gebiet von Paramillit\u00e4rs. Ich glaube nicht, dass es ratsam f\u00fcr uns ist, dort entlangzufahren.&#8221;<br \/>Sie: &#8220;Heute morgen war es ganz ruhig. Wir sind problemlos \u00fcber die Grenze gekommen.&#8221;<br \/>Wir: &#8220;Ja, sie sind ja auch keine Ausl\u00e4nder!&#8221;<br \/>Sie: &#8220;Mh. Das stimmt, aber es sollte kein Problem sein, die werden schon nichts tun.&#8221;<br \/>Wir: &#8220;Wissen sie, wir wollen da auf gar keinen Fall entlang. Wir haben keine Lust es auf &#8216;Gut Gl\u00fcck!&#8217; zu versuchen und dann als L\u00f6segeldmittel festgehalten zu werden. Solch ein Risiko m\u00fcssen wir wirklich nicht eingehen.&#8221;<br \/>Sie: &#8220;Es kann nat\u00fcrlich sein, dass es f\u00fcr Ausl\u00e4nder wie euch zu Problemen f\u00fchrt&#8230; Mh. Wir k\u00f6nnen euch ja einfach hier herauslassen.&#8221;<br \/>Wir: &#8220;Hier? Das ist ein bischen sehr im Nirgendwo. K\u00f6nnten Sie die G\u00fcte haben, uns wenigstens bis zu dem Kreisverkehr zur\u00fcckzubringen, damit wir in die richtige Richtung weiterreisen k\u00f6nnen?&#8221;<\/p>\n<p>Nach einigen Diskussionen, die die Beiden unter sich f\u00fchrten, drehten sie endlich um. &#8220;Wir werden euch bis La Fria bringen, denn von dort k\u00f6nnen wir auf unsere Strasse Richtung Puerto Santander weiterreisen.&#8221; Gott sei Dank. Mir fiel ein Stein vom Herzen. <\/p>\n<p>Nach langem Hin und Her, in denen unsere Fahrer absolut nicht verstanden, wo wir herausgelassen werden wollten, zudem der Fahrer selbst den Weg nicht kannte und st\u00e4ndig Angst hatte, er w\u00fcrde sich verfahren, stiegen wir entnervt in La Fria aus. Nat\u00fcrlich liessen wir uns das nicht anmerken. Wir dankten den Beiden f\u00fcr die Fahrt und waren froh, sie endlich wieder los zu sein.<\/p>\n<p>Da standen wir nun, an einer durch Autowerkst\u00e4tten ges\u00e4umten Strasse und wussten nicht so recht weiter. Sollten wir zur Autobahn zur\u00fccklaufen und weitertrampen? Nein, es war schon zu sp\u00e4t. Wir mussten also einen Zeltplatz finden. Doch wo? Wo war es sicher? Ich ging auf die andere Strassenseite, um in einem Hostel darum zu bitten, unser Zelt aufstellen zu d\u00fcrfen. Da f\u00fchrte kein Weg hinein, auch weil die Hostelbesitzer die Gegend als zu unsicher daf\u00fcr einstuften. Sie schlugen aber vor, bei der Stadtverwaltung nachzufragen. Die w\u00fcrden einen sicheren Platz zum Zelten wissen.<\/p>\n<p>Wir liefen also z\u00fcgig mit unserem Gep\u00e4ck bis zur Stadtverwaltung. Dort baten wir um Hilfe und im Nullkommanichts erkl\u00e4rte sich eine Sekret\u00e4rin bereit, sich unserer anzunehmen. &#8220;Wenn ich es nicht schaffe, euch einen sicheren Ort zum \u00dcbernachten zu organisieren, k\u00f6nnt ihr bei mir zu Hause schlafen.&#8221; Unsere Augen leuchteten vor \u00dcberraschung und Freude. Man nahm sich unserer an und wir w\u00fcrden die Nacht ruhig hinter uns bringen. Einige Mitarbeiter der Stadtverwaltung waren sehr an uns interessiert und so standen wir alle draussen, nach Schatten erheischend, vor dem Geb\u00e4ude und schwatzten was das Zeug hielt. Die Menschen hier waren aufgeschlossen, neugierig und lustig. Wir hatten so einigen Spass mit ihnen. Au\u00dferdem gesellte sich irgendwann ein Venezuelaner zu uns, der sein Leid an die Beamten der Stadtverwaltung herantrug. Er bewegte seine Glieder, als h\u00e4tte er H\u00fcpfgummisaft getrunken und wippte st\u00e4ndig hin und her. Dazu kaute er auf etwas eigenartigem herum, was ihn st\u00e4ndig einen schwarzen Saft vom Mund abwischen lie\u00df. Gut das er dazu einen Waschlappen benutzte. Augustas war neugierig. &#8220;Was haben sie da in ihrem Mund?&#8221; Die Beamten lachten und lie\u00dfen den lustig-wippenden Herren seine &#8220;S\u00fcssigkeiten&#8221; zeigen. Eingewickelt in Bonbonpapier hatte der Herr noch weiter vier Tabak-Bonbons. Er kaute also flei\u00dfig auf Tabak herum, was zu diesem unappetitlichen schwarzen Saft und verf\u00e4rbten Z\u00e4hnen f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Obwohl wir vermuteten, dass uns die Sekret\u00e4rin zu sich nach Hause schicken wird, kam stattdessen ein Freund der Kirche, der uns in sein Haus einlud. Wir fuhren auf einen Hof, der voller Autoschrott war. &#8220;Hier wohne ich&#8221;, meinte Eusebio. &#8216;Gut&#8217;, dachten wir, nicht ahnend, dass auch wir hier wohnen w\u00fcrden.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/IMG_5234.JPG\" title=\"left beside the house their car spare part business, the biggest in La Fria\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/cache\/IMG_5234.JPG-nggid041819-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"left beside the house their car spare part business, the biggest in La Fria\" title=\"left beside the house their car spare part business, the biggest in La Fria\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">left beside the house their car spare part business, the biggest in La Fria<\/p><\/div>\n\n<p>Eusebio stellte uns einigen Pers\u00f6nlichkeiten vor, die sich vor dem Autoschrotthof befanden: eine junge Familie mit drei Kindern, zwei seiner Mitarbeiter und eine Frau. Wir wurden ins Haus gebeten und uns wurde sofort zur Hand gegangen, als wir unser Gep\u00e4ck dem Auto entnehmen und die Stufen hochtragen wollten. Kaum oben auf der Veranda angekommen und Platz genommen, bombardierte uns Eusebio mit unz\u00e4hligen, schwierig zu beantwortenden Fragen. Es ging vor allem um Religion, bei der wir ihm eingestehen mussten, keine zu besitzen. Eusebio dagegen war h\u00f6chst religi\u00f6s und praktizierte das Ganze aktiv mit seiner Familie. Er hatte insgesamt 13 Kinder, 8 davon mit seiner jetztigen Frau Carmen<br \/>\n. Hinzu kommen ungef\u00e4hr 9 Enkelkinder. Wir dachten zu Beginn, er w\u00fcrde uns veralbern, denn aller zwei Minuten, wenn jemand die Treppe hinaufkam, und das waren fast ausschlie\u00dflich M\u00e4dchen und junge Frauen, erw\u00e4hnte er, &#8220;Das ist meine Tochter&#8221;. Wir fingen an zu lachen, doch lernten sp\u00e4ter, dass es tats\u00e4chlich so war. <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/IMG_5216.JPG\" title=\"family Duran, our home for one night\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/cache\/IMG_5216.JPG-nggid041812-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"family Duran, our home for one night\" title=\"family Duran, our home for one night\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">family Duran, our home for one night<\/p><\/div>\n\n<p>Die Familie war einzigartig. Wir waren kaum angekommen, da stimmten die Kinder gemeinsam ab, welchen Raum wir beziehen sollten. Wir hatten vor zu zelten, aber das war in deren Augen unn\u00f6tig. Es war ja genug Platz da. Also r\u00e4umte Jessica ihren Raum und zog f\u00fcr die Nacht zu ihrer Schwester. Die Badbenutzung fiel anfangs so aus, dass Augustas und ich getrennt voneinander in ein Bad verwiesen wurden. Die Dusche war k\u00f6stlich kalt bei den schw\u00fclen Temperaturen. Noch bevor wir uns zur K\u00f6rperreinigung aufmachten, fragten die Kinder nach unseren Essensw\u00fcnschen. &#8220;Arepa?&#8221; Ja, gerne. &#8220;Yucca?&#8221; Sehr gut, aber bitte ohne Butter. &#8220;Ei?&#8221; Ja, davon k\u00f6nnten wir auch eines vertragen. Nicht lange nachdem wir aus dem Bad wieder herauskamen, wurde uns dann auch schon ein leckeres Mahl serviert. Vor dem Essen schlossen wir unsere Augen und lauschten dem Gebet, dass Jessica diesmal sprach. Wir f\u00fchlten uns pudelwohl in der Familie. Neben den vielen Fragen, die uns die gesamte Familie zuwarf, teilten wir auch Minuten v\u00f6lligen Gl\u00fccks mit der Familie, die durch ein Fussballspiel verursacht wurden.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/IMG_5225.JPG\" title=\"magic - smelling where somebody touched the stick\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/cache\/IMG_5225.JPG-nggid041815-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"magic - smelling where somebody touched the stick\" title=\"magic - smelling where somebody touched the stick\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">magic - smelling where somebody touched the stick<\/p><\/div>\n\n<p>Die meisten Familienmitglieder leben nicht mehr zu Hause, halten sich dort aber, wenn m\u00f6glich, den lieben langen Tag auf. Am Abend ging jeder wieder seiner Wege und die Familie Duran lud uns zu ihrem allmontaglichen Familientreffen ein. Dieses bestand in einer christlichen Veranstaltung, w\u00e4hrend derer Lieder gesungen und Psalme vorgetragen wurden. Zu dem vorgetragenen Psalm musste jeder Anwesende seine Erfahrungen mit Gott und dieser Weisheit teilen. Wir teilten was wir mit ihnen teilen konnten. Belkis, die an jenem Abend die Moderation \u00fcbernahm, erkl\u00e4rte uns mit tiefster \u00dcberzeugung, dass Gott wirklich existiere und ihr in etlichen Momenten zur Seite gestanden hatte. Die anderen Familienmitglieder stimmten ihr genauso \u00fcberzeugt zu. Am Ende gab es nat\u00fcrlich die Frage, &#8220;Und, glaubt ihr nun daran, dass es Gott gibt?&#8221; Wir sagten weder ja, noch verneinten wir. Wir erkl\u00e4rten nur mit <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/IMG_5222.JPG\" title=\"&quot;evening of games&quot;, a traditional monday evening event of the Durans\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/cache\/IMG_5222.JPG-nggid041814-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"IMG_5222\" title=\"IMG_5222\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">\"evening of games\", a traditional monday evening event of the Durans<\/p><\/div>\n\n<p>unseren Worten, dass es sicher eine Art besondere Kraft geben muss, die die Dinge so geschehen l\u00e4\u00dft, wie sie passieren. Damit gaben sie sich zufrieden. Nachdem der religi\u00f6se Teil abgeschlossen war, war es Zeit zum Spielen. Jessica und Belkis f\u00fchrten Zaubertricks auf, die uns erst verwundern und dann herzlichst lachen lie\u00dfen. Augustas pr\u00e4sentierte dabei auch gleich seine eigene Magie.<\/p>\n<p>Der Abend war eigentlich schon zu Ende, doch Jessica und Carmen nahmen mich weiter unter Beschlag. Wir spielten ein wenig Fl\u00f6te, was mir nicht so gut gelang, da sie eine andere Art von Fl\u00f6te verwendeten als die meinige. Die Mutter rief dann irgendwann zur Nachtruhe auf und wir fielen gl\u00fccklich ersch\u00f6pft in einen tiefen Schlaf.<\/p>\n<p>Leider hatten wir am Vortag offen gelassen, wann wir unsere Reise am Morgen fortsetzen wollen. Das f\u00fchrte ungewollterweise dazu, dass es erst gegen 12 Uhr mittags etwas zum Fr\u00fchst\u00fcck gab. Wir versorgten uns bis zu dieser sp\u00e4ten Fr\u00fchst\u00fcckszeit heimlich mit ein paar Bananen und N\u00fcssen, die wir noch vom Vortag \u00fcbrig hatten. Endlich gab es etwas zu essen. Es war wieder einmal himmlisch. Ich konnte gar nicht genug davon kriegen.<\/p>\n<p>Ein Freund der Familie gesellte sich zu uns und nach einiger Zeit meinte er, &#8220;warum fragt ihr nicht einfach einen Busfahrer, ob er euch kostenlos bis Cucutta mitnimmt?&#8221; Nun, wie sollen wir das denn anstellen? M\u00f6glich ist es theoretisch schon, aber welcher Busfahrer w\u00fcrde denn uns &#8220;Touristen&#8221; f\u00fcr Luft fahren lassen? &#8220;Wer nicht an die T\u00fcr klopft, der kann auch nicht wissen, ob sie jemand aufmacht&#8221;, waren des Freundes Worte darauf. Wir verlie\u00dfen das Haus also mit ihm zusammen und warteten gespannt auf die Ankunft am Busbahnhof. Dort sprach der Herr mit dem Fahrer des Buses und schon konnten wir hineinh\u00fcpfen. Wir fragen uns noch heute, wie er das gemacht hat, aber er hatte Recht gehabt. Und so fuhren wir nun im Bus Richtung kolumbianischer Grenze.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/IMG_5254.JPG\" title=\"first ride by a bus\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/cache\/IMG_5254.JPG-nggid041824-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"first ride by a bus\" title=\"first ride by a bus\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">first ride by a bus<\/p><\/div>\n\n<p>Der Bus war einzigartig. Nat\u00fcrlich alt und klapperig, hatte er doch tats\u00e4chlich eine \u00fcberdimensionale Lautsprecherbox am hintersten Ende angebracht. Wir hatten uns nat\u00fcrlich direkt davor platziert. Es war f\u00fcrchterlich laut, aber daf\u00fcr dass wir kostenlos mitgenommen wurden, konnten wir uns einfach nicht beklagen. <\/p>\n<p>Im Bus lernten wir auch zwei junge Kolumbianer kennen, die t\u00e4glich von Cucutta nach La Fria und zur\u00fcck fuhren. Sie kauften in Venezuela einen Haufen Lebensmittel ein und verkauften die gesamte Ware dann in Kolumbien f\u00fcr einen h\u00f6heren, teils den doppelten Preis. Davon l\u00e4\u00dft sich leben. Doch besteht das Risiko, dass die Grenzbeamten die Ware an der Grenze konfiszieren. Dann haben die beiden eben Pech gehabt. Im Normalfall interessiert sich die Grenzkontrolle aber nicht f\u00fcr Busse, die st\u00e4ndig zwischen Kolumbien und Venezuela verkehren. Ein Gl\u00fcck f\u00fcr die Jungen, die \u00fcbrigens 17 und 23 Jahre alt waren. Sie stellten sich als Br\u00fcder heraus, obwohl sie uns schelmigerweise anfangs eine ganz andere Geschichte auftischten. Der Dreiundzwanzigj\u00e4hrige erz\u00e4hlte uns, dass er bereits vier Kinder hat: neun Jahre alte Zwillinge, einen sechsj\u00e4hrigen Jungen und ein dreij\u00e4hriges M\u00e4dchen. Wir glaubten unseren Ohren nicht trauen zu k\u00f6nnen und <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/IMG_5255.JPG\" title=\"friends we made in the bus to the Colombian border\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/cache\/IMG_5255.JPG-nggid041825-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"friends we made in the bus to the Colombian border\" title=\"friends we made in the bus to the Colombian border\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">friends we made in the bus to the Colombian border<\/p><\/div>\n\n<p>verstanden auch dies als ein Witz, bis er uns die Fotos der Kinder zeigte. Die Zwillinge hatte er mit einem M\u00e4del, mit dem er nie so richtig zusammen war, die sich heute aber ausgezeichnet verstehen und nur drei H\u00e4user auseinander wohnen. Die anderen beiden Kinder hat er mit seiner jetzigen Frau. Wir waren wirklich baff, anders k\u00f6nnen wir das nicht sagen.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch mit den Jungen f\u00fchrte fast ausschlie\u00dflich Augustas, denn ich sa\u00df am Fenster und konnte mit der hinter uns dr\u00f6hnenden Musik einfach kein Wort verstehen. Die Jungen boten uns s\u00fcsses Brot mit Quark an, was Augustas gerne annahm. Ich musste mit traurigen Augen zusehen, wie diese Leckerei von den Dreien verschlungen wurde. Seufz. <\/p>\n<p>Wir erkundigten uns, ob der Bus an der Grenze in Urena anhalten w\u00fcrde, damit wir aus Venezuela emmigrieren und in Kolumbien immigrieren konnten. Leider hatten die Busfahrer daf\u00fcr keine Zeit und so stiegen wir in Urena aus. Ich hatte zuvor ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, einfach mit dem Bus bis Cucutta weiterzufahren. Dann w\u00fcrden wir zwar keine Stempel haben, k\u00f6nnten aber am Cucutta Flughafen versuchen, das nachzuholen. Davon hatten wir n\u00e4mlich geh\u00f6rt. Nur sa\u00df uns noch die Erfahrung mit Guatemala im Nacken, in der wir glatt von der Immigrationsbeh\u00f6rde zur\u00fcck nach Belize geschickt wurden. Auch wenn wir es nie gemacht haben, geschwitzt haben wir beim Verlassen von Guatemala allemal und das nicht nur wegen der Sonne&#8230;<\/p>\n<p>Wir stiegen also aus, was sich als sehr ungl\u00fccklich erwies. Wir befragten die Grenzsoldaten, ob wir an der Grenze in Urena unsere Ausreisestempel bekommen k\u00f6nnten. Diese erkl\u00e4rten uns, dass es in Urena kein Immigrationsb\u00fcro gebe und wir daf\u00fcr nach San Antonio de Tachira m\u00fcssten. Irgendwie endete aber das Gespr\u00e4ch damit, dass wir bis nach Kolumbien passieren konnten und dort sehen sollten, ob sie uns ohne Ausreisestempel von Venezuela in Kolumbien einreisen lassen w\u00fcrden. Wir liefen also mit unserem ganzen Gep\u00e4ck ungef\u00e4hr eine halbe Stunde, bis wir an der kolumbianischen Seite angekommen waren. Dort erkl\u00e4rte man uns aber auch, dass es kein Immigrationsb\u00fcro an dieser Grenze g\u00e4be. Sie \u00f6ffneten uns nur insofern den Weg, dass sie uns vorschlugen, einen Bus zum Cucutta-Flughafen zu nehmen und dort die kolumbianische Aufenth<br \/>\naltsgenehmigung zu beantragen. Was w\u00e4re, wenn wir uns zum Flughafen aufmachen w\u00fcrden und dort keine Einreisestempel bek\u00e4men, bloss weil wir keinen Ausreisestempel von Venezuela hatten? Das hie\u00dfe &#8216;Kehrt marsch!&#8217;. Wir entschieden uns also lieber die halbe Stunde (und l\u00e4nger) R\u00fcckweg zu Fuss nach Urena anzutreten und dort einen Bus bis San Antonio de Tachira zu nehmen. <\/p>\n<p>Kaum waren wir in Tachira angekommen und fragten die erstbeste Person nach dem Weg zur Grenze, wurden wir auch schon gewarnt: &#8220;An der Grenze sind seit drei Tagen Aufst\u00e4nde. Ich w\u00fcrde ihnen da nicht empfehlen mit ihrem Gep\u00e4ck aufzutauchen.&#8221; Die Grenze war blockiert, weil in Kolumbien ein Tarif f\u00fcr das Passieren der Grenze eingef\u00fchrt worden war. Jeder Autofahrer &#8211; ob Kolumbianer oder Venezuelaner &#8211; musste je \u00dcbergang 1 Dollar bezahlen. Das bedeutete f\u00fcr die, die zwischen den Grenzen berufsm\u00e4\u00dfig hin- und herfuhren, dass sie am Tag teils bis zu f\u00fcnf oder mehr Dollar nur f\u00fcr das \u00dcberqueren der Grenze aufbringen mussten. Dagegen setzten sie sich mittels der Grenzblockaden zur Wehr. Der \u00e4ltere Herr, den wir um den Weg gefragt hatten, war so ausschweifend in seinen Erkl\u00e4rungen, dass wir von der Idee, heute noch nach Kolumbien Einzug zu halten absahen. Es galt also einen geeigneten Ort f\u00fcr die Sicherung unseres Gep\u00e4cks und unseres Zeltes f\u00fcr die Nacht zu finden. <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/IMG_5262.JPG\" title=\"our room for one night, getting each an own bed!\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/la_fria_san_antonio\/cache\/IMG_5262.JPG-nggid041828-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"our room for one night, getting each an own bed!\" title=\"our room for one night, getting each an own bed!\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">our room for one night, getting each an own bed!<\/p><\/div>\n\n<p>Wir machten uns also wieder zur Stadtverwaltung auf. Dort war der Kontakt diesmal etwas schwieriger bzw. fehlte es ein wenig an Aktionsfreude, um uns sicher durch die Nacht zu bringen. Wir halfen also ein wenig nach und baten die Feuerwehrzentrale anzurufen. Dort sollten die Beamten f\u00fcr uns nachfragen, ob wir f\u00fcr eine Nacht unterkommen k\u00f6nnten. Das klappte wie am Schn\u00fcrrchen. Wir wurden von einem Beamten zum richtigen Bus gebracht, der Busfahrer lie\u00df uns nahe der Feuerwache heraus und schon standen wir vor dem amtshabenden Feuerwehrmann. Er hie\u00df Marco, was ich lustig fand, da das der Name meines Bruders war. Wir verstanden uns auf Anhieb gut und nach einem kurzen Schw\u00e4tzchen wurde, statt eines St\u00fcck Rasens zum Zelten, jedem von uns ein eigenes Bett im Gemeinschaftsschlafraum angeboten. Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck! Wir probierten gleich die Matrazen aus, die noch neu zu sein schienen. Herrlich! Wir nahmen sogleich eine eiskalte Dusche mit G\u00e4nsehaut verursachendem Wind, denn in dem Duschraum fehlte ein Fenster. Aber egal, es war au\u00dfer dem eisigen Wind, der in Tachira herrschte, doch recht warm. Danach hie\u00df es Essen kochen. Uns wurde die K\u00fcche gezeigt, in der wir &#8220;alles&#8221; verwenden konnten. Das &#8220;alles&#8221; bestand aus mehrfachbenutztem \u00d6l und dreckigem Geschirr. Guten Appetit, dachten wir. Gut, dass wir unsere eigenen Kochutensilien hatten. Wir mischten uns ein leckeres Mahl mit Reis, Linsen und dem restlichen Gem\u00fcse, dass wir noch besa\u00dfen. Dazu schmackhafte Gew\u00fcrze wie Oregano und Curry und schon duftete es nach einem exzellentem Men\u00fc. Wir genossen es auf tiefste und verlie\u00dfen die K\u00fcche mit \u00fcberf\u00fcllten M\u00e4gen. Augustas wollte unbedingt Billard spielen, also taten wir es. Ich verlor nat\u00fcrlich mit Bravour, was mir die Motivation nach drei Spielen dann doch irgendwie nahm. Aber trotz allem verlieren hatten wir einen Heidenspass dabei. Nun war es Zeit f\u00fcrs Bett, denn wir wollten schon um 5 Uhr morgens wieder aufstehen.<\/p>\n<p>Gesagt, getan. Wir schlichen uns morgens fr\u00fchzeitig aus dem Zimmer und bereiteten ein karges, aber doch f\u00fcllendes Fr\u00fchst\u00fcck vor. Wir hatten am Vorabend in dem vor Leere g\u00e4hnendem K\u00fchlschrank unsere halb zermanschte Banane gelassen, damit wir sie am Morgen noch verzehrfreudig vorfanden. Leider hatte es da Jemand wohl in der Nacht n\u00f6tig gehabt, seinen Magen zu f\u00fcllen, so dass unser Goldst\u00fcck am Morgen weg war.<\/p>\n<p>Wir erhielten an diesem Morgen freudige Nachrichten von den Feuerwehrleuten. &#8220;Die Grenze ist offen, die Situation unter Kontrolle.&#8221; Ja toll, auf was warten wir noch? Um absolut sicher zu sein, dass die Grenze offen ist, fuhr sogar noch einer der Feuerwehrleute schnell auf einem Moped dort vorbei. Wir zogen also zu Fu\u00df los, da es gar nicht so sehr weit war. An der Grenze angekommen, fragten wir ausgerechnet die Grenzsoldaten, wo denn das Immigrationsb\u00fcro sei. Einer dieser Soldaten befand sich als so autorit\u00e4r, dass er uns mit einer arroganten Armbewegung zu einem B\u00fcro verwies. Das B\u00fcro war geschlossen, so dass wir ins Geb\u00e4ude eintraten, um eventuell doch jemanden anzutreffen. Doch da war absolut niemand. Wir kamen gerade wieder heraus aus dem Geb\u00e4ude, da strebte der arrogante Soldatenhals auf uns zu und fragte uns, in einem Ton als w\u00e4ren wir seine Rekruten, was wir wollten. Ja, was wohl? Vielleicht emmigrieren? Man&#8230; Wir erkl\u00e4rten ihm, dass wir nach Kolumbien wollten. Er wies uns an zu warten, bis das B\u00fcro \u00f6ffnete. Das w\u00e4re dann so in 45 Minuten oder so. Vielen Dank. H\u00e4tten wir mal blo\u00df nicht nachgefragt und w\u00e4ren einfach schnurstracks nach Kolumbien spaziert. Mehr als zur\u00fcckschicken h\u00e4tten die uns auch nicht k\u00f6nnen. Zumindest w\u00e4ren wir dann wohl diesem arroganten Schn\u00f6sel nicht begegnet. Es half also alles nichts, wir waren gezwungen vor dem B\u00fcro zu warten und zwar direkt neben dem Grenzverkehr, der eine derarte Luftverschmutzung aus\u00fcbte, dass ich mir, als w\u00e4re ich ein R\u00e4uber, mein rotes Tuch \u00fcber Nase und Mund schn\u00fcren musste. Damit war es zumindest m\u00f6glich, die Abgase ein wenig zu filtern und die eine Stunde Warten zu \u00fcberleben. Neben der \u00dcberschwemmung mit Autoabgasen, bemerkten wir, dass sich die Grenzpolizei nicht im Geringsten daf\u00fcr zu interessieren schien, wer von Kolumbien nach Venezuela und umgekehrt unterwegs war. Niemand wurde angehalten. Niemand musste sich ausweisen. Das fanden wir reichlich merkw\u00fcrdig. Auf Nachfrage erfuhren wir sp\u00e4ter, dass sich aufgrund eines bestimmten Abkommens, Kolumbianer wie auch Venezuelaner innerhalb eines begrenzten Gebiets zwischen Kolumbien und Venezuela frei bewegen k\u00f6nnen, ohne Kontrolle. Ach so. Wir konnten auch beobachten, wie einigen Kolumbianern leere Benzinkanister entzogen wurden, da die Absicht, billiges Benzin in Venezuela einzukaufen und es teuer in Kolumbien zu verkaufen klar auf der Hand lag. Das Verbot, Benzin von Venezuela nach Kolumbien zu bringen, also mehr als in den Tank des Autos passt, war jedem Fahrer bewusst und trotzdem versuchten sie es. Mit einem verschmitzten L\u00e4cheln akzeptierten sie den Entzug der Benzinkanister.<\/p>\n<p>Jetzt kam ein neues Problem auf uns zu. Wir lasen an der Scheibe des B\u00fcros, &#8216;Emmigration 37,000 Bolivars&#8217;. Das hie\u00df, wir m\u00fcssten pro Person knapp 16 Euro f\u00fcr unsere Ausreise bezahlen. Hinzu kam ein weiteres Problem: wir hatten keinen einzigen Bolivar mehr. Wir \u00fcberlegten fieberhaft was wir tun k\u00f6nnten. Wir entschieden uns, dem B\u00fcrobeamten einen 10 Dollar Schein anzubieten, damit er uns ziehen l\u00e4\u00dft. Wenn das nicht klappen sollte, m\u00fcssten wir zur\u00fcck nach Tachira laufen, unser Geld zum offiziellen Umtauschkurs (der alles andere als rosig war) wechseln und zur\u00fcck zum Immigrationsb\u00fcro, um uns sozusagen freizukaufen.<\/p>\n<p>Da kam endlich der Immigrationsbeamte. Er schien sich ausgesprochen gut mit unserem arroganten Soldaten zu verstehen. Das bedeutete f\u00fcr mich schon mal schlechte Karten. Vielleicht sollten wir doch lieber zur Bank gehen. Augustas versuchte es trotzdem. Da fragte der Beamte, &#8220;Wieviel ist denn 10 Dollar in Bolivar?&#8221;. Augustas konnte nun schlecht losl\u00fcgen, was dazu f\u00fchrte, dass wir postwendend zur Bank geschickt wurden. Ich wartete derweil vor dem Immigrationsb\u00fcro. Als Augustas wiederkam, sah er richtig gl\u00fccklich aus. &#8220;Was ist denn los?&#8221; Nun, Augustas hatte es geschafft, das Geld in einem offiziellen Umtauschb\u00fcro f\u00fcr 3.300 Bolivar pro Dollar zu tauschen. Normalerweise liegt der Kurs bei 2.100 Bolivar je Dollar. Wir konnten uns gl\u00fccklich sch\u00e4tzen. Beim Begleichen der Ausreisegeb\u00fchr rundete der Beamte pl\u00f6tzlich auf. Der genaue Betrag war ungef\u00e4hr so: 36.342 Bolivar. Und exakt das wollten wir bezahlen. Der Beamte wollte aber gleich einmal 37.000 Bolivar haben. Vielleicht handelt es sich hier nur um &#8216;einen Appel u<br \/>\nnd ein Ei&#8217;. Uns ging es aber ums Prinzip. Wir legten ihm also die genaue Geb\u00fchr auf den Tresen, bekamen endlich unsere Stempel und weg waren wir.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_colombia\/way_to_cartagena\/IMG_5273.JPG\" title=\"&quot;Robocops&quot; observing the situation at the border\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_colombia\/way_to_cartagena\/cache\/IMG_5273.JPG-nggid041830-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"IMG_5273\" title=\"IMG_5273\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">\"Robocops\" observing the situation at the border<\/p><\/div>\n\n<p>Wir liefen auf die kolumbianische Seite zu. Dazu mussten wir eine Br\u00fccke \u00fcberqueren. Als wir auf die Br\u00fccke kamen, sahen wir einen Bus quer geparkt auf der Strasse. Er versperrte den Weg f\u00fcr jeglichen Transport \u00fcber die Grenze hinweg. Es schien sich eine erneute Blockade der Grenze anzuk\u00fcndigen. W\u00e4hrend wir weiterliefen, kamen pl\u00f6tzlich 12 schwarz gekleidete, vollmontierte, mit jeglich denkbaren Waffen ausgestattete &#8220;Robocops&#8221; (Sondereinsatzkommando) auf uns zu. Das Schutzschild in der einen Hand, den Kn\u00fcppel in der anderen, kamen sie mit ihren muskelabzeichnenden Uniformen auf uns zu. Oh oh&#8230; &#8220;Lass uns nur schnell weiterlaufen, nicht das wir direkt in die Auseinandersetzung hineingeraten&#8221;, waren Augustas Worte. Wir legten also einen Schritt zu, um diesen etwas merkw\u00fcrdigen Gestalten auszuweichen. Ich hatte das Gef\u00fchl, dass sie wie in Zeitlupe an uns vorbeizogen. Dabei waren sie so aufgestellt, dass sie in einer Reihe, die gesamte Breite der Br\u00fccke einnahmen. Flux waren wir vorbei und schl\u00fcpften in das Immigrationsb\u00fcro. Dort interessierte sich, \u00e4rgerlicherweise, niemand f\u00fcr unseren Ausreisestempel von Venezuela. So ein Theater also f\u00fcr nichts, rein gar nichts. Naja, jetzt war es nicht mehr zu \u00e4ndern. Zumindest wussten wir jetzt genau, wie es die kolumbianischen Immigrationsbeamten mit der Kontrolle der Reisep\u00e4sse hielten. <\/p>\n<p>Wir h\u00f6rten, dass sich der Aufstand auf der Br\u00fccke wieder aufgel\u00f6st hatte. Wir liessen uns noch erkl\u00e4ren, wie wir Cucutta am Besten umgehen konnten und schon standen wir an der Strasse und hielten unseren Daumen hoch. In Venezuela haben wir immer nur zu h\u00f6ren bekommen, &#8220;Da h\u00e4lt nie einer f\u00fcr euch an!&#8221;. Das Gegenteil stellte sich heraus. Fest davon \u00fcberzeugt, dass wir die Grenze mit einer Mitfahrgelegenheit anstatt mit einem Bus verlassen w\u00fcrden, hob ich meinen Arm. Der Daumen zeigte bestimmt nach oben und in nur f\u00fcnf Minuten hatten wir Gl\u00fcck. Wir bekamen einen Lift zu einer Kleinstadt in der N\u00e4he von Cucutta, von wo aus wir direkt in Richtung Pamplona und Bucaramanga reisen konnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Abreise von La Mucuy gestaltete sich etwas schwierig. Dort oben bestand n\u00e4mlich morgens um 7 Uhr keinerlei Transportm\u00f6glichkeit. Das hie\u00df also f\u00fcr uns hinunterlaufen, zumindest bis zu dem Dorf La Mucuy. Eine Hoffnung hatten wir noch. Wir sahen ein junges P\u00e4\u00e4rchen, das am sp\u00e4ten Abend unbemerkt sein Zelt nahe dem unseren aufgebaut hatte. 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