{"id":333,"date":"2008-06-14T00:00:00","date_gmt":"2008-06-13T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/kein-schritt-zuruck\/"},"modified":"2009-05-24T00:17:17","modified_gmt":"2009-05-23T22:17:17","slug":"kein-schritt-zuruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/kein-schritt-zuruck\/","title":{"rendered":"Kein Schritt zur\u00fcck (Mai 11-22, 2008)"},"content":{"rendered":"<p>Am LKW-Hof in San Pedro entledigten wir uns umgehend unserer angestauten Urinansammlung. F\u00fcr mich resultierte das beim dem Versuch, ein unbeobachtetes Fleckchen zum Hose herunterziehen zu finden, darin, dass mir letztlich sehr wohl ein LKW-Genosse dabei zuschaute und ich ausgerechnet auf einen bereits eingetrockneten, verstaubten, menschlichen Schei\u00dfhaufen pinkelte, der in Verbindung mit meinem Urin geruchstechnisch neu auflebte. Mir ging der Ekel durch Mark und Bein. Scham habe ich mittlerweile beim Pinkeln kaum noch, denn wir alle m\u00fcssen nun einmal. Das das bei Frauen so kompliziert von statten geht, daf\u00fcr kann ich wei\u00df Gott nichts.<\/p>\n<p>Wir liefen auf San Pedro zu. Obwohl nicht weit, f\u00fchlten wir uns bereits nach der H\u00e4lfte des Weges schlaff. Das ausgelassene Fr\u00fchst\u00fcck und der Aufenthalt in h\u00f6heren Gefilden trug zu ungewollten Schw\u00e4chlichkeitssympthomen bei. Wir machten im Schatten einer Mauer halt, die sich bei n\u00e4herer Betrachtung als Hundeklo herausstellte. Da es sich mit einigen Hundehaufen vor der Nase nicht wirklich erholen l\u00e4\u00dft, zogen wir bis zum Explorer Hostel weiter, wo wir auf Stephanie und Juan treffen sollten. F\u00fcr die waren wir haupts\u00e4chlich gekommen, den Augustas sollte eine Webseite f\u00fcr ihre Reitausfl\u00fcge erstellen.<\/p>\n<p>Im B\u00fcro trafen wir niemanden an. Ein Hostelmitarbeiter informierte die Beiden \u00fcber unser Auftauchen per Telefon. Da es ungewiss war, wann genau sie eintreffen w\u00fcrden, begannen wir direkt auf der Stra\u00dfe, neben dem Hostel, unser Fr\u00fchst\u00fcck zuzubereiten. Es gab Tee und Haferflockenbrei.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/IMG_0925.JPG\" title=\"streets of San Pedro\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/cache\/IMG_0925.JPG-nggid043383-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"streets of San Pedro\" title=\"streets of San Pedro\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">streets of San Pedro<\/p><\/div>\n\n<p>Der Hostelmitarbeiter musterte uns skeptisch. Mit unserer Aktion schienen wir nicht so ganz in das gewohnte Bild von San Pedro hineinzupassen. Jeder Vorbeiziehende warf uns erstaunte Blicke zu. Wir st\u00f6rten uns nicht daran, erkannten nur das Ausma\u00df, das der Tourismus in San Pedro angenommen hatte. Von Freunden und aus anderen Quellen h\u00f6rten wir zuvor, dass es in San Pedro keine Einheimischen g\u00e4be. Wer mit dem Bus nach San Pedro kommt, in einem Hotel schl\u00e4ft, tags\u00fcber auf Ausfl\u00fcgen durch die Atacama-W\u00fcste unterwegs ist und die restliche Zeit mit Cafe-, Restaurant- und Internetbesuchen verbringt, der erh\u00e4lt sicherlich den Eindruck, das San Pedro ein reines Touristenst\u00e4dtchen ist. Dem ist aber bei Weitem nicht so. Wer h\u00e4lt denn San Pedro und seine Serviceleistungen in Schach? Wer verkauft das Essen in den L\u00e4den? Wer k\u00fcmmert sich um das Wohlsein der Besucher in den Hotels? Wer sorgt daf\u00fcr, dass in der trockensten W\u00fcste der Welt gen\u00fcgend Wasser zum Duschen vorhanden ist? Wer b\u00e4ckt die frischen Br\u00f6tchen? Es sind die Einheimischen. Wir haben uns ernsthaft gefragt, wie man selbst diese Versorgungsengel \u00fcbersehen kann. Als wir per Anhalter in San Pedro eintrafen, sahen wir eine Menge Einheimische, sogar bis hin zu traditionell gekleideten Andenmenschen, die mit Ziegen und Schafen auf Weidefl\u00e4chen unterwegs waren. Es ist f\u00fcr uns traurig zu sehen, dass Tourismus nur noch mit Abenteuer und Vergn\u00fcgen gleichgesetzt wird, ohne dabei die Kultur der Region kennenzulernen. Diese traurige Realit\u00e4t spiegelt sich in den Erz\u00e4hlungen vieler Touristen \u00fcber San Pedro wieder. Pferdeausritte, Sandboarding, Sternenbeobachtung usw. sind das Einzige, was uns von ihnen zu Ohren kam.<\/p>\n<p>Stephanie und Juan platzten aus Versehen direkt in unsere Fr\u00fchst\u00fcckszeremonie. Wir vereinbarten, sie eine Stunde sp\u00e4ter wiederzutreffen, an gleichem Ort und Stelle.<\/p>\n<p>Wegen der Emails, die wir zuvor mit Stephanie ausgetauscht hatten, hatten wir den Eindruck, dass Stephanie der Kopf des Unternehmens war. Als Schweizerin, die mit uns die Modalit\u00e4ten f\u00fcr eine Webseite abstimmt, schien sie uns als Besitzerin des Unternehmens, die mit lokaler Unterst\u00fctzung ihres Managers Juan ihr Gesch\u00e4ft erfolgreich f\u00fchrte. Bei unserem Aufeinandertreffen mu\u00dften wir diese Vorstellung revidieren. Stephanie, eine h\u00fcbsche, zierliche junge Frau, befand sich erst seit 1,5 Monaten in San Pedro. Sie hatte bei Juan eine zweij\u00e4hrige Anstellung als Reisef\u00fchrer bekommen. Ihre Aufgabe war es, die 40 Pferde zu versorgen und Ausritte in verschiedene Regionen mit Touristen zu unternehmen. Trotz ihrer Position als Angestellte, war es Stephanie, mit der wir am meisten verkehrten. Juan war nach eigener Aussage und laut Stephanie einfach nicht f\u00fcr die Kommunikation mit Mitmenschen geeignet. Das spiegelte sich in seinem Verhalten wieder, was wir mit der Zeit deutlich zu sp\u00fcren bekamen.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch mit Juan verlief erfolgreich. Augustas erkl\u00e4rte sein Vorhaben f\u00fcr die Firmenwebseite und Juan wie\u00df schlie\u00dflich Stephanie an, die notwendigen Informationen bereitzustellen.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/IMG_1084.JPG\" title=\"entrance to Juan's ranch\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/cache\/IMG_1084.JPG-nggid043392-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"entrance to Juan's ranch\" title=\"entrance to Juan's ranch\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">entrance to Juan's ranch<\/p><\/div>\n\n<p>Da wir keine Unterkunft hatten, fragten wir Juan, ob er eine L\u00f6sung f\u00fcr uns wei\u00df. Z\u00f6gernd bot er seine Ranch an, denn auf der &#8220;h\u00e4tte er Platz&#8221;. Da uns die Entfernung von 20 Minuten Fu\u00dfweg bis zum Zentrum von San Pedro nicht st\u00f6rte, bot er uns an, dort unterzukommen. Die Art und Weise, wie er sich \u00fcber diese Unterkunft ausdr\u00fcckte, erweckte in mir die Vorstellung, dass es sich bei der Ranch um ein verlassenes Erbst\u00fcck handelte und normalerweise niemand dort hauste. Ich stellte mir vor, dass wir in einem kargen Raum mit Stuhl und Tisch untergebracht werden w\u00fcrden und w\u00e4hrend der Zeit unseres Aufenthaltes auf unserem Campingkocher vertrauen m\u00fc\u00dften. Die Information, dass es dort kein Trinkwasser gebe, rief das Bild eines 20-Liter-Kanisters hervor, den wir mittels meiner Rucksacktrage selbst dorthin schleppen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Bevor Augustas sich an die Erstellung der Webseite machte, brachte Juan uns zur Ranch. Statt wie in meiner bizarren Vorstellung im Inneren eines Hauses zu verweilen, wurde uns eine Koppel als Zeltplatz angeboten. Die lag 200m vom Farmhaus entfernt. Den Hof des Farmhauses durften wir zum Wasserholen betreten. Juan zeigte uns den dort befindlichen Wasserhahn, der 40cm \u00fcber dem Boden angebracht ist. Kurz darauf zeigte er uns einen Eimer und meinte, den k\u00f6nnten wir zum Waschen verwenden. Die K\u00f6rperreinigung w\u00fcrde also mit eiskaltem Wasser auf herk\u00f6mmliche Sch\u00f6pfweise erfolgen. Nun gut. Eine Toilette wurde uns nicht angeboten. Wir mu\u00dften unsere Notdurft also im Freien verrichten. Tische und St\u00fchle w\u00fcrden uns wohl auch nicht zur Verf\u00fcgung stehen, so dass wir unser Essen wohl mit Koppelstaub verfeinern w\u00fcrden. F\u00fcr die notwendige Dusche hofften wir allerdings inst\u00e4ndig auf Stephanies Hilfe.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/IMG_0892.JPG\" title=\"a paddock at Juan's farm became our home in San Pedro for 10 days\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/cache\/IMG_0892.JPG-nggid043372-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"a paddock at Juan's farm became our home in San Pedro for 10 days\" title=\"a paddock at Juan's farm became our home in San Pedro for 10 days\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">a paddock at Juan's farm became our home in San Pedro for 10 days<\/p><\/div>\n\n<p>Wir ruhten nach dem Zeltaufbau ein wenig aus und sogen die neue Atmosph\u00e4re in uns auf. So schlecht f\u00fchlte sich das Zelten auf einer Koppel gar nicht an. Kopfschutz bat uns ein herrlich gro\u00dfer Algarrobo (Prosopis chilensis) Baum, der m\u00e4chtig \u00fcber den Koppelzaun gewachsen war. Die Fr\u00fcchte dieses Baumes kringelten sich Bohnenf\u00f6rmig an den Zweigen. Sie wurden in der Vergangenheit als S\u00fc\u00dfigkeit von den Einheimischen genossen und h\u00e4ufig als Mehl zu einem Brot weiterverarbeitet. Heutzutage stellen sie einen Hochgenu\u00df f\u00fcr Pferde in der Region dar.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite der Koppel befand sich ein k\u00fcnstlicher Wassergraben, der die Ranch zu bew\u00e4ssern half. Rund um die Uhr sprudelte das Wasser in den Graben und erweckte den Eindruck, wir zelteten direkt neben einem Wasserfall. Keine zwanzig Meter von unserem Zelt, bot sich ein faszinierender Blick zur Atacamaw\u00fcste hinaus. Besonders bei Sonnenauf- und -untergang spiegelte sich die trockene Gegend in den sch\u00f6nsten Farbt\u00f6nen. Es bot sich uns eine Kulisse (sozusagen) vor der Haust\u00fcr, die wenigen verg\u00f6nnt ist. Ein Grund, diesen Luxus ausgiebig zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck im Zentrum, schauten wir bei Stephanie vorbei. Wir besprachen mit ihr die Gestaltung der Webseite und durften anschlie\u00dfend eine warme Dusche nehmen. Das ich mir dabei fast den Hintern verbrannte, war letztendlich das genaue Gegenteil von dem, was uns auf der Ranch als Duschgelegenheit erwarten w\u00fcrde. Aber bei der n\u00e4chtlichen K\u00e4lte in San Pedro lieber f\u00fcr einen Moment<br \/>\nKrebsrot anlaufen, als blaugefroren durch die Nacht zu zittern.<\/p>\n<p>Sp\u00e4t abends stolperten wir die 30 Minuten Fu\u00dfweg im Mondlicht zur\u00fcck zum Zelt. Lampen gab es auf dem ganzen Weg keine und der Mond war gerade erst im Aufbl\u00fchen, also weit enfernt von einer pr\u00e4chtig, scheinenden Planetenkugel. V\u00f6llig eingestaubt erreichten wir die Koppel. Eigentlich wollten wir kochen, doch die M\u00fcdigkeit \u00fcbermannte uns und somit hoben wir dies f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag auf.<\/p>\n<p>Stephanie war unser Retter in San Pedro. Mit ihrer bedingungslosen Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit erm\u00f6glichte sie uns vor Ort ein Leben ohne Komplikationen. Neben der t\u00e4glichen Dusche, konnten wir all unsere Esswaren und Kochutensilien bei ihr lassen, auf ihrem Hof kochen und den ganzen Tag bei ihr verbringen. Wir deponierten unser Trinkwasser bei ihr und bekamen bald ihre pers\u00f6nliche Erlaubnis, all unser Hab und Gut in einem anderen G\u00e4stezimmer unterzubringen. Stephanie lebte w\u00e4hrend ihrer T\u00e4tigkeit als Reitf\u00fchrer in einen von Juans drei G\u00e4stezimmern, die direkt im Zentrum lagen. Da sie es f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich hielt, das wir im Falle von dessen Nichtnutzung unsere Sachen dort aufbewahren konnten, gab sie uns gar die Erlaubnis, den Schl\u00fcssel in Gewahrsam zu nehmen, damit unser Kommen und Gehen nicht zu einem Organisationsproblem w\u00fcrde. Gl\u00fccklich \u00fcber diese Unabh\u00e4ngigkeit freuten wir uns t\u00e4glich, zu Stephanie aufzubrechen.<\/p>\n<p>Die N\u00e4chte waren hundekalt. Die Temperaturen lagen weit unter dem Nullpunkt. Nach der ersten, zitternd \u00fcberstandenen Nacht, lieh Stephanie uns eine Pferdedecke. Die stopften wir aus Allergiebef\u00fcrchtungen unter statt ins Zelt. Zumindest wurden auf diese Weise unsere F\u00fc\u00dfe warm gehalten, was bei unseren 2\/3-Matrazen nicht gegeben ist. Da wir trotz alledem wie f\u00fcr den Wintersport gekleidet zu Bett gehen mu\u00dften, um die niedrigen Temperaturen zu tolerieren, bot uns Stephanie eine warme \u00dcberdecke ihres Zweitbetts an. Bei dem Transport dieser Decke, die Augustas unter seinen Arm geklemmt hatte, hielten wir f\u00fcr ein paar Kekse an einem Laden an. Gerade am Gehen, tauchte ein Herr auf, der gewitzt meinte, &#8220;Braucht ihr eine Unterkunft? Ich habe gen\u00fcged Platz.&#8221; Wir brachen in schallendes Gel\u00e4chter aus, denn wir mu\u00dften urkomisch mit unserer Bettausstattung im Arm aussehen. Auch der Herr lachte sich eins ins F\u00e4ustchen, wiederholte aber sein Angebot scherzend. Wir setzten unseren Weg fort und begriffen erst 10 Minuten sp\u00e4ter, dass wir gerade unsere Chance auf eine warme Unterkunft haben sausen lassen. Wir konnten es nicht glauben, gaben jedoch dem Schicksal die Schuld. W\u00e4ren wir daf\u00fcr bestimmt gewesen, in San Pedro drinnen zu schlafen, h\u00e4tten wir dieses Angebot sicher ernst genommen.<\/p>\n<p>Die dritte Nacht war ein Traum. Es wurde sogar richtig hei\u00df unter der Decke, so dass wir zur Basisbekleidung f\u00fcr die Nacht zur\u00fcckkehrten. Nur die M\u00fctzen nahmen wir w\u00e4hrend dieser Wonnetage nicht ab, denn die Ohren froren viel zu schnell ab und wir waren es leidig, sie immer wieder zum Leben zu erwecken.<\/p>\n<p>Wasser ist kein unbekanntes Problem in einer W\u00fcste, obwohl wir erstaunlicherweise festellen mu\u00dften, dass es davon mehr gibt als vermutet. Das Wasser in San Pedro kommt aus der Andenregion von Bolivien. Es flie\u00dft unter der Erde bis hin zu den Oasen, den einzigen Gegenden der W\u00fcste, wo sich Leben herausbilden kann. Das Wasser ist allerdings extrem mineralhaltig. Die Nitratwerte \u00fcbersteigen das Zul\u00e4ssige f\u00fcr das Wohlsein der menschlichen Ern\u00e4hrung. Da halfen auch keine Desinfektionstropfen, die das Wasser nur von Keimen und m\u00f6glichen Parasiten befreien. Wir besorgten uns also alle zwei Tage einen 20-Liter-Kanister f\u00fcr 2000 Chilenische Pesos (\u20ac 3,30). F\u00fcr den Kaninster mu\u00dften wir f\u00fcr die Leihzeit eine Kaution von 5000 Chilenischen Pesos (\u20ac 8 ) hinterlassen. Da Juan meinte, die Einheimischen w\u00fcrden das Wasser abkochen und tr\u00e4nken es st\u00e4ndig, hielten wir es mit der Zubereitung von Tee genauso. Auch kochten wir jegliche Lebensmittel in Leitungswasser. Als wir San Pedro verlie\u00dfen, erfuhren wir von Biochemie-Experten Lisandro, dass sich die Nitratkonzentration beim Kochen sogar noch verst\u00e4rkt und auf Dauer (mehrj\u00e4hriger Gebrauch) Lebersch\u00e4den hervorruft. Wir waren erleichtert, das Ganze nur zwei Wochen praktiziert zu haben. F\u00fcr jemanden, der in San Pedro lebt, wird Trinkwasser damit ernsthaft zu einer finanziellen Belastung. Den Einheimischen scheint eventuell von der Natur aus ein innerer Schutz vor den sch\u00e4digenden Auswirkungen dieser Minerale gegeben zu sein, doch gut kann der Genu\u00df von Leitungswasser auf Dauer auch f\u00fcr sie nicht sein.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/IMG_0894.JPG\" title=\"one morning the streets were flooded to decrease dusty roads (we guess)\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/cache\/IMG_0894.JPG-nggid043374-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"one morning the streets were flooded to decrease dusty roads (we guess)\" title=\"one morning the streets were flooded to decrease dusty roads (we guess)\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">one morning the streets were flooded to decrease dusty roads (we guess)<\/p><\/div>\n\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, gab es unserer Erfahrung nach ganz sch\u00f6n viel Wasser in San Pedro. Nicht nur, dass vor unserem Zelt ein k\u00fcnstlicher Flu\u00df verlief, auch die Felder der Einheimischen wurden regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr den Ackerbau geflutet. Dazu wurde das Wasser aus den Fl\u00fc\u00dfe geschickt umgeleitet und \u00fcberschwemmte die Felder kn\u00f6cheltief. Einmal passierte es gar, dass wir fr\u00fchmorgens vor der \u00dcberschwemmung unseres Gehweges standen. Das Wasser raste auf uns zu und wir hatten M\u00fche, uns entlang der Mauern, die mit holprigen Steinen ges\u00e4t sind, fortzubewegen. Irgendwie schien es uns in dem Moment absurd, in der trockensten W\u00fcste der Welt zu sein.<\/p>\n<p>Das Klima in San Pedro ist furchtbar. Tags\u00fcber steigt das Thermometer auf 30 Grad Celsius. In der Sonne h\u00e4lt man es nicht lange aus, egal ob mit Hut und Sonnenbrille oder ohne. Zudem verbrennt man sich im Handumdrehen. Unsere Nasen brauchten weniger als 5 Minuten Sonneneinstrahlung, um kr\u00e4ftig rot anzulaufen. Sonnenschutzfaktor 15 ist in dieser Gegend ein Witz. Kommt man allerdings in den Schatten, erfriert man regelrecht. Es ist so kalt, dass einem gleich die Nase anf\u00e4ngt zu triefen. Das Arbeiten am Computer war f\u00fcr Augustas daher alles andere als leicht. Der Laptop durfte nicht der Sonne ausgesetzt werden, doch er selbst ben\u00f6tigte die Sonnenstrahlen, um bei seiner Arbeit nicht einzufrieren. Augustas sa\u00df oft tags\u00fcber, bei 30 Grad Au\u00dfentemperaturen, mit einer rot-gefrorenen Nase, drei Pullovern, Handschuhen und ab und h\u00e4ufig sogar einer M\u00fctze am Tisch und programmierte. Drinnen sitzen brachte noch weniger, denn im Inneren von Stephanies Zimmer waren die Tagestemperaturen um einiges tiefer als im Schatten. Sobald die Uhr Sechs schl\u00e4gt, geht die Sonne schlagartig unter und innerhalb k\u00fcrzester Zeit f\u00e4ngt man an zu frieren. Hat man sich am Morgen noch wie eine Zwiebel aus der Schale gepellt, mu\u00dfte man jetzt m\u00fchsam die ganze Kleidung wieder an seinem K\u00f6rper befestigen. Diese Temperaturunterschiede zwangen uns, t\u00e4glich mit einem gro\u00dfem Rucksack loszuziehen, da wir f\u00fcr W\u00e4rme und K\u00e4lte vorsorgen mu\u00dften. Unangenehme Nebeneffekte dieser Wetterextreme \u00e4\u00dferten sich in unkontrollierbar aufgesprungenen Lippen, austrocknender, alternder, regelrecht schrumpelnder Haut und Nasenproblemen. Der Staub der W\u00fcste kombiniert mit den Temperaturschwankungen sorgte f\u00fcr ein Nasenklima, dass wir noch nie zuvor erlebt hatten. Unsere Nasen trockneten extrem aus, neigten zu bluten und f\u00fchrten in meinem Fall gar zu brennenden Kopfschmerzen. Ich war froh meine Nasendusche am Mann zu haben, denn die half mir mit einer Salzwasser-Speise\u00f6l-Mischung, die Symptome weitgehend unter Kontrolle zu bekommen.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/IMG_0927.JPG\" title=\" \" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/cache\/IMG_0927.JPG-nggid043385-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"IMG_0927\" title=\"IMG_0927\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\"> <\/p><\/div>\n\n<p>San Pedro hat trotz alledem einen besonderen Reiz. Die Lehmh\u00e4user strahlen eine besondere W\u00e4rme aus und kombiniert mit den sandigen Stra\u00dfen und den W\u00fcstenbergen, die das St\u00e4dtchen umgeben, f\u00fchlte man sich teilweise wie in einem Westernfilm. Dieser Eindruck verst\u00e4rkte sich noch, wenn die Einheimischen mit Cowboyhut und -stiefeln die Staubbedeckten Wege entlang ritten. Sieht man \u00fcber den Tourismus hinweg, entdeckt man ein interessantes Dorfleben. Hier kennt jeder jeden. Den Ausl\u00e4nder begegnen die Einheimischen h\u00f6flich, aber distanziert. Der Weg in ihre Herzen mu\u00df erk\u00e4mpft werden und das ist bei Menschen, die in einer derart extremen Gegend ihr<br \/>\nLeben meistern m\u00fcssen, nicht einfach. Dennoch macht es Freude, die Charaktere der W\u00fcste kennenzulernen, was sich in unserem Fall auf die Menschen beschr\u00e4nkte, auf die wir wegen dem Kauf von Lebensmitteln angewiesen waren.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/IMG_0889.JPG\" title=\"San Pedro is an expensive place to be; knowing about this truck, gave us a chance to live on our normal $10 daily for both budget\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/cache\/IMG_0889.JPG-nggid043370-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"San Pedro is an expensive place to be; knowing about this truck, gave us a chance to live on our normal $10 daily for both budget\" title=\"San Pedro is an expensive place to be; knowing about this truck, gave us a chance to live on our normal $10 daily for both budget\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">San Pedro is an expensive place to be; knowing about this truck, gave us a chance to live on our normal $10 daily for both budget<\/p><\/div>\n\n<p>Wer in San Pedro nicht arm werden will, der ist auf die Hilfe der Einheimischen angewiesen. Juan erw\u00e4hnte einen Obsth\u00e4ndler, der jeden Dienstag von Calama kommt und Waren f\u00fcr die Einheimischen und Restaurants liefert. Wir lebten die ersten zwei Tag von unseren Resten, bis wir am Dienstag einen Gro\u00dfeinkauf starteten. Der Obsth\u00e4ndler stand in einer Einfahrt, die links neben dem Eingang des Restaurants Chiloe in der Stra\u00dfe Domingo Atienza zwischen Caracoles und Antofagasta lag. Vollbeladen und gl\u00fccklich kehrten wir zur\u00fcck, denn wir dachten, der Obsth\u00e4ndler k\u00e4me nur einmal die Woche. Vier Tage sp\u00e4ter erfuhren wir, dass der Obsth\u00e4ndler dreimal pro Woche vorbeikam, immer in der Zeit zwischen 12 und 18 Uhr. Das hie\u00df, wir konnten uns ausgiebig an den restlichen Obstst\u00fccken laben, denn die waren von unserem Gro\u00dfeinkauf als erste alle. Durch Zufall entdeckten wir einen weiteren Obsth\u00e4ndler, der in einer Einfahrt in Caracoles nahe der Querstra\u00dfe Toconao stationiert war. Einige Waren schienen frischer als bei dem H\u00e4ndler in Domingo Atienza. Auch die Auswahl war hier gr\u00f6\u00dfer. Die Preise lagen bei einigen Waren niedriger, bei anderen jedoch h\u00f6her als bei unserem Obsth\u00e4ndler. Welch Freude, so w\u00e4hlerisch sein zu k\u00f6nnen! Zwei Obsth\u00e4ndler in einem Ort, in dessen L\u00e4den Wucherpreise an der Tagesordnung sind, lie\u00dfen uns verstehen, wie die Einheimischen vor Ort trotz des Tourismus ein normales Leben f\u00fchren konnten. Waren f\u00fcr den t\u00e4glichen Gebrauch trugen unterschiedliche Preiskategorien, lagen jedoch generell \u00fcber den \u00fcblichen Preisen. Gut, dass wir uns bereits in Pica mit Reis und Linsen eingedeckt hatten. Es sparte uns eine Menge Mehrausgaben. Unverst\u00e4ndlich blieb uns der hohe Preis f\u00fcr Toilettenpapier, f\u00fcr den selbst die Einheimischen von einem zum n\u00e4chsten Laden liefen, um das g\u00fcnstigste Angebot auszumachen.<\/p>\n<p>Stephanie lud uns eines Abends auf einen hei\u00dfen Kakao ein. Diesen zu finden war weniger einfach und sorgte daf\u00fcr, dass wir innerhalb von einer Stunde vier Lokalit\u00e4ten in einer Stra\u00dfe kennen lernten. Eines der Restaurants mu\u00dften wir nach f\u00fcnf Minuten wieder verlassen, da alle Pl\u00e4tze besetzt waren und nur die Mitte, wo ein Feuer unter offenem Dach loderte, als Sitzgelegenheit zur Verf\u00fcgung stand. Anheimelnd kuschelten wir uns vors Feuer, bis uns kurz darauf die Gesichter nahezu verbrannten. Im einem weiteren Restaurant gab es angenehmere Feuerstellen zwischen den Tischen und ausreichend Platz. Hier hakte es aber daran, dass erstens keine hei\u00dfe Schokolade in der Karte angepriesen wurde und der Kellner uns nicht gerade willkommen hie\u00df, als wir unseren Wunsch \u00e4u\u00dferten. Genauer gesagt wandte er uns sofort den R\u00fccken zu und kommentierte im Fortgehen, &#8220;Hierher kommt man zum Essen, f\u00fcr einen Aperitief, Wein, eine Torte, jedoch nicht f\u00fcr eine Tasse Schokolade! Pah!&#8221; Das reichte uns und wir zogen von Dannen. Scheinbar waren die Restaurants mit gut zahlenden G\u00e4sten verw\u00f6hnt und verkannten die W\u00fcnsche der kleineren Leute. Schlie\u00dflich und letztendlich fanden wir ein winziges Eckcafe, dass mich ungemein an Berlin erinnerte. Wir f\u00fchlten uns sofort pudelwohl und obwohl sich die Preise f\u00fcr die hei\u00dfe Schokolade (1800 Pesos = 3 Euro) gewaschen hatten, blieben wir und genossen ihren Verzehr. Ich f\u00fchlte mich unwohl, Stephanies Einladung mir nichts dir nichts bei diesen Preisen anzunehmen. Leider konnte ich Augustas nicht dazu umstimmen, die Seiten zu tauschen und stattdessen Stephanie einzuladen. Verstehen konnte ich ihn nat\u00fcrlich, denn f\u00fcr die Kosten der drei hei\u00dfen Kakaogetr\u00e4nke konnten wir unsere Reise um einen Tag verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Das Internet, das f\u00fcr uns die einzige M\u00f6glichkeit zur Kommunikation mit Freunden und Familien geworden ist, war alles andere als f\u00fcr unsere Geldb\u00f6rse gemacht. Die Preise reichten von 800-1000 Pesos pro Stunde, was unsere Verbindungszeit gezwungenerma\u00dfen auf ein Minimum beschr\u00e4nkte.<\/p>\n<p>Vor unserer Ankunft in San Pedro hatte ich mir vorgenommen, in den Hostels, Restaurants und Reiseb\u00fcros nach einer Arbeit zu suchen. Allerdings verlie\u00df mich der Mut dazu bereits am ersten Tag, als wir im B\u00fcro von Juan sa\u00dfen und Augustas mit ihm die Konditionen abkl\u00e4rte. Ich konnte das einfach nicht, das war nicht ich. Es f\u00fchlte sich an, als w\u00fcrde ich in meinem Leben einen Schritt zur\u00fcck gehen, anstatt vorw\u00e4rts zu schreiten. Ich f\u00fchlte mich in die Enge getrieben, denn die Atmosph\u00e4re in San Pedro entsprach nicht dem, was ich intuitiv suchte.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/IMG_0890.JPG\" title=\"Katja's artesania\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/cache\/IMG_0890.JPG-nggid043371-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"Katja's artesania\" title=\"Katja's artesania\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">Katja's artesania<\/p><\/div>\n\n<p>Ich vertiefte mich also ins Schreiben und in meine Handwerklichkeiten, die ich urspr\u00fcnglich vorhatte, in San Pedro zu verkaufen. Es stellte sich allerdings heraus, dass San Pedro voller Kunsth\u00e4ndler war. Fast in jedem Laden wurden Arm- und Halsb\u00e4nder angeboten. Einmal machte ich den Versuch, die Preise f\u00fcr ein einfaches Armband herauszufinden. In einem Laden wurde mir ein Kunstwerk f\u00fcr 2000 Chilenische Pesos (\u20ac 3,60) angeboten, w\u00e4hrend es im f\u00fcnf Meter entfernten Laden f\u00fcr 500 Pesos (\u20ac 0,85) verkauft wurde. Jeder, der Artesania (der spanische Begriff f\u00fcr Handwerkskunst) anbot, tat dies in seinem eigenen Laden. Wo waren nur die alternativen Kunsth\u00e4ndler geblieben, die ihre Ware auf der Stra\u00dfe anboten? Ab und zu begegnete uns ein Kunstwarenh\u00e4ndler, der allerdings von einem zum n\u00e4chsten Laden lief, um seine Ware zu verkaufen und nicht versuchte, sie auf der Stra\u00dfe anzubieten. Auch hier f\u00fchlte ich mich v\u00f6llig fehl am Platz und brachte es nicht \u00fcbers Herz, zumindest einen Versuch zum Artesania-Verkauf auf der Stra\u00dfe zu starten.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich miserabel. Keines meiner ausgesprochenen Vorhaben hatte ich realisiert. Stattdessen verstrickte ich mich innerlich in Zweifel, die Augustas mit seinem Verhalten nur noch verst\u00e4rkte. Einmal sprach ich in einem Hotel vor, da ich eine Anzeige f\u00fcr die Suche nach einer englischsprachigen Person gesehen habe. Da ich in dem Fach ausgebildet bin, steckte ich meine Nase zur T\u00fcr hinein und stellte ein paar Fragen zur T\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>&#8220;Sie suchen eine Englischsprachige Person? F\u00fcr welche T\u00e4tigkeit?&#8221;<br \/>\n&#8220;F\u00fcr unser B\u00fcro hier.&#8221;<br \/>\n&#8220;Was genau w\u00e4ren denn meine Aufgaben?&#8221;<br \/>\n&#8220;Haben Sie denn eine Arbeitserlaubnis?&#8221;<br \/>\n&#8220;Nein, selbstverst\u00e4ndlich nicht. Die erhalte ich erst, wenn ich eine Arbeit gefunden habe.&#8221;<br \/>\n&#8220;Ach ja, da haben Sie recht. Wie lange bleiben sie denn in San Pedro?&#8221;<\/p>\n<p>Diese Frage war schwierig zu beantworten. Einerseits h\u00e4tte ich sagen k\u00f6nnen, &#8220;solange sie mich ben\u00f6tigen&#8221;. Wollte ich aber f\u00fcr eine lange Zeit in San Pedro bleiben? Wie lange w\u00fcrde sie mich wohl ben\u00f6tigen?<\/p>\n<p>&#8220;F\u00fcr drei Monate oder auch l\u00e4nger&#8221;, antwortete ich schlie\u00dflich.<br \/>\n&#8220;Gut. Sehen Sie, wir haben bereits eine englischsprachige B\u00fcrohilfe, die hier auf Vollzeit eingestellt ist. Wir bitten alle Bewerber um einen Lebenslauf, damit wir Sie im Falle, diese Dame f\u00e4llt f\u00fcr ein paar Tage aus, hier kurzfristig einsetzen k\u00f6nnen.&#8221;<br \/>\n&#8220;Ah. Sie suchen also nur einen eventuellen Ersatz. Gut, dann vielen Dank und auf Wiedersehen!&#8221;<\/p>\n<p>Was war das denn? Sollte ich mich hier f\u00fcr drei Monate auf Abruf bereit halten, um im g\u00fcnstigsten Fall nie zum Einsatz zu kommen? B\u00fcroarbeit entspricht bereits nicht meiner Vorstellung, aber dann auch noch auf gut Gl\u00fcck und eventuell irgendwann auf Abruf zu sitzen, das war wei\u00df Gott nichts f\u00fcr mich. Sobald wir drau\u00dfen waren, ging mich Augustas an.<\/p>\n<p>&#8220;Wie kannst du es dir erlauben zu fragen, was du in der T\u00e4tigkeit machen wirst? Das war v\u00f6llig daneben!&#8221;<br \/>\n&#8220;Wie bitte? Ich habe ja wohl ein Recht zu fragen, was genau meine Aufgaben sein werden! Es ist das normalste auf der Welt, das im Detail zu hinterfragen!&#8221;<\/p>\n<p>Mit seiner Ablehnung traf er mich direkt in meinen wunden Punkt. Mir standen die Tr\u00e4nen in den Augen f\u00fcr so wenig Respekt und Unterst\u00fctzung. Ich wu\u00dfte, dass ich im Recht<br \/>\nwar und verstand \u00fcberhaupt nicht, was ihn zu solch einer Reaktion brachte. Das Gespr\u00e4ch ging weiter und statt mir Mut zu machen, sch\u00e4mte er sich f\u00fcr mein Verhalten ohne jeglichen Grund. Was war nur los mit ihm?<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/IMG_0954.JPG\" title=\"it was Augustas birthday dish wish\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/cache\/IMG_0954.JPG-nggid043391-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"it was Augustas birthday dish wish\" title=\"it was Augustas birthday dish wish\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">it was Augustas birthday dish wish<\/p><\/div>\n\n<p>Die Sache mit dem Kochen kam hinzu. Da Augustas eine Arbeit gefunden hatte, erwartete er, dass ich ihm w\u00e4hrend dieser Periode bekoche. Normalerweise macht mir das Kochen Freude, wird es aber vorausgesetzt, str\u00e4uben sich bei mir die Nackenhaare. Durch meine Unsicherheit in Bezug auf meine nicht erf\u00fcllten Vorhaben, akzeptierte ich die Situation f\u00fcr die ersten Tage. Dies allerdings nur \u00e4u\u00dferlich. Die Mi\u00dflage legte sich auf meine Stimmung und sorgte daf\u00fcr, dass ich regelm\u00e4\u00dfig rebellierte. Ich sp\u00fcrte eindeutig, dass nicht nur mir die Zur\u00fcckhaltung von meinen Versprechen zu schaffen machte, sondern mein Verhalten auch bei Augustas auf Unverst\u00e4ndnis traf.<\/p>\n<p>Irgendwann eskalierte die Situation. Ich brach w\u00e4hrend einer Diskussion in Tr\u00e4nen aus, da ich mich unf\u00e4hig f\u00fchlte, unsere Reise mit gew\u00f6hnlichen T\u00e4tigkeiten zu unterst\u00fctzen. Ich wurde von meiner mir bis dato unverst\u00e4ndlichen Emotionswelt kr\u00e4ftig durchgesch\u00fcttelt. War ich zu sch\u00fcchtern, um die Sachen in Angriff zu nehmen? War es die Gewi\u00dfheit, damit nicht gl\u00fccklich sein zu k\u00f6nnen, trotz dass uns die Arbeit Geld einbringen w\u00fcrde? Ich kam mir v\u00f6llig verloren vor und war Augustas Angriffen komplett ausgeliefert.<\/p>\n<p>Die Tr\u00e4nen brachten letztendlich Erleichterung der aufgestauten Emotionen. Sie halfen uns beiden au\u00dferdem zu erkennen, dass es so nicht funktionierte. Augustas hatte mit dem Programmieren von Webseiten eine T\u00e4tigkeit in seinem Leben gefunden, die ihm Spa\u00df machte. Er konnte stundenlang f\u00fcr ein Projekt vor dem Computer sitzen, ohne sich vor dem n\u00e4chsten zu scheuen. Mir war es bisher nicht verg\u00f6nnt, eine T\u00e4tigkeit zum Geldverdienen zu finden, die ich mit voller Hingabe aus\u00fcbte. Eins jedoch wei\u00df ich: ich liebe es zu schreiben. Abgesehen davon, dass ich bereits ein Buch geschrieben habe und mir viele Ideen f\u00fcr weitere Schriftst\u00fccke im Kopf herumschwirren, habe ich es k\u00fcrzlich geschafft, meinen ersten Artikel an ein Schweizer Gesundheitsmagazin zu verkaufen. Das hat uns auf einen Schlag einen weiteren Reisemonat finanziert. Vielleicht bin ich dazu bestimmt, mich ins Schreiben zu vertiefen, denn das ist wirklich etwas, was mich erf\u00fcllt. Nur mu\u00df ich daf\u00fcr noch viel Lernen. Augustas steht seit unserem Gespr\u00e4ch vollkommen hinter mir, was mir Kraft und neue Hoffnung gibt. Auf diese Weise l\u00e4\u00dft sich nat\u00fcrlich nicht auf einen Schlag viel Geld zum Weiterreisen verdienen, insofern es aber zumindest hilft, ein wenig dazu beizutragen, sind wir beide gl\u00fccklich.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/IMG_0887.JPG\" title=\" \" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/cache\/IMG_0887.JPG-nggid043368-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"IMG_0887\" title=\"IMG_0887\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\"> <\/p><\/div>\n\n<p>Stephanie beeindruckte mich mit ihrer Hingabe f\u00fcr ihre Arbeit mit Pferden. Zuvor hatte sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau in der Schweiz gemacht und dort f\u00fcr drei Jahre gearbeitet. Irgendwann konnte sie dieses Leben nicht mehr ertragen und entschied sich, ihrer Pferdeleidenschaft zu folgen. Sie arbeitete f\u00fcr einige Zeit in Andalusien, Spanien, bis sie das Angebot in San Pedro erhielt. Seit ihrer Ankunft hier f\u00e4hrt sie jeden Morgen und Abend mit dem Fahrrad zur Ranch hinaus, um die 40 Pferde in Juans Stall zu versorgen. Zwischendurch findet sie viel Zeit f\u00fcr Juans tollpatschigen Hund Jack und seine unz\u00e4hligen, knuddeligen Katzen. Ich beneide sie darum, so engen Kontakt mit Tieren zu haben, ohne auch nur mit den geringsten Allergiebeschwerden k\u00e4mpfen zu m\u00fcssen. Selbst wenn ich im Freien war und Katzen um mich herumschwirrten, geriet ich unweigerlich in intensive Niesanf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Den Anmut, den Stephanie zu Pferd ausstrahlt, ber\u00fchrte mich und einen Traum, den ich seit langen hege: einmal wie ein Cowgirl oder eine Squaw gekleidet zu sein und im Einklang mit meinem Ross durch die Pr\u00e4rie zu reiten. Stephanie verk\u00f6rperte genau das.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/IMG_0875.JPG\" title=\"cat's life on a farm\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/cache\/IMG_0875.JPG-nggid043365-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"cat's life on a farm\" title=\"cat's life on a farm\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">cat's life on a farm<\/p><\/div>\n\n<p>Die Arbeit mit den Pferden f\u00fcllt Stephanie aus, doch war es nicht leicht, Juan als Chef zu haben. Er war ein sehr schwieriger Charakter, vom Typ einsamer Cowboy. Er durchlebte unerkl\u00e4rliche Stimmungswandel und es war unm\u00f6glich nachzuvollziehen, welches Pferd ihn wieder geritten hatte. Stephanies Geduld bez\u00fcglich seiner Unberechenbarkeit ist einzigartig. Nat\u00fcrlich st\u00f6\u00dft auch sie manchmal an ihre Grenzen der Akzeptanz, aber mit Geschick und ihrer offenen, direkten Art, kriegt sie die Situation und damit Juan schnell wieder in den Griff.<\/p>\n<p>Juan hatte etwas gegen Fremde und trug Stephanie bei ihrer Ankunft in San Pedro auf, keinen Unbekannten in ihr Zimmer zu lassen. Stephanies Zimmer reihte sich in die zwei anderen G\u00e4stezimmer ein, in denen normalerweise seine Kunden einquartiert werden. Die meiste Zeit blieben sie jedoch leer, besonders im Mai. Stephanie stellte mit Juan sofort klar, dass er sich solch eine Bitte schenken kann. Sie w\u00fcrde sich in dieser Hinsicht auf keinen Fall einschr\u00e4nken lassen. Damit m\u00fc\u00dfte er leben. Das er das wohl Z\u00e4hne knirschend hingenommen haben mu\u00df, konnten wir uns gut vorstellen. Mit uns vollzog er n\u00e4mlich ein Beispiel seiner Reaktion auf Fremde in seinem Territorium. Da wir vom zweiten Tag an, besonders meiner Katzenallergie wegen, bei Stephanie verweilten, hatten wir kaum Kontakt mit Juan. Wir h\u00f6rten von ihm, trafen ihn ab und zu fl\u00fcchtig an, aber das war auch schon alles. Nachdem wir bereits seit vielen Tagen das zweite der drei G\u00e4stezimmer als Abstell- und in den kalten Abendstunden als Aufenthaltsraum nutzten, kam Stephanie mit der Nachricht von der Ranch zur\u00fcck, dass Juan pl\u00f6tzlich unser Zimmer reinigen lassen wollte.<\/p>\n<p>&#8220;Sind G\u00e4ste im Anmarsch?&#8221;, fragten wir Stephanie. &#8220;Nein. Ich wei\u00df auch nicht, warum er gerade jetzt die Zimmer reinigen will. Ich habe ihm gesagt, dass ihr die Schl\u00fcssel f\u00fcr den Hof und das Zimmer habt. Er denkt immer, dass ihn jemand ausrauben will.&#8221;<br \/>\n&#8220;Das scheint aber auf der Ranch v\u00f6llig anders. Da steht den ganzen Tag die T\u00fcr zum Hof und zum Stall offen.&#8221;<br \/>\n&#8220;Ja, genau. Ich meinte auch zu ihm, dass es absurd w\u00e4re zu denken, ihr w\u00fcrdet ihm um seine Zimmereinrichtung bringen. &#8216;Sie werden wohl schlecht das Doppelbett in ihre Rucks\u00e4cke kriegen&#8217;, f\u00fcgte ich scherzend hinzu.&#8221;<\/p>\n<p>Wir lachten. Was f\u00fcr ein komischer Kauz. Wir r\u00e4umten also all unsere Sachen hin\u00fcber in Stephanies Zimmer. Zudem reinigten wir den Boden ein wenig von unseren Spuren. Am n\u00e4chsten Tag kam niemand, um das Zimmer zu reinigen. Erst am folgenden Tag traf Alvaro f\u00fcr den Reinigungsprozess ein.<\/p>\n<p>Wir hatten uns mittlerweile \u00fcberlegt, warum Juan uns nicht \u00fcber den Weg traute. An unserem Verhalten konnte es schlecht liegen. Auch sprach dagegen, dass Stephanie so viel f\u00fcr und mit uns tat. Nach einigem Gr\u00fcbeln erinnerten wir uns an den ersten Tag in San Pedro. Abgesehen davon, dass Juan uns auf der Stra\u00dfe Essen kochen sah, reagierten wir auf sein Angebot, in einem seiner G\u00e4stezimmer schlafen zu k\u00f6nnen (wof\u00fcr der Preis f\u00fcr Augustas Arbeit sinken w\u00fcrde), folgenderma\u00dfen. &#8220;Geld ist uns momentan wichtiger als eine kostenlose Unterkunft. Wir bevorzugen die Ranch.&#8221; Wenn uns Geld so wichtig war, wie konnten wir uns die Chance, Juan auszurauben und seine M\u00f6bel f\u00fcr einen guten Preis zu vertreiben, entgehen lassen? So oder \u00e4hnlich m\u00fcssen wohl seine Hirngespinste ihm mitgespielt haben. Hinzu kam, dass uns Stephanie einfach eine der Pferdedecken und eine Bettdecke gegeben hatte. Au\u00dferdem erkl\u00e4rte sie uns einmal, wo wir die Zange finden konnten, um den Reisverschlu\u00df unseres Zeltes zu reparieren. Die holte Augustas eines Morgens vom Schuppen und legte sie wieder zur\u00fcck. Juan schien uns nicht bemerkt zu haben, denn nicht einmal Jack tauchte auf. Was verd\u00e4chtig blieb, waren Augustas Schuhabdr\u00fccke. Summiert man dies alles mit dem Wissen, dass Juan \u00e4u\u00dferst misstrauisch ist, kommt man eventuell auf den von Juan gehegten Gedanken, dass wir uns in Diebe verwandeln k\u00f6nnten. Gut, dass wir drei wu\u00dften, dass dies nur negative Fantasien von einem einsamen Cowboy waren, der stundenlang vor<br \/>\nder Klotze (dem Fernseher) h\u00e4ngt und deswegen wohl kommunikationsunf\u00e4hig war.<\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/IMG_1162.JPG\" title=\"pancakes after riding horses through the death valley (Valle de la Muerte)\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/cache\/IMG_1162.JPG-nggid043394-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"pancakes after riding horses through the death valley (Valle de la Muerte)\" title=\"pancakes after riding horses through the death valley (Valle de la Muerte)\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">pancakes after riding horses through the death valley (Valle de la Muerte)<\/p><\/div>\n\n<p>Leidwesen des Ganzen war allerdings Stephanie, auf deren R\u00fccken Juans innerer Twist ausgetragen wurde. Er benahm sich unm\u00f6glich. Er \u00fcberwarf die Regeln, die er Stephanie gelehrt hatte, \u00e4nderte innerhalb von Sekunden zehnmal seine Meinung, sprach pl\u00f6tzlich nicht mehr mit ihr oder \u00e4rgerte sich offensichtlich \u00fcber sie, obwohl Stephanie nichts dazu getan hatte. Stephanies Geduld und Verst\u00e4ndnis waren nahezu aufgebraucht. Ihr Temperament am \u00dcberkochen. Sie wollte ihn bei g\u00fcnstiger Gelegenheit zur Seite nehmen und ihre Meinung sagen, denn aufgeben w\u00fcrde sie so schnell nicht.<\/p>\n<p>Um dem Ganzen eine Kr\u00f6nung aufzusetzen, baten wir Juan, unsere W\u00e4sche in seiner Maschine waschen zu k\u00f6nnen. Zuvor hatte ich jedoch einen Teil meiner warmen Kleidung bereits morgens in die Maschine zusammen mit Stephanies Sachen gepackt. Als wir zur Ranch zur\u00fcckkehrten und Pfannkuchen (Eierkuchen) zubereiteten, ging ich schnell zur Leine, um meine trockenen Sachen abzunehmen. Juan sa\u00df w\u00e4hrenddessen in der K\u00fcche und sah mich, die Sachen abnehmen. Wieso fragen sie mich, ob sie ihre W\u00e4sche waschen k\u00f6nnen, wenn sie es klammheimlich schon am Morgen getan haben? \u00c4hnliche Worte m\u00fcssen ihm wohl im Kopf herumgeschwirrt sein, als er mich beim W\u00e4sche abnehmen beobachtete. Das war sicher das i-T\u00fcpfelchen f\u00fcr sein Misstrauen uns gegen\u00fcber und sorgte f\u00fcr ein paar Stunden unerkl\u00e4rlichen Verhaltens.<\/p>\n<p>In den folgenden zwei Tagen beruhigte sich Juan wieder. Trotzdem verlie\u00dfen wir kurze Zeit sp\u00e4ter San Pedro, denn das gespannte Verh\u00e4ltnis zu ihm nahm dem Ort und unseren geplanten Vorhaben ihren Zauber.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am LKW-Hof in San Pedro entledigten wir uns umgehend unserer angestauten Urinansammlung. 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