{"id":416,"date":"2007-08-22T00:00:00","date_gmt":"2007-08-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/kreisverkehr-und-unverschamtheiten\/"},"modified":"2007-08-22T00:00:00","modified_gmt":"2007-08-21T22:00:00","slug":"kreisverkehr-und-unverschamtheiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/kreisverkehr-und-unverschamtheiten\/","title":{"rendered":"Kreisverkehr und Unversch\u00e4mtheiten (Juni 27 &#8211; 29)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/colonia_tovar\/IMG_5025.JPG\" title=\" \" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/colonia_tovar\/cache\/IMG_5025.JPG-nggid041771-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"IMG_5025\" title=\"IMG_5025\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\"> <\/p><\/div>\n\n<p>Eugenia buk uns einen riesigen Beutel voller Kekse f\u00fcr die Reise und Vladas brachte uns bis zu einer Tankstelle. Jetzt mussten wir nur noch ein Auto finden, denn die Strasse f\u00fchrte von hier schnurstracks nach La Victoria. Ein venezuelanischer Deutscher, ein sich im Ruhestand befindlicher Lehrer, brachte uns bis La Victoria und liess uns direkt an der Ausfahrt in Richtung Maracay heraus. <\/p>\n<p>Nach einer Weile fanden wir einen LKW, der uns bis Maracay mitnahm. Dort fanden wir einen Mann, der uns bis Valencia bringen wollte. Er meinte, dass er uns auch bis Moron bringen k\u00f6nnte. &#8220;Wo liegt das denn?&#8221; Ich konnte es auf der Landkarte nicht finden. &#8220;Nicht weit von Valencia entfernt.&#8221; Ich fand es einfach nicht. &#8220;Wir wollen nach Merida, m\u00fcssen also in die Barquisimeto-Guanare-Richtung. Liegt das in der Richtung?&#8221; Jaja. &#8220;In welcher Himmelsrichtung liegt es denn? Wir m\u00fcssen s\u00fcd-westlich aus Valencia raus.&#8221; Das ist da ganz in der N\u00e4he, meinte unser Fahrer. Nun gut, ich konnte es zwar auf unserer Karte nicht ausfindig machen, aber wenn es in der gleichen Richtung lag, konnten wir ja ruhig mit ihm bis dorthin weiterziehen.<\/p>\n<p>Wir bekamen von unserem Fahrer leckeres, s\u00fcsses Brot geschenkt, w\u00e4hrend wir im Stau standen. Er war f\u00fcr einige Tage im Urlaub. Normalerweise k\u00fcmmert er sich als Sicherheitsmann um das Wohl von Chavez&#8217; (der President von Venezuela) Familie. Er erz\u00e4hlte uns viel von Kuba und seinen Eins\u00e4tzen in Venezuela. Dann priess er mit Pauken und Trompeten die guten Taten von Chavez an. Er h\u00f6rte gar nicht mehr auf zu reden und obwohl er immer um Zustimmung heischend nachfragte, wollte er gar keine Antwort oder Meinung zu seinen Aussagen von uns wissen. Ich nickte also nur flei\u00dfig mit dem Kopf und schaltete ansonsten geistig ab. <\/p>\n<p>Wir bogen pl\u00f6tzlich in Richtung Coro ab. Hilfe! Was ist denn das! &#8220;Wir m\u00fcssen hier raus, das ist nicht unsere Richtung.&#8221; Wie? Jetzt verstand der Fahrer gar nichts mehr. &#8220;Wir fahren nur ein St\u00fcck weiter nach Moron und von dort aus k\u00f6nnt ihr direkt bis Barquisimeto reisen.&#8221; Das wir das auch von Valencia aus tun konnten und das viel k\u00fcrzer war, kam ihm nicht in den Sinn. Er bestand darauf uns bis Moron mitzunehmen, w\u00e4hrend wir ihn baten anzuhalten. Letzteres war hoffnunglos, da wir uns auf einer Autobahn befanden und weit und breit keine Ausfahrt vorhanden war. Da wir sehr z\u00fcgig fuhren, waren wir bereits so weit von dem Autobahnkreuz entfernt, dass wir uns langsam von dem Gedanken entfernten, aussteigen zu wollen. Umkehren w\u00fcrde unser Fahrer unseretwegen nicht, das war uns mittlerweile klar. Er schien wirklich nicht zu kapieren, dass er uns einen riesigen Umweg aufbrummte. Noch dazu w\u00fcrden wir jetzt alle Autos, die aus der Richtung Caracas kommen, verpassen. Wir waren bedient, aber was sollten wir tun. Wir freundeten uns mit dem Gedanken in Moron ausgesetzt zu werden langsam an und f\u00fchrten unsere freundliche Konversation fort. <\/p>\n<p>In Moron angekommen wurde uns das ganze \u00dcbel der Situation bewusst. Wir wurden nicht weit von der Stadt an einer staubigen Strasse herausgelassen. Es stank nicht unerheblich nach Urin und die extreme Sonneneinstrahlung brachte den Geruch erst so richtig zur Geltung. Die Gegend stank nicht nur, wir f\u00fchlten uns auch reichlich unsicher. Wir wussten, dass entlang der K\u00fcstenregion viele Drogen ihren Weg machten, und genau das konnten wir f\u00fchlen und sehen. Die Menschen waren von einem ganz anderen Schlag und wir hofften inst\u00e4ndig, nicht mit der unangenehmen dieser Sorte Bekanntschaft zu machen. <\/p>\n<p>Mit viel Hoffnung und etwas Verzweifelung hielten wir unseren Daumen heraus. Wir hatten Gl\u00fcck. Innerhalb von f\u00fcnf Minuten hielt ein &#8220;Anwalt&#8221; an. Er fragte kurz wo wir hinwollten, hatte es aber so eilig, dass er uns zum Kl\u00e4ren unseres Reisezieles, bzw. wann wir aussteigen werden, auf sp\u00e4ter vertr\u00f6stete. Wir platzierten uns auf der Ladefl\u00e4che und los gings. Mit 200 km\/h preschte unser &#8220;Anwalt&#8221; \u00fcber alte, holprige Strassen. Normalerweise mache ich mir keine Sorgen, diesmal rutschte mir aber das Herz in die Hose. Bei jedem Loch, jeder Kurve, jedem H\u00fcgel schmiss es uns nach oben, vorne, hinten und zur Seite. Wir konnten uns schwer festhalten, verkeilten uns aber irgendwann so, dass wir nicht gleich von der Ladefl\u00e4che flogen. Mein Gef\u00fchl warnte mich: Steig lieber aus! Ich war mir ansonsten nicht sicher, ob wir dort lebend wieder aussteigen w\u00fcrden. Ich versuchte mit Augustas dar\u00fcber zu reden, der war aber ganz entspannt. Ich fing also an, das ganze positiv zu sehen, denn wie wir ja wissen, passiert immer das, wovor man am meisten Angst hat. Und so entspannte ich mich auch und dachte an gar nichts mehr. Dieser Trick funktionierte gut und so kamen wir heil bis zu einer Tankstelle. Dort stimmten wir unseren Aussteigepunkt ab, nutzen den Gang zur Toilette und bekamen jeder einen Malztrunk geschenkt. Wegen dem mittlerweile starken Regen wurden wir nach vorne ins Fahrerhaus eingeladen. Dort mussten wir uns sehr zusammenkauern, damit alle vier gen\u00fcgend Platz hatten. Das Plus in der Fahrerkabine war ein Videoplayer, der Musik der 50er bis 80er Jahre spielte. Wir lernten Karla kennen, die unser &#8220;Anwalt&#8221; als seine schwangere Frau ausgab. Und dann f\u00e4hrt der Idiot mit einer solchen, lebensm\u00fcden Geschwindigkeit \u00fcber derma\u00dfen schlechte Strassen? Das grenzte f\u00fcr mich an kompletten Wahnsinn. Aber besser nicht dar\u00fcber nachdenken. <\/p>\n<p>Irgendwie passte auch die ganze Geschichte, die er \u00fcber sich und sein Leben erz\u00e4hlte nicht so ganz zusammen. Sie war ausgesprochen unglaubw\u00fcrdig. Einmal sah der Typ alles andere aus als ein Anwalt. Er schien unter Drogeneinfluss zu stehen. Vielleicht verlor er deswegen ja das Gef\u00fchl f\u00fcr Geschwindigkeit. Einmal h\u00e4tte es sogar fast gekracht, weil er eher auf den Videoplayer als auf die Strasse schaute. Das M\u00e4del mit dem er unterwegs war schien ausgesprochen jung. Er war um die 40, sie vielleicht gerade einmal 18-19 Jahre alt. Dann erz\u00e4hlte uns der Fahrer, er w\u00fcrde st\u00e4ndig durch Venezuela reisen m\u00fcssen. Heute von Maracaibo nach Barquisimeto und zur\u00fcck nach Barcelona. Morgen nach&#8230; Dann erw\u00e4hnte er, dass er nur Geld in Barquisimeto in Empfang nehmen muss. Zudem endete eines seiner zahlreichen Telefonate mit der Wiederholung der Worte, &#8220;OK, 42&#8221;. Kaum hatte er das Gespr\u00e4ch beendet, sage er wie zu sich selbst noch einmal, &#8220;ich bin Venezuelaner, ich bin 42 Jahre alt&#8221;. Das roch mir aber ganz stark nach Drogenschmuggel, nach nichts anderem. Als wir uns verabschiedeten, tauschten wir noch unsere Emails aus und draussen waren wir endlich. &#8220;Anwalt&#8221;, wenn ich nicht lache&#8230;<\/p>\n<p>Nach einer unendlich erscheinenden Wartezeit nahm uns dann doch noch ein Pick-Up bis nahe San Rafael de Onoto mit. Wir wollten eigentlich in Araure aussteigen, doch bogen unsere Fahrer vorher in Richtung San Carlos, ihr eigentliches Reiseziel, ab. Wir besprachen also, was wir tun k\u00f6nnten, und nachdem uns zwei Pl\u00e4tze, die unsere Fahrer uns zum Zelten vorgeschlagen hatte, nicht zusagten, fuhren wir mit ihnen bis zu einem Milit\u00e4rkontrollpunkt in der N\u00e4he von San Rafael de Onoto. Eigentlich dachten wir, dieser l\u00e4ge an der Strasse, die wir in Richtung Guanare nehmen mussten. Im Gegensatz dazu machten wir aber wieder einmal eine Kurve und schwups waren wir in der Richtung unterwegs, aus der wir am Morgen gekommen waren. Was war nur heute los? Mussten wir uns denn derart im Kreis drehen? Scheinbar. Letztlich war der Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt aber der sicherste Weg, die Nacht problemlos zu \u00fcberstehen. <\/p>\n<p>Ich wurde also wie immer vorgeschickt, die Erlaubnis zum Zelten einzuholen. Wir bekamen sie und hatten nun zumindest einen sicheren Platz zum Schlafen bei der Guardia Nacional. Ich bat um Wasser und w\u00e4hrend ich unsere Flaschen in deren K\u00fcche auff\u00fcllte, wollte einer der Milit\u00e4rs ganz sch\u00f6n viel \u00fcber mich wissen. Das allerdings weniger, um mich zu \u00fcberpr\u00fcfen, sondern eher aus pers\u00f6nlichem Interesse&#8230; Ich erw\u00e4hnte dann gekonnt &#8220;zuf\u00e4llig&#8221;, dass ich mit meinem Freund hier w\u00e4re. Das Gespr\u00e4ch<br \/>\nverebbte in einer Zehntelsekunde und ich war den Fragenden endlich wieder los. <\/p>\n<p>Als Zeltplatz diente uns ein St\u00fcck Grass, was regelm\u00e4\u00dfig zur Urinabgabe benutzt wurde. Wir zelteten also auf einer Toilette, aber was konnten wir schon tun. Zumindest mussten wir das Zelt nicht in einen Haufen Exkremente setzen, konnten uns also gl\u00fccklich sch\u00e4tzen. Statt einer ruhigen Nacht, wartete aber allerhand Krawall auf uns. Wir dachten, dass der Verkehr in der Nacht abebben w\u00fcrde, hatten uns damit aber gewaltig vertan. Er nahm eher zu und brachte uns st\u00e4ndig zum Aufwachen. Uns st\u00f6rt ja mittlerweile wenig, aber das war doch entschieden zuviel. Auch schliefen wir unruhig, weil st\u00e4ndig die Fahrer aus ihren Wagen ausstiegen, etwas zum Essen kauften, und ihre Toiletteng\u00e4nge in der N\u00e4he des Zeltes erledigten. Das Wort &#8216;Anstand&#8217; schien keiner zu kennen. Um 4 Uhr morgens gab es dann noch eine \u00dcberraschung: Regen. Wir zogen schnell die Plastikplanen \u00fcber das Zelt und krochen halb nass wieder hinein. Weiterschlafen. Augustas meinte noch kurz vorm Augen zumachen, &#8220;es regnet doch gar nicht mehr, warum haben wir bloss die Planen dr\u00fcbergehangen&#8230;?&#8221; Ich drehte mich einfach um und versuchte weiterzuschlafen. Eine knappe Stunde sp\u00e4ter erhielt Augustas dann eine Antwort auf seine Frage. Das Wasser war mittlerweile ins Zelt hineingelaufen. W\u00e4hrend es draussen wie aus Giesskannen sch\u00fcttete, versuchten wir weitgehend im Zelt alles zu packen. Dann hie\u00df es Luft anhalten und raus ins Nass. Wir brachten alles so schnell wie m\u00f6glich unter die \u00dcberdachung eines Imbiss&#8217;. <\/p>\n<p>Nur eine halbe Stunde sp\u00e4ter kam dann auch schon der Imbiss-Besitzer und bat uns alles einzupacken. Gut, dass wir damit bereits vor seinem Erscheinen begonnen hatten. Wir r\u00fchrten uns noch einen Haferflockenmix zusammen und schon befanden wir uns wieder auf der Strasse, diesmal hoffentlich in die richtige Richtung.<\/p>\n<p>Und wer h\u00e4tte geahnt, dass uns die gleichen M\u00e4nner auflesen w\u00fcrden, die uns am Abend zuvor im Milit\u00e4rkontrollpunkt abgeladen hatten. Das war schon irgendwie witzig. Da wir am Vorabend eine Tankstelle in unserer Richtung gesehen hatten, baten wir unsere Fahrer uns in dessen N\u00e4he herauszulassen. Sie mussten eh fr\u00fcher von der Autobahn abfahren, so dass wir das St\u00fcck auch laufen konnten. Das klappte wie am Schn\u00fcrrchen und nun \u00fcberquerten wir zu Fuss ein Autobahnkreuz. Wir waren kaum auf der anderen Seite, da hielt jemand f\u00fcr uns an. Da er gerade telefonierte, dachten wir uns schon get\u00e4uscht zu haben, doch dem war nicht so. Der Fahrer stieg aus und \u00f6ffnete, noch immer telefonierend, seinen Kofferraum. <\/p>\n<p>Unser Fahrer, ein Schmuckverk\u00e4ufer, war auf dem Weg nach San Cristobal. Jetzt leuchteten meine Augen auf. Wir wollten die ganze Zeit nach Merida, ich ganz besonders, aber nun fanden wir diesen Herrn, der fast bis nach Kolumbien fuhr. Das reizte mich nat\u00fcrlich sehr. Augustas appellierte an meine Vernunft. &#8220;Du wolltest doch die ganze Zeit nach Merida, und jetzt? Wir fahren nur bis Barinas, ok?&#8221; Ich entgegnete darauf erst einmal nichts, denn ich spielte noch immer mit dem Gedanken direkt bis nach San Cristobal zu ziehen. Aber genausogern wollte ich nach Merida&#8230; Der Fahrer nahm uns dann die Entscheidung ab. &#8220;Heute werde ich unterwegs einen Halt einlegen und meine Schwester besuchen. Morgen oder \u00fcbermorgen ziehe ich dann nach San Cristobal weiter. Es ist ja schlie\u00dflich eine ganz sch\u00f6n weite Strecke&#8230;&#8221; Die Bestimmung hatte also mal wieder f\u00fcr uns entschieden. Wir fahren nach Merida.<\/p>\n<p>Der Schmuckverk\u00e4ufer erz\u00e4hlte uns eine ganz grauenhafte Geschichte. Vor gar nicht so langer Zeit hielt er nachts mit seinem neuen Auto an einer Ampel. In Blitzschnelle wurde seine T\u00fcr aufgerissen. Ihm wurde das Auto und alle darin befindlichen Gegenst\u00e4nde abgenommen. Die Diebe bedrohten ihn mit einer Waffe und wollten ihn erschiessen. Was sollten sie auch sonst mit ihm tun? Einzig die Tatsache, dass er sie unter Tr\u00e4nen anflehte, ihn nicht zu t\u00f6ten, da er drei kleine Kinder hatte, rettete ihm das Leben. Die Diebe hinterliessen ihn nur mit einem T-shirt bekleidet an der Strasse zur\u00fcck &#8211; ohne Hosen. Selbst die Unterhosen hatten sie ihm weggenommen. Er musste also, unten ohne, jemanden finden, der ihn nach Hause bzw. zur Polizei bringt. Er brachte viele Stunden auf der Strasse zu, denn wer h\u00e4lt schon einfach so f\u00fcr einen Mann ohne Hosen an? Ein Herr erbarmte sich seiner, denn er wusste genau, was mit unserem Schmuckverk\u00e4ufer passiert war. <\/p>\n<p>Der Schmuckverk\u00e4ufer, der bereits seit 12 Jahren erfolgreich seine Gesch\u00e4fte f\u00fchrt, f\u00e4hrt sei diesem Ereignis nur einen sehr alten Wagen. In Venezuela ist es besser, wenn man seinen finanziellen Status nicht zur Schau tr\u00e4gt. Man k\u00f6nnte leicht dabei sein Leben verlieren&#8230;<\/p>\n<p>Der Fahrer liess uns an der Strasse in Richtung Merida heraus. Die Gegend war nicht die Beste, hatten wir erst einige hundert Meter vor uns einer fauststarken Auseinandersetzung zugesehen. Doch der Schmuckverk\u00e4ufer liess uns erst in sicherer Entfernung von diesen Burschen heraus, direkt neben einem Imbiss. Ich musste mal dringend wohin und fragte die Imbissverk\u00e4uferin, wo ich eine Toilette finden kann. &#8220;Hier gibt es keine.&#8221; Mh. &#8220;Wenn du mal musst, dann gehe durch diesen Eingang dort hinten. Dort kannst du neben die Container pinkeln.&#8221; Oh, welch Freude. Ich ging also durch den Eingang und fand neben einem Container nur Asphalt wieder. Na prima, auf Asphalt pinkeln! Und wie zur Kr\u00f6nung schaute auch noch ein Hund nach dem Rechten, als ich gerade in die Hocke ging. Ich kam mir reichlich entbl\u00f6\u00dft vor.<\/p>\n<p>Wir waren hungrig, doch nach Auskunft der Imbissdame mussten wir uns f\u00fcr eine Portion Reis und Bohnen noch 20 Minuten gedulden. Ohne darauf warten zu k\u00f6nnen, wurden wir von drei netten Herren mitgenommen. Sie waren auf dem Weg nach Santo Domingo, das auf halben Wege nach Merida lag. Die Herren verliehen Kleinbusse an Touristen f\u00fcr Tages- oder l\u00e4ngere Touren. Einer der M\u00e4nner war angestellter Fahrer in dem Unternehmen. Eigentlich war er Mechaniker und arbeitete zuvor f\u00fcr viele Jahre auf Schiffen in der Karibik. Da er dadurch oft zwei Jahre nicht nach Hause kam, entschied er sich eine andere Laufbahn einzuschlagen, und zwar die eines Chaffeurs bzw. Busfahrers. Es war seine Familie, die alle Drei in Santo Domingo besuchen wollten. Er war dort aufgewachsen und einmal im Monat fuhr er nun mit seinen Freunden zum Mittagessen hinauf. <\/p>\n<p>Die Fahrt war atemberaubend. Wir stiegen so richtig in die Berge hinein und konnten in unendlich tiefe T\u00e4ler schauen. Wir befanden uns in einem richtigen Bergdschungel und genossen neben der bewegenden Aussicht den Blick auf die Bergbewohner. Wir fuhren sogar teilweise direkt durch die Wolken hindurch, so hoch waren wir. Eines der Wunder, die wir w\u00e4hrend der Fahrt au\u00dferdem bestaunen konnten, waren wundersch\u00f6ne Wasserf\u00e4lle. Ich f\u00fchlte mich wie im M\u00e4rchen, so tief in den Bergen, umgeben von nichts <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/merida\/IMG_5122.JPG\" title=\"first ride in an ambulance\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/merida\/cache\/IMG_5122.JPG-nggid041800-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"first ride in an ambulance\" title=\"first ride in an ambulance\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">first ride in an ambulance<\/p><\/div>\n\n<p>als Natur. Die Herren lie\u00dfen uns dann bei den Feuerwehrleuten, die gemeinsam mit dem Milit\u00e4r einen Kontrollst\u00fctzpunkt hatten, kurz vor Santo Domingo heraus. Unsere Fahrer baten die Feuerwehrleute, eine Mitfahrgelegenheit f\u00fcr uns zu organisieren. Und das taten sie auch. Sie luden uns in einen ihrer Notfallwagen ein, mit der wir direkt bis Merida gebracht wurden. Meine erste Fahrt in einem Notfallwagen!<\/p>\n<p>In Merida angekommen kontaktierten wir Zeus, ein www.HospitalityClub.org Mitglied. Dieser schlug uns das Imparque zum Zelten vor. Wir fanden heraus, wie wir dorthin gelangen konnten und st\u00fcrzten uns dann erst einmal in ein bezahlbares Restaurant. Wir waren sch\u00f6n v\u00f6llig ausgehungert. Es gab wie immer Reis, Bohnen und Salat, was wirklich zu meinen Lieblingsgerichten geworden ist. <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/merida\/IMG_5125.JPG\" title=\"lazy to find out about camping in the city, thus staying in a nearby parque\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2007\/2007_venezuela\/merida\/cache\/IMG_5125.JPG-nggid041802-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"lazy to find out about camping in the city, thus staying in a nearby parque\" title=\"lazy to find out about camping in the city, thus staying in a nearby parque\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">lazy to find out about camping in the city, thus staying in a nearby parque<\/p><\/div>\n\n<p>Augustas war zu faul, sich bis zum Imparque zu bewegen. Er schlug vor, in der Wohngemeinschaft, die sich auf der gegen\u00fcberliegenden Strassenseite befand, um Erlaubnis zum Zelten zu bitten. Knurrend ging ich mit, denn ich wollte so gern eine Dusc<br \/>\nhe und vielleicht h\u00e4tten wir die ja im Imparque gefunden (was sich sp\u00e4ter als falsche Hoffnung herausstellte). Wir erhielten die Erlaubnis, in einem naheliegendem Park zu zelten. Das Gebiet schien nachts abgeriegelt zu sein. Zudem erkl\u00e4rte uns der Wachmann, dass auch in dem Park nachts jemand Wache hielt. <\/p>\n<p>Wir begutachteten den Park und fanden ein nettes Pl\u00e4tzchen zum Zelten. Aus der Dusche wurde jetzt nat\u00fcrlich nichts. Nun mussten wir nur noch eine Ecke f\u00fcr die Toilette finden. Dies gestaltete sich schwierig, da sich der Park, eingeschlossen von vier Strassen, an denen \u00fcberall H\u00e4user standen, befand. Ich erkundete ein wenig die Gegend und vermutete hinter der Mauer, die sich neben unserem Zelt befand, eine \u00f6ffentliche Toilette. Ungesehen schlich ich mich zu dem Eingang. Was ich dahinter fand war eine Toilette, allerdings eine sehr unappetitliche. Es schien, als w\u00e4ren die T\u00fcren der Toiletten bereits vor Jahren geschlossen wurden. Alles war mit Str\u00e4uchern und B\u00e4umchen bewachsen. Am Boden befanden sich immense Ansammlungen von Exkrementen und Toilettenpapier. Pfuh! Das ging wirklich \u00fcber meine Akzeptanzgrenzen hinaus. Ich sp\u00e4hte hinter die T\u00fcr und entdeckte ein noch jungfr\u00e4uliches Fleckchen Erde. Bevor ich aber meine Blase dort entleeren konnte, tauchten zwei Jungen auf. Sie geh\u00f6rten zu einer Gruppe Jugendliche, die sich wohl st\u00e4ndig im Park traf. Die Beiden kamen auf uns zugelaufen und verschwanden wortlos hinter der Mauer, quasi in der &#8220;Toilette&#8221;. Was sie dort taten war uns glasklar. Sie zogen wieder ab und wir hatten unsere Ruhe. <\/p>\n<p>In der Nacht lauschten wir einigen Gespr\u00e4chen, die im Park gef\u00fchrt wurden. Wir h\u00f6rten unter anderem heraus, dass sich ein paar Leute m\u00e4chtig \u00fcber die Unversch\u00e4mtheit aufregten, die wir wohl besitzen m\u00fcssten, dass wir einfach in deren Park unser Zelt aufstellten. Das liess uns erst einmal wach werden. Doch mehr als Gerede passierte nicht und als die Leutchen endlich abzogen, konnte wir wieder gen\u00fcsslich in unsere Tr\u00e4ume sinken. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eugenia buk uns einen riesigen Beutel voller Kekse f\u00fcr die Reise und Vladas brachte uns bis zu einer Tankstelle. Jetzt mussten wir nur noch ein Auto finden, denn die Strasse f\u00fchrte von hier schnurstracks nach La Victoria. 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