{"id":301,"date":"2008-06-09T00:00:00","date_gmt":"2008-06-08T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/followtheroad.com\/de\/schicksal\/"},"modified":"2008-06-09T00:00:00","modified_gmt":"2008-06-08T22:00:00","slug":"schicksal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/schicksal\/","title":{"rendered":"Schicksal (Mai 22, 2008)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-caption alignleft\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/IMG_1087.JPG\" title=\"Stephanie riding gracefully\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro\/cache\/IMG_1087.JPG-nggid043393-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"Stephanie riding gracefully\" title=\"Stephanie riding gracefully\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">Stephanie riding gracefully<\/p><\/div>\n\n<p>Leise schlichen wir uns Donnerstagmorgen von Juans Ranch. Jack schlief scheinbar noch und erm\u00f6glichte es uns auf diese Weise, ungest\u00f6rt unseren Campingplatz zu verlassen. <\/p>\n<p>Voll beladen erreichten wir Stephanies Haus nach einer knappen Dreiviertelstunde. Die stolperte v\u00f6llig verschlafen gleich barfu\u00df in der eisigen Morgenk\u00e4lte zum Tor, um uns hineinzulassen und gleich darauf wieder im warmen Bett zu verschwinden. <\/p>\n<p>Nach dem Abschied von Stephanie hofften wir, auf die Litauerin Ugne und ihren spanischen Freund Martin zu treffen. Die Beiden reisen seit einem halben Jahr durch S\u00fcdamerika und hatten kurzfristig entschieden, nach San Pedro zu kommen. Das nun ihr Ankunftstag ausgerechnet auf unseren Abreisetag traf, war etwas ungl\u00fccklich. Wir trafen sie letztlich nicht an, denn ihre Reise von Santiago de Chile bis San Pedro dauerte 25 Stunden, was bedeutete, dass sie h\u00f6chstwahrscheinlich nicht vor dem fr\u00fchen Nachmittag eintreffen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Wir zogen zur Stra\u00dfe in Richtung Paso Jama, die reichlich wenig befahren erschien. Ein Schild wie\u00df auf die Er\u00f6ffnung dieses Grenz\u00fcbergangs in 1991 hin. Viele Tramper scheinen zuvor hier etliche Stunden gewartet zu haben, denn sie hatten mit viel Kunst mittels Steinen ihre Namen ins Schild gekritzelt. Auch wir hinterlie\u00dfen sch\u00e4ndlichrweise unsere Spuren an dieser historischen Metalltafel.<\/p>\n<p>Nach drei Stunden Warten hielt endlich ein Auto an. Z\u00f6gernd fuhr es an die Seite. Skeptische Blicke begegneten mir.<\/p>\n<p>&#8220;Wohin fahren Sie?&#8221;<br \/>&#8220;Nach Argentinien.&#8221;<br \/>&#8220;Wir auch. Wir sind auf dem Weg nach Salta.&#8221;<br \/>Ich wurde gemustert.<br \/>&#8220;Wir sind zwei Europ\u00e4er. Ich bin Deutsche und mein Mann ist Litauer.&#8221;<br \/>&#8220;Habt ihr Dokumente?&#8221;<br \/>&#8220;Ja, nat\u00fcrlich. Wenn Sie m\u00f6chten, zeige ich ihnen meinen Reisepass.&#8221;<br \/>&#8220;Habt ihr euch bei der Aduana (Immigrationsbeh\u00f6rde) hier in Salta f\u00fcr die Reise nach Argentinien registrieren lassen?&#8221;<br \/>&#8220;Nein, wieso?&#8221;<br \/>&#8220;Jeder der Chile auf dem Weg \u00fcber Paso Jama verl\u00e4\u00dft, mu\u00df sich hier ausstempeln lassen.&#8221;<br \/>&#8220;Wie, das geschieht nicht an der Grenze? Es sind doch knapp 200km bis Argentinien. Wie kann das sein?&#8221;<br \/>&#8220;Hier ist es so. An der Grenze gibt es keinen chilenischen Kontrollposten, ihr m\u00fc\u00dft euch hier die Ausreisegenehmigung holen.&#8221;<\/p>\n<p>Nach einigen weiteren verbl\u00fcfften Fragen unsererseits lie\u00dfen wir diese scheinbar einmalige Chance, ein Gef\u00e4hrt direkt bis Argentinien zu bekommen, sausen. Warten w\u00fcrden sie nicht, das hatten sie uns leider schon kundgetan. <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_last_day\/IMG_1262.JPG\" title=\"starting point in San Pedro for our trip to Salta, Argentina\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/chile\/san_pedro_last_day\/cache\/IMG_1262.JPG-nggid043433-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"starting point in San Pedro for our trip to Salta, Argentina\" title=\"starting point in San Pedro for our trip to Salta, Argentina\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">starting point in San Pedro for our trip to Salta, Argentina<\/p><\/div>\n\n<p>Tief seufzend zogen wir zur\u00fcck zur Aduana, die auf keinste Weise mit Hinweisschildern darauf aufmerksam macht, dass man sich bei Ausreise dort registrieren mu\u00df. Ein Detektiv erkl\u00e4rte uns, dass wir erst eine Mitfahrgelegenheit finden m\u00fc\u00dften, bevor er uns die Ausreisestempel gab. Reichlich merkw\u00fcrdig fuer Tramper, dennoch machte es Sinn. H\u00e4tten wir die Ausreisestempel bereits und w\u00fcrden am selben Tag keinen Fahrer bis Argentinien finden, k\u00f6nnten uns die argentinischen Grenzbeamten Schwierigkeiten bereiten. <\/p>\n<p>Ein wenig behindert kamen wir uns trotzdem vor. Mit einem Motivationstief setzten wir uns auf die Bank vor dem Aduana-Geb\u00e4ude und ich begann an meinen Schmuckkunstwerken zu basteln. Unser kleiner Hundefreund, den wir mit Brot an der Stra\u00dfenkreuzung nach Paso Jama angef\u00fcttert hatten, gesellte sich mit einigem Abstand zu uns. Er brachte damit etwas Licht ins Dunkel. Ach, wie gern h\u00e4tten wir den adoptiert und aufgep\u00e4ppelt! <\/p>\n<p>Die meiste Zeit passierte nichts. Ab und zu baten wir um Mitnahme, doch der einzige Herr, der wirklich mit seinem LKW nach Argentinien fuhr, lehnte unsere Mitnahme ab. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend st\u00e4ndig Reisebusse mit etlichen Passagieren die Kontrolle der Aduana \u00fcber sich ergehen lassen mu\u00dften, ersp\u00e4hten wir einen etwas zu wohlgen\u00e4hrten Herrn. Wir lauschten seinem Reiseziel, dass er im B\u00fcro der Aduana angeben mu\u00dfte. Ich sprach diesen Herrn kurz darauf an, ob er uns nicht nach Salta mitnehmen k\u00f6nnte. Er sagte sofort zu. &#8220;Er nimmt uns mit!&#8221;, rief ich Augustas zu, w\u00e4hrend ich auf ihn zurannte. Augustas verschwand sofort im B\u00fcro der Aduana, um unsere Reisep\u00e4sse abstempeln zu lassen. Wir schnappten unsere Rucks\u00e4cke und liefen auf das Auto des Argentiniers zu, der uns mitnehmen wollte. Sein Auto war hinter einem Reisebus geparkt und als wir nahe genug herankamen, sahen wir, wie der Herr gerade in die n\u00e4chste Seitenstra\u00dfe einbog. Er machte einige unverst\u00e4ndliche Handbewegungen, die wir so interpretierten, dass er uns lieber in einer Seitenstra\u00dfe auflesen wollte. Wir hetzten mit Sack und Pack hinterher, doch der Herr schien nicht im Geringsten anhalten zu wollen. Was war nur in ihn gefahren? Was bedeuteten seine kreisenden Handbewegungen? Wollte er nur noch schnell einen Einkauf in San Pedro t\u00e4tigen? Warum hatte er nicht gewartet und uns das gesagt? Der Herr war verschwunden. Etwas unschl\u00fcssig standen wir herum und ich schlug vor, zur Stra\u00dfenkreuzung nach Paso Jama zu gehen und dort auf ihn zu warten. Ich malte mir aus, dass der Argentinier eventuell noch etwas besorgen wollte und uns sp\u00e4ter an der Kreuzung auflesen w\u00fcrde. Dazu pa\u00dften auf jeden Fall seine wilden Armbewegungen. Augustas sah das anders. &#8220;Besser wir warten hier, sonst findet er uns nicht oder denkt, wir haben bereits eine andere Mitfahrgelegenheit bekommen,&#8221; So richtig zufrieden lie\u00df mich diese Entscheidung nicht. Irgendwie f\u00fchlte ich den Drang, zur Kreuzung zu laufen, doch diesmal verga\u00df ich, mein Gef\u00fchl Augustas verbal kundzutun. Wir warteten und lie\u00dfen die Kreuzung nicht aus den Augen. Nach ungef\u00e4hr 20 Minuten entdeckte Augustas schlie\u00dflich einen kleinen roten Privatwagen, der dem des Argentiniers sehr glich. <\/p>\n<p>&#8220;Schau! Er f\u00e4hrt recht langsam, vielleicht wartet er an der Kreuzung auf uns!&#8221;, rief ich Augustas voller Optimismus zu. <br \/>&#8220;Wir werden gleich sehen, ob er auf uns wartet. Sobald er am Horizont erscheint, werden wir es mit Sicherheit wissen.&#8221;<br \/>&#8220;W\u00e4re es nicht besser, wenn ich zu dem H\u00fcgel dort renne und nachsehe?&#8221;<\/p>\n<p>Augustas fand das v\u00f6llig unn\u00fctz, da ich aber nicht einfach dumm herumstehen und abwarten wollte, rannte ich los. Nahe dem H\u00fcgel rief mir Augustas zu, &#8220;Katja! Dort ist er!&#8221; Ich ersp\u00e4hte einen kleinen roten Punkt nahe dem Horizont und wartete gespannt, ob er geradeaus fahren w\u00fcrde. Das tat er schlie\u00dflich und in mir stieg \u00c4rger auf. Warum hatte ich nur auf Augustas geh\u00f6rt? Ich war mir sicher, dass wenn wir an der Kreuzung gewesen w\u00e4ren, er uns mitgenommen h\u00e4tte. Stinksauer stie\u00df ich meinen Fu\u00df in den Sand und wandte mich von Augustas ab. Warum gab ich eigentlich so oft nach? Warum habe ich nicht darauf bestanden, zur Kreuzung zu marschieren? Mir stieg der \u00c4rger zu Kopf, was sich darin \u00e4u\u00dferte, dass ich kein Wort mit Augustas reden wollte. Trotzdem rutschten mir Worte des \u00c4rgers heraus. Die halfen aber, die negative Energie herauszulassen und mich wieder sanfter zu stimmen.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck auf der Bank vertiefte ich mich in meine k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeiten. Unlust machte sich auf unserer beider Gem\u00fcter breit. Gut, dass es sowieso niemanden zur Mitnahme zu befragen gab.<\/p>\n<p>Und so verstrich die Zeit, bis gegen Sechs Uhr die Sonne unterging. Mittlerweile wieder im Einklang mit uns selbst, hofften wir inst\u00e4ndig auf eine gute Seele, die uns noch heute nach Argentinien bringt. <\/p>\n<p>Vorerst stand aber die K\u00e4lte vor der T\u00fcr, denn die Sonne war wie immer in wenigen Minuten untergegangen und hinterlie\u00df die W\u00fcstengegend mit zunehmend abfallenden Temperaturen. Wir mu\u00dften unsere w\u00e4rmenden Hemden und langen Unterhosen ankleiden, damit wir nicht in K\u00fcrze als Eiszapfen enden. Die Toiletten im Aduana-Geb\u00e4ude waren verschlossen und so bat ich die Aduana-Mitarbeiter um einen anderen Raum, wo ich mich ungesehen ent- und ankleiden konnte.<\/p>\n<p>&#8220;Leider k\u00f6nnen wir ihnen da nicht weiterhelfen.&#8221;<br \/>&#8220;Sie haben doch sicherlich eine andere Toilette, wo ich mich schnell einmal umziehen kann.&#8221;<br \/>&#8220;Nein, nicht wirklich.&#8221;<br \/>&#8220;Es mu\u00df doch hier<br \/>\nirgendwo einen Raum geben, wo ich meine Sachen wechseln kann. Ich kann mich ja schlecht auf der Stra\u00dfe umziehen. Wie sieht es denn mit der oberen Etage aus? Gibt es dort etwa keine M\u00f6glichkeit f\u00fcr diese Notwendigkeit?&#8221;<br \/>&#8220;Oben liegen unsere privaten Zimmer.&#8221;<br \/>&#8220;Dort gibt es doch sicher ein Badezimmer, in das sie mich hineinlassen k\u00f6nnten. Sie k\u00f6nnen gerne vor der T\u00fcr auf mich warten, wenn sie mir nicht trauen.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Gebt mir bitte den Schl\u00fcssel&#8221;. meinte der Aduana-Mitarbeiter, mit dem ich die ganze Zeit sprach, zu seinen Kollegen gewandt. Ich stellte mich ein wenig abseits und h\u00f6rte, wie auf seine Bitte hin, eine Dame meinte, &#8220;Nein, das k\u00f6nnen wir nicht tun, ich gebe dir den Schl\u00fcssel nicht. Nein, auf keinen Fall!&#8221; Bedient wandte er sich mir wieder zu und meinte, &#8220;Versuchen Sie es doch bei der SAG (Servicio Agr\u00edcola y Ganadero, Service f\u00fcr Landwirtschaft und Viehhaltung) einmal.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Die werden mir das Gleiche sagen wie Sie,&#8221;<br \/>&#8220;Versuchen sie es doch zumindest einmal.&#8221;<br \/>&#8220;Als ob Sie nicht w\u00fc\u00dften, dass auch die mich fortschicken werden.&#8221;<br \/>&#8220;Wir k\u00f6nnen ihnen leider nicht helfen. Probieren sie es bei der SAG einmal&#8230;&#8221; <\/p>\n<p>Wut stieg in mir auf. Einerseits, da mir die Aduana-Mitarbeiter ohne wahren Grund nicht helfen wollten, zum anderen, weil ich genau wu\u00dfte, dass sich die ganze Szene wiederholen w\u00fcrde und zwar ohne Erfolg. Ich ging trotzdem hin.<\/p>\n<p>&#8220;K\u00f6nnte ich bitte ihre Toilette nutzen, um meine Sachen zu wechseln?&#8221;<br \/>&#8220;Nein, unm\u00f6glich. Au\u00dferdem haben wir keine Toilette.&#8221;<br \/>&#8220;Sie haben keine Toilette? Das kann ich mir schwer vorstellen. Sicher m\u00fcssen sie diesen Ort w\u00e4hrend ihrer Arbeit aufsuchen.&#8221;<br \/>&#8220;Wir wohnen nicht weit von hier.&#8221;<br \/>&#8220;Ach! Und wenn sie auf Toilette m\u00fcssen gehen sie jedes Mal nach Hause? Das glaube ich ihnen nicht. K\u00f6nnten Sie mich denn nicht nur f\u00fcr eine kurze Zeit in einen Raum einlassen, wo ich meine Kleidung wechseln kann?&#8221;<br \/>&#8220;Nein!&#8221;<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch ging noch etwas weiter, bis ich mich mit den Worten, &#8220;Welch Schande f\u00fcr die Menschlichkeit!&#8221; bei ihnen verabschiedete. Ich war w\u00fctend bis obenhin. Ich hatte die Nase gestrichen voll von so viel Dummheit. Was war denn bitte das Problem, eine Dame ihre Sachen wechseln zu lassen? Wo blieb das nat\u00fcrliche Verst\u00e4ndnis f\u00fcr eine allt\u00e4gliche, besonders an diesem Ort, um diese Zeit notwendige Aktion? Schalteten diese Herren denn ihr Gehirn vollst\u00e4ndig ab? War es dieser Schei\u00df Kapitalismus, der die Menschen so materialistisch machte, dass Menschlichkeit und Verst\u00e4ndnis v\u00f6llig auf der Strecke blieben? In Peru w\u00e4re es nie so weit gekommen! Die h\u00e4tten mir auf jeden Fall geholfen, da war ich mir sicher. Ich kochte innerlich und da mir in solch einem Zustand klug gew\u00e4hlte Worte nicht \u00fcber die Lippen kommen, protestierte ich mit einer Umziehaktion auf der Stra\u00dfe. Sie wollten es doch nicht anders, diese Idioten! W\u00fctend entschn\u00fcrte ich meine Schuhe, zog meine Hosen herunter, die Strumpfhosen und warmen Socken \u00fcber meine nackten Beine, die Hose und schlie\u00dflich die Schuhe wieder an. &#8216;So! Das habt ihr nun davon!&#8217;, ging es mir durch den Kopf. &#8220;Beruhige dich&#8221;, meinte daraufhin Augustas. &#8220;Du mu\u00dft hier keine Szene daraus machen, dass du deine Kleidung auf der Stra\u00dfe wechseln mu\u00dft. Das ist schlie\u00dflich nicht das erste Mal.&#8221; Sicher war es das nicht und im Grunde genommen war das Wechseln der Hose auch weniger das Problem. &#8220;Ist es denn wirklich so problematisch, deine warmen Hemden hier unterzuziehen?&#8221; Ich dachte ich h\u00f6re nicht richtig, als mir Augustas diese Frage an den Kopf warf. &#8220;Das verstehst Du etwa nicht?&#8221; Mir fehlten die Worte. Wie konnte Augustas nur nicht nachvollziehen, dass das Entbl\u00f6\u00dfen meines Oberk\u00f6rpers auf der Stra\u00dfe kein Problem darstellte? Und das bei einer mindestens zw\u00f6lfk\u00f6pfigen M\u00e4nnerschar, von der wir stets umgeben waren. Schlie\u00dflich waren wir hier nicht am FKK! &#8220;Und ob es ein Problem ist!&#8221;, rief ich entr\u00fcstet, denn Seitenhiebe von ihm auf die noch immer nicht verrauchten Wutsch\u00fcbe brauchte ich nun wei\u00df Gott nicht. Nicht weit von uns befand sich ein noch im Bau befindliches Haus, was ich alsbald ansteuerte, um meinen Oberk\u00f6rper entbl\u00f6\u00dfen und meine warmen Sachen endlich unterziehen zu k\u00f6nnen. Das Haus hatte zwar nur zwei W\u00e4nde, aber zumindest konnte ich auf diese Weise den Blick auf meine Brust verbergen. Was mich letztendlich meinen \u00c4rger vergessen lie\u00df, war unser treuer Hundefreund, der, einmal mit Br\u00f6tchen angef\u00fcttert, nicht mehr von unserer Seite wich. Selbst zum Umziehen folgte er mir und kuschelte sich in der Hoffnung, ich w\u00fcrde ihm in der Nacht Gesellschaft leisten, vor mir zusammen. Eine tiefergreifende Szene.<\/p>\n<p>Ich kam gerade vom Umziehen zur\u00fcck, als pl\u00f6tzlich ein Soldat auf uns zukam, der den ganzen Tag die Registrierung der Fahrzeuge zur Ein- und Ausreise vornahm. <\/p>\n<p>&#8220;Ist irgendetwas bei euch nicht in Ordnung? Ist euer Bus nicht gekommen?&#8221; <br \/>&#8220;Nein&#8221;, antwortete Augustas. &#8220;Wir sind per Anhalter nach Argentinien unterwegs, doch der Herr, der zusagte uns mitzunehmen, hat sich klammheimlich aus dem Staub gemacht,&#8221;<br \/>&#8220;Ach so ist das. Wartet ein wenig, ich halte nur kurz R\u00fccksprache mit dem Herrn dort dr\u00fcben.&#8221;<\/p>\n<p>Er verschwand in Richtung Aduana-B\u00fcro, wo sich laut Augustas ein Herr aufhielt, der scheinbar nach Argentinien fuhr. Wir beobachteten den Fahrer und den Soldaten und lauschten ein wenig deren Unterhaltung. Hoffnung machte sich in uns breit. Kurz darauf bat uns der Soldat um etwas Geduld, bis der Herr seinen Ausreiseprozess durchlaufen hatte. Ungeduldig warteten wir auf sein Auftauchen. <\/p>\n<p>Als er schlie\u00dflich zur Registrierung seines Gef\u00e4hrts \u00fcberging, tauchte ein anderes junges Paar auf. Waren die etwa auch per Anhalter unterwegs und w\u00fcrden uns nun unsere Mitfahrgelegenheit vor der Nase wegschnappen? Mein Herz pochte bis zum Hals und ich stellte mich n\u00e4her an den Fahrer heran, um in diesem Fall schnell reagieren zu k\u00f6nnen. Augustas kam hinterher und das Warten wurde unertr\u00e4glich f\u00fcr uns. Besonders dann, als das Paar noch n\u00e4her an den Fahrer heranr\u00fcckte. &#8216;So aber nicht!&#8217;, scho\u00df es mir durch den Kopf. Das Paar begann uns ein paar Fragen zu stellen und sich selbst und ihre Situation zu erkl\u00e4ren. Es waren Franzosen, die mit einer Kiste reisten, die der Busfahrer ablehnte zu transportieren. Nun suchten sie einen anderen Weg. F\u00fcr uns bedeutete ihre Situation Gefahr des Verlustes unserer potentiellen Mitfahrgelegenheit. Obwohl wir ihnen gerne geholfen h\u00e4tten, nach 8 Stunden Warten wollten wir einfach nur noch weg. Obwohl der Fahrer noch immer bei der Registrierstelle eingespannt war, konnte ich nicht mehr an mir halten und sprach ihn an. Nach ein paar Worten bat er uns um weitere 5 Minuten Geduld, die wir nun etwas gelassener annahmen. Schlie\u00dflich und letztendlich entschied er sich sehr wohl f\u00fcr uns, da ihn bereits der Soldat auf uns &#8220;Litauer&#8221; angesprochen hatte. Gl\u00fccklich \u00fcber die Hilfe des Soldaten, fanden wir uns gegen 19 Uhr endlich in einem Pick-Up wieder und brausten gen Argentinien.<\/p>\n<p>Lisandro war heilfroh uns aufgegabelt zu haben, denn nachts erschien die sonst hochinteressante Strecke zum Paso Jama reichlich langweilig. Bei der um die Zeit aufkommende M\u00fcdigkeit waren wir ihm der willkommene Kaffee, den er zum Durchhalten auf dieser Strecke ben\u00f6tigte. Lisandro war auf dem Weg nach San Fernando del Valle de Catamarca. Dort befindet sich ein Kupferbergwerk, dass er gew\u00f6hnlich einmal im Monat aufsucht. Als Biochemie-Ingenieur und nun Kommerzieller Teamleiter f\u00fcr GE Water and Process Technologies der GE BETZ Chile Ltda. (www.gewater.com) ist er in Projekte eingespannt, die in verschiedenen Bergwerken in Chile und Argentinien laufen. <\/p>\n<p>Eigentlich hatten wir Gl\u00fcck, dass wir an diesem Abend auf Lisandro trafen. Normalerweise, so meinte er, schl\u00e4ft er f\u00fcr eine Nacht in San Pedro de Atacama, bevor er zum Streckenmarathon nach San Fernando aufbricht. Doch irgend etwas sagte ihm an diesem Tag, dass er bereits in der Nacht losfahren sollte. War es die Begegnung mit uns, der er intuitiv gefolgt war?&nbsp; <\/p>\n<p>Der Weg war lang, aber keineswegs langweilig. Lisandro hatte viel zu erz\u00e4hlen und sein Wissen kombiniert<br \/>\n mit unserem ergab eine Gespr\u00e4chsatmosph\u00e4re, wie man es sich beim Trampen besonders nachts w\u00fcnscht. Es gab keinen Moment auf der zehnst\u00fcndigen Reise, bei dem uns das Reden zuviel wurde. Eins der Themen, die Augustas besonders bewegten, war die Funktionsweise der Bergwerke. W\u00e4hrend ich solche Orte bereits in meiner Kindheit ausgiebig kennengelernt habe, war es f\u00fcr Augustas als Litauer, wo es keine Berge gab, neu und interessant, das Leben und die Arbeit in einem Bergwerk zu inspizieren. Als Lisandro ernsthaft meinte, dass er uns problemlos in das gr\u00f6\u00dfte Kupferbergwerk der Welt, Chuquicamata, f\u00fcr einen Besuch hineinbringen konnte, fingen Augustas Augen an zu leuchten. Das w\u00fcrde die Erf\u00fcllung eines von Augustas gro\u00dfen Tr\u00e4umen bedeuten. Nur m\u00fc\u00dften wir daf\u00fcr eben zur\u00fcck nach Calama, Chile, reisen. Augustas schielte Zustimmung einheischend nach hinten zu mir auf die R\u00fcckbank. Mit einem L\u00e4cheln best\u00e4tigte ich meine Unterst\u00fctzung zur Erf\u00fcllung seines Traumes, stellte aber sogleich die Bedingung, \u00fcber Mendoza nach Chile zur\u00fcckzukehren und dann entlang der Panamericana zur\u00fcck in den Norden Chiles nach Calama zu reisen. Da es auch ein Bergwerk in der N\u00e4he von Copiapo gibt, wo wir einen litauischen Nachfahren besuchen wollen, w\u00fcrde sich der Besuch dort eher anbieten. &#8220;Allerdings&#8221;, meinte Lisandro, &#8220;w\u00e4re es dort nicht so einfach wie in Chuquicamata, eine F\u00fchrung zu organisieren.&#8221; Wir werden sehen.<\/p>\n<p>Kurz bevor wir zur Grenze, dem Paso Jama, kamen, bat ich bei n\u00e4chster Gelegenheit anzuhalten, denn meine Blase war am Platzen. Augustas war heilfroh, dass ich mich gemeldet hatte, denn auch er war an seine Grenzen der Zur\u00fcckhaltung gesto\u00dfen. Da wir gerade einmal zwei Stunden unterwegs waren, meinte Lisandro, &#8220;Ihr seid wie meine Kinder!&#8221; Wir l\u00e4chelten und erl\u00f6sten uns alsbald unserer Blasen\u00fcberladung im Minusgradkaltem Nirgendwo. Zur\u00fcck beim Einsteigen f\u00fcgte Lisandro grinsend hinzu, &#8220;Ganz sch\u00f6n frisch da drau\u00dfen, nicht wahr?&#8221; Mein Einsatz folgte, &#8220;Besonders f\u00fcr die Frauen!&#8221; Die Reaktion endete in schallendem Gel\u00e4chter, denn jedem Autoinsassen war sofort klar, was ich meinte.<\/p>\n<p>Wir \u00fcberquerten den Paso Jama und gingen ins Immigrationsb\u00fcro hinein. Im ersten Raum sahen wir zwei Herrn rechts von uns an Schreibtischen sitzen und vor sich hinqualmen. Das kurz darauf entdeckte Schild an der Wand &#8220;Rauchen verboten&#8221;, weihte uns in die argentinische Mentalit\u00e4t ein. <\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Raum sollten wir unsere Einreisestempel bekommen. Kaum eingetreten, sahen wir 5-6 Beamte, die sich alle vor dem im hintersten Zipfel des Raumes stehenden Fernseher gesellten. Fu\u00dfball war angesagt und nahm die Beamten emotional und physisch voll in Anspruch. Wir mu\u00dften laut auf uns aufmerksam machen, damit sie sich zumindest zu uns umdrehten. Selbst als sie unserer gewahr wurden, schienen sie zu z\u00f6gern, ob sie ihrer Arbeit nachgehen oder lieber weiter dem Fu\u00dfballspiel fr\u00f6hnen sollten. Zwei von ihnen nahmen sich schlie\u00dflich mit genervtem Gesichtsausdruck die Zeit, unsere Einreisestempel zu erteilen. Lisandro erledigte seine Papiere als erster, denn er mu\u00dfte auch noch sein Gef\u00e4hrt registrieren lassen. Mein Reisepass wurde elektronisch eingelesen und innerhalb von einer Minute hatte ich den Stempel im Pass. &#8220;Willkommen in Argentinien&#8221;, f\u00fcgte der Beamte hinzu. Augustas kam als n\u00e4chster und wie so h\u00e4ufig, war auch hier ein litauischer Reisepass eine Ausnahme. Beim Einlesen befand das elektronische Leseger\u00e4t, dass Augustas ein Visum ben\u00f6tige.<\/p>\n<p>&#8220;Sie brauchen ein Visum!&#8221;, meinte einer der zwei Beamten.<br \/>&#8220;Nein, ich brauche keins&#8221;, erkl\u00e4rte Augustas.<br \/>&#8220;Das System sagt mir, dass du ein Visa ben\u00f6tigst.&#8221;<br \/>&#8220;Das stimmt nicht. Ich brauche kein Visa. Ihr System ist nicht auf dem neuesten Stand. Pr\u00fcfen Sie das bitte noch einmal.&#8221;<\/p>\n<p>Der Beamte werkelte weiter mit Augustas Reisepass herum, doch jedes Mal, wenn er den in den Computer einlas, zeigte ihm das System &#8220;Visa notwendig&#8221; an. Er besprach sich mit seinem Kollegen und beide wiederholten mehrmals, dass Augustas ein Visa f\u00fcr die Einreise nach Argentinien ben\u00f6tige. Augustas beobachtete das Ganze und unterbrach,<\/p>\n<p>&#8220;Litauer brauchen kein Visum, das weiss ich sicher.&#8221;<br \/>&#8220;Die Dinge \u00e4ndern sich schnell. Es kann sein, dass gestern noch kein Visa notwendig war, aber heute ist es so. Wir vertrauen auf das System. Da es uns angibt, dass du ein Visum brauchst, kannst du eben nur mit Visum einreisen.&#8221;<br \/>&#8220;Haben Sie denn keine Listen, wo die Visabestimmungen aller L\u00e4nder aufgelistet sind?&#8221;, h\u00e4ngte ich mich dazwischen.<br \/>&#8220;Das System wird uns schon sagen, was Sache ist. Wir m\u00fcssen nur ein wenig warten. Wir haben gerade keine Verbindung zum Internet. Das kommt h\u00e4ufiger vor.&#8221;<br \/>&#8220;Besonders in dem Fall sollten Sie doch zumindest \u00fcber Listen in ausgedruckter Form verf\u00fcgen, wo die Visabestimmungen aller Welt aufgef\u00fchrt sind.&#8221;<\/p>\n<p>Die Beamten holten ein paar Listen heran, die bereits etwas \u00e4lter schienen. Sie bl\u00e4tterten hindurch.<\/p>\n<p>&#8220;Litauen ist nicht in der Liste. Wir k\u00f6nnen da nichts tun. Nach unserem Stand brauchst du ein Visa. Wenn sich die Verbindung heute nicht erneut herstellt, m\u00fcssen wir bis morgen fr\u00fch warten. Punkt.&#8221;<\/p>\n<p>Bis morgen fr\u00fch? So lange wollten wir auf keinen Fall warten. Nicht nur, weil wir mit Lisandro eine Fahrt direkt bis nach Salta gefunden hatten, sondern aufgrund der Tatsache, dass wir uns in Paso Jama auf 4.200m H\u00f6he \u00fcber dem Meeresspiegel befanden und es drau\u00dfen eisig kalt war. Augustas machte also einen Vorschlag.<\/p>\n<p>&#8220;H\u00f6ren Sie, ich wei\u00df 100%ig, dass ich kein Visa ben\u00f6tige. Wenn die Verbindung zusammengest\u00fcrzt ist, schreiben Sie sich meine Daten doch auf ein Papier und schauen sie morgen fr\u00fch im Internet nach.&#8221;<br \/>&#8220;Callate!&#8221;, entgegnete der Beamte w\u00fctend. (Callate bedeutet \u00fcbersetzt &#8220;Halt den Mund!&#8221;, doch ist mindestens drei Mal so unh\u00f6flich, als im Deutschen.)<\/p>\n<p>Jetzt sah ich rot. Was hatte der Beamte gesagt? Callate? Oh&#8230;!<\/p>\n<p>&#8220;Benehmen Sie sich gef\u00e4lligst und reden mit uns in einem ordentlichen Ton! Es kann nicht sein, dass sie uns derart respektlos begegnen!&#8221;, platzte es aus mir heraus. Das Wortgefecht ging nun zwischen dem Beamten und mir weiter. Allerdings erkannte er bald, dass er einen Fehler gemacht hat mit dieser Aussage. Er wurde kleinlaut und versuchte weiterhin, Augustas Reisepass in den Computer einzulesen. Wir wurden zum Warten in den ersten Raum gebeten. Kurze Zeit sp\u00e4ter tauchte ein Herr in gr\u00fcner Uniform auf, gefolgt von den zwei Beamten. Sie versammelten sich alle drei um einem im ersten Raum stehenden Computer und kontrollierten die Aussage des Systems. Der gr\u00fcn Uniformierte best\u00e4tigte, dass Augustas ein Visa ben\u00f6tigte. Gleichzeitig pr\u00fcften die Beamten, ob sie wieder Verbindung mit dem Internet hatten. Ein dicker Beamte im Jogginganzug, der bereits bei unserer Ankunft rauchend an einem Computer im ersten Raum sa\u00df, rief Google.com auf. Nach einigen Minuten fanden sie schlie\u00dflich eine Liste der Visabestimmungen. Die best\u00e4tigte, dass Litauer kein Visum f\u00fcr die Einreise nach Argentinien ben\u00f6tigen. Um es schwarz auf wei\u00df zu haben, lie\u00df sich der uns betreuende Beamte die Liste ausdrucken. Er rief au\u00dferdem beim Regionalchef von Jujuy an, um das OK f\u00fcr die Einreise von Augustas zu erhalten. Nachdem der Jujuy-Chef mit einem weiteren Beamten in Buenos Aires R\u00fccksprache gehalten hatte, erhielt unser Betreuer offiziell die Erlaubnis, Augustas einreisen zu lassen. Nun mu\u00dfte nur noch das System \u00fcberlistet werden, was nach weiteren zehn Minuten schlie\u00dflich klappte. Der Beamte schien gl\u00fccklich \u00fcber die L\u00f6sung dieses Falls und dr\u00fcckte mit h\u00f6chster Befriedigung den Stempel in Augustas Reisepass. Beim Herausgehen entschuldigte er sich dann noch einige Male, dass er so ausgeflippt war. Er meinte, &#8220;Wi\u00dft ihr, es passiert des \u00f6fteren, dass Leute bei uns um Einreise bitten, die offiziell ein Visum brauchen. Dann legen sie Geld auf dem Tisch und denken, sie kommen damit davon. Das war der Grund f\u00fcr mein Verhalten.&#8221; Er nahm gar meine H\u00e4nde und bat mich inst\u00e4ndig, ihm zu verzeihen. &#8220;Schon vergessen&#8221;, meinte ich daraufhin, was den Beamten zu einem \u00fcbergl\u00fccklichen L\u00e4cheln verh<br \/>\nalf.<\/p>\n<p>Bevor wir den Ort verlie\u00dfen, bat ich um eine Toilette. Unser Betreuer bat mich kurz um Geduld und verschwand im Aufenthaltsraum der Immigrationsbeamten. Seine Kollegen fingen an zu lachen. Warum nur? War es so au\u00dfergew\u00f6hnlich, mich auf Toilette gehen zu lassen? Kurz darauf kam er zur\u00fcck und bat mich ihm zu folgen. An der Toilette angekommen, bat er mich gemeinsam mit ihm einzutreten. Ich hatte bereits ein Fragezeichen im Gesicht, als er pl\u00f6tzlich die T\u00fcr schlo\u00df. &#8220;Schau!&#8221;, meinte er, &#8220;wenn du die T\u00fcre schlie\u00dft, dann hebe sie bitte an der Seite der Verankerung ein bischen an und schiebe sie nach vorne.&#8221; Die T\u00fcr war perfekt geschlossen. Ich grinste. Ich dankte dem Beamten, woraufhin er verschwand und ich das N\u00f6tige erledigen konnte. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend des langatmigen Einreiseprozesses wurde Lisandro gebeten, einen Herrn bis hinunter zum n\u00e4chsten Dorf mitzunehmen. Der \u00fcberern\u00e4hrte Mann, der im ersten Raum schw\u00e4chlich auf der Bank sa\u00df, litt an H\u00f6henkrankheit. In diesem Fall mu\u00df sofort gehandelt werden und da wir noch einen Platz frei hatten, kam er mit uns mit. Wir waren gerade im Herausgehen, da meinte Augustas, &#8220;Ist das nicht der Italiener, der uns in San Pedro hat sitzen lassen?&#8221; Jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Nat\u00fcrlich! Ich erkannte ihn und konnte es nicht glauben. Erst ist er klammheimlich ohne uns abgezogen und jetzt war er es, der auf eine Mitfahrgelegenheit warten mu\u00dfte. Was f\u00fcr ein Schicksalsschlag! Eigentlich war der Herr Argentinier, aber irgend etwas hatte mich in San Pedro dazu verleitet, ihn als Italiener zu bezeichnen. <\/p>\n<p>Wir arrangierten uns fein im Auto und fuhren die 130km bis zu einem Motel. Der Herr stieg aus und wir versuchten das Auto aufzutanken. An der Tankstelle, die laut Hinweis 24 Stunden am Tag in Betrieb ist, hing die Nachricht, dass das Benzin ausgegangen war. Lisandro hatte vorgesorgt. Er holte den Benzinkanister von der Ladefl\u00e4che und f\u00fcllte per Hand die notwendige Energie in sein W\u00e4gelchen. In der Zeit kam der Italiener zur\u00fcck und erkl\u00e4rte, dass das Motel geschlossen w\u00e4re. Er kam also weitere 30km mit, wo wir ihn in einem etwas gr\u00d6\u00dferem Ort herauslie\u00dfen. Kaum war er ausgestiegen, erkl\u00e4rten wir Lisandro, dass dies der Herr war, der uns versprochen hatte, von San Pedro de Atacama bis Salta mitzunehmen. Lisandro lachte. &#8220;Das Schicksal scheint ihm heute eine Lektion erteilt zu haben&#8221;, f\u00fcgte Augustas hinzu. Wir lachten und freuten uns dar\u00fcber, dass der Italiener uns im Stich gelassen hatte. Es zeigt sich doch immer wieder, dass wir nur auf den richtigen Fahrer warten mu\u00dften. Unsere vorher gehegten Gedanken, den Tag mit Warten vergeudet zu haben, begruben wir sp\u00e4testens jetzt.<\/p>\n<p>Ohne Argentinische Pesos in der Tasche, hie\u00df es m\u00f6glichst noch auf dem Weg nach Salta einen Geldautomaten ausfindig zu machen. In Tres Marias, ein kleines verschlafenes \u00d6rtchen mit herrlich alten Geb\u00e4uden im italienisch-franz\u00f6sischem Stil, suchten wir unseren Weg bis zum Zentralpark, wo es einen Geldautomaten geben sollte. Noch im Schw\u00e4rmen \u00fcber diesen Ort, hielten wir direkt vor dem Eingang zum Geldautomaten. Was wir dort sahen, lie\u00df uns allerdings von unserem Vorhaben ablassen. Im Inneren der Geldautomatenstation lagen drei Reisende krumm wie W\u00fcrmer in ihre Schlafs\u00e4cke eingewickelt und waren tief und fest in ihren Tr\u00e4umen versunken. Bei der K\u00e4lte und dem eisigen Nachtwind war ihnen das nicht zu ver\u00fcbeln. Wir hielten uns die B\u00e4uche vor Lachen \u00fcber diesen Anblick und brausten davon.<\/p>\n<p>In San Salvador de Jujuy hielten wir an einer Tankstelle. Als wir eintraten, f\u00fchlten wir uns wie zu Hause in Europa. Eine Tankstelle mit einladenden Toiletten, Regalen voller Leckereien, hei\u00dfen Getr\u00e4nken, Speisen, zahlreichen Tischen und St\u00fchlen, angenehmer Musik und einem Wohlf\u00fchlambiente, wir wir es lange nicht mehr erlebt haben. Wir seufzten seelig. Da wir noch immer keine Argentinischen Pesos besa\u00dfen, lud uns Lisandro zu einem Tee ein. Er h\u00e4tte uns gerne zu einem Sandwich eingeladen. Das Problem war, dass hier jegliche Sandwiches mit Fleisch oder Schinken belegt waren. Obendrauf gab es noch ein St\u00fcck K\u00e4se. Wir begn\u00fcgten uns also mit unserem Tee, der unsere \u00fcber Hand nehmende M\u00fcdigkeit um halb Drei morgens wegblie\u00df. Hinzu gab es noch einem M\u00fcsliriegel.<\/p>\n<p>Gest\u00e4rkt und wach setzten wir den Weg nach Salta fort. Leider gestaltete sich das am Anfang nicht so einfach, da es zwei Wege nach Salta gab. Einer von ihnen war klar ausgeschildert, doch Lisandro bestand darauf, dass dies nicht der richtige war. Nachdem wir drei mal im Kreis gefahren waren, sozusagen rauf auf die Autobahn, runter von der Autobahn, und wieder rauf, fand er endlich die richtige Abzweigung. F\u00fcr uns schien es anfangs der falsche Weg, da Salta in keinster Weise als Reiseziel angek\u00fcndigt wurde, aber Lisandro fuhr den Weg schlie\u00dflich nicht zum ersten Mal. Nach einer Weile tauchte Salta auf den Schildern auf und wir sahen unserer Ankunft mit Gelassenheit entgegen.<\/p>\n<p>Um 4:30 Uhr erreichten wir endlich Salta. Lisandro brachte uns zu einer Tankstelle, an der Augustas Geld abheben konnte und fragte uns schlie\u00dflich, wo wir herausgelassen werden wollten. &#8220;Im Zentrum&#8221;, platzte es aus mir heraus, ohne zu realisieren, dass es noch immer mitten in der Nacht war und die Gesch\u00e4fte mit Sicherheit noch lange auf ihre \u00d6ffnung warten lie\u00dfen. &#8220;Im Busbahnhof&#8221;, reagierte Augustas schnell. Der lag keine 20 Meter von der Tankstelle entfernt. <\/p>\n<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 210px;\">\n<a href=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/argentina\/salta\/IMG_1271.JPG\" title=\"look over Salta town\" class=\"shutterset_\"><img src=\"https:\/\/followtheroad.com\/de\/photos\/2008\/argentina\/salta\/cache\/IMG_1271.JPG-nggid043735-ngg0dyn-200x0x100-00f0w010c010r110f110r010t010.JPG\" alt=\"look over Salta town\" title=\"look over Salta town\" \/><\/a>\t\n<p class=\"wp-caption-text\">look over Salta town<\/p><\/div>\n\n<p>Der Abschied war herzlich. Lisandro meinte noch, &#8220;Ruft mich an, sobald ihr zur\u00fcck in Chile seid, damit ich euch einen Besuch in einem unserer Bergwerke organisieren kann.&#8221; Nachdem er uns seine Visitenkarte in die Hand gedr\u00fcckt hatte, trennten sich unsere Wege und wir liefen zur Oase namens Busbahnhof.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leise schlichen wir uns Donnerstagmorgen von Juans Ranch. Jack schlief scheinbar noch und erm\u00f6glichte es uns auf diese Weise, ungest\u00f6rt unseren Campingplatz zu verlassen. Voll beladen erreichten wir Stephanies Haus nach einer knappen Dreiviertelstunde. Die stolperte v\u00f6llig verschlafen gleich barfu\u00df in der eisigen Morgenk\u00e4lte zum Tor, um uns hineinzulassen und gleich darauf wieder im warmen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"enabled":false},"version":2}},"categories":[53],"tags":[],"class_list":["post-301","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-argentina"],"aioseo_notices":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/301","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=301"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/301\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=301"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=301"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/followtheroad.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=301"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}