{"id":386,"date":"2008-03-23T00:00:00","date_gmt":"2008-03-22T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/iquitos-eine-stadt-ohne-autos\/"},"modified":"2008-03-23T00:00:00","modified_gmt":"2008-03-22T22:00:00","slug":"iquitos-eine-stadt-ohne-autos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/iquitos-eine-stadt-ohne-autos\/","title":{"rendered":"Iquitos &#8211; eine Stadt ohne Autos"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/peru\/mazan\/IMG_9639.JPG\" title=\"everywhere motocarros\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/peru\/mazan\/cache\/IMG_9639.JPG-nggid042861-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"everywhere motocarros\" title=\"everywhere motocarros\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">everywhere motocarros<\/p><\/div>\n\n<p>Wer erwartet hat, dass wir hier von einem \u00f6kologisch sauberem, v\u00f6llig unber\u00fchrtem Ort berichten werden, der hat sich geirrt. Iquitos ist zwar eine riesige Stadt ohne Autos, doch an innerst\u00e4dtischem Verkehr mangelt es keineswegs. Wie jetzt&#8230;viel Verkehr und keine Autos, wie passt das denn zusammen? La\u00df uns folgendes versuchen. Schlie\u00dfe deine Augen und stell dir vor, du stehst in der Mitte einer gro\u00dfen Stra\u00dfe. \u00d6ffne deine Augen. Vor dir stehen dutzende Motorcaros (dreir\u00e4drige Rickshawmotorr\u00e4der). Wiederhole den Vorgang. Augen schlie\u00dfen, vorstellen, Augen \u00f6ffnen. Du siehst das Gleiche: Motorcaros. Du kannst es glauben, bis auf 0,01% Ausnahmen, kursieren in dieser Stadt nur diese motorisierten Dreir\u00e4der herum. Wir sahen nur vereinzelt einen LKW und eine handvoll Fremder (oder auch reicher Leute), die mit einem Mazda, Toyota, Volkswagen und sogar einem russischen Lada in diese Motorcaro-Landschaft hineinprotzten.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens gibt es eine ungef\u00e4hr 100km lange Stra\u00dfe, die in den S\u00fcdwesten von Iquitos, nach Nauta, f\u00fchrt. Um dorthin zu gelangen, haben sich Kleinunternehmer herausgebildet, die Fahrten nach Nauta f\u00fcr 10 Soles (\u20ac 2,30) anbieten. F\u00fcr die kleinere Geldb\u00f6rse gibt es in diesem Fall einen Direktbus.<\/p>\n<p>Praktisch betrachtet grenzt die Navigation eines Autos in Iquitos an eine reine Katastrophe. Die Anzahl der auf den Stra\u00dfen herumschwirrenden Motorcaros und Motorr\u00e4der ist enorm. Stra\u00dfenlinien oder sonstige Begrenzungen existieren nicht. Jeder Fahrer kurvt frei nach seinem Ermessen und Vergn\u00fcgen durch die Stadtlandschaft. Sie schneiden Kurven und heben dabei fast ab, sie messen sich gegenseitig an der Geschwindigkeit, rasen mit Vorliebe durch die f\u00fcrchterlichsten Stra\u00dfenl\u00f6cher hindurch und sind ehrlich gesagt nur durch die Ampeln aufzuhalten. Ein reichlich \u00fcberraschender Fakt. Als Fu\u00dfg\u00e4nger sollte man aber trotz gr\u00fcnem Licht auf seine Anwesenheit aufmerksam machen, da die Motocaro-Fahrer unerkl\u00e4rlicherweise in eine Art Starre verfallen, sobald sie von den Verkehrslichtern gestoppt werden. Wie Zombies stieren sie auf die Lichter, ohne auch nur ansatzweise zu realisieren, was au\u00dferdem um sie herum passiert. Sobald die Ampel auf gr\u00fcn schaltet, ist alles aus. Das Rennen beginnt und wer aus Versehen zu dieser Zeit noch auf dem Rennfeld (der Stra\u00dfe) steht, der wird mit Sicherheit durch die Luft gewirbelt oder derma\u00dfen in die Enge getrieben, dass er sich am besten nicht bewegt, bis die Ampel f\u00fcr die Motorcaros erneut auf Rot schaltet. Ein wahrlich realisierter Alptraum auf Iquitos Stra\u00dfen.<\/p>\n<p>Die \u00fcbrigen Motorr\u00e4der, die ca. 20% aller Verkehrsmittel umfassen, befinden sich meist in Privatbesitz. Die dreir\u00e4drigen Konstruktionen bilden den Rest der Transportmittel und sind im \u00fcbrigen die effektivsten, um in Iquitos schnell und direkt ans Ziel zu gelangen. Diese Motocaros funktionieren als Taxis, denn die uns bekannten, vierr\u00e4drigen Kollegen existieren in Iquitos nicht. Aber keine Sorge, ihr Fehlen am Platze f\u00e4llt weder auf, noch ins Gewicht. <\/p>\n<p>Die Motocaros bestehen aus einem Motorrad mit einer Art Rickshaw-Anh\u00e4nger, in denen bis zu vier Personen Platz finden. Vielleicht sogar mehr, denn auch der Gep\u00e4cktr\u00e4ger fa\u00dft so einiges. Unsere Rucks\u00e4cke samt restlichem Reisegep\u00e4ck fanden problemlos Raum, um mit uns tranportiert zu werden. Die meisten Fahrer sichern gl\u00fccklicherweise das Transportgut mit Seilen. Manchmal jedoch ist es ratsam, mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen r\u00fccklinks das Gep\u00e4ck zu greifen, um nicht bei Ankunft die H\u00e4lfte verloren zu haben. Vor dem Regen ist der Fahrgast generell sicher, da die Sitzbank ein Dach hat. F\u00fcr die Fahrer kann es allerdings ungem\u00fctlich werden und um nasse Hosen zu vermeiden, befestigen sie gekonnt ein quadratisches St\u00fcck Plastikplane an der Vorderseite des Motocaros. Es bleibt ihnen dann zwar nur ein enger Sehschlitz, aber sie kommen auf diese Weise definitiv mit einem trockenen Hosenboden davon.<\/p>\n<p>Die meisten Motocaros werden f\u00fcr 20 Soles (\u20ac 4,70) pro Tag angemietet. Das hei\u00dft, die Fahrer mue\u00dfen mindestens 30 Soles (\u20ac 7) am Tag verdienen, um ihre Familie wenigstens mit einem Teller Reis zu ern\u00e4hren.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/peru\/mazan\/IMG_9640.JPG\" title=\"city center of Iquitos\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/peru\/mazan\/cache\/IMG_9640.JPG-nggid042862-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"city center of Iquitos\" title=\"city center of Iquitos\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">city center of Iquitos<\/p><\/div>\n\n<p>Die Fahrtkosten in einem Motorcaro m\u00fcssen vor Fahrantritt verhandelt werden. Der Preis f\u00fcr einen 1-2km langen Weg betr\u00e4gt 1,5 Soles (\u20ac<br \/>0,30). Je l\u00e4nger der Weg, desto h\u00f6her der Preis (2,5 soles und h\u00f6her). Eine Reise vom Stadtzentrum zum weit entfernten Flughafen kostet zwischen 7 und 8 Soles (\u20ac 1,70). Normalerweise schlagen die Motocaro-Fahrer 0,50 Soles auf den Standardpreis drauf. Wer also ein Motocaro anh\u00e4lt und zum Beispiel 2 Soles h\u00f6rt, mu\u00df sofort mit 1,5 Soles kontern. Es ist wichtig, den Preis immer vorher klarzumachen, insofern man nicht \u00fcbers Ohr gehauen werden will.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens ist es bei Alleinreise billiger, wenn man einen der Stadtbusse f\u00fcr 70 Centimos (\u20ac 0,17) nimmt. Das sind eine Art miniaturisierte Autobusse ohne Glas in den Fenstern, die ungef\u00e4hr 40 Passagiere fassen. Wenn es regnet, k\u00f6nnen eine Art Plastikfenster nach oben geschoben werden. Die Busstrecke f\u00fchrt normalerweise entlang der Hauptstra\u00dfen Iquitos. Wenn man also zur anderen Seite der Stadt will, zum Beispiel zum Flughafen, ist die Reise mit dem Bus ums Zehnfache billiger als mit einem Motocaro.<\/p>\n<p>Also, willkommen in Iquitos, der gr\u00f6\u00dften Stadt der Welt (mit 500.000 Einwohnern) ohne Stra\u00dfenanbindung. Das nahegelegenste St\u00e4dtchen mit Anschlu\u00df an die restlichen Stra\u00dfen von Peru ist Yurimaguas, eine dreit\u00e4gige Bootsreise (70 soles &#8211; \u20ac 17) entlang des Mara\u00f1\u00f3n- und Huallagaflu\u00dfes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer erwartet hat, dass wir hier von einem \u00f6kologisch sauberem, v\u00f6llig unber\u00fchrtem Ort berichten werden, der hat sich geirrt. Iquitos ist zwar eine riesige Stadt ohne Autos, doch an innerst\u00e4dtischem Verkehr mangelt es keineswegs. Wie jetzt&#8230;viel Verkehr und keine Autos, wie passt das denn zusammen? La\u00df uns folgendes versuchen. 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