{"id":372,"date":"2007-09-11T00:00:00","date_gmt":"2007-09-10T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/ein-perfekter-tag1\/"},"modified":"2007-09-11T00:00:00","modified_gmt":"2007-09-10T22:00:00","slug":"ein-perfekter-tag1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/ein-perfekter-tag1\/","title":{"rendered":"Ein perfekter Tag (Juli 11 &#8211; 12)"},"content":{"rendered":"<p>Wir entschieden uns Armando in Giron, in der N\u00e4he von Bucaramanga, zu besuchen. Armando hatte uns auf dem Weg nach Cartagena geholfen, indem er uns riskanterweise mit seinem Lieferwagen voller Fisch einige hundert Kilometer mitgenommen hatte. Er lud uns damals herzlich zu sich nach Hause ein und diese Einladung wollten wir nun gerne annehmen.<\/p>\n<p>Um aus Cartagena herauszukommen mussten wir einen Bus nehmen, der voraussichtlich etwas weiter aus der Stadt herausf\u00e4hrt. Leider war dem nicht der Fall. Der Bus hielt noch vor dem Flughafengel\u00e4nde an, was f\u00fcr uns hie\u00df, entweder bis zum Stadtende laufen oder aber noch mitten in der Stadt eine Mitfahrgelegenheit finden. Da die Strasse, an der uns der Bus herausgesetzt hatte, geradewegs am Strand lag. Die Gegend was reichlich unbelebt, au\u00dfer einer Vielzahl von Fischersleuten, die gerade die Netze einholten. Wir f\u00fchlten uns unwohl bei dem Gedanken, die Strecke mit unserem Gep\u00e4ck entlangzulaufen. Wir liefen ein St\u00fcck, bis wir zumindest Platz zum Anhalten hatten. Wir standen nun direkt neben der Abflugbahn der Flugzeuge, vor dessem Tor ein Soldat stand. Das gab uns etwas Sicherheit. W\u00e4hrend wir warteten flogen vereinzelt Flugzeuge ab. Das war so \u00fcberw\u00e4ltigend, ich bekam richtig Angst. Keine 20 Meter \u00fcber uns hoben die Kolosse in den Himmel ab, t\u00f6sten mit einem H\u00f6llenl\u00e4rm und bliesen uns fast von der Strasse.<\/p>\n<p>Wir schafften es, trotz des regen Verkehrs, ein Auto anzuhalten. Leider lie\u00df genau dieses uns wieder stehen, weil der Fahrer wegen unserem Gep\u00e4ck geschockt war. Dabei haben wir doch gar nicht so viel&#8230; Wir hatten erneut Gl\u00fcck und bekamen einen Lift bis zu einer Kreuzung au\u00dferhalb Cartagenas, an der sich die Landstra\u00dfe in zwei teilt. Unser Fahrer wollte einfach rechts abbiegen, da musste ich ihn in seiner Aktion stoppen. Ich wusste, dass er nur ein kleines St\u00fcck weiter bis zu einem Dorf fahren wird und wir auf dem Hinweg die Strecke geradeaus genommen hatten. Ich beriet mich also kurz mit Augustas, der auf der Ladefl\u00e4che des Transporters sass. Der Fahrer bestand darauf, dass er uns auf die beste Strecke in Richtung Barranquilla bringen w\u00fcrde, doch wir lehnten dankend ab. Die von ihm vorgeschlagene Strecke f\u00fchrte n\u00e4mlich geradewegs durch eine Unmenge von D\u00f6rfern, durch die wir wohl den ganzen Tag gebraucht h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Wir warteten lange und da wir nun sahen, dass wirklich 80 Prozent des Transportes die nach rechts abbiegende Strecke w\u00e4hlte, fingen wir an zu gr\u00fcbeln, ob wir nicht einen Fehler gemacht hatten. Sollten wir vielleicht unsere Reise einfach auf der anderen Strecke fortsetzen? Wir hielten noch eine Weile durch und das zahlte sich aus, denn wir bekamen eine Mitfahrgelegenheit auf der Ladefl\u00e4che eines Pick-Ups, die uns geradewegs bis nach Barranquilla f\u00fchrte. Es war herrlich wieder auf einer Ladefl\u00e4che zu weilen, denn w\u00e4hrend der rasanten Fahrt f\u00fchlten wir uns nicht nur wie ein Teil des Windes, sondern es rauschte auch eine unbeschreiblich sch\u00f6ne Landschaft an uns vorbei.<\/p>\n<p>In Barranquilla wurden wir an der Autobahn herausgelassen. &#8220;Dort, in die Richtung m\u00fcsst ihr&#8221;, meinte der Fahrer und schon war er weg. Wir \u00fcberquerten die Autobahn und standen pl\u00f6tzlich im v\u00f6lligen Chaos. Die gesamte Strasse war ges\u00e4umt von gelben Taxis, die mit lautstarkem Gehupe ein Lied zu komponieren versuchten. Hunderte gelber, hupender Autos. Was war hier nur los? Am Horizont erkannten wir eine Art Leichenwagen. Es war wohl ein Taxifahrer ums Leben gekommen. Wahrscheinlich war es aber eher der Gr\u00fcnder der Taxi-Firma, denn bei so einem Riesenaufstand, der die komplette Strasse absperrte, musste sich schon eine wichtige Pers\u00f6nlichkeit verabschiedet haben. Oder auch nicht.<\/p>\n<p>Auf der anderen Stra\u00dfenseite erkundigten wir uns bei den zwei Bussen, die aufgrund des gelben Aufmarsches nicht weiterkamen. Der erste Busfahrer fuhr nicht in unsere Richtung, aber der zweite Bus lud uns freundlich ein. Irgendetwas schien anders bei diesem Bus zu sein, womit wir Recht hatten. Es war ein Friedhofs-Bus, der, ohne in das Treiben der Taxifahrer eingebunden zu sein, kostenlos die Menschen zu ihren Dahingeschiedenen bringt. Wir mussten also letztendlich nicht einmal etwas bezahlen. Ein Lift in einem Friedhofsbus, das hatten wir auch noch nicht.<\/p>\n<p>Als wir aus dem Bus ausstiegen, befanden wir uns an einer sehr belebten Kreuzung. Hier eine Tankstelle, dort ein Restaurant, ein Imbiss, ein B\u00fcro, ein&#8230; und extrem viel Verkehr. Vier Richtungen hatten wir zur Auswahl. Aus der einen waren wir gekommen, uns verblieben also noch drei. Augustas hatte m\u00e4chtig zu k\u00e4mpfen, um den Herumstehenden die richtigen Informationen zu entlocken. Am Ende wurde uns erz\u00e4hlt, wir sollten einen der kleinen, \u00fcberdachten Pick-Ups nehmen, der w\u00fcrde uns zumindest weiter in unsere Richtung bringen. Kaum hatten wir die Strasse \u00fcberquert, da kam auch schon eines dieser Transportmittel. Wir quetschten uns auf die Mini-Ladefl\u00e4che, auf der bis dato nur ein Herr sass. Dieser machte sich ganz klein, damit wir problemlos unsere Sachen hineinstopfen konnten. Da die gelben Aufstandsteufel, es sind die Taxi gemeint, \u00fcberall in der Stadt die Strassen verstopften, musste auch dieser Pick-Up wohl oder \u00fcbel eine Weile stillstehen. Manchmal ging es ganz langsam voran, einige Male funktionierte gar nichts mehr, bis zum totalen Stillstand. W\u00e4hrend wir notgedrungen abwarteten, kamen wir mit dem Herrn auf der Ladefl\u00e4che ins Gespr\u00e4ch. Er zeigte uns verschiedene M\u00f6glichkeiten auf, wie wir am besten aus der Stadt herauskommen k\u00f6nnten. Unser Fahrer drehte mittlerweile um und nahm, wie andere schlaue F\u00fcchse, eine winzige Strasse mitten durch ein Wohnviertel. Die Leute dort staunten nicht schlecht \u00fcber den vielen Verkehr. Auch dort wurde wieder angehalten, denn die Fahrer mussten sich austauschen, wie sie am besten zur\u00fcck auf ihre gewohnte Strecke kamen. Endlich hatten wir das Wohnviertel passiert und erreichten wieder die grosse Stra\u00dfe, von der wir zuvor abgebogen waren. Der Mann auf der Ladefl\u00e4che, mittlerweile unser Freund, hatte uns in dieser Zeit bereits 3000 Pesos (0,70 \u20ac) in die Hand gedr\u00fcckt, damit wir den Transport bezahlen konnten. Wir lehnten ab, aber er bestand darauf. Nun gut. Au\u00dferdem lud er uns ein, mit ihm Mittag zu essen. Da wir reichlich hungrig waren stimmten wir zu. Wir stiegen also mit ihm aus und liefen kreuz und quer durch Barranquilla. Auf dem Weg zu seinem Haus wurden wir vor dem Fussballstadium mit frischen Orangensaft verw\u00f6hnt. Er telefonierte kurz mit seiner Frau und bat sie, eine Art Fleischsuppe f\u00fcr sechs Personen zu kaufen. Da klingelten bei mir die Alarmglocken. Ich erkl\u00e4rte unserem Freund also, dass wir Vegetarier seien und kein Fleisch essen. Das brachte ihn ein wenig in Schwierigkeiten, doch er meinte, wir w\u00fcrden eine L\u00f6sung finden. Dann ging es weiter bis zu einem Shoppingcenter, wo unser Freund seine Gro\u00dfeltern abholen wollte. Die kommen n\u00e4mlich regelm\u00e4\u00dfig zu Besuch. Nun waren wir zu f\u00fcnft und unsereins trottete mit Sack und Pack den drei Verwandten hinterher. Wo wir wohl hingef\u00fchrt wurden? Wir entfernten uns mittlerweile so weit von unserer Bushaltestelle, dass wir Zweifel hatten, den Weg allein zur\u00fcckzufinden. Das Thema Essen stand noch immer zur Debatte und nach unz\u00e4hligen Kurven und Strassen, die wir bereits gegangen waren, hielt unser Freund an einem chinesischen Restaurant an. Ich begleitete ihn hinein, um sicher zu sein, dass sie uns nicht H\u00fchnchen servierten. Es folgte eine lange Diskussion, in der sich herausstellte, dass das einzige vegetarische Mittagsmahl Reis mit Gem\u00fcse war. Das war gut f\u00fcr uns und so spendierte unser Freund uns eine gro\u00dfe Portion davon. Die bekamen wir in einem Pappkarton \u00fcberreicht, der zus\u00e4tzlich in einer Plastikt\u00fcte eingepackt war. Zuvor hatte unser Freund gefragt, &#8220;zum hier essen oder mitnehmen?&#8221;. Das verunsicherte mich ein wenig, da ich annahm, dass er uns zu sich nach Hause zum Essen einlud. Wozu h\u00e4tte er uns denn sonst so weit mit sich geschleppt? Mein Stocken machten ihn daraufhin unsicher, so dass ich antwortete, &#8220;Wie sie m\u00f6chten, hier is<br \/>\nt in Ordnung, bei ihnen zu Hause auch.&#8221; Er nahm uns daraufhin mit zu sich nach Hause.<\/p>\n<p>Seine Frau war ein wenig \u00fcberrascht, doch wurde alles schnell f\u00fcr sechs Personen organisiert. Die Wohnung unseres Freundes war wirklich winzig. Der einzige Raum, in den man ein Tischchen stellen konnte, ma\u00df gerade einmal 2 Meter Breite. Es wurden also St\u00fchle auf die Strasse herausgetragen, im Schatten aufgestellt und wir nahmen gemeinsam mit den Gro\u00dfeltern darauf Platz. Wir plauderten ein wenig und bekamen f\u00fcrchterlich chemische Erfrischungsgetr\u00e4nke, z.B. violette Limonade, serviert. Aber es war ja gut gemeint und so f\u00fchrten wir sie unseren K\u00f6rpern zu. Wir hatten bei unserer Ankunft den Reis mit Gem\u00fcse an unseren Freund ausgeh\u00e4ndigt. Der kam pl\u00f6tzlich besorgt auf uns zu, denn er hatte festgestellt, dass es sich um reinen Reis handelte. Wir beruhigten ihn und gaben ihm eine unserer Gurken. &#8220;Die k\u00f6nnen sie uns zusammen mit dem Reis servieren&#8221;, meinte ich. Da leuchtete sein Gesicht auf und er erg\u00e4nzte, &#8220;Tomaten und Zwiebeln sind auch in Ordnung?&#8221; Nat\u00fcrlich. Kurze Zeit sp\u00e4ter wurden wir zu Tisch gebeten. Als wir ins Haus eintraten stand in dem 2 Meter breiten Raum ein winziger Tisch mit zwei St\u00fchlen. Darauf befanden sich zwei Teller mit einer Riesenportion Reis und in einer Sch\u00fcssel daneben ein Salat. Uns wurde noch Ketchup gereicht, denn der Reis war pur ein wenig trocken. Wir genossen das Mittagsmahl w\u00e4hrend unser Freund und seine Frau draussen auf der Strasse bei ihren Gro\u00dfeltern Platz nahmen. Als wir fertig waren wurde f\u00fcr die Gro\u00dfeltern aufgetischt. Auch unser Freund bekam eine gro\u00dfe Portion Reis, Salat und H\u00fchnchen serviert, die er im gleichen Raum, einzeln auf einen Stuhl sitzend verzehrte. Wir nutzen die Gelegenheit eines Toilettengangs und als ich herauskam, wollte ich die Situation gleich nutzen, um ein wenig Trinkwasser zu bekommen. Da stand ich nun vor den Dreien, die schmatzend und gierig das Essen in sich hineinschlangen. Es war mir ein wenig peinlich zu fragen, wollte ich doch nur, dass sie mir erkl\u00e4rten, wo ich den Wasserhahn finden konnte. Unser Freund verwies mich mit vollem Mund mittels Handzeichen auf sp\u00e4ter. Ich f\u00fchlte, dass meine Frage w\u00e4hrend ihres Mahls nicht gerade angebracht war. Seine Frau, die draussen bei Augustas sass, f\u00fcllte uns dann die Flasche auf. Jetzt mussten wir uns sputen, damit wir noch aus Barranquilla herauskommen w\u00fcrden. Wir k\u00fcndigten der Frau unseres Freundes also an, dass wir uns auf die Socken machen w\u00fcrden. Wir dachten ja, dass wir den R\u00fcckweg eh alleine meistern m\u00fcssten. Da hatten wir uns allerdings geirrt. Unser Aufbruch f\u00fchrte dazu, dass das Essen der Gro\u00dfeltern und unseres Freundes geradewegs in die K\u00fcche gebracht wurde, die Gro\u00dfeltern sich mit Manier bei uns verabschiedeten und unser Freund uns zur Bushaltestelle brachte. Die war, anders als vermutet, sehr nah, nur ein paar Bl\u00f6cke weit entfernt. Unser Freund dr\u00fcckte uns auch hier das Busgeld in die Hand, ohne jeglichen Protest anzuerkennen. <\/p>\n<p>Da kam auch schon der Bus und wir fuhren zum Ende der Stadt. Hier mussten wir nur noch den Bus finden, der uns bis zur Peaje bringt. Ein Herr, der auf uns unangenehm wirkte, versuchte uns an die Reisebusse zu vermitteln, um damit ein wenig Provision zu verdienen. Doch wir liessen uns nicht darauf ein und versuchten ihn zu ignorieren. Wir fragten einen der Busfahrer, was er uns f\u00fcr die kurze Fahrt bis zur Peaje berechnen w\u00fcrde, lehnten das \u00fcberpreiste Angebot aber kategorisch ab. Es gab ja schlie\u00dflich auch einen regul\u00e4ren Stadtbus bis dorthin. Der kam genau in diesem Moment um die Ecke. Wir sprangen auf und los ging es zur Peaje.<\/p>\n<p>Endlich waren wir an der Peaje in der N\u00e4he von Cienaga, wo wir auf dem Hinweg nach Cartagena \u00fcbernachtet hatten. Der Nachmittag war schon reichlich vorangeschritten und jetzt regnete es auch noch. Wir stellten uns also unter ein winziges Vordach, dass von einer Abstellkammer neben der Peaje Schutz bot. Wir versuchten von dort aus zu trampen, was auch funktionierte. Erstaunlicherweise hielt ein LKW, der auf seinem lattenrost\u00e4hnlichen Anh\u00e4nger Stra\u00dfenbaug\u00fcter geladen hatte. Er \u00f6ffnete uns die Anh\u00e4ngert\u00fcr und lie\u00df uns einsteigen. Gleichzeitig warnte er uns aber, dass wir vor einigen Polizeikontrollen hinter den geladenen G\u00fctern verschwinden m\u00fcssten. Er w\u00fcrde uns rechtzeitig dar\u00fcber informieren. Ich fragte mich ernsthaft, wie wir uns jemals hinter den G\u00fctern verstecken sollten, denn diese waren bei weitem nicht hoch genug gestappelt, um das zu bewerkstelligen. Wir hielten w\u00e4hrend der holprigen Fahrt ein wachsames Auge \u00fcber die Situation, denn wir wussten, dass es viele Milit\u00e4r- und Polizeist\u00fctzpunkte gab. Doch letztlich kam es nicht dazu, dass wir uns amateurm\u00e4\u00dfig verstecken mussten, denn es gab diesmal keine Polizeikontrolle. Zumindest keine, die an seiner Ladung interessiert war. <\/p>\n<p>Eigentlich dachten wir zuvor an eine ungef\u00e4hr zweist\u00fcndige Fahrt, jedenfalls hinsichtlich des Reiseziels, was uns der Fahrer angek\u00fcndigt hatte. Am Ende wurden daraus f\u00fcnf Stunden. In dieser Zeit hockten wir zusammengekauert auf unseren Rucks\u00e4cken, am Ende der Ladefl\u00e4che, kurz vor der klapprigen Lattenrostt\u00fcr. Die Strecke war mit L\u00f6chern \u00fcbers\u00e4ht und mit dem gebrechlichen Lattenrost-LKW und seiner immens schweren Ladung, die bei jedem Loch durch die Gegend h\u00fcpfte, hatten wir kein leichtes Spiel. Eingemummelt in unsere Jacken, die Kapuzen fest auf dem Kopf verschn\u00fcrt, konnten wir zumindest dem Wind etwas trotzen. Oft mussten wir sogar aufstehen, da das Holpern derma\u00dfen stark war, dass es uns regelrecht die R\u00fccken zusammenstauchte. Viele, unerkl\u00e4rliche Male hielt der LKW an. Fahrer und Beifahrer verlie\u00dfen das Fahrerhaus und tranken oder a\u00dfen etwas, oder aber erledigten andere G\u00e4nge. Ab und zu schaute der Fahrer bei uns vorbei, um zu sehen, ob wir noch leben. Es war schon reichlich sp\u00e4t, da hielt der LKW wieder an. Der Motor wurde ausgemacht und vollkommene Ruhe umgab uns. Der Beifahrer kam bei uns vorbei und meinte, dass dem Fahrer die Augen zufallen w\u00fcrden, deswegen machen sie eine Pause. Wir \u00fcberlegten derweil, ob wir nicht gleich an der Tankstelle \u00fcbernachten sollten. Leider war sie nicht in Betrieb, also v\u00f6llig unbewacht. Dahinter befand sich ein Motel, wo die LKW-Fahrer ihre Nacht verbrachten. Vielleicht gab es dort ja ein bischen Grass, um das Zelt aufzustellen. Ich sah mir die Gegend ein wenig genauer an, musste aber feststellen, dass das Motel von Sumpf umgeben war. F\u00fcr ein Zimmer wollten wir ungern bezahlen. Uns wurde ja au\u00dferdem versprochen, dass wir an einer bewachten Peaje (Autobahngeb\u00fchrstelle) herausgelassen werden w\u00fcrden. Wir warteten also ab. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter ging es weiter, die Musik aus dem Fahrerhaus dr\u00f6hnend unter Begleitung der kraftvollen Stimmen unseres Fahrers und Beifahrers. Sie schienen gl\u00fccklich. <\/p>\n<p>Gegen 22 Uhr wurden wir endlich an der versprochenen Peaje abgeliefert. Erschreckenderweise gab es keinerlei Platz zum Zelten. Ein Wachmann kam auf uns zu und wir erkl\u00e4rten ihm unsere Lage. Leider konnte er uns keinen Aufenthalt im Verwaltungsgeb\u00e4ude gew\u00e4hren, da dieses mit einer Videokamera \u00fcberwacht wurde und in einer Zentralstelle zu Verwirrung f\u00fchren w\u00fcrde, wenn wir zwei uns dort niederlie\u00dfen. Der Wachmann wies uns einen Platz an, der gerade genug Raum zwischen Stra\u00dfenbeginn und dschungelartiger Bewaldung bot. Noch dazu lag es ein St\u00fcck weiter von der Peaje entfernt, im Dunkeln. Ich fand das alles gar nicht toll und schaute mich etwas hilflos um. Vielleicht w\u00fcrde der Wachmann ja doch noch einmal ein Auge zudr\u00fccken. Da hielt pl\u00f6tzlich ein Schwerlasttransporter an. Er rief uns zu und winkte, als ob wir einsteigen sollten. Wie kam es denn dazu? <\/p>\n<p>Der Wachmann sprach mit dem LKW-Fahrer und schon fanden wir uns in seinem Fahrerhaus wieder. Der erste Schwerlasttransporter in Kolumbien und das nachts! Der Fahrer hatte Sojabohnen geladen, die er zur Verarbeitung nach Bucaramanga bringen musste. Wahnsinn, wir hatten mitten in der Nacht, ohne auch nur im Geringsten zu trampen, eine Mitfahrgelegenheit bis zu unserem Reiseziel bekommen. Wir w\u00fcrden also am<br \/>\n Morgen bereits ankommen. Die erste Nacht in einem LKW w\u00e4hrend unserer gesamten Follow The Road Reise! Ja, wenn das nichts war. <\/p>\n<p>Wir redeten jede Menge mit unserem Fahrer, denn der Grund, warum er uns so ganz ohne Aufforderung auf eine Fahrt eingeladen hatte, lag in der Gefahr, w\u00e4hrend der Nacht m\u00fcde zu werden. Ich war totm\u00fcde und so bekam ich die Gelegenheit, ein kleines Nickerchen im Bett zu machen. Dann wechselten Augustas und ich, da ihm bereits die Augen vor Schwere zuklebten. Zuvor baten wir aber noch um eine Pinkelpause. Das hie\u00df, der LKW hielt mitten auf der Strasse an und ich musste mich direkt neben den Transporter auf die Strasse hocken. Augustas war so lieb, mich wenigstens vor kommenden Fahrzeugen mit seiner Mannsgr\u00f6\u00dfe zu verdecken. <\/p>\n<p>Augustas befand sich in den tiefsten Tr\u00e4umen w\u00e4hrend ich mich mittlerweile wachgeredet hatte. Mein Fahrer beteuerte immer wieder seine St\u00e4rke, die ihn des nachts problemlos durch die Strassen bugsierte. Er w\u00fcrde nicht m\u00fcde, er nicht! Das erz\u00e4hlte er so lange, bis ihn pl\u00f6tzlich alle Kr\u00e4fte verlie\u00dfen. Er hielt an einer Art LKW-Parkplatz an, lie\u00df den Motor absterben, schnappte sich seine H\u00e4ngematte, die er unter den LKW hing und fiel in einen wahren Ersch\u00f6pfungsschlaf. Ich war schnell genug gewesen bei der Entscheidung wer wo schl\u00e4ft. Ich wollte in die H\u00e4ngematte und so musste Augustas im offenen Fahrerhaus schlafen. Ich stahl mich vorm Schlafen gehen noch schnell davon, um eine mit Draht verschlossene, nicht funktionierende Toilette zu benutzen und mir in dem kleinen Waschbecken, was sich vor der Toilette befand, noch kurz eine Katzenw\u00e4sche zu g\u00f6nnen. Fertig f\u00fcr die Nacht h\u00fcpfte ich in die H\u00e4ngematte, die direkt unter dem Anh\u00e4nger des LKWs baumelte. Es war herrlich. Der Wind blies ein wenig um meine Nase, die H\u00e4ngematte schaukelte und ich wiegte mich wie bei Mutter im Arm in den Schlaf. <\/p>\n<p>Unser Fahrer meinte zuvor, er w\u00fcrde eine zweist\u00fcndige Pause brauchen. Gut, dass daraus am Ende vier Stunden wurden. Kaum aufgewacht, stopfte der Fahrer seine H\u00e4ngematte wieder ins Fahrerhaus und warf den Motor an. Er lag noch halb schlafend auf dem Lenkrad, bis der Wagen warmgelaufen war. Die erste halbe Stunde des Tages sprach er kein Wort. Er hatte einen Gesichtsausdruck, der schien, als h\u00e4tte man ihm wegen nichts aus dem Schlaf gerissen. Doch so langsam wachte er auf und die anregenden Gespr\u00e4che nahmen wieder Vorhand. Wir hielten kurze Zeit sp\u00e4ter an, denn es war Zeit f\u00fcr Fr\u00fchst\u00fcck. Unser Fahrer genoss eine Fleischsuppe mit Tortillas. F\u00fcr uns gab es nichts in dem Restaurant. Wir schauten also im Laden gegen\u00fcber und fanden dort die gleichen runden Tostadas, wie wir sie damals an der Peaje in Bucaramanga gekauft hatten, auf dem Hinweg nach Cartagena. Wir hatten noch ein paar Mandarinen, ein oder zwei \u00c4pfel, das Leben war gut. Unterwegs machte er noch einmal Halt und erwarb f\u00fcr uns drei \u00fcberdimensionale Zapotes. Wir mochten Zapotes eigentlich nicht, diese hier waren aber von einer ganz anderen Sorte. Einmal gekostet stopften wir mit Gier die drei Leckerbissen in uns hinein.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck wir doch hatten, denn unser Fahrer fuhr ausgerechnet am Eingang von Giron vorbei, auf seinem Weg, die Sojabohnen abzuliefern. Wir mussten also nur noch einen Anruf t\u00e4tigen, was einfach war, denn genau dort wo wir ausgestiegen waren, verkauften ein paar Damen &#8220;Minuten&#8221;. Keine f\u00fcnfzehn Minuten nachdem wir Armando unsere Ankunft mitgeteilt hatten, stand er mit seinem Fischtransporter l\u00e4chelnd vor uns.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir entschieden uns Armando in Giron, in der N\u00e4he von Bucaramanga, zu besuchen. Armando hatte uns auf dem Weg nach Cartagena geholfen, indem er uns riskanterweise mit seinem Lieferwagen voller Fisch einige hundert Kilometer mitgenommen hatte. Er lud uns damals herzlich zu sich nach Hause ein und diese Einladung wollten wir nun gerne annehmen. 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