{"id":362,"date":"2008-07-03T00:00:00","date_gmt":"2008-07-02T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/sonnenaufgang-in-valle-de-la-luna\/"},"modified":"2008-07-03T00:00:00","modified_gmt":"2008-07-02T22:00:00","slug":"sonnenaufgang-in-valle-de-la-luna","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/sonnenaufgang-in-valle-de-la-luna\/","title":{"rendered":"Sonnenaufgang in Valle de la Luna (Mai 18, 2008)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 160px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_0978.JPG\" title=\"magical sunrise\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_0978.JPG-nggid043463-ngg0dyn-150x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"magical sunrise\" title=\"magical sunrise\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">magical sunrise<\/p><\/div>\n\n<p>Vier Uhr drei\u00dfig am Morgen ert\u00f6nte der Alarm. Verschlafen verkrochen wir uns etwas tiefer in unseren Schlafs\u00e4cken, bis wir uns des bevorstehenden Abenteuers gewahr wurden. Valle de la Luna (Das Mondtal) war unser Ziel und es galt diesen magischen Ort bis Sonnenaufgang zu erreichen. Innerhalb von f\u00fcnf Minuten waren wir in voller Wintermontur gekleidet und liefen \u00fcber die Mondlicht erleuchtete Koppel. Wir krochen durch einen Stacheldrahtzaun, um Weg und Zeit zu sparen. Kein leichtes Unterfangen, da auf der anderen Seite des Zaunes der Boden steil abfiel. Wir hatten es geschafft und stahlen uns unter Begleitung von fern ert\u00f6nendem Hundegebell von dannen.<\/p>\n<p>Mondlicht ist um diese Zeit eine hilfreiche Lichtquelle, im Falle der Mond leuchtet in die Richtung, in die man sich bewegt. Bei uns war es nat\u00fcrlich umgekehrt. Statt den Weg zu beleuchten, strahlte der Mond uns an und lie\u00df uns wie Gl\u00fchw\u00fcrmer im Schwarz der Nacht erscheinen. Sonnenbrillen h\u00e4tten es in dem Falle eventuell getan, aber auf diese Idee kamen wir zu so fr\u00fcher Morgenstunde und bei den eisigen Temperaturen nicht. <\/p>\n<p>Wir tasteten uns vorw\u00e4rts, bis wir einen Flu\u00df erreichten. Gekonnt stieg Augustas mit seinen langen Beinen dar\u00fcber. Nachmachen konnte ich ihm das an dieser Stelle nicht. Meine Beine waren einfach zu kurz und ich w\u00e4re \u00fcber kurz oder lang mit einem Satz im Flu\u00df gelandet. Die \u00dcbergangsstelle war schlie\u00dflich gefunden, obwohl auch nicht ideal f\u00fcr meine Beinma\u00dfe. Augustas stellte sich also auffangbereit mit mir entgegengestreckten Armen bereit. Ich nahm Anlauf. Meine Schnelligkeit tat das \u00dcbrige und schon fand ich mich auf der anderen Seite wieder.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 160px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_0970.JPG\" title=\"beginning our hiking trip to Valle de la Luna at 4am, the first intersting thing we found was a dog\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_0970.JPG-nggid043459-ngg0dyn-150x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"beginning our hiking trip to Valle de la Luna at 4am, the first intersting thing we found was a dog\" title=\"beginning our hiking trip to Valle de la Luna at 4am, the first intersting thing we found was a dog\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">beginning our hiking trip to Valle de la Luna at 4am, the first intersting thing we found was a dog<\/p><\/div>\n\n<p>Kaum hatten wir dieses Hindernis \u00fcberwunden, fielen wir nahezu \u00fcber einen toten Hund. Wir erschraken. Der Hund war entlang seiner untersten Brustrippen diagonal entzwei geteilt. Mir ging ein Schauer durch Mark und Bein. Gab es hier vielleicht doch Hy\u00e4nen oder \u00e4hnliches Getier, dass uns im ung\u00fcnstigsten Fall \u00fcber den Weg laufen w\u00fcrde? Wir sahen uns vorsichtig um. Nichts r\u00fchrte sich. Wie war der Hund nur derartig zugerichtet worden? Wer war in der Lage, einen Hund auf diese Weise regelrecht zu zerschneiden? Das arme Tier. Wir spekulierten, dass es wohl krank, unterern\u00e4hrt oder verletzt war, sich bis in die W\u00fcste geschleppt hatte und dort sein Hundeleben lie\u00df. Die Extremtemperaturen in der Atacamaw\u00fcste, mit starker Sonneneinstrahlung tags\u00fcber und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt in der Nacht, hatten ihn v\u00f6llig ausgetrocknet und zur gleichen Zeit gewisserma\u00dfen konserviert. Doch wie war er in zwei St\u00fccke zerbrochen? Konnte es das Werk eines Pferdes sein, dass bei einem Ausritt aus Versehen auf ihn getreten war?<\/p>\n<p>Der Mond, der uns wie Scheinwerfer auf einer B\u00fchne anleuchtete, machte es unm\u00f6glich, den Weg zu sehen. Jeder Schritt war eine Stolperpartie. Mir knickten die F\u00fc\u00dfe bei jedem Schritt abwechselnd nach links und rechts. Geradlinig kann ich dieses Fortschreiten wirklich nicht nennen. Zus\u00e4tzlich erschwerte uns der puderhafte W\u00fcstensand das Vorankommen, bei dem aus einem Schritt ein halber wurde. Wir mu\u00dften irgendwie bis zur Autobahn in Richtung Valle de la Luna gelangen, doch st\u00e4ndig kreuzten uns neue Wege, die alle an irgendeinem Punkt eine Wendung in Richtung San Pedro nahmen. An dieser Stelle h\u00e4tte ein Kompass wahre Wunder getan. Wir hatten einen Kompass, doch wie immer, befand er sich nicht an Ort und Stelle. Dabei hatte ich ihn extra zum Zelt mitgenommen, damit wir ihn f\u00fcr diesen Ausflug nutzen konnten. Als wir etwas orientierungslos durch die Gegend liefen, wurde der Gedanke an den vergessenen Kompass hellwach und schl\u00fcpfte unbemerkt aus meinem Mund. <\/p>\n<p>&#8211; Warum hast du das blo\u00df nicht gesagt?, entgegnete Augustas.<br \/>Du hast nicht gefragt. Deswegen habe ich ihn vergessen.<br \/>&#8211; Ich habe noch gedacht, &#8216;Wir ben\u00f6tigen den Kompass, aber ich frage Katja lieber nicht danach. Den hat sie sicher wieder an einem unerreichbaren Ort deponiert.&#8217;<\/p>\n<p>Mundwinkelbreitziehendes Schweigen. Wir mu\u00dften unseren Weg also ohne Kompass meistern. Gut, dass wir zumindest eine grobe Landkarte der Gegend um San Pedro besa\u00dfen. Wir dankten in diesem Moment Gra\u017eina und Danielus, die uns das gute St\u00fcck in Tacna, Peru, vermacht hatten. <\/p>\n<p>Wir stiefelten querfeldein in Richtung Bergkette, denn dort sahen wir ab und zu das Licht eines LKWs aufblitzen. Nach einer knappen Stunde fanden wir endlich die Stra\u00dfe. Wir mu\u00dften uns beeilen, wollten wir den Sonnenaufgang in Valle de la Luna noch erleben. <\/p>\n<p>Nach einer halben Stunde verschwand der Mond mir nichts dir nichts innerhalb k\u00fcrzester Zeit vollst\u00e4ndig. Was blieb war Dunkelheit. Unsere Augen hatten sich Gott sei Dank bereits an die Schw\u00e4rze der Nacht gew\u00f6hnt. Uns umgab nun eine Stille, die unheimlich wirkte. Kein Mond, keine Sonne, keinerlei Ger\u00e4usch. Das einzige, was wir vernahmen, waren unsere Schritte auf dem asphaltierten Boden und unsere Stimmen. Pl\u00f6tzlich leuchtete ein Scheinwerfer von einem Berg hinunter, direkt in unsere Richtung. Uns kroch ein Schauer \u00fcber den R\u00fccken. Wer hielt sich wohl um diese Zeit auf dem Berg mit solch einer kraftvollen Leuchte auf? Hatte man uns gesehen? Und wenn, w\u00fcrde man uns verfolgen? Wir legten einen Gang zu, bis Augustas meinte, wir w\u00e4ren auf dem falschen Weg. Ich konnte dem nicht glauben und wehrte mich deswegen gegen seinen Vorschlag, die Stra\u00dfe bis San Pedro zur\u00fcckzulaufen und auf der Autobahn Richtung San Pedro einen <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 160px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_0991.JPG\" title=\"entrance to Valle de la Luna; Lithuanians are allowed to laugh here: curva - you know, peligroso - dangerous\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_0991.JPG-nggid043471-ngg0dyn-150x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"entrance to Valle de la Luna; Lithuanians are allowed to laugh here: curva - you know, peligroso - dangerous\" title=\"entrance to Valle de la Luna; Lithuanians are allowed to laugh here: curva - you know, peligroso - dangerous\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">entrance to Valle de la Luna; Lithuanians are allowed to laugh here: curva - you know, peligroso - dangerous<\/p><\/div>\n\n<p>Lift zu suchen. &#8220;Wir schaffen das auf diese Weise eh nicht mehr bis Sonnenaufgang zur Valle de la Luna.&#8221; Ich str\u00e4ubte mich gegen sein Vorhaben und schaffte es mit viel Redekunst, ihn weiter in die eingeschlagene Richtung zu ziehen. Das zahlte sich fune;nfzehn Minuten sp\u00e4ter aus, als wir ein Stra\u00dfenschild mit den vor uns liegenden Orten entdeckten. &#8216;Valle de la Luna&#8217; stand auf dem Schild geschrieben, dass nach rechts zeigte. Wir waren v\u00f6llig richtig. Ich triumphierte mit einem breiten Grinsen und weiter ging&#8217;s.<\/p>\n<p>Wir n\u00e4herten uns dem Kontrollpunkt, wo eigentlich ein Eintrittspreis zur Valle de la Luna gefordert wird. In diesem Moment waren wir dankbar, dass der Mond sich bereits verabschiedet hatte, denn wir nahmen nicht die obligatorische Abzweigung zum Registriergeb\u00e4ude. Wir liefen einfach geradeaus. Licht war aus der Ferne nicht zu sehen. Die W\u00e4chter schienen entweder zu schlafen oder erst am Morgen in dieser Station aufzutauchen. F\u00fcnf Uhr morgens schien jedoch f\u00fcr den Antritt der Arbeit an diesem Ort zu fr\u00fch. Wir bangten um die m\u00f6glichen Wachhunde, die uns auf die Weite h\u00e4tten riechen und h\u00f6ren k\u00f6nnen. Mit angehaltener Luft und z\u00fcgigen Schritten fegten wir an diesem kritischen Punkt unseres Ausflugs vorbei. <\/p>\n<p>Das Hundegebell blieb aus. Als wir au\u00dfer Sichtweite waren, entledigten wir uns umgehend der obersten Kleidungsschicht. Wir hatten uns mittlerweile warm gelaufen, so dass unsere F\u00fc\u00dfe anfingen zu dampfen. Kaum waren wir fertig mit der Ausziehaktion, kroch die K\u00e4lte schon wieder in unsere Glieder und trieb uns schneller vorw\u00e4rts.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 160px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1001.JPG\" title=\"peace\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1001.JPG-nggid043476-ngg0dyn-150x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"peace\" title=\"peace\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">peace<\/p><\/div>\n\n<p>St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck brach der Tag hinter uns an. Wollte der Sonnenaufgang uns einholen? Wir liefen uns die Hacken wund, bis endlich das Willkommensschild &#8220;Valle de la Luna&#8221; vor uns erschien. Nun mu\u00dften wir nur noch die Gipfel erklimmen, um das Erwachen der nachts grau und kalt erscheinenden Sand- und Steinh\u00fcgel beobachten zu k\u00f6nnen. Wir \u00fcberquerten eine Br\u00fccke, zogen freudig an einem weiteren, unbesetzten Kontrollpunkt vorbei und stiegen die Stra\u00dfe zur Valle de la Luna empor. <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 160px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1024.JPG\" title=\"jump, frog, jump!\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1024.JPG-nggid043486-ngg0dyn-150x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"jump, frog, jump!\" title=\"jump, frog, jump!\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">jump, frog, jump!<\/p><\/div>\n\n<p>Nach einer weiteren Ausziehaktion, begannen die Sonnenstrahlen \u00fcber die H\u00fcgelspitzen zu klettern. Die Nacht wich allm\u00e4hlich dem anbrechenden Tag. Tru;be, unheimliche Gebilde verwandelten sich in majest\u00e4tische Gesteinesbrocken. Uns verwandelte die aufsteigend<br \/>\ne Sonne in zwei unf\u00f6rmige Schattengestalten, was uns Anla\u00df zu ausgiebigen Kaspereien gab. Die H\u00fcgel nahmen erstaunliche Formen an und zogen uns mit tausend verschiedenen Rot-, Gelb- und Lilat\u00f6nen in ihren Bann. <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 160px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1010.JPG\" title=\"we made it!\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1010.JPG-nggid043480-ngg0dyn-150x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"we made it!\" title=\"we made it!\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">we made it!<\/p><\/div>\n\n<p>Vom Weg absichtlich abgekommen, stapften wir eigenartige Sandberge hinauf, die auf den ersten Blick aus purem Gestein bestanden. Kaum betraten wir die Felsbl\u00f6cke, zerbrach die obere Schicht unter unserem Gewicht. Darunter zeigte sich die wahre Konsistenz dieser H\u00fcgel: loser Sand. Das Kraxeln entlang der Berge f\u00fchlte sich \u00e4hnlich wie bei Pappschnee an. Vereinzelt tauchten Ruinen von ehemaligen Wohnh\u00e4usern auf, die wir bis in die letzten Winkel inspizierten. Auf einem der H\u00fcgel angekommen, bot sich uns ein Blick auf das Tal. Still und unbeschreiblich sch\u00f6n spiegelte sich die W\u00fcste in einer Farbenpracht wieder, die von Sand- \u00fcber Rot- bis hin zu Blau- und Braunt\u00f6nen reichte. Die langsam hervorkriechenden Sonnenstrahlen gaben diesen Farben eine Intensit\u00e4t und W\u00e4rme, die einfach \u00fcberw\u00e4ltigend ist. <\/p>\n<p>Eigentlich w\u00e4re ich liebend gerne noch weiter diese papp\u00e4hnlichen H\u00fcgel hinaufgestiegen, doch wir waren bereits weit von unserem Weg abgekommen. Augustas dr\u00e4ngte mich zur R\u00fcckkehr auf die Stra\u00dfe, entlang derer sich die Gegend immer weiter in eine wahre Mondlandschaft verwandelte.<\/p>\n<p>Ein W\u00fcstenberg mit gewellten Sandformen, so wie wir ihn von Bildern der Sahara her kannten, baute sich vor uns auf. Wir st\u00fcrmten darauf zu, doch bevor wir uns an den Aufstieg machten, schrieb Augustas mit seinen Beinen eine 30 in den Sand. Dazu schl\u00fcrfte er seine Schuhe durch den Sand und h\u00fcpfte teilweise wie ein Frosch von der Drei zur Null und umgekehrt. Erst am Vortag hatte er dieses Alter erreicht und mit diesem Ausflug setzten wir die dementsprechend ausgiebige 30-Jahr-Feier mit vollem Elan fort. Nachdem Augustas sich von der dabei in seinen Schuhen angeh\u00e4uften Sandladung befreit hatte, stiegen wir keuchend zum Gipfel hinauf. Der Blick, der uns hier freigegeben wurde, ist unbeschreiblich. Es ist schlichtweg atemberaubend. Ergreifend. Wir sogen dieses Bild in uns auf und gaben uns der Atmosph\u00e4re mit all unseren Sinnen hin. Wir f\u00fchlten uns m\u00e4chtig, stolz, Teil dieses Universums. Valle de la Luna trug ihren Namen zu recht. Wir kamen uns vor, als w\u00e4ren wir die ersten Erdenb\u00fcrger, die dieses Fleckchen Erde entdeckt hatten, da wir die einzig sichtbaren Wesen an diesem Ort waren. <\/p>\n<div style=\"text-align: center\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1032.JPG\" title=\"Happy Birthday Augustai!\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1032.JPG-nggid043489-ngg0dyn-300x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"Happy Birthday Augustai!\" title=\"Happy Birthday Augustai!\" \/><\/a>\t\n\n<p><\/div>\n<p>V\u00f6llig gl\u00fccklich und eins mit uns selbst nahmen wir auf diesem H\u00fcgel unser wohlverdientes Fr\u00fchst\u00fcck ein. W\u00e4hrend uns saftige \u00c4pfel, Birnen und Mandarinen die Kehlen hinunterglitten, beobachteten wir ein Privatfahrzeug. Es kam vom offiziellen Eingang zur Valle de la Luna und steuerte ohne Umwege in z\u00fcgigem Tempo auf den provisorisch angelegten Parkplatz vor unserem Berg zu. Das Auto hielt mit einem Ruck an, eine Frau lehnte sich aus dem Fahrerfenster und machte zwei drei Fotos. Danach verschwand sie so schnell wie sie gekommen war. Die Stille kehrte an diesen magischen Ort zur\u00fcck. Wir fragten uns, ob dies wohl eine Touristin gewesen war. Sahen so die Besuche einiger Leute aus, die Naturwunder oder sonstige Attraktivit\u00e4ten in ihrer &#8216;Ich war hier!&#8217;-Liste sammelten? Oder war es jemand, der extra wegen diesem Foto zur Valle de la Luna zur\u00fcckgekehrt war? Vielleicht handelte es sich um eine Reiseagentin, die f\u00fcr die Bewerbung ihrer Ausfl\u00fcge ein entsprechendes Foto ben\u00f6tigte. Wir r\u00e4tselten lange. Die Antwort blieb uns jedoch verwehrt.<\/p>\n<div style=\"text-align: center\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1037.JPG\" title=\"it is for sure, we are on the moon\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1037.JPG-nggid043494-ngg0dyn-300x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"it is for sure, we are on the moon\" title=\"it is for sure, we are on the moon\" \/><\/a>\t\n\n<p><\/div>\n<p><\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 160px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1042.JPG\" title=\" \" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1042.JPG-nggid043499-ngg0dyn-150x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"IMG_1042\" title=\"IMG_1042\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\"> <\/p><\/div>\n\n<p>Es war an der Zeit, unseren Thron \u00fcber der Valle de la Luna aufzugeben. Das Hinuntergleiten von unserem Sandh\u00fcgel glich einer Rutschpartie. Es gab uns das Gef\u00fchl, wir w\u00e4ren zu Riesen herangewachsen und erreichten mit nur drei Schritten den Fu\u00df des Berges. Emotions\u00fcberspr\u00fchend machten wir weitere Fotos von Augustas Fu\u00dfgezeichneter Drei\u00dfig. Ich setzte mir gar in den Kopf, ein Foto aus Himmelperspektive zu machen und stieg den steilen Berg vor uns hinauf. Da auch hier das Gesetz der Pappmache galt, brach ich bei jedem Schritt ein. Der steile Aufstieg nahm eine Form des R\u00fcckw\u00e4rtsrutschens an, denn sobald ich einbrach, bewegte sich ein Gro\u00dfteil des unter meinen F\u00fc\u00dfen befindlichen Sandes um einen halben Meter bergab. Mit meiner genialen Idee der Himmelsperspektive versuchte ich die Bodenkonsistenz zu ignorieren, bis ich knapp drei Meter vor dem Ziel aufgeben mu\u00dfte. Ich war mittlerweilen in einer arg misslichen Lage, die mich zu \u00e4u\u00dferster Vorsicht zwang, wollte ich nicht den Berg in einem Zug hinunterrutschen. Brenzlig war die Situation insofern, dass ich knapp neben dem Abgrund hochgekraxelt war. W\u00fcrde die \u00e4u\u00dfere Pappschicht wegbrechen, br\u00e4uchte ich einen Fallschirm, um nicht wie eine Riesenkartoffel hinunterzuplumpsen. Die Auswirkungen mal Beiseite gelassen. Mittlerweile waren gar all meine Halterungen, die meinen H\u00e4nden als Sicherheit gedient hatten, zu Puderzuckerweichem W\u00fcstensand geworden. Halt suchte ich vergeblich. &#8220;Ich komme zur\u00fcck, Augustas! Hilf mir, mich hier wieder hinunter zu bugsieren!&#8221; Augustas war alarmiert. Meine Ersteigungsidee hatte ihm von Anfang an nicht gefallen. Besorgt stellte er sich ans Ende des Berges. &#8220;Sag mir, wo ich hintreten soll, ich kann im R\u00fcckw\u00e4rtsgang nicht sehen.&#8221; Augustas navigierte mich vorsichtig, bis ich in seine Reichweite gelangte. F\u00fcr den letzten St\u00fcck des Weges ersetzte Augustas gar mit seinen H\u00e4nden die Steig\u00f6sen, denn mein Untergrund war alles andere als bodenfest. Schlie\u00dflich rutschte ich in Augustas Arme und vorbei war meine Idee der Himmelsperspektive. <\/p>\n<p>Kurz vorm Gehen stellte sich heraus, dass der Objektivdeckel verloren gegangen ist. Wir liefen umher und ich versuchte gedanklich zu rekonstruieren, wo wir \u00fcberall entlang gelaufen waren. Kaum erinnerte ich mich, wo ungef\u00e4hr der Deckel verloren gegangen sein mu\u00dfte, grub ich mit meinen Schuhen im Sand. &#8220;Was machst du da? Auf die Weise wirst du den Deckel nicht wiederfinden. Wahrscheinlich ist er bereits von Sand \u00fcberdeckt. Es ist unm\u00f6glich ihn wiederzufinden, lass uns gehen.&#8221; Augustas negative Haltung ignorierte ich gekonnt und st\u00f6berte weiter mit meinen Zehen und H\u00e4nden im Sand herum. Ich lief hin und her, suchte den Fu\u00df des Berges ab, sch\u00e4rfte meinen Blick beim Umherschweifen, doch letztendlich mu\u00dfte ich Augustas Recht geben. Der Deckel hatte sich bereits verkrochen und w\u00fcrde wohl nur als historischer Schatz in einigen tausend Jahren wiederentdeckt werden. Zumindest haben wir damit zur Geschichte der Menschheit beigetragen.<\/p>\n<p>Wir liefen bewegt von der Energie im Valle der la Luna die Stra\u00dfe entlang. Ein Auto kam uns im Schritttempo hinterhergefahren und hielt an. Wir dachten, dass wir schlie\u00dflich und letztendlich zur Kasse gebeten werden, da wir ohne Bezahlung das Tal betreten hatten. Ein Herr stieg aus, auf dessen T-Shirt sich abzeichnete, dass wir es hier mit einen der W\u00e4chter zu tun hatten. Ich war der festen \u00dcberzeugung, dass wir unseren Eintritt insofern bezahlt hatten, dass wir von 4:30 Uhr morgens von San Pedro zu Fu\u00df bis zur Valle de la Luna gelaufen waren. Ich war kampfbereit, im Falle er w\u00fcrde uns zu einer Begleichung der Eintrittskosten bewegen wollen. Doch es kam anders. &#8220;Seit wann sind sie hier?&#8221;, fragte der W\u00e4chter. Wir erkl\u00e4rten uns kurz, woraufhin er meinte, &#8220;Gehen Sie auf jeden Fall nicht in diese Richtung, das Betreten dieses Gebietes ist verboten.&#8221; Er zeigte nach links auf eine Sandmauer, die am Horizont blinzelte. Vielleicht vermutete er, dass wir genau aus der Richtung gekommen waren. Wir verstanden seine Sorge um dieses Fleckchen Erde und versicherten, diesen Ort weder angestrebt, noch bereits betreten zu haben. Er stieg wieder ein und w\u00e4hrend wir weiter gingen, rief er uns noch zu, &#8220;In drei Kilometern erreicht ihr Tres Marias (Drei Marias).&#8221; Ich nahm an, dass er von der Kreuzung sprach, die uns zur Autobahn und somit zu<br \/>\nr\u00fcck nach San Pedro bringen w\u00fcrde. Wir dankten und folgten frohgemut der Stra\u00dfe entgegen des Eingangs zur Valle de la Luna.<\/p>\n<p>&#8220;La\u00df uns trampen, wenn ein Gef\u00e4hrt auftaucht&#8221;, schlug Augustas vor und ich stimmte enthusiastisch ein. Als jedoch der dritte Wagen des Tages, ein Touristentransport, an uns vorbeischlich, waren wir uns unschl\u00fcssig. Wollten wir so schnell die Valle de la Luna verlassen? Noch immer von Zweifeln ergriffen, lie\u00dfen wir diese Chance davonsausen. Wir bereuten es bald. Kurz darauf erschien ein Wagen aus der anderen Richtung. Auch hier waren wir nicht in der Lage, unseren Daumen zu heben. Letztlich sahen wir allerdings, dass das Wageninnere vollgestopft mit menschlichen K\u00f6rpern war. Wir versp\u00fcrten Erleichterung, dass wir diesmal zwar die Chance sausen lie\u00dfen, aber letztendlich sahen, dass wir eh keinen Platz gehabt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die Uhr kroch auf 10 Uhr zu. Eine Zeit, in der sich die Sonnenstrahlen reichlich intensivierten und meine Nase attackierten. Da wir stark von rechts angeleuchtet wurden, positionierte ich meinen Hut entsprechend. Schr\u00e4g auf meiner rechten Gesichtsh\u00e4lfe h\u00e4ngend, marschierten wir weiter, doch die Sonne fand trotzdem ihren Weg zu meiner Nase. Mit unserer Lichtschutzfaktor 15 Sonnencreme konnten wir in dieser Gegend von den Naturgewalten nicht ernst genommen werden. Wir liefen weiter, endlos weiter. Die Hitze machte uns zu schaffen und unsere F\u00fc\u00dfe tr\u00e4umten intensiv von einer Massage. Doch nichts da. Ansatzweise schlug ich vor, lieber wieder zum Eingang der Valle de la Luna zur\u00fcckzukehren, mit der Absicht, dort auf ein Gef\u00e4hrt zu warten. Augustas hielt nichts davon und ich gab ohne Diskussion auf. Schweigend k\u00e4mpften wir uns entlang der W\u00fcstend\u00fcrre, bis pl\u00f6tzlich der Sand zu blinken anfing. Was war das wohl? Glasscherben? Ungeahnte Kr\u00e4fte lie\u00dfen uns auf die funkelnden H\u00fcgel zulaufen. Wir inspizierten die Wunder und es stellte sich heraus, dass die H\u00fcgel weitreichend mit Salzkristallen bedeckt waren. Mit viel Druck brachen wir zwei dieser Wunder aus dem Gestein und verloren uns staunend in diesen funkelnden Natursch\u00e4tzen.<\/p>\n<div style=\"text-align: center\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1063.JPG\" title=\"no, it is salt crystals\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1063.JPG-nggid043506-ngg0dyn-300x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"no, it is salt crystals\" title=\"no, it is salt crystals\" \/><\/a>\t\n\n<p><\/div>\n<p>Sp\u00e4testens jetzt registierten wir, dass wir eine Richtung eingeschlagen hatten, die weit von unserer Idee von diesem Tag abwich. Urspr\u00fcnglich freuten wir uns insgeheim, so fr\u00fch am Morgen zum Valle de la Luna Abenteuer aufgebrochen zu sein, denn sp\u00e4testens gegen 9 oder 10 Uhr w\u00e4ren wir zur\u00fcck und k\u00f6nnten unsere Arbeiten erledigen. Pl\u00e4ne, wie \u00fcblich, funktionierten bei uns einfach nicht. Wer wei\u00df denn schon, was im n\u00e4chsten Moment passiert? Wie akzeptierten unser Schicksal und waren neugierig, warum es uns weiter in die entgegengesetzte Richtung trieb. <\/p>\n<div style=\"text-align: center\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1068.JPG\" title=\" \" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1068.JPG-nggid043509-ngg0dyn-300x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"IMG_1068\" title=\"IMG_1068\" \/><\/a>\t\n\n<p><\/div>\n<p>Wir krochen weiter in der mittlerweile hei\u00dfesten Zeit des Tages. Meine F\u00fc\u00dfe f\u00fchlten sich einem Kollaps nahe. Um dies zu vermeiden, entschied ich am n\u00e4chsten H\u00fcgel halt zu machen. Dort k\u00f6nnten wir zumindest im Schatten sitzen, was uns beim Laufen durch die W\u00fcste verwehrt blieb. Ich steuerte darauf zu, doch halt! Am Horizont entdeckte ich zur gleichen Zeit den Touristentransport, der zuvor an uns vorbei geschlichen war. Hellwach und ohne meinen F\u00fc\u00dfen Raum zu Murren zu geben, steuerten wir schnellen Schrittes auf den Wagen zu. Schnell ist gut gesagt, es kostete uns weitere 1,5km Fu\u00dfmarsch, bis wir das geparkte Fahrzeug endlich erreichten. W\u00e4hrend wir dem Wagen n\u00e4her kamen, sahen wir den Fahrer rechts in der W\u00fcsten-Stein-Landschaft herumschwirren. Was er wohl dort suchte? Endlich entdeckten wir, dass er ein paar Ruinen inspizierte. Wir erkannten Ans\u00e4tze von H\u00e4usern, eine Br\u00fccke und die bemerkenswerten, unnat\u00fcrlich hochgewachsenen Steinsgebilde. Ich lief gar nicht erst bis zum Parkplatz, sondern gleich querfeldein. Was waren das nur f\u00fcr Steine? Wie waren die hierhergekommen? Mit der Kamera bewaffnet, versuchte ich hinter das Geheimnis dieser Felsbrocken zu kommen. <\/p>\n<div style=\"text-align: center\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1066.JPG\" title=\"Tes Marias - the three Marys\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1066.JPG-nggid043507-ngg0dyn-300x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"Tes Marias - the three Marys\" title=\"Tes Marias - the three Marys\" \/><\/a>\t\n\n<p><\/div>\n<p>Nachdem ich mich sattgesehen hatte, gesellte ich mich zu Augustas, der sich im einzigen Schatten auf dem Parkplatz breit gemacht hatte. Er sa\u00df ausgerechnet hinter dem Stein, der erkl\u00e4rte, dass es sich bei den Steinsgebilden um die Tres Marias (Drei Marias) handelte. Das R\u00e4tsel des Parkw\u00e4chters l\u00f6ste sich schlie\u00dflich auf. Das hie\u00df allerdings, dass die Stra\u00dfenkreuzung bis zur Autobahn in Richtung San Pedro noch ein ganzes St\u00fcck entfernt lag. Seufzend schl\u00fcrften wir unsere letzte, saftige Honigmelone und \u00fcberlegten, wie und wann wir den Fahrer des Touristenbuses ansprechen sollten.<\/p>\n<p>Wir schluckten gerade den letzten Bissen Melone herunter, als zwei weitere Touristenbusse eintrafen und eine Horde von Ausl\u00e4ndern auf die Tres Marias zust\u00fcrmte. Inmitten des Gewimmels entdeckten wir die Reiseleiterin, die wir sogleich um unsere Mitnahme bis zur Autobahn baten. &#8220;Es tut mir leid, aber das kann ich nicht machen. Ich w\u00fcrde meinen Job verlieren. Stattdessen k\u00f6nnte ich dem Parkw\u00e4chter zufunken (per Walki-Talki) und ihn bitten, euch bis zur Autobahn zu bringen. &#8216;Nein, blo\u00df nicht!&#8217;, scho\u00df es uns durch den Kopf. Wir f\u00fcrchteten noch immer, dass wir sp\u00e4testens am Ausgang des Valle de la Luna Gebietes zur Kasse gebeten w\u00fcrden. Der Vorschlag der Dame gefiel uns wenig. Wir bedankten uns und lie\u00dfen die Reiseleiterin mit ihrer Reisegruppe zur\u00fcck, ohne uns weiter zu erkl\u00e4ren. Wir setzten unseren Weg zu Fu\u00df fort und hofften inst\u00e4ndig, das der Parkw\u00e4chter uns am Ausgang ohne Probleme von dannen ziehen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Nach den Tres Marias schlug die Stra\u00dfe eine starke Kurve nach rechts und fiel alsbald steil ab. W\u00e4hrend wir noch beim hinuntertapsen waren, fuhren die Reisebusse bereits an uns vorbei. &#8216;So schnell?&#8217;, dachten wir und sahen den Touristen mitleidig hinterher, denn in unseren Augen hatten sie die Sch\u00f6nheit dieser Gegend weder richtig gesehen noch verstanden. Gerade auch jetzt, als sie an uns vorbeibrausten, entdeckten wir links neben der Stra\u00dfe eine faszinierende, weitl\u00e4ufige W\u00fcstenebene, die zuerst talartig abfiel, um daraufhin auf wenigen Metern bis zum Himmel reichend anzusteigen. Der Blick auf diese Sch\u00f6nheit rief das Bed\u00fcrfnis hervor, in den Sandwellen einzutauchen. Der H\u00f6henunterschied, den es daf\u00fcr zu \u00fcberwinden galt, h\u00e4tte allerdings eher zu einem zehn Meter Kopfsprung, als zu einem sanften ins Sand gleiten gef\u00fchrt. Wir lie\u00dfen also von dieser Idee ab. <\/p>\n<p>Der Parkw\u00e4chter hatte uns nichts weiter zu sagen. Auf Anfrage erfuhren wir jedoch, dass unser Ziel, die Autobahn nach San Pedro, noch knappe 6 Kilometer vor uns lag. Wir schluckten. Sechs Kilometer? Erst schienen es drei und jetzt hatte sich die Strecke verdreifacht. Wir hatten keine Wahl, wir mu\u00dften uns auf die 6 Kilometer einlassen, denn zur\u00fccklaufen machte an diesem Punkt keinen Sinn mehr. Erfreulich war jedoch die Nachricht, dass nicht weit vom Ausgang ein direkter Blick auf die Cordillera de Domeyko (Domeyko Bergkette) auf uns wartete. <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 160px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1082.JPG\" title=\"Augustas feeling connected to Lithuania by Domeyko mountain range\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1082.JPG-nggid043515-ngg0dyn-150x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"Augustas feeling connected to Lithuania by Domeyko mountain range\" title=\"Augustas feeling connected to Lithuania by Domeyko mountain range\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">Augustas feeling connected to Lithuania by Domeyko mountain range<\/p><\/div>\n\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 85px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1075.JPG\" title=\"a look at the map decides - no!\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1075.JPG-nggid043513-ngg0dyn-75x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"a look at the map decides - no!\" title=\"a look at the map decides - no!\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">a look at the map decides - no!<\/p><\/div>\n\n<p>Wir erreichten das historische Bergst\u00fcck, dass Augustas mit Stolz erf\u00fcllte. Ignacy Domeyko (1802-1889) war ein ber\u00fchmter polnischer Geologe und Mineraloge des 19. Jahrhunderts. Er wuchs in der Kultur des ehemaligen Polnisch-Litauischen Reiches auf und ist von nationaler Bedeutung f\u00fcr Wei\u00dfrussland, Chile, Litauen und Polen. Domeyko studierte an der Wilno Universitete (Vilnius Universit\u00e4t) und Paris&#8217; \u00c9cole des Mines. Er war Professor an einer Bergbauhochschule in Coquimbo (La Serena, Chile) und sp\u00e4ter an der Universidad de Chile, wo er 16 Jahre lang (1867-83) als Direktor t\u00e4tig war.<\/p>\n<div style=\"text-align: center\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1074.JPG\" title=\"we are closer now - shall we go there by foot?\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1074.JPG-nggid043512-ngg0dyn-300x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"we are closer now - shall we go there by foot?\" title=\"we are closer now - shall we go there by foot?\" \/><\/a>\t\n\n<p><\/div>\n<p>Domeyko leistete betr\u00e4chtliche Beitr\u00e4ge zur Mineralogie und Bergbautechnologie, studierte mehrere zuvor unbekannte Minerale, war Bef\u00fcrworter f\u00fcr die Zivilrechte des einheimischen Stammesvolks von Chi<br \/>\nle als auch Meterologe und Ethnograf.<\/p>\n<p>Nach ihm ist nicht nur die Bergkette in den Anden, Cordillera Domeyko, benannt, sondern auch eine chilenische Stadt namens Domeyko, das Mineral Domeykit, der Shellfisch Nautilus domeykus, der Ammonit Amonites domeykanus und der Asteroid 2784 Domeyko.<\/p>\n<p>An seinem 200sten Jahrestag seit Domeykos Geburt deklarierte die Unesco sogar das Jahr 2002 als &#8220;Ignacy Domeyko Jahr.&#8221;(*)<\/p>\n<div style=\"text-align: center\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1078.JPG\" title=\"Katja studying map\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1078.JPG-nggid043514-ngg0dyn-300x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"Katja studying map\" title=\"Katja studying map\" \/><\/a>\t\n\n<p><\/div>\n<p>Nach der \u00fcberw\u00e4ltigenden Konfrontation mit Domeyko, kroch ich in den einzig verf\u00fcgbaren Schatten und studierte den Lageplan. Was vor uns lag war nichts weiter als eine flache, Stein-Staub-trockene Ebene durch die eine \u00e4hnlich ausgestattete Piste f\u00fchrte und eine erbarmungslos auf uns niederbrennende Mittagssonne. St\u00f6hnend schliff ich meine Beine weiter, bis sich eine unbefestigte Stra\u00dfe rechts von uns auftat. Stra\u00dfe ist wohl \u00fcbertrieben, denn alles was wir sahen, war ein Weg, der ab und an von Fahrzeugen als querfeldein-L\u00f6sung genommen wurde. Da wir die Autobahn bereits teilweise am Horizont sehen konnten, entschieden auch wir uns einfach diagonal durch die W\u00fcstenlandschaft zu bewegen. Die Chance, auf diese Weise per Anhalter mitgenommen zu werden, sank auf minus 10, aber wer wei\u00df, ob es auf der anderen Strecke zu einem Lift gekommen w\u00e4re. Wir liefen, liefen, und liefen. Wir h\u00f6rten auf zu denken, denn die Sonne lie\u00df so viel Hirnaktivit\u00e4t einfach nicht zu. Der Boden brannte regelrecht unter uns und stob in allen Richtungen Hitze hervor, die kr\u00e4ftig flimmerte. Das Flimmern erzeugte das Trugbild, das die Autobahn zum Greifen nahe war. Doch so sehr wir auch liefen, wir erreichten sie nicht. Ab und an begegnete uns ein kleiner, gr\u00fcner, stacheliger Busch, der darauf hinwies, dass es sehr wohl Wasser in dieser D\u00fcrre gepr\u00e4gten Gegend gab. Einmal sahen wir gar eine winzige Pflanze, die mit ihren lila-farbenen Bl\u00fcten der W\u00fcste ihren hartgesottenen Charakter nahm. Alles ist m\u00f6glich, das verstanden wir sp\u00e4testens jetzt. <\/p>\n<p>Eine Stunde nachdem wir die Abk\u00fcrzung genommen hatten, sanken wir kraftlos auf den Boden. Wir hatten unsere K\u00f6pfe und Oberk\u00f6rper bereits mit allen m\u00f6glichen Kleidungsst\u00fccken behangen, um zumindest die Intensit\u00e4t der Sonnenstrahlen abblocken zu k\u00f6nnen. Wir rissen uns die Schuhe von den F\u00fc\u00dfen, pellten uns aus den Socken und streckten unsere Beine weit \u00fcber unseren K\u00f6pfen in die H\u00f6he. Nachdem das Blut wieder zum Zentrum unseres K\u00f6rpers zur\u00fcckgekehrt war und die F\u00fc\u00dfe erleichtert vor sich hin pfiffen, sa\u00dfen wir zusammengekauert auf dem Boden, die R\u00fccken rund wie eine Kugel, die Arme schlapp an der Seite baumelnd und die H\u00e4nde auf dem steintrockenen Boden liegend. Summiert man zu diesem Bild unsere \u00fcber den Kopf gehangenen Kleidungsst\u00fccke, die einen minimalen Sehschlitz \u00fcbrig lie\u00dfen, m\u00fcssen wir von weiten wohl wie Jacken mit Beinen ausgesehen haben. Wir labten uns intensiv an unseren letzten Wasservorr\u00e4ten und brachen eine halbe Stunde sp\u00e4ter zum restlichen St\u00fcck dieser Reise auf.<\/p>\n<p>Au\u00dfer ein paar Lamaexkrementen, bot sich uns nichts neues auf diesem Weg. Vielleicht sahen wir es aber auch nicht mehr, denn unser einziger Gedanke galt der vor uns liegenden Autobahn. Eine weiter Stunde sp\u00e4ter erreichten wir endlich die Stra\u00dfe und waren den Stra\u00dfenbauingenieuren dankbar, die genau an dieser Stelle ein riesiges Stra\u00dfenschild angebracht hatten. Das es auf der anderen Stra\u00dfenseite stand, st\u00f6rte uns wenig. Wir fielen wie zwei nasse S\u00e4cke in den Schatten und erwachten St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck zu neuem Leben. Die Autobahn war g\u00e4hnend leer, was uns in diesem Moment eine Wohltat war. Knappe 15 Minuten sp\u00e4ter tauchte aus der Calama Richtung kommend ein Bus auf. Das war unser Zeichen, die Daumen hochzuhalten, wollten wir nicht noch den Rest des Weges zu Fu\u00df vermessen. Der Bus verringerte seine Geschwindigkeit und kam letztlich neben uns zum Stehen. &#8220;W\u00fcrden Sie uns bitte bis San Pedro mitnehmen?&#8221;, fragten wir hoffnungsvoll und mit sichtlich bettelnden Augen. Der Busfahrer l\u00e4chelte, nickte und lie\u00df uns mit einer willkommenen Bermerkung einsteigen. Ersch\u00f6pft sanken wir in die weichen Sitze. Der Bus geh\u00f6rte zum Unternehmen einer Kupfermine und wir waren die einzigen Insassen zu diesem Zeitpunkt. Wir schlo\u00dfen unsere Augen und \u00f6ffneten sie genau in dem Moment, als wir durch die mystische Landschaft der Cordillera del Sal (Salzbergkette) fuhren. Ein bewegender Abschlu\u00df unseres Ausflugs.<\/p>\n<p>\u00dcberm\u00fcdet und kraftlos, aber doch ausgesprochen gl\u00fccklich, erreichten wir San Pedro. Dort ging eine Odysee durch Restaurants los, da wir der Meinung waren, keine Kraft zum Kochen \u00fcbrig zu haben. Wir fanden schlie\u00dflich ein \u00d6rtchen, in dem vor allem die Einheimischen von San Pedro speisten. Das Mahl begann mit einem kalten, frischen Salat, gefolgt von Kartoffelmu\u00df f\u00fcr Augustas und Spaghetti f\u00fcr mich. Als Hauptattraktion unserer Speise grinste uns ein frittierter Fisch an. Obwohl ich mir aus Laktoseunvertr\u00e4glichkeitsgr\u00fcnden Spaghetti bestellt hatte, mu\u00dfte ich beim ersten Bissen feststellen, dass auch die kr\u00e4ftig mit Butter versehen waren. Mir schwirte die Frage nach dem eventuellen Butterzusatz zuvor im Kopf herum, aber da wir fast t\u00e4glich Reis a\u00dfen, wollte ich nicht auch noch im Restaurant dieser Speise fr\u00f6hnen. Ich schwieg also und lie\u00df mir die Nudeln servieren. Das Resultat war, dass ich nach 3 L\u00f6ffeln Spaghetti nur noch an meinem Fisch herumknabbern konnte, der obendrein viel zu fettig war. Das Essen war nicht schlecht, doch es war bei Weitem nicht das, was uns in einem Restaurant zum Abschlu\u00df eines so aufregenden, intensiven Ausflugs vorschwebte. Alles in allem f\u00fcllte es jedoch unsere B\u00e4uche. Da meine Spaghetti fast unangetastet blieben und der Fisch in voller Gr\u00f6\u00dfe nicht in meinen Magen passte, sicherten wir auf diese Weise zus\u00e4tzlich Augustas Abendbrot. Was wollten wir mehr?<\/p>\n<p>Wir schl\u00fcrften zu Stephanies Haus und fielen, das erste und einzige Mal, auf einen Schlag in des G\u00e4stezimmers Bett, welches wir als Abstellraum f\u00fcr unser Hab und Gut benutzten. Eigentlich wurde uns am Vortag gesagt, dass wir das Zimmer wegen der bevorstehenden, am folgenden Tag durchgef\u00fchrten Reinigung r\u00e4umen sollten. Wir hatten es ger\u00e4umt, doch bei R\u00fcckkehr von unserem Valle de la Luna Ausflug hatte sich am Zustand des Zimmers nichts ge\u00e4ndert. Stunden sp\u00e4ter, als Stephanie bereits von der Ranch zur\u00fcckgekehrt war, erwachten wir aus unserem Ersch\u00f6pfungsschlaf und planten mit Stephanie den kommenden Tag, an dem sie uns auf einen Reitausflug zur Valle de la Muerte (Todestal) eingeladen hatte.<\/p>\n<div style=\"text-align: center\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/IMG_1071.JPG\" title=\" \" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_valle_luna\/cache\/IMG_1071.JPG-nggid043510-ngg0dyn-300x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"IMG_1071\" title=\"IMG_1071\" \/><\/a>\t\n\n<p><\/div>\n<p>&#8212;<br \/>(*) http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ignacy_Domeyko<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vier Uhr drei\u00dfig am Morgen ert\u00f6nte der Alarm. Verschlafen verkrochen wir uns etwas tiefer in unseren Schlafs\u00e4cken, bis wir uns des bevorstehenden Abenteuers gewahr wurden. Valle de la Luna (Das Mondtal) war unser Ziel und es galt diesen magischen Ort bis Sonnenaufgang zu erreichen. 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