Wie wir uns in Malaysia verliebten

Juli 4, 2010  
Themen: Indien, Malaysia

Unsere letzten Tage in Varkala waren herrlich intensiv. Wir verteilten unser Hab und Gut zu unseren Nachbarn, dessen Söhne Roshmin und Robin – nach etlichen Entdeckungsstreifzügen durch unsere Gemächer und Besitztümer – mehrere Male vollgepackt davonstampften. Einige Stühle brachten wir zu unserer geliebten Kokosnuss-Dame und die eher kreativen Übrigbleibsel hinterließen wir Faiths Skylark Hostal.

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Unser Übergang von Indien nach Malaysia verlief reibungslos. Müde und glücklich kamen wir (ausgerechnet ;)) im indischen Bezirk von Kuala Lumpur an, wo wir bei drei liebenswerten Mädels übernachteten. Die zwei Litauerinnen gaben uns das Gefühl, zu Hause in Litauen zu sein, dem Land unserer Herzen. Kuala Lumpur ist ein Shopping-Paradies mit enormen Verkehrsaufkommen und immenser Luftverschmutzung – ein gewaltiger Unterschied zum kleinen Varkala mit seinen hupenden Rickshaws.

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Having lunch in Chinese restaurant in Tanah Rata (Cameron Highlands)

Tanah Rata, eine Kleinstadt in den Cameron Highlands (Cameron Hochland) auf 1.500m Höhe, schien uns gelegen für unsere Idee seit Indien, eine Wohnung in einer grünen Gegend zu finden. Obendrein waren die Temperaturen herrlich angenehm. Nach unserer Ankunft in Tanah Rata trampten wir ein wenig, um Kontakte mit Einheimischen herzustellen. Viele Fahrer hielten, riefen ihre Freunde im Ort an, um sie um Hilfe in dieser Sache zu bitten, und hinterließen uns mit ein paar Telefonnummern von potentiellen Vermietern. Eine junge Frau, Ting, suchte uns sogar auf, um uns weiterzuhelfen, ohne darum gebeten worden zu sein.

Wir hielten die Suche für eine knappe Stunde aufrecht und entschieden dann der Müdigkeit halber, für den ersten Tag in Tanah Rata lieber in einer bezahlten Unterkunft zu übernachten. Leider stellte sich nach zwei Stunden umherlaufen und an die Tür von Hostels klopfen heraus, dass Tanah Rata an Samstag Abenden völlig ausgebucht ist. Alles was uns hinsichtlich unseres Budgets übrig blieb war eine klitzekleine “Schachtel”, die unter einem diagonalem Dach lag und in der nicht viel mehr als eine Doppelbettmatraze Platz fand. Immerhin, ein Dach über den Kopf hatten wir jetzt. Zwei Tage später wechselten wir in eines der nebenan liegenden “Schachtel”, das in Größe nicht bestach, jedoch ein herrliches Fenster und gar ein einladendes Fensterbrett hatte.

Auf der Suche nach einer Mietwohnung besuchten wir alle umliegenden Dörfer und Kleinstädte in den Cameron Highlands. Es stand uns eine große Auswahl an Mietwohnungen zur Verfügung, dessen Preise (zw. 800-1000 Ringitt (€ 200-300)) unser Budget oft um das doppelte oder dreifache überstiegen. Wir entschieden uns schließlich fürs Weiterziehen, denn nicht weit von den Cameron Highlands gab es eine Stadt, die uns wirklich neugierig machte: Taiping – die Stadt des Friedens.

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Fighting for the place in Taiping bus station

Taiping war Liebe auf den ersten Blick. Es hat die richtige Größe, ist umgeben von überwältigender Natur, erweist sich des nachts kühl wegen der täglichen, nachmittäglichen Regenfälle, ist in alle Richtungen zu Fuß erreichbar, und ist voll gefüllt mit herzlichen und außerordentlich hilfsbereiten Menschen. Etliche Personen unterstützten unsere Suche nach einer Mietwohnung. Wir sahen verschiedene Wohnungen, eine von ihnen lag sogar direkt am Lake Garden, einem fabulösen, harmonischen Park voller Seen, Bäume, Wiesen, Blumen und sogar Pavillons. Leider war die Vermieterin mit unserer Idee, in der Küche der Wohnung zu kochen, nicht einverstanden. Es stellte sich uns in dem Moment allerdings die ernste Frage, welchen Nutzen eine Küche sonst hätte, wenn nicht zur Zubereitung von Mahlzeiten.

Und da waren wir, noch immer gebettet in unserem komfortablen Gästehaus einer chinesischen Organisation, ohne jedoch zu wissen, wie es weitergehen sollte. Es war bereits Samstag und die Wohnungsangebote in Taiping blieben mitterweile aus. Wir hatten jedoch den Vorschlag erhalten, zwei Zimmer mit geteilter Küchennutzung in einem 4-Personen-Haushalt in der nahegelegenen Stadt Ipoh zu mieten. Obwohl wir Taiping ungern verlassen wollten, entschieden wir uns, diesem Angebot vorerst zu folgen. Wir versuchten also in der Zeit einer Nacht über CouchSurfing Kontakte in Ipoh herzustellen, um einerseits weitere Mietobjekte in Ipoh anzusehen und um einen Platz zum Schlafen zu haben, sollten die Zimmer nicht unserer Vorstellung entsprechen. Wir kündigten uns für Sonntag an.

Einige Stunden später rief uns Junice mit einer Fülle von Hilfsangeboten an, die uns regelrecht überwältigten. Sie schlug uns unter anderem vor, das Haus eines guten Freundes anzusehen, wofür sie uns Sonntag Mittag am alten Busbahnhof von Ipoh abholen würde. Und so geschah es. Wir sahen uns das Haus vorerst von außen an, da ihr Freund erst später Zeit hatte, uns das Innere zu zeigen. Mir reichte der Anblick von außen völlig und ich begann vor mich hinzubeten, “Das will ich!” Das Haus befand sich 10km von Ipoh entfernt, in Bercham, hatte jedoch alles, was unser Herz begehrt – tausend kleine Läden und umgeben von viel Natur. Einzig die Transportsituation ließ uns ein wenig zögern, denn zur nächsten Bushaltestelle war es eine halbe Stunde Fußweg.

Wir hielten zum Mittagessen an einem chinesischen vegeatarischen Restaurant. Junice bot uns an, die Dame anzurufen, die uns das Angebot mit den zwei Zimmer gemacht hatte, um herauszufinden, wo dieses Haus lag. Überraschenderweise stellte sich heraus, dass das Haus jener Dame nur ein paar Straßen entfernt von Junice Freund´s Haus lag. Es war eindeutig, dass wir in dem Fall lieber unser eigenen Haus anmieten würden, besonders da der Preis der gleiche zu sein schien, wie für die beiden Zimmer. Einige Stunden später ließ uns Mr. Lee schließlich ins Haus hineinschauen. Drinnen eröffnete sich uns ein geräumiges Haus mit vier separaten Zimmern, einem Wohnzimmer, einem Esszimmer, einer Küche und drei Bädern. Obwohl das Haus im Grunde genommen leer stand, war für uns klar – hier werden wir bleiben! Und das für 350 Malaysian Ringitt (95 Euro) monatlich inklusive Wasser und Strom für zwei Monate.

Wir arrangierten alles mit Mr. Lim, das Kochgas wurde innerhalb von 15 Minuten nach Anruf geliefert – an einem Sonntag! und Junice brachte uns zu einem großen Supermarkt, wo wir einkaufen konnten, was wir für unseren Anfang im Haus benötigten. Wir investierten sogleich in einen Wasserfilter, denn das Leitungswasser war von geringer Qualität.

Am Montag kam Junice erneut vorbei und brachte ein paar Hocker, einen Tisch, zwei Kopfkissen und ein Bettlaken, einen einflammigen Gasherd, einen Wok, ein paar Verlängerungskabel und eine aktuelle englischsprachige Tageszeitung, die Mr. Lim uns dem Interesse halber übersand.

Junice brachte uns anschließend nach Ipoh, wo wir uns nach Fahrrädern umschauten, die wir in unserem Bezirk brauchten, wollten wir nicht den ganzen Tag mit hin- und herlaufen verbringen. Da Augustas an diesem Tag Geburtstag hatte, lud er Junice auf ein Törtchen ein, welches sich später magischer Weise in eine Packung Eiscreme vom Supermarkt verwandelte. Der Grund dafür war Andrej, ein litauischer Tramper, der auf seiner Weltreise einen Abstecher nach Ipoh machte, um uns zu besuchen. Wir trafen ihn schließlich am gleichen Supermarkt, wo wir den Tag zuvor unsere Einkäufe erledigt hatten. Nach einer Runde leckerer Eiscreme ging es schließlich nach Hause, wo wir “Litauer” den Rest des Tages unser neues malaysisches Haus genossen.

Wenn wir es genau nehmen, wechselten wir also innerhalb von 12 Tagen das Land und viermal den Ort und fanden schließlich innerhalb von ein paar Stunden unser Traumhaus in Ipoh, obwohl wir am Morgen noch nicht einmal wussten, wo wir die Nacht verbringen würden. Obendrein bekamen wir innerhalb der ersten 24 Stunden in unserem Haus gleich heimischen Besuch. Das ist, einfach gesagt, sensationell. Wir sind Junice für all ihre Hilfe äußerst dankbar und sind von den liebenswürdigen Gesten gerührt, die Junice und Mr. Lim uns zuteil werden ließen. Das Leben ist wunderschön – wie immer ;D

Kommentare

  1. Stephanie sagt:

    …kaum zu glauben, dass Ihr jetzt tatsächlich sesshaft werdet 🙂
    Ich freue mich wirklich sehr für Euch! Darius und Fiona erzählen noch oft von unserem Treffen am “Kulki”.

    Bei uns läuft das Leben nach wie vor in geregelten Bahnen. Darius erstes Schuljahr liegt hinter uns, er macht sich wirklich gut und er hat Spaß am Lernen :)Fiona geht nach wie vor in den Kindergarten, leider wird sie in Zukunft ihre beste Freundin schmerzlich vermissen, weil diese ab sofort die Schule besuchen wird.
    Stefan fängt im Herbst ein Studium an. Technische Redaktion und E-lerning-Systeme nennt sich der Studiengang und er freut sich schon ganz irre drauf 🙂 Naja und einer muß ja die Familie bei Laune halten und das tue ich, indem ich meiner geregelten Arbeit nachgehe. Irgendwann wird sich auch da die Möglichkeit geben irgendwo in der Welt (wahrscheinlich in Peru) Menschen zu helfen. Meine Chefin hat dort schon einmal gearbeitet. Wenn es sich organisieren lässt, werde ich sicher an so einem Projekt, in so vielleicht 3 Jahren beteiligt sein :).
    Dann lasst es Euch gut gehen!
    Bis bald Stephanie