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	<title>Unterwegs leben &#187; Mexiko</title>
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		<title>Mitten im Wald ohne zentralen Wasseranschluß (November 15 &#8211; 24)</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Mar 2007 22:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katja &#38; Augustas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mexiko]]></category>

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		<description><![CDATA[Sylvia war so lieb, uns bis zu einer günstigen Tramperstelle außerhalb von Cuernavaca zu bringen. Dort versuchten wir zu trampen, da uns aber der Regen mächtig erwischte, mußten wir uns eine Weile in einem Blumenladen unterstellen. Die Leute ringsumher schauten uns komisch an. Wir gaben wohl ein außergewöhnliches Bild ab. Irgendwie schafften wir es bis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sylvia war so lieb, uns bis zu einer günstigen Tramperstelle außerhalb von Cuernavaca zu bringen. Dort versuchten wir zu trampen, da uns aber der Regen mächtig erwischte, mußten wir uns eine Weile in einem Blumenladen unterstellen. Die Leute ringsumher schauten uns komisch an. Wir gaben wohl ein außergewöhnliches Bild ab. Irgendwie schafften wir es bis Huitzilac, wo auch schon William im Auto auf uns wartete. Wir stiegen ein und er fuhr die paar Meter steilster, mit runden Steinen gepflasterten Straße hinauf zu seinem Haus. Gut, dass wir nicht mit den Rucksäcken da hochlaufen mussten.</p>
<p>Huitzilac liegt mitten im Wald und ist doch nur zwanzig Minuten von Cuernavaca entfernt. Die ganze Gegend strahlte mit grünen Nadelbäumen und Einfamilienhäusern, die alle einen weitläufigen Garten haben. In diesen Gärten blühten die Blumen gerade auf, deren Düfte die Luft erfüllten.</p>
<p>Am Haus angekommen begrüssten uns die zwei Hunde von William und Isabel mit grimmigen Gebell. Erst nachdem William uns vorsichtig an die Hunde herangeführt hatte, ihnen erklärte, dass wir völlig in Ordnung seien und von nun an unter die Sparte Freunde zählten, beruhigten sie sich wieder. Obwohl uns Alfie, eine deutsche Schäferhündin, niemals komplett über den Weg traute. Das lag leider daran, dass sie als Baby schrecklich misshandelt worden war.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 110px;">
<a href="http://followtheroad.com/de/photos/2006/2006_mexico/cuernavaca/24160025.JPG" title="" class="shutterset_"><img src="http://followtheroad.com/de/index.php?callback=image&amp;pid=711&amp;width=100&amp;height=0&amp;mode=" alt="" title="" /></a>	
</div>

<p>Williams und Isabels Haus war großartig. Einstöckig und reichlich groß, mit einer gelben Fassade, strahlte es in der Gesellschaft der vielen Nadelbäume. Dazu war das Haus von einem herrlichen Garten umgeben, der nicht nur für die Hunde ein Platz zum Tummeln war. Der Garten war so groß, dass Isabel gar eine Gartenhilfe angestellt hatte, die einmal die Woche zur Pflege kam. Es gab sogar einen Springbrungen, der allerdings noch nicht wieder in Betrieb genommen wurde. Stattdessen rekelte sich Phoebe (sprich: Fibi), der schwarze Dobermanmischling Williams mit Genuß in dem orangefarbenen Becken. Im Inneren des Hauses, dass durch zwei verschiedene Türen begehbar war, erwartete uns zu allererst ein schöner Eßsaal. Gemütlich und einladend standen Tisch und Stühle direkt neben uns, als wir die ersten Schritte ins Haus wagten. Zur Linken des Eßsaals fand sich eine attraktive Küche, die es mir in Bezug auf Kochen gleich in den Fingern kribbeln ließ. Die Küche hatte alles, was sich ein Koch nur wünschen kann. Zusätzlich hatte die Küche einen Abstellraum, der mittels einer Wand von dem Küchenabteil getrennt war. Dahinter stappelten sich die leckersten Lebensmittel. An die Küche schloss sich ein Gästezimmer an, das wir fortan besetzten. Danach kam die hauseigene Bibliothek, eine fein sortierte Sammlung von Isabels und Williams literarischen Werken. Den Schluß auf unserer Seite des Hauses bildete ein Bad mit Dusche. Alles in allem hatten wir also eine kleine Wohnung zur Verfügung gestellt bekommen. Im Gästezimmer befanden sich zudem zwei Computer mit Internetanschluß, die wir ungehindert nutzen konnten. Auf der anderen Seite des Eßzimmers lag das Wohnzimmer, das über einen herrlichen, funktionstüchtigen Kamin verfügte. Dem Wohnzimmer schloss sich das Schlafzimmer der Hausbesitzer an, indem sich ein weiteres Bad befand. Ein an das Schlafzimmer angeschlossener Abstellraum diente Isabel und William ihre Anziehsachen und Gerümpel zu stapeln. Um in den angrenzenden Waschmaschinenraum zu gelangen, musste man allerdings erst aus dem Haus hinaus. Im Garten befand sich eine Art Werkstätte, die William belegt hatte. Da es sein Hobby war, den Zustand des Hauses zu verbessern oder zu verändern, und er auch sonst liebend gern an Neuerfindungen bastelte, gehörte dieser Raum, der vollgestopft mit den verschiedensten Baumaterialien und Elektronikzubehör glänzte, einzig und allein ihm. Im Gegenzug dazu erhielt Isabel die Küche, denn sie kochte für ihr Leben gern, was sie uns während unserer Anwesenheit ausreichend bewieß.</p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 110px;">
<a href="http://followtheroad.com/de/photos/2006/2006_mexico/cuernavaca/24170006.JPG" title="" class="shutterset_"><img src="http://followtheroad.com/de/index.php?callback=image&amp;pid=712&amp;width=100&amp;height=0&amp;mode=" alt="" title="" /></a>	
</div>

<p>Isabel und William lebten sehr umweltbewußt. Wasser wurde nicht verschwendet. Das Haus war an kein bestehendes Wassernetz angeschlossen. Sie hatten eine Vorrichtung auf dem Dach, die das Regenwasser sammelte und in großen Wassercontainern aufbewahrte. Zum Wäsche waschen wurde nur ökologisch abbaubares Waschpulver verwendet. Nach dem Waschen der Anziehsachen, wurde das Schmutzwasser vor dem Waschmaschinenraum in großen Plastikbehältern aufgefangen. Dieses Wasser wurde vor allem für die Toiletten benutzt. In den Bädern standen immer zwei bis drei Eimer herum, die draußen vor dem Waschmaschinenraum aufgefüllt werden mussten. Es gab bezüglich der Toiletten auch eine eiserne Regel: &#8220;Is it yellow, let it mellow. Is it brown, flush it down!&#8221; (Ist es gelb, lass es reifen (stehen). Ist es braun, spüle es hinunter.) Und daran hielten wir uns. Wir verstanden gut, dass es wirklich nahezu unnütz war, bei kleinen Geschäften Wasser hinterher zu kippen. Um zum Beispiel Gäste nicht zum Ekel zu treiben, wurde während Feiern in die Toiletten eine blaue Flüssigkeit gegossen. So nahm der WC-Benutzer an, dass sich kein Urin in der Toilette befand und vergaß jegliche Ekelgedanken. Auch beim Duschen galt es das Wasser aufzufangen. Geduscht wurde mit Regenwasser, dass einmal täglich, früh morgens, mittels eines Gasofens aufgeheizt wurde. Beim Abwaschen wurde das Wasser nicht laufen gelassen, sondern das Geschirr nur nass gespritzt, dann mit dem Schwamm gereinigt und schließlich unter einem geringen Wasserstrahl abgewaschen. Der Sauberkeit tat diese wassersparende Anwendung nichts an.</p>
<p>Nach dem warmen Klima in Cuernavaca waren wir nicht auf die Kälte vorbereitet, mit der uns Huitzilac begrüßte. Die Räume waren eiskalt, so dass selbst William und Isabel, die an das Klima gewohnt waren, mit Mütze und Handschuhen herumliefen. Wir packten uns in alle Sachen ein, die wir besaßen, und wollten nach einer Nacht im warmen Federbett nicht gern wieder hinauskriechen. Dieser Klimaumschwung haute uns im wahrsten Sinne des Wortes um. Ich bekam eine heftige Erkältung und auch Augustas fühlte sich wie vor den Kopf gestoßen. Isabel kam uns sofort zur Hilfe und holte ihr Erste-Hilfe-Homeopathiekästchen heraus. Sie versorgte mich mit ein paar Tropfen, worauf ich mich nur noch ein wenig gedulden musste und schon wäre der Schnupfen wieder weg. Nach drei Tagen war ich auch wieder auf den Beinen. Hatte also gar nicht so lange gedauert. Halber Beinbruch, sozusagen. Doch die Kälte wich nicht aus dem Haus, so dass William zusammen mit Augustas und Isabels Neffen den größeren Heizofen ins Haus hieften, damit wir die Temperaturen zumindest ein wenig über die Nullgrenze bringen konnten. Einige Male, zumindest in den ersten Tagen des &#8220;An-die-Kälte-Gewöhnens&#8221;, weigerte ich mich des Öfteren eine Dusche zu nehmen, da das Entkleiden wirklich zur Qual wurde. </p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 110px;">
<a href="http://followtheroad.com/de/photos/2006/2006_mexico/cuernavaca/24160024.JPG" title="Mounting antennas for William's amateur radio" class="shutterset_"><img src="http://followtheroad.com/de/index.php?callback=image&amp;pid=710&amp;width=100&amp;height=0&amp;mode=" alt="Mounting antennas for William's amateur radio" title="Mounting antennas for William's amateur radio" /></a>	
<p class="wp-caption-text">Mounting antennas for William's amateur radio</p></div>

<p>William, gebürtiger Amerikaner aus den USA, liebt die Natur und harte Arbeit und verbringt deswegen die meiste Zeit des Tages an der frischen Luft. Er war ein Mann der Tat, nicht des Wortes und so fielen die Gespräche mit ihm zwar interessant, aber durch ihre Kürze etwas karg aus. William bastelt viel am Haus herum, führt Verbesserungen im Garten aus und widmet einige Zeit seinem Radio. Er besaß die Lizenz ein Funkradio in Betrieb zu nehmen. Dies hatte er bereits in den USA auf seinem anderen Grundstück mit Vorliebe ausgeübt. Da er bis dato noch keine ordentliche Antenne dafür hatte, bat er Augustas beim Installieren der Neuen auf dem Dach. Das war ein ganz schöner Apparat und wenig mit einer Fernsehantenne zu vergleichen. Im Schlafzimmer wie auch in der Garage hatte er also ein Funkgerät stehen, mit dem er vor allem Morsezeichen aussendete und empfing. Das Morsealphabet kannte er aus dem &#8220;FF&#8221;. William meinte, dass er durch das Funken schon viele Menschen kennengelernt hat, vor allem Leute, die sich auf ihrem Segelboot durch die Welt bewegten. Und gerade diese Kontakte suchte er<br />
auch, denn es war einer seiner Träume, die Welt mit einem Segelboot zu umrunden.</p>
<p>Isabel war ein wahrer Wirbelwind, aber mit einer inneren Ruhe ausgestattet, dass sich trotz der vielen Wuseleien Entspannung über den Anwesenden ausbreitete. Isabel war mit Leib und Seele Mexikanerin. Sie hatte William vor einigen Jahren in Cuernavaca kennengelernt. William wollte die Stadt damals kennenlernen und durch irgendeine Freundin traf er Isabel, die ihn durch Cuernavaca führte. Isabel, wie auch William, befanden sich bereits im Ruhestand. Sie hatte etliche Jahre als Kundenberater im Flugbüro der Mexicana, einer mexikanischen Fluglinie, gearbeitet. Sie liebte es durch die Welt zu reisen, was ihr die Arbeit bei Mexicana ausreichend ermöglicht hatte. Dadurch kannte Isabel mittlerweile nicht nur fast die ganze Welt, sondern hatte auch in jeder Ecke dieser Erdkugel Freunde. Isabel war ein wahres Organisationstalent, die für die Mexicana Mitarbeiter über Jahre hinweg Wettläufe in den verschiedensten Erdteilen arrangiert hat. Und sie war noch immer bei der Sache, denn sie bat Augustas inständig, ihr eine Website für die Wettläufe zu erstellen. Das tat Augustas selbstverständlich gern. Isabel war eines von glaube ich acht Kindern und war mittlerweile mehrfache Tante und sogar bereits Großtante. Sie liebte Kinder über alles und kümmerte sich rührend um ihre Neffen und Nichten, die sich gerne bei ihr zu Hause verkrochen. Sie gab ihnen die Aufmerksamkeit, die sie dringend brauchten, aber aufgrund der berufstätigen Eltern nicht bekamen. Isabel war also auch eine Art Seelsorgerin und Ersatzmutter. Da sie vor dem Aufeinandertreffen mit William noch nie verheiratet war, geschweige denn in einer festen Beziehung gelebt hatte, ermahnte ihre Mutter sie immer wieder, dass ihr im Leben noch eine reiche Erfahrung fehlte. Isabel empfand das nicht so und gurkte weiterhin allein durch die Welt. Irgendwann berherzigte Isabel den Rat ihrer Mutter, denn sie fühlte sich an einem Punkt in ihrem Leben angekommen, wo sie bereit für eine feste Partnerschaft war. Und wer hätte es gedacht, gerade in diesem Moment trat William in ihr Leben und so wendete sich das Blatt. Die Beiden lebten bereits seit einigen Jahren zusammen, bis sie sich ein Jahr zuvor entschieden hatten, endlich den Bund der Ehe einzugehen. Isabel kostete diese neue Erfahrung zur Genüge aus. Sie liebte es für William zu kochen und schwirrte ständig fröhlich vor sich hinträllernd mit den extravagantesten Kochideen durch die Küchenlandschaft.</p>
<p>Alfie und Phoebe waren wundervolle Hunde. Alfie war allerdings extrem scheu. Sie traute sich nur näher an uns heran, wenn wir sie nicht beachteten. Phoebe war das ganze Gegenteil. Ob ich gerade meine Gymnastikübungen im Garten ausübte, Wäsche aufhing oder einfach nur auf der Terrasse saß, Phoebe kam immer angeschlichen, legte sich auf meine Füße und beherrschte die Situation. Entwischen hatte gar keinen Zweck, denn Phoebe kam immer hinter mir hergelaufen und fiel auf meinen Füßen ruckartig in sich zusammen, sobald ich zum Stillstand kam. Und das innerhalb von einer Sekunde.</p>
<p>Mittwochs war Isabels und Williams besonderer Tag. An diesem Tag legten beide ihre Arbeit im und am Haus nieder, putzten sich heraus und gingen ins Kino. Nach dem Kino speisten sie immer in einem Restaurant und entspannten sich mit Spaziergängen durch Cuernavaca. Ich fand es toll, dass sie sich dafür einen bestimmten Tag festgelegt hatten und ihre gemeinsamen Vergnügungsstunden nicht dem Zufall überließen.</p>
<p>Da die Beiden wegen ihrer regelmäßigen Kinobesuche bezüglich der Veranstaltungen auf dem Laufenden waren, erfuhren wir von einem internationalem Filmfest, was zur Zeit unseres Aufenthaltes in Cuernavaca stattfand. Da lief unter anderem ein litauischer Film und das Mitten in Mexiko. Wer hätte das gedacht! Wir gingen natürlich hin und da ich vorwiegend nur Bahnhof verstand, übersetzte mir Augustas leise flüsternd den ganzen Film.</p>
<p>Da Isabel von unseren Afrikareisen und unserer Liebe zu diesem Kontinent erfahren hatte, lud sie uns eines Sonntag vormittags zu einem Kirchgang ein. Dort würden wir auf Susan treffen, die ursprünglich aus Kenia stammt. Die Kirche wurde fast ausschließlich von Ausländern besucht; die meisten davon lebten in und um Cuernavaca. Die Gemeinde war klein und jeder kannte jeden. Während Isabel und William sich in der ersten Reihe postierten, verkrochen wir uns lieber in die hinterste. Wir waren Kirchgänge nicht gewohnt und zogen es vor, die ganze Messe von hinten zu beobachten. Als Susan dann, verspätet, in die Kirche eintrat, hellten sich unsere Gesichter auf. Afrika! Das war es, was Susan mit ihrer Graziösität verkörperte. Unsere Augen blitzten auf. Wir konnten das Ende der Messe kaum abwarten. Dann war es endlich soweit. Alle Anwesenden wurden für Kaffee und Kuchen in einen Gemeinderaum geführt und konnten sich dort ausgiebig miteinander unterhalten. Dabei wurden wir von einem Herrn in Beschlag genommen. Das passte uns gar nicht so recht, denn wir wollten viel lieber mit Susan die Zeit verbringen. Leider war dieser Kaffeeklatsch viel zu schnell um. Wir erfuhren nur soviel, dass Susan eine Blumenfarm hatte und mit einem Deutschen verheiratet ist, den sie in Kenia kennengelernt hatte. Ihr Ehemann war nämlich leidenschaftlicher Voluntär und trieb sich mit Hilfeprojekten in der ganzen Welt herum. Susan erwähnte auch die Anfangsschwierigkeiten, die ihr das Leben in Mexiko bereitet hatte. Mittlerweile hatte sie sich aber an Mexiko gewöhnt und wartete sehnsüchtig auf ihren baldigen Urlaub in Kenia. Für diesen Tag sollte es das gewesen sein, doch Susan versprach, uns allesamt zu einem Essen auf ihrer Farm einzuladen. Leider kam es nie dazu.</p>
<p>Meine Verdauung machte mir trotz der bereits lange überwundenen Parasiten einige Probleme. Ich vertraute mich Isabel an, die mir mit ihrem homeopatischem Wissen und der Hilfe ihrer Mutter halfen, die Probleme in den Griff zu kriegen. Selbst später, als wir bereits auf dem Weg nach Cancun, und somit Kuba, waren, half Isabel mir über Telefon und Internet mit Tipps rund um die Homeopathie weiter.</p>
<p>Für einen Tag statteten wir Mexiko Stadt einen erneuten Besuch ab. Rigel, eine Künstlerin, hatte uns zu ihrer Galerieeröffnung eingeladen. Da die Eröffnung abends stattfand, hatte Isabel sogleich eine Freundin im Kopf, die uns in Mexiko Stadt für die Nacht beherbergen konnte. Wir trafen uns also zuerst mit Laura, einer Physiotherapistin und Naturkosmetikerin. Mit ihr zusammen gabelten wir Laura´s Freundin auf und gingen dann zu Viert zu Rigels Galerieeröffnung. Dort fielen uns vor Erstaunen fast die Augen heraus. Die Gemälde erinnerten an Schwarz-Weiss-Fotografien, die an bestimmten Punkten mit Farbe versehen waren. Nur als wir so nah an den Bildern waren, dass wir sie fast mit unserer Nase berührten, erkannten wir, dass es sich um Gemälde handelte. Rigel war ein wirkliches Talent, die mit harter Arbeit erotische Kunstwerke in Szene setzte. Rigel sagte einmal, &#8220;Malen ist für mich vor allem Arbeit, denn nur mit Fleiß und Schweiss werde ich es auf diese Weise zu etwas bringen.&#8221; </p>
<p>Nach der Galerieeröffnung liefen wir zu Laura nach Hause. Dort wartete ihre Schwester, bereits in ihrem Nachthemd gekleidet, auf unsere Einkehr. Da wir Hunger und uns vorher gemeinsam für Nudeln mit Gemüse-Tomaten-Soße entschieden hatten, fingen wir um die späte Abendzeit noch an, in der Küche herumzuwerken. Nun gut, nicht gerade in der Küche, denn die war viel zu klein für mehr als eine Person. Wir nutzten also den Stubentisch, der erst einmal freigeräumt werden musste, da Laura dort ihre ganzen Bastelutensilien und Cremes stehen hatte. Das Wohnzimmer glich ein wenig mehr einer Rumpelkammer, in der es an allen Ecken und Enden etwas Neues zu entdecken gab. Lauras Schwester fand die Unordnung gar nicht toll. Sie war eher die Ordnungsbewußte, hatte es aber mittlerweile aufgegeben, ihrer Schwester die Dinge hinterherzuräumen. Man muss dazu sagen, dass Lauras Schwester einen eigenen Raum hatte, wo sie ihre Basteleien unterbrachte. Die bestanden aus alten<br />
Radios und den dafür notwendigen Werkzeugen und Ersatzteilen. Lauras Schwester war ausgebildete Elektroingenieurin, da sie aber keine Arbeit fand, schlug sie sich mit dem unoffiziellem Geschäft von Radioreparaturen durch. Wir genossen nach einer Stunde Zubereitungszeit endlich das Abendessen und saßen noch lange schwatzend am Tisch zusammen. Der Gang zum Bad vor dem Zubettgehen eröffnete uns eine karge, lückenhaft gefließte Zelle, die nur provisorisch zusammengehalten wurde. Wir schliefen in dem Zimmer, in dem Lauras Schwester ihre Radiowerkstatt hatte. Dort befand sich ein viel zu kleines Bett, in dass wir uns nahezu zusammenklebend hineinzwängen mussten.</p>
<p>Auf dem Weg zurück nach Huitzilac liefen wir morgens eine knappe Stunde mit Laura durch die Gegend. Sie meinte zuvor, dass die U-Bahn, die wir benötigten, nicht weit wäre. Wir schmunzelten später über diese Einschätzung, aber gut, Mexiko Stadt war im Vergleich zu anderen Orten auch immens groß. Alles ist schließlich relativ. Kaum waren wir an der Autobahngebührstelle angekommen und trampten los, da entdeckten wir einen Kameramann auf der Fußgängerbrücke, die sich über die Autobahn zog. Wir würden wohl bald im mexikanischen Fernsehen landen, denn unsere Daumen schienen hochinteressant zu sein. Wir lachten über diese ulkige Filmerei.</p>
<p>Uns nahmen zwei junge Herren mit, die ein Stück weiter als Cuernavaca wollten. Sie waren in der Fotografiebranche tätig und mussten Poster, die sie für etliche Leute angefertigt hatten, zu ihren Käufern bringen. Es war eine lustige Fahrt und lehrreich für unsere Fahrer. Wir teilten mit ihnen alle Geheimnisse über die Minimierung von Reisekosten, was die Beiden erstaunte, ihnen aber gleichzeitig neue Wege eröffnete. Denn sie wollten bereits seit langer Zeit Europa erkunden, was sie bis dato nicht konnten, denn eine zweiwöchige Reise kostete mal locker 3000 Euro. Als Dank für die vielen Tipps brachten sie uns letztlich noch bis Cuernavaca hinein und spendierten uns was auch immer wir begehrten in einer naheliegenden Tankstelle. Danach nahmen wir einen Bus ins Zentrum von Cuernavaca und kehrten erst am späten Abend nach Huitzilac zurück.</p>
<p>Uns gefiel das Haus und die Gesellschaft von William und Isabel so sehr, dass wir weit länger als gedacht blieben. Wir halfen daher im Haushalt aus, kochten einige Male für unsere Gastgeber, legten die Wäsche zusammen und halfen auch sonst im und vor dem Haus mit. Augustas verbrachte einige Tage mit dem Erstellen von Isabels Website. Das Internet nutzten wir nur für kurze Momente, denn wir fühlten, dass William das nicht so recht passte. Wir gingen dafür also lieber nach Cuernavaca, wo es nur 0,40 Cent kostete. Wir genossen die entspannte Zeit, die wir in Huitzilac lebten. Irgendwann fühlten wir uns unwohl, dass wir uns für so lange eingenistet hatten, obwohl uns Isabel immer wieder versicherte, dass sie sich glücklich schätzt uns da zu haben. Sie versorgte uns wie ihre eigenen Kinder. William schien dagegen ein Problem damit zu haben, dass wir ständig um ihn herumschwirrten. Da wir noch immer auf die Digitalkamera warteten, entschieden wir uns also für eine fünftägige Reise zur pazifischen Küste. Ich wollte schließlich die Riesenschildkröten sehen.</p>
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		<title>Bilderbuchfamilie (November 28 &#8211; December 9)</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Mar 2007 22:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katja &#38; Augustas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kaum waren wir von unserer aufregenden fünftägigen Reise zurück, fragte uns William, wie lange wir noch bleiben würden. Jetzt hatten wir ein kleines Problem, denn wir standen kurz davor, unsere Kamera endlich zu erhalten. Die Frage wurde aber auf eine Art und Weise an uns herangetragen, die eigentlich eine Aufforderung war, unsere Sachen zu packen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum waren wir von unserer aufregenden fünftägigen Reise zurück, fragte uns William, wie lange wir noch bleiben würden. Jetzt hatten wir ein kleines Problem, denn wir standen kurz davor, unsere Kamera endlich zu erhalten. Die Frage wurde aber auf eine Art und Weise an uns herangetragen, die eigentlich eine Aufforderung war, unsere Sachen zu packen. Als Grund stellte sich heraus, dass sich unverhofft eine Dame selbst bei ihnen eingeladen hatte und sie keine andere Wahl hatten, als uns woanders unterzubringen. Isabel fühlte sich einfach für die Dame verantwortlich. Noch dazu kündigte sich ein Paar für einen Aufenthalt im Haus an. Diese waren allerdings Freunde ihres Bruders, aber auch die wollten herzlich im Haus aufgenommen werden. Isabel löste die Situation, indem sie uns mit Alfredo und Lilia bekannt machte, die uns herzlich in ihrem Haus in Cuernavaca aufnahmen.</p>
<p>Lilia und Alfredo haben ein schönes, großes Haus, in dessen angrenzendem Garten gar ein Schwimmbecken auf das Trainieren meines Rückens wartete. Endlich hatten wir also das &#8220;Schwimmbad&#8221;, nach dem wir bereits seit Wochen gesucht hatten. Und diesmal würde uns keiner mit seinen ungewollten Blicken belästigen. Im Inneren des Hauses fand sich neben einem Computerraum mit Internetanschluss, eine geräumige Stube, ein großes Esszimmer und die Küche. Es gab in der Küchentür gar einen separaten Eingang für Oliver, dem etwas schnöseligen Familiendackel. Im ersten Stock befanden sich die Schlafzimmer der Familie und den zweiten Stock bildete eine Terrasse. Dort gab es eine winzige Bude, die gar über ein eigenes Bad verfügte. Das sollte also unser sein für die Zeit unseres Aufenthaltes.</p>
<p>Uns wurden sofort alle Essensvorräte gezeigt und wir wurden eingeladen, alles Vorhandene und Begehrenswerte zu verzehren. Die Küche wurde nur selten zum Kochen benutzt. Da Lilia und Alfredo es viel besser fanden, die Zeit sinnvoller als am Kochherd zu verbringen, besorgten sie jeden Mittag im naheliegenden Supermarkt die verschiedensten Speisen. Dort gab es nämlich ein Büffet, das eine reiche Palette an Salaten, Kartoffel-, Reis- und Nudelgerichten, Fleisch, Gemüse, Obst und Süssspeisen hatte. Nachdem jeder seinen Mittagsmahlwunsch zu Hause abgegeben hatte, zog Lilia los, um das Mittagessen auf den Tisch zu bringen. Oft versorgte uns Lilia gar mit Sojamilch und -fleisch sowie anderen Leckereien, die wir als fleischlose Esser auf jeden Fall vertragen würden. Ach, es war jedes Mal ein Festschmauß. An einigen Tagen übernahmen wir das Kochen, um uns für die Gastfreundschaft zu bedanken. Als Augustas dann seine Eierkuchen servierte, schwärmten sie tagelang nur davon. Einmal meinten sie gar, dass wir bereits das zweite Vegetarier-Paar wären, das hintereinander bei ihnen Zuflucht fand. Alfredo erklärte ernsthaft, dass sie wohl eines Tages selbst zu Vegetariern würden, wäre da nicht die große Liebe zum Fleisch.</p>
<p>In Lilias und Alfredos Haus gab es immer Platz und Zeit für Jeden und Alles. Sie hatten eine Familie, wie viele sie sich wünschen. Da beide von Beruf Arzt waren und in einem Krankenhaus arbeiteten, entschieden sie sich für eine Halbtagsstelle, damit sie mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können. Die meiste Zeit des Tages waren sie also mit ihren Schützlingen Alfredo Jr. (11) und Liliana (13) beschäftigt. Dabei sprachen sie über die Schule, halfen bei den Hausaufgaben, tauschten Erfahrungen miteinander aus, schauten gemeinsam Filme, brachten die Kinder zu Mathematikzirkeln, holten Tisch- und Kartenspiele hervor, in die auch wir mit eingebunden wurden, und gingen jede Woche mit anderen Kindesfreunden und deren Eltern bowlen. Ungeschrieben aber an der Tagesordnung war der besondere Humor, dem die Familie unterlag. Bereits am Eingang des Hauses warteten große, unsichtbare Buchstaben auf die Besucher, die diesen Humor ankündigten. </p>
<p>Wir blieben mehr als eine Woche bei Lilia und Alfredo, die immer offen für alles Neue und völlig entspannt waren. Die Familie zählt wohl eher unter die Sparte alternativ, was man bei deren ernsthaften Berufen auf Anhieb gar nicht vermuten würde. In jeglicher Lage wurde uns vollstes Verständnis zuteil, ob hinsichtlich unserer Kamera, auf die wir noch einige Tage warten mussten oder meines Rückens, der mal wieder eine Behandlung nötig hatte.</p>
<p>Alfredo machte sich um meinen Rücken Gedanken und schlug vor, einmal bei einem ihm vom Hören-Sagen bekannten Physiotherapeuten vorbeizuschauen. Dazu wurde ich an die Arztpraxis seines Bruders weitergeleitet, dessen Assistentin mir einen Lageplan vorbereitet hatte, mit dem ich den Physiotherapisten leicht ausfindig machen konnte. Dieser Mann war sehr begehrt, was sein volles Wartezimmer rechtfertigte. Und das nicht nur wegen der recht preisgünstigen Behandlung, die er anbot. Als ich an der Reihe war, prüfte er meinen Rücken und stellte fest, dass einige meiner Muskeln in der falschen Position wären. Daraufhin rückte, schob und drückte er 20 Minuten an mir herum, flüsterte einige Beschwörungen daher und meinte dann, &#8220;Das ist alles; sie sind geheilt.&#8221; Wie bitte? Nach 1,5 Jahren problematischster Rückenzustände, Schmerzen, Verkrampfungen, endloser, erfolgloser Behandlungen sollte mein Rücken in nur 20 Minuten wieder normal funktionieren? Ich war nicht nur sichtlich überrascht, sonder regelrecht geschockt. Ich konnte es nicht glauben, doch spürte ich eine kribbelnde Hoffnung heraufkriechen. Ich ging noch ein zweites Mal zu seiner Behandlung, da mein Nacken und meine Arme noch völlig verspannt waren. Nach diesen zwei Besuchen ging es mir blendend. Der Rücken tat nicht weh, ich konnte mich völlig normal bewegen, hinfallen lassen wie ich will, musste auf keine Sonderbehandlungen meiner Selbst wegen irgendwelcher Gebrechen bestehen, nichts. Ich war wohl geheilt. Mich überkam ein Gefühl, als würde ich fliegen. Leider hielt dieser Erfolg nicht lange an, weil ich dumme Kuh einen gravierenden Fehler begang. Dazu aber später.</p>
<p>Endlich kam auch unsere Kamera an und wir hatten bereits zuvor entschieden, dass wir uns nun zum Golf von Mexiko aufmachen würden, um ein Segelboot nach Kuba oder einer anderen karibischen Insel zu finden. Eigentlich wollten wir unseren Freunden in San Cristobal noch einmal einen Besuch abstatten, doch dieses Vorhaben schlug fehl. Wir hatten einfach zu lange auf die Kamera warten müssen und wenn wir uns jetzt nicht auf die Socken machten, um ein Segelboot zu finden, würden wir unseren Traum wohl nicht verwirklichen können. Also, auf zur Marina!</p>
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		<title>Eine faszinierende Persönlichkeit (November 12 &#8211; 15)</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Mar 2007 22:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katja &#38; Augustas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir fuhren mit dem Bus bis zur Peaje, die ein ganzes Stück weit draußen von Mexiko Stadt lag. Dort bot sich eine gute Gelegenheit zu trampen. Nach einer Weile Warten überraschte uns der Regen. Wir verharrten an Ort und Stelle, als sich der Regen aber in Güsse verwandelte, zog ich es vor, mich unter das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir fuhren mit dem Bus bis zur Peaje, die ein ganzes Stück weit draußen von Mexiko Stadt lag. Dort bot sich eine gute Gelegenheit zu trampen. Nach einer Weile Warten überraschte uns der Regen. Wir verharrten an Ort und Stelle, als sich der Regen aber in Güsse verwandelte, zog ich es vor, mich unter das winzige Stück Überdachung, dass die Fußgängerbrücke bot, zu stellen. Kaum war ich auf dem Weg dorthin und fast angekommen, pfiff mich Augustas zurück. Ein Autofahrer war bereit uns mitzunehmen.</p>
<p>In die Rücksitze eines modernen, geräumigen Jeeps gebettet, lernten wir dieses Mal eine junge Familie aus Mexiko Stadt kennen. Der Fahrer und somit Ehemann hatte eine eigene Firma, die ihn rund um die Uhr einspannte. Seine Arbeit ermöglichte es seiner Frau länger mit dem erst acht Monate altem Baby zu Hause zu bleiben. Doch, und gerade wegen seiner Familie, bestand er darauf am Wochenende dem Mief von Mexiko Stadt zu entfliehen. Sie hatten ein kleines Häuschen in Jiutepec, wo sie jedes Wochenende verbrachten und befanden sich gerade auf dem Weg dorthin. Deren kleine Tochter war ein genauso süsser Fratz wie Mateo. Ausgeglichen, neugierig, immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Ein richtiger kleiner Schelm. Die Familie war seit 20 Jahren Vegetarier und ließ nur natürliche Produkte an und in ihre Körper fließen. Zum Erwerb dieser Produkte nutzten sie den wöchentlichen Ausflug nach Jiutepec, denn dort fand jedes Wochenende ein Bauernmarkt statt, auf dem sie ihre Wochenration Obst und Gemüse einkauften. Wir waren sichtlich erfreut, endlich mal keine Fleischesser zu treffen. Noch dazu solche, die uns glattweg zu sich einluden. Sie wollten uns zum Essen in Jiutepec einladen und uns gleichzeitig ihren Lieblingsort ein wenig näher bringen. Wir waren sofort begeistert und riefen über das Mobiltelefon der Beiden Sylvia, unsere Servas Gastgeberin, in Cuernavaca an. Wir hatten uns für die Mittagsstunden angekündigt und würden nun auch definitiv zu dieser Zeit eintreffen, wenn nicht, ja hätten wir die Einladung nicht erhalten. Um uns diese Chance nicht nehmen zu lassen, versuchten wir mit ihr einen späteren Treffpunkt zu vereinbaren. Leider schien das ungünstig, denn am Telefon hörte ich heraus, dass wir besser direkt nach Cuernavaca düsen sollten. Wie schade. Es ist immer wieder das Gleiche, wenn wir bereits verabredet sind. Wir erhalten Einladungen und können sie nicht wahrnehmen. Obwohl, können schon, doch wollen wir das nicht auf Kosten anderer machen, die bereits auf uns warten. Seufz. Die Familie war also so lieb, statt uns an der Weggabelung Jiutepec-Cuernavaca einfach herauszusetzen, direkt bis zum Busbahnhof in Cuernavaca zu bringen. </p>
<p>Wir machten es uns am Busbahnhof von Cuernavaca auf unseren Rucksäcken gemütlich. Gerade als wir anfingen, unser vorgekochtes Essen zu verspeisen, tauchte Sylvia auf. &#8220;Hallöle&#8221;, trällerte sie uns entgegen und lächelte bis über beide Ohren. Ihre humoristische Art zu reden zog uns sofort in ihren Bann. Wir liefen ein Stück, um zu ihrem alten, klapprigen, mit Antiquitäten und Zeitungen vollgestopften Wagen zu gelangen. Auf dem Weg zu ihrem Haus fuhren wir noch kurz bei Sylvias Mutter vorbei, da wir nach Abladen unserer Rucksäcke einen kleinen Ausflug ins Umland machen wollten. Die Mutter war über 70 Jahre alt, sah aber aus wie maximal 50. Sie war schlank, behende, mit dem gleichen Lächeln wie ihre Tochter und erklärte sich sofort freudig einverstanden, mit uns einen Ausflug zu machen. Wir wünschten uns in diesem Moment, im gleichen Alter selbst so fit zu sein. </p>
<p>Sylvias Wohnung befand sich im vierten Stock eines Wohnblocks. Die Wohnung war winzig. Sylvia lebte zusammen mit ihrem Sohn Yoshi (sprich: Joschi), der das Ergebnis ihrer zweijährigen Ehe mit einem Chilener war, mit dem sie gemeinsam in Japan gelebt hatte. Sie trennten sich kurz nach der Geburt von Yoshi in Japan und Sylvia kehrte mit ihrem bereits von Geburt an international geprägtem Bündel nach Hause zurück. Die Wohnung hatte zwei kleine Zimmer, eine Stube mit Essecke, eine winzige Küche, einen genauso großen Balkon und ein Bad, dass nur kaltes Wasser hatte. Schon beim Eintreten konnte man sehen, wie sehr Sylvia in Japan verliebt war. Überall standen japanische Souvenirs herum, die sie bei ihrer Rückkehr mitgebracht hatte. An den Wänden fanden sich einige Collagen, die viele Bilder und Orte in Japan zeigten. Sylvia hatte die Collagen selbst gemacht. Zu der visuellen Bestätigung von Sylvias Liebe zu Japan, erzählte sie auch sehr oft von dieser Zeit. Mich faszinierte das, denn ich träumte von einer Reise nach Japan und anderen asiatischen Ländern. Sylvia hatte obendrein Grundkenntnisse der japanischen Sprache. </p>
<p>Ihr zwölfjähriger Sohn Yoshi war sehr selbstständig. Er ging noch zur Schule, kümmerte sich um einige Haushaltsangelegenheiten und teilte sich mit Sylvia ins Kochen rein. Er sprach nicht viel, verschwand nur liebend gern in seinem Zimmer oder schweigend vor dem Fernseher. Yoshi hatte jahrelang einen japanischen Kampfsport trainiert, verlor aber kürzlich die Lust daran. Als wären wir mit der herzlichen Aufnahme in Sylvias Haus nicht bereits reichlich beschenkt worden, räumte Yoshi auch noch sein Zimmer für uns, damit wir nicht auf dem Boden schlafen müssten. Das taten wir letztendlich doch, denn sein Bett war viel zu klein für uns Beide. Doch nun taten wir dies in einem eigenem Raum.</p>
<p>Sylvia war Anwältin für Kinder und Frauen, die von ihren Familienangehörigen mißhandelt und vergewaltigt werden bzw. wurden. Sie betreute seit Jahren verschiedene Fälle. Alles was sie bei Aufgreifen dieser Arbeit wollte, war eine Veränderung zu bewirken und den Betroffenen zu einem besseren Leben zu verhelfen. Doch das gestaltete sich in den meisten Fällen schwierig, oft gar unmöglich. Nach vielen Jahren in dem Bereich hatte sie den Entschluß gefaßt, diesen Abschnitt ihres Lebens hinter sich zu lassen. Sylvia interessierte sich für gesunde Ernährung und war gerade dabei ihre Ausbildung als Ernährungsberaterin, die sie neben ihrer Arbeit absolviert hatte, abzuschließen. Nebenbei nahm sie auch an Englischkursen teil und studierte die deutsche Sprache. Sylvia war wirklich überall und zur selben Zeit, ständig herumwuselnd und neugierig nach interessanten Tätigkeiten suchend, die ihr Leben bereichern würden. Ein wahres Energiebündel, gepaart mit unvergleichlichem Humor und niemals versiegenden Redekünsten.</p>
<p>Die Zeit war gekommen, da holten wir Sylvias lustige Mutter ab und fuhren nach Tepoztlan. Dort angekommen entschieden wir uns aber ein Stück weiter, zu einem kleineren Dorf zu fahren, denn Tepoztlan war ein touristischer Ort, der bekannt für seine Handwerkskunst und ausschweifenden Wanderungen in die Berge war. Für Wanderungen hatten wir an diesem Nachmittag eh keine Zeit mehr. Das kleine Dorf, dessen Name mir entfallen ist, wartete mit viel Ruhe auf. Überall zwitscherten die Vögel, lagen die Hunde vor sich hingähnend und mit halbgeschlossenen Augen auf der Mitte der Straße, marchierten die Kühe gemächlich vor uns her, trieben Dorfbewohner ihre Ziegen zur Weide und hallten Grüße zu und von uns an die Einwohner herum. Ein idyllischer Ort. Zuerst hatten wir vorgehabt, zu einem wunderschönen Wasserfall zu fahren, der sich in der Nähe dieses Dorfes befand. Leider blieben wir unterwegs stecken, denn eine Kuhherde hatte sich uns in den Weg gestellt, ohne auch nur in Erwägung zu ziehen, uns durchzulassen. Wir spazierten also gemächlich durch das Dorf, bewunderten die uns umgebenden Berge und folgten Sylvias Mutter, die sich unerlaubt Einlass in die örtliche Kirche verschafft hatte. Das Tor war nicht verschlossen, warum sollte man also nicht auf Besichtigungstour gehen. In das Kirchengebäude kamen wir nicht hinein, aber unsere Streifzüge außen herum und durch den kirchlichen Garten waren ausreichend, um in vergangene Welten einzutauchen. Wir ruhten uns auf den Bänken ein wenig aus und fuhren dann zu einem &#8211; dem einzigen &#8211; Imbiss im Dorf, der sich neben dem zentralen Dorfplatz b<br />
efand. Dort bereitete eine junge, schwangere Frau Tostadas vor, die sie mit Fleisch, Käse (für Augustas) und Salat (für mich) füllte. Dazu bot sie uns Chilisauce an, die uns regelrecht den Mund verbrannte. Wir tranken leckere, frische Limonade, die aus Früchten mit Wasser und Zucker gewonnen war. </p>
<p>Kaum zu Hause bereiteten wir gemeinsam ein Abendmahl vor. Sylvia hatte eine tolle Idee für ein veganes Gericht, dass sie mal eben in ihrem Kopf zusammengebraut hatte. Es schmeckte vorzüglich und wir versprachen, uns dafür am kommenden Tag an den Kochtopf zu stellen und sie diesmal zu verwöhnen.</p>
<p>Die Abende bei Sylvia verbrachten wir immer mit viel Reden. Der Gesprächsstoff ging uns nie aus, höchstens die Energie, denn Sylvia war nicht müde zu kriegen. Augustas war einmal so kaputt, dass er von Sylvia lieber vor den Fernseher gesetzt wurde, damit er dort seine Augen in Ruhe zumachen konnte und nicht irgendwann schlafend mit dem Kopf auf den Tisch aufschlug. Ich verliebte mich regelrecht in Sylvias Art und Weise, über das Leben, die Menschen, die Arbeit, das Reisen, Sprachen und Essen zu reden. Am meisten fesselten mich ihre Ausführungen über Japan und Kuba sowie all die anderen Reiseerlebnisse. Sylvia war so voller Leben und gut gelaunt, obwohl sie reichlich viel beruflichen Stress durchstand. Es machte mich glücklich in ihrer Gegenwart zu sein und insgeheim wünschte ich mir, in Zukunft in Stresssituationen genauso gelassen und fröhlich zu reagieren wie Sylvia.</p>
<p>Unsere Cuernavaca Stadtbesuche während des Tages bereicherten uns um vieles. Cuernavaca war eine bezaubernde Stadt, mit vielen Altbauten, die gar noch Stuck aufwiesen. Es gab faszinierende kirchliche Gebäude mit Gärten und Galerien, die mich von ihren Schaufenstern gar nicht wieder loslassen wollten. Wir entdeckten bei unseren ausgedehnten Spaziergängen auch eine Ausstellung in der Universität, in die wir umgehend hineinstürzten. Auch wenn nicht alle Arbeiten nach meinen Geschmack waren, bereicherten sie meine visuellen Bedürfnisse zum Vollsten. In der Akademie der Künste wurden gerade Tänze trainiert, so dass wir auch dort einen Blick hineinwerfen konnten. Wie immer liebte ich es durch die Universität zu laufen. Es gab mir so ein herrliches Wohlgefühl und erinnerte mich mit einem Lächeln an meinen Traum, eines Tages Kunst zu studieren. </p>
<p>Da es meinem Rücken nicht so toll ging, suchten wir in Cuernavaca nach einem Schwimmbad. Wir wurden fündig, doch als wir hineinliefen, mussten wir uns an Unmengen von Kindern und Jugendlichen vorbeizwängen. Als wir endlich sahen, was &#8220;Schwimmbad&#8221; in Cuernavaca bedeutete, hatten wir wenig Lust ins Wasser zu springen. Das Schwimmbad befand sich nämlich unter freiem Himmel und es war an jenem Tag nicht gerade warm. Außerdem zierten wir uns bei dem Gedanken daran, als einzige Ausländer im Schulschwimmbad unsere Runden zu drehen, während uns neugierige Nasen direkt von der Straße aus zusehen konnten. </p>
<p>Eigentlich erwogen wir, für einige Zeit auf einer organischen Farm in der Nähe von Tepoztlan zu verbringen. Felix, ein Servas Mitglied aus Xochimilco, hatte uns damals von der Farm erzählt und Kontakt zu den dortigen Bewohnern aufgenommen. Leider forderten die Farmer einen täglichen Mindestbeitrag für Essen und Umkosten, den wir bei unserem Budget nicht aufbringen konnten. Wir suchten uns also stattdessen ein neues Servas Mitglied, bei dem wir einige Tage verbringen konnten, denn wir warteten noch immer auf unsere Digitalkamera. Diesmal würden wir in die Nähe von Cuernavaca, nach Huitzilac, ziehen.</p>
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		<title>Lektionen gelernt (November 5 &#8211; 12)</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Mar 2007 22:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katja &#38; Augustas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Zeit in Xochimilco war vorbei und wir kehrten wieder nach Mexiko Stadt zurück. Esthela und Rodrigo hatten uns angeboten, jederzeit wieder zu ihnen zurückzukommen. Das nahmen die Einladung gerne an, doch diesmal platzten wir in eine schwierige Phase der jungen Eltern hinein. Esthela hatte vor Kurzem aufgehört zu stillen und prompt wurde Mateo krank. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Zeit in Xochimilco war vorbei und wir kehrten wieder nach Mexiko Stadt zurück. Esthela und Rodrigo hatten uns angeboten, jederzeit wieder zu ihnen zurückzukommen. Das nahmen die Einladung gerne an, doch diesmal platzten wir in eine schwierige Phase der jungen Eltern hinein. Esthela hatte vor Kurzem aufgehört zu stillen und prompt wurde Mateo krank. Das erste Mal in seinem Leben. Die Nase lief ständig und war völlig verstopft. Dazu hatte er Fieber und eine Bronchitis. Bei der Umweltverschmutzung, die in Mexiko Stadt herrscht ist das kein Wunder. Esthela hatte versucht, den kleinen Fratz mit Naturheilmitteln und Tees wieder aufzupäppeln, doch die Erkältung war zu hartnäckig. Die Eltern verzweifelten nach einigen Tagen an dem unveränderten Zustand Mateos. Die Nächte heulte Sonnenschein Mateo komplett durch und hielt die arbeitstätigen Eltern mächtig auf Trab. Ohne Schlaf, früh aufstehen und nach einem harten Arbeitstag die gleiche Prozedur zehrte an Esthelas und Rodrigos Nerven. Wir fühlten mit ihnen, aber so ist es halt, wenn ein Baby krank wird. Da die Eltern völlig erschöpft waren, entschieden sie sich schließlich doch einen Kinderarzt zu konsultieren. Dieser verordnete dem winzigen Wicht eine Menge Medikamente. Ich schlug innerlich die Hände über dem Kopf zusammen. Diese Schulmediziner&#8230; Die Medikamente schlugen tatsächlich an, so dass von dem Tag an nachts wieder Ruhe einkehrte und Mateo tagsüber auch wieder genießbar war. Wir waren froh, dass sich Mateos Gesundheitszustand wieder besserte, denn wir fühlten uns wie eine große Last an Esthelas und Rodrigos Beinen. Da wir aber sonst nirgendwo hin konnten, blieb uns nichts anderes übrig als möglichst nicht im Haus zu sein. </p>
<p>Wir verbrachten eine weitere Woche in Mexiko Stadt, in der wir an einem Servas Treffen teilnahmen. Dieses fand an einem Montag im Cafe Dali statt. Ein dezent eingerichtetes Lokal, in dem kleine künstlerische Details auf die Verbindung zu Dali hinwiesen. An diesem Abend trafen wir fast alle Servas Mitglieder wieder, die wir in Mexiko Stadt, Xochimilco und Mixquic kennengelernt hatten. Lilli, Felix und Rodolfo tauchten allesamt bei dem Treffen auf. Es war ein herzliches Wiedersehen, zumindest mit Lilli und Rodolfo. Felix war uns ein wenig über den Kopf gewachsen und obwohl wir ihn für seine besondere Art und Weise des Seins bewunderten, hatten wir vorerst genug von seiner Gesellschaft. Er erzählte uns trotzdem alle Nasen lang, wen er alles von woher und aus welcher Epoche seines Lebens kannte und wen wir unbedingt treffen sollten. Felix würde uns die Kontaktdaten, die sich nicht in der Servasliste finden ließen, per Email zukommen lassen. Wie auch immer&#8230; </p>
<p>Die meisten anderen Teilnehmer stellten sich als alte Hasen in Servas heraus. Ein Herr war jedoch erst kürzlich der Organisation beigetreten. Er kam aus Baja California, der Halbinsel im Nordwesten von Mexiko. Der Präsident namens Peralta, der neben Felix am längstem in Servas Mexiko tätig war, zeigte viel Interesse an unserer Anwesenheit. Wir führten intensive Gespräche über die Bedeutung von Gastfreundlichkeit und wann ein Mensch als gut oder böse eingestuft werden kann. Wir einigten uns auf verschiedene &#8220;Relativitätstheorien&#8221;, denn es ist immer abhängig von der Situation und der Perspektive, die man den jeweiligen Menschen dahingehend betrachtet. Peralta entdeckte mein Interesse an Kunst und lud uns zur Eröffnung einer Kunstgalerie ein, die seine Frau ins Leben gerufen hatte. Der Abend im Cafe Dali in der Gesellschaft der vielen Servas Mitglieder führte uns noch einmal vor Augen, wie sehr sich diese Organisation doch von den Vereinen wie Hospitality Club und Couch Surfing unterschied. Wir waren wirklich fasziniert von Servas und sind es bis heute.</p>
<p>Die Inauguration der Kunstgalerie fand am kommenden Donnerstag statt. Wir hatten uns mit Peralta um 19 Uhr verabredet. Da wir gerne in seiner Begleitung die Galerie betreten wollten, warteten wir draußen auf der Straße auf ihn. Nach einer halben Stunde über der Zeit entschieden wir nicht länger herumzustehen und stattdessen die Zeit für die Kunstbesichtigung zu nutzen. Im Erdgeschoss fanden sich vorwiegend Gemälde, deren Sinn ich nicht zu greifen bekam. Der Stil war mir einfach zu abstrakt und die Erklärungen dazu lagen zu weit von der eigentlichen Arbeit entfernt. Auch Augustas konnte mit diesen Kunstwerken nichts anfangen. Im Obergeschoß dagegen fanden wir viele Collagen und Arbeiten vor, die Kompositionen bestimmter Situationen darstellten. In diesen Werken steckte viel Handwerk drin. In diesen künstlerischen Bauten wurden häufig Materialien wie Puppen, alte Briefe, vergilbte Notizen, Perlen, Stofffetzen mit Kaffeeflecken und Schmuck vorgefunden. Andere Kunstwerke erlaubten durch ihre Anordnung einen Blickwinkel, der auf natürliche Weise nicht möglich gewesen wäre. Dabei kamen vor allem viele Spiegel zum Einsatz. Wir waren restlos begeistert von dieser Art Kunst. Die Werke strahlten Faszination pur aus und zogen uns in ihre intimen, speziellen Geschichten mit hinein. Wir hatten bereits die gesamte Galerie gesehen, doch Peralta tauchte noch immer nicht auf. Wir warteten einige 15 bis 20 Minuten länger, doch dann gingen wir einfach nach Hause. Später erfuhren wir, dass seine Frau erkrankt war und er deswegen nicht zu der Galerieeröffnung erschienen war. Wir hätten ihn auch anrufen können, doch wir dachten, dass das eh unnütz wäre. Vielleicht hätte es Peralta aber die Sorge darum genommen, dass wir uns fragten, warum er nicht kam. Sollte sich solch eine Situation irgendwann wiederholen, wir würden dieses Mal definitiv zum Telefonhörer greifen.</p>
<p>Die drei Wochen Urlaub, die Saulius, der liebenswerte Litauer, der uns einige Dinge aus dem Heimatland mitgebracht hatte, mit seinen Freunden in Mexiko verbracht hatte, waren bereits wieder um. Wir trafen uns ein weiteres Mal auf dem Flughafen von Mexiko Stadt und übergaben ihm all unsere Fotos, die wir entwickeln lassen hatten. Auch meine Kamera, die er extra für uns aus Litauen mitgebracht hatte, gaben wir ihm wieder mit. Wir hatten nämlich in Xochimilco entschieden, dass wir uns eine Digitalkamera zulegen werden, da die Entwicklung unserer über acht Monate gesammelten Filme nicht gut gegangen war. Die Qualität war äußerst schlecht und wir ärgerten uns, dass wir da nichts mehr machen konnten. Da wir bereits ein Modell bei Ebay ersteigert hatten, brauchte ich die kleine Kamera zum Austoben meines Kunstbedürfnisses nun auch nicht mehr. Neben den Fotos und der Kamera hatten wir auch unsere Rucksäcke durchforstet und gaben ihm unnötigen Balast mit auf die Reise nach Litauen. Wir hofften, dass Saulius uns wegen der Menge nicht den Kopf abriss, doch er sah die Sache relativ gelassen. Er erzählte uns von der Rundreise durch Mexiko und erwähnte, dass er während des &#8220;Dia de Muerte&#8221; nicht wusste, was er machen sollte, da er von keinerlei Veranstaltungen erfahren hatte. Hätten wir das geahnt&#8230; Es wäre sicher toll gewesen, mit den vier Litauern gemeinsam zu dem Fest in Mixquic zu gehen. Nun war es nicht mehr nachzuholen. Insgesamt muss ich sagen, dass die vier Litauer nach ihrem Urlaub viel offener und ausgelassener wirkten, als bei ihrer Ankunft. Was so wenig Zeit in Mexiko mit einem anstellen kann&#8230; Faszinierend. Keine drei Tage, nachdem Saulius wieder in seinem Land angekommen war, hielt Augustas Schwester auch schon unsere Sachen in der Hand. Das hatte wirklich hervorragend geklappt. Besser als die Post.</p>
<p>Wie fast täglich waren wir in der Stadt unterwegs und da wir dringend für einige Zeit im Internet arbeiten mussten und den billigsten und besten Platz dazu nahe Oscars Wohnung wussten, gingen wir einfach dorthin. Kaum sassen wir im Internetcafe, spazierte plötzlich Oscar persönlich zur Tür hinein. Er war in Begleitung einer Freundin aus Guadalajara. Die beiden nutzen das Internet nur für eine kurze Zeit und beim Gehen erinnerte uns Oscar daran, dass am kommenden Tag die Inauguration der Gemäldegalerie stattfinden würde, für die Oscar an eine<br />
m Wettbewerb teilgenommen hatte. Dazu würde eine Preisverleihung vollzogen und ein Büffet auf uns warten. Wir sicherten ihm zu, auf jeden Fall bei der Galerieeröffnung dabei zu sein. </p>
<p>Am nächsten Tag war es soweit. Oscar würde erfahren, ob seine wundervollen Gemälde, die von einem bestimmten Bibelpsalm und einer Götterfigur handelten, einen Preis gewonnen hatten. Er war sich nahezu sicher, dass er gewinnen würde. Diese Zuversicht war vor allem aus der Notwendigkeit geboren, seine rückständige Miete begleichen zu müssen. </p>
<p>Auf dem Weg dorthin in der U-Bahn erlebten wir ein ungewöhnliches Drängen. Die U-Bahn in Mexiko Stadt ist zu den Hochbetriebszeiten, also früh morgens und gegen Abend, fürchterlich voll. Bisher war es uns aber noch nicht untergekommen, dass die Tür aufgeht, die Menschen unter verbalen und physischen Gebärden in die U-Bahn hineingeschoben wurden und dann ein unnatürlich starken Hin- und Herrücken stattfand. Überall wurde gedrängelt, die Menschen nach vorne und hinten geschoben und auch ich befand mich genau im Kreuzfeuer dieser Aktivitäten. Obwohl Augustas und ich sonst immer dicht beisammen standen, schafften es die Massen uns diesmal auseinanderzureisen. Nichtsahnend, was da vor sich ging, schaute ich nur genervt zur Wagondecke hoch. Wir würden ja bald aussteigen. Augustas schien die Situation dagegen genau zu beobachten. So plötzlich wie die Drängelei begonnen hatte, war sie auch wieder vorbei. Augustas fragte sogleich, &#8220;Hast du noch alle deine Sachen?&#8221; Ich war mir sicher, dass es so war, doch halt!, mein kleines Schultertäschchen war offen. Ich schaute hinein und begriff nur langsam, dass mein Notizbuch verschwunden war. So ein Mist aber auch. All meine Gedanken, Erfindungen (die bisher nur in Theorie existierten), Notizen und Adressdaten waren mit einem Mal verschwunden. Und das von einem anderthalbjährigen Zeitraum. Futsch. Weg. Wahrscheinlich schon in einem Papierkorb gelandet. Die zehn Dollar, die sich in dem Umschlag befanden waren auch weg. Denen trauerte ich aber nicht hinterher. Ich weiss noch genau, wie ich mir dieses Notizbuch in Kapstadt, Südafrika, kaufte, mit einer Maske, die ich in einer südafrikanischen Zeitschrift fand verzierte und seither behutsam mit mir herumgetrug. Augustas erklärte mir nach dem Geschehen, wie die Diebe vorgegangen waren und mir fiel alles wie Schuppen von den Augen. Auch wenn Augustas mich schon viele Male auf solche Situationen hingewiesen hatte, musste ich wohl erst diese Erfahrung selbst machen, um mich in Zukunft besser vor solchen Taten schützen zu können. Von nun an würden bei mir auf jeden Fall die Alarmglocken läuten und meine Hände sofort zu meinen &#8220;Schätzen&#8221; wandern. Festhalten, Beobachten, sich nicht ablenken lassen. Ich hatte meine Lektion gelernt.</p>
<p>In der Galerie angekommen schienen wir die ersten Besucher zu sein. Niemand hielt sich in der Halle im Erdgeschoß auf, in der das Büffet vorbereitet war. Wir erfuhren auf Nachfrage, dass die Preisverleihung in einem anderen Teil des Gebäudes stattfand. Nachdem wir uns erst ein wenig verlaufen hatten, fanden wir die Aula schließlich. Wenn auch nicht die Ersten, zählten wir zumindest zu den wenigen pünktlichen Gästen. Wir mussten noch eine ganze Weile verharren, bis die Aula gerammelt voll war und die Preisverleihung endlich begann. Oscar kam viel später. Die Veranstaltung lief bestimmt schon eine halbe Stunde, bis er endlich auftauchte. Er wusste zu genau, dass die Gäste zu Beginn immer viel Gerede über sich ergehen lassen mussten. Er kannte das Spiel schon zur Genüge. Als die Preisverleihung dann eingeläutet wurde, fing Oscar an zu schwitzen. Wer war wohl der Gewinner? Nachdem Stück für Stück die besten zehn Teilnehmer gekürt wurden und das für Oscar niederschmetternde Ergebnis feststand, war es Zeit für alle restlichen Teilnehmer zum Pult hervorzutreten und ihr Teilnahmezertifikat in Empfang zu nehmen. Dazu wies Oscar Augustas an, ihn zu fotografieren. Obwohl Oscar offensichtlich keine Ahnung vom Fotografieren hatte, gab er Augustas verwirrend-klare Instruktionen, wie er wo und wann in welcher Position und mit welcher Person aus welchem Blickwinkel aufgenommen werden wollte. Augustas blieb über seine Ausführungen so verdutzt zurück, dass er einfach drauf los knipste. Es wird schon eines der Fotos seinen Vorstellungen entsprechen. Oscar kam mit hochrotem Kopf von der Zertifikatsausgabe zurück und schwitzte so sehr, dass ihm der Schweiß von der Stirn lief. Es schien nicht einfach für ihn, vor so ein Publikum zu treten. </p>
<p>Endlich ging es in die Galerie hinunter, um die ganzen Werke zu bestaunen. Es fanden sich viele tolle Gemälde darunter. Als wir bei den Siegerbildern ankamen, griffen wir uns vor Unverständnis an den Kopf. Wir konnten beim besten Willen nicht verstehen, warum dieses Bild gewonnen hatte. Oscar konnte das noch weniger. Mal Beiseite gelassen, dass wir Oscar persönlich kannten, aber insgesamt gefielen mir seine Gemälde und die eines weiteren Teilnehmers weitaus besser, als jedes der Siegerbilder. Auch die anderen Besucher der Galerie murrten über das Ergebnis. Ich fragte mich in diesem Moment, ob nicht die Beziehungen zu den Entscheidungsträgern hier eine größere Rolle spielte als die Qualität der Bilder. Wir konnten an diesem Abend nämlich noch häufig erkennen, wie wichtig es schien, mit berühmt-bekannten Persönlichkeiten ein paar nette Worte zu wechseln. Oscar nutzte die Annäherung an diese Personen sofort für die Bewerbung seiner Bilder. Er schleppte jede einzelne, für seine Zukunft wichtige Person zu seinen Bildern und präsentierte stolz seine Werke. Auffallen um jeden Preis. In die Erinnerung der Großen und Mächtigen eingehen, dass war das Hauptziel dabei. Wir verstanden Oscars Bemühen um Aufmerksamkeit. Er stellte uns bei jeder Gelegenheit automatisch als Fotografen an, denn jede Begegnung musste natürlich für spätere Referenzen festgehalten werden. Wir schmunzelten über unsere Berufung zu &#8220;Profifotografen&#8221; und vergnügten uns in den Pausen mit dem köstlichen Büffet. Einmal griff ich allerdings daneben und biß kräftig in ein Fleischpastell hinein. Ich spuckte das Stück unbemerkt in eine Serviette, legte das angebissene Pastell heimlich auf ein Tablett und griff gleich zu einem süssen Pastel, von dem ich definitiv wusste, dass es für mich essbar war.</p>
<p>Da ich es geschafft hatte, meinen Rücken in die falsche Position zu schieben und mir das Ganze Schmerzen bereitete, suchte ich nach einem neuen Chiropraktiker. Es musste doch ein ähnlicher wie in Guatemala Stadt zu finden sein. Jemand, der mein Problem manuell diagnostizieren kann und mich wieder gerade biegt. Damit stieß ich in Mexiko Stadt aber auf Felsgestein. Wir liefen uns die Füße wund, von einem zum nächsten Chiropraktiker, nur um zu erfahren, dass sie mich ohne vorherige Röntgenaufnahmen von Hals, Rücken und Becken nicht behandeln würden. Was war das denn bitte schön? Schon einmal von gesundheitlichen Risiken beim Röntgen gehört? Scheinbar nicht. Ich weigerte mich regelrecht, auch nur einem dieser sogenannten &#8220;Chiropraktiker&#8221; zuzuhören, wenn sie mich nur dann anfassen würden, wenn sie zuvor eine Röntgenaufnahme in der Hand hielten. Sonst nicht. Und so etwas nannte sich Chiropraktiker! Ich konnte es nicht glauben. Ich war so außer mir vor Rage, dass ich bei der geringsten Andeutung von Röntgen sofort Kehrt machte. Schließlich und letztendlich fand ich eine alte Chiropraktiker-Klinik, in der ich nicht aufgefordert wurde, ein Röntgenbild von meinem Rücken machen zu müssen. Die Kosten lagen auch um das Doppelte niedriger. Na hoffentlich war ich bei diesem Herrn an die richtige Adresse geraten. </p>
<p>Kaum trat ich ins Arztzimmer hinein, bombardierte mich der Arzt in einer Schnelle und Abgehacktheit mit Fragen, als stände ich vor einem Computer. Ich wunderte mich ein wenig, dachte aber, dass er diese Fragen schon millionenfach gestellt haben musste und sah darüber hinweg. Er jagte mittels eines Stromgerätes Elektrizität durch meinen Körper und als es mir im Nacken weh tat, hatte er den ersten Teil der Diagn<br />
ose abgeschlossen. Er erklärte die Zusammenhänge und bat mich daraufhin, auf einer speziellen Liege bauchlings Platz zu nehmen. Die Liege war in verschiedene Teile &#8220;zerschnitten&#8221;. Von Kopf bis Fuß waren insgesamt fünf oder sechs verschiedene, gepolsterte Platten auf einer Höhe angebracht. Ich legte mich mit dem Kopf nach unten auf dieses Gerät und los ging es. Es puffte, zischte und während ich an wechselnden Stellen Ruckbewegungen von unten fühlte, drückte der Arzt mir vom Steiß angefangen bis zum Nacken und wieder zum Steiß in einem bestimmten Rhytmus auf der Wirbelsäule herum. Nach fünf oder zehn Minuten war er damit fertig und bat mich in einen winzigen Nebenraum. In diesem stand nur eine Bank, die im oberen Teil in der Mitte einen Schlitz hatte, aus dem ein weiteres Element herausschaute. Ich wurde gebeten es mir rücklinks auf der Liege gemütlich zu machen. Der Arzt rückte mich noch ein wenig zurecht und drückte dann den roten Knopf an der Seite der Liege, so dass sich das Teil, was aus dem Schlitz herausgeschaute, anfing sich zu bewegen. Es massierte automatisch von oben nach unten und wieder nach oben, jeweils gleichzeitig rechts und links neben meiner Wirbelsäule. Das war zur Entspannung nach der Behandlung auf dem Spezialtisch gedacht. Er ließ mich 15 Minuten in diesem eiskalten Raum liegen. Beim nächsten Mal würde ich mich dabei zudecken, so viel war sicher. Ich bezahlte für diese halbstündige Behandlung 17 Dollar (14 Euro) und marschierte mit einer Terminvereinbarung für den folgenden Tag hinaus. Ich fühlte mich ganz in Ordnung nach der Behandlung. Einige Stunden später schmerzte mir dann das ganze Rückrat, was ich aber als normal einstufte, denn genauso hatte ich es in Guatemala City erlebt. Ich ging insgesamt vier Mal zur Behandlung. Einmal vergaß mich der gute Herr auf dem automatischen Massagetisch. Nach einer halben Stunde weckte ich seine Aufmerksamkeit mit Brüllen und Klopfen. Er entschuldigte sich für das Vergehen, was aber nicht gegen die darauf auftretenden, extrem starken Rückenschmerzen half. Vielen Dank Herr Doktor. Ich gab einen Tag später die Behandlung auf. Mir war klar geworden, dass mir diese Behandlung in keinster Weise helfen würde. Menschen gehören nun einmal nicht auf Automaten, sondern in genauso menschliche Hände. Wieder eine Lektion gelernt.</p>
<p>Kurz bevor wir Mexiko Stadt in Richtung Cuernavaca verließen, lud uns Bradwell erneut zum Freitagscharla (Gesprächsabend) im &#8220;Casa de los Amigos&#8221; (Haus der Freunde) ein. Diesmal war das Thema: &#8220;Welchen Ort würdet ihr am Liebsten besuchen und warum?&#8221; Wir bildeten wieder Grüppchen und ich teilte in der meinigen mal wieder meine Vision von einer Reise, die mich von Alaska bis nach Russland bringen würde. Einem Herrn in unserer Runde ging das sichtlich gegen den Strich. &#8220;Das funktioniert nie! Das wirst du nie schaffen!&#8221; Danke der Motivation. Ich legte mich natürlich mit ihm an und siegte letztendlich, denn ich bekam auch den Zuspruch der anderen Teilnehmer. Dieser Mann schien aber von Sturheit und falscher Weisheit geplagt zu sein, denn er akzeptierte meinen Gewinn nur knurrend. Das Ergebnis unserer Diskussion war, dass er sich hinsichtlich einer &#8220;illegalen&#8221; Einreise in Russland geschlagen gab, niemals würde ich dieses Vorhaben aber mit offizieller Genehmigung realisieren können. Für mich zählte nicht wie ich es schaffen würde, sondern das ich es schaffen würde. Denn ich glaube fest daran, dass es möglich ist. Der gleiche Herr haperte auch mit der Erklärung meinerseits, dass Augustas und ich &#8220;durch die Menschen&#8221; reisen, nicht entlang von Attraktionen. &#8220;Aber das, dieses und jenes musst du einfach besucht haben. Wenn nicht, dann hast du Mexiko einfach nicht gesehen.&#8221; Ich schmunzelte darüber. Wie kann man nur so engstirnig sein? Ein anderer Teilnehmer fing diese Einstellung dagegen positiv auf. &#8220;Ich habe in meinem Leben noch nie darüber nachgedacht, dass man auch durch die Menschen reisen kann. Das eröffnet mir ganz neue Perspektiven. Ich werde diese Art und Weise des Reisens auch in Erwägung ziehen.&#8221; Ich freute mich an dieser Reaktion sehr. Leben und leben lassen. Offen sein für Neues, Unbekanntes. Das gefiel mir.</p>
<p>Nach dem Treffen im &#8220;Casa&#8221; gingen wir mit einigen der Teilnehmer noch in ein Restaurant. Dort kamen wir mit Katrin, einer Deutschen, ins Gespräch, die seit einigen Monaten in Zentralamerika unterwegs war. Sie erzählte mir von den Möglichkeiten, gerade im lateinamerikanischem Raum als Deutschlehrerin tätig zu werden. Diese Arbeit würde gut bezahlt und man könnte sich einfach das Taschengeld für die Weiterreise verdienen. Außerdem wäre es im Allgemeinen sehr einfach, dem Lehrplan zu folgen, man müsste also die Unterrichtsziele nicht selbst definieren. Mittels Büchern ließen sich die Kurse problemlos halten. Das munterte mich auf. Sollten wir einmal wieder irgendwo Halt machen, würde ich die Möglichkeit, ein Zubrot als Deutschlehrerin zu verdienen, in Erwägung ziehen. Katrin erzählte uns auch von einem Schildkrötenprojekt, in dem sie für einige Wochen an der pazifischen Küste von Mexiko gearbeitet hatte. Ich spitzte meine Ohren und ließ mir einige Daten aufschreiben, die uns zu den Schildkröten führen könnten. Denn eins war mir in diesem Moment klar: ich wollte die Schildkröten auf jeden Fall sehen.</p>
<p>Wir verabschiedeten uns nun auch von Esthela, Rodrigo, dem süssen Mateo und dem witzigen Chihuaua Mao. Die Familie hatte uns wirklich herzlich aufgenommen, trotz aller Strapazen, die sie in letzter Zeit hatten durchstehen müssen. Schließlich luden sie uns auch noch zu ihrer Hochzeit ein, die im Bundesstaat Michoacán, Esthelas Geburtsort, stattfinden würde. Zur gleichen Zeit sollte Mateo getauft werden. Wir verblieben damit, dass wir über eine Teilnahme nachdenken würden. Leider fand die Hochzeit später zu dem Zeitpunkt statt, an dem wir die Reise zur pazifischen Küste gemacht hatten, um die von mir so ersehnten Schildkröten zu finden. </p>
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		<title>Eine Küchenmüllhalde kurz vor dem Todestag (October 30 &#8211; November 5)</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Mar 2007 22:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katja &#38; Augustas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mexiko]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach drei Wochen in Mexiko Stadt fanden wir es an der Zeit ein wenig Abstand von diesem stark abgasbelasteten, wenn auch überaus interessanten Ort zu finden. Wir fuhren also ein wenig hinaus aus der Stadt und zwar nach Xochimilco. Dort hatte sich Felix, ein Servas Mitglied, angeboten uns unterzubringen. Wir brauchten zwei Stunden bis dorthin. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach drei Wochen in Mexiko Stadt fanden wir es an der Zeit ein wenig Abstand von diesem stark abgasbelasteten, wenn auch überaus interessanten Ort zu finden. Wir fuhren also ein wenig hinaus aus der Stadt und zwar nach Xochimilco. Dort hatte sich Felix, ein Servas Mitglied, angeboten uns unterzubringen. Wir brauchten zwei Stunden bis dorthin. Das Haus war einfach auszumachen, denn der Baustil war alles andere als gewöhnlich. Viele asiatische Elemente fanden in dieser Kreation ihren Platz, beim Fenster angefangen, über die Terassentüren hinweg bis zum gebogenen Dach. </p>
<p>Wir mussten noch einige Zeit vor der Haustür warten, denn Felix war noch nicht von der Arbeit zurück. Kaum war er angekommen, schien es uns unmöglich, dass er der Felix ist, mit dem wir kommuniziert hatten. Vor uns tauchte ein knapp sechzigjähriger Herr mit einem wohlgenährtem Vorbau auf, einen Sonnenhut auf dem Kopf, die Hosenträger über sein T-Shirt gespannt und die Aktentasche im Arm. Er brachte auch frisches Brot mit, was die zweite Hand beschäftigte. Er lief langsam, ein wenig humpelnd und bat uns bei seiner Ankunft die Gartentür zu öffnen. Das Schloss war alt und verrostet und bedurfte einiger Kunststücke beim Öffnen. Um die Wohnungstür aufzuschließen, musste man den Schlüssel in die Mitte der Tür ins Schlüsselloch stecken, um das Schloss zu bewegen. Kaum sprang die Tür auf, begegnete uns die zauberhafte Welt von Felix. Wie in einem Märchen, in dem gerade ein Sturm durch die Wohnung gefegt und die gesamten Dokumente durch die Luft gewirbelt hatte, fanden wir die erste, im arabischen Stil gehaltene Sitzgelegenheit vor. Über dem Kamin, der seit langem nicht mehr in Betrieb schien, hingen wertvolle, moderne Gemälde. Um den Kamin herum und unter dem Berg der herumliegenden Dokumente hervorlukend fanden sich Figuren aus der ganzen Welt. Aber all dies war nur der winzige Beginn eines Hauses, dass Schätze aus 1001er Nacht beherbergte. Die Tür fiel zu und unser Blick schweifte nach rechts, wo sich die Geschichten aus 1001er Nacht über die gesamten Wände und Treppen zogen. Malerfreunde von Felix hatten diese Kunstwerke im Haus verewigt. In jeden der Geschichten tauchte Felix Gesicht auf. Ob als Schah, als eine Art Yoga-Man, der nur mit einem Lendentuch bekleidet ist, oder umringt von den schönsten Frauen der Welt umringt. Die Farben machten die Geschichten so lebendig, dass man glauben konnte, man würde direkt hindurchgehen. Gegenüber der Treppe, die hinunter in die Küche und hinauf zu den Schlafgemachen führte, befand sich eine ganze Bibliothek. </p>
<p>Felix hatte sich eine derartige Büchersammlung angeschafft, dass sie locker jede Kleinstadtbibliothek füllen konnte. Auf dem langen Tisch, der sich vor einem der Bücherregale entlangstreckte, lagen Unmengen von Papieren, Magazinen, Bildern, Postern, Postkarten und Büchern herum. Obwohl diese Ansammlung auf uns reichlich ungeordnet wirkte, wusste Felix genau, was er wo finden konnte. Die Ordnung im Chaos. Wer aufräumt, ist zu faul zum Suchen. Alle Bücher, Möbelstücke und Souvenire aus fernen Ländern versteckten sich unter einer leichten Staubschicht. Das Ende des Bibliotheksraumes bildete eine kleine Sitzecke, die im chinesichem Stil eingerichtet war. Das Sofa, der Tisch, die kleinen Elemente, die hier und da mittels Figuren hinzugefügt waren, all dies war original aus China. Wir nahmen sogleich Platz, um die Atmosphäre in uns aufsaugen zu können. </p>
<p>Weiter ging es zu den Schlafgemächern. Wir bekamen ein Zimmer zugewiesen, das ein Außen- und ein Innenfenster besaß. Das Außenfenster war gewöhnlich, doch das Innenfenster war im Stil eines ovalen Bullauges konstruiert. Es hatte metallene Verzierungen ringsherum und wenn wir es öffneten, fiel unser Blick direkt in die 1001 Nacht Geschichten hinein, die die gesamte gegenüberliegende Wand verzierten. Wir waren wohl wirklich in einem dieser Märchen gelandet. Felix Zimmer schien auch einem Sturm erlegen gewesen zu sein, denn um zu seinem Computer zu gelangen, musste man über Berge von auf dem Boden verstreuten Dokumenten steigen. Zwischen Felix und unserem Zimmer lag ein großes Bad. Um dies zu benutzen mussten wir sicher gehen, dass Felix wusste, dass wir uns im Bad befinden, denn es hatte zwei Türen. Eine, die direkt von Felix Arbeitszimmer hineinführte, eine andere, die vor unserem Zimmer lag. Einmal hatte Felix nicht mitbekommen, dass Augustas eine Dusche nimmt und spazierte in das Bad hinein, um sich auf der Toilette zu entledigen. Es schien, als hätte er auch beim Herausgehen noch keine Ahnung davon, dass da jemand vor ihm hinter dem Sichtfenster in der Dusche stand. </p>
<p>Zu guter Letzt blieb uns noch das Untergeschoß zu entdecken. Dort war Felix gerade dabei, einen hausinternen Garten anzulegen. Hinter diesem Garten, befand sich ein kleiner Raum, der vollkommen mit Büchern, Zeitschriften, Schriften, Wissenschaftlichen Arbeiten und sonstigem literarischen Werken bestückt war. Alles fand sich in großer Unordnung, denn Felix hatte keine Zeit, die kostbaren Werke zu sortieren. </p>
<p>Nun aber zur Küche. Schwelgten wir nach der ersten Hausbesichtigung noch in den Geschichten aus 1001er Nacht, wurden wir spätestens jetzt wieder in die Realität zurückgeholt. Die Küche begrüsste uns in einer Form, als wären wir auf einer Müllhalde gelandet. Der Küchentisch berherbergte einen knapp 50 Zentimeter großen Stapel aus altem Papier, leeren, mit Resten versehenen Dosen, verschimmeltem Brot, Eierschalen, Spuren von Tomaten, die gleich auf dem Tisch geschnitten wurden, Tassenringe, dreckigen Gläsern, die teilweise halbvoll mit vergorenem Saft dastanden und dreckige Plastikbehälter, die aus ökologischen Gründen gesammelt wurden. Die Spüle wies ein ähnliches Bild auf. Der Herd stand dem Ganzen in nichts nach, nur dass sich darauf auch etliche Pfannen und Töpfe befanden, die wohl ungewaschen immer wieder verwendet wurden. In vielen dieser Kochutensilien befanden sich Essensreste. Es stank erbärmlich nach verschimmelten Essen in der Küche und wir vermuteten, dass der Geruch aus einem der Töpfe kommen musste. Auf dem Küchenschrank konnten wir keinen Zentimeter Platz erspähen, an dem nicht irgendetwas stand. Der Abfall schien an Ort und Stelle auf den Boden zu fallen, ohne gezielt den sich dort befindlichen Müllbeutel aufzusuchen. Da lagen Eierschalen, Gemüsereste und auch sonst klebte der Boden vor Unreinheit. Felix meinte zu diesen Zustand, &#8220;Ich hatte noch keine Zeit, die Küche aufzuräumen, da ich erst vor ein paar Tagen (von einer Reise) zurückgekommen bin.&#8221; Wie lange das alles schon vor sich hinschimmelte&#8230; Um uns &#8220;gemütlich&#8221; an den Tisch zu setzen und einen Saft wie auch ein Stück Brot zu &#8220;genießen&#8221;, schob Felix mit seinem rechten, langgestreckten Arm den Haufen Tischmüll in Richtung Wand. Wir hatten jetzt tatsächlich Platz unsere Gläser abzustellen und auch das Brot, was Felix mitgebracht hatte, auf den Tisch zu legen. Doch abgewischt wurde vorher nicht. Wir hüteten uns also davor, uns gemütlich auf den Tisch zu stützen, denn wir wollten nicht mit unseren Sachen daran kleben bleiben. Appetit, muss ich ehrlich sagen, hatte ich an diesem Tisch keinen mehr. Aber darüber mussten wir auch hinwegsehen. Schließlich waren wir herzlich eingeladen wurden und neben der Küchenmüllhalde und dem Chaos, was im ganzen Haus herrschte, nahmen wir Herrn Felix eben einfach so, wie er ist. Zumindest an diesem ersten Tag noch.</p>
<p>Vor allem an diesem ersten Abend, als wir da beisammen in der Müllhalde des Hauses saßen, teilte Felix mit uns seine persönliche Lebensgeschichte. Als junger Mann hatte er an einem Austauschprogramm in Deutschland teilgenommen. Dieser Auslandsaufenthalt hatte ihm die Augen geöffnet und er hat seit diesem Tag einen großen Teil der Welt besucht und auch in vielen Ländern auf verschiedenen Kontinenten gelebt. Er liebte das Reisen und er verzehrte fremde Sprachen wie andere Schokolade. Felix sprach acht Sprachen fließend und weitere 10 ausreichend, um sich behelfsmäßig zu verständigen. Deutsch war ein<br />
e seiner Lieblingssprachen, so dass er in seinen Erzählungen oft auf Deutsch umstellte. Zum Nachteil für Augustas, der die Sprache nicht beherrscht. Er wusste einige litauische Ausdrücke zum Besten zu geben und wartete mit vielen asiatischen Sprachkenntnissen auf, die er uns meist ins Englische übersetzen musste, da Augustas noch nicht so gut spanisch sprach. Dafür verstand er sich mit Felix auf Russisch, wo ich nun hinten anstand, denn ich hatte meine Kenntnisse der russischen Sprache weit im Hinterkopf vergraben. Wir unterhielten uns letztlich in fünf Sprachen, in die sich von Felix Seite auch immer wieder Chinesisch, Japanisch, Französisch und Norwegisch mischte. Felix erzählte uns von seinen Lebensanschauungen, seiner kurz vor dem Ende stehenden Doktorarbeit und über das Vorhaben, sein Haus in ein kulturelles Zentrum zu verwandeln. Wir wurden von allen Ausführungen gedanklich mitgerissen und konnten uns gut vorstellen, wie Felix Haus ein kultureller Anlaufpunkt in Xochimilco wird. Nur würde er dafür wohl eine Putzfrau anstellen müssen.</p>
<p>Felix teilte uns kurz nach unserer Ankunft Aufgaben zu, die wir gerne machen &#8220;könnten&#8221; bzw. sollten. Er wusste, dass ich gerne male und so drückte er mir Pinsel und ein Foto in die Hand und erklärte, an welcher Wand er das Motiv gerne verewigt finden würde. Augustas wurde dazu eingeladen, für ihn den Computer besser funktionstüchtig zu machen und über das Programmieren einer Website nachzudenken. Die Bibliothek fiel auf meine Kappe, da ich eine Bemerkung machte, dass hier eventuell Ordnung geschaffen werden müsse. Ich durfte gleich damit anfangen, meinte er. Ich habe wirklich Talent für solche Fälle, aber mir stand nicht der Sinn danach, als Gast bei Jemanden zum Ordnung schaffen &#8220;angestellt&#8221; zu werden. Da sträuben sich mir die Nackenhaare und ich schalte auf &#8220;jetzt erst Recht nicht&#8221;. Zu dem Gemälde an der Wand ist es nie gekommen und auch die Bibliothek hat keine großen Veränderungen durch meine Hände erfahren. </p>
<p>Dafür haben wir uns aber, entgegen unserer &#8220;Aufträge&#8221; für die Instandsetzung des nötigsten Zimmers angenommen: der Küche. Als Felix also am nächsten Morgen verschwand, standen wir kurze Zeit später in der Müllhalde und versuchten daraus eine Küche zu machen. Dies geschah mehr aus Eigeninteresse, denn es war so widerlich in der Küche, dass uns bei dem Gedanken dort zu essen oder Speisen auf dem Herd zuzubereiten der Ekel den Rücken hinaufkroch und in unserer Kehle stecken blieb. Zur Beseitigung der stinkenden Unordnung mussten wir allerdings beachten, dass wir ja keine wieder- bzw. weiterverwendbaren Gegenstände in einem Müllsack verschwinden ließen. Das hätte uns Felix mit seinem Umweltsinn übel genommen. Das hieß im Klartext ausgedrückt, dass wir jedes mit Essen verrotete Becherchen, Plastikschälchen, Döschen, Silberpapier und weiss der Geier was abwaschen und sortieren mussten. Am Morgen hatte uns Felix noch seinen Garten gezeigt, der sich in einem winzigen Hinterhof befand. Dort hatte er einen großen Zitronenbaum stehen und pflegte vereinzelt ein paar weitere Pflanzen. Seinen organischen Abfall lieferte er immer direkt an den Baumstamm des Zitronenbaumes, damit er kräftig weiter austrieb. Die Zitronen, die viel zu viel für eine Person waren, stapelten sich draußen wie drinnen in jeder Ecke und, da sie einfach nicht genutzt werden konnten, verrotetten zumeist. Im Garten befand sich ein großes Steinwaschbecken und auch dieses war vollgestellt mit dreckigem Geschirr und zermatschten wie auch verschmimmelten Esswaren. Drinnen in der Küche, nachdem wir uns die Inhalte der Töpfe näher angeschaut hatten, erfuhren wir den Grund für das enorme Stinken: eine vergoren-verschimmelte Suppe, von der noch mindestens zwei Liter im Topf standen. Wir entsorgten sie sofort. Mehr als vier Stunden benötigten wir für die mehr oder weniger &#8220;Instandsetzung&#8221; der Küche. Wir waren völlig kaputt, doch das Ergebnis ließ uns zumindest an einem sauberen, leeren Tisch sitzen und unser Essen auf einem sauberen Herd in gereinigten Kochutensilien zubereiten. Und der Gestank war nach vier Stunden Lüften auch endlich verflogen. Wir konnten stolz auf uns sein. </p>
<p>Felix bemerkte die Arbeit und bedankte sich dafür. Statt allerdings eine gewisse Ordnung und Sauberkeit zu pflegen, fanden sich nach jedem Besuch Felixs in der Küche Kleberänder und Kuchen- oder Brotkrümel auf dem Tisch, das Geschirr war statt es richtig abzuwaschen nur behelfsmäßig kurz unter kaltes Wasser gehalten wurden und umgekehrt zum Trocknen aufgestellt. Eine Weiterbenutzung erforderte jedes Mal ein erneutes Abwaschen von unserer Seite. Felix ließ die Töpfe halbvoll stehen und auch die gewohnten Eierschalen in der Nähe der Spüle und des Herdes durften nicht fehlen. Wir stellten in unseren Bart murmelnd die Ordnung wieder her und mit den Tagen verbesserten sich Felix unsaubere Angewohnheiten sogar ein kleines bischen.</p>
<p>Ein heikles Thema für uns waren auch die Toiletten. Felix litt an Durchfall, dem er noch dazu mit ein paar Tabletten half richtig auszubrechen. Nun gut, jeder kann einmal an Durchfall leiden, wenn aber beide Toiletten, die irgendwie nutzbar sind, von oben bis unten mit Scheiße vollgesprengelt sind, hört das Verständnis auf. Zumindest hätte er einmal mit Toilettenpapier die Spritzer abwischen können, doch so weit kam es nie. Es war also jedes Mal eine Ekelerregung, wenn sich der Drang nach der Toilette spürbar machte. Ich setzte mich nur noch wenn unbedingt notwendig auf den Sitz, denn ich wollte nicht auch noch mit einem gesprenkeltem Hintern vom Toilettensitz wieder aufstehen. Für wirklich dringende Fälle nutzte ich Wasser, Seife und Toilettenpapier, um Felix Spuren zu beseitigen und mich guten Gewissens niederzulassen. Noch schrecklicher als die Spuren waren die Geräusche, die Felix von sich gab, wenn er seinem Durchfall im Bad freien Lauf ließ. Es war über jegliche Ekelgrenzen hinaus widerlich.</p>
<p>Sobald wir uns in Felix Obhut befanden, mussten wir uns um die Organisation unserer Freizeit keine Gedanken mehr machen. Felix übernahm das aufopfernd für uns, obwohl wir nicht einmal danach gefragt hatten. Er führte Gespräche mit anderen Servas Mitgliedern, versuchte Treffen mit interessanten Persönlichkeiten zu arrangieren, schlug uns Kunstgalerien zur Besichtigung vor und erwähnte Orte, die es wert wären, sie zu besichtigen. Durch all seine Aktionen schaffte er es auch, uns für den &#8220;Dia de los Muertos&#8221; (Tag der Toten) unter die Fittiche eines jungen Servas Mitgliedes namens Rodolfo in Mixquic zu geben.</p>
<p>Einen Tag vor dem &#8220;Dia de los Muertos&#8221; verabredeten wir uns mit Rodolfo in der Nähe von Felix Haus. Rodolfo wollte uns abholen und dann direkt mit uns zu einem Fest in Mixquic fahren. Nach zwei Stunden Warten an einer vielbefahrenden Straße, kam Rodolfo endlich angebraust. Durch die Festaktivitäten und wie üblich um die frühe Abendzeit waren die Straßen in Mexiko Stadt komplett verstopft gewesen. Ein Stau reihte sich an den nächsten und Rodolfo hatte die ganze Zeit den Druck im Nacken, rechtzeitig zu unserem Treffen zu kommen. Das war kein leichtes Unterfangen. Unsere Geduld siegte mal wieder und so fanden wir uns bald in Gesellschaft eines jungen, fröhlichen, intelligenten Mannes wieder, der genau auf unserer Wellenlänge lag. Wir verstanden uns auf Anhieb und die noch vor uns liegenden Staus auf dem Weg nach Mixquic störten uns nun überhaupt nicht mehr. Rodolfo war müde von diesem langen Tag, doch er erzählte uns trotz alledem begeistert von der ganzen Geschichte und all den Traditionen rund um den Todestag, wie auch über seine Kultur. Er stammte mütterlicherseits von einem indianischen Stamm ab und hatte sich eingehend mit seiner Kultur auseinandergesetzt. Ohne mich an seine Kultur zu erinnern, haben mich die Details um deren Traditionen sehr berührt. Schon als Kind träumte ich von einem Indianerdasein und mit Rodolfos Erzählungen konnte ich in die Welt dieser Kultur unbeschwert eintauchen. Auf dem Weg nach Mixquic wurden wir von Kindern in Kostümen angehalten, die mittels einem Seil den Fahrweg abspe<br />
rrten. Sie kamen an die Autofenster gelaufen und verlangten Süßigkeiten, um ihre Beutel zu füllen. Dieses Spektakel praktizierten viele Kinder am Abend vor dem Todestag. Leider hatten wir keine Süßigkeiten dabei, wurden aber gnädigerweise trotzdem durchgelassen.</p>
<p>Endlich waren wir in Mixquic angekommen. Rodolfo parkte das Auto in der Garage, wo uns sein Hund unfreundlich knurrend begrüßte. Ins Haus eingetreten fanden wir Rodolfos Vater vor, der es sich in einem Sessel vor dem Fernseher gemütlich gemacht hatte. Sein Vater war so müde, dass er nach einer kurzen Begrüssung im Sessel wieder einschlief. Während Rodolfo eine Dusche nahm, lümmelten wir uns auf das Sofa und genossen die Beriesselung mit Fernsehanekdoten. Später kam Rodolfos Bruder nach Hause und wir aßen allesamt eine merkwürdige Suppe. Geschmeckt hat sich uns nicht, aber aus Höflichkeit versuchten wir zumindest, die Suppe zu vertilgen.</p>
<p>Eigentlich waren wir mittlerweile alle hundemüde, aber da wir ja nach Mixquic gekommen waren, um an dem Fest zum Todestag teilzunehmen, gaben wir dem Schlafdrang diesmal nicht nach. Auch Rodolfo rappelte sich wieder auf und los gings. Entgegen Rodolfos Gewohnheiten für die Teilnahme an den Feiern des Todestages, nahmen wir diesmal das Auto. Das bedeutete erneut Staus, aber nach einer geschlagenen Stunde, obwohl es wirklich nicht sehr weit war, erreichten wir endlich den Ort des Geschehens. Mit dem Parken von Autos verdienen die Einwohner von Mixquic an jedem Todestag etliche Pesos, denn jeder will sein Gefährt sicher aufgehoben wissen und parkt es in privaten Hinterhöfen ab. Jedes Jahr am Tag vor dem &#8220;Dia de los Muertos&#8221; finden in Mixquic ausschweifende Feierlichkeiten statt. An diesem Abend werden die skurillsten Süßigkeiten feilgeboten, die oft einen Totenkopf darstellen. Meistens bestehen diese süssen Dinger aus gepoppten Mais und Amaranth. Dazu gibt es ein besonderes Brot, was speziell für den Todestag verkauft wird. Bei unserer Ankunft deckten wir uns also erst einmal damit ein. Augustas probierte einen traditionellen mexikanischen Maisdrunk, der mir wegen der Milch aber vorenthalten blieb. Wir zogen weiter und bestaunten die wundervollen, handgefertigten Kleider, den außergewöhnlichen Schmuck und die Menschen, die ausgelassen durch die Stände schlenderten. Es wimmelte nur so von Besuchern. Am Ende der Verkaufsstrasse kamen wir zu einem weitläufigen Platz. Dort tobte das Leben. Es schien mir fast, als ob wir auf einem öffentlichen Faschingsfest gelandet waren. Überall stoben neue, verrückte Kostüme aus den Ecken, die sich mittels der darin befindlichen Menschen geisterhaft durch die Gegend bewegten. Der Mittelpunkt des Festes bot der Tanz indianischer Vorfahren. So zumindest schien es. Trotz der Eiseskälte, die an diesem Abend herrschte, tanzten um die fünfzig Personen in knappen, prachtvoll indianischen Kostümen über den Platz. Der mit Federn bestückte Kopfschmuck, der die Häupter der Männer schmückte, musste einige Kilo wiegen. An den Beinen hatten die Tänzer Rasseln hängen, die bei jedem Schritt, Aufstampfen oder Drehen einen besonderen Klang verlauten ließen. Die Tänzer waren fast alle barfuß und viele Männer hatten ihre Oberkörper entblößt. Typisch indianisch halt. Die Menge, die diesem Schauspiel zusah, konnte nicht umhin, als mit den Füßen dem Tanzrythmus zu folgen. Kaum lugten wir ins Geschehen hinein, zappelten auch wir in den hintersten Reihen mit. Es war unmöglich bei so viel Energie still zu stehen. Als wir entgegen der Tänzer nicht mehr stehen konnten, liefen wir eine Treppe empor, von der aus wir die Tänze aus einer anderen Perspektive geniessen konnten. Diesmal allerdings im Sitzen, aber noch immer mit wackelnden Beinen. Wir verbrachten einige Stunden an diesem Festplatz, in dem wir meistens nur die Veranstaltungen und die Besucher beobachteten. Mittlerweile zog sich die Müdigkeit bereits durch alle Glieder, so dass wir nur noch einen Blick auf den Friedhof werfen wollten. Der war, neben all den anderen Aktivitäten, die Hauptattraktion des Todestages. Der große Friedhof in Mixquic, wo sich die ganzen Festlichkeiten vor seinen Toren vollzogen, war für die besondere Herrichtung seiner Gräber bekannt, doch leider kamen wir nicht in den Genuss, diese Kunstwerke zu betrachten. Der Friedhof war verschlossen und bewacht und würde vor dem Morgengrauen seine Tore nicht öffnen. Denn erst am Todestag selbst würden die Gräber ihren Schmuck erhalten und dürften von allen Interessenten gesehen werden. Wir begnügten uns also mit der Einladung Rodolfos, am kommenden Vormittag mit ihm und seiner Familie auf einen kleineren Friedhof in Mixquic zu gehen, um dort die Festlichkeiten des Todestages zu erleben.</p>
<p>Wieder hieß es eine Stunde Autofahrt zurück nach Hause. Wir schliefen in Rodolfos Zimmer, wo wir uns das Bett im wahrsten Sinne des Wortes teilten. Das Bett bestand aus zwei aufeinandergestapelten Matrazen, die wir einfach auseinandernahmen. Ohne grosse Gute-Nacht-Gesage-Zeremonie fielen wir in einen tiefen, erschöpften Schlaf. Am Morgen ging es nach dem Aufstehen direkt zu Rodolfos Verwandten, die bereits Frühstück zubereitet hatten. Es gab Tamales verschiedenster Sorten. Ein Tamal ist eine Masse aus Maismehl, in dessen Mitte sich Fleisch, Käse oder Bohnen befinden. Diese Masse wird in ein Bananenblatt eingewickelt und in heißem Wasser gekocht. Heraus kommt eine Gaumenfreude, die süchtig macht. Ich war hocherfreut, dass auch ich diesmal zulangen konnte, denn es waren ausreichend Tamales mit Bohnenfüllung vorhanden. Auch die Familie freute sich verzückt, dass es mir bzw. uns so gut schmeckte. Augustas nahm Tamales mit Käse, die allerdings auch mit Chillischoten gefüllt waren. Nach kurzer Zeit brannte ihm dadurch der ganze Mund und sein Kopf bekam ganz rot. </p>
<p>Das Haus von Rodolfos Verwandten war spärlich eingerichtet, verfügte aber über einen bestimmt sechs Meter langen Tisch. Man weiss ja nie wieviele Gäste kommen&#8230; Während die Tanten sich um das Wohl unserer Mägen kümmerten, hatten wir Zeit, uns mit dem Rest der Familie zu vergnügen. Wir konnten auch den hauseigenen Altar bestaunen, der mit seinen vielen Kerzen, Blumengestecken und essbaren Opfergaben eine wundervolle Wärme im Zimmer ausstrahlte. Nachdem wir nichts mehr in unsere Bäuche bekamen, machten wir uns zum Friedhof auf. Wir wussten beide wie der Todestag in unseren Ländern begangen wird, doch meistens verlief dieser Tag in stiller Trauer um die Verstorbenen. In Mexiko passierte das ganze Gegenteil. Weder von Stille, noch von Trauer war eine Spur zu sehen. Die Menschen strömten mit ihren ganzen Familien lauthals lachend und mit strahlenden Augen zu den Gräbern ihrer Vorahnen. Sie hatten Gartenwerkzeuge, etliche Blumen und Gestecke sowie Speisen bei. Sie rupften das Unkraut, kehrten die Steinplatten, steckten frische, bunte Blumen in die Vasen und setzten sich auf die Gräber. Dort breiteten sie ihr Essen aus, dass sie imaginär mit den Seelen der Vergangenen teilten und denen sie mit verschiedenen Getränken zutosteten. Einige Leute gingen gar so weit, dass sie eine Musikgruppe ans Grab bestellten und traurig-schöne Lieder spielen ließen. Durch den ganzen Friedhof streiften die Kinder, die sich für diesen Tag besonders gern in Draculas und sonstige dunkle Gestalten verwandelten. Einen herzhafteren, fröhlicheren Todestag haben wir nie zuvor erlebt und wir befanden, dass es an der Zeit war, diese Tradition auch in unsere Länder zu tragen. Denn schließlich war der Todestag der Moment in einem Jahr, wo die Seelen der Toten zum Ort ihrer Körper zurückkehrten und die glücklichen Zeiten wie in der Vergangenheit mit ihren noch auf der Erde befindlichen Familien teilten. Als Abschluß dieser ganzen Feierlichkeiten gab uns Rodolfo auch noch eine CD mit den berührenden Liedern, die wir an den Gräbern gehört hatten. </p>
<p>Es war Zeit sich auch in Xochimilco ein bischen mehr umzuschauen und so machten wir uns zu einer Gondelfahrt auf. Wir kamen am frühen Morgen, doch zu dieser Zeit gab es nur die teure Variante des Mietens einer eigenen Gondel, was nahezu 200 Peso<br />
s (16 Euro) kostete. Wir mussten uns also bis zwei Uhr nachmittags gedulden, denn dann würde eine Art Sammel-Gondel für bis zu zwanzig Teilnehmer starten. Die Gondel fuhr letztlich gegen halb Drei ab und hatte gar noch einige Plätze frei. Die Fahrt kostete knappe 30 Pesos (2,30 Euro). </p>
<p>Noch während wir auf die Abfahrt warteten, konnten wir von unserer Gondel aus das Treiben auf dem Wasser beobachten. Dabei entdeckten wir die verschiedensten Gondel- und Bootsführer. Die erste Sorte steckte in todschicken, mexikanischen Kostümen und unterhielt die Gäste meist auch verbal oder musikalisch. Unter die zweite Sorte fielen Musikanten, die ihre eigene Gondel besaßen, sich an die Vergnügungslustigen auf anderen Gondeln herantasteten und gegen Honorar bezaubernde Musik verlauten ließen. Während dieser Mini-Wasser-Konzerte hatte der Gondelführer meist nichts zu tun und las auch einfach mal in der Tageszeitung. Von der dritten Sorte waren die Verkäufer, die mit dampfenden Kochtöpfen angefahren kamen und gebratene Maiskolben und andere Mahlzeiten anboten. Die Nummer Vier erhielten die Bootsleute, die für ihr Restaurant oder ihr eigenes Haus notwendige Waren, vor allem Lebensmittel und Getränke, beförderten. Und schließlich kommen wir zur fünften Sorte, die auf eine einzelne Dame entfiel. Sie war in einem etwas gruseligem Kostüm verkleidet und bat die Bootsleute um eine Mitfahrgelegenheit, um zu ihren theatralischen Auftritten auf den Vergnügungsgondeln zu gelangen. Obwohl der Fluß völlig mit Gondeln verstopft war und wir gar in Staus hineingerieten, beruhigte und vergnügte uns das Wippen unseres Gefährts. Einmal stiegen wir aus, um einen botanischen Garten zu besuchen. Dort hätten wir auch Pflanzen kaufen können. </p>
<p>Während wir in dem Garten und dessen näherer Umgebung herumstreiften, entdeckten wir eine eigenartige, ungefähr kopfgroße Frucht, die sich in Armlänge erreichbar vor uns präsentierte. Sollten wir sie pflücken? Schließlich schien sie ja niemanden zu gehören. Doch wir befanden, dass die Frucht oder auch das Gemüse, was auch immer es war, wohl einfach dorthin gehörte. Wir rührten sie also nicht an. Eine Mutter, die mit ihren Kindern hinter uns herspazierte, hegte den gleichen Gedanken wie wir bei Entdecken der Frucht. Sie sprach sich mit ihren Kindern ab, deren Augen bei der Stiebbitzidee sofort aufleuchteten. Die Kinder schafften es, die Frucht von ihrem Busch abzutrennen und übergaben sie ihrer Mutter. Da die Mutter die Frucht aber nicht richtig zu greifen bekam, fiel sie ihr aus der Hand und rollte in Blitzeseile bis in den Fluß hinein. Wir hatten es doch geahnt. Die Frucht gehörte an keinen anderen Ort als diesen hier. </p>
<p>Gerade als wir im Stau standen konnten wir das Treiben auf all den andern Gondeln ausgiebig beobachten. Da waren Jugendliche, die wahrscheinlich einen Geburtstag auf der Gondel feierten, feine Herrschaften, die sich ein teures Menü auf die Gondel bestellt hatten und natürlich auch für ihr privates Konzert bezahlten, Arbeitskollegen, die einen Firmenausflug machten, Familien, die ihren freien Tag sinnvoll mit den Kindern verbringen wollten, alte Leutchen, die sich bestimmt schon zum dreihundersten Mal diese Reise antaten usw. Es war alles dabei, auch Traveller, so wie wir. Die sammelten sich aber ausschließlich in der Gemeinschaftsfähre, weil das Budget für die Eigenmiete über die verfügbaren Geldmittel hinausgingen. </p>
<p>Die Gondelfahrt war das Warten und die Staus wirklich wert gewesen. Die faszinierende Wasserwelt mit ihren tausendfarbig-strahlenden Gondeln und Gondelführern, das bunte Bild der Vergnügungslustigen, die Ruhe auf dem Wasser, die uns Tiere und vor allem Vögel erspähen ließ und das leichte Wankeln, mit dem wir in einen tranceartigen Zustand versetzt wurden. Die eine Stunde auf dem Wasser füllte ganze Gefühls- und Wahrnehmungswelten. </p>
<p>Nach der langen Zeit des Wartens und der einstündigen Gondelfahrt war es höchste Zeit eine Toilette aufzusuchen. Gleich an dem Ankunftsort wurden wir fündig. Der Benutzungspreis war unerhört teuer, doch was sollten wir machen. In der Toilette gab es kein Licht, so dass ich mich nur wage orientieren konnte. Der ganze Fußboden war nass, wahrscheinlich, weil die Mexikaner gerne mit viel Wasser reinigen. Die Hose schweifte unglücklicherweise auf dem Fußboden, doch da sie eh bereits nass war, nützte das Hochkrempeln jetzt auch nichts mehr. Das dachte ich zumindest. Als ich fertig war und aus meiner Toilettenzelle herauskam, fiel ein Lichtstrahl auf den Toilettenboden. Da sah ich, dass weit und breit um die Toilette herum eine durchfallartige Masse verteilt war. Mir wurde schlecht und klar, dass meine Hosenenden nicht in Wasser, sondern in Durchfall gebadet hatten. Ich stürmte wütend aus der Toilette heraus, um mir das Ergebnis anzusehen. Meine Ekelgrenzen wurden dabei wirklich ausgetestet. Mit unserem eigenen Toilettenpapier hockte ich mich also in die nächste Straßenecke und versuchte mich, ohne die klebrige Durchfallmasse auch nur im Entferntesten anzufassen, meine Hosenbeine notdürftig zu reinigen. Puh, was für ein Erlebnis nach diesen Höhenflügen auf der Gondel! Ich konnte nicht nachvollziehen, wofür ich eigentlich so viel Geld für die Toilettennutzung bezahlt hatte. Für den Durchfall vielleicht? Na dann, vielen Dank.</p>
<p>Auf unseren Streifzügen durch Xochimilco fanden wir einen wunderschönen &#8220;Bauernmarkt&#8221;, auf dem wir immer frisches Obst und Gemüse bekamen. Auch stöberten wir den einen oder anderen Naturladen auf, die mich magisch anzogen. Wir entdeckten auf unseren Entdeckungstouren durch Xochimilco unter anderem eine Kunstuniversität. Als wir dort hineinspazierten, boten sich an vielen Außenwänden regenbogenbunte Kunstwerke, aus Steinen und Metall emporgewachsende Statuen, kreative Unordnung und viele Studenten, denen man vom Äußeren her ansehen konnte, dass sie zu den Künstlern gehörten. Ich seufzte. Gerade in einer solchen Umgebung träume ich von dem Tag, an dem ich mich irgendwo niederlasse und Kunst und Design studieren werde.</p>
<p>Während der Tage in Xochimilco entschied ich mich, einen erneuten Stuhltest zu machen. Ich hatte nach dem Parasitenbefall in Guatemala meine alte Stuhlkonsistenz nicht wiederherstellen können. Der Test ergab, dass nur ein (gutartiger) Parasit gefunden wurde. Der Arzt machte mir weiss, dass ich jetzt für einige Tage eine Hammerportion Chemie in mich hineinkippen müsste, damit ich auch diesen Parasit los werde. Kaum waren wir im Internet angekommen, informierte ich mich über den Parasiten, denn anders kam ich ja an keine vernünftigen Informationen heran. Es stellte sich heraus, dass dieser Parasit, den man bei mir gefunden hatte, völlig harmlos war und selbst mit den stärksten Chemiekeulen nicht auszurotten ist. Er gehört halt einfach irgendwann zum Verdauungssystem dazu. Stell sich mal einer vor, ich hätte mich nicht selbst kundig gemacht und diese Tortur mit einen der stärksten aller Antibiotika wirklich über mich ergehen lassen. Schreckliche Gedanken. Ich traute den Ärzten sowieso nicht mehr und dieses Erlebnis war nur eine weitere Bestätigung, dass die überhaupt keine Ahnung von der Sache haben. Nichts gegen Ärzte, aber in vielen Fällen stopfen sie einem einfach mit irgendetwas voll, weil: &#8220;Medizin wird schon ihre Wunder tun.&#8221; Und wenn man dann am Ende daran krepiert, liegt das mit Sicherheit nicht am Arzt. Vielen Dank, ich habe genug von der Schulmedizin.</p>
<p>Ich wusste es würde irgendwann passieren. Augustas und ich tobten durch unser Zimmer in Felix Haus, neckten uns gegenseitig wie kleine Kinder, sprangen umher und ich machte ausgerechnet eine ruckhafte Rückendrehung. Klack. Das wars. Die &#8220;Reparatur&#8221;, die der guatemalische Chiropraktiker an meinem Rücken manuell vorgenommen hatte, war futsch. Ganze sechs Wochen hatte das Wunder gehalten, in denen ich mich einzigartig gut gefüllt hatte, keine Schmerzen verspürte und mich frei, fröhlich und munter bewegen konnte. Nun war es mal wieder vorbei. Die ganze Rückenproblematik ging von vorne los. Prost Mahlzeit.</p>
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		<title>Menschen einer 22 Millionen-Einwohner-Stadt (October 20 &#8211; 30)</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Mar 2007 22:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katja &#38; Augustas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mexiko]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach diesem herrlichen, aktionsgefüllten Tag in Puebla, wollten wir morgens erst gar nicht aus unseren Betten kriechen. Wir fühlten uns hier so wohl&#8230; Wir schleppten uns aber doch irgendwie unter die eiskalte Dusche, die uns die Faulheit mit einem Ruck austrieb. Hinter uns abgeschlossen, den Schlüssel in des Nachbarns Briefkasten gesteckt, spazierten wir in Richtung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach diesem herrlichen, aktionsgefüllten Tag in Puebla, wollten wir morgens erst gar nicht aus unseren Betten kriechen. Wir fühlten uns hier so wohl&#8230; Wir schleppten uns aber doch irgendwie unter die eiskalte Dusche, die uns die Faulheit mit einem Ruck austrieb. </p>
<p>Hinter uns abgeschlossen, den Schlüssel in des Nachbarns Briefkasten gesteckt, spazierten wir in Richtung Stadtende. Wir wussten so ungefähr wo es sich befand. Die Autobahn war unser Ziel und der Weg streckte sich bis dorthin. Wir hielten also noch im Gehen unseren Daumen heraus. Verschiedene Taxis hielten an, die wir aber ins Jenseits schickten. Ein Taxi war allerdings hartnäckig. Es hielt uns eher an und bot einen derart günstigen Preis, dass wir ins Grübeln kamen. Träumten wir etwa? War an dem Gebären des Taxifahrers etwas faul? Unser Zögern führte bei dem Taxifahrer zu der Bemerkung, &#8220;Wie, ist euch das etwa zu billig?&#8221; Wir verneinten schnell und stiegen nachdenklich ein. Warum wohl nahm er uns so günstig mit? Der Fahrer erklärte, dass er sich eigentlich auf dem Nachhauseweg befand. Es war unser Glück, dass er an der Autobahn vorbeikam, die wir in Richtung Mexico Stadt nehmen mussten. Perfekt. Er brachte uns letztlich sogar noch ein kleines Stück weiter, so dass wir ungehindert lostrampen konnten und die Fahrzeuge nicht direkt auf der Autobahn anhalten mussten.</p>
<p>Wir brauchten nur mit dem Finger zu schnipsen und schon hatten wir eine Fahrt gewonnen. Die Dame war direkt auf dem Weg nach Mexiko Stadt. Die Überraschung war gelungen. Die Reise mit der Dame war ausgesprochen anregend, sowohl an Gesprächsthemen, wie auch der Tatsache, dass sie uns etwaige Orte in Mexiko Stadt vorschlug, die alternativer oder kreativer Natur waren. Wir machten bereits Pläne, was sonst eher nicht zu unseren Vorlieben zählt.</p>
<p>Wir fuhren gerade nach Mexiko Stadt hinein, da hielten wir an einer Telefonzelle an. Die Adresse, die uns meine Freundin Katheryn gegeben hatte, machte für unsere Fahrerin keinen Sinn. Sie wollte uns aber gerne vor der Haustür unserer Freundin absetzen. Wir versuchten daher Katheryn zu erreichen. Vergeblich. Die Fahrerin las unsere Beschreibung wieder und wieder, bis ihr ein Licht aufging. Mit einer ungefähren Ahnung, navigierte sie uns durch das unverständlichste Strassennummernsystem, das wir bisher kennengelernt hatten. Und da waren wir. Wir standen plötzlich direkt vor Katheryns Haus. Es gab keine Klingel, so dass wir Katheryn ein weiteres Mal anriefen. Wieder ohne Erfolg. Das Warten konnte einige Zeit in Anspruch nehmen und so ließen wir uns vor dem verschlossenen Hauseingang nieder und stärkten uns mit persönlichen Leckerbissen: Bohnen aus der Dose, Brot, Gurken und Äpfel.</p>
<p>Nach ein bis zwei Stunden und unzähligen Anrufversuchen, tauchten Katheryn und ihre Mutter am Hauseingang auf. Katheryn war beim Zahnarzt gewesen. Im vierten Stock angekommen, ging die Wohnungstür zu einer winzigen Bleibe auf. Katheryn hatte uns vor langer Zeit gesagt, dass die Wohnung ihrer Mutter zu klein wäre, um uns zu beherbergen. Wir fanden aber keinen anderen Gastgeber und so lud uns die Mutter trotzdem zu sich nach Hause ein. Direkt von der Wohnungstür fielen wir in die Stube. Dort fand ein runder Tisch mit vier Stühlen Platz, daneben stand eine Vitrine und dahinter befand sich jeweils links und rechts an der Wand ein Sofa für zwei bis drei Personen. Der Fernseher strahlte stumm und bildlos in der Mitte. Neben der Stube befand sich eine klitzekleine Küche. Sitzen konnte man dort nicht und auch sonst war mehr als eine Person in der Küche nicht ratsam. Am linken Ende der Stube befand sich das Bad, was in seiner Größe der Küche wahrlich keine Konkurrenz machte. Hinter der Stube teilte sich die Wohnfläche in zwei kleine Zimmer, das der Mutter und des Bruders Raul. Wir würden also in der Stube schlafen. Das nahmen wir zumindest an. Wir lagen damit völlig daneben. Katheryns Mutter bestand energisch darauf, dass wir in ihrem Ehebett nächtigen und sie derweil mit Katheryn den Boden in der Stube bezieht. Uns waren die Hände gebunden und eine Ablehnung trotz ausgesprochener Proteste unsererseits völlig zwecklos. Als wir am ersten Abend entdeckten, dass unsere Gastgeber nur auf einer dünnen Decke als Untergrund schliefen, fühlten wir uns noch unwohler. Wir boten ihnen gar unsere Matrazen an, aber auch die lehnte die Mutter ab.</p>
<p>Auch sonst wurden wir auf eine liebenswerte Art zu ihren Schützlingen degradiert, um die sich gekümmert wurde, denn es sollte uns an nichts fehlen. Sie kochte für uns die schönsten Gerichte, kaufte den ganzen Gemüseladen für uns leer, fragte uns stets nach unseren Essenswünschen und machte sich Sorgen, ob wir auch wirklich satt wurden. Wir wurden mit Delikatessen verwöhnt und rund um die Uhr von Katheryns Familie und Besuchern unterhalten. Nach einigen Tagen ermüdeten wir ein wenig der Fürsorge, konnten aber nicht umhin, Katheryns Mutter für ihren Einsatz zu lieben. </p>
<p>Katheryns Bruder Raul war eine interessante Persönlichkeit. Die Ruhe in Person liebte er es, mit den Nachbarskinder zu spielen. Seine Geduld war erstaunlich. In tiefergehenden Gesprächen erfuhr ich von ihm viel über den Buddhismus, in den ich mich ja bereits hineingelesen hatte. Raul war seit zwei Jahren Buddhist und praktizierte nebenbei auch eine islamische Religion. Das beeindruckte mich sehr.</p>
<p>Am Abend unserer Ankunft waren wir zum Sushi-Essen bei Freunden eingeladen. Die Gastgeberin war eine Malerin, die reichlich abstrakte Kunstwerke zustande brachte. Sie war im Übrigen die Meistern des Sushi an diesem Abend. Sie zauberte gar veganes Sushi für uns her. Ihr Freund Paco war in der Filmbranche tätig und präsentierte in den kommenden Wochen seinen neuen Film in Mexiko und Europa. Er lud uns auch gleich zur Uraufführung ein, an der wir später allerdings nicht teilnehmen konnten. Rigel (setze hier eine Fußnote mit Link) war ein weiterer Gast. Auch sie war leidenschaftliche Malerin. Ihre bevorzugten Objekte waren Frauen. Erotische Art war ihr ausschließliches Thema. Ihre Arbeiten waren so fein gezeichnet, dass sie auf den ersten Blick wie Fotografien aussahen. Rigel befand sich gerade im Dauerstress, denn für die kurz bevorstehende Eröffnung ihrer ersten, eigenen Galerie musste sie unerwartet noch eine handvoll weiterer Gemälde anfertigen. Ihr verblieb noch ein knapper Monat, um die Gemälde zu liefern. Ihr Ehemann tauchte im Anzug mit Krawatte auf. Wie passte das denn zusammen? In der Vergangenheit war er ein Hippie mit langen Haaren gewesen, der mit Vorliebe Marihuana rauchte. Jetzt war er zum Bankangestellten mutiert. Lustig, welche Wege das Leben oft geht. </p>
<p>An einem der folgenden Tage trafen wir uns mit einer anderen Truppe von Katheryns Freunden, die sich bereits seit der Schulzeit kannten. Wir trafen uns im Coyoacan Viertel, das berühmt für seine vielen Straßencafes, Restaurants und das Museum von Frida Kahlo (eine berühmte mexikanische Künstlerin) war. Dort gab es ganzwöchig einen Kunstmarkt, der aber nur an den Wochenenden richtig zum Leben erwachte. Unzählige Hütten reihten sich aneinander, die Kunst, Gemälde, Schmuck, Kleidung und Esswaren anboten. Es war ein Genuss für die Sinne, durch diese improvisierten Läden zu streifen. Wir gingen in eines der Lieblingscafes von Katheryn. Dort probierten wir von einem eigenartigen Bier. Das Bierglas war am Trinkrand mit Limone und Salz prepariert. Es gab auch noch eine Chilli-Variante davon. So weit gingen wir bei unserer Wahl aber nicht. Später am Abend wollten wir etwas Essen gehen. Das endete in einer ewigen Suche. Jemand hatte eine Idee, wir fuhren dorthin, das Restaurant war voll oder bot keine veganischen Speisen an. Wir parkten hier, und dort, und immer so fort. Es war mittlerweile schon reichlich spät, als eine Freundin auf die Idee kam, ins &#8220;100% Natural&#8221; (100% Natürlich) zu gehen. Dort würden auch vegetarische Speisen serviert. Wir wurden nicht enttäuscht. Die Karte hielt eine zauberhafte Welt von vegan und vegetarisch abgewandelten Speisen bereit. Ich entschie<br />
d mich für die traditionellen Tacos, die in diesem Restaurant mit einem Fleischersatz (Seitan oder Tofu, weiss ich nicht genau) zubereitet wurden. Augustas entschied sich für eine Suppe. Wir entschieden unser Essen miteinander zu teilen. Halb Suppe, halb Tacos. Als die Tacos serviert wurden und ich zum ersten Mal hineinbiß, wollte ich gar nicht mehr mit Augustas teilen. Die waren ein Traum. Die Tacos stimulierten derart meine Geschmacknerven, dass sie meinen Mund fast zum Schlingen verführten. Ich bot dem Einhalt und genoss, genoss und genoss diese Köstlichkeit bis zum letzten Krümel. Augustas bekam natürlich auch seine Portion ab, denn letztlich waren drei Tacos eh viel zu viel für meinen Magen. Dieses Gericht werde ich wohl in meinem Leben nicht wieder vergessen. Das &#8220;Dessert&#8221; dieses Restaurantbesuches war, dass Katheryn darauf bestand, die Bezahlung für uns zu übernehmen. Wir schwebten auf Wolke Sieben.</p>
<p>Es war an der Zeit, den alternativen Markt &#8220;El Chopo&#8221; zu besuchen. Den hatte uns ja die Dame, die uns bis Mexiko Stadt gebracht hatte, wärmstens empfohlen. Kaum stiegen wir in der Buenavista Station aus der U-Bahn aus, sahen wir Unmengen von schwarz gekleideten Menschen herumschwirren. Auf der Treppe, die zur Straße hinausführte, verkauften junge Leute in dunklen Kostümen &#8220;echte&#8221; schwarze Rosen. Ich fühlte mich plötzlich in eine andere Welt versetzt. Überall stießen wir auf kreative Bekleidung und geschmackvoll-verrückt gefärbte und gestylte Haarprachten. Vor allem die Männer heimsten meine Begeisterung ein, denn die tauchten in Fräcken, prachtvollen barocken Gewändern und originellen Strümpfen auf, die bis zu ihren Oberschenkeln reichten. Am Markt angekommen, fanden wir zahlreiche Läden vor, die Klamotten jeder Art verkauften. Vor allem für die schwarze Musikszene, Rock, Punk, aber auch für Hipp-Hopp, Armeeliebhaber und Discogirls gab es eine große Auswahl. Augustas kaufte sich vor Ort auch endlich eine neue Hose, die zwar einige Produktionsfehler aufwies, aber allemal für unsere Zwecke gut war. Verschiedene Läden, die von außen winzig erschienen, warteten mit der Größe von vierstöckigen Gebäuden auf. Auf jeder Etage gab es etwas anderes zu entdecken und auch die lautstarke Musik variierte je nach Verkaufsgegenstand. Ein wahrer Fundus an Schätzen war das. Die Strasse mit Buden wie auf der Kleinmesse schien endlos. Überall gab es Musik zu kaufen, die weit entfernt von Pop war. Die Luft dröhnte regelrecht von der aus allen Lautsprechern plärrenden Musik. Weiter ging es mit Klamottenständen, Schmuckverkäufern, Liebhaberstücken für Spezialgeschmäcke und am Ende, das fehlte auf keinem Markt, auch die Eßstände. Dort gab es organisches und unter Fair-Trade gehandelte Waren wie auch frisches Obst und Gemüse und natürlich Fleisch zu kaufen. Da lag auch locker einmal ein ganzes Schwein auf dem Tisch, was mir den Appetit schnell verdarb. Wir verzichteten auf eine Mahlzeit an diesen Ständen, auch weil die Preise nicht gerade unserem Budget angepasst waren. Stattdessen gingen wir zum nächstbesten Supermarkt und deckten uns dort mit Lebensmitteln für den Nachhauseweg ein.</p>
<p>Alvaro, ein www.HospitalityClub.org Mitglied, lud uns eines Abends zu einem Treffen in Coyoacan ein, von dem wir uns sowieso magisch angezogen fühlten. Wir kamen extra ein bischen früher zu dem Treffen, da ich mir unbedingt noch eine Hose kaufen wollte. An einem Modell blieben meine Augen kleben. Die lilane Hose hatte jeweils ein Auge auf Kniehöhe und strahlte mit Pilzen und bunten Punkten. Ich probierte sie an und sie passte perfekt. Die wollte ich haben. Wir handelten ein wenig um den Preis. Dabei stellte ich mich nicht ganz so geschickt an, einfach weil ich die Hose in Gedanken eh schon gekauft hatte. Aber das war letztendlich egal. Ich hatte meine Hose gefunden und damit auch gleich eine Idee für meine Zukunft gekauft: Klamotten selber bemalen. Für mich stand fest, dass würde ich von da an selber machen.</p>
<p>Wir mussten lange auf Alvaro warten. Wir nahmen uns währenddessen Zeit einen Bücherladen, der sich an einer Ecke des Marktplatzes befand, genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Laden hatte so viele tolle Bücher, man hätte mich gut und gerne dort für einige Tage abstellen können. Alvaro kam ungefähr eine Stunde zu spät. Wir waren geduldig, dass wusste er scheinbar. Außerdem kannten wir ja die Situation des Straßenverkehrs um diese Zeit und wussten, dass er sicher irgendwo stecken geblieben war. Mit Alvaro gingen wir ein wenig durch Coyoacan. Er führte uns herum, erklärte uns viele historische Sachen und endete bei einem Museum, dass zeitgemäß die verschiedensten Altare für den kommenden &#8220;Dia de Muerte&#8221; (Todestag) präsentierte. Diese Altare waren sich ähnlich, enthielten aber je nach Kultur andere Opfergaben und Blumen. Lag auf dem einen ein einfacher Brotlaib, wurde auf dem des Nachbarn Kuchen geopfert. Die Altare waren großartig und wirkten, da es gerade Abend wurde, ausgesprochen anheimelnd. Danach zogen wir weiter durch die Straßen. Die Atmosphäre, die die Cafes und Restaurants bei Dunkelheit ausstrahlten, versetzte mich in die Zeit, als ich es in Berlin genoss, meine Abende mit Freunden an ähnlichen Orten zu verbringen. Wir hielten an einem wohlbekannten Kaffeehaus an, wo die Menschen in langen Schlangen anstanden. Obwohl es schien, als müssten die Leute den nächsten Morgen abwarten, um an ihren Kaffee zu kommen, schoben sie sich im Eilzugtempo voran. Die Bedienung funktionierte wie bei einer Maschine, doch war hier die Spezie Mensch selbst am Werk. Es handelte sich um alles andere als einen Kaffeeautomaten. Die Gerüche, die aus dem Kaffeehaus auf die Straße drangen, ließen selbst mich schweben, obwohl ich keinen Kaffee trinke. Während Alvaro in der Schlange der Kaffeesüchtigen verschwand, suchten wir uns einen Imbiss, der uns heißen Tee servierte. Dazu gab es eine kleine Knabberei und als Alvaro zurückkehrte, spazierten wir allesamt zum Marktplatz. Dort setzten wir uns nebeneinander und fingen an, kulturelle Erfahrungen auszutauschen. Alvaro war besonders an unseren Afrikareisen interessiert. Im Gegenzug lauschten wir dann Alvaros Reiseberichten. Eine Geschichte fesselte uns besonders. Als er im mittleren Osten die Grenze überqueren wollte, verwickelte sich Alvaro selbst in eine ungangenehme Situation. Ohne vorher darüber nachzudenken, dass in dem nächsten Land, das er bereisen wollte, Alkohol strikt verboten war, brachte er ein paar alkoholische Souvenire mit, die er gern seinen Freunden in Mexiko geschenkt hätte. Doch dazu kam es nicht. Er legte sich wirklich ins Zeug, um die Souvenire unversehrt auch in dieses Land bringen zu dürfen. Das endete damit, dass einer der Soldaten die Flaschen wegtrug und später vor Alvaros Augen auf den Boden schmetterte. Nun durfte Alvaro einreisen. Ohne Souvenire. Geschockt und sauer über so wenig Mitgefühl.</p>
<p>Lilli und Paco, zwei www.Servas.org Mitglieder, führten uns eines nachmittags zur Universitätsstadt von Mexiko Stadt, der UNAM. Zuvor lernten wir noch Pacos neues Haus kennen, dass er erst kürzlich bezogen hatte. Da Paco nicht nur Schriftsteller sondern auch Künstler war, hatte er das Innenleben des Hauses auf abenteuerliche Weise verändert. Mir hätte dieser Ort gut für einen längeren Aufenthalt gefallen. Auf dem Weg zur Uni-Stadt erfuhren wir, dass Lilli Filme vom Spanischen ins Englische übersetzte. Ab und zu übernahm sie auch Sprechrollen, was ihr allerdings nicht so gut gefiel. </p>
<p>Die UNAM ist ein überdimensionaler Universitätskomplex, der den Namen &#8220;Stadt&#8221; wirklich verdient. Das Gelände ist so groß, dass es universitätseigene Busse gibt, die den Studenten von einer Fakultät zur anderen helfen. Wie auch in Mexiko Stadt ist der Verkehr auf den Universitätsstrassen oft durch Staus geprägt. Für Studenten ist es ergo ratsam, sich lieber ein Fahrrad anzuschaffen, mit dem sie unabhängig vom Stau rechtzeitig zu ihren Vorlesungen kommen. Bereits beim Betreten des Uni-Geländes lachte uns die große, alte Bibliothek an. Die ist von außen mit malerischen Kunstwerken verziert. Kaum hatten wir de<br />
n Campus betreten, fühlte ich mich in meine Studienzeit zurückversetzt. Weit ausgedehnte Rasenflächen, parkähnliche Anlagen, Sitzbänke und gar Pavillions hinterliessen einen Eindruck für freischaffende Kreativität. Positiver Raum, um sich außerhalb der Seminare zu entfalten. Paco führte uns zu Fuß durch ein Drittel der Universitätsstadt UNAM. Er zeigte uns seine alte Fakultät sowie die Gebäude der Fachrichtungen Architektur, Medizin und Kunst. Wir besuchten die neue Bibliothek, die sich durch ihren modernen Bau stark von der künstlerisch verzierten am Eingang zur UNAM abhob. Nicht weit von der UNAM befindet sich ein biologisches Schutzgebiet, in dem Pflanzen verschiedener und seltener Art aufzutreffen sind. Die Biosphäre wird fast ausschließlich sich selbst überlassen, um einen möglichst natürlichen Urzustand zu erreichen. Inmitten dieses Parks gibt es einen gigantischen Kreis, in dem felsenartige Gesteine in einem Loch aufgestapelt scheinen. Ringsherum ist der Kreis durch Betonwände geschützt, die wie gleichwinkelige Dreiecke aussahen. Zwischen den einzelnen Betonwänden findet sich soviel Platz, dass man als schlanker Mensch hindurchpasst. Diese Konstruktion stammte sichtlich von einem anderen Stern. Dieser Platz wurde oft als Konzert&#8221;halle&#8221; und für Festveranstaltungen genutzt. Dazu standen die Musikgruppen mitten im Gestein, während die Zuschauer auf den Felsblöcken inmitten des Kreise, am Rand des Kreises und auf der Spitze der Betonblöcke verweilten. Ein magischer Ort für solche Ereignisse.</p>
<p>Nachdem wir uns die Füße in UNAM wund gelaufen hatten, machten wir einen Ausflug nach Tlalpan. Das ist eine kleine, gemütliche Vorstadt von Mexiko Stadt, in der das Leben noch nicht durch Autoabgase und menschenüberfüllte Straßen geprägt ist. Wir hatten nur noch wenig Zeit, so dass wir nach einem kurzen Spaziergang durch Tlalpan in einem Restaurant einkehrten. Wir fanden alle etwas zu essen, obwohl sich das anfangs schwierig gestaltete. Fast alle Gerichte schienen entweder mit Fleisch oder Milch versetzt zu sein. Es war halt ein traditionell mexikanisches Lokal.</p>
<p>Micha, ein Freund aus Deutschland, hatte uns vor Abreise nach Mexiko (im Januar 2006) eine Musik-CD mit polnischen Liedern in die Hand gedrückt. Er hatte nämlich vor einiger Zeit ein paar Tramper aufgelesen. Diese stellten sich als mexikanische Tänzer heraus, die auf dem Weg zu einem Auftritt waren. Maria liebte die Musik, die er während der Fahrt im Auto spielen ließ und versprach ihr, eine Kopie dieser CD nach Mexiko zu schicken. Das hatte er vor, doch dann erfuhr er von unserer Reise durch die Welt, die wir in Mexiko beginnen würden. Er gab uns also die CD mit der Bitte, Maria persönlich aufzusuchen und ihr die CD zu überreichen. Da wir auf einigen Umwegen Mexiko Stadt erreichten, konnten wir die CD erst acht Monate später übergeben. Dazu wuselten wir durch Mexikos Straßen, denn Maria lebte in Guajimalpa. Nach einiger Zeit machten wir die Adresse ausfindig, doch am Haus angekommen, fanden wir nur ihre Großmutter vor. Maria lebe nicht dort, hätte nur ihren Briefkasten in ihrem Haus. Wir erklärten der Großmutter die Überraschung, die wir für Maria hatten und so gewährte sie uns Eintritt ins Haus. Sie servierte uns eine Zitronenlimonade, während wir versuchten, Maria per Telefon zu erreichen. Die Großmutter stellte dazu ihren Festnetzanschluss zur Verfügung. Nach einer kurzen Erklärung, dass wir etwas für sie hätten, ohne aber zu erwähnen von wem und was, verabredeten wir uns für eine Stunde später im Zentralpark direkt an der Kirche. </p>
<p>Maria verspätete sich ein wenig. Wir vertrieben uns also die Zeit mit der Beobachtung der Festlichkeiten, die in und um die Kirche zu Gange waren. Überall hingen Ballons, die Kinder rannten mit Girlanden behangen herum, die den Dampfkesseln entflohenen Gerüche verrieten ihre Köstlichkeiten und die Stimme des Pfarrers, der für seine Gemeinde an diesem Tag sprach, drang selbst bis auf den Hof der Kirche. In vielen Ecken tümmelten sich Grüppchen, die sich entweder gerade über ein verzehrwilliges Büffet hermachten oder aber bereits mit vollgestopften Bäuchen ein Nachmittagsnickerchen hielten. Endlich kam Maria und wir konnten ihr eröffnen, dass Micha ihr die CD durch uns sendet. Sie bekam vor Erstaunen ihren Mund nicht wieder zu. Sie war so glücklich, dass sie vor Freude hüpfte. Die Überraschung war wirklich gelungen und endlich waren Maria und die CD vereint. Auch diese Form der Post funktioniert also. Zudem blieb uns Maria nicht nur von diesem Tag in Erinnerung, denn wir sind seit unserem Aufeinandertreffen in stetigem Kontakt.</p>
<p>Maria war auf dem Weg zu ihrem Tanztraining, wo sie als Tanzlehrerin fungiert. Sie lud uns also ein, ihrer Tanzgruppe beim Üben zuzusehen. Sie trainierten für einen Auftritt, der im September stattfinden würde. Alle kamen zu spät außer Maria. Der Lohn des Wartens war die Präsentation von traditionellen Tanzschritten und Formationen, denen mittels Steppschuhen akkustisch Ausdruck verliehen wurden. In dem großen leeren Gymnastikraum mit Parkettfußboden und fünf Paar Schuhen, die von Musik begleitet wurden, bebte der ganze Saal. Dazu die graziösen Bewegungen von Maria und ich war völlig im Zauber der Bewegungen gefangen. Meine Beine tanzten unaufhörlich im Sitzen mit. Ich liebe Tanz, da ich es fast mein ganzes Leben getan habe. Wenn ich also in neue Tanztechniken eingeführt werde, selbst wenn ich nur zusehe, versuche ich automatisch die Schritte nachzuahmen. Ob ich will oder nicht, mein Unterbewußtsein schaltet in diesem Moment auf Aufnahme und Umsetzung. Tuck-tuck, klapp-klapp.</p>
<p>Katheryns Mutter schlief nun schon seit vier Tagen auf dem Wohnzimmerfußboden und da wir endlich einen anderen Gastgeber gefunden hatten, wechselten wir zu einem anderen Stadtbezirk, in die Wohnung von Esthela und Rodrigo. Wir hatten die Beiden über www.Servas.org kennengelernt. Die beiden hatten einen neun Monate alten Sohn namens Mateo. Ein wahrer Sonnenschein. Er lachte den ganzen Tag, jauchzte vor sich hin, vergnügte sich mit Vorliebe mit dem Wollbauschstruppelhund (ein Chiuahua) namens Mao und hüpfte so oft er durfte in seinem Springsitz herum. Einmal hatte sich Mao ein Spielzeug von Mateo gegriffen und kaute darauf herum. Das brachte Mateo dermaßen zum Lachen, dass wir am Ende alle Vier mit einstimmten. Uns standen die Tränen in den Augen und wir hielten uns die Bäuche vor Lachen. So ein mitreißendes Gelächter habe ich in meinem Leben zuvor noch nie von einem 9 Monate altem Baby vernommen. Mateo war wohl der geborene Clown. Unsere Gastgeber stellten uns unbegrenzt ihre Küche zur Verfügung und erklärten, dass wir alles essen könnten, was wir auffinden. Für diese Geste versuchten wir uns ein paar mal zu revangieren und kochten Abendessen. Das war gar nicht so einfach, da Esthela bestimmte Lebensmittel vorübergehend nicht essen durfte, da sie abstillen wollte. Aber es fand sich immer etwas, selbstverständlich.</p>
<p>Die Wohnung von Esthela und Rodrigo war genau optimal für drei Personen mit Besuch. Wir schliefen in der Stube auf dem ausgeklappten Sofa. Das war anfangs etwas schwierig, da des nachts vom Treppenhaus das Licht immer direkt auf unsere Gesichter fiel. Man konnte es nicht ausschalten. Wir zogen daher die Decken einfach über den Kopf, um ungestört träumen zu können. Frühzeitig am Morgen, so gegen 6 Uhr, machten sich Esthela und Rodrigo leise durch die Wohnung schleichend fertig und gingen auf Arbeit. Mateo und der Hund wurden zu Esthelas Schwester gebracht, während Esthela gerade wieder anfing zu arbeiten. Sie war für mexikanische Verhältnisse lange mit dem Baby zu Hause gewesen. Ganze 8 Monate. In der Regel müssen die Mütter nach 2 Monaten schon wieder arbeiten gehen, denn nur für diese Zeit erhalten sie einen Zuschuß vom Staat. Gut, dass Rodrigo die Lebenshaltungskosten bis dahin abdecken konnte, doch nun war es an der Zeit, dass Esthela ihr Monatsgehalt beisteuerte. Ihre Arbeit lag im Umweltbereich. Sie arbeitete gerade an einem Forschungsprojekt über die historischen Zusammenhänge von Menschen<br />
ansiedlungen in einem bestimmten Gebiet und den vorhandenen Wasserquellen. An einigen Orten schien es sich abzuzeichnen, dass die Wasservorräte dem Ende zugingen. Deswegen war es an der Zeit herauszufinden, wie sich der Wassermangel auf die dort ansässigen Menschen auswirken wird, um rechtzeitig eingreifen zu können. Rodrigo arbeitete in einem geografischen Institut und gab einmal pro Woche Seminare an der Universität. Da er kein Auto hatte bzw. das, was die Beiden besaßen, Esthela brauchte, musste Rodrigo jeden Morgen einen einstündigen Arbeitsweg antreten. Wenn er zur Universität musste, um seine Seminare zu halten, tat er dies am frühen Morgen und musste gegen Mittag durch die ganze Stadt hinweg zu seiner Arbeitsstelle gondeln. Das dauerte ganze zwei Stunden. Bei der dafür notwendigen Zeit versteht man erst einmal, wie groß Mexiko Stadt wirklich ist.</p>
<p>Den ersten wie auch viele folgende Abende verbrachten wir fünf gemeinsam. Wir spielten mit Mateo, stichelten Mao und lauschten den vielen Tipps und Anregungen, die uns Esthela und Rodrigo für unsere Reise durch Mexiko gaben. Die Beiden waren auch viel unterwegs und kannten sich historisch und kulturell sehr gut aus. Sie schlugen uns Feste vor, die wir nicht verpassen sollten, und zeigten uns Fotos von wahren Naturwundern, die selten zu finden sind. Die Ausführungen über ihre Reisen inspirierten uns sehr und wir hofften, irgendwie auch an diesen ungewöhnlichen Orten zu wandern und an den farbenfrohen Festen teilzunehmen.</p>
<p>Wochenlang hatten wir an einem Treffen mit Saulius, einem Litauer, gearbeitet, der für einen dreiwöchigen Urlaub nach Mexiko kommen wollte. Augustas hatte ihm in einem Forum über das Internet ausfindig gemacht und Saulius hatte sich bereit erklärt, uns einige Dinge aus Litauen mitzubringen und bei seiner Rückreise unsere Fotos mitzunehmen. Endlich war es so weit. Wir trafen uns auf dem riesigen Flughafengelände in Mexiko Stadt. Dort trafen wir auf vier Litauer, die ihre neugierigen Nasen überall hinschweifen ließen. Wir hatten nur wenig Zeit miteinander, da die Vier bereits von ihren Gastgebern erwartet wurden. </p>
<p>Wir hätten es bei unserer Ankunft in Mexiko Stadt nicht für möglich gehalten, dass wir so viel Zeit an diesem Ort verbringen werden. Selbst nach neun Tagen hatten wir noch nicht genug davon. Wir wechselten also erneut unseren Gastgeber und landeten in einem ruhigen Viertel von Mexiko Stadt, einer Art Künstlerviertel, bei Oscar dem Maler. Oscar war der geborene Chaot, präsentierte sich nach außen hin aber als völliges Gegenteil. Seriös, im Anzug gekleidet, baute sich der zwei Meter große Hüne vor einem auf. Im Herzen alternativ und mit Liebe fürs Detail, wahrte er in der Öffentlichkeit den Ruf eines Geschäftsmannes. Geistige Abwesenheit führte bei Oscar oft zur Verdrängung wichtiger Termine, an die er sich immer nur kurzfristig wieder erinnerte. Dann hetzte er besorgt durch die Wohnung und stürmte zu seiner Verabredung, zu der er bereits reichlich spät kam. Die Kombination war so skurril, das sie schon wieder kreativ wirkte. Oscar war halt ein wahrer Künstler. Organisation war eine seiner Schwächen. Genauso war es mit dem Essen. Oscar liebte den Genuss von Speisen, war aber zu unbeholfen, ein ganzes Menü zusammenzukochen. Daher gab es für ihn meist nur Tortillas in der Pfanne geröstet und mit Käse in der Mitte überbacken. Die Küche sah auch entsprechend unbenutzt und reichlich verstaubt aus. Dazu meinte Oscar nur, &#8220;Das ist halt ein altes Haus. Da sammelt sich der Staub überall.&#8221; Mit einem Schmunzeln machten wir uns also ans Werk, seiner Küche zu einem neuen Glanz zu verhelfen. Dazu bekochten wir ihn fast rund um die Uhr, damit er uns nicht vom Fleische fiel. Wir hatten viel Spass dabei, denn er konnte nicht glauben, dass man auch vom fleischlosen Essen satt würde. Wir blieben eine ganze Woche bei ihm. Oscar hatte nichts dagegen, bat uns nur, beim &#8220;wöchentlichen&#8221; Saubermachen mit anzupacken. Das erforderte einigen Einsatz, besonders im Bad, dass sicher seit einem halben Jahr keine Reinigung mehr zu spüren bekommen hatte. Oscar war bei der Reinemachaktion nicht da und als er dann kurz vor Beendigung zurückkam, nahm er uns mit Entsetzen den Schwamm aus der Hand und meinte, &#8220;Doch nicht so viel! Das ist genug des Reinigens!&#8221; Scheinbar war es ihm jetzt zu sauber. Uns fehlten dazu die Worte, aber wir atmeten sichtlich auf, unser Soll abgearbeitet zu haben. </p>
<p>Die eine Woche bei Oscar war manchmal etwas anstrengend. Das Problem war, dass wir keinen Schlüssel hatten. Immer genau dann, wenn Oscar nicht da war, passierte es, dass wir das Haus nicht verlassen konnten, da unten das Gittertor verschlossen war. Wir klingelten gar bei den Nachbar, damit sie uns herausließen. Beim Nachhausekommen war es nicht anders. Selbst wenn wir mit Oscar Zeiten der Rückkehr vereinbarten, passierte es häufiger, dass wir stundenlang vor dem Haus verharren mussten. Gut, dass es in der Nähe ein preiswertes Internet gab, sonst hätten wir mit unserer Haustorbelagerung sicher die Nachbarn verunsichert.</p>
<p>Oscar war vielbeschäftigt und verbrachte die Morgende mit Jogging und Malen. Seine Spezialität waren Portraits von berühmten Persönlichkeiten. Da er als Künstler von der Hand in den Mund lebte, ging er oft in Cafes, um dort die Gäste zu zeichnen. Wenn er die Zeichnungen übergab, überließ er es den Gästen, ob sie ihm dafür entschädigen wollten oder nicht. Oft sicherte er sich damit das Essen für den Tag. Nur die Bezahlung der Miete bereitete ihm oft Kopfzerbrechen, denn damit war er immer einige Monate hinterher, wenn er unter einer schlechten Auftragslage litt. Oft versuchte er deswegen an Wettbewerben teilzunehmen, denn das Siegergeld sicherte ihm den Fortbestand seiner eigenen vier Wände. Als wir bei ihm waren, wartete er gerade geduldig auf den Ausgang eines Wettbewerbes, in dem eine religiöse Figur, verpackt in eine bildliche Oration, für eine Kathedrale gemalt werden sollte. Er hatte zwei Bilder eingereicht und hoffte, in wenigen Wochen mit dem Siegergeld seine Mietschulden begleichen zu können.</p>
<p>Auf dem Dach des mehrstöckigen Hauses hatte sich Oscar sein eigenes Studio eingerichtet. Wenn man sich dort versuchte Eintritt zu verschaffen, musste man erst einmal die zahlreichen Gemälde aus dem Weg räumen. Wunderschön war die Tatsache, dass er bei gutem Wetter im Freien arbeiten konnte, mit einem Blick über die Dächer seines Stadtbezirks. Eine inspirierende Atmosphäre. Nachmittags nahm er dann meistens Termine wahr und traf sich auch einige Male mit dem russischen Botschafter in Mexiko Stadt. Oscar hatte den russischen Botschafter samt seiner jungen Familie gemalt und musste den offiziellen Transport des Bildes nach Russland organisieren. Der Botschafter würde nämlich in Kürze seinen Posten in Mexiko Stadt für einen neuen Botschafter freimachen. Und so kam es, dass eines nachmittags der Botschafter direkt zu Oscar nach Hause kam. Augustas lebte auf, als er die Möglichkeit bekam, endlich einmal wieder Russisch zu sprechen. Er wechselte ein paar Worte mit dem Botschafter und hoffte, dass sie sich noch einmal wiedersehen würden. Dazu kam es leider nicht. </p>
<p>Neben seinen ganzen Aktivitäten fühlte sich Oscar oft depressiv, da er vor drei Jahren seine geliebte Ex-Freundin verloren hatte. Sie hatte sich das Leben genommen und er versuchte ihre Gründe dafür zu akzeptieren, was ihm sichtlich schwer fiel. Er teilte mit uns diese Tragik. Um nicht die ganze Zeit über die Vergangenheit zu sinnieren, stiftete uns Oscar abends oft zum Domino spielen an. Er und Augustas verstrickten sich dabei richtiggehend in ihre Strategien, schließlich wollte ja niemand verlieren und mit Pfiff den Gewinn erobern. Mir war das alles zu aufwendig. Ich wollte einfach nur Spass an der ganzen Sache haben und pfiff auf die Strategien. Witzig war an diesen Abenden, dass Oscar nie aufhören wollte zu spielen. Er schlief teils über der Vorbereitung seiner Strategien ein und hockte mit geschlossenen Augen vor uns. Wir mussten ihn etliche Male wieder aufwecken, damit er das Spiel zu Ende brachte. Und da<br />
nn kam trotzdem immer die Frage, &#8220;Spielen wir noch eins?&#8221; Oscar war einzigartig.</p>
<p>Bradwell, ein 41jähriger Amerikaner, der bereits seit sechs Monaten in Mexiko Stadt als Englischlehrer tätig war, kontaktierte uns über www.CouchSurfing.com, da er uns in der Nähe erspäht hatte. Wir trafen uns im Stadtzentrum in einem Hostelcafe, wo wir ganze drei Stunden mit Reden verbrachten. Bradwell hatte in den USA alles aufgegeben, sein altes Dasein hinter sich gelassen und war bestrebt, sein Leben mit den geringsten Mitteln zu gestalten. Brad hatte sich für das Leben eines Vagabunden entschieden und bezeichnete sich gern als &#8220;Hardcore Traveller&#8221; (harter Kern der Reisenden) Er war ein richtiger Pfennigfuchser, tat dies aber, um zu beweisen, wie wenig ein Mensch wirklich zum Überleben benötigte. Er praktizierte also tagtäglich eine Art &#8220;Survival&#8221;, auf deutsch auch Überlebenstraining. Anfangs in Mexiko Stadt kam er bei einem Mitglied von einem der beiden Hospitality Vereine unter. Da er mittlerweile Arbeit gefunden hatte, zögerte er seinen Aufenthalt immer weiter hinaus, bis der Gastgeber ihn einfach nicht mehr kostenlos beherbergen konnte. Er verbrachte daraufhin nächtelang mit Obdachlosen auf Parkbänken. Mit viel Geschick schaffte er es seinen Chef zu überreden, ihm im Büro auf dem Fußboden schlafen zu lassen, was er zum Zeitpunkt unseres Treffens bereits seit Monaten tat. Und das ohne Matraze, Kopfkissen oder Decke. Essen gab es bei Bradwell dann, wenn er kostenlos an Speisen herankam. Bot sich dafür keine Möglichkeit, lebte er von bis zu fünf Brötchen und ein bis zwei Äpfeln täglich. Nachdem wir das erfuhren, verstanden wir seinen halbverhungerten Zustand. Ob er denn dabei nicht vom Fleische falle und unter Energietiefpunkten litt, wollten wir wissen. Bradwell brauchte auf diese Weise mehr Schlaf, aber ansonsten kam er gut damit klar. Da er sich so sparsam durch die Welt bewegte und nur vorübergehend ein wenig Geld verdiente, damit er seinen Flug nach Afrika finanzieren konnte, interessierte ihn brennend, wie das mit dem Trampen funktionierte. Wir gaben ihm viele Tipps, wie er sich erfolgreich fortbewegen konnte und einige Zeit später probierte er es tatsächlich aus. Mittlerweile reist er auf diese Weise durch Afrika. Wir fanden es beachtlich, welchen Strapazen sich Bradwell hingab, um von so wenig Geld wie möglich zu leben. Auch wir hatten ein wirklich schmales Budget, aber so weit mussten und wollten wir nun wirklich nicht gehen. Vor allem fanden wir es eigenartig sich absichtlich in eine Hungersituation zu begeben und darauf angewiesen zu sein, dass Fremde einen durchfüttern. Denn wenn Bradwell etwas angeboten bekam, stürzte er es gierig hinunter. Er hatte wohl bei dieser Lebensweise ständig Hunger.</p>
<p>Für den späten Abend lud uns Bradwell zum &#8220;Casa de los Amigos&#8221; (Haus der Freunde) für eine Gesprächsrunde ein. Das war ein Treffpunkt, der am kommenden Wochenende sein 50jähriges Bestehen feierte. Das &#8220;Casa de los Amigos&#8221; war damals von Quakers (hier vielleicht ein Link bzw. eine Fußnote mit Erklärung wer Quakers sind) gegründet wurden. Das Haus sollte ein Anlaufpunkt für die gegenseitige, menschliche Hilfe sein und für internationale Begegnungen zur Verfügung stehen. Das &#8220;Casa&#8221; hatte viele Anhänger, vor allem die, die in den vergangenen fünfzig Jahren Erfahrungen mit der Einrichtung gemacht hatten. Um dorthin zu gelangen mussten wir quer durch das prächtige, historische Zentrum von Mexiko Stadt laufen. Wir liefen selbstverständlich, einmal, weil wir dies selbst bevorzugten, zum anderen, weil Bradwell eh nicht mit der U-Bahn fahren würde, um Geld zu sparen. In den 45 Minuten Fußweg liefen wir durch leichten Regen, entlang von prächtigen Altbauten, die schon beim puren Anblick ihre Geschichte preisgaben. Wir durchquerten dabei auch einen langgestreckten Park, der viele Statuen offenbarte und einem das Gefühl gab, nicht mehr in der Stadt zu sein. Dort hatte sich auch eine Gruppe von Menschen zum Hungerstreik vereint, der bereits drei Tage dauerte. Den Zweck dieser Aktion weiss ich nicht mehr. </p>
<p>Im Casa angekommen, fanden sich fast alle Stühle im Gesprächszirkel besetzt. Die Sitzung stand kurz vor dem Beginn, so dass wir uns noch schnell einen Tee nahmen und von den bereitgestellten Keksen naschten. Bradwell hatte sich schon die ganze Woche auf die Kekse gefreut, dass konnten wir ihm richtig ansehen. Die Anzahl der Teilnehmer überstieg den wöchentlichen Durchschnitt um mehr als das Doppelte, wenn nicht gar Dreifache. Da die Fünfzig-Jahr-Feier bevorstand, waren viele ehemalige Casa-Nutzer aus verschiedenen Ecken der Welt, vor allem aus den USA, eingeflogen. Einige Anwesende lebten momentan im Casa, andere waren aktiv in die Organisation des Casa eingebunden und neben den Besuchern tauchten auch viele Mexikaner und in Mexiko Stadt lebende Ausländer auf. Dabei kam eine tolle internationale Mischung heraus. Zu Beginn des Gesprächszirkels wurden ein paar feierliche Worte geäußert und dann wurden die Teilnehmer in sechs kleine Gruppen aufgeteilt. Das Thema war &#8220;Meine Erfahrungen mit dem Casa&#8221;. Dazu konnte ich schlecht etwas sagen, als ich aber an der Reihe war, erzählte ich halt stattdessen von unserer Reise. Das erregte viel Interesse und das nicht nur in meiner, sondern auch in Augustas Gruppe. Es war schön, den vielen Erlebnissen der Teilnehmer mit dem Casa zu lauschen. Am Ende wurde einige Geschichten in der gesamten Teilnehmerrunde noch einmal in Kurzform vorgetragen. </p>
<p>Dann folgte die Möglichkeit, mit einigen Anwesenden tiefergehende Gespräche zu führen. Eine Dame hatte von meinem Traum gehört, gerne von Alaska nach Russland zu reisen. Sie bestätigte mir, dass es möglich wäre, denn sie wüsste von Einheimischen in Alaska, die regelmäßig mit ihren Privatbooten nach Russland übersetzten. Viele Menschen in Alaska hatten nämlich Verwandte auf der russischen Seite. Ich jauchzte bei dieser Information regelrecht auf, denn die alte Dame war die erste Person, die mich mit brauchbaren Tipps für mein Vorhaben versorgte und aufmunterte, diesen Weg wirklich einzuschlagen. Wir tauschten unsere Adressdaten aus und hoffen, sie bei unserem Besuch in den USA wiederzusehen.</p>
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		<title>Luxuriöse Unterkunft im berlinerischen Puebla (October 18 &#8211; 20)</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Mar 2007 22:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katja &#38; Augustas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mexiko]]></category>

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		<description><![CDATA[San Cristobal &#8211; Tuxtla Gutierrez, Ixtapa, Tapilula, Juarez, wanted crossroad after villahermosa, but our truck turned before towards city (after Reforma), got out, then (road 180) Carmen, Cardenas, San Miguel, Chapopotla, Minatitlan, (road 145) Oluta, Arriba, Los Robles, then messy towards Ciudad Mendoya, further on road 150 to Esperanza, to Amazoc de Mota (peaje near [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>San Cristobal &#8211; Tuxtla Gutierrez, Ixtapa, Tapilula, Juarez, wanted crossroad after villahermosa, but our truck turned before towards city (after Reforma), got out, then (road 180) Carmen, Cardenas, San Miguel, Chapopotla, Minatitlan, (road 145) Oluta, Arriba, Los Robles, then messy towards Ciudad Mendoya, further on road 150 to Esperanza, to Amazoc de Mota (peaje near here), Puebla</p>
<p>Ob wir es wollten oder nicht, wir mussten San Cristobal nach einer Woche hinter uns lassen. Der Abschied fiel uns sehr schwer, aber wir hatten bereits eine Verabredung mit meiner Freundin Katheryn, die ich bereits in Spanien über www.Globalfreeloaders.com kennengelernt hatte. Vielleicht war dieser gezwungene Abschied aber auch gut, denn San Cristobal hat uns vom Herzen her völlig gefesselt. Wer weiss, ob wir jemals wieder von dort losgezogen wären, hätten wir es nicht gemußt.</p>
<p>Mit einem Taxi verliessen wir die Stadt in Richtung Autobahn. Wir mussten erneut durch Tuxtla Guiterrez hindurch, um in Richtung Puebla und somit Mexiko Stadt weiterzukommen. Wir hatten ausgesprochenes Glück, denn binnen kurzer Zeit gabelte uns Jorge auf, der uns direkt bis nach Tuxtla Guiterrez brachte. Er lebte dort und meinte, dass wir bei unserer Rückkehr herzlich eingeladen wären, bei ihm vorbeizuschauen. Der Fahrer war gar so lieb, dass er uns bis zum Ausgang von Tuxtla Guiterrez brachte, damit wir ungehindert weitertrampen konnten. Dort ausgestiegen überkamen uns regelrechte Hitzewellen. Das heiße Klima hatte uns wieder, worauf wir uns erst einmal setzen und stärken mussten.</p>
<p>Ein LKW las uns diesmal auf, der uns bis Villahermosa bringen wollte. Das lag ein ganzes Stück in unserer Richtung und so sattelten wir auf. Obwohl wir durch die schwere Ladung des LKWs eher vor uns hinkrochen als fuhren, kamen wir zumindest voran. Unerwartet bog der LKW plötzlich von der Autobahn ab, so dass wir ihn laut aber höflich protestierend zum Stillstand brachten. Unser Fahrer verstand die Welt nicht mehr. Er hatte uns zwar gesagt, wohin er unterwegs war, vergaß aber zu erklären, dass er für das letzte Stück nach Villhermosa eine andere Route als die über die Autobahn nehmen wollte. Für uns hieß das letztlich, dass wir mitten in einer Stadt enden würden, aus die wir uns mühsam hätten herauskämpfen müssen. Wir stiegen also mitten im Nirgendwo aus und liefen den Weg zurück bis zur Autobahn. </p>
<p>Dort begrüßte uns gähnende Leere. Kein Auto weit und breit. Die Sonne nahm uns mit ihrer Intensivität nahezu den Verstand. Uns blieb nur noch übrig, uns mit hochgehaltenen Armen unter unseren Jacken zu verstecken, damit wir nicht mit einem Sonnenstich endeten. Schatten gab es auf der Autobahn keinen. Wir trampten mit aller Zuversicht, doch jemanden zum Anhalten zu bringen, aber das gestaltete sich schwierig. Wenn nämlich ab und an mal ein Auto auftauchte, fuhr es garantiert, ohne uns eines Blickes zu würdigen, einfach an uns vorbei. Gut, es war sicher nicht gewöhnlich, dass Irgendwo im Nirgendwo auf einer spärlich befahrenen Autobahn zwei Ausländer ihren Daumen vor ihre Nase hielten. Da die Autos erst hinter einer Kurve hervorkommen mussten, um uns schließlich zu entdecken, entschieden wir irgendwann unsere Tramperstelle zu verändern. Dort bot uns zumindest in tiefer Hocke die Straßenbegrenzung ein wenig Schatten. Wie wir es genau angestellt hatten, dass nach etlichen Stunden doch jemand anhielt, bleibt für uns ein Rätsel. </p>
<p>Jedenfalls nahm uns ein Herr in seinem Kleintransporter mit. Er meinte erst, dass er nicht weit fahren würde, doch uns war alles recht, außer natürlich weiterhin an diesem gottverlassenem Punkt zu verharren. Kaum kamen wir ins Gespräch, wendete sich der Fahrer an uns, &#8220;Habt ihr gültige Personaldokumente?&#8221;. Natürlich hatten wir die und noch dazu eine offizielle Aufenthaltserlaubnis. Der Fahrer atmete sichtlich auf. Er schien uns wohl auch für Aussätzige, illegale Einwanderer oder vielleicht auch Räuber zu halten. Wir nahmen ihm Stück für die Stück die Angst und als wir uns bereits richtig angefreundet hatten, eröffnete er uns, dass er bis nach Puebla unterwegs war. Jetzt waren wir es, die ins Grübeln kamen, doch nach einer Weile verstanden wir, dass er uns das nicht vorher sagen wollte, weil er ja keine Ahnung hatte, mit wem er es zu tun hatte. Jetzt lebten wir richtig auf. Wir hatten ja bereits am Anfang des Jahres ein Ehepaar in Chicxulub kennengelernt, die ursprünglich aus Puebla stammen. Sie erklärten uns damals, dass wenn wir jemals in Puebla vorbeikommen würden, wir sie informieren sollten, denn wir könnten dort gerne bei ihren Kindern übernachten. Der Zeitpunkt war gekommen. Wir riefen Jorge und Patrizia an und hofften, dass wir auf die Schnelle noch eine Unterkunft in Puebla organisieren konnten. Jorge rief seinen Sohn an und bei unserem Rückruf bekamen wir dessen Telefonnummer. Der Sohn lud uns übers Telefon herzlich zu sich ein und bat ihn bei unserer Ankunft anzurufen. Das wollten wir tun. Die voraussichtliche Ankunftszeit lag bei 8-9 Uhr abends. Wir fieberten dem Ende der Fahrt entgegen, verbrachten aber eine wirklich angenehme Zeit mit unserem Fahrer. Der erzählte uns, dass er nach Puebla müsste, aber gerne noch einen Abstecher zu seiner Familie, die zwei Stunden nördlich von Puebla lebt, machen würde. Er strengte sich ungemein an, rechtzeitig an der Peaje (Autobahngebührstelle) anzukommen. Letztlich schafften wir es aber nicht vor 23 Uhr. Trotz der späten Zeit rief ich noch bei Jorge´s Sohn Horatio an, da wir es so vereinbart hatten. Wir hofften, dass er uns an der Peaje auflesen konnte, doch das ging nicht, da er und seine Frau Liliana ein einmonatiges Baby hatten. Die Nächte waren damit also eh gezählt und das Kleine war bereits in seinen Träumen versunken. Da es, wie wir später erfuhren, seiner Frau Liliana zudem nicht so gut ging, wollte er sie nicht allein im Haus zurücklassen. Wir versicherten ihm also, dass wir die Nacht an der Peaje verbringen und uns am Morgen bei unserer Ankunft in Puebla melden würden.</p>
<p>Jetzt hieß es kreativ werden, wenn wir die Nacht nicht sitzend und frierend am Straßenrand verbringen wollten. An der Peaje befand sich ein Militärstützpunkt, so dass wir uns direkt an die uniformierten Herrschaften richteten. Wir baten um einen Platz, unser Zelt aufstellen zu dürfen oder aber irgendwo mit unseren Matrazen die Nacht verbringen zu können. Die Soldaten meldeten dies einigen Verwaltungsbeamten. Daraufhin wurde ich zu einem persönlichem Gespräch ins Verwaltungsgebäude geladen. Dort erklärte ich mit unschuldigen und gespielt besorgtem Gesicht, dass wir für die Nacht eine sichere Bleibe benötigten. Darufhin wurde uns das Einverständnis gegeben, hinter der dachtragenden Wand, gleich neben der Peaje, unser Zelt aufzustellen. Wir hofften unser Zelt nicht ganz in Hundekot zu setzen, denn es roch auf diesem Stück Grass merklich danach. Die Toiletten wurden uns außerdem zur Nutzung angeboten. Es war spät, als wir es endlich zum Träumen schafften. Manchmal ist es wirklich erstaunlich, wie sehr wir unsere Wahrnehmungssinne abschalten können. Die Peaje hatte selbst während der Nacht Hochbetrieb und unser Zelt stand nur einige Meter von dem Treiben entfernt. </p>
<p>Die Nacht war kurz, doch wir waren voller Freude, dass wir es auf unserem so knapp bemessenen Zeitplan für das Erreichen von Mexico City doch noch schafften, Puebla einen Besuch abzustatten. Schließlich hatten wir Jorge und Patrizia bereits als Gasteltern akzeptiert und fühlten uns wie ein Teil ihrer Familie. Wir kamen also endlich einmal wieder &#8220;nach Hause&#8221;, auch wenn Jorge und Patrizia sich zu diesem Zeitpunkt leider in Puebla aufhielten. </p>
<p>Um sechs Uhr morgens musste alles gepackt sein. Wach wie zwei aufgeregte Kinder fingen wir an zu trampen. Nicht lange und ein junger Mann in unserem Alter nahm uns mit. Er war auf dem Weg nach Puebla, doch eigentlich nicht bis ins Stadtzentrum hinein. Er arbeitete bei Volkswagen, wo er als Feuerwehrmann für die Sicherheit im VW Werk zuständig war. Unser Fahrer<br />
 wusste nur Gutes über VW zu berichten. Er schwärmte von der Arbeitsatmosphäre, liebte seine Chefs und kam jeden Morgen gerne auf Arbeit. Da wir uns so gut verstanden, tat er uns letztlich den Gefallen und fuhr uns direkt ins Stadtzentrum.</p>
<p>Obwohl reichlich früh, es war gerade einmal 7 Uhr morgens, fühlte ich den Drang Horatio anzurufen. Ich dachte mir, dass er sicher gegen 8 oder 9 Uhr auf Arbeit musste und es gut wäre, wenn wir ihm vorher abpassen könnten. Das erwies sich aber als Fehler. Ich holte Horatio aus seinen Träumen, die er sich nach einer Nacht mit seinem kleinen Schreihals hart erkämpft hatte. Ich biß mir auf die Lippe, denn das tat mir wirklich leid. Er bat uns gegen 10-11 Uhr noch einmal bei ihm anzurufen. Er würde uns später die Beschreibung geben, wie wir zu seinem Büro gelangen konnten.</p>
<p>Im Zentralpark des Stadtzentrums wurde eine Feier abgehalten. Während wir unsere kalten Haferflocken verspeisten, sahen wir, wie in der Mitte des Parks eine Gruppe von Polizisten aufmarschierte, die ein riesiges Stück Stoff in ihren Armen trugen. An einem Pult hielt ein Herr eine ausschweifende Rede und unter Begleitung der Live-Musik wurde letztlich eine überdimensionale Flagge gehisst. Den Grund der Feier haben wir nicht durchschauen können, aber wir genossen ein derartiges Begrüssungritual. Wir stellten uns schlichtweg vor, dass dieses Fest für unsere Ankunft in Puebla abgehalten wurde. Was für ein wunderbarer Morgen. Nachdem die Flagge an ihrem Platz war und die Polizisten mit ihrem stelzig-unnatürlichem Gleichschritt wieder abgezogen waren, machten wir uns auf, einen Guten-Morgen-Tee zu finden. Wir mussten ein ganzes Stück durch Puebla laufen, um fündig zu werden, denn die Preise in den Restaurants waren nicht die niedrigsten. Vor uns tat sich bald eine Art Cafe auf, dass wohl in den 60er Jahren stehen geblieben war. Vielleicht hörte die Uhr dort auch schon in den 50er Jahren auf zu ticken, denn der Stil der Tische, das Ambiente, die Tapete, die Bilder, der Ausschank &#8211; alles versetzte uns in die Vergangenheit. Wir bestellten einen Tee, der reichlich dünn ausfiel, denn auf einen halben Liter verwendete die Bardame nur einen Kamillenteebeutel. Wir baten um einen weiteren, den sie uns (ungern) gab. Was wir bei solchen Mini-Cafe-Ausflügen besonders genossen war die Tatsache, dass wir die Toiletten benutzen konnten. </p>
<p>Wir stiefelten eine lange Strecke durch die Strassen Pueblas, bis wir endlich den Bus fanden, der uns zu Horatios Büro bringen würde. Wir kamen gegen 11 Uhr morgens im Büro an und wurden herzlich Willkommen geheißen. Da Horatio einige Besprechungen zu erledigen hatte, schließlich handelte es sich um sein eigenes, erst kürzlich eröffnetes Geschäft, wurden wir separat an jeweils einen Schreibtisch gebeten, an dem wir den Computer und damit das so wichtige Internet ausgiebig nutzen konnten. </p>
<p>Als Horatio endlich Zeit hatte, fuhren wir gemeinsam zum ehemaligen Haus von Jorge und Patrizia. Wir würden dort für den Tag und die kommende Nacht wohnen können. Das Haus ist sonst eigentlich in Vermietung, da aber der vorherige Mieter frecherweise einfach die gesamte Einbauküche bei seinem Auszug mitgenommen hatte, die ihm rechtlich überhaupt nicht zustand, mussten Patrizia und Jorge erst einmal eine neue besorgen und einen bewohnbaren Zustand wieder herstellen. Als wir ankamen, war bereits eine neue Küche eingebaut, so dass wir den Herd ausgiebig nutzen konnten. Das Haus war ein Traum, vor allem von innen. Um dorthin zu gelangen, mussten wir durch ein Garagentor und ein Gittertor hindurch. Dann standen wir im Garten des Hauses, stiegen die Stufen zur Wohnungstür empor und traten ein. Dort empfing uns eine gemütliche Schuhanziehecke, die von einer herrlichen Hausbibliothek umgeben war. Im Erdgeschoss befanden sich das Wohn- und Esszimmer sowie die Küche. Ein Stockwerk höher lagen die Zimmer der Hausherren und eine Terrasse, auf der man die ganze Nachbarschaft überschauen konnte. Außerdem gelangte man über einen separaten Treppenaufstieg, der vom Küchenbalkon hinauf zur Terrasse führte, zum Waschmaschinenraum, den wir sofort in Beschlag nahmen. Im Untergeschoss befanden sich Gästezimmer, von denen wir uns eins aussuchen konnten. Das Bett war herrlich groß, es gab in jedem Zimmer einen Fernseher und dass Bad lag gleich vor der Tür. Auch im Untergeschoss fanden sich wahre Bücherschätze, vor allem über Kunst, Malerei und Zeichentechniken, die ich zu gerne alle studiert hätte. Aber an einem Tag schien mir das ein wenig abwegig. Das Zimmer, was sonst Patrizia und Jorge bei ihrem Besuch bezogen, beherbergte ein großes Schlafzimmer und ein ausgesprochen geräumiges, luxuriöses Bad, in dem sich gar ein Whirlpool für Zwei befand. Dazu gab es eine Garderobe, die haufenweise Decken für uns bereithielt. Nachdem Horatio uns allein zurückgelassen hatte, schwebten wir regelrecht durch dieses fürstlich hergerichtete Haus. </p>
<p>Während wir noch auf unsere Wäsche warteten, ruhten wir uns auf dem herrlich bequemen Bett, vor dem Fernseher faulenzend, aus. Wir schliefen auch irgendwann ein, denn die kurze Nacht zollte uns bald ihren Tribut. Da ich aber nicht den Tag in Puebla mit Schlafen verbringen wollte, scheuchte ich uns wieder hoch und wir zogen los, die Stadt zu erkunden. Das dies mit einer kalten Dusche beginnen würde, war allerdings nicht geplant. </p>
<p>Auf dem Weg zum Stadtzentrum hielten wir es nicht für notwendig, den Bus zu nehmen, und hielten stattdessen unseren Daumen heraus. Schwups, hielt auch schon ein junger Mann für uns an, der uns bis in die Nähe einer alten, ehrwürdigen Kathedrale beförderte. Wir wussten nichts über Puebla, wie immer auf unserer Reise, hatten uns aber bereits einen Stadtplan besorgt. Damit konnten wir problemlos, zeitlos, ja völlig planlos durch die Gassen streifen, ohne uns letztlich komplett zu verlieren. Ich genoss Puebla, da es mich an eine Mischung aus Berlin und Leipzig erinnerte. Die Häuser waren in dem Stil gebaut, wie die meisten Altbauten in beiden dieser Städte. Was merklich auf Berlin hinwies waren die Hinterhöfe, in denen sich immer neue Bilder boten. Einmal fanden wir zauberhafte Cafes und ein anderes Mal ein auf alt gemachtes Einkaufszentrum mit winzigen Läden. Es gab politisch aktive Hinterhöfe, die mit Parteiplakaten versehen waren und auch solche, die mit ihren alten Stühlen und Spielzeug, dass ungeordnet über den Hof verstreut lag, skuril vor sich hinglänzten. Oh, wie ich diese Streifzüge durch Hinterhöfe vermisst habe! Augustas blieb oft gleich an der Strasse stehen, denn meine Begeisterung wuchs über sein Verständnis hinaus. In den Cafes, in vielen kleinen Läden oder auch Wohnungen, die ihre Türen weit geöffnet hatten, boten sich Blicke auf alte Möbelstücke, die mittlerweile sicher einen hohen Sammlerwert besassen. Menschen versammelten sich auf ihren winzigen Balkonen, die gerade einmal ein paar Zentimeter aus ihren Fenstern herausragten. Ein Herr faszinierte mich besonders, wie er, den Bauarbeiten auf der gegenüberliegenden Seite zuschauend und rauchend mit seinen Armen auf das Geländer gestützt war. Berlin, Berlin &#8211; ich hatte wieder ein Stück Heimat gefunden. Puebla hat eine stark deutsch geprägte Geschichte, worauf die Gestaltung der Gebäude und Lebensweise in dieser Stadt zurückzuführen ist. So gar nicht mexikanisch, nein, eher europäisch, genauer gesagt deutsch.</p>
<p>Wir liefen an diesem Tag endlose Kilometer zu Fuss durch die Stadt, währenddessen sich mein Kopf bereits im Nacken festgesetzt hatte, denn es gab neben so vielen schönen Gebäuden auch eindrucksvolle Kirchen und Kathedralen zu bestaunen. Viele sahen wir nur von außen, aber das genügte mir völlig. Das Betrachten der religiösen Figuren, die sich auf Kuppeln, Vorsätzen und Fenstersimsen befanden, entschädigte für die fehlenden Innenansichten allemal. Ich war überwältigt von dieser Stadt, besonders von der Burg, die sich direkt am Zentralpark im Stadtzentrum vor uns aufbaute.</p>
<p>Zurück im Zentralpark fanden wir eine ähnliche Prozedur wieder, wie wir sie bereits am Morgen erlebt hatten. Die<br />
smal wurde die Flagge aber abgenommen. Eine Schar von Menschen befand sich mittlerweile um das Geschehen versammelt, die bei Ertönen der Nationalhymne ihre linke Hand an die Brust legten und mitsangen. Das war ein berührendes, patriotisches Schauspiel, denn in diesem Moment konnten wir deutlich sehen, wie sehr die Menschen gefühlsmäßig mit ihrem Land verbunden waren. </p>
<p>Wir warteten diesmal nicht das Ende der Feier ab, sondern versuchten den Abend zu organisieren. Horatio hatte uns am Morgen zu einem Essen in seinem Haus eingeladen. Nach langem Suchen einer Telefonkarte konnten wir ihn gegen 19 Uhr auch endlich erreichen. Leider kam es nie zu dem vereinbarten Essen, denn Liliana ging es zunehmend schlechter. Das tat uns im Herzen leid, denn wir hätten zu gern eine gesunde Liliana und ihr winziges Neugeborenes gesehen. Wir würden also auch Horatio nicht noch einmal wiedersehen, was uns traurig stimmte. Wir gingen demnach zurück zum Haus und statt des gemeinsamen Abendessens, zauberten wir uns selbst noch etwas Köstliches auf den Tisch. Dazu genoss ich das weitere Durchstöbern der Hausbibliothek, bis mir irgendwann die Augen schwer wurden. Es war Zeit diesen aufregenden Tag zu beenden.</p>
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		<title>Ein Ort zum Leben (October 12 &#8211; 18)</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2007 22:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katja &#38; Augustas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mexiko]]></category>

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		<description><![CDATA[In Kjells Wohnung bzw. der seiner Freundin Rosario, die zusammen mit ihrem Bruder dort lebt, wurden wir herzlich willkommen geheißen. Es gab herrlichen Tee und Knabbereien und wir genossen die Gesellschaft eines weiteren Hospitality Club Mitglieds namens Mike. Nach einiger Zeit erfuhren wir, dass wir nicht bei Kjell bleiben konnten, sondern bei Mike unterkommen würden. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Kjells Wohnung bzw. der seiner Freundin Rosario, die zusammen mit ihrem Bruder dort lebt, wurden wir herzlich willkommen geheißen. Es gab herrlichen Tee und Knabbereien und wir genossen die Gesellschaft eines weiteren Hospitality Club Mitglieds namens Mike. Nach einiger Zeit erfuhren wir, dass wir nicht bei Kjell bleiben konnten, sondern bei Mike unterkommen würden. Für Mike, der zusammen mit seiner Freundin Joanna lebte, waren wir die ersten Gäste. Joanna holte uns ab und los ging es zu unserer Unterkunft. </p>
<p>Die Wohnung der Beiden war ausgesprochen gemütlich. Es war gar ein kleines Haus, was ganz allein ihnen gehörte. Zumindest solange sie die Miete dafür bezahlten. Als wir die Wohnung betraten begrüsste uns zu allererst Motita, der kleine, weisse, viel zu kluge Hund von Joanna und Mike. Es war Liebe auf den ersten Blick, obwohl Motita sich das nicht gleich anmerken ließ. Sie freute sich viel zu sehr, endlich nicht mehr allein ihr Dasein im Haus fristen zu müssen. Das erste Zimmer, das gleich hinter der Eingangstür lag, war leer, also ohne Möbel. Die Wände dieses Zimmers waren künstlerisch mit Kohlezeichnungen verziert. Auf der einen Seite hatte sich ein Freund von Mike verewigt, auf der anderen hatte Mike seine Zeichenkünste ausgelebt. Herrlich, in diesem Raum würden wir übernachten. Während der Nächte froren wir, da der Raum kaum Sonnenlicht abbekam und sich somit tagsüber nicht aufheizte. Gut das Mike und Joanna noch eine Decke übrig hatten, sonst wären wir vielleicht eines Morgens als Eiszapfen aufgewacht. Nach diesem Zimmer folgte ein kleiner Korridor, der überdacht, aber nach links hin offen war. Dort befand sich ein kleiner Hof, in dem man bei guten Wetter gerne draußen saß. Dahinter folgte die Küche, die größer als der erste Raum schien. Karg eingerichtet, erinnerte mich deren Küche an mein geliebtes Berliner Hinterhofdasein. Ach, wie ich es vermisste. Hier in San Cristobal schien ich ein Stück davon wiedergefunden zu haben. Ich genoss das Ambiente. Hinter der Küche lag Joannas und Mikes kreativ eingerichtetes Zimmer. An den Wänden hingen viele Fotos, die mich neugierige Nase gleich fesselten. Sozusagen im Zimmer, aber durch eine Tür abgetrennt, befand sich das Bad. Dort gab es kein warmes Wasser und eigentlich auch keine richtige Dusche. Das Wasser, was aus dem Duschkopf strömte, war dermaßen verkalkt, dass man, des Beiden Aussage zufolge, am Ende übersäht mit weissen Punkten aus der Dusche herauskäme. Deswegen musste vor einem menschlichem Waschgang erst Wasser auf dem Herd warm gemacht werden und mit kaltem Wasser gemischt in einem Eimer ins Bad transportiert werden. Wir waren solche Bäder ja zur Genüge gewohnt. Der Abschluß der Wohnung bildete ein weiterer kleiner Hof, der mit einem steinernen Waschbecken Raum für Handwäsche bot. Mike tobte auch gerne auf dem Dach herum. Leider schaffte ich es nicht bis dorthin, da ich zu klein war. Selbst Augustas mit seinen langen Gliedern hatte zu kämpfen, von dem Steinwaschbecken, auf die obere Türkante und dann in einem Satz auf das Dach zu klettern. Herunterkommen war umso schwieriger. </p>
<p>Nachdem wir uns die liebliche Hütte angeschaut hatten, gab es genügend Zeit zum Schwatzen. Mike stammt ursprünglich aus den USA und hatte vor einigen Jahren den Entschluß gefasst, durch die Welt zu reisen. Er nahm an einem Englischlehrerkurs in Mexiko teil, der eine große Wende in seinem Leben bedeuteten sollte. Zuvor ein sehr schüchterner Mensch, lebte er durch die Herausforderung des Lehrerdaseins, der Notwendigkeit Präsentationen zu geben und dabei seine Ideen mit anderen umzusetzen, richtig auf. Er ging aus sich heraus und erlebte, zu was er alles fähig war. Über sich selbst erstaunt, reiste er noch eine Weile in Mexiko umher, bis er in Tapachula, nahe der guatemalischen Grenze landete. Dort unterrichtete er für lange Zeit Englisch und lernte auf diesem Wege auch Joanna kennen. Sie war die Tochter der Familie, bei der er ein Zimmer gemietet hatte. Joanna und Mike wurden dicke Freunde, doch von Verliebtsein keine Spur. Mike hatte es auf Joannas Freundin abgesehen. Irgendwann funkte es aber doch und bald waren die Beiden zusammen. Zwischen diesen Ereignissen lagen aber glaube ich einige Monate, wenn nicht gar mehr als ein Jahr. Als Joanna mit der Schule fertig war, zogen die Beiden nach San Cristobal, um dort zu studieren. Mike entschied sich für ein Studium der Sozialwissenschaften, womit er ins Schwarze getroffen hatte. Das Studium verbunden mit der Arbeit in indianischen Gemeinden füllte ihn mit Glück. Joanna entschied sich für ein Englischstudium, denn sie wollte Lehrer werden. Beide verdienten sich ihren Lebensunterhalt mit dem Unterrichten von Englisch. Während Mike Kurse für ältere Schüler, Studenten und Erwachsene gab, verbrachte Joanna viel Zeit mit dem Unterrichten von Grundlagenkenntnissen für Kindergartenkinder und gerade Eingeschulte. Mike und Joanna sind ausgesprochen liebenswerte Menschen, die uns ständig zum Lachen brachten. Wir konnten wirklich alles mit ihnen teilen, ob Erlebnisse, Gefühle, Vergangenes oder Träume, es gab zwischen uns keinerlei Grenzen. Eine Freundschaft, die wirklich auf den ersten Blick funkte. </p>
<p>Motita ignorierte uns anfangs ein wenig, doch als sie entdeckte, dass auch wir sie Gassi führen und mit ihr durch unbekanntes Terrain streifen würden (wie abenteuerlich!), wurden wir die dicksten Freunde. Jetzt war Motita zumindest tagsüber nicht mehr so lange alleine, obwohl wir sehen konnten, wie schmerzlich sie ihre Herrchen vermisste. Motita hatte auch ein kleines Problem, wahrscheinlich psychologischer oder aber trotziger Natur. Wenn sie Auslauf bekam und Zeit zum Leeren ihrer Blase hatte, dachte das Fräulein überhaupt nicht daran. Sie spazierte erhobenenen Hauptes, die Hinterbeine im regelmäßigen Rythmus hüpfend, die Strasse entlang. Fand sie eine andere Hundemarke, hob sie wie ein männliches Gegenstück ihr rechtes Bein und pinkelte auf die Stelle. &#8220;Ich war hier!&#8221;, sollte dies wohl bedeuten. Statt aber beim Pinkeln auch wirklich alles herauszulassen, schließlich gab es genug Hundemarken in der Umgebung, ging sie mit ihrem Blaseninhalt äußerst spärlich um. Man könnte ja einen Tropfen zu viel abgeben. Das Resultat war dann natürlich, dass sie bei Zurückkommen im Haus auslief. Das passierte bereits vor unserer Ankunft und ihre Herrchen konnten dafür keine Erklärung finden. Sie hofften mit viel Geduld das Problem lösen zu können. Davon brauchten sie allerdings eine ganze Menge, denn Motita hielt den Blaseninhalt auch nach stundenlangem Spazieren gehen auf und erlöste sich erst bei Rückkehr im Haus. Äußert rührend war, wenn ihre Herrchen einen jaulenden, wolfsähnlichen Ruf ausstießen. Dann stimmte Motita voll ein und jaulte mit ihrer hohen Stimme durch die ganze Wohnung. </p>
<p>Wir verbrachten in den Tagen in San Cristobal viel Zeit zu Hause, in denen wir neben der schriftlichen Aufarbeitung unserer Erlebnisse, auch viele Male für unsere Gastgeber kochten. Viele Abende verbrachten wir mit Tisch- oder Kartenspielen, als auch mit dem Treffen von Joannas und Mikes Freunden. Die meisten von ihnen waren auch Hospitality Club Mitglieder, eine Gemeinsamkeit, die sich in der Art und Weise des Umgangs deutlich bemerkbar machte. Einen Abend trafen wir uns in einer Kreativwerkstätte. Die war von außen nicht erkennbar und nur mit genauen Instruktionen auffindbar. Um uns Eintritt zu verschaffen, mussten wir bestimmte Rituale zelebrieren, damit uns jemand die Tür öffnete. In der Werkstätte angekommen, strahlten uns Wände voller, hochwertiger Graffiti an. Meine Augen fingen an zu leuchten. In einen der Räume fanden wir Kjell und einige andere Leutchen beim Schach spielen vor. Über dem Raum lag konzentrierte Stille. Augustas setzte sich sofort dazu. Ich stöberte weiter durch das Haus und kam bald in einem Raum an, in dem ein paar Künstler gerade am Druck eines neuen Plakates arbeiteten. Ich hätte liebend gerne mitgemacht, da sie aber einen gravierenden Fehler berichtigen mussten, da der Plakatd<br />
ruck noch in der Nacht stattfinden sollte, gab es dazu keine Gelegenheit. Die Truppe war konzentriert am Werk und so mischte ich mich lieber unter die Schachspieler, obwohl ich zuvor nie ein Spiel gewagt hatte. Doch Augustas brachte mir im Nu die Regeln bei und ich fand mich bald in den Fängen der Schachfaszination wieder. </p>
<p>Einige Male trieb es uns des nachts auch hinaus in die Tanzstätten von San Cristobal, zusammen mit den ganzen Hospitality Club Freunden. Wir tanzten uns die Seele aus dem Leib, verbrachten Stunden lang quatschend auf dem Marktplatz und trafen während dieser Nächte gar auf zwei gestrandete Italiener. Als wir gegen 3 Uhr nachts durch die Straßen liefen, fielen uns zwei Traveller auf, die neben ihren Rucksäcken auf dem Bürgersteig sassen. Wir kamen ins Gespräch und erfuhren, dass die Hotels und Gasthäuser bereits alle geschlossen waren und sie keinen Eintritt bekämen. Vladimir erklärte sich also bereit, die Beiden bei sich unterzubringen. Die konnten ihr Glück gar nicht glauben, aber so ist das halt. Wir alle wussten ja nur zu genau, dass uns das gleiche Schicksal ereilen konnte. Am nächsten Morgen veranstalteten wir gar ein gemeinsames Frühstück, an dem auch die Italiener teilnahmen. Was für eine tolle Welt!</p>
<p>San Cristobal ist eine wunderschöne, kulturell faszinierende Stadt. Die Bauten glänzten mit einem besonderen, ja historischen Charme, der uns nicht wieder los ließ. Die Farben der Häuserwände, die Verzierungen, die Fenster, alles passte sich so gut zusammen. Die Strasse waren nicht zu groß. Oft liefen wir durch enge Gassen und auch die Treppen, die viele Straßen über Hügel hinweg miteinander verbanden, fügte ein Teil zu der unglaublichen Atmosphäre bei. San Cristobal ist eine Studentenstadt und international durchwachsen. Das zeigt sich an den verschiedensten Läden, die man bei einem Streifzug durch die Stadt entdeckt. Auch die vielen Restaurants zeugen von Internationalität. Wir haben gar arabische Mini-Restaurants gefunden, in denen wir leckere Falafel essen konnten. Dazu die farbenfrohen Märkte, auf denen noch farbigere Kleidungsstücke und Schmuck angeboten wurde. Das Besondere an diesen Märkte war, dass wir nicht zum Kauf gedrungen wurden, sondern einfach froh und munter durch die Angebote stöbern konnten. Dazu gab es viele Straßenverkäufer, die unter anderem typisch mexikanische Sandalen anfertigten. Unglaublich interessant fand ich auch die Kräuterläden. Sie erinnerten ein wenig an Hexenläden, in denen Berge voller Kräuter, getrockneter Blüten und geheimnisvoller Hexentinkturen zu finden waren. Ich benötigte zum Beispiel eine Kräutermischung, die mich von meinem Durchfall befreite. Und wer hätte es gedacht, aber dieser Tee half wirklich. Dieser Stadt fehlte in unseren Augen wirklich nichts. Wir hatten die Stadt von vorne bis hinten, von oben bis unten durchlaufen und befanden, dass San Cristobal der erste Ort war, in dem wir es uns vorstellen konnten zu leben.</p>
<p>Selbst die Umgebung von San Cristobal läßt nichts zu wünschen übrig. Eingebettet in Berge, versorgt mit einer reichhaltigen Biosphäre, verwöhnte uns San Cristobal bei Ausflügen in die Natur umso mehr. Und dazu mussten wir nicht einmal weit fahren, wir hätten die Strecke sogar in einer knappen Stunde zu Fuß schaffen können. Wir nahmen aber den Bus, als Joanna und Mike uns ihren Lieblingsplatz zeigen wollten. Kaum waren wir den Berg auf halber Höhe emporgestiegen, eröffnete sich uns eine herrliche Sicht über San Cristobal. Wir verweilten einige Zeit dort und machten uns dann zu einem Ort weiter oben auf dem Berg auf, wo angeblich Jesus erschienen war. Dort angekommen sahen wir zahlreiche behelfsmäßige Bauten aus starken Ästen mit einer Plastikplane als Dach. Diese schützten einen Stein, der ein Bild in schwarzer Farbe aufwies, dass als Gesicht Jesus identifiziert worden war. Die Form des Gesichtes hatte sich offensichtlich durch verschiedene Witterungsbedingungen auf dem Gestein geformt. Die Menschen in den Bergen glaubten aber fest daran, dass es sich hier um Jesus handelte. Sie versetzten dem Stein also einen Altar mit vielen Kerzenlichtern und Blumen sowie Essensgaben wie zum Beispiel Bananen und Mandarinen. Das Ziel war es, die Zulassung für den Bau einer Kirche um den Stein herum zu bekommen. Die Menschen, die sich um das Wohl Jesus dort oben kümmerten, waren sehr empfindlich, was das Fotografieren anging. Es war strikt untersagt. Wir hielten uns daran. Statt die ganze Szene auf einem Foto festzuhalten, setzten wir uns auf eine Bank und beobachteten die Besucher der geistlich-religiösen Stätte. Viele kamen gar mit Coca-Cola Büchsen und Chips zum Altar. Sie setzten sich davor hin und begannen ihr Mitgebrachtes vor dem Altar zu verspeisen. Religion hin und her, aber das fand ich dafür, dass dort angeblich Jesus erschienen war, reichlich respektlos. Mike erzählte uns viele Details zum Auffinden dieses Steines und auch über die Hintergründe des religiösen Glaubens. All das war aufgrund seines Studiums sein Spezialgebiet und er war glücklich darin gefangen, in dem Versuch, die Menschen und ihren Glauben zu verstehen. Denn gerade die Bergmenschen empfanden diesen Stein als Zeichen Gottes, der sie zu Jesus geführt hatte. Die Opfergaben in Form von Essen wurden übrigens in Beuteln neben den Altar gehangen. Sollte jemand Hunger verspüren, gab einer der religiösen Aufpasser der Person einen der Beutel, denn dafür waren die Gaben gedacht. Andere Besucher würden wieder neue Opfergaben bringen, damit die Früchte nicht ausgingen.</p>
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		<title>Wen man so in der Marina trifft (Dezember 18 &#8211; Januar 13)</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2007 17:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katja &#38; Augustas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mexiko]]></category>

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		<description><![CDATA[13. Januar 2007. Genau ein Jahr ist vergangen seid wir hier in Mexiko gelandet sind und erstaunlicherweise befinden wir uns genau dort, wo unsere Reise begonnen hat: in Cancun (jetzt auf der Isla de Mujeres nahe Cancun). Nun stehen wir kurz davor eine Reise auf einem Segelboat anzutreten, dass uns zu einigen der karibischen Inseln [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>13. Januar 2007. Genau ein Jahr ist vergangen seid wir hier in Mexiko gelandet sind und erstaunlicherweise befinden wir uns genau dort, wo unsere Reise begonnen hat: in Cancun (jetzt auf der Isla de Mujeres nahe Cancun). Nun stehen wir kurz davor eine Reise auf einem Segelboat anzutreten, dass uns zu einigen der karibischen Inseln bringt. Oder besser gesagt, wir bringen uns mit dem Boat selbst bis dahin, unter Anleitung unseres Kapitaens Stuart. Leider spielt das Wetter nicht so ganz mit. Der Wind blaest mit voller Kraft aus nord-oestlicher Richtung, und genau da wollen wir hin. Hinzu kommt der Golfstrom, der zwischen Mexiko und Kuba mit hoher Geschwindigkeit durchbrecht. So wie es aussieht, werden wir also einen nicht ganz sanften Start ins Leben auf dem Meer haben.</p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 110px;">
<a href="http://followtheroad.com/de/photos/2006/2006_mexico/aransas/IMG_0665.JPG" title="One of the boring jobs" class="shutterset_"><img src="http://followtheroad.com/de/index.php?callback=image&amp;pid=837&amp;width=100&amp;height=0&amp;mode=" alt="One of the boring jobs" title="One of the boring jobs" /></a>	
<p class="wp-caption-text">One of the boring jobs</p></div>

<p>Vier Wochen haben wir hier auf der Insel Isla Mujeres verbracht. Wir haben bis auf einen freien Tag durchgearbeitet, ohne&nbsp;Wochenende und&nbsp;Erholung. Fast jeden Morgen um Punkt 7 Uhr stand Stuart im Boat, was zwar den Vorteil hatte die kuehlen Morgenstunden zum Arbeiten zu nutzen, was uns bei unserer Angewohnheit spaet zu Bett zu gehen aber weniger zugute kam.&nbsp;Stuart hatte eine tolle Art&nbsp;Dinge zu erledigen.&nbsp;Wenn&nbsp;er verlauten liess &#8220;wir muessen dies und jenes machen&#8221;, wussten wir, dass Stuart verschwinden wird und die Arbeit an uns haengen bleibt. Organisation war ein Fremdwort waehrend dieser vier Wochen, wenn nicht wir die Sache ab und zu in die Hand nahmen. Stuart genoss derweil das Leben, die Frauen, den Besuch seiner Kinder, gutes Essen, das Schwimmbad im Freien und das endlose Schnattern und Besuchen anderer Boatsbesitzer. Wir werden mit der Zeit ein wenig ungeduldig, und hoffen&nbsp;bald den Hammer fallen lassen zu koennen und endlich loszuziehen. Auch wenn die Zeit, die wir dafuer haben immer weniger wird, da das Wetter uns nicht losziehen laesst. Wir hoffen aber innigst, dass wir wenigstens ein </p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 110px;">
<a href="http://followtheroad.com/de/photos/2006/2006_mexico/december/IMG_0500.JPG" title="" class="shutterset_"><img src="http://followtheroad.com/de/index.php?callback=image&amp;pid=794&amp;width=100&amp;height=0&amp;mode=" alt="" title="" /></a>	
</div>

<p>paar Tage in Kuba verbringen koennen und Stuart uns bis zu der Dominikanischen Republik mitnimmt.</p>
<p>Ein riesiges Bonbon als Belohnung gab es von Stuart zu Weihnachten. Wir bekamen zwei Naechte in einem Hotel geschenkt. Obwohl wir uns dort zwar fast nur nachts aufhielten, war es eine willkommene Abwechselung. Zwei grosse Betten, ein grosses Bad und einen gemuetlichen Balkon, von dem aus wir direkt aufs Meer schauen konnten. Auch lud uns Stuart des Oefteren zum Essen ein und uebernahm fuer die Zeit der vor uns liegenden Segeltour die gesamten Unterhaltungskosten (Essen, Gas, einfach alles). Zwar ist Stuart ein richtiger Lebemann und Sorgenichts, er vergisst darueber aber&nbsp;nicht seine Schuetzlinge.</p>
<p>Waehrend wir in der Marina wohnten, trafen wir viele Bootsbesitzer. Wir hatten vor allem mit den Reichen und Schoenen das Vergnuegen. Wenn man nicht in diesen Kreisen verkehrt, macht man sich schon ab und an einmal ein voellig falsches Bild von diesen Menschen. Ich war freudig ueberrascht herauszufinden, wie normal doch auch diese Leute sind. </p>
<p>Besonders sind mir da Hakim und Camilla in Erinnerung geblieben. Sie leben jeweils zwei Wochen auf ihrer prachtvollen Yacht, die seit Monaten bereits in der Isla Mujeres in der Marina liegt, und fliegen dann fuer zwei Wochen nach Hause, nach Kanada. Hakim kommt aus Israel und ist scheinbar gut im Geschaeft mit der Produktion und dem Verkauf von luxurioesen Sonnenbrillen -&nbsp; <a href="http://www.hakimoptical.ca">www.hakimoptical.ca</a>. Er spricht unzaehlige Sprachen, da er als junger Mann Matrose war und so in der ganzen Welt herumkam. Camilla ist Rumaenin und hat sich vor langer Zeit Kanada als zweite Heimat ausgesucht. Camilla hat ihren Ingenieur in Maschinenbau in der Tasche, was ihr besonders auf dem Boot zugute kommt. Hakim und Camilla haben sich in Kanada kennengelernt und gehen ihren Weg seit 15 Jahren gemeinsam. In dieser Zeit hat Camilla auch ihre Kapitaenslizenz gemacht, da sie so offiziell die Bootsyacht steuern kann. Waehrend ihres Aufenthaltes ausserhalb des Bootes, treibt es Hakim und Camilla fuer Sonnenbrillen-Modenschauen um die Welt.</p>
<p><a href="http://followtheroad.com/photos/2006/2006_mexico/islamujeres/IMG_0740.JPG" target="_blank"><img alt="" src="http://followtheroad.com/thumb/thumb.php?src=../photos/2006/2006_mexico/islamujeres/IMG_0740.JPG&amp;w=100" align="right" border="1"></a>Hakim und Camilla besitzen eine grosse Motoryacht, die wirklich mit den tollsten Dingen versehen ist. Luxus schlaegt dem Auge nicht nur von aussen entgegen. Im sogenannten &#8220;Wohnzimmer&#8221;, was bestimmt 15mx8m gross ist, gibt es neben super bequemen Mobiliar auch einen Flachbildschirm auf jeder Seite des Raumes, so dass Fernsehen fuer jeden Gast eine bequeme Angelegenheit ist. Die Kueche ist ein Traum im Vergleich zum Trimaran. Sie glich einer modernen, nahezu in jedem grossen Haus installierten Kueche. Dazu gab es riesige Kuehl- und Gefrierschraenke, die an ein Restaurant erinnerten. Die Schlafgemaecher haben wir nicht einsehen koennen, dafuer aber das riesige &#8220;Cockpit&#8221; und die Dachterasse mit ausladenden, weissen Ledersofas, von der aus das Boot fast ausschliesslich gesteuert wird.</p>
<p>Augustas und ich waren freudig ueberrascht, wie normal die Beiden sich trotz ihres Lebensstils verhielten. Sie wirkten in keinster Weise abgehoben. Sie waren uns ebenbuerdig und wir fuehlten uns auf Anhieb wohl in ihrer Gesellschaft. Wir lernten die Beiden naeher kennen, da Augustas ihnen half, wichtige Navigationssoftware auf ihren Computern zu installieren und modifizieren. Hakim&#8217;s Dankeschoen dafuer war je eine Sonnenbrille fuer mich und fuer Augustas. Unser zweites Weihnachtsgeschenk <img src='http://followtheroad.com/de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Ein weitere, sehr bemerkenswerte Person in der Marina war James. Er legte mit seinem riesigen Catamaran an. Mit grossen Augen betrachteten wir sein Boot und unser Wunsch einmal hineinzuschauen erfuellte sich kurze Zeit spaeter. Stuart hatte erfahren, dass James eine interessante Navigationssoftware besass und wollte eine Kopie davon haben. Den Wunsch konnte er sich mit Hilfe Augustas erfuellen. Dafuer musste sich Augustas auf James&#8217; Boot begeben und ich nutzte die Gelegenheit auch mit aufzuspringen. Wow, wie geraeumig war doch dieser Catamaran! Ich kam mir vor wie ein Zwerg im Land der Riesen. </p>
<p>James ist Australier und hat einen bemerkenswerten Lebenslauf aufzuweisen. Er wuchs in einem Waisenhaus auf und interessierte sich frueh fuer Rugby. Um Rugby spielen zu koennen, trat er der Armee bei, denn nur so konnte er diesen Traum finanzieren. Das brachte allerdings auch viele Einsaetze in Kriegen mit sich, die James in schlechter Erinnerung blieben. Als er eines Tages einen 15jaehrigen ausser Gefecht setzen musste, der wahllos unschuldige Menschen auf der Strasse erschoss, warf er das Handtuch und kehrte dem Militaer den Ruecken zu. Mittlerweile fuehrt James Vergnuegungslustige auf Bootstouren hinaus aufs Meer. Dazu ist er in verschiedenen Teilen&nbsp;der Welt unterwegs.&nbsp;Zudem beschaeftigt ihn seit einiger&nbsp;Zeit der Aufbau eines eigens angefertigten&nbsp;Holzhauses, dass er auf seinem Grundstueck in Australien erstellen will.&nbsp;</p>
<p>Es war immer interessant mit James, vor allem weil er auf Nachfrage zu einem Thema alle Einzelheiten ausfuehrlich und mit einer Engelsgeduld erklaerte. Er war es schliesslich auch, der uns vor unserer Abfahrt nach Kuba beibrachte, die Navigationsprogramme lesen zu koennen und das dazugehoerige GPS mit den geplanten Daten aus dem Computer zu speisen. Zudem lehrte er mich neue Dehn- und Kraeftigungsuebungen fuer meinen Ruecken und Augustas neue Massagetechniken.</p>
<p><a href="http://followtheroad.com/photos/2006/2006_mexico/islamujeres/IMG_0744.JPG" target="_blank"><img alt="" src="http://followtheroad.com/thumb/thumb.php?src=../photos/2006/2006_mexico/islamujeres/IMG_0744.JPG&amp;w=100" align="left" border="1"></a>Megan und Tom waren auch etwas ganz Besonderes. Sie hatten sich in Kanada kennengelernt, wo Megan als Chefkoch in einem Restaurant arbeitete. Tom, aus den USA, kam vorbeigesegelt und keine 1,5 Monate spaeter waren sie verheiratet. Darauf folgte eine Hochzeitssreise, die unter anderem auf die Isla de Mujeres fuehrte. Dort brach sich Megan bei einer Fahrradtour das Schluesselbein und so verbrachten sie die gesamten Flitterwochen auf der Insel.&nbsp;In dieser Zeit&nbsp;lernten sie die Besitzer eines Hotels naeher kennen und uebernahmen die Regie fuer die Zeit derer Abwesenheit. Ohne es zu wollen, fingen Megan und Tom an auf der Insel<a href="http://followtheroad.com/photos/2006/2006_mexico/islamujeres/IMG_0729.JPG" target="_blank"><img alt="" src="http://followtheroad.com/thumb/thumb.php?src=../photos/2006/2006_mexico/islamujeres/IMG_0729.JPG&amp;w=100" align="right" border="1"></a> zu leben und eines Tages begannen sie an ihrem groessten Traum zu arbeiten: ein selbstgebautes Segelschiff. Obwohl erst halb fertig, erinnert es an jene, majestetischen Schiffe der Vikinger, mit denen Segeln wohl noch ein mystisches Abenteuer war. Wen&nbsp;das Aussehen des Schiffes&nbsp;interessiert, hier die Website: <a href="http://www.wharram.com">www.wharram.com</a>. Dort einfach das Modell PAHI 63 suchen.</p>
<p>An diesem Schiff arbeiten die Beiden bereits seit 4 Jahren. Ein Ende ist nicht in Sicht. Eigentlich sollte das Boot bereits fertig sein, nur hat der schlimme Hurrikan im Oktober 2005 einen grossen Teil ihrer Arbeit zerstoert. Megan und Tom liessen sich nicht entmutigen und arbeiten weiterhin an dem Boot. Da ihre finanziellen Mittel dem Ende zugehen, planen sie fuer einige Zeit&nbsp;in die USA&nbsp;zurueckzukehren, um dort zu arbeiten.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 110px;">
<a href="http://followtheroad.com/de/photos/2006/2006_mexico/aransas/IMG_0469.JPG" title="Christmas tree inside the boat!" class="shutterset_"><img src="http://followtheroad.com/de/index.php?callback=image&amp;pid=819&amp;width=100&amp;height=0&amp;mode=" alt="Christmas tree inside the boat!" title="Christmas tree inside the boat!" /></a>	
<p class="wp-caption-text">Christmas tree inside the boat!</p></div>

<p>Da es nun einmal Dezember war, stand auch Weihnachten irgendwann vor der Tuer. Da sassen wir Zwei nun allein im Boot, nachdem wir bis zum spaeten Abend gerackert hatten. Weihnachtsstimmung wollte nicht aufkommen und wir hingen etwas traurig den Festen mit Familie und Freunden nach, an die wir in unseren Heimatlaendern gewoehnt waren. Es kullerte auch so manche Traene, bis die Stimmung ploetzlich umschlug und kreativ wurde. Augustas hatte die Idee kleine Weihnachtsgeschenke fuer Stuart und Cynthia anzufertigen. Ich wollte unbedingt einen Weihnachtsbaum und so fing ich gleich an einen zu zeichnen. Nach einer halben Stunde war alles fertig und wir waren gluecklich wie kleine Kinder. Der Weihnachtsbaum wurde aufgehaengt und daneben die Weihnachtswichtel gehangen. Darunter platzierten wir kleine </p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 110px;">
<a href="http://followtheroad.com/de/photos/2006/2006_mexico/aransas/IMG_0466.JPG" title="Santa Claus gifts for Stuart and Cynthia" class="shutterset_"><img src="http://followtheroad.com/de/index.php?callback=image&amp;pid=818&amp;width=100&amp;height=0&amp;mode=" alt="Santa Claus gifts for Stuart and Cynthia" title="Santa Claus gifts for Stuart and Cynthia" /></a>	
<p class="wp-caption-text">Santa Claus gifts for Stuart and Cynthia</p></div>

<p>Leckereien, Nuesse und Cornflakes, in selbstgebastelten Paeckchen. Fertig war der Weihnachtsabend und nun genossen wir es ein leckeres Mahl zuzubereiten. Danach folgte noch ein kleiner Film und schon war der Weihnachtsabend zu Ende. Am Morgen klatschten wir vor Freude in die Haende, als Stuart und Cynthia ihre Wichtel mit grossem Erstaunen im Boot vorfanden. Wir waren seelig.</p>
<p>Silvester waren wir auch nur zu Zweit. Wir lehnten eine Einladung in die Stadt ab, wo ein grosses Fest stattfinden sollte. Nicht das wir nicht gerne hingegangen waeren, wir waren aber so muede und kaputt vom arbeiten, dass wir uns vorerst fuer einen ruhigen Abend entschieden. Auch an diesem Abend bereiteten wir eine leckere Abendspeise vor und genossen einen stundenlangen Filmabend. Kurz vor Mitternacht setzten wir uns draussen aufs Boot. Wir wollten Feuerwerke von der ganzen Isla Mujeres beobachten. Um Null Uhr blieb es still. Nichts ruehrte sich. Wir schauten erneut auf die Uhr, die zeigte aber schon einige Minuten nach Mitternacht an. Wo blieb bloss die grosse Jahreswechselfeier? Da, eine Rakete ging los! Wir hoerten sie nur sehr leise, da sie weit </p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 110px;">
<a href="http://followtheroad.com/de/photos/2006/2006_mexico/aransas/IMG_0649.JPG" title="Our New Year's Eve night" class="shutterset_"><img src="http://followtheroad.com/de/index.php?callback=image&amp;pid=834&amp;width=100&amp;height=0&amp;mode=" alt="Our New Year's Eve night" title="Our New Year's Eve night" /></a>	
<p class="wp-caption-text">Our New Year's Eve night</p></div>

<p>entfernt entzuendet wurde. Wieder Stille. Eine halbe Stunde spaeter hoerten wir Musik aus dem Dorf und ein paar weitere Raketen erschienen am Himmel. Aha, es wurde also doch gefeiert! Im Gegensatz zu unseren Laender war der Jahreswechsel aber ausgesprochen ruhig, nahezu idyllisch. Wir fanden das gar nicht mal so Uebel, vor allem der Knaller wegen, denen wir in diesem Jahr gluecklicherweise entgangen waren.</p>
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		<title>Traeume werden wahr&#8230;</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Dec 2006 17:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katja &#38; Augustas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mexiko]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebe Freunde, dieses Jahr sind wir zwar mit gemaechlichen Tempo gereist, haben aber immerhin mehr als 10.000 km zurueckgelegt und viel von der Reise mitgenommen. Wir haben vor allem eins gelernt: wenn du deinen Traeumen folgst werden sie wahr! Schon als wir unsere unendliche Reise begannen, hatten wir eine Menge Traeume. Augustas wollte in so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Freunde,</p>
<p>dieses Jahr sind wir zwar mit gemaechlichen Tempo gereist, haben aber immerhin mehr als 10.000 km zurueckgelegt und viel von der Reise mitgenommen. Wir haben vor allem eins gelernt: wenn du deinen Traeumen folgst werden sie wahr!</p>
<p>Schon als wir unsere unendliche Reise begannen, hatten wir eine Menge Traeume. Augustas wollte in so vielen verschiedenen Laendern wie moeglich leben. Seit 2006 gehoert Belize dazu. Im Maerz diesen Jahres wuenschte sich Katja nichts sehnlicher als irgendwo fuer eine Weile zu leben, um ihre Rueckenprobleme zu heilen. Daraufhin konnten wir 5 Monate lang kostenlos in einer Ferienanlage wohnen, uns entspannen und auskurieren. Seit vielen Jahren hegten wir den Wunsch nach Kuba zu reisen. Im Januar 2007 werden wir genau das tun! Wir wollten entlang der Karibischen Inseln per Anhalter reisen bzw. segeln. So unglaublich es klingt beginnen wir dieses Abenteuer in 3 Wochen!</p>
<p>Neben der Erfuellung vieler Traeume haben wir in diesem Jahr viele neue Dinge gelernt: eine reichhaltige vegetarische Ernaehrung, Geheimnisse natuerlicher Heilmittel, Grundkenntnisse in chinesischer Massage und in Kuerze werden wir lernen wie man ein Boat segelt!!!</p>
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<a href="http://followtheroad.com/de/photos/2006/2006_mexico/december/IMG_0344.JPG" title="" class="shutterset_"><img src="http://followtheroad.com/de/index.php?callback=image&amp;pid=783&amp;width=200&amp;height=0&amp;mode=" alt="" title="" /></a>	

<p>Nun haben wir Weihnachten, eine Zeit in der wir uns und unseren Freunden und Familien neue Dinge wuenschen koennen. Warum nicht wuenschen, dass noch mehr Traeume in Erfuellung gehen? <img src='http://followtheroad.com/de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' />  In dieser magischen Zeit wuenschen wir dir von ganzem Herzen, dass du dein Leben so gestaltest und lebst wie du es willst, deinen Traeumen folgst und immer gluecklich bist!</p>
<p>Wir wuenschen euch allen ein wunderschoenes, heimeliges Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2007!</p>
<p>Eine herzliche Umarmung,<br />Katja &amp; Augustas <img src='http://followtheroad.com/de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> )</p>
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