{"id":331,"date":"2007-03-07T00:00:00","date_gmt":"2007-03-06T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/luxuriose-unterkunft-im-berlinerischen-puebla-october-18-20\/"},"modified":"2007-03-07T00:00:00","modified_gmt":"2007-03-06T22:00:00","slug":"luxuriose-unterkunft-im-berlinerischen-puebla-october-18-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/luxuriose-unterkunft-im-berlinerischen-puebla-october-18-20\/","title":{"rendered":"Luxuri\u00f6se Unterkunft im berlinerischen Puebla (October 18 &#8211; 20)"},"content":{"rendered":"<p>San Cristobal &#8211; Tuxtla Gutierrez, Ixtapa, Tapilula, Juarez, wanted crossroad after villahermosa, but our truck turned before towards city (after Reforma), got out, then (road 180) Carmen, Cardenas, San Miguel, Chapopotla, Minatitlan, (road 145) Oluta, Arriba, Los Robles, then messy towards Ciudad Mendoya, further on road 150 to Esperanza, to Amazoc de Mota (peaje near here), Puebla<\/p>\n<p>Ob wir es wollten oder nicht, wir mussten San Cristobal nach einer Woche hinter uns lassen. Der Abschied fiel uns sehr schwer, aber wir hatten bereits eine Verabredung mit meiner Freundin Katheryn, die ich bereits in Spanien \u00fcber www.Globalfreeloaders.com kennengelernt hatte. Vielleicht war dieser gezwungene Abschied aber auch gut, denn San Cristobal hat uns vom Herzen her v\u00f6llig gefesselt. Wer weiss, ob wir jemals wieder von dort losgezogen w\u00e4ren, h\u00e4tten wir es nicht gemu\u00dft.<\/p>\n<p>Mit einem Taxi verliessen wir die Stadt in Richtung Autobahn. Wir mussten erneut durch Tuxtla Guiterrez hindurch, um in Richtung Puebla und somit Mexiko Stadt weiterzukommen. Wir hatten ausgesprochenes Gl\u00fcck, denn binnen kurzer Zeit gabelte uns Jorge auf, der uns direkt bis nach Tuxtla Guiterrez brachte. Er lebte dort und meinte, dass wir bei unserer R\u00fcckkehr herzlich eingeladen w\u00e4ren, bei ihm vorbeizuschauen. Der Fahrer war gar so lieb, dass er uns bis zum Ausgang von Tuxtla Guiterrez brachte, damit wir ungehindert weitertrampen konnten. Dort ausgestiegen \u00fcberkamen uns regelrechte Hitzewellen. Das hei\u00dfe Klima hatte uns wieder, worauf wir uns erst einmal setzen und st\u00e4rken mussten.<\/p>\n<p>Ein LKW las uns diesmal auf, der uns bis Villahermosa bringen wollte. Das lag ein ganzes St\u00fcck in unserer Richtung und so sattelten wir auf. Obwohl wir durch die schwere Ladung des LKWs eher vor uns hinkrochen als fuhren, kamen wir zumindest voran. Unerwartet bog der LKW pl\u00f6tzlich von der Autobahn ab, so dass wir ihn laut aber h\u00f6flich protestierend zum Stillstand brachten. Unser Fahrer verstand die Welt nicht mehr. Er hatte uns zwar gesagt, wohin er unterwegs war, verga\u00df aber zu erkl\u00e4ren, dass er f\u00fcr das letzte St\u00fcck nach Villhermosa eine andere Route als die \u00fcber die Autobahn nehmen wollte. F\u00fcr uns hie\u00df das letztlich, dass wir mitten in einer Stadt enden w\u00fcrden, aus die wir uns m\u00fchsam h\u00e4tten herausk\u00e4mpfen m\u00fcssen. Wir stiegen also mitten im Nirgendwo aus und liefen den Weg zur\u00fcck bis zur Autobahn. <\/p>\n<p>Dort begr\u00fc\u00dfte uns g\u00e4hnende Leere. Kein Auto weit und breit. Die Sonne nahm uns mit ihrer Intensivit\u00e4t nahezu den Verstand. Uns blieb nur noch \u00fcbrig, uns mit hochgehaltenen Armen unter unseren Jacken zu verstecken, damit wir nicht mit einem Sonnenstich endeten. Schatten gab es auf der Autobahn keinen. Wir trampten mit aller Zuversicht, doch jemanden zum Anhalten zu bringen, aber das gestaltete sich schwierig. Wenn n\u00e4mlich ab und an mal ein Auto auftauchte, fuhr es garantiert, ohne uns eines Blickes zu w\u00fcrdigen, einfach an uns vorbei. Gut, es war sicher nicht gew\u00f6hnlich, dass Irgendwo im Nirgendwo auf einer sp\u00e4rlich befahrenen Autobahn zwei Ausl\u00e4nder ihren Daumen vor ihre Nase hielten. Da die Autos erst hinter einer Kurve hervorkommen mussten, um uns schlie\u00dflich zu entdecken, entschieden wir irgendwann unsere Tramperstelle zu ver\u00e4ndern. Dort bot uns zumindest in tiefer Hocke die Stra\u00dfenbegrenzung ein wenig Schatten. Wie wir es genau angestellt hatten, dass nach etlichen Stunden doch jemand anhielt, bleibt f\u00fcr uns ein R\u00e4tsel. <\/p>\n<p>Jedenfalls nahm uns ein Herr in seinem Kleintransporter mit. Er meinte erst, dass er nicht weit fahren w\u00fcrde, doch uns war alles recht, au\u00dfer nat\u00fcrlich weiterhin an diesem gottverlassenem Punkt zu verharren. Kaum kamen wir ins Gespr\u00e4ch, wendete sich der Fahrer an uns, &#8220;Habt ihr g\u00fcltige Personaldokumente?&#8221;. Nat\u00fcrlich hatten wir die und noch dazu eine offizielle Aufenthaltserlaubnis. Der Fahrer atmete sichtlich auf. Er schien uns wohl auch f\u00fcr Auss\u00e4tzige, illegale Einwanderer oder vielleicht auch R\u00e4uber zu halten. Wir nahmen ihm St\u00fcck f\u00fcr die St\u00fcck die Angst und als wir uns bereits richtig angefreundet hatten, er\u00f6ffnete er uns, dass er bis nach Puebla unterwegs war. Jetzt waren wir es, die ins Gr\u00fcbeln kamen, doch nach einer Weile verstanden wir, dass er uns das nicht vorher sagen wollte, weil er ja keine Ahnung hatte, mit wem er es zu tun hatte. Jetzt lebten wir richtig auf. Wir hatten ja bereits am Anfang des Jahres ein Ehepaar in Chicxulub kennengelernt, die urspr\u00fcnglich aus Puebla stammen. Sie erkl\u00e4rten uns damals, dass wenn wir jemals in Puebla vorbeikommen w\u00fcrden, wir sie informieren sollten, denn wir k\u00f6nnten dort gerne bei ihren Kindern \u00fcbernachten. Der Zeitpunkt war gekommen. Wir riefen Jorge und Patrizia an und hofften, dass wir auf die Schnelle noch eine Unterkunft in Puebla organisieren konnten. Jorge rief seinen Sohn an und bei unserem R\u00fcckruf bekamen wir dessen Telefonnummer. Der Sohn lud uns \u00fcbers Telefon herzlich zu sich ein und bat ihn bei unserer Ankunft anzurufen. Das wollten wir tun. Die voraussichtliche Ankunftszeit lag bei 8-9 Uhr abends. Wir fieberten dem Ende der Fahrt entgegen, verbrachten aber eine wirklich angenehme Zeit mit unserem Fahrer. Der erz\u00e4hlte uns, dass er nach Puebla m\u00fcsste, aber gerne noch einen Abstecher zu seiner Familie, die zwei Stunden n\u00f6rdlich von Puebla lebt, machen w\u00fcrde. Er strengte sich ungemein an, rechtzeitig an der Peaje (Autobahngeb\u00fchrstelle) anzukommen. Letztlich schafften wir es aber nicht vor 23 Uhr. Trotz der sp\u00e4ten Zeit rief ich noch bei Jorge\u00b4s Sohn Horatio an, da wir es so vereinbart hatten. Wir hofften, dass er uns an der Peaje auflesen konnte, doch das ging nicht, da er und seine Frau Liliana ein einmonatiges Baby hatten. Die N\u00e4chte waren damit also eh gez\u00e4hlt und das Kleine war bereits in seinen Tr\u00e4umen versunken. Da es, wie wir sp\u00e4ter erfuhren, seiner Frau Liliana zudem nicht so gut ging, wollte er sie nicht allein im Haus zur\u00fccklassen. Wir versicherten ihm also, dass wir die Nacht an der Peaje verbringen und uns am Morgen bei unserer Ankunft in Puebla melden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Jetzt hie\u00df es kreativ werden, wenn wir die Nacht nicht sitzend und frierend am Stra\u00dfenrand verbringen wollten. An der Peaje befand sich ein Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt, so dass wir uns direkt an die uniformierten Herrschaften richteten. Wir baten um einen Platz, unser Zelt aufstellen zu d\u00fcrfen oder aber irgendwo mit unseren Matrazen die Nacht verbringen zu k\u00f6nnen. Die Soldaten meldeten dies einigen Verwaltungsbeamten. Daraufhin wurde ich zu einem pers\u00f6nlichem Gespr\u00e4ch ins Verwaltungsgeb\u00e4ude geladen. Dort erkl\u00e4rte ich mit unschuldigen und gespielt besorgtem Gesicht, dass wir f\u00fcr die Nacht eine sichere Bleibe ben\u00f6tigten. Darufhin wurde uns das Einverst\u00e4ndnis gegeben, hinter der dachtragenden Wand, gleich neben der Peaje, unser Zelt aufzustellen. Wir hofften unser Zelt nicht ganz in Hundekot zu setzen, denn es roch auf diesem St\u00fcck Grass merklich danach. Die Toiletten wurden uns au\u00dferdem zur Nutzung angeboten. Es war sp\u00e4t, als wir es endlich zum Tr\u00e4umen schafften. Manchmal ist es wirklich erstaunlich, wie sehr wir unsere Wahrnehmungssinne abschalten k\u00f6nnen. Die Peaje hatte selbst w\u00e4hrend der Nacht Hochbetrieb und unser Zelt stand nur einige Meter von dem Treiben entfernt. <\/p>\n<p>Die Nacht war kurz, doch wir waren voller Freude, dass wir es auf unserem so knapp bemessenen Zeitplan f\u00fcr das Erreichen von Mexico City doch noch schafften, Puebla einen Besuch abzustatten. Schlie\u00dflich hatten wir Jorge und Patrizia bereits als Gasteltern akzeptiert und f\u00fchlten uns wie ein Teil ihrer Familie. Wir kamen also endlich einmal wieder &#8220;nach Hause&#8221;, auch wenn Jorge und Patrizia sich zu diesem Zeitpunkt leider in Puebla aufhielten. <\/p>\n<p>Um sechs Uhr morgens musste alles gepackt sein. Wach wie zwei aufgeregte Kinder fingen wir an zu trampen. Nicht lange und ein junger Mann in unserem Alter nahm uns mit. Er war auf dem Weg nach Puebla, doch eigentlich nicht bis ins Stadtzentrum hinein. Er arbeitete bei Volkswagen, wo er als Feuerwehrmann f\u00fcr die Sicherheit im VW Werk zust\u00e4ndig war. Unser Fahrer<br \/>\n wusste nur Gutes \u00fcber VW zu berichten. Er schw\u00e4rmte von der Arbeitsatmosph\u00e4re, liebte seine Chefs und kam jeden Morgen gerne auf Arbeit. Da wir uns so gut verstanden, tat er uns letztlich den Gefallen und fuhr uns direkt ins Stadtzentrum.<\/p>\n<p>Obwohl reichlich fr\u00fch, es war gerade einmal 7 Uhr morgens, f\u00fchlte ich den Drang Horatio anzurufen. Ich dachte mir, dass er sicher gegen 8 oder 9 Uhr auf Arbeit musste und es gut w\u00e4re, wenn wir ihm vorher abpassen k\u00f6nnten. Das erwies sich aber als Fehler. Ich holte Horatio aus seinen Tr\u00e4umen, die er sich nach einer Nacht mit seinem kleinen Schreihals hart erk\u00e4mpft hatte. Ich bi\u00df mir auf die Lippe, denn das tat mir wirklich leid. Er bat uns gegen 10-11 Uhr noch einmal bei ihm anzurufen. Er w\u00fcrde uns sp\u00e4ter die Beschreibung geben, wie wir zu seinem B\u00fcro gelangen konnten.<\/p>\n<p>Im Zentralpark des Stadtzentrums wurde eine Feier abgehalten. W\u00e4hrend wir unsere kalten Haferflocken verspeisten, sahen wir, wie in der Mitte des Parks eine Gruppe von Polizisten aufmarschierte, die ein riesiges St\u00fcck Stoff in ihren Armen trugen. An einem Pult hielt ein Herr eine ausschweifende Rede und unter Begleitung der Live-Musik wurde letztlich eine \u00fcberdimensionale Flagge gehisst. Den Grund der Feier haben wir nicht durchschauen k\u00f6nnen, aber wir genossen ein derartiges Begr\u00fcssungritual. Wir stellten uns schlichtweg vor, dass dieses Fest f\u00fcr unsere Ankunft in Puebla abgehalten wurde. Was f\u00fcr ein wunderbarer Morgen. Nachdem die Flagge an ihrem Platz war und die Polizisten mit ihrem stelzig-unnat\u00fcrlichem Gleichschritt wieder abgezogen waren, machten wir uns auf, einen Guten-Morgen-Tee zu finden. Wir mussten ein ganzes St\u00fcck durch Puebla laufen, um f\u00fcndig zu werden, denn die Preise in den Restaurants waren nicht die niedrigsten. Vor uns tat sich bald eine Art Cafe auf, dass wohl in den 60er Jahren stehen geblieben war. Vielleicht h\u00f6rte die Uhr dort auch schon in den 50er Jahren auf zu ticken, denn der Stil der Tische, das Ambiente, die Tapete, die Bilder, der Ausschank &#8211; alles versetzte uns in die Vergangenheit. Wir bestellten einen Tee, der reichlich d\u00fcnn ausfiel, denn auf einen halben Liter verwendete die Bardame nur einen Kamillenteebeutel. Wir baten um einen weiteren, den sie uns (ungern) gab. Was wir bei solchen Mini-Cafe-Ausfl\u00fcgen besonders genossen war die Tatsache, dass wir die Toiletten benutzen konnten. <\/p>\n<p>Wir stiefelten eine lange Strecke durch die Strassen Pueblas, bis wir endlich den Bus fanden, der uns zu Horatios B\u00fcro bringen w\u00fcrde. Wir kamen gegen 11 Uhr morgens im B\u00fcro an und wurden herzlich Willkommen gehei\u00dfen. Da Horatio einige Besprechungen zu erledigen hatte, schlie\u00dflich handelte es sich um sein eigenes, erst k\u00fcrzlich er\u00f6ffnetes Gesch\u00e4ft, wurden wir separat an jeweils einen Schreibtisch gebeten, an dem wir den Computer und damit das so wichtige Internet ausgiebig nutzen konnten. <\/p>\n<p>Als Horatio endlich Zeit hatte, fuhren wir gemeinsam zum ehemaligen Haus von Jorge und Patrizia. Wir w\u00fcrden dort f\u00fcr den Tag und die kommende Nacht wohnen k\u00f6nnen. Das Haus ist sonst eigentlich in Vermietung, da aber der vorherige Mieter frecherweise einfach die gesamte Einbauk\u00fcche bei seinem Auszug mitgenommen hatte, die ihm rechtlich \u00fcberhaupt nicht zustand, mussten Patrizia und Jorge erst einmal eine neue besorgen und einen bewohnbaren Zustand wieder herstellen. Als wir ankamen, war bereits eine neue K\u00fcche eingebaut, so dass wir den Herd ausgiebig nutzen konnten. Das Haus war ein Traum, vor allem von innen. Um dorthin zu gelangen, mussten wir durch ein Garagentor und ein Gittertor hindurch. Dann standen wir im Garten des Hauses, stiegen die Stufen zur Wohnungst\u00fcr empor und traten ein. Dort empfing uns eine gem\u00fctliche Schuhanziehecke, die von einer herrlichen Hausbibliothek umgeben war. Im Erdgeschoss befanden sich das Wohn- und Esszimmer sowie die K\u00fcche. Ein Stockwerk h\u00f6her lagen die Zimmer der Hausherren und eine Terrasse, auf der man die ganze Nachbarschaft \u00fcberschauen konnte. Au\u00dferdem gelangte man \u00fcber einen separaten Treppenaufstieg, der vom K\u00fcchenbalkon hinauf zur Terrasse f\u00fchrte, zum Waschmaschinenraum, den wir sofort in Beschlag nahmen. Im Untergeschoss befanden sich G\u00e4stezimmer, von denen wir uns eins aussuchen konnten. Das Bett war herrlich gro\u00df, es gab in jedem Zimmer einen Fernseher und dass Bad lag gleich vor der T\u00fcr. Auch im Untergeschoss fanden sich wahre B\u00fcchersch\u00e4tze, vor allem \u00fcber Kunst, Malerei und Zeichentechniken, die ich zu gerne alle studiert h\u00e4tte. Aber an einem Tag schien mir das ein wenig abwegig. Das Zimmer, was sonst Patrizia und Jorge bei ihrem Besuch bezogen, beherbergte ein gro\u00dfes Schlafzimmer und ein ausgesprochen ger\u00e4umiges, luxuri\u00f6ses Bad, in dem sich gar ein Whirlpool f\u00fcr Zwei befand. Dazu gab es eine Garderobe, die haufenweise Decken f\u00fcr uns bereithielt. Nachdem Horatio uns allein zur\u00fcckgelassen hatte, schwebten wir regelrecht durch dieses f\u00fcrstlich hergerichtete Haus. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir noch auf unsere W\u00e4sche warteten, ruhten wir uns auf dem herrlich bequemen Bett, vor dem Fernseher faulenzend, aus. Wir schliefen auch irgendwann ein, denn die kurze Nacht zollte uns bald ihren Tribut. Da ich aber nicht den Tag in Puebla mit Schlafen verbringen wollte, scheuchte ich uns wieder hoch und wir zogen los, die Stadt zu erkunden. Das dies mit einer kalten Dusche beginnen w\u00fcrde, war allerdings nicht geplant. <\/p>\n<p>Auf dem Weg zum Stadtzentrum hielten wir es nicht f\u00fcr notwendig, den Bus zu nehmen, und hielten stattdessen unseren Daumen heraus. Schwups, hielt auch schon ein junger Mann f\u00fcr uns an, der uns bis in die N\u00e4he einer alten, ehrw\u00fcrdigen Kathedrale bef\u00f6rderte. Wir wussten nichts \u00fcber Puebla, wie immer auf unserer Reise, hatten uns aber bereits einen Stadtplan besorgt. Damit konnten wir problemlos, zeitlos, ja v\u00f6llig planlos durch die Gassen streifen, ohne uns letztlich komplett zu verlieren. Ich genoss Puebla, da es mich an eine Mischung aus Berlin und Leipzig erinnerte. Die H\u00e4user waren in dem Stil gebaut, wie die meisten Altbauten in beiden dieser St\u00e4dte. Was merklich auf Berlin hinwies waren die Hinterh\u00f6fe, in denen sich immer neue Bilder boten. Einmal fanden wir zauberhafte Cafes und ein anderes Mal ein auf alt gemachtes Einkaufszentrum mit winzigen L\u00e4den. Es gab politisch aktive Hinterh\u00f6fe, die mit Parteiplakaten versehen waren und auch solche, die mit ihren alten St\u00fchlen und Spielzeug, dass ungeordnet \u00fcber den Hof verstreut lag, skuril vor sich hingl\u00e4nzten. Oh, wie ich diese Streifz\u00fcge durch Hinterh\u00f6fe vermisst habe! Augustas blieb oft gleich an der Strasse stehen, denn meine Begeisterung wuchs \u00fcber sein Verst\u00e4ndnis hinaus. In den Cafes, in vielen kleinen L\u00e4den oder auch Wohnungen, die ihre T\u00fcren weit ge\u00f6ffnet hatten, boten sich Blicke auf alte M\u00f6belst\u00fccke, die mittlerweile sicher einen hohen Sammlerwert besassen. Menschen versammelten sich auf ihren winzigen Balkonen, die gerade einmal ein paar Zentimeter aus ihren Fenstern herausragten. Ein Herr faszinierte mich besonders, wie er, den Bauarbeiten auf der gegen\u00fcberliegenden Seite zuschauend und rauchend mit seinen Armen auf das Gel\u00e4nder gest\u00fctzt war. Berlin, Berlin &#8211; ich hatte wieder ein St\u00fcck Heimat gefunden. Puebla hat eine stark deutsch gepr\u00e4gte Geschichte, worauf die Gestaltung der Geb\u00e4ude und Lebensweise in dieser Stadt zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. So gar nicht mexikanisch, nein, eher europ\u00e4isch, genauer gesagt deutsch.<\/p>\n<p>Wir liefen an diesem Tag endlose Kilometer zu Fuss durch die Stadt, w\u00e4hrenddessen sich mein Kopf bereits im Nacken festgesetzt hatte, denn es gab neben so vielen sch\u00f6nen Geb\u00e4uden auch eindrucksvolle Kirchen und Kathedralen zu bestaunen. Viele sahen wir nur von au\u00dfen, aber das gen\u00fcgte mir v\u00f6llig. Das Betrachten der religi\u00f6sen Figuren, die sich auf Kuppeln, Vors\u00e4tzen und Fenstersimsen befanden, entsch\u00e4digte f\u00fcr die fehlenden Innenansichten allemal. Ich war \u00fcberw\u00e4ltigt von dieser Stadt, besonders von der Burg, die sich direkt am Zentralpark im Stadtzentrum vor uns aufbaute.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck im Zentralpark fanden wir eine \u00e4hnliche Prozedur wieder, wie wir sie bereits am Morgen erlebt hatten. Die<br \/>\nsmal wurde die Flagge aber abgenommen. Eine Schar von Menschen befand sich mittlerweile um das Geschehen versammelt, die bei Ert\u00f6nen der Nationalhymne ihre linke Hand an die Brust legten und mitsangen. Das war ein ber\u00fchrendes, patriotisches Schauspiel, denn in diesem Moment konnten wir deutlich sehen, wie sehr die Menschen gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig mit ihrem Land verbunden waren. <\/p>\n<p>Wir warteten diesmal nicht das Ende der Feier ab, sondern versuchten den Abend zu organisieren. Horatio hatte uns am Morgen zu einem Essen in seinem Haus eingeladen. Nach langem Suchen einer Telefonkarte konnten wir ihn gegen 19 Uhr auch endlich erreichen. Leider kam es nie zu dem vereinbarten Essen, denn Liliana ging es zunehmend schlechter. Das tat uns im Herzen leid, denn wir h\u00e4tten zu gern eine gesunde Liliana und ihr winziges Neugeborenes gesehen. Wir w\u00fcrden also auch Horatio nicht noch einmal wiedersehen, was uns traurig stimmte. Wir gingen demnach zur\u00fcck zum Haus und statt des gemeinsamen Abendessens, zauberten wir uns selbst noch etwas K\u00f6stliches auf den Tisch. Dazu genoss ich das weitere Durchst\u00f6bern der Hausbibliothek, bis mir irgendwann die Augen schwer wurden. Es war Zeit diesen aufregenden Tag zu beenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>San Cristobal &#8211; Tuxtla Gutierrez, Ixtapa, Tapilula, Juarez, wanted crossroad after villahermosa, but our truck turned before towards city (after Reforma), got out, then (road 180) Carmen, Cardenas, San Miguel, Chapopotla, Minatitlan, (road 145) Oluta, Arriba, Los Robles, then messy towards Ciudad Mendoya, further on road 150 to Esperanza, to Amazoc de Mota (peaje near [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"enabled":false},"version":2}},"categories":[46],"tags":[],"class_list":["post-331","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-mexiko"],"aioseo_notices":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/331","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=331"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/331\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=331"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=331"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=331"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}