Hoch nach Norwegen für einen Freundesbesuch

Juni 5, 2009  
Themen: Europa

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Wir lieben ruhige Morgen, beginnen unsere Reise von Leipzig nach Norwegen daher erst um 5 Uhr nachmittags. Statt direkt auf die Autobahn zuzusteuern, verpassen wir unsere Bushaltestelle um weites und enden irgendwo in Merseburg. Mit Frau Weidig (70) aus Weißenfels und einem Herrn aus Aschersleben schaffen wir es schließlich auf die A14. Kurz nachdem wir mit einem jungen Mann in der Nähe von Hannover ankommen, nimmt uns der Geschäftsführer eines Busunternehmens in seinem eigenen, derzeit leeren Bus noch ein Stück mit. Unsere letzte Mitfahrgelegenheit des Tages ist ein Vermögensberater in seinem rasendem Mercedes Coupe, der meint, dass er in der Nacht nicht so schnell fahren würde. Mit nur 230 km/h auf einer Skala von 350 mag er recht haben. Die Nacht verbringen wir in der Nähe von Hamburg unter einem riesigen Baum auf dem Rastplatz einer Tankstelle.

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Wieder genießen wir ein langes Frühstück und versuchen, das Festhalten der Erlebnisse des Vortages nachzuholen. Heino hilft uns direkt durch Hamburg durch bis in die Nähe von Kaltenkirchen, wo uns ein schweigender Herr mit einem wohlerzogenen Hund bis nahe der dänischen Grenze bringt. Mit einem Holländer, der auf dem Weg zu einem Geschäftstermin ist, landen wir in Haderslev in Dänemark. Stunden des Trampens ziehen vorbei – ohne jeglichen Erfolg. Als die Uhr neun schlägt geben wir auf und verschwinden nach dem Abendmahl in unserem kleinen, transportfähigen Häuschen.

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“Ich will heute ganz weit reisen”, beschließt Augustas. Leider bringt der Morgen auch nicht mehr potentielle Autos. Gerade als wir eine ältere deutsche Dame in ihrem Morgenmantel und Hausschuhen auf dem Weg zur Tankstellentoilette beobachten, kommt Afif an, der sich als Retter in der Not herausstellt. Gemeinsam in Schweden angekommen, entscheidet sich Afif, uns bis kurz nach Helsingborg zu bringen, obwohl er in Malmö lebt. Zusätzlich gibt er das Kettenrauchen während der Fahrt auf. Er leidet für uns und bringt es dabei auf einen Rekord von 1 Stunde 20 Minuten ohne Rauchen. Mit einer physisch behinderten Dame und einem Typen in Shorts mit 3 neugierigen Hunden im Kofferraum geht es in die Nähe von Göteburg. Hier stecken wir für Stunden fest, bis uns drei Deutsche, die sich auf dem Weg zu ihrem jährlichen Fischerurlaub in Trondheim befinden, bis nach Moss in Norwegen mitnehmen. Wir beenden diesen Tag mit dem Kennenlernen von Audrius, einem Litauer, der uns für den kommenden Tag nach Kongsberg einlädt und für die Nacht in seinem Wagen an der Tankstelle übernachtet.

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Während wir auf Audrius warten, genießen wir einen entspannten, sonnigen Morgen und arbeiten emsig am Festhalten unserer Reiseerlebnisse. Er versprach, uns spätestens um 12 Uhr abzuholen. Als er um 14 Uhr noch immer nicht auftaucht, entscheiden wir uns nach Bergen zu reisen. Zwei junge Männer mit einem Campinganhänger, die für einen norwegischen Zirkus Plakate kleben, bringen uns nach Drammen, wo wir gerade noch rechtzeitig ankommen, um unsere Essensvorräte aufzufüllen. Mit einem zukünftigen Gärtner geht es nach Bagn, von wo aus uns ein Mann in seinen Dreißigern, der in einer Aluminiumfabrik arbeitet, bis nach Blåflat fährt. Obwohl es bereits 22 Uhr ist, nimmt uns eine Dame bis Flåm mit, dessen Weg durch eine Kette von Tunneln führt, von denen der längste 24,5 km zählt. Kaum haben wir die Straße gewechselt, hält ein junger Fliesenleger an, der uns die letzte Fahrt für den Tag ermöglicht und zwar direkt bis nach Bergen.

Hier in Bergen genießen wir das bisher sonnige Wetter. Wir verbringen viel Zeit mit unseren lettischen Freunden Rasa und Davids und ihrem süßen Sohn Ernests. Die drei kamen erst Mitte März hier in Bergen an und versuchen gerade als Dönerverkäufer und Autopolierer hier Fuß zu fassen. Es sind nicht die besten Anstellungen, trotzdem sind die beiden glücklich, für den Moment eine Möglichkeit gefunden zu haben, um ihr Leben in Norwegen aufzubauen, was alles andere als einfach ist. Später hoffen sie in ihre eigentlichen Berufe als Reiseberater und Fotograf zurückkehren zu können.

Bergen weckt in uns gemischte Gefühle. Es hat wunderschöne Ecken, erscheint jedoch in anderen recht heruntergekommen. Drogenabhängige, Obdachlose und Betrunkene säumen die Straßen an unserer Stadttour am Wochenende. Einen großen Teil der Bevölkerung bilden Ausländer. Auffällig sind die vielen Frauen mit Kinderwagen, die die Gehsteige und Cafés bevölkern. Der Wind ist akezeptabel so lange die Sonne scheint, Regen erleben wir nur einmal und für eine kurze Zeit. Lebensmittel sind sehr teuer hier, wir sind also glücklich über das Auffinden eines türkischen Ladens mit internationalen Speisezutaten für gemäßigte Preise. Der Gebrauchtwarenladen erweist sich als nützlich für das Finden von billigen Handschuhen, da Katjas Finger sich einfach nicht an den kalten Wind gewöhnen wollen.

Wir denken, Bergen an diesem Wochenende zu verlassen. Da sich die Dinge oft verändern, kann es natürlich auch passieren, dass wir unseren Aufenthalt in Rasa und Davids Haus für länger genießen. Am Ende ist es immer schön, mehr Zeit mit Freunden zu verbringen.

Fotos

http://followtheroad.com/en/pictures/europe-2009/leipzig-bergen/

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