{"id":397,"date":"2007-03-13T00:00:00","date_gmt":"2007-03-12T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/mitten-im-wald-ohne-zentralen-wasseranschluss\/"},"modified":"2007-03-13T00:00:00","modified_gmt":"2007-03-12T22:00:00","slug":"mitten-im-wald-ohne-zentralen-wasseranschluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/mitten-im-wald-ohne-zentralen-wasseranschluss\/","title":{"rendered":"Mitten im Wald ohne zentralen Wasseranschlu\u00df (November 15 &#8211; 24)"},"content":{"rendered":"<p>Sylvia war so lieb, uns bis zu einer g\u00fcnstigen Tramperstelle au\u00dferhalb von Cuernavaca zu bringen. Dort versuchten wir zu trampen, da uns aber der Regen m\u00e4chtig erwischte, mu\u00dften wir uns eine Weile in einem Blumenladen unterstellen. Die Leute ringsumher schauten uns komisch an. Wir gaben wohl ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Bild ab. Irgendwie schafften wir es bis Huitzilac, wo auch schon William im Auto auf uns wartete. Wir stiegen ein und er fuhr die paar Meter steilster, mit runden Steinen gepflasterten Stra\u00dfe hinauf zu seinem Haus. Gut, dass wir nicht mit den Rucks\u00e4cken da hochlaufen mussten.<\/p>\n<p>Huitzilac liegt mitten im Wald und ist doch nur zwanzig Minuten von Cuernavaca entfernt. Die ganze Gegend strahlte mit gr\u00fcnen Nadelb\u00e4umen und Einfamilienh\u00e4usern, die alle einen weitl\u00e4ufigen Garten haben. In diesen G\u00e4rten bl\u00fchten die Blumen gerade auf, deren D\u00fcfte die Luft erf\u00fcllten.<\/p>\n<p>Am Haus angekommen begr\u00fcssten uns die zwei Hunde von William und Isabel mit grimmigen Gebell. Erst nachdem William uns vorsichtig an die Hunde herangef\u00fchrt hatte, ihnen erkl\u00e4rte, dass wir v\u00f6llig in Ordnung seien und von nun an unter die Sparte Freunde z\u00e4hlten, beruhigten sie sich wieder. Obwohl uns Alfie, eine deutsche Sch\u00e4ferh\u00fcndin, niemals komplett \u00fcber den Weg traute. Das lag leider daran, dass sie als Baby schrecklich misshandelt worden war.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2006\/2006_mexico\/cuernavaca\/24160025.JPG\" title=\" \" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2006\/2006_mexico\/cuernavaca\/cache\/24160025.JPG-nggid03711-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"24160025\" title=\"24160025\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\"> <\/p><\/div>\n\n<p>Williams und Isabels Haus war gro\u00dfartig. Einst\u00f6ckig und reichlich gro\u00df, mit einer gelben Fassade, strahlte es in der Gesellschaft der vielen Nadelb\u00e4ume. Dazu war das Haus von einem herrlichen Garten umgeben, der nicht nur f\u00fcr die Hunde ein Platz zum Tummeln war. Der Garten war so gro\u00df, dass Isabel gar eine Gartenhilfe angestellt hatte, die einmal die Woche zur Pflege kam. Es gab sogar einen Springbrungen, der allerdings noch nicht wieder in Betrieb genommen wurde. Stattdessen rekelte sich Phoebe (sprich: Fibi), der schwarze Dobermanmischling Williams mit Genu\u00df in dem orangefarbenen Becken. Im Inneren des Hauses, dass durch zwei verschiedene T\u00fcren begehbar war, erwartete uns zu allererst ein sch\u00f6ner E\u00dfsaal. Gem\u00fctlich und einladend standen Tisch und St\u00fchle direkt neben uns, als wir die ersten Schritte ins Haus wagten. Zur Linken des E\u00dfsaals fand sich eine attraktive K\u00fcche, die es mir in Bezug auf Kochen gleich in den Fingern kribbeln lie\u00df. Die K\u00fcche hatte alles, was sich ein Koch nur w\u00fcnschen kann. Zus\u00e4tzlich hatte die K\u00fcche einen Abstellraum, der mittels einer Wand von dem K\u00fcchenabteil getrennt war. Dahinter stappelten sich die leckersten Lebensmittel. An die K\u00fcche schloss sich ein G\u00e4stezimmer an, das wir fortan besetzten. Danach kam die hauseigene Bibliothek, eine fein sortierte Sammlung von Isabels und Williams literarischen Werken. Den Schlu\u00df auf unserer Seite des Hauses bildete ein Bad mit Dusche. Alles in allem hatten wir also eine kleine Wohnung zur Verf\u00fcgung gestellt bekommen. Im G\u00e4stezimmer befanden sich zudem zwei Computer mit Internetanschlu\u00df, die wir ungehindert nutzen konnten. Auf der anderen Seite des E\u00dfzimmers lag das Wohnzimmer, das \u00fcber einen herrlichen, funktionst\u00fcchtigen Kamin verf\u00fcgte. Dem Wohnzimmer schloss sich das Schlafzimmer der Hausbesitzer an, indem sich ein weiteres Bad befand. Ein an das Schlafzimmer angeschlossener Abstellraum diente Isabel und William ihre Anziehsachen und Ger\u00fcmpel zu stapeln. Um in den angrenzenden Waschmaschinenraum zu gelangen, musste man allerdings erst aus dem Haus hinaus. Im Garten befand sich eine Art Werkst\u00e4tte, die William belegt hatte. Da es sein Hobby war, den Zustand des Hauses zu verbessern oder zu ver\u00e4ndern, und er auch sonst liebend gern an Neuerfindungen bastelte, geh\u00f6rte dieser Raum, der vollgestopft mit den verschiedensten Baumaterialien und Elektronikzubeh\u00f6r gl\u00e4nzte, einzig und allein ihm. Im Gegenzug dazu erhielt Isabel die K\u00fcche, denn sie kochte f\u00fcr ihr Leben gern, was sie uns w\u00e4hrend unserer Anwesenheit ausreichend bewie\u00df.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2006\/2006_mexico\/cuernavaca\/24170006.JPG\" title=\" \" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2006\/2006_mexico\/cuernavaca\/cache\/24170006.JPG-nggid03712-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"24170006\" title=\"24170006\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\"> <\/p><\/div>\n\n<p>Isabel und William lebten sehr umweltbewu\u00dft. Wasser wurde nicht verschwendet. Das Haus war an kein bestehendes Wassernetz angeschlossen. Sie hatten eine Vorrichtung auf dem Dach, die das Regenwasser sammelte und in gro\u00dfen Wassercontainern aufbewahrte. Zum W\u00e4sche waschen wurde nur \u00f6kologisch abbaubares Waschpulver verwendet. Nach dem Waschen der Anziehsachen, wurde das Schmutzwasser vor dem Waschmaschinenraum in gro\u00dfen Plastikbeh\u00e4ltern aufgefangen. Dieses Wasser wurde vor allem f\u00fcr die Toiletten benutzt. In den B\u00e4dern standen immer zwei bis drei Eimer herum, die drau\u00dfen vor dem Waschmaschinenraum aufgef\u00fcllt werden mussten. Es gab bez\u00fcglich der Toiletten auch eine eiserne Regel: &#8220;Is it yellow, let it mellow. Is it brown, flush it down!&#8221; (Ist es gelb, lass es reifen (stehen). Ist es braun, sp\u00fcle es hinunter.) Und daran hielten wir uns. Wir verstanden gut, dass es wirklich nahezu unn\u00fctz war, bei kleinen Gesch\u00e4ften Wasser hinterher zu kippen. Um zum Beispiel G\u00e4ste nicht zum Ekel zu treiben, wurde w\u00e4hrend Feiern in die Toiletten eine blaue Fl\u00fcssigkeit gegossen. So nahm der WC-Benutzer an, dass sich kein Urin in der Toilette befand und verga\u00df jegliche Ekelgedanken. Auch beim Duschen galt es das Wasser aufzufangen. Geduscht wurde mit Regenwasser, dass einmal t\u00e4glich, fr\u00fch morgens, mittels eines Gasofens aufgeheizt wurde. Beim Abwaschen wurde das Wasser nicht laufen gelassen, sondern das Geschirr nur nass gespritzt, dann mit dem Schwamm gereinigt und schlie\u00dflich unter einem geringen Wasserstrahl abgewaschen. Der Sauberkeit tat diese wassersparende Anwendung nichts an.<\/p>\n<p>Nach dem warmen Klima in Cuernavaca waren wir nicht auf die K\u00e4lte vorbereitet, mit der uns Huitzilac begr\u00fc\u00dfte. Die R\u00e4ume waren eiskalt, so dass selbst William und Isabel, die an das Klima gewohnt waren, mit M\u00fctze und Handschuhen herumliefen. Wir packten uns in alle Sachen ein, die wir besa\u00dfen, und wollten nach einer Nacht im warmen Federbett nicht gern wieder hinauskriechen. Dieser Klimaumschwung haute uns im wahrsten Sinne des Wortes um. Ich bekam eine heftige Erk\u00e4ltung und auch Augustas f\u00fchlte sich wie vor den Kopf gesto\u00dfen. Isabel kam uns sofort zur Hilfe und holte ihr Erste-Hilfe-Homeopathiek\u00e4stchen heraus. Sie versorgte mich mit ein paar Tropfen, worauf ich mich nur noch ein wenig gedulden musste und schon w\u00e4re der Schnupfen wieder weg. Nach drei Tagen war ich auch wieder auf den Beinen. Hatte also gar nicht so lange gedauert. Halber Beinbruch, sozusagen. Doch die K\u00e4lte wich nicht aus dem Haus, so dass William zusammen mit Augustas und Isabels Neffen den gr\u00f6\u00dferen Heizofen ins Haus hieften, damit wir die Temperaturen zumindest ein wenig \u00fcber die Nullgrenze bringen konnten. Einige Male, zumindest in den ersten Tagen des &#8220;An-die-K\u00e4lte-Gew\u00f6hnens&#8221;, weigerte ich mich des \u00d6fteren eine Dusche zu nehmen, da das Entkleiden wirklich zur Qual wurde. <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 110px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2006\/2006_mexico\/cuernavaca\/24160024.JPG\" title=\"Mounting antennas for William's amateur radio\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2006\/2006_mexico\/cuernavaca\/cache\/24160024.JPG-nggid03710-ngg0dyn-100x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"Mounting antennas for William's amateur radio\" title=\"Mounting antennas for William's amateur radio\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">Mounting antennas for William's amateur radio<\/p><\/div>\n\n<p>William, geb\u00fcrtiger Amerikaner aus den USA, liebt die Natur und harte Arbeit und verbringt deswegen die meiste Zeit des Tages an der frischen Luft. Er war ein Mann der Tat, nicht des Wortes und so fielen die Gespr\u00e4che mit ihm zwar interessant, aber durch ihre K\u00fcrze etwas karg aus. William bastelt viel am Haus herum, f\u00fchrt Verbesserungen im Garten aus und widmet einige Zeit seinem Radio. Er besa\u00df die Lizenz ein Funkradio in Betrieb zu nehmen. Dies hatte er bereits in den USA auf seinem anderen Grundst\u00fcck mit Vorliebe ausge\u00fcbt. Da er bis dato noch keine ordentliche Antenne daf\u00fcr hatte, bat er Augustas beim Installieren der Neuen auf dem Dach. Das war ein ganz sch\u00f6ner Apparat und wenig mit einer Fernsehantenne zu vergleichen. Im Schlafzimmer wie auch in der Garage hatte er also ein Funkger\u00e4t stehen, mit dem er vor allem Morsezeichen aussendete und empfing. Das Morsealphabet kannte er aus dem &#8220;FF&#8221;. William meinte, dass er durch das Funken schon viele Menschen kennengelernt hat, vor allem Leute, die sich auf ihrem Segelboot durch die Welt bewegten. Und gerade diese Kontakte suchte er<br \/>\nauch, denn es war einer seiner Tr\u00e4ume, die Welt mit einem Segelboot zu umrunden.<\/p>\n<p>Isabel war ein wahrer Wirbelwind, aber mit einer inneren Ruhe ausgestattet, dass sich trotz der vielen Wuseleien Entspannung \u00fcber den Anwesenden ausbreitete. Isabel war mit Leib und Seele Mexikanerin. Sie hatte William vor einigen Jahren in Cuernavaca kennengelernt. William wollte die Stadt damals kennenlernen und durch irgendeine Freundin traf er Isabel, die ihn durch Cuernavaca f\u00fchrte. Isabel, wie auch William, befanden sich bereits im Ruhestand. Sie hatte etliche Jahre als Kundenberater im Flugb\u00fcro der Mexicana, einer mexikanischen Fluglinie, gearbeitet. Sie liebte es durch die Welt zu reisen, was ihr die Arbeit bei Mexicana ausreichend erm\u00f6glicht hatte. Dadurch kannte Isabel mittlerweile nicht nur fast die ganze Welt, sondern hatte auch in jeder Ecke dieser Erdkugel Freunde. Isabel war ein wahres Organisationstalent, die f\u00fcr die Mexicana Mitarbeiter \u00fcber Jahre hinweg Wettl\u00e4ufe in den verschiedensten Erdteilen arrangiert hat. Und sie war noch immer bei der Sache, denn sie bat Augustas inst\u00e4ndig, ihr eine Website f\u00fcr die Wettl\u00e4ufe zu erstellen. Das tat Augustas selbstverst\u00e4ndlich gern. Isabel war eines von glaube ich acht Kindern und war mittlerweile mehrfache Tante und sogar bereits Gro\u00dftante. Sie liebte Kinder \u00fcber alles und k\u00fcmmerte sich r\u00fchrend um ihre Neffen und Nichten, die sich gerne bei ihr zu Hause verkrochen. Sie gab ihnen die Aufmerksamkeit, die sie dringend brauchten, aber aufgrund der berufst\u00e4tigen Eltern nicht bekamen. Isabel war also auch eine Art Seelsorgerin und Ersatzmutter. Da sie vor dem Aufeinandertreffen mit William noch nie verheiratet war, geschweige denn in einer festen Beziehung gelebt hatte, ermahnte ihre Mutter sie immer wieder, dass ihr im Leben noch eine reiche Erfahrung fehlte. Isabel empfand das nicht so und gurkte weiterhin allein durch die Welt. Irgendwann berherzigte Isabel den Rat ihrer Mutter, denn sie f\u00fchlte sich an einem Punkt in ihrem Leben angekommen, wo sie bereit f\u00fcr eine feste Partnerschaft war. Und wer h\u00e4tte es gedacht, gerade in diesem Moment trat William in ihr Leben und so wendete sich das Blatt. Die Beiden lebten bereits seit einigen Jahren zusammen, bis sie sich ein Jahr zuvor entschieden hatten, endlich den Bund der Ehe einzugehen. Isabel kostete diese neue Erfahrung zur Gen\u00fcge aus. Sie liebte es f\u00fcr William zu kochen und schwirrte st\u00e4ndig fr\u00f6hlich vor sich hintr\u00e4llernd mit den extravagantesten Kochideen durch die K\u00fcchenlandschaft.<\/p>\n<p>Alfie und Phoebe waren wundervolle Hunde. Alfie war allerdings extrem scheu. Sie traute sich nur n\u00e4her an uns heran, wenn wir sie nicht beachteten. Phoebe war das ganze Gegenteil. Ob ich gerade meine Gymnastik\u00fcbungen im Garten aus\u00fcbte, W\u00e4sche aufhing oder einfach nur auf der Terrasse sa\u00df, Phoebe kam immer angeschlichen, legte sich auf meine F\u00fc\u00dfe und beherrschte die Situation. Entwischen hatte gar keinen Zweck, denn Phoebe kam immer hinter mir hergelaufen und fiel auf meinen F\u00fc\u00dfen ruckartig in sich zusammen, sobald ich zum Stillstand kam. Und das innerhalb von einer Sekunde.<\/p>\n<p>Mittwochs war Isabels und Williams besonderer Tag. An diesem Tag legten beide ihre Arbeit im und am Haus nieder, putzten sich heraus und gingen ins Kino. Nach dem Kino speisten sie immer in einem Restaurant und entspannten sich mit Spazierg\u00e4ngen durch Cuernavaca. Ich fand es toll, dass sie sich daf\u00fcr einen bestimmten Tag festgelegt hatten und ihre gemeinsamen Vergn\u00fcgungsstunden nicht dem Zufall \u00fcberlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Da die Beiden wegen ihrer regelm\u00e4\u00dfigen Kinobesuche bez\u00fcglich der Veranstaltungen auf dem Laufenden waren, erfuhren wir von einem internationalem Filmfest, was zur Zeit unseres Aufenthaltes in Cuernavaca stattfand. Da lief unter anderem ein litauischer Film und das Mitten in Mexiko. Wer h\u00e4tte das gedacht! Wir gingen nat\u00fcrlich hin und da ich vorwiegend nur Bahnhof verstand, \u00fcbersetzte mir Augustas leise fl\u00fcsternd den ganzen Film.<\/p>\n<p>Da Isabel von unseren Afrikareisen und unserer Liebe zu diesem Kontinent erfahren hatte, lud sie uns eines Sonntag vormittags zu einem Kirchgang ein. Dort w\u00fcrden wir auf Susan treffen, die urspr\u00fcnglich aus Kenia stammt. Die Kirche wurde fast ausschlie\u00dflich von Ausl\u00e4ndern besucht; die meisten davon lebten in und um Cuernavaca. Die Gemeinde war klein und jeder kannte jeden. W\u00e4hrend Isabel und William sich in der ersten Reihe postierten, verkrochen wir uns lieber in die hinterste. Wir waren Kirchg\u00e4nge nicht gewohnt und zogen es vor, die ganze Messe von hinten zu beobachten. Als Susan dann, versp\u00e4tet, in die Kirche eintrat, hellten sich unsere Gesichter auf. Afrika! Das war es, was Susan mit ihrer Grazi\u00f6sit\u00e4t verk\u00f6rperte. Unsere Augen blitzten auf. Wir konnten das Ende der Messe kaum abwarten. Dann war es endlich soweit. Alle Anwesenden wurden f\u00fcr Kaffee und Kuchen in einen Gemeinderaum gef\u00fchrt und konnten sich dort ausgiebig miteinander unterhalten. Dabei wurden wir von einem Herrn in Beschlag genommen. Das passte uns gar nicht so recht, denn wir wollten viel lieber mit Susan die Zeit verbringen. Leider war dieser Kaffeeklatsch viel zu schnell um. Wir erfuhren nur soviel, dass Susan eine Blumenfarm hatte und mit einem Deutschen verheiratet ist, den sie in Kenia kennengelernt hatte. Ihr Ehemann war n\u00e4mlich leidenschaftlicher Volunt\u00e4r und trieb sich mit Hilfeprojekten in der ganzen Welt herum. Susan erw\u00e4hnte auch die Anfangsschwierigkeiten, die ihr das Leben in Mexiko bereitet hatte. Mittlerweile hatte sie sich aber an Mexiko gew\u00f6hnt und wartete sehns\u00fcchtig auf ihren baldigen Urlaub in Kenia. F\u00fcr diesen Tag sollte es das gewesen sein, doch Susan versprach, uns allesamt zu einem Essen auf ihrer Farm einzuladen. Leider kam es nie dazu.<\/p>\n<p>Meine Verdauung machte mir trotz der bereits lange \u00fcberwundenen Parasiten einige Probleme. Ich vertraute mich Isabel an, die mir mit ihrem homeopatischem Wissen und der Hilfe ihrer Mutter halfen, die Probleme in den Griff zu kriegen. Selbst sp\u00e4ter, als wir bereits auf dem Weg nach Cancun, und somit Kuba, waren, half Isabel mir \u00fcber Telefon und Internet mit Tipps rund um die Homeopathie weiter.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Tag statteten wir Mexiko Stadt einen erneuten Besuch ab. Rigel, eine K\u00fcnstlerin, hatte uns zu ihrer Galerieer\u00f6ffnung eingeladen. Da die Er\u00f6ffnung abends stattfand, hatte Isabel sogleich eine Freundin im Kopf, die uns in Mexiko Stadt f\u00fcr die Nacht beherbergen konnte. Wir trafen uns also zuerst mit Laura, einer Physiotherapistin und Naturkosmetikerin. Mit ihr zusammen gabelten wir Laura\u00b4s Freundin auf und gingen dann zu Viert zu Rigels Galerieer\u00f6ffnung. Dort fielen uns vor Erstaunen fast die Augen heraus. Die Gem\u00e4lde erinnerten an Schwarz-Weiss-Fotografien, die an bestimmten Punkten mit Farbe versehen waren. Nur als wir so nah an den Bildern waren, dass wir sie fast mit unserer Nase ber\u00fchrten, erkannten wir, dass es sich um Gem\u00e4lde handelte. Rigel war ein wirkliches Talent, die mit harter Arbeit erotische Kunstwerke in Szene setzte. Rigel sagte einmal, &#8220;Malen ist f\u00fcr mich vor allem Arbeit, denn nur mit Flei\u00df und Schweiss werde ich es auf diese Weise zu etwas bringen.&#8221; <\/p>\n<p>Nach der Galerieer\u00f6ffnung liefen wir zu Laura nach Hause. Dort wartete ihre Schwester, bereits in ihrem Nachthemd gekleidet, auf unsere Einkehr. Da wir Hunger und uns vorher gemeinsam f\u00fcr Nudeln mit Gem\u00fcse-Tomaten-So\u00dfe entschieden hatten, fingen wir um die sp\u00e4te Abendzeit noch an, in der K\u00fcche herumzuwerken. Nun gut, nicht gerade in der K\u00fcche, denn die war viel zu klein f\u00fcr mehr als eine Person. Wir nutzten also den Stubentisch, der erst einmal freiger\u00e4umt werden musste, da Laura dort ihre ganzen Bastelutensilien und Cremes stehen hatte. Das Wohnzimmer glich ein wenig mehr einer Rumpelkammer, in der es an allen Ecken und Enden etwas Neues zu entdecken gab. Lauras Schwester fand die Unordnung gar nicht toll. Sie war eher die Ordnungsbewu\u00dfte, hatte es aber mittlerweile aufgegeben, ihrer Schwester die Dinge hinterherzur\u00e4umen. Man muss dazu sagen, dass Lauras Schwester einen eigenen Raum hatte, wo sie ihre Basteleien unterbrachte. Die bestanden aus alten<br \/>\nRadios und den daf\u00fcr notwendigen Werkzeugen und Ersatzteilen. Lauras Schwester war ausgebildete Elektroingenieurin, da sie aber keine Arbeit fand, schlug sie sich mit dem unoffiziellem Gesch\u00e4ft von Radioreparaturen durch. Wir genossen nach einer Stunde Zubereitungszeit endlich das Abendessen und sa\u00dfen noch lange schwatzend am Tisch zusammen. Der Gang zum Bad vor dem Zubettgehen er\u00f6ffnete uns eine karge, l\u00fcckenhaft geflie\u00dfte Zelle, die nur provisorisch zusammengehalten wurde. Wir schliefen in dem Zimmer, in dem Lauras Schwester ihre Radiowerkstatt hatte. Dort befand sich ein viel zu kleines Bett, in dass wir uns nahezu zusammenklebend hineinzw\u00e4ngen mussten.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur\u00fcck nach Huitzilac liefen wir morgens eine knappe Stunde mit Laura durch die Gegend. Sie meinte zuvor, dass die U-Bahn, die wir ben\u00f6tigten, nicht weit w\u00e4re. Wir schmunzelten sp\u00e4ter \u00fcber diese Einsch\u00e4tzung, aber gut, Mexiko Stadt war im Vergleich zu anderen Orten auch immens gro\u00df. Alles ist schlie\u00dflich relativ. Kaum waren wir an der Autobahngeb\u00fchrstelle angekommen und trampten los, da entdeckten wir einen Kameramann auf der Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke, die sich \u00fcber die Autobahn zog. Wir w\u00fcrden wohl bald im mexikanischen Fernsehen landen, denn unsere Daumen schienen hochinteressant zu sein. Wir lachten \u00fcber diese ulkige Filmerei.<\/p>\n<p>Uns nahmen zwei junge Herren mit, die ein St\u00fcck weiter als Cuernavaca wollten. Sie waren in der Fotografiebranche t\u00e4tig und mussten Poster, die sie f\u00fcr etliche Leute angefertigt hatten, zu ihren K\u00e4ufern bringen. Es war eine lustige Fahrt und lehrreich f\u00fcr unsere Fahrer. Wir teilten mit ihnen alle Geheimnisse \u00fcber die Minimierung von Reisekosten, was die Beiden erstaunte, ihnen aber gleichzeitig neue Wege er\u00f6ffnete. Denn sie wollten bereits seit langer Zeit Europa erkunden, was sie bis dato nicht konnten, denn eine zweiw\u00f6chige Reise kostete mal locker 3000 Euro. Als Dank f\u00fcr die vielen Tipps brachten sie uns letztlich noch bis Cuernavaca hinein und spendierten uns was auch immer wir begehrten in einer naheliegenden Tankstelle. Danach nahmen wir einen Bus ins Zentrum von Cuernavaca und kehrten erst am sp\u00e4ten Abend nach Huitzilac zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Uns gefiel das Haus und die Gesellschaft von William und Isabel so sehr, dass wir weit l\u00e4nger als gedacht blieben. Wir halfen daher im Haushalt aus, kochten einige Male f\u00fcr unsere Gastgeber, legten die W\u00e4sche zusammen und halfen auch sonst im und vor dem Haus mit. Augustas verbrachte einige Tage mit dem Erstellen von Isabels Website. Das Internet nutzten wir nur f\u00fcr kurze Momente, denn wir f\u00fchlten, dass William das nicht so recht passte. Wir gingen daf\u00fcr also lieber nach Cuernavaca, wo es nur 0,40 Cent kostete. Wir genossen die entspannte Zeit, die wir in Huitzilac lebten. Irgendwann f\u00fchlten wir uns unwohl, dass wir uns f\u00fcr so lange eingenistet hatten, obwohl uns Isabel immer wieder versicherte, dass sie sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzt uns da zu haben. Sie versorgte uns wie ihre eigenen Kinder. William schien dagegen ein Problem damit zu haben, dass wir st\u00e4ndig um ihn herumschwirrten. Da wir noch immer auf die Digitalkamera warteten, entschieden wir uns also f\u00fcr eine f\u00fcnft\u00e4gige Reise zur pazifischen K\u00fcste. Ich wollte schlie\u00dflich die Riesenschildkr\u00f6ten sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sylvia war so lieb, uns bis zu einer g\u00fcnstigen Tramperstelle au\u00dferhalb von Cuernavaca zu bringen. Dort versuchten wir zu trampen, da uns aber der Regen m\u00e4chtig erwischte, mu\u00dften wir uns eine Weile in einem Blumenladen unterstellen. Die Leute ringsumher schauten uns komisch an. Wir gaben wohl ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Bild ab. 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