{"id":360,"date":"2007-03-09T00:00:00","date_gmt":"2007-03-08T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/eine-kuchenmullhalde-kurz-vor-dem-todestag\/"},"modified":"2007-03-09T00:00:00","modified_gmt":"2007-03-08T22:00:00","slug":"eine-kuchenmullhalde-kurz-vor-dem-todestag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/eine-kuchenmullhalde-kurz-vor-dem-todestag\/","title":{"rendered":"Eine K\u00fcchenm\u00fcllhalde kurz vor dem Todestag (October 30 &#8211; November 5)"},"content":{"rendered":"<p>Nach drei Wochen in Mexiko Stadt fanden wir es an der Zeit ein wenig Abstand von diesem stark abgasbelasteten, wenn auch \u00fcberaus interessanten Ort zu finden. Wir fuhren also ein wenig hinaus aus der Stadt und zwar nach Xochimilco. Dort hatte sich Felix, ein Servas Mitglied, angeboten uns unterzubringen. Wir brauchten zwei Stunden bis dorthin. Das Haus war einfach auszumachen, denn der Baustil war alles andere als gew\u00f6hnlich. Viele asiatische Elemente fanden in dieser Kreation ihren Platz, beim Fenster angefangen, \u00fcber die Terassent\u00fcren hinweg bis zum gebogenen Dach. <\/p>\n<p>Wir mussten noch einige Zeit vor der Haust\u00fcr warten, denn Felix war noch nicht von der Arbeit zur\u00fcck. Kaum war er angekommen, schien es uns unm\u00f6glich, dass er der Felix ist, mit dem wir kommuniziert hatten. Vor uns tauchte ein knapp sechzigj\u00e4hriger Herr mit einem wohlgen\u00e4hrtem Vorbau auf, einen Sonnenhut auf dem Kopf, die Hosentr\u00e4ger \u00fcber sein T-Shirt gespannt und die Aktentasche im Arm. Er brachte auch frisches Brot mit, was die zweite Hand besch\u00e4ftigte. Er lief langsam, ein wenig humpelnd und bat uns bei seiner Ankunft die Gartent\u00fcr zu \u00f6ffnen. Das Schloss war alt und verrostet und bedurfte einiger Kunstst\u00fccke beim \u00d6ffnen. Um die Wohnungst\u00fcr aufzuschlie\u00dfen, musste man den Schl\u00fcssel in die Mitte der T\u00fcr ins Schl\u00fcsselloch stecken, um das Schloss zu bewegen. Kaum sprang die T\u00fcr auf, begegnete uns die zauberhafte Welt von Felix. Wie in einem M\u00e4rchen, in dem gerade ein Sturm durch die Wohnung gefegt und die gesamten Dokumente durch die Luft gewirbelt hatte, fanden wir die erste, im arabischen Stil gehaltene Sitzgelegenheit vor. \u00dcber dem Kamin, der seit langem nicht mehr in Betrieb schien, hingen wertvolle, moderne Gem\u00e4lde. Um den Kamin herum und unter dem Berg der herumliegenden Dokumente hervorlukend fanden sich Figuren aus der ganzen Welt. Aber all dies war nur der winzige Beginn eines Hauses, dass Sch\u00e4tze aus 1001er Nacht beherbergte. Die T\u00fcr fiel zu und unser Blick schweifte nach rechts, wo sich die Geschichten aus 1001er Nacht \u00fcber die gesamten W\u00e4nde und Treppen zogen. Malerfreunde von Felix hatten diese Kunstwerke im Haus verewigt. In jeden der Geschichten tauchte Felix Gesicht auf. Ob als Schah, als eine Art Yoga-Man, der nur mit einem Lendentuch bekleidet ist, oder umringt von den sch\u00f6nsten Frauen der Welt umringt. Die Farben machten die Geschichten so lebendig, dass man glauben konnte, man w\u00fcrde direkt hindurchgehen. Gegen\u00fcber der Treppe, die hinunter in die K\u00fcche und hinauf zu den Schlafgemachen f\u00fchrte, befand sich eine ganze Bibliothek. <\/p>\n<p>Felix hatte sich eine derartige B\u00fcchersammlung angeschafft, dass sie locker jede Kleinstadtbibliothek f\u00fcllen konnte. Auf dem langen Tisch, der sich vor einem der B\u00fccherregale entlangstreckte, lagen Unmengen von Papieren, Magazinen, Bildern, Postern, Postkarten und B\u00fcchern herum. Obwohl diese Ansammlung auf uns reichlich ungeordnet wirkte, wusste Felix genau, was er wo finden konnte. Die Ordnung im Chaos. Wer aufr\u00e4umt, ist zu faul zum Suchen. Alle B\u00fccher, M\u00f6belst\u00fccke und Souvenire aus fernen L\u00e4ndern versteckten sich unter einer leichten Staubschicht. Das Ende des Bibliotheksraumes bildete eine kleine Sitzecke, die im chinesichem Stil eingerichtet war. Das Sofa, der Tisch, die kleinen Elemente, die hier und da mittels Figuren hinzugef\u00fcgt waren, all dies war original aus China. Wir nahmen sogleich Platz, um die Atmosph\u00e4re in uns aufsaugen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Weiter ging es zu den Schlafgem\u00e4chern. Wir bekamen ein Zimmer zugewiesen, das ein Au\u00dfen- und ein Innenfenster besa\u00df. Das Au\u00dfenfenster war gew\u00f6hnlich, doch das Innenfenster war im Stil eines ovalen Bullauges konstruiert. Es hatte metallene Verzierungen ringsherum und wenn wir es \u00f6ffneten, fiel unser Blick direkt in die 1001 Nacht Geschichten hinein, die die gesamte gegen\u00fcberliegende Wand verzierten. Wir waren wohl wirklich in einem dieser M\u00e4rchen gelandet. Felix Zimmer schien auch einem Sturm erlegen gewesen zu sein, denn um zu seinem Computer zu gelangen, musste man \u00fcber Berge von auf dem Boden verstreuten Dokumenten steigen. Zwischen Felix und unserem Zimmer lag ein gro\u00dfes Bad. Um dies zu benutzen mussten wir sicher gehen, dass Felix wusste, dass wir uns im Bad befinden, denn es hatte zwei T\u00fcren. Eine, die direkt von Felix Arbeitszimmer hineinf\u00fchrte, eine andere, die vor unserem Zimmer lag. Einmal hatte Felix nicht mitbekommen, dass Augustas eine Dusche nimmt und spazierte in das Bad hinein, um sich auf der Toilette zu entledigen. Es schien, als h\u00e4tte er auch beim Herausgehen noch keine Ahnung davon, dass da jemand vor ihm hinter dem Sichtfenster in der Dusche stand. <\/p>\n<p>Zu guter Letzt blieb uns noch das Untergescho\u00df zu entdecken. Dort war Felix gerade dabei, einen hausinternen Garten anzulegen. Hinter diesem Garten, befand sich ein kleiner Raum, der vollkommen mit B\u00fcchern, Zeitschriften, Schriften, Wissenschaftlichen Arbeiten und sonstigem literarischen Werken best\u00fcckt war. Alles fand sich in gro\u00dfer Unordnung, denn Felix hatte keine Zeit, die kostbaren Werke zu sortieren. <\/p>\n<p>Nun aber zur K\u00fcche. Schwelgten wir nach der ersten Hausbesichtigung noch in den Geschichten aus 1001er Nacht, wurden wir sp\u00e4testens jetzt wieder in die Realit\u00e4t zur\u00fcckgeholt. Die K\u00fcche begr\u00fcsste uns in einer Form, als w\u00e4ren wir auf einer M\u00fcllhalde gelandet. Der K\u00fcchentisch berherbergte einen knapp 50 Zentimeter gro\u00dfen Stapel aus altem Papier, leeren, mit Resten versehenen Dosen, verschimmeltem Brot, Eierschalen, Spuren von Tomaten, die gleich auf dem Tisch geschnitten wurden, Tassenringe, dreckigen Gl\u00e4sern, die teilweise halbvoll mit vergorenem Saft dastanden und dreckige Plastikbeh\u00e4lter, die aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden gesammelt wurden. Die Sp\u00fcle wies ein \u00e4hnliches Bild auf. Der Herd stand dem Ganzen in nichts nach, nur dass sich darauf auch etliche Pfannen und T\u00f6pfe befanden, die wohl ungewaschen immer wieder verwendet wurden. In vielen dieser Kochutensilien befanden sich Essensreste. Es stank erb\u00e4rmlich nach verschimmelten Essen in der K\u00fcche und wir vermuteten, dass der Geruch aus einem der T\u00f6pfe kommen musste. Auf dem K\u00fcchenschrank konnten wir keinen Zentimeter Platz ersp\u00e4hen, an dem nicht irgendetwas stand. Der Abfall schien an Ort und Stelle auf den Boden zu fallen, ohne gezielt den sich dort befindlichen M\u00fcllbeutel aufzusuchen. Da lagen Eierschalen, Gem\u00fcsereste und auch sonst klebte der Boden vor Unreinheit. Felix meinte zu diesen Zustand, &#8220;Ich hatte noch keine Zeit, die K\u00fcche aufzur\u00e4umen, da ich erst vor ein paar Tagen (von einer Reise) zur\u00fcckgekommen bin.&#8221; Wie lange das alles schon vor sich hinschimmelte&#8230; Um uns &#8220;gem\u00fctlich&#8221; an den Tisch zu setzen und einen Saft wie auch ein St\u00fcck Brot zu &#8220;genie\u00dfen&#8221;, schob Felix mit seinem rechten, langgestreckten Arm den Haufen Tischm\u00fcll in Richtung Wand. Wir hatten jetzt tats\u00e4chlich Platz unsere Gl\u00e4ser abzustellen und auch das Brot, was Felix mitgebracht hatte, auf den Tisch zu legen. Doch abgewischt wurde vorher nicht. Wir h\u00fcteten uns also davor, uns gem\u00fctlich auf den Tisch zu st\u00fctzen, denn wir wollten nicht mit unseren Sachen daran kleben bleiben. Appetit, muss ich ehrlich sagen, hatte ich an diesem Tisch keinen mehr. Aber dar\u00fcber mussten wir auch hinwegsehen. Schlie\u00dflich waren wir herzlich eingeladen wurden und neben der K\u00fcchenm\u00fcllhalde und dem Chaos, was im ganzen Haus herrschte, nahmen wir Herrn Felix eben einfach so, wie er ist. Zumindest an diesem ersten Tag noch.<\/p>\n<p>Vor allem an diesem ersten Abend, als wir da beisammen in der M\u00fcllhalde des Hauses sa\u00dfen, teilte Felix mit uns seine pers\u00f6nliche Lebensgeschichte. Als junger Mann hatte er an einem Austauschprogramm in Deutschland teilgenommen. Dieser Auslandsaufenthalt hatte ihm die Augen ge\u00f6ffnet und er hat seit diesem Tag einen gro\u00dfen Teil der Welt besucht und auch in vielen L\u00e4ndern auf verschiedenen Kontinenten gelebt. Er liebte das Reisen und er verzehrte fremde Sprachen wie andere Schokolade. Felix sprach acht Sprachen flie\u00dfend und weitere 10 ausreichend, um sich behelfsm\u00e4\u00dfig zu verst\u00e4ndigen. Deutsch war ein<br \/>\ne seiner Lieblingssprachen, so dass er in seinen Erz\u00e4hlungen oft auf Deutsch umstellte. Zum Nachteil f\u00fcr Augustas, der die Sprache nicht beherrscht. Er wusste einige litauische Ausdr\u00fccke zum Besten zu geben und wartete mit vielen asiatischen Sprachkenntnissen auf, die er uns meist ins Englische \u00fcbersetzen musste, da Augustas noch nicht so gut spanisch sprach. Daf\u00fcr verstand er sich mit Felix auf Russisch, wo ich nun hinten anstand, denn ich hatte meine Kenntnisse der russischen Sprache weit im Hinterkopf vergraben. Wir unterhielten uns letztlich in f\u00fcnf Sprachen, in die sich von Felix Seite auch immer wieder Chinesisch, Japanisch, Franz\u00f6sisch und Norwegisch mischte. Felix erz\u00e4hlte uns von seinen Lebensanschauungen, seiner kurz vor dem Ende stehenden Doktorarbeit und \u00fcber das Vorhaben, sein Haus in ein kulturelles Zentrum zu verwandeln. Wir wurden von allen Ausf\u00fchrungen gedanklich mitgerissen und konnten uns gut vorstellen, wie Felix Haus ein kultureller Anlaufpunkt in Xochimilco wird. Nur w\u00fcrde er daf\u00fcr wohl eine Putzfrau anstellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Felix teilte uns kurz nach unserer Ankunft Aufgaben zu, die wir gerne machen &#8220;k\u00f6nnten&#8221; bzw. sollten. Er wusste, dass ich gerne male und so dr\u00fcckte er mir Pinsel und ein Foto in die Hand und erkl\u00e4rte, an welcher Wand er das Motiv gerne verewigt finden w\u00fcrde. Augustas wurde dazu eingeladen, f\u00fcr ihn den Computer besser funktionst\u00fcchtig zu machen und \u00fcber das Programmieren einer Website nachzudenken. Die Bibliothek fiel auf meine Kappe, da ich eine Bemerkung machte, dass hier eventuell Ordnung geschaffen werden m\u00fcsse. Ich durfte gleich damit anfangen, meinte er. Ich habe wirklich Talent f\u00fcr solche F\u00e4lle, aber mir stand nicht der Sinn danach, als Gast bei Jemanden zum Ordnung schaffen &#8220;angestellt&#8221; zu werden. Da str\u00e4uben sich mir die Nackenhaare und ich schalte auf &#8220;jetzt erst Recht nicht&#8221;. Zu dem Gem\u00e4lde an der Wand ist es nie gekommen und auch die Bibliothek hat keine gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen durch meine H\u00e4nde erfahren. <\/p>\n<p>Daf\u00fcr haben wir uns aber, entgegen unserer &#8220;Auftr\u00e4ge&#8221; f\u00fcr die Instandsetzung des n\u00f6tigsten Zimmers angenommen: der K\u00fcche. Als Felix also am n\u00e4chsten Morgen verschwand, standen wir kurze Zeit sp\u00e4ter in der M\u00fcllhalde und versuchten daraus eine K\u00fcche zu machen. Dies geschah mehr aus Eigeninteresse, denn es war so widerlich in der K\u00fcche, dass uns bei dem Gedanken dort zu essen oder Speisen auf dem Herd zuzubereiten der Ekel den R\u00fccken hinaufkroch und in unserer Kehle stecken blieb. Zur Beseitigung der stinkenden Unordnung mussten wir allerdings beachten, dass wir ja keine wieder- bzw. weiterverwendbaren Gegenst\u00e4nde in einem M\u00fcllsack verschwinden lie\u00dfen. Das h\u00e4tte uns Felix mit seinem Umweltsinn \u00fcbel genommen. Das hie\u00df im Klartext ausgedr\u00fcckt, dass wir jedes mit Essen verrotete Becherchen, Plastiksch\u00e4lchen, D\u00f6schen, Silberpapier und weiss der Geier was abwaschen und sortieren mussten. Am Morgen hatte uns Felix noch seinen Garten gezeigt, der sich in einem winzigen Hinterhof befand. Dort hatte er einen gro\u00dfen Zitronenbaum stehen und pflegte vereinzelt ein paar weitere Pflanzen. Seinen organischen Abfall lieferte er immer direkt an den Baumstamm des Zitronenbaumes, damit er kr\u00e4ftig weiter austrieb. Die Zitronen, die viel zu viel f\u00fcr eine Person waren, stapelten sich drau\u00dfen wie drinnen in jeder Ecke und, da sie einfach nicht genutzt werden konnten, verrotetten zumeist. Im Garten befand sich ein gro\u00dfes Steinwaschbecken und auch dieses war vollgestellt mit dreckigem Geschirr und zermatschten wie auch verschmimmelten Esswaren. Drinnen in der K\u00fcche, nachdem wir uns die Inhalte der T\u00f6pfe n\u00e4her angeschaut hatten, erfuhren wir den Grund f\u00fcr das enorme Stinken: eine vergoren-verschimmelte Suppe, von der noch mindestens zwei Liter im Topf standen. Wir entsorgten sie sofort. Mehr als vier Stunden ben\u00f6tigten wir f\u00fcr die mehr oder weniger &#8220;Instandsetzung&#8221; der K\u00fcche. Wir waren v\u00f6llig kaputt, doch das Ergebnis lie\u00df uns zumindest an einem sauberen, leeren Tisch sitzen und unser Essen auf einem sauberen Herd in gereinigten Kochutensilien zubereiten. Und der Gestank war nach vier Stunden L\u00fcften auch endlich verflogen. Wir konnten stolz auf uns sein. <\/p>\n<p>Felix bemerkte die Arbeit und bedankte sich daf\u00fcr. Statt allerdings eine gewisse Ordnung und Sauberkeit zu pflegen, fanden sich nach jedem Besuch Felixs in der K\u00fcche Kleber\u00e4nder und Kuchen- oder Brotkr\u00fcmel auf dem Tisch, das Geschirr war statt es richtig abzuwaschen nur behelfsm\u00e4\u00dfig kurz unter kaltes Wasser gehalten wurden und umgekehrt zum Trocknen aufgestellt. Eine Weiterbenutzung erforderte jedes Mal ein erneutes Abwaschen von unserer Seite. Felix lie\u00df die T\u00f6pfe halbvoll stehen und auch die gewohnten Eierschalen in der N\u00e4he der Sp\u00fcle und des Herdes durften nicht fehlen. Wir stellten in unseren Bart murmelnd die Ordnung wieder her und mit den Tagen verbesserten sich Felix unsaubere Angewohnheiten sogar ein kleines bischen.<\/p>\n<p>Ein heikles Thema f\u00fcr uns waren auch die Toiletten. Felix litt an Durchfall, dem er noch dazu mit ein paar Tabletten half richtig auszubrechen. Nun gut, jeder kann einmal an Durchfall leiden, wenn aber beide Toiletten, die irgendwie nutzbar sind, von oben bis unten mit Schei\u00dfe vollgesprengelt sind, h\u00f6rt das Verst\u00e4ndnis auf. Zumindest h\u00e4tte er einmal mit Toilettenpapier die Spritzer abwischen k\u00f6nnen, doch so weit kam es nie. Es war also jedes Mal eine Ekelerregung, wenn sich der Drang nach der Toilette sp\u00fcrbar machte. Ich setzte mich nur noch wenn unbedingt notwendig auf den Sitz, denn ich wollte nicht auch noch mit einem gesprenkeltem Hintern vom Toilettensitz wieder aufstehen. F\u00fcr wirklich dringende F\u00e4lle nutzte ich Wasser, Seife und Toilettenpapier, um Felix Spuren zu beseitigen und mich guten Gewissens niederzulassen. Noch schrecklicher als die Spuren waren die Ger\u00e4usche, die Felix von sich gab, wenn er seinem Durchfall im Bad freien Lauf lie\u00df. Es war \u00fcber jegliche Ekelgrenzen hinaus widerlich.<\/p>\n<p>Sobald wir uns in Felix Obhut befanden, mussten wir uns um die Organisation unserer Freizeit keine Gedanken mehr machen. Felix \u00fcbernahm das aufopfernd f\u00fcr uns, obwohl wir nicht einmal danach gefragt hatten. Er f\u00fchrte Gespr\u00e4che mit anderen Servas Mitgliedern, versuchte Treffen mit interessanten Pers\u00f6nlichkeiten zu arrangieren, schlug uns Kunstgalerien zur Besichtigung vor und erw\u00e4hnte Orte, die es wert w\u00e4ren, sie zu besichtigen. Durch all seine Aktionen schaffte er es auch, uns f\u00fcr den &#8220;Dia de los Muertos&#8221; (Tag der Toten) unter die Fittiche eines jungen Servas Mitgliedes namens Rodolfo in Mixquic zu geben.<\/p>\n<p>Einen Tag vor dem &#8220;Dia de los Muertos&#8221; verabredeten wir uns mit Rodolfo in der N\u00e4he von Felix Haus. Rodolfo wollte uns abholen und dann direkt mit uns zu einem Fest in Mixquic fahren. Nach zwei Stunden Warten an einer vielbefahrenden Stra\u00dfe, kam Rodolfo endlich angebraust. Durch die Festaktivit\u00e4ten und wie \u00fcblich um die fr\u00fche Abendzeit waren die Stra\u00dfen in Mexiko Stadt komplett verstopft gewesen. Ein Stau reihte sich an den n\u00e4chsten und Rodolfo hatte die ganze Zeit den Druck im Nacken, rechtzeitig zu unserem Treffen zu kommen. Das war kein leichtes Unterfangen. Unsere Geduld siegte mal wieder und so fanden wir uns bald in Gesellschaft eines jungen, fr\u00f6hlichen, intelligenten Mannes wieder, der genau auf unserer Wellenl\u00e4nge lag. Wir verstanden uns auf Anhieb und die noch vor uns liegenden Staus auf dem Weg nach Mixquic st\u00f6rten uns nun \u00fcberhaupt nicht mehr. Rodolfo war m\u00fcde von diesem langen Tag, doch er erz\u00e4hlte uns trotz alledem begeistert von der ganzen Geschichte und all den Traditionen rund um den Todestag, wie auch \u00fcber seine Kultur. Er stammte m\u00fctterlicherseits von einem indianischen Stamm ab und hatte sich eingehend mit seiner Kultur auseinandergesetzt. Ohne mich an seine Kultur zu erinnern, haben mich die Details um deren Traditionen sehr ber\u00fchrt. Schon als Kind tr\u00e4umte ich von einem Indianerdasein und mit Rodolfos Erz\u00e4hlungen konnte ich in die Welt dieser Kultur unbeschwert eintauchen. Auf dem Weg nach Mixquic wurden wir von Kindern in Kost\u00fcmen angehalten, die mittels einem Seil den Fahrweg abspe<br \/>\nrrten. Sie kamen an die Autofenster gelaufen und verlangten S\u00fc\u00dfigkeiten, um ihre Beutel zu f\u00fcllen. Dieses Spektakel praktizierten viele Kinder am Abend vor dem Todestag. Leider hatten wir keine S\u00fc\u00dfigkeiten dabei, wurden aber gn\u00e4digerweise trotzdem durchgelassen.<\/p>\n<p>Endlich waren wir in Mixquic angekommen. Rodolfo parkte das Auto in der Garage, wo uns sein Hund unfreundlich knurrend begr\u00fc\u00dfte. Ins Haus eingetreten fanden wir Rodolfos Vater vor, der es sich in einem Sessel vor dem Fernseher gem\u00fctlich gemacht hatte. Sein Vater war so m\u00fcde, dass er nach einer kurzen Begr\u00fcssung im Sessel wieder einschlief. W\u00e4hrend Rodolfo eine Dusche nahm, l\u00fcmmelten wir uns auf das Sofa und genossen die Beriesselung mit Fernsehanekdoten. Sp\u00e4ter kam Rodolfos Bruder nach Hause und wir a\u00dfen allesamt eine merkw\u00fcrdige Suppe. Geschmeckt hat sich uns nicht, aber aus H\u00f6flichkeit versuchten wir zumindest, die Suppe zu vertilgen.<\/p>\n<p>Eigentlich waren wir mittlerweile alle hundem\u00fcde, aber da wir ja nach Mixquic gekommen waren, um an dem Fest zum Todestag teilzunehmen, gaben wir dem Schlafdrang diesmal nicht nach. Auch Rodolfo rappelte sich wieder auf und los gings. Entgegen Rodolfos Gewohnheiten f\u00fcr die Teilnahme an den Feiern des Todestages, nahmen wir diesmal das Auto. Das bedeutete erneut Staus, aber nach einer geschlagenen Stunde, obwohl es wirklich nicht sehr weit war, erreichten wir endlich den Ort des Geschehens. Mit dem Parken von Autos verdienen die Einwohner von Mixquic an jedem Todestag etliche Pesos, denn jeder will sein Gef\u00e4hrt sicher aufgehoben wissen und parkt es in privaten Hinterh\u00f6fen ab. Jedes Jahr am Tag vor dem &#8220;Dia de los Muertos&#8221; finden in Mixquic ausschweifende Feierlichkeiten statt. An diesem Abend werden die skurillsten S\u00fc\u00dfigkeiten feilgeboten, die oft einen Totenkopf darstellen. Meistens bestehen diese s\u00fcssen Dinger aus gepoppten Mais und Amaranth. Dazu gibt es ein besonderes Brot, was speziell f\u00fcr den Todestag verkauft wird. Bei unserer Ankunft deckten wir uns also erst einmal damit ein. Augustas probierte einen traditionellen mexikanischen Maisdrunk, der mir wegen der Milch aber vorenthalten blieb. Wir zogen weiter und bestaunten die wundervollen, handgefertigten Kleider, den au\u00dfergew\u00f6hnlichen Schmuck und die Menschen, die ausgelassen durch die St\u00e4nde schlenderten. Es wimmelte nur so von Besuchern. Am Ende der Verkaufsstrasse kamen wir zu einem weitl\u00e4ufigen Platz. Dort tobte das Leben. Es schien mir fast, als ob wir auf einem \u00f6ffentlichen Faschingsfest gelandet waren. \u00dcberall stoben neue, verr\u00fcckte Kost\u00fcme aus den Ecken, die sich mittels der darin befindlichen Menschen geisterhaft durch die Gegend bewegten. Der Mittelpunkt des Festes bot der Tanz indianischer Vorfahren. So zumindest schien es. Trotz der Eisesk\u00e4lte, die an diesem Abend herrschte, tanzten um die f\u00fcnfzig Personen in knappen, prachtvoll indianischen Kost\u00fcmen \u00fcber den Platz. Der mit Federn best\u00fcckte Kopfschmuck, der die H\u00e4upter der M\u00e4nner schm\u00fcckte, musste einige Kilo wiegen. An den Beinen hatten die T\u00e4nzer Rasseln h\u00e4ngen, die bei jedem Schritt, Aufstampfen oder Drehen einen besonderen Klang verlauten lie\u00dfen. Die T\u00e4nzer waren fast alle barfu\u00df und viele M\u00e4nner hatten ihre Oberk\u00f6rper entbl\u00f6\u00dft. Typisch indianisch halt. Die Menge, die diesem Schauspiel zusah, konnte nicht umhin, als mit den F\u00fc\u00dfen dem Tanzrythmus zu folgen. Kaum lugten wir ins Geschehen hinein, zappelten auch wir in den hintersten Reihen mit. Es war unm\u00f6glich bei so viel Energie still zu stehen. Als wir entgegen der T\u00e4nzer nicht mehr stehen konnten, liefen wir eine Treppe empor, von der aus wir die T\u00e4nze aus einer anderen Perspektive geniessen konnten. Diesmal allerdings im Sitzen, aber noch immer mit wackelnden Beinen. Wir verbrachten einige Stunden an diesem Festplatz, in dem wir meistens nur die Veranstaltungen und die Besucher beobachteten. Mittlerweile zog sich die M\u00fcdigkeit bereits durch alle Glieder, so dass wir nur noch einen Blick auf den Friedhof werfen wollten. Der war, neben all den anderen Aktivit\u00e4ten, die Hauptattraktion des Todestages. Der gro\u00dfe Friedhof in Mixquic, wo sich die ganzen Festlichkeiten vor seinen Toren vollzogen, war f\u00fcr die besondere Herrichtung seiner Gr\u00e4ber bekannt, doch leider kamen wir nicht in den Genuss, diese Kunstwerke zu betrachten. Der Friedhof war verschlossen und bewacht und w\u00fcrde vor dem Morgengrauen seine Tore nicht \u00f6ffnen. Denn erst am Todestag selbst w\u00fcrden die Gr\u00e4ber ihren Schmuck erhalten und d\u00fcrften von allen Interessenten gesehen werden. Wir begn\u00fcgten uns also mit der Einladung Rodolfos, am kommenden Vormittag mit ihm und seiner Familie auf einen kleineren Friedhof in Mixquic zu gehen, um dort die Festlichkeiten des Todestages zu erleben.<\/p>\n<p>Wieder hie\u00df es eine Stunde Autofahrt zur\u00fcck nach Hause. Wir schliefen in Rodolfos Zimmer, wo wir uns das Bett im wahrsten Sinne des Wortes teilten. Das Bett bestand aus zwei aufeinandergestapelten Matrazen, die wir einfach auseinandernahmen. Ohne grosse Gute-Nacht-Gesage-Zeremonie fielen wir in einen tiefen, ersch\u00f6pften Schlaf. Am Morgen ging es nach dem Aufstehen direkt zu Rodolfos Verwandten, die bereits Fr\u00fchst\u00fcck zubereitet hatten. Es gab Tamales verschiedenster Sorten. Ein Tamal ist eine Masse aus Maismehl, in dessen Mitte sich Fleisch, K\u00e4se oder Bohnen befinden. Diese Masse wird in ein Bananenblatt eingewickelt und in hei\u00dfem Wasser gekocht. Heraus kommt eine Gaumenfreude, die s\u00fcchtig macht. Ich war hocherfreut, dass auch ich diesmal zulangen konnte, denn es waren ausreichend Tamales mit Bohnenf\u00fcllung vorhanden. Auch die Familie freute sich verz\u00fcckt, dass es mir bzw. uns so gut schmeckte. Augustas nahm Tamales mit K\u00e4se, die allerdings auch mit Chillischoten gef\u00fcllt waren. Nach kurzer Zeit brannte ihm dadurch der ganze Mund und sein Kopf bekam ganz rot. <\/p>\n<p>Das Haus von Rodolfos Verwandten war sp\u00e4rlich eingerichtet, verf\u00fcgte aber \u00fcber einen bestimmt sechs Meter langen Tisch. Man weiss ja nie wieviele G\u00e4ste kommen&#8230; W\u00e4hrend die Tanten sich um das Wohl unserer M\u00e4gen k\u00fcmmerten, hatten wir Zeit, uns mit dem Rest der Familie zu vergn\u00fcgen. Wir konnten auch den hauseigenen Altar bestaunen, der mit seinen vielen Kerzen, Blumengestecken und essbaren Opfergaben eine wundervolle W\u00e4rme im Zimmer ausstrahlte. Nachdem wir nichts mehr in unsere B\u00e4uche bekamen, machten wir uns zum Friedhof auf. Wir wussten beide wie der Todestag in unseren L\u00e4ndern begangen wird, doch meistens verlief dieser Tag in stiller Trauer um die Verstorbenen. In Mexiko passierte das ganze Gegenteil. Weder von Stille, noch von Trauer war eine Spur zu sehen. Die Menschen str\u00f6mten mit ihren ganzen Familien lauthals lachend und mit strahlenden Augen zu den Gr\u00e4bern ihrer Vorahnen. Sie hatten Gartenwerkzeuge, etliche Blumen und Gestecke sowie Speisen bei. Sie rupften das Unkraut, kehrten die Steinplatten, steckten frische, bunte Blumen in die Vasen und setzten sich auf die Gr\u00e4ber. Dort breiteten sie ihr Essen aus, dass sie imagin\u00e4r mit den Seelen der Vergangenen teilten und denen sie mit verschiedenen Getr\u00e4nken zutosteten. Einige Leute gingen gar so weit, dass sie eine Musikgruppe ans Grab bestellten und traurig-sch\u00f6ne Lieder spielen lie\u00dfen. Durch den ganzen Friedhof streiften die Kinder, die sich f\u00fcr diesen Tag besonders gern in Draculas und sonstige dunkle Gestalten verwandelten. Einen herzhafteren, fr\u00f6hlicheren Todestag haben wir nie zuvor erlebt und wir befanden, dass es an der Zeit war, diese Tradition auch in unsere L\u00e4nder zu tragen. Denn schlie\u00dflich war der Todestag der Moment in einem Jahr, wo die Seelen der Toten zum Ort ihrer K\u00f6rper zur\u00fcckkehrten und die gl\u00fccklichen Zeiten wie in der Vergangenheit mit ihren noch auf der Erde befindlichen Familien teilten. Als Abschlu\u00df dieser ganzen Feierlichkeiten gab uns Rodolfo auch noch eine CD mit den ber\u00fchrenden Liedern, die wir an den Gr\u00e4bern geh\u00f6rt hatten. <\/p>\n<p>Es war Zeit sich auch in Xochimilco ein bischen mehr umzuschauen und so machten wir uns zu einer Gondelfahrt auf. Wir kamen am fr\u00fchen Morgen, doch zu dieser Zeit gab es nur die teure Variante des Mietens einer eigenen Gondel, was nahezu 200 Peso<br \/>\ns (16 Euro) kostete. Wir mussten uns also bis zwei Uhr nachmittags gedulden, denn dann w\u00fcrde eine Art Sammel-Gondel f\u00fcr bis zu zwanzig Teilnehmer starten. Die Gondel fuhr letztlich gegen halb Drei ab und hatte gar noch einige Pl\u00e4tze frei. Die Fahrt kostete knappe 30 Pesos (2,30 Euro). <\/p>\n<p>Noch w\u00e4hrend wir auf die Abfahrt warteten, konnten wir von unserer Gondel aus das Treiben auf dem Wasser beobachten. Dabei entdeckten wir die verschiedensten Gondel- und Bootsf\u00fchrer. Die erste Sorte steckte in todschicken, mexikanischen Kost\u00fcmen und unterhielt die G\u00e4ste meist auch verbal oder musikalisch. Unter die zweite Sorte fielen Musikanten, die ihre eigene Gondel besa\u00dfen, sich an die Vergn\u00fcgungslustigen auf anderen Gondeln herantasteten und gegen Honorar bezaubernde Musik verlauten lie\u00dfen. W\u00e4hrend dieser Mini-Wasser-Konzerte hatte der Gondelf\u00fchrer meist nichts zu tun und las auch einfach mal in der Tageszeitung. Von der dritten Sorte waren die Verk\u00e4ufer, die mit dampfenden Kocht\u00f6pfen angefahren kamen und gebratene Maiskolben und andere Mahlzeiten anboten. Die Nummer Vier erhielten die Bootsleute, die f\u00fcr ihr Restaurant oder ihr eigenes Haus notwendige Waren, vor allem Lebensmittel und Getr\u00e4nke, bef\u00f6rderten. Und schlie\u00dflich kommen wir zur f\u00fcnften Sorte, die auf eine einzelne Dame entfiel. Sie war in einem etwas gruseligem Kost\u00fcm verkleidet und bat die Bootsleute um eine Mitfahrgelegenheit, um zu ihren theatralischen Auftritten auf den Vergn\u00fcgungsgondeln zu gelangen. Obwohl der Flu\u00df v\u00f6llig mit Gondeln verstopft war und wir gar in Staus hineingerieten, beruhigte und vergn\u00fcgte uns das Wippen unseres Gef\u00e4hrts. Einmal stiegen wir aus, um einen botanischen Garten zu besuchen. Dort h\u00e4tten wir auch Pflanzen kaufen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir in dem Garten und dessen n\u00e4herer Umgebung herumstreiften, entdeckten wir eine eigenartige, ungef\u00e4hr kopfgro\u00dfe Frucht, die sich in Arml\u00e4nge erreichbar vor uns pr\u00e4sentierte. Sollten wir sie pfl\u00fccken? Schlie\u00dflich schien sie ja niemanden zu geh\u00f6ren. Doch wir befanden, dass die Frucht oder auch das Gem\u00fcse, was auch immer es war, wohl einfach dorthin geh\u00f6rte. Wir r\u00fchrten sie also nicht an. Eine Mutter, die mit ihren Kindern hinter uns herspazierte, hegte den gleichen Gedanken wie wir bei Entdecken der Frucht. Sie sprach sich mit ihren Kindern ab, deren Augen bei der Stiebbitzidee sofort aufleuchteten. Die Kinder schafften es, die Frucht von ihrem Busch abzutrennen und \u00fcbergaben sie ihrer Mutter. Da die Mutter die Frucht aber nicht richtig zu greifen bekam, fiel sie ihr aus der Hand und rollte in Blitzeseile bis in den Flu\u00df hinein. Wir hatten es doch geahnt. Die Frucht geh\u00f6rte an keinen anderen Ort als diesen hier. <\/p>\n<p>Gerade als wir im Stau standen konnten wir das Treiben auf all den andern Gondeln ausgiebig beobachten. Da waren Jugendliche, die wahrscheinlich einen Geburtstag auf der Gondel feierten, feine Herrschaften, die sich ein teures Men\u00fc auf die Gondel bestellt hatten und nat\u00fcrlich auch f\u00fcr ihr privates Konzert bezahlten, Arbeitskollegen, die einen Firmenausflug machten, Familien, die ihren freien Tag sinnvoll mit den Kindern verbringen wollten, alte Leutchen, die sich bestimmt schon zum dreihundersten Mal diese Reise antaten usw. Es war alles dabei, auch Traveller, so wie wir. Die sammelten sich aber ausschlie\u00dflich in der Gemeinschaftsf\u00e4hre, weil das Budget f\u00fcr die Eigenmiete \u00fcber die verf\u00fcgbaren Geldmittel hinausgingen. <\/p>\n<p>Die Gondelfahrt war das Warten und die Staus wirklich wert gewesen. Die faszinierende Wasserwelt mit ihren tausendfarbig-strahlenden Gondeln und Gondelf\u00fchrern, das bunte Bild der Vergn\u00fcgungslustigen, die Ruhe auf dem Wasser, die uns Tiere und vor allem V\u00f6gel ersp\u00e4hen lie\u00df und das leichte Wankeln, mit dem wir in einen tranceartigen Zustand versetzt wurden. Die eine Stunde auf dem Wasser f\u00fcllte ganze Gef\u00fchls- und Wahrnehmungswelten. <\/p>\n<p>Nach der langen Zeit des Wartens und der einst\u00fcndigen Gondelfahrt war es h\u00f6chste Zeit eine Toilette aufzusuchen. Gleich an dem Ankunftsort wurden wir f\u00fcndig. Der Benutzungspreis war unerh\u00f6rt teuer, doch was sollten wir machen. In der Toilette gab es kein Licht, so dass ich mich nur wage orientieren konnte. Der ganze Fu\u00dfboden war nass, wahrscheinlich, weil die Mexikaner gerne mit viel Wasser reinigen. Die Hose schweifte ungl\u00fccklicherweise auf dem Fu\u00dfboden, doch da sie eh bereits nass war, n\u00fctzte das Hochkrempeln jetzt auch nichts mehr. Das dachte ich zumindest. Als ich fertig war und aus meiner Toilettenzelle herauskam, fiel ein Lichtstrahl auf den Toilettenboden. Da sah ich, dass weit und breit um die Toilette herum eine durchfallartige Masse verteilt war. Mir wurde schlecht und klar, dass meine Hosenenden nicht in Wasser, sondern in Durchfall gebadet hatten. Ich st\u00fcrmte w\u00fctend aus der Toilette heraus, um mir das Ergebnis anzusehen. Meine Ekelgrenzen wurden dabei wirklich ausgetestet. Mit unserem eigenen Toilettenpapier hockte ich mich also in die n\u00e4chste Stra\u00dfenecke und versuchte mich, ohne die klebrige Durchfallmasse auch nur im Entferntesten anzufassen, meine Hosenbeine notd\u00fcrftig zu reinigen. Puh, was f\u00fcr ein Erlebnis nach diesen H\u00f6henfl\u00fcgen auf der Gondel! Ich konnte nicht nachvollziehen, wof\u00fcr ich eigentlich so viel Geld f\u00fcr die Toilettennutzung bezahlt hatte. F\u00fcr den Durchfall vielleicht? Na dann, vielen Dank.<\/p>\n<p>Auf unseren Streifz\u00fcgen durch Xochimilco fanden wir einen wundersch\u00f6nen &#8220;Bauernmarkt&#8221;, auf dem wir immer frisches Obst und Gem\u00fcse bekamen. Auch st\u00f6berten wir den einen oder anderen Naturladen auf, die mich magisch anzogen. Wir entdeckten auf unseren Entdeckungstouren durch Xochimilco unter anderem eine Kunstuniversit\u00e4t. Als wir dort hineinspazierten, boten sich an vielen Au\u00dfenw\u00e4nden regenbogenbunte Kunstwerke, aus Steinen und Metall emporgewachsende Statuen, kreative Unordnung und viele Studenten, denen man vom \u00c4u\u00dferen her ansehen konnte, dass sie zu den K\u00fcnstlern geh\u00f6rten. Ich seufzte. Gerade in einer solchen Umgebung tr\u00e4ume ich von dem Tag, an dem ich mich irgendwo niederlasse und Kunst und Design studieren werde.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Tage in Xochimilco entschied ich mich, einen erneuten Stuhltest zu machen. Ich hatte nach dem Parasitenbefall in Guatemala meine alte Stuhlkonsistenz nicht wiederherstellen k\u00f6nnen. Der Test ergab, dass nur ein (gutartiger) Parasit gefunden wurde. Der Arzt machte mir weiss, dass ich jetzt f\u00fcr einige Tage eine Hammerportion Chemie in mich hineinkippen m\u00fcsste, damit ich auch diesen Parasit los werde. Kaum waren wir im Internet angekommen, informierte ich mich \u00fcber den Parasiten, denn anders kam ich ja an keine vern\u00fcnftigen Informationen heran. Es stellte sich heraus, dass dieser Parasit, den man bei mir gefunden hatte, v\u00f6llig harmlos war und selbst mit den st\u00e4rksten Chemiekeulen nicht auszurotten ist. Er geh\u00f6rt halt einfach irgendwann zum Verdauungssystem dazu. Stell sich mal einer vor, ich h\u00e4tte mich nicht selbst kundig gemacht und diese Tortur mit einen der st\u00e4rksten aller Antibiotika wirklich \u00fcber mich ergehen lassen. Schreckliche Gedanken. Ich traute den \u00c4rzten sowieso nicht mehr und dieses Erlebnis war nur eine weitere Best\u00e4tigung, dass die \u00fcberhaupt keine Ahnung von der Sache haben. Nichts gegen \u00c4rzte, aber in vielen F\u00e4llen stopfen sie einem einfach mit irgendetwas voll, weil: &#8220;Medizin wird schon ihre Wunder tun.&#8221; Und wenn man dann am Ende daran krepiert, liegt das mit Sicherheit nicht am Arzt. Vielen Dank, ich habe genug von der Schulmedizin.<\/p>\n<p>Ich wusste es w\u00fcrde irgendwann passieren. Augustas und ich tobten durch unser Zimmer in Felix Haus, neckten uns gegenseitig wie kleine Kinder, sprangen umher und ich machte ausgerechnet eine ruckhafte R\u00fcckendrehung. Klack. Das wars. Die &#8220;Reparatur&#8221;, die der guatemalische Chiropraktiker an meinem R\u00fccken manuell vorgenommen hatte, war futsch. Ganze sechs Wochen hatte das Wunder gehalten, in denen ich mich einzigartig gut gef\u00fcllt hatte, keine Schmerzen versp\u00fcrte und mich frei, fr\u00f6hlich und munter bewegen konnte. Nun war es mal wieder vorbei. Die ganze R\u00fcckenproblematik ging von vorne los. Prost Mahlzeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach drei Wochen in Mexiko Stadt fanden wir es an der Zeit ein wenig Abstand von diesem stark abgasbelasteten, wenn auch \u00fcberaus interessanten Ort zu finden. Wir fuhren also ein wenig hinaus aus der Stadt und zwar nach Xochimilco. Dort hatte sich Felix, ein Servas Mitglied, angeboten uns unterzubringen. Wir brauchten zwei Stunden bis dorthin. 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