{"id":346,"date":"2007-08-22T00:00:00","date_gmt":"2007-08-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/strapazen-werden-belohnt\/"},"modified":"2007-08-22T00:00:00","modified_gmt":"2007-08-21T22:00:00","slug":"strapazen-werden-belohnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/strapazen-werden-belohnt\/","title":{"rendered":"Strapazen werden belohnt (Juli 4 &#8211; 6)"},"content":{"rendered":"<p>Da standen wir nun in einer Kleinstadt mit einer endlos langen Strasse und unz\u00e4hligen Gesch\u00e4ften. Die Sonne spielte mal wieder Brutzelofen mit uns, so dass die Sonnencreme gleich dreifach aufgetragen wurde. Jedenfalls bei mir. Mein Magen knurrte f\u00fcrchterlich, so dass ich in der Bushaltestelle, in der wir herausgelassen wurden, schnell im Imbiss vorbeischaute. Dort gab es wenig zur Auswahl, aber zumindest gab es Brot. Das sah reichlich normal aus, so dass dabei ja nichts schief gehen konnte. Dachte ich. Nachdem ich mich riesig \u00fcber den leckeren Geschmack gefreut und bereits zwei der Brote in mich hineingestopft hatte, bi\u00df Augustas auch von dem Brot ab. Da zeigte sich doch tats\u00e4chlich, dass das Brot mit Karamel gef\u00fcllt war. So ein Mist aber auch. Da mein Hunger noch nicht besiegt war, a\u00df ich weiter, jedenfalls die kleinen St\u00fccke der jeweiligen Brote, die kein Karamel enthielten. Scheinbar war aber auch der normale Brotteig mit Milch versetzt, denn eine knappe Stunde sp\u00e4ter ging es mir hundselend. Mein Bauch bl\u00e4hte sich auf, mir wurde schlecht und zu allem \u00dcberflu\u00df bekam ich auch noch meine Regel zu diesem ung\u00fcnstigen Zeitpunkt! Dazu in der Sonne brutzelnd, eine wahre Freude war das. Mir ging es zunehmend schlechter und irgendwann spazierte ich gen Bustoilette, die \u00fcberraschenderweise sauber war. Eine Dreiviertelstunde sp\u00e4ter kroch ich schwach aus der Toilette wieder heraus. Es dauerte noch eine weiter Stunde, bis ich mich von diesem Erlebnis erholt hatte. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, dass Karamel oder Milch im Brot eine Ausnahme w\u00e4re und ich mich vergriffen h\u00e4tte. Doch w\u00e4hrend unserer Reise durch Kolombia stellte sich heraus, dass jegliches, frisch gebackenes Brot mit Milch, K\u00e4se oder Butter versehen ist. Es war zum verzweifeln, aber auch das habe ich nat\u00fcrlich \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Trampen. Augustas erz\u00e4hlte mir nach meiner R\u00fcckkehr von der Toilette, dass er mit dem Stuhlverk\u00e4ufer, der mit seinem Handkarren st\u00e4ndig an uns vorbeizog, gesprochen h\u00e4tte. Dieser hatte nach unserem Reiseziel gefragt und gemeint: &#8220;Ich war fr\u00fcher auch ein Hippie und bin lustig durch die Gegend getrampt. Wenn ihr meinen Rat h\u00f6ren wollt: nehmt den Bus bis zur Peaje (dort, wo man f\u00fcr die Autobahn Geld bezahlen muss).&#8221; Unsere Augen leuchteten auf, wussten wir ja bereits aus Erfahrung, dass es an einer Peaje viel einfacher ist, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und die Autos zum Anhalten zu bewegen. Wir nahmen also den Bus, auf den wir noch einmal eine halbe Stunde warten mussten. Endlich kamen wir an der Peaje an und sahen zu unserer Freude eine handvoll Polizisten nahebei stehen. Wir gingen also auf sie zu und baten um Mithilfe, einen Lift Richtung Bucaramanga zu bekommen. Von Venezuela her waren wir es gewohnt, dass wir die Polizisten oder aber Milti\u00e4rleute um derarte Hilfe bitten konnten. In Kolumbien schien das aber etwas anders zu sein. Die Polizisten wirkten etwas hilflos und drucksten ein wenig herum. Dann brachten sie doch noch ein &#8220;gut&#8221; heraus, was uns zumindest ihre Zustimmung sicherte. Doch so wirklich hilfreich waren die M\u00e4nner nicht.<\/p>\n<p>Wir hielten also selbst jemanden an. Carlos fuhr mit uns nach Pamplona. Auf dem Weg dorthin deckten wir uns in den vielen St\u00e4nden am Strassenrand mit etwas Obst ein. Einmal sahen wir ein junges Paar einen Berg hinuntersteigen. Die Beiden wirkten auf uns wie Langzeitreisende und stellten sich, ihre Rucks\u00e4cke auf dem R\u00fccken, an den gegen\u00fcberliegenden Strassenrand. Dort konnte ich beobachten, wie sie sich r\u00fchrend um ihr Baby k\u00fcmmerten. In diesem Moment regte sich etwas ganz tief in mir. Ich sah vor meinen Augen, wovon ich seit langem tr\u00e4ume: mit dem eigenen Kind durch die Welt reisen.<\/p>\n<p>Carlos machte mit uns in Pamplona eine kleine Rundfahrt. Pamplona ist wirklich eine faszinierende Altstadt, mit einem riesigen Universit\u00e4tsgel\u00e4nde, zu dem uns Carlos letztlich brachte. Wir h\u00e4tten gern etwas mehr Zeit in Pamplona verbracht, aber wir waren bereits in Zeitverzug mit unserer Ankunft in Cartagena. Und so kamen wieder einige Stunden Warten auf uns zu. Wir beobachteten derweil die Aprikosenverk\u00e4ufer, die sich physisch und rednerisch wirklich ins Zeug legten. Auch wir konnten der s\u00fcssen Frucht nicht widerstehen und erwarben einen ganzen Beutel davon. Ausgesprochen k\u00f6stlich. Da fristeten wir also unsere Zeit, Fr\u00fcchte essend, vor dem Eingang zur Universit\u00e4t, direkt am Strassenrand. Auto bahnt sich an, aufstehen, Daumen raus, freundlich l\u00e4cheln, traurig hinterherschauen, hinsetzen. So ging es eine ganze Weile, bis wir einen Jeep sahen, der auf seinem Anh\u00e4nger zwei Motorr\u00e4der geladen hatte. Augustas ging auf die beiden zu und beredete sie mit einer Engelsgeduld. Da sich die Fahrer anfangs mehr f\u00fcr das billige, venezuelanische Benzin als f\u00fcr Augustas Bitte uns mitzunehmen interessierten, blieb Augustas protestierend einfach neben ihnen stehen. Sie sollten nicht vergessen, dass er nachgefragt hatte. Augustas fing also an \u00fcber uns zu erz\u00e4hlen, welche L\u00e4nder wir bisher gesehen hatten, wie lange wir schon umherreisen, etc. Nach einer geraumen Zeit Warten, in der ich weiterhin versuchte andere Fahrzeuge anzuhalten, schien sich endlich das Gehirn des Jeep-Fahrers in den Gang zu setzen und eine Entscheidung auszuspucken. Ja, sie w\u00fcrden uns mitnehmen. Einsteigen.<\/p>\n<p>Endlich befanden wir uns auf dem Weg nach Bucaramanga. Wir hatten uns allerdings zu fr\u00fch gefreut. Keine f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter bogen wir um eine Kurve und standen in einem endlos langen Stau. In der Gegend bestand momentan nur einspuriger Verkehr wegen Stra\u00dfenbauma\u00dfnahmen. Als wir ankamen, war auch diese eine Spur gesperrt. Eine Stunde sassen wir fest, w\u00e4hrend der wir uns \u00fcber neuartige Gem\u00fcse informierten und uns mit anderen Gestrandeten unterhielten. Unsere Fahrer malten sich schon aus, wann sie ungef\u00e4hr in Bucaramanga ankommen w\u00fcrden. Gegen 18 Uhr sch\u00e4tzten sie unsere Ankunft, was sich sp\u00e4ter als weit untersch\u00e4tzt herausstellte. Aber immerhin bewegten wir uns jetzt langsam in unsere Richtung fort. Es ging mitten durch die Berge und es schien, dass mit jeder Kurve, die in einem Abstand von 10 Metern zu liegen schienen, die H\u00f6he anstieg. Wir waren auf dem Weg in die Wolken, im wahrsten Sinne des Wortes. Einmal schoss auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite ein LKW wie ein Bl\u00f6der um die Kurve und h\u00e4tte uns, w\u00e4re die Reaktion unseres Fahrers auch nur um eine Millisekunde langsamer gewesen, allesamt den Berg wieder hinunterbef\u00f6rdert. Mit Sicherheit schneller als wir hinaufgebraucht hatten, daf\u00fcr h\u00e4tten wir davon aber nichts mehr gehabt. Den Schrecken noch im Nacken stiegen wir h\u00f6her und h\u00f6her. Mit jedem Zentimeter H\u00f6henver\u00e4nderung sanken die Temperaturen weiter Richtung Nullgrenze. Es fing f\u00fcrchterlich an zu regnen, wodurch wir gleich mit dem Gedanken \u00fcberfallen wurden, am Abend im Nassen schlafen zu m\u00fcssen. Wir schienen bereits am H\u00f6henlimit der Berge angekommen zu sein, da hielten die Herren f\u00fcr eine kleine Kaffepause an. Sie luden uns zu einem heissen Wasser mit Honig ein und wir langten kr\u00e4ftig bei den gesalzenen Pellkartoffeln zu. Die waren so herrlich heiss, w\u00fcrzig und klein, dass wir sie direkt mit der Schale gegessen haben. Wir nahmen uns sogar noch eine grosse Portion mit ins Auto, denn wir hatten nicht genug Zeit, diese K\u00f6stlichkeit ausreichend zu geniessen. Mit Hilfe unseres Fahrers schafften wir es sogar, nur eine einzige Gurke zu kaufen, denn mit dreien auf einmal, die man uns partout verkaufen wollte, konnten wir einfach nichts anfangen. <\/p>\n<p>Es wurde sp\u00e4ter und war mittlerweile \u00fcber die Zeit, die unsere Fahrer f\u00fcr die Ankunft in Bucaramanga angek\u00fcndigt hatten. Sie \u00e4nderten nun auch ihre Meinung und rechneten wohl eher mit 20-21 Uhr. Wir machten uns mittlerweile richtig Sorgen, wo wir \u00fcbernachten sollten. Nachts in einer Stadt anzukommen und nach einem passenden Zeltplatz zu suchen, hatten wir nach dem Erlebnis in Kosta Rica abgehakt. Wir vertrauten uns also unseren Fahrern an, die auf Anhieb keine Idee hatten. Wir gaben viele Hinweise, was gut f\u00fcr uns w\u00e4re, so dass wir uns let<br \/>\nztlich auf eine Peaje, die sich hoch oben auf einem Berg befand, einigten. Dort angekommen wollte ich nicht gerne aussteigen. Es regnete in Str\u00f6men, alles war nass und noch dazu eisig kalt. Und da \u00fcbernachten? Nein, danke. Unsere Fahrer verga\u00dfen scheinbar, dass wir bereits an der Peaje angekommen waren und fuhren weiter. Vielleicht erwogen aber auch sie nicht im Entferntesten, uns bei diesem Wetter dort auszusetzen. Mittlerweile ging es bereits bergab und wir diskutierten erneut, wo wir ein geeignetes Nachtlager finden konnten. Der Fahrer schlug vor, die auf Kilometer soundso stationierte Polizeikontrolle zu fragen. Dort angekommen erkl\u00e4rte der Polizist, dass wir weiter unten in einem &#8220;Park&#8221; zelten konnten. Da w\u00e4re es sicher, weil die Polizisten alle 45 Minuten vorbeifahren w\u00fcrden und zwar bis 4 Uhr morgens. Das klang ja vielversprechend. &#8216;Alle 45 Minuten&#8217;. Scheinbar war den Polizisten nicht klar, dass innerhalb von 45 Minuten reichlich viel passieren kann. Aber gut, wir erwogen es zumindest. An dem &#8220;Park&#8221;, der sich als offener, unbedachter, nur mit Erde best\u00fcckter Parkplatz entpuppte, brauchten wir nicht lange zu \u00fcberlegen. Selbst der Fahrer wollte uns hier nicht herauslassen. Wir fuhren also weiter und gaben Vorschl\u00e4ge wie Feuerwache, Polizeizentrale, Milit\u00e4r&#8230; &#8220;Ah, ich weiss wo wir euch herauslassen k\u00f6nnen. Es gibt ein Milit\u00e4rschutzgebiet gleich am Eingang von Bucaramanga.&#8221; Ja super, dass sollte die L\u00f6sung sein. Wie gesagt, sollte&#8230; Wir klopften beim Milit\u00e4r an und, ungew\u00f6hnlich f\u00fcr unsere bisherigen Erfahrungen, wurden abgelehnt. &#8220;Geht die Strasse hinunter, dann nach rechts und dort findet ihr einen Polizisten. Der wird euch weiterhelfen, da k\u00f6nnt ihr bestimmt \u00fcbernachten.&#8221; All meine Gebahren bez\u00fcglich des &#8220;nachts durch die Stadt mit unserem Gep\u00e4ck&#8230;&#8221;-Erkl\u00e4rungen stiessen auf Stein. Wir mussten also wieder abziehen und wurden liebensw\u00fcrdigerweise auch bis zur Ecke gebracht, damit wir uns nicht verlaufen konnten. Beim Polizisten angekommen, ging die ganze Erkl\u00e4rung wieder los und wir hatten eine kleine Hoffnung, dass er uns nicht auch fortschicken w\u00fcrde. Doch auch der Polizist wollte sich unserer nicht annehmen und uns den n\u00f6tigen Schutz zukommen lassen. Stattdessen schickte er uns &#8220;nur 5 Strassen weiter&#8221; zum Parque de los Ni\u00f1os. Zwei Weisse, nachts, mit riesigen Rucks\u00e4cken &#8220;nur 5 Strassen weiter&#8221; zu schicken, grenzte bei mir an Verst\u00e4ndnislosigkeit. Aber auch hier halfen alle Gebahren nichts. Erst schlug er noch vor, bei seinem Kollegen anzurufen, doch aus heiterem Himmel \u00e4nderte er seine Meinung. Trotz das ich ihn immer wieder auf seine Idee des Anrufs stie\u00df, da uns sein Kollege dann sofort helfen w\u00fcrde, konnte ich den Polizisten nicht dazu bewegen, den H\u00f6rer oder gar das Funkger\u00e4t in die Hand zu nehmen. &#8220;Wi\u00dft ihr, der Funk und das Telefon sind nicht f\u00fcr solche Gespr\u00e4che gedacht. Es ist also besser, wenn ihr einfach selbst hinlauft.&#8221; Wir waren bedient, aber jetzt war ja eh alles egal. Wenn uns die Polizei nachts &#8220;nur 5 Strassen weiter&#8221; schickt, dann werden wir eben die f\u00fcnf Strassen weiter gehen. Auf dem Weg zum Park riefen wir noch kurz bei unserer Gastgeberin in Cartagena an, damit sie &#8211; und zumindest eine Person &#8211; wusste, wo wir abgeblieben sind. Letztlich waren es mindestens acht Strassen, die wir gehen mussten, um im Parque de los Ni\u00f1os anzukommen. Am Park angekommen stellten wir fest, dass dieser komplett mit einer Art gr\u00fcnem Stoff umz\u00e4unt war. Davon hatte der Polizist die unz\u00e4hligen Strassen weiter oben aber nichts erw\u00e4hnt. Im Gegenteil. Wir fanden den Eingang zum Park, dessen T\u00fcr allerdings verschlossen war. Da es eine behelfsm\u00e4\u00dfige Bauzaunt\u00fcr war und die nur mittels einem Draht zugehalten wurde, \u00f6ffneten wir das Tor einfach und traten ein. Kaum hatten wir das Tor wieder verschlossen und liefen auf das Polizeih\u00e4uschen zu, da kam der Herr Polizist bereits aus der anderen Richtung auf uns zugelaufen. Wir gaben eine kurze Erkl\u00e4rung unserer Anwesenheit, schilderten unsere Versendung an ihn und bekamen endlich die Erlaubnis an diesem Ort bleiben zu d\u00fcrfen. Es war ideal, dass der Park in diesem Moment erneuert wurde und deswegen die Bauz\u00e4une ringsherum angebracht waren. So konnten uns die Fu\u00dfg\u00e4nger wenigstens nicht neugierig hinterherschn\u00fcffeln. <\/p>\n<p>Wir suchten uns ein geeignetes Zeltpl\u00e4tzchen, das dem Polizisten aber misfiel. Er wollte uns am besten direkt unter einer Lampe zelten sehen, damit wir gut bewachbar w\u00e4ren. Das ist an sich keine schlechte Idee, aber wenn es keine \u00f6ffentlichen Toiletten gibt und meiner einer zum Pipi machen ihren Hintern freilegen muss, ist das alles andere als erfreulich. Einen beleuchteten Po brauchte ich nun wirklich nicht und auch keine Kontrolle dar\u00fcber, ob ich mir gerade eine geeignete Ecke f\u00fcr den Toilettengang suchte. Wir platzierten unser Zelt ordnungsgem\u00e4\u00df im hellsten Lichtschein. Ich suchte mir jetzt aus absoluter Notwendigkeit trotzig eine Stelle hinter dem gr\u00f6ssten Baum, um mich endlich zu erl\u00f6sen. Hinter dem Baum schien mein Hintern zwar aus Zeltrichtung vor unerw\u00fcnschten Blicken gesch\u00fctzt, aber mit dem Lichtstrahl, der einen grossen Schatten aus meiner hockenden Figur machte, war das auch egal. Es wusste ja eh jeder, was ich da tat. Ich schimpfte also ein wenig vor mich hin, damit meine \u00e4rgerliche Energie endlich entwich. <\/p>\n<p>Ich atmete gerade tief durch und legte mich ersch\u00f6pft in unser Zelt, da bemerkte ich den nassen Zeltboden. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit hatte unser Zeltboden nachgegeben und unsere Matrazen eingeweicht, da das pitschnasse Grass unter ihm einfach st\u00e4rker war. Wir mussten also umziehen. Zum dritten Mal alles herausr\u00e4umen, dass Zelt in Sicherheit bringen und \u00fcberlegen, wo wir am sichersten vor dem Regen w\u00e4ren. Diese Phase dauerte ausgesprochen lange, denn \u00fcberall gab es einen Haken. Wir entschieden uns letztlich f\u00fcr den Gehweg, in der Hoffnung weitgehend trocken zu bleiben. Kaum waren wir mit Sack und Pack drinnen im Zelt, da bot uns einer der Bauherren, der um diese Zeit noch auf Sandtransporte wartete an, in der Umkleideh\u00fctte der Bauarbeiter zu \u00fcbernachten. Er zeigte uns das H\u00e4uschen, was keinen Boden, nur Asphalt, aber ein Dach und W\u00e4nde hatte. &#8220;Ihr m\u00fcsstet allerdings um Punkt 6 Uhr morgens wieder draussen sein.&#8221; Kein Problem. Es war ein wenig problematisch unser Zelt, ohne es wieder zusammenbauen zu m\u00fcssen, in die H\u00fctte hineinzubekommen. Aber mit unserem Willen und der Sehnsucht nach Ruhe war das allemal m\u00f6glich. Hier hatten wir eine bessere M\u00f6glichkeit unsere Notd\u00fcrfte zu verrichten, auch wenn diesmal der Asphalt vor der H\u00fctte daran glauben musste. Zumindest sah uns jetzt keiner mehr dabei. Wir richteten uns h\u00e4uslich ein und fielen ersch\u00f6pft in einen viel zu kurzen Schlaf.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Uhr morgens klingelte der Wecker. Aufstehen, packen und schon stand der Bauherr vor der H\u00fctte. Wir verliessen den Park. Ich war v\u00f6llig verschlafen, da ich nach dem ganzen Hin und Her am Vorabend nicht mehr ruhig schlafen konnte. Man k\u00f6nnte den Zustand auch als ger\u00e4dert bezeichnen. Vor mich hintr\u00e4umend trottete ich Augustas hinterher, der sich am Vortag von unseren Fahrern die richtige Richtung erkl\u00e4ren lassen hat. Doch so ganz sicher war er nicht \u00fcber den Weg und so fragte er einen Zeitungsverk\u00e4ufer, der auf der Mittelinsel einer riesigen Strasse stand. Dieser wusste nicht zu helfen, statt dessen schaltete sich ein anderer Herr ein, der neben dem Zeitunsverk\u00e4ufer stand. &#8220;Sie wollen also trampen. Ja, das habe ich als junger Mann auch st\u00e4ndig gemacht. Da fahrt ihr am besten zur Peaje. Dazu m\u00fcsst ihr den Bus soundso nehmen. Geht einfach die Strasse hier weiter hinunter und da an einer Tankstelle ist auch schon die Bushaltestelle.&#8221; Gesagt, getan. Auf dem Weg dorthin ver\u00e4nderte sich das Stra\u00dfenbild drastisch. Mehr und mehr Obdachlose tauchten auf und die Gegend sah zunehmend ungem\u00fctlich aus. Wir liefen also schnellen Schrittes der Tankstelle entgegen, die sich allerdings ein ganzes St\u00fcck entfernt befand. Zu allem \u00dcbel brauchten wir ausgerechnet auch noch Geld, denn sonst konnten wir den Bus zur Peaje nicht bezahlen. Als wir endlich einen Geldautomaten fanden, f\u00fchlten wir uns zu<br \/>\n unsicher, mit unserem Gep\u00e4ck davor zu parken. Da sich auf der gegen\u00fcberliegenden Strassenseite in einem Hof eine Art Bushaltestelle befand, gingen wir hin\u00fcber um nachzufragen, ob diese nicht gleich zu unserem Ziel f\u00fchren. Das verneinten sie, aber immerhin konnte ich nun getrost mit den Rucks\u00e4cken dort verweilen, w\u00e4hrend Augustas Geld abhob. Da h\u00f6rte ich pl\u00f6tzlich einen Alarm lospl\u00e4rren. Was da wohl los sei, dachte ich. Die Antwort bekam ich, als Augustas zur\u00fcckkam. Er hatte gerade seine Kreditkarte in den Automaten gesteckt, da l\u00f6ste sich ein Alarm aus. Warum weiss der Geier. Da er nichts falsch gemacht hatte, hob er fix das n\u00f6tige Geld ab und verlie\u00df den Automaten wieder. Wir zogen also weiter, immer den Blick um uns schweifend, da wir definitiv in einer Art Drogenmilieu gelandet waren. Kaum kamen wir an der Tankstelle an, schafften wir es gerade noch in unseren Bus zu h\u00fcpfen und los ging es zur Peaje. Da hatten wir wirklich Gl\u00fcck gehabt, denn an diesem Ort h\u00e4tten wir ungern auf den n\u00e4chsten Bus warten wollen.<\/p>\n<p>Die Peaje war recht klein, mit einer winzigen Insel in der Mitte einer zweispurigen Strasse, auf der die Kassenh\u00e4uschen standen. Da es nahebei einen kleinen Imbiss gab, entschieden wir erst einmal zu fr\u00fchst\u00fccken. Leider war die Auswahl nicht besonders gross. Wir n\u00e4hrten uns also von unseren Bananen- und Mandarinenresten und erstanden eine Art runden Zwieback, der federleicht und gar nicht mal so unlecker war. Wir bekamen auch unsere Wasserflaschen gef\u00fcllt und genossen den Luxus einer wahren Toilette. Vor der Toilette gab es ein Waschbecken und ich nutzte die M\u00f6glichkeit, um zumindest meine au\u00dferhalb der Kleidung befindlichen K\u00f6rperteile in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Augustas interessierte sich f\u00fcr so unbequeme Waschbedingungen wie immer wenig, er wusch sich H\u00e4nde und Gesicht und fertig. <\/p>\n<p>Gefr\u00fchst\u00fcckt und ansatzweise gereinigt gingen wir schlie\u00dflich zum Ende der Peaje und warteten auf eine Mitfahrgelegenheit. Aus f\u00fcr mich unerkl\u00e4rlichen Gr\u00fcnden wurde ich pl\u00f6tzlich nerv\u00f6s, weil niemand f\u00fcr uns anhielt. Mein Gef\u00fchl sagte mir, ich m\u00fcsste mit den Fahrern pers\u00f6nlich reden und das war nur direkt am Kassenh\u00e4uschen m\u00f6glich, denn dort mussten sie wohl oder \u00fcbel anhalten. Ich st\u00fcrmte also zum Kassenh\u00e4uschen und begann, ungew\u00f6hnlich aufgeregt, die Fahrer um einen Lift zu bitten. Doch diese ignorierten mich entweder oder hatten wirklich keinen Platz in ihrem Wagen. Meine Anwesenheit so nah am Kassenh\u00e4uschen machte die Kassiererin unsicher, obwohl mich ihre Gelder nun wahrlich nicht interessierten. Da kam auch noch der diensthabende Polizist, der zur Sicherheit an der Peaje eingesetzt wird, auf mich zu und bat mich energisch, meine Position zu verlassen. \u00c4rgerlich musste ich akzeptieren und stand, noch immer nerv\u00f6s, wieder neben Augustas. Es kostete mich einige Atemz\u00fcge bis ich mich wieder beruhigt hatte. Als ich so weit war, kamen auch irgendwie keine Fahrzeuge mehr angerollt. Hatte das vielleicht etwas mit meinem Gef\u00fchl und meiner \u00fcberst\u00fcrzten Reaktion zu tun? Und ob. Ein LKW hatte sich quer auf die Fahrbahn gelegt, nur ungef\u00e4hr einen Kilometer vor der Peaje. Nun funktionierte gar nichts mehr. Au\u00dfer ein oder zwei Fahrr\u00e4dern sahen wir f\u00fcr eine Stunde gar nichts. Ich schien es geahnt zu haben.<\/p>\n<p>Der Verkehr ging endlich wieder los und nach relativ kurzer Zeit hielten zwei Fischtransporter f\u00fcr uns an. Es handelte sich um Kollegen, die sich auf dem gleichen Weg befanden. Einer der Beiden, Armando, hatte entschieden uns mitzunehmen. Da Armando nur einen von uns mitnehmen konnte, stieg ich in den Wagen seines Kollegen ein. Der war reichlich verwundert, verstand aber, das Armando uns mitnehmen wollte und lie\u00df mich einsteigen. Wir fuhren anfangs hinter Armando her, doch mein Fahrer mochte es gern ein bischen schneller. Wir \u00fcberholten Armando und Augustas also und fuhren weit voraus bis zu einem Restaurant. Unterwegs wurden wir von einer Verkehrskontrolle angehalten, da es offiziell nicht erlaubt ist, einen Fahrgast in einem Gesch\u00e4ftsfahrzeug zu transportieren. Es k\u00f6nnte ja sein man verdient sich damit ein Extrabrot. So jedenfalls kam es mir vor. In dem Restaurant bestellte sich mein Fahrer neben einer fleischigen Suppe einen Teller mit einem Steak, Reis, Kochbananen, Ei und ein wenig Salat. Wo er das wohl hinessen will, fragte ich mich. Mein Fahrer war n\u00e4mlich einen Kopf kleiner als ich und ein absolut d\u00fcrres Hemd. Aber das dies f\u00fcr ihn normale Portionen sind bewiess er sp\u00e4ter gekonnt mit aufessen. Ich hatte auch Hunger, aber kein Geld. Und so wartete ich auf Augustas. Wer weiss ob wir dann noch Zeit hatten, etwas Nahrhaftes in uns hineinzuschlingen. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter tauchten die Beiden endlich auf. Augustas wunderte sich regelrecht, dass ich nichts zu Essen bestellt hatte und da auch ihm der Magen knurrte, liessen wir uns ein Reis-Kochbananen-Ei-Salat-Gericht kommen. Man, war das vorz\u00fcglich. Armando bestellte sich eine Fleischsuppe. Er war in Eile, denn sein Reifen hatte einen Platten und musste ausgewechselt werden. Auch mein Fahrer wollte bald wieder los, solange er aber noch a\u00df, nutzte ich die Gelegenheit soviel wie m\u00f6glich in mich hineinzustopfen. Alles w\u00fcrde ich sowieso nicht schaffen. Ich war mal wieder die Letzte beim Essen und noch w\u00e4hrend ich mir die Bissen in den Mund schob, bat Armando um die Rechnung &#8211; f\u00fcr alle. Oh, dachte ich, und freute mich schon ein wenig \u00fcber die Einladung. Doch innerhalb von Sekunden meinte mein Fahrer, &#8220;Ich bezahle auf eigene Rechnung&#8221;. Da ich sah, dass Armando nicht gerade wohlhabend war, stie\u00df ich die gleiche Bemerkung aus. Augustas sagte nichts, ich wusste aber genau was er dachte: Warum nicht die Einladung annehmen? Augustas hatte aber im Gegensatz zu mir nicht geh\u00f6rt, dass mein Fahrer sein Essen getrennt bezahlen wollte. Und so stimmte er mir im Nachhinein zu, dass es wohl in Ordnung war.<\/p>\n<p>Vollgestopft ging die Fahrt weiter. Ich mit meinem Fischauto mal wieder vorne dran. Ich wurde dann irgendwann an einem Platz herausgelassen. &#8220;Warte hier, Armando weiss das du hier bist.&#8221; Nun gut, dann warte ich eben. Ich war heilfroh endlich im Schatten vor mich hinstehen zu k\u00f6nnen und mich nicht mehr in dem sowieso schw\u00fcl-heissem Wetter in einen Autositz lehnen zu m\u00fcssen. Ich las ein wenig, bis die Toilette nach mir rief. Ich wurde freundlicherweise direkt in die Apotheke hineingelassen, vor der ich gestanden hatte. Zuvor hatte man mir bereits einen Stuhl angeboten, den ich dankend ablehnte, weil ich zu gern meinen nassgeschwitzten Hosenboden trocknen wollte. Nachdem ich von der Toilette kam verwickelte ich mich selbst in ein kleines Gespr\u00e4ch mit der Apothekendame. Keine zwei Minuten sp\u00e4ter schaute ich aus der T\u00fcr heraus und sah den Fischtransporter mit Augustas an dem Platz vorbeiziehen. Ich rannte hinaus, winkte wie verr\u00fcckt, doch das Auto fuhr weiter. Jetzt lief ich bereits im Dauerlauf hinter den Beiden her und hoffte, dass sie so klug sind, einmal in den R\u00fcck- bzw. Seitenspiegel zu schauen. Keine Reaktion. Das Auto fuhr weiter geradeaus. Da ergriff mich ein wenig die Panik, denn zuvor hatten wir geh\u00f6rt, dass Armando zu einem Lieferpunkt muss, der weiter entfernt als der meines Fahrers liegt. W\u00fcrden sie glauben ich sei viel weiter vorne? Ich \u00fcberquerte rennend die Strasse und hechtete weiter hinter Armando und Augustas her. Kurz vor der Peaje entdeckte Augustas endlich, dass ich hinter ihnen her war. Das Auto hielt an, Augustas stieg aus und machte eine &#8220;keine Sorge, wir haben dich gesehen&#8221;-Handbewegung. Keuchend stand ich nun neben ihnen. Armando und Augustas schienen sich wunderbar zu verstehen. &#8220;Armando hat uns zu sich nach Bucaramanga eingeladen. Wenn wir auf dem Weg nach Bogota sind, k\u00f6nnen wir dort vorbeischauen.&#8221; Das waren erfreuliche Nachrichten, die mich meine Ersch\u00f6pfung kurzzeitig vergessen lie\u00dfen. <\/p>\n<p>Wir verabschiedeten uns auf bald und liefen auf die andere Seite der Peaje. Dort positionierte sich Augustas, aus gutem Grund, direkt in der Sonne. Ich konnte ja vieles ertragen, aber nach diesem Sprint in der Sonne brutzeln war einfach zu viel. Ich verkr\u00fcmmelte mich also in<br \/>\nden Schatten. Da ich nicht so v\u00f6llig nutzlos herumstehen wollte sprach ich den Polizisten in der Peaje an und erkundigte mich nach verschiedenen Busunternehmen und deren Preisen. Genau konnte er mir da keine Auskunft geben, aber zumindest wusste er welche Busse an der Peaje anhalten w\u00fcrden und welche nicht. Das wir mit dem Gedanken spielten den Bus zu nehmen war aus purer Ungeduld geboren. Auch die Tatsache, dass wir sp\u00e4testens am heutigen Tage in Cartagena eintreffen wollten, machte uns den Gedanken an einen Bus direkt bis dorthin schmackhaft. Ich bat den Polizisten, den von ihm vorgeschlagenen Bus bei Auftauchen anzuhalten, damit wir uns nach dem Preis erkundigen konnten. Es war mal wieder Warten angesagt und die Getr\u00e4nkeverk\u00e4ufer, die sich um die Peaje scherrten, hatten Mitleid mit uns. Sie gaben uns st\u00e4ndig neues, kaltes Wasser, ohne daf\u00fcr auch nur einen Cent zu wollen. Wir hatten viel Spass mit der Truppe, die sich unter anderem zum Schutz vor der Sonne sehr lustig verkleidete. So zum Beispiel T-Shirt auf den Kopf gest\u00fclpt und Basekap open drauf. Sie witzelten untereinander auch viel herum, was uns die Zeit des Wartens verk\u00fcrzte. Ein Bus wurde angehalten. Wir fragten nach dem Preis, an den ich mich jetzt nicht mehr erinnere. F\u00fcr uns stand au\u00dfer Frage, nach so viel Hick-Hack auf unserer Reise von Merida, Venezuela, bis zu dieser Peaje in Kolumbien, obendrauf auch noch so einen Preis zu zahlen. Der Bus zog von dannen und wir f\u00fchlten uns pl\u00f6tzlich wieder wohl. Wir sind eben zum Trampen geboren und nicht zum Bus fahren.<\/p>\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter, ohne gro\u00df unseren Daumen senkrecht in Signalstellung zu halten, hielt endlich ein luxuri\u00f6ser Pick-Up an. Au\u00dfen wie Innen war dieses Modell vom Allerfeinsten, mit jeglichem Mobilar und Technik, die sich ein futuristischer Zukunftsautomobilfahrer nur ertr\u00e4umen kann. Wir kriegten die Augen vor lauter Staunen gar nicht mehr in die richtige Gr\u00f6\u00dfe. Mein Gott, was f\u00fcr ein Prachtst\u00fcck. Und wir sassen genau da drin. Unglaublich. Wir genossen die Fahrt auf dem R\u00fccksitz des &#8216;Luxusbootes&#8217; und wurden zudem mit Erfrischungsgetr\u00e4nken unterhalten. Unser Fahrer erkl\u00e4rte, dass er in der Viehzucht t\u00e4tig sei. Uns kam das ein wenig merkw\u00fcrdig vor, bei dem Ger\u00e4t, mit dem er seinen Hintern durch die Gegend kutschierte. Sein Freund auf dem Beifahrersitz kannte die Gegend entlang der gesamten Strecke wie seine Westentasche. &#8220;Hier, dass war ein absolutes Guerillagebiet&#8230;dort spazieren reichlich Guerillas umher&#8230;das Gebiet hier ist sehr nass, weil&#8230;hier ist die Viehzucht zu Grunde gegangen wegen&#8230;&#8221; usw. Jedesmal, wenn wir an einen Milit\u00e4rkontrollpunkt kamen, warnte der Beifahrer unseren Fahrer. Uns kam das alles eigenartig vor, aber egal was sie letztendlich waren, wir f\u00fchlten uns wohl in ihrer Obhut. An einem der Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte wurden wir angehalten. &#8220;Wohin sind sie unterwegs?&#8221; Der Fahrer antwortete, &#8220;Wir machen einen Ausflug nach Santa Marta.&#8221; Dann forderten die Soldaten ihn auf seine Waffe vorzuzeigen. Waffe? Bis dato wussten wir davon nichts. Er zog einen silbernen, Cowboy-Revolver hervor, pr\u00e4sentierte seine Dokumente dazu und wurde gefragt, ob vor Kurzem ein Schuss abgefeuert wurde. &#8220;Schon seit langem nicht mehr.&#8221; Das verstand ich jedenfalls. Der Soldat, der den Fahrer aufforderte die Munition zu entnehmen, begutachtete die Pistole mit Kennerblick. Er glaubte unserem Fahrer wohl nicht so recht und wies ihn darauf hin, dass er seine Pistole bitte reinigen sollte. Das Gespr\u00e4ch verebbte irgendwann und dem Fahrer wurde der Revolver wieder zur\u00fcckgegeben. Mh, wozu braucht ein Viehz\u00fcchter wohl einen silbernen Revolver mit Rollmagazin? Auf diese und die Frage, wie ein Viehz\u00fcchter es zu einem derartigen Auto schafft, werden wir wohl nie eine Antwort bekommen.<\/p>\n<p>Auch diesen Leuten trugen wir unsere Sorge \u00fcber den Verbleib unserer selbst w\u00e4hrend der Nacht vor. Es war mittlerweile stockdunkel. An der Kreuzung, wo sich die Strasse in zwei teilt und man entweder rechts nach Santa Marta oder links nach Cartagena abbiegen kann, hielten wir kurz f\u00fcr eine Besichtigung an. Uns war gleich klar, hier w\u00fcrden wir kein Auge zubekommen. An einer fast verlassenen Tankstelle umgeben von dschungelartigem Baumbewuchs, da geh\u00f6rten wir um diese Tageszeit einfach nicht hin. Wir legten unseren Standpunkt dar und unser Fahrer war so nett, uns bis nach Cienaga zu fahren. Da er nun wirklich umkehren und in seine Richtung brausen wollte, hielt er &#8211; ohne uns vorzuwarnen &#8211; an einem Taxistand an und bezahlte uns eine Fahrt bis direkt zur Peaje nach Cienaga. Wir bedankten uns vielmals und kamen unversehrt zu einer Peaje, hinter der, keine 50 Meter entfernt, eine Polizeiwache existierte. Besser konnte es nicht klappen. Wir baten um Obdach, was uns problemlos gew\u00e4hrt wurde. Statt uns zu verstecken und auf dem Gras zu zelten, nahmen wir uns der Warnungen unserer G\u00f6nner vor Kobras und anderen giftigen Schlangen an und stellten das Zelt auf Betonboden, gut sichtbar, ab. Was solls, ist ja nur f\u00fcr eine Nacht. Wir kochten noch unser Abendessen und verschwanden dann z\u00fcgig im Bett.<\/p>\n<p>Am Morgen konnten wir gar nicht so schnell schauen, wie ein Auto bereits f\u00fcr uns anhielt. Wir hatten noch nicht einmal die Hand richtig gehoben, da ging bereits die T\u00fcr f\u00fcr uns auf. Die Fahrt f\u00fchrte direkt zur n\u00e4chsten Peaje kurz vor Baranquilla. Wir h\u00e4tten auch nach Baranquilla hineinfahren k\u00f6nnen, doch wir bevorzugten die Peaje einer eventuell zu stark befahrenen Kreuzung. Mehrere Male hielten Autos an, die alle bis Baranquilla unterwegs waren. Jeder schlug die Kreuzung vor, doch wir lehnten lieber ab. Irgendwann kamen wir ins Gr\u00fcbeln und entschieden, dass wir es wohl mal versuchen sollten. Der n\u00e4chste Fahrer der anhielt schlug uns auch die Kreuzung vor. Wir akzeptierten. Wer weiss, ob wir sonst jemals von der Peaje wegkommen w\u00fcrden. Wir hatten wohl das Gl\u00fcckslos gezogen, denn ohne es zu ahnen, brachte uns genau dieser Fahrer direkt bis zu einem Taxistand, wies den Fahrer an uns an unserem Wunschort in Cartagena herauszulassen und bezahlte die gesamte Fahrt. Unser Kinnladen klappten ger\u00e4uschvoll herunter. &#8220;Jaaahhaaaaa&#8230;vielen Dank, wirklich sehr liebensw\u00fcrdig von Ihnen&#8230;&#8221;, stotterten wir vor Erstaunen zusammen. Jetzt mussten wir nur noch auf den Startschuss des Taxifahrers warten. Der bat uns jedoch, noch auf jemanden wartend, erst einmal auf den St\u00fchlen Platz zu nehmen. Was auch immer, wir taten was er wollte und versuchten uns zu gedulden. Endlich ging es los. Wir fuhren noch einen kleinen Umweg, da irgendwer f\u00fcr den Fahrer noch ein P\u00e4kchen hatte und dann ging es immer geradeaus, direkt zum Plaza Bolivar in Cartagena. Gl\u00fcckspilze, wir!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da standen wir nun in einer Kleinstadt mit einer endlos langen Strasse und unz\u00e4hligen Gesch\u00e4ften. Die Sonne spielte mal wieder Brutzelofen mit uns, so dass die Sonnencreme gleich dreifach aufgetragen wurde. Jedenfalls bei mir. Mein Magen knurrte f\u00fcrchterlich, so dass ich in der Bushaltestelle, in der wir herausgelassen wurden, schnell im Imbiss vorbeischaute. 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