{"id":418,"date":"2007-03-12T00:00:00","date_gmt":"2007-03-11T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/bilderbuchfamilie\/"},"modified":"2007-03-12T00:00:00","modified_gmt":"2007-03-11T22:00:00","slug":"bilderbuchfamilie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/bilderbuchfamilie\/","title":{"rendered":"Bilderbuchfamilie (November 28 &#8211; December 9)"},"content":{"rendered":"<p>Kaum waren wir von unserer aufregenden f\u00fcnft\u00e4gigen Reise zur\u00fcck, fragte uns William, wie lange wir noch bleiben w\u00fcrden. Jetzt hatten wir ein kleines Problem, denn wir standen kurz davor, unsere Kamera endlich zu erhalten. Die Frage wurde aber auf eine Art und Weise an uns herangetragen, die eigentlich eine Aufforderung war, unsere Sachen zu packen. Als Grund stellte sich heraus, dass sich unverhofft eine Dame selbst bei ihnen eingeladen hatte und sie keine andere Wahl hatten, als uns woanders unterzubringen. Isabel f\u00fchlte sich einfach f\u00fcr die Dame verantwortlich. Noch dazu k\u00fcndigte sich ein Paar f\u00fcr einen Aufenthalt im Haus an. Diese waren allerdings Freunde ihres Bruders, aber auch die wollten herzlich im Haus aufgenommen werden. Isabel l\u00f6ste die Situation, indem sie uns mit Alfredo und Lilia bekannt machte, die uns herzlich in ihrem Haus in Cuernavaca aufnahmen.<\/p>\n<p>Lilia und Alfredo haben ein sch\u00f6nes, gro\u00dfes Haus, in dessen angrenzendem Garten gar ein Schwimmbecken auf das Trainieren meines R\u00fcckens wartete. Endlich hatten wir also das &#8220;Schwimmbad&#8221;, nach dem wir bereits seit Wochen gesucht hatten. Und diesmal w\u00fcrde uns keiner mit seinen ungewollten Blicken bel\u00e4stigen. Im Inneren des Hauses fand sich neben einem Computerraum mit Internetanschluss, eine ger\u00e4umige Stube, ein gro\u00dfes Esszimmer und die K\u00fcche. Es gab in der K\u00fcchent\u00fcr gar einen separaten Eingang f\u00fcr Oliver, dem etwas schn\u00f6seligen Familiendackel. Im ersten Stock befanden sich die Schlafzimmer der Familie und den zweiten Stock bildete eine Terrasse. Dort gab es eine winzige Bude, die gar \u00fcber ein eigenes Bad verf\u00fcgte. Das sollte also unser sein f\u00fcr die Zeit unseres Aufenthaltes.<\/p>\n<p>Uns wurden sofort alle Essensvorr\u00e4te gezeigt und wir wurden eingeladen, alles Vorhandene und Begehrenswerte zu verzehren. Die K\u00fcche wurde nur selten zum Kochen benutzt. Da Lilia und Alfredo es viel besser fanden, die Zeit sinnvoller als am Kochherd zu verbringen, besorgten sie jeden Mittag im naheliegenden Supermarkt die verschiedensten Speisen. Dort gab es n\u00e4mlich ein B\u00fcffet, das eine reiche Palette an Salaten, Kartoffel-, Reis- und Nudelgerichten, Fleisch, Gem\u00fcse, Obst und S\u00fcssspeisen hatte. Nachdem jeder seinen Mittagsmahlwunsch zu Hause abgegeben hatte, zog Lilia los, um das Mittagessen auf den Tisch zu bringen. Oft versorgte uns Lilia gar mit Sojamilch und -fleisch sowie anderen Leckereien, die wir als fleischlose Esser auf jeden Fall vertragen w\u00fcrden. Ach, es war jedes Mal ein Festschmau\u00df. An einigen Tagen \u00fcbernahmen wir das Kochen, um uns f\u00fcr die Gastfreundschaft zu bedanken. Als Augustas dann seine Eierkuchen servierte, schw\u00e4rmten sie tagelang nur davon. Einmal meinten sie gar, dass wir bereits das zweite Vegetarier-Paar w\u00e4ren, das hintereinander bei ihnen Zuflucht fand. Alfredo erkl\u00e4rte ernsthaft, dass sie wohl eines Tages selbst zu Vegetariern w\u00fcrden, w\u00e4re da nicht die gro\u00dfe Liebe zum Fleisch.<\/p>\n<p>In Lilias und Alfredos Haus gab es immer Platz und Zeit f\u00fcr Jeden und Alles. Sie hatten eine Familie, wie viele sie sich w\u00fcnschen. Da beide von Beruf Arzt waren und in einem Krankenhaus arbeiteten, entschieden sie sich f\u00fcr eine Halbtagsstelle, damit sie mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen k\u00f6nnen. Die meiste Zeit des Tages waren sie also mit ihren Sch\u00fctzlingen Alfredo Jr. (11) und Liliana (13) besch\u00e4ftigt. Dabei sprachen sie \u00fcber die Schule, halfen bei den Hausaufgaben, tauschten Erfahrungen miteinander aus, schauten gemeinsam Filme, brachten die Kinder zu Mathematikzirkeln, holten Tisch- und Kartenspiele hervor, in die auch wir mit eingebunden wurden, und gingen jede Woche mit anderen Kindesfreunden und deren Eltern bowlen. Ungeschrieben aber an der Tagesordnung war der besondere Humor, dem die Familie unterlag. Bereits am Eingang des Hauses warteten gro\u00dfe, unsichtbare Buchstaben auf die Besucher, die diesen Humor ank\u00fcndigten. <\/p>\n<p>Wir blieben mehr als eine Woche bei Lilia und Alfredo, die immer offen f\u00fcr alles Neue und v\u00f6llig entspannt waren. Die Familie z\u00e4hlt wohl eher unter die Sparte alternativ, was man bei deren ernsthaften Berufen auf Anhieb gar nicht vermuten w\u00fcrde. In jeglicher Lage wurde uns vollstes Verst\u00e4ndnis zuteil, ob hinsichtlich unserer Kamera, auf die wir noch einige Tage warten mussten oder meines R\u00fcckens, der mal wieder eine Behandlung n\u00f6tig hatte.<\/p>\n<p>Alfredo machte sich um meinen R\u00fccken Gedanken und schlug vor, einmal bei einem ihm vom H\u00f6ren-Sagen bekannten Physiotherapeuten vorbeizuschauen. Dazu wurde ich an die Arztpraxis seines Bruders weitergeleitet, dessen Assistentin mir einen Lageplan vorbereitet hatte, mit dem ich den Physiotherapisten leicht ausfindig machen konnte. Dieser Mann war sehr begehrt, was sein volles Wartezimmer rechtfertigte. Und das nicht nur wegen der recht preisg\u00fcnstigen Behandlung, die er anbot. Als ich an der Reihe war, pr\u00fcfte er meinen R\u00fccken und stellte fest, dass einige meiner Muskeln in der falschen Position w\u00e4ren. Daraufhin r\u00fcckte, schob und dr\u00fcckte er 20 Minuten an mir herum, fl\u00fcsterte einige Beschw\u00f6rungen daher und meinte dann, &#8220;Das ist alles; sie sind geheilt.&#8221; Wie bitte? Nach 1,5 Jahren problematischster R\u00fcckenzust\u00e4nde, Schmerzen, Verkrampfungen, endloser, erfolgloser Behandlungen sollte mein R\u00fccken in nur 20 Minuten wieder normal funktionieren? Ich war nicht nur sichtlich \u00fcberrascht, sonder regelrecht geschockt. Ich konnte es nicht glauben, doch sp\u00fcrte ich eine kribbelnde Hoffnung heraufkriechen. Ich ging noch ein zweites Mal zu seiner Behandlung, da mein Nacken und meine Arme noch v\u00f6llig verspannt waren. Nach diesen zwei Besuchen ging es mir blendend. Der R\u00fccken tat nicht weh, ich konnte mich v\u00f6llig normal bewegen, hinfallen lassen wie ich will, musste auf keine Sonderbehandlungen meiner Selbst wegen irgendwelcher Gebrechen bestehen, nichts. Ich war wohl geheilt. Mich \u00fcberkam ein Gef\u00fchl, als w\u00fcrde ich fliegen. Leider hielt dieser Erfolg nicht lange an, weil ich dumme Kuh einen gravierenden Fehler begang. Dazu aber sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Endlich kam auch unsere Kamera an und wir hatten bereits zuvor entschieden, dass wir uns nun zum Golf von Mexiko aufmachen w\u00fcrden, um ein Segelboot nach Kuba oder einer anderen karibischen Insel zu finden. Eigentlich wollten wir unseren Freunden in San Cristobal noch einmal einen Besuch abstatten, doch dieses Vorhaben schlug fehl. Wir hatten einfach zu lange auf die Kamera warten m\u00fcssen und wenn wir uns jetzt nicht auf die Socken machten, um ein Segelboot zu finden, w\u00fcrden wir unseren Traum wohl nicht verwirklichen k\u00f6nnen. Also, auf zur Marina!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum waren wir von unserer aufregenden f\u00fcnft\u00e4gigen Reise zur\u00fcck, fragte uns William, wie lange wir noch bleiben w\u00fcrden. 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